GRGR2020

Eine umfangreiche Woche mit unterschiedlichsten läuferischen Herausforderungen liegt hinter mir. Nicht nur hinter mir, sondern hinter allen die den Ginger Runner Global Run 2020 (GRGR2020) mitgemacht haben.
„The Ginger“ Ethan Newberry ist ein recht bekannter Typ, hauptsächlich durch seinen Youtube Kanal, ein fleissiger Ultraläufer dazu und irgendwie generell ein umtriebiger Typ in Sachen Film, Laufen und Musik.
Sein Global Run findet dieses Jahr zum fünften mal statt, die Jahre davor hatte ich nichts davon mitbekommen, also wieso diesmal nicht 10$ für einen guten Zweck investieren und einfach mitmachen.
Im Grunde geht es darum, dass alle Teilnehmer gemeinsam innerhalb von sieben Tagen einmal um den Globus laufen, gesamt also 24.901 Meilen.
Dazu kommt noch eine spezifische Aufgabe pro Tag. Von einfach bis derbe, alles dabei. Die Aufgaben waren nicht vorher sichtbar, sondern wurden jeden Tag um 9 Uhr (unserer Zeit) offenbart, per Email und online als Videobotschaft.
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Anfangs dachte ich mir noch so, mach doch einfach die Tage mit, die dir gefallen.
Kurz darauf, ach komm, Kilometer sammeln kannste, Minimum täglich 10 Meilen (16,2km) sollten schon drin sein, dann wird halt mal täglich gelaufen.
Aber dann war ich schlicht und einfach viel zu neugierig, also fiel die Entscheidung das Ding durchzuziehen, mit allen Aufgaben.

Alle Ergebnisse wurden in Distanz und Höhenmetern ausgewertet, auf der Webseite sauber aufgearbeitet und ständig aktualisiert. Da konnte man schon sehen, dass weltweit aus jeder Liga Läufer dabei waren. Typen die einfach mal 80km runterreissen, genau so wie Abendjogger mit einer halben Meile. Das gemeinsame Ergebnis zählt und der Spaß an der Aktion.
Natürlich wurde alles in den bekannten Social Media Kanälen breitgetreten, davon hab ich allerdings nicht viel mitbekommen, ich bin bekanntlich in diesen Kanäle nicht vorhanden.
Aber ich habe meinen „Zap-Microblog“ (Vergleichbar mit Instagram oder Twitter), also perfekt für die tägliche Statusmeldung und um Bilder zu posten.

Und das war zusammengefasst meine GRGR-Woche:

Montag – MONDAY TOUR GUIDE CHALLENGE
„Help us see where you live! We’d love for you to share a special destination near you. It can be a favorite view, a local mountain summit, a bridge you cross everyday or the swing-set where you met your significant other.“
Das war einfach, der Rheinturm ist nicht weit, das Wetter war fotogen, von der anderen Rheinseite bekommt man den Landtag und die Gehry-Bauten vom Medienhafen mit drauf. Schnappschuss, die ersten 16,5km im Sack und fertig.
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Dienstag – TUESDAY TRI-DAY CHALLENGE
„Obviously, we all love to run, but today we’re going to challenge you to add 2 additional activities to your day! This is where you can get creative“
Auch sehr einfach. Ein sehr langer Spaziergang mit dem Hund und vorab etwas ausgedehntes morgendliches Beweglichkeits-Training. Danach ab in den Wald und 16,3km abspulen. Drei Aufgaben fertig.
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Mittwoch – WORKOUT WEDNESDAY
„Today is when things start to get spicy! We want to see everyone challenge themselves to run a fast 10k (6.2 miles) on the terrain of your choice. “
… ok, die Beine waren noch vom hügeligen Vortag etwas beleidigt, das Ding wurde eine echte Herausforderung.
Am Rheinufer ist es flach und asphaltiert, ich hab einen gemütlichen 2km Jog zu meinem erdachten Startpunkt gemacht, mich gesammelt, den gedanklichen Startschuss abgefeuert und bin losgerannt. Es war erst echt hart, aber wurde nach 5km besser. Ich wollte wirklich nur so schnell sein wie ich konnte und hatte mir keine Zeit gesetzt.
Den phänomenalen Zieleinlauf mit tosender Menschenmenge hab ich ein paar Minuten nach dem „Finish“ nochmal fotografisch nachgestellt:
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Foto muss ja sein.
Es sind schließlich 40:09 Minuten geworden. Nicht schlecht für die Umstände.
Um meine 10 Meilen vollzubekommen musste noch was drangehängt werden, der 3,4km Lauf nach Hause war dann seeeehr enstpannt, aber hat auch sehr gut getan.

Donnerstag – GPS ARTISTE CHALLENGE
„Use your GPS track to create some fun art“
Ja cool, das ist die perfekte Entspannung nach dem schnellen 10km Lauf am Vortag. Meine Beine waren echt schwer, das geb ich zu. Also gemütlich bleiben. Aber was zur Hölle soll ich per GPS malen?!?!
Die Idee kam schnell, der passende Platz dazu auch. Mit Garmin Connect hab ich versucht die „Route“ vorab zu planen, auf die Uhr überspielt und bemerkt dass ich sowas noch nie gemacht hab 🙂
Man kann nur dazu lernen.
Also zuerst mal wieder 5km zu den Rheinwiesen, dort den Track aufgerufen, und das laufende Männchen „nachgelaufen“. Durch Disteln. Und Schafköttel. Und Glasscherben. Einen ganz tollen Platz hatte ich mir da ausgesucht. Das Ergebnis ist, nunja, grade so erkennbar, aber noch ok. Aber ich hatte trotzdem Spaß an dieser kleinen Aufgabe.
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Anschließend noch etwas über 10km Dauerlauf um die verdammten täglichen 10 Meilen zusammen zubekommen.

Freitag – PHOTO FRIDAY CHALLENGE:
„We want to see some of the best photographs you can snap while you run taking into account composition, lighting, environment, theme and subject.“
Da gebe ich mal zu, das war nicht so mein Ding, aber trotzdem wollen ja 10 Meilen gelaufen werden, eher ruhig und die Gopro ist ja eh dabei.
Am Rhein lässt sich auch immer irgendwas fotografieren, zum Beispiel Fivefingers und Kieselsteine:
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Es sind dann 17,4km geworden, damit war immerhin meine persönliche Challenge mehr als erfüllt.

Samstag – 2 HOURS OF VERT CHALLENGE
„As an homage to previous year’s Ginger Runner Global Runs, today’s challenge is the 2 hour vert challenge. We want to see how many feet of vert you can accumulate in 2 hours. “
So viele Höhenmeter wie möglich innerhalb von zwei Stunden?! DAS war jetzt echt hart.
Aber nach der bisherigen Woche ausgerechnet am Samstag kneifen? Ganz sicher nicht.
Also ab in den Wald, Runden drehen. Und soll ich euch was sagen? Das ging viel besser als erwartet. Die erste Stunde ist einfach so verflogen, ich war eher mit moderatem Tempo unterwegs, hab immer wieder einen Trinkbrunnen angesteuert und einfach genau das versucht was möglich war. Höhenmeter sammeln.
Nach fast zwei Stunden bin ich aus dem Wald raus, hab genau bei 2:00:08 gestoppt und mich über 434 „Vert“-Meter und 24,12km gefreut.
Danach noch 3km Rückweg mit erstaunlich lockeren Beinen und einer netten Pace. Wenn man erstmal in Fahrt ist …
Meine 10 Meilen Challenge war mehr als doppelt im Sack und zuhause hatte ich einfach nur noch Hunger!
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Sonntag – SUNDAY FREE-FOR-ALL CHALLENGE
„For today’s challenge, we want you to log as many miles as you can. That’s it! “
Das ist einfach, kann ich.
Und bei der Vorlage gebe ich mich mit den geplanten 10 Meilen nicht zufrieden, ein Halbmarathon muss es schon sein.
Wurden es auch, ziemlich auf den Punkt sogar mit 21,21km.
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Damit ist der GRGR2020 für mich beendet.
Am meisten Spaß hatte ich am 10k Lauf und beim zwei Stunden Höhenmetersammeln, erwartungsgemäß wahrscheinlich.
Ich hab es in den sieben Tagen auf knappe 132 km gebracht und befinde mich damit in guter vorderer Gesellschaft der fast 900 Teilnehmer aus 43 Ländern. Da es keine Wertung gibt, ist das aber auch eigentlich völlig uninteressant.
Die Zusammenfassung der Ergebnisse ist hier zu sehen: https://rungrgr.com/2020-results

Einmal um die Welt hat übrigens auch geklappt, es wurden sogar ein paar Kilometer mehr.

Ich werde mir jetzt erstmal die verlorenen Kilos wieder anfressen und die nächsten Tage etwas ruhiger angehen lassen.
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10 Jahre

Jetzt im Juni werden es 10 Jahre aktives und regelmäßiges Laufen bei mir.
Auch wenn es vorher immer mal wieder vergebliche Versuche gab, ernsthaft durchgezogen und brav protokolliert wird seit genau zehn Jahren.
Am 23.06.2010 bin ich abends in meine am Vortag erstandenen Mizuno Waverider geschlüpft und habe mich über die sagenhafte Distanz von 4km in einer sensationellen Zeit von 30 Minuten gequält.
Am nächsten Tag wollte ich wegen Muskelkater und Frust nie wieder laufen, am übernächsten ging es dann trotzig wieder auf die Strasse.
Den Rest kennt ihr. Zwei Jahre später kam der erste offizielle 10km-Lauf, 2012 der erste Halbmarathon, im Folgejahr der erste Marathon und schließlich sogar ein kleiner Ultramarathon in der schönen Eifel.
Begleitet wurde alles von einer sachten Umstellung der normalen Laufschuhe auf minimales Schuhwerk, heute laufe ich fast nur noch in Fivefingers.
Für 4km ziehe ich jedenfalls mittlerweile nicht mal mehr Schuhe an, das geht auch barfuß und völlig entspannt in etwa der Hälfte der Zeit.

Dass aus diesen ersten zaghaften Bemühungen mal so eine Leidenschaft wird, das hätte ich damals nie gedacht. Ich wollte einfach nur etwas mehr Ausdauer zurück, war ein wenig in Sorge um meine allgemeine Kondition. Dank viel körperlicher Arbeit war ich eigentlich immer sehr fit, der Berufwechsel an den Schreibtisch hat das fast zunichte gemacht, da musste eine Änderung im Leben her.

Heute kann ich hier ehrlich schreiben, dass mir die Lauferei nur Gutes gebracht hat.
Sowohl körperlich als auch mental. Klar, es gab Rückschläge, der blöde Ermüdungsbruch, Stürze, viel Schmerzen, Erschöpfung und sogar völlig ausser Kontrolle geratenes Übertraining.
Aber das alles verblasst gegenüber dem allgemeinen Wohlfühlen, der gewonnenen Stärke und Grundausdauer, der Ausgeglichenheit und auch dem Stolz und Selbstbewustsein so einiges als Spätstarter erreicht zu haben.
Nicht zu vergessen die vielen Kontakte und Bekanntschaften, ob über die Blogosphäre, das Fediverse oder auch bei den vielen Veranstaltungen und natürlich beim parkrun. Niemanden von euch hätte ich je kennengelernt und vor allem, von niemanden hätte ich jemals was gelernt. In der Laufszene wird wirklich nicht mit Tipps, Hinweisen und Ratschlägen gegeizt. Das hat mir bisher wahrscheinlich so einige Katastrophen erspart.
Obwohl ich immer noch ein notorischer Alleine-Läufer bin, hat mich das Laufen doch tatsächlich nachträglich etwas sozialisiert.

10 Jahre also, in denen doch recht viel passiert ist.
Dieses kleine Jubiläumsjahr wollte ich mit neuen Bestzeiten garnieren, mit neuen Herausforderungen auffüllen und überhaupt musste irgendwas Besonderes her, ein Meilenstein der mich wieder mal weiterbringt.
Dass es allerdings so "besonders" werden würde, das konnte im Januar noch niemand ahnen.
Statt Wettkampfehrgeiz drehe ich einsame Runden. Statt nervös an irgendwelchen Startlinien herumzulungern, gehe ich einfach vor die Haustür und renne los.
Zu den üblichen "Pflicht"-Lieblingswettbewerben, hatte ich dieses Jahr noch so einige andere sehr reizvolle Veranstaltungen rausgesucht und mich teilweise bereits angemeldet.
Alles verpufft, alles abgesagt.
Also einfach nur Laufen um zu laufen, nicht um Wettkampfpräsenz zu zeigen.
So richtig planvolles Training mache ich ja eh nie, aber jetzt steht nicht mal mehr mein typischer Trainings-Hinweis wie zum Beispiel "langer Lauf" oder "sehr langer Lauf" in meinem Kalender.
Und das alles macht mir überhaupt nichts, hab ich ja auch schon ein paarmal beschrieben.
Im Gegenteil, mir wird grade mal wieder noch bewusster, dass es eben diese einsamen Runden sind, die mir so sehr gefallen. Eintauchen in den eigenen Rhythmus, spontane Entscheidungen über Richtungswechsel auf der Strecke, bummelig oder schnell, Wald, Stadt oder Rheinufer, ganz einfach jederzeit so laufen wie es mir gefällt.
Das ist eine ganz besondere Art von Freiheit, die ich sehr geniesse.
Für mich sein und rennen.

So wird mein Jubiläumsjahr also, trotz abgesagter Veranstaltungen und verpuffter möglicher Bestzeitenplatzierungen, dennoch zu einem Ereignis, dass ich wahrscheinlich nie vergessen werde.
So kanns kommen.

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Selbstverständlich gibt es trotzdem etliche besondere Ereignisse in diesem verrückten ersten Halbjahr, aber die haben nichts mit Laufen zu tun.
Einige von euch haben allerdings bei einem in diversen Kommentaren aufgetauchten Thema mehrfach nachgefragt, also sehr gerne ein paar Sätze zu Otto.

Den nehm ich dann auch noch mit

Dann also doch noch ein weiterer virtueller Lauf. Der Wings for life World Run ist ja ziemlich bekannt und beliebt. Normalerweise gibts massenhaft Veranstaltungen in allen großen Städten rund um den Globus, dieses Jahr hieß es für alle alleine mit App zu rennen.
Der virtuelle Countdown beginnt in Deutschland um Punkt 13 Uhr, dann einfach loslaufen und nach einer halben Stunde startet der (virtuelle) Besenwagen, das „Catcher Car“, von dem die Läufer Stück für Stück eingeholt werden und dann raus sind. Es gibt also keine klassische Ziellinie, sondern die Teilnehmer sollen so weit rennen wie möglich.
Soweit so gut. Ich hatte mich relativ spontan angemeldet, einfach weil ich eh Lust auf einen langen Lauf hatte, aber mich daher auch erst sehr kurzfristig mit den Voraussetzungen auseinander gesetzt. Ansonsten, null Vorbereitung für sowas. Im Gegenteil, die Woche hatte es vom Umfang her in sich, durch einige recht schnelle Waldläufe.

Punkt 1: Anmeldegebühren als Spende, check, gerne.
Punkt 2: Smartphone mitschleppen, da steh ich ja nicht so drauf.
Punkt 3: Kopfhörer mitschleppen um die „Audio Experience“ zu geniessen. Genau mein Ding …
Platz für den technischen Schnickschnack fand sich in der Laufweste, etwas Wasser musste ja sicherheitshalber mit auf den Weg, das Wetter meinte es plötzlich wieder sehr gut.

Den Countdown erklang in meiner App erstaunlicherweise nicht, aber spontan um 13 Uhr auf „Start“ drücken, das bekomm sogar ich hin.
Nach jedem Kilometer wird man über Kopfhörer mit der „Audio Experience“ beglückt, einerseits mit der Kilometerangabe und dann immer nochmal mit einem „tollen Spruch“. Das ging mir aber leider sehr schnell so sehr auf die Nerven, dass der Stöpsel für eine längere Zeit nicht mehr im Ohr war.
Eine bestimmte Strecke hatte ich nicht geplant, bin einfach (mal wieder viel zu schnell) drauf los, wollte irgendwie grob meine große Rheinrunde drehen und dann eventuell noch ein paar Runden vor der Haustür machen, bis mich der Besenwagen einsackt.
Die Runde wurde ausufernder und nachdem ich bei Kilometer 25 den Ohrstöpsel wieder reingedrückt hatte, wusste ich dass es etwa 27-28km werden könnten. Ich gebe zu, wahrscheinlich bedingt durch den Umfang in der ganzen Woche, wurden die letzten paar Kilometer schon schwerlich und etwas langsamer, über den halben Liter Wasser war ich jedenfalls sehr glücklich. Die letzten 1000 Meter meldet sich das Catcher Car immer öfter und man wird ganz gut über die Ziellinie geschickt.
Irgendwie hab ich es dann ernsthaft geschafft ca. 500 Meter vor meiner Haustür vom Catcher Car eingeholt zu werden, also wirklich eine perfekte Punktlandung.
Laut App bin ich 27,59km weit gekommen (nach meiner Laufuhr 28,75km) und hab knappe 2h18m gebraucht, damit bin ich sehr zufrieden.
Jetzt ist es aber wirklich erstmal Schluss mit virtuellen Läufen.

Das offizielle Ergebnis:
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Die Route:
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Grüne Strecke …
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… unendliche Weiten …
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… und wenig Wasser im Rhein
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Etappenlauferei zu Ostern

Am Gründonnerstag hatte ich unterwegs auf meiner Laufrunde die Idee, die anstehenden sonnigen Feiertage einfach mal täglich zu laufen. Ohne bestimmtes Ziel, einfach nur die freie Zeit nutzen und draussen sein.
Kaum wieder zuhause angekommen und wie es der Zufall so will, finde ich eine Mail von Elke in meinem Postfach, eine Einladung zum Ostermarathon2020. Marathon? Ostern 2020?
Wie soll das denn in der jetzigen Situation funktionieren? Ganz einfach, jeder läuft für sich selbst und lädt seine Zeiten in das Timing-Portal. Damit nicht genug, die Marathondistanz darf innerhalb von vier Tagen (Karfreitag bis Ostermontag) in Etappen gelaufen werden. Also war weder Vorbereitung noch Taperingzeit nötig, es sprach einfach gar nichts gegen eine spontane Anmeldung, das alles passte ja wunderbar zu meinem eh schon getroffenen Vorhaben. Und ein paar Euro für den Spendentopf gab es selbstverständlich auch, das ganze war eine Veranstaltung für einen guten Zweck.

Zum „Marathonstart“ am Karfreitag wurden die ersten 14,5km unkompliziert hier in der Nachbarschaft als Rundenlauf runtergerannt. Das ist eigentlich eine charmant Strecke weil man ohne nachzudenken Tempo machen kann und keine Ampelstopps oder so hat. Aber Rundenlaufen langweilt mich auch schnell.
Der zweite Tag wurde daher etwas ausladender, die 17km-Strecke am Rhein sollte es werden, also ab dafür. Sehr ungewohnt war allerdings das Hammerwetter und die plötzliche Wärme, eigentlich nur 22°C, aber irgendwie gefühlte 30°C. Ich gebe zu, am Ende wurde es eine sehr durstige Angelegenheit.
Deshalb bin ich Ostersonntag sehr früh raus, angekündigt war ein weiterer knallsonniger Tag, statt Hitze konnte ich auf 14,3km die wunderbare morgendliche Frische mitnehmen. Genial!
Und wer bis hierher mitgerechnet hat, wird bemerken dass ich die Marathondistanz längst im Sack hatte.
Trotzdem weiter, es galt noch ein Feld im Timing-Portal zu füllen und überhaupt war da ja noch mein eigenes Vorhaben.
Ostermontag wurde schließlich mit weiteren 15km wieder ein überraschend schneller Lauf, vom starken Wind getragen, gegen Böen kämpfend, aber dank der plötzlich sehr niedrigen Temperaturen mit einer Leichtigkeit die ich nicht erwartet hatte. Einfach ein wirklich großer Spaß!
Als Ergebnis lande ich beim Ostermarathon, mit gesammelten 61km, bei einer (sehr!) theoretischen Marathonzeit von 03:06.43
Der Spaß war es auf jeden Fall wert!

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Mein eigenes Vorhaben konnte ich mit 78,5km abschliessen. Besonders zufrieden macht mich bei der Aktion, dass ich keinen Durchhänger hatte. Ganz im Gegenteil, alle Läufe waren eher schnell und stabil vom Tempo. Normalerweise laufe ich etwa jeden zweiten Tag, dafür allerdings längere Strecken.
So passt es aber scheinbar auch ganz gut, könnte ich ja mal wiederholen.
Bleibt gesund, haltet Abstand und lauft an der frischen Luft. Es lohnt sich immer!

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So sieht übrigens die Ziellinie des Düsseldorf Marathons aus, wenn kein Marathon ist:
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Realitätscheck

Hier im Rheinland werden nun die ersten Laufveranstaltungen wegen Corona abgesagt und das ist bestimmt erst der Anfang. Die Veranstalter machen es sich ganz sicher nicht leicht und für Meckerei hab ich kein Verständnis. Ja klar, es wurde darauf hin trainiert und vielleicht gab es hohe Erwartungen und überhaupt "das ist mein jährlicher Traditionslauf" blabla. Macht euch mal locker Leute, wir machen das als Hobby, wer gesund bleibt (und das sollte immer oberstes Ziel sein), kann auch in den nächsten Jahren noch Medaillen verdienen.
Da ich eh keinen Trainingsplan hab und einfach aus Spaß an Wettbewerben teilnehme, finde ich es zwar einerseits schade wenn jetzt was ausfällt, aber drehe andererseits einfach weiterhin meine einsamen Runden, an denen ich nicht minder Spaß hab.

Und zur Zeit gibts auch endlich wieder was zu sehen, die Tage werden merklich länger, meine Feierabendläufe sind nicht mehr durchgehend stockfinster und der Rhein hat Hochwasser! Nach den letzten zwei Jahren Trockenheit ist das ein echt ungewohnter Anblick.

März 2019:
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Dazu mal im Vergleich der Sommer 2019:
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Normalerweise laufe ich sehr gerne eher gemütlich direkt unten am Wasser auf den Trampelpfaden, nunja, die sind jetzt abgesoffen. Also hab ich zur Zeit ca. 99% befestigte Wege, die mich nicht grade dazu bewegen langsam zu laufen. Tempotraining leicht gemacht, es passiert einfach.

Und da der "Winter" ja offenbar jetzt wirklich vorbei ist: ich habs mit den Shorts durchgezogen, die langen Tights wurden nicht gebraucht. Es gab aber auch keine so richtig kalten frostigen Tage, mir wurde es also leicht gemacht.  
Stattdessen war meine gute leichte Regenjacke, die ich seit sechs Jahren besitze, noch nie so viel im Einsatz wie in den letzten vier Wochen.
Irgendwas ist ja immer 🙂

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Bleibt alle gesund und dreht weiterhin zufrieden eure Runden an der frischen Luft.

So kann das Jahr weitergehen

Samstag früh, kurz vor 9 Uhr. Bei schmuddelig-nass-kaltem Wetter gehts mal wieder auf in den Volksgarten. Am heimischen parkrun-Treffpunkt warten bereits einige tapfere und fröstelnde Helfer (die Strecke muss ja vorher auch markiert werden), sowie die ersten Läufer. Freudige Neujahrswünsche werden ausgetauscht, neue Gesichter begrüßt und überhaupt, es macht immer wieder Spaß dort zu sein.
Nach und nach trudeln weitere Läufer ein, am Ende werden immerhin 26 Leute am Start stehen.
Kurzes Briefing, Gruppenfoto, runter zählen und los gehts. Ich sprinte einfach mal vorneweg, aber zwei Herren direkt hinter mir, im Nacken. Die üblichen schnellen Hirsche sind diesmal nicht dabei, also gebe ich ausnahmsweise mal das Tempo vor. Der letzte parkrun im Dezember ist noch in guter Erinnerung, auch an diesem frostigen Tag bin ich anfangs auf erster Position gelaufen um dann auf der zweiten Runde gleich von drei(!) ortsfremden Läufern abgekocht zu werden. Die hatten mich ganz einfach (aus Ermangelung eines echten) als "Führungs-Fahrrad" genutzt, die Strecke kennengelernt und dann aufs Gaspedal gedrückt.
So einfach möchte ich es den beiden Kollegen hinter mir diesmal nicht machen, "einfach nicht überholen lassen" ist jetzt die Devise und vor allem nicht zu früh am Limit sein. Hinter mir wird dann tatsächlich auch zunehmend schwerer geatmet und der Abstand nimmt spürbar zu, bereits vor der zweiten Runde lege ich nochmal einen drauf und ziehe schließlich ab. Die Strecke ist sehr kurvenreich, an einigen Stellen kann man die Nachfolgenden sehr gut sehen ohne sich den Hals zu verrenken, nach 3,5km ist alles klar, da passiert nix mehr, ich bleibe einfach bei meinem Tempo.
Mit 19:24 renne ich schließlich ins Ziel. Endlich mal wieder auf dem ersten Platz, zwar weit entfernt von meiner PB, aber daran kann ich in den nächsten Monaten ja arbeiten, wenn die schnellen Jungs wieder als ungewollte Pacemaker dabei sind.
Auch wenn so ein erster Platz beim parkrun völlig unspektakulär ist, es geht ja mehr um das gemeinschaftliche Laufen und nicht um Ränge, mir gibt es diesmal ein gutes Gefühl als Jahresstart.
Ganz selbstverständlich packen anschließend viele noch beim Abbauen und Aufräumen an, einige gehen danach noch ins Café zum gemeinsamen Frühstück. Ich dagegen schultere meinen Laufrucksack (Wechselklamotten sind immer dabei) und mache mich gemütlich laufend die mittlerweile routinierte 13km-Strecke mit einem Schlenker über die andere Rheinseite auf den Weg nach Hause.

So mag ich den Jahresanfang.

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Nochmal schnell um den See

Letztes Jahr fiel er für mich wegen gebrochenem Fuß aus, dieses Jahr war er dafür um so schöner: der alljährliche Halbmarathon des Martinslauf stand noch auf meiner Liste der offiziellen Rennen.
Um diese Jahreszeit kann man durchaus Pech mit dem Wetter haben, oder eben auch unheimlich Glück. Bei zwar frostigen Temperaturen, aber knallblauem Himmel und Sonne pur, konnte der SFD’75 dieses Läuferhighlight routiniert durchführen. Der Martinslauf zieht mehr Läufer als zb. der Kö-Lauf. Wenn es nicht die Begrenzung von 1.200 bei 10k und HM gäbe, wahrscheinlich noch mehr. Die Strecke ist zu 90% aber auch wirklich ein Genuss, Waldwege, flach, frische Luft, gute Versorgung (wer es braucht), sehr gute Organisation und ein buntes Rahmenprogramm für die ganze Familie.

Ich hatte es dieses Jahr völlig verpeilt meine Startnummer vorab zu organisieren, also auf den letzten Drücker einen Parkplatz suchen, Fußmarsch zum Ort des Geschehens, ins große Zelt, zum Glück keine Warteschlange mehr, Nummer ans Shirt gepinnt, kurz aufgewärmt und gedehnt und dann stand ich auch schon an der Startlinie. Viele bekannte Gesichter dabei, etliche Parkrunner (natürlich) und auch etwas Prominenz.
Runterzählen und los ging es. Wie üblich erstmal Gedränge, nach etwa einem Kilometer hatte ich mich frei gelaufen, ein Blick auf die Uhr: Pace 4:05. Die wollte ich halten wenn irgend möglich. Negativ Split oder so klappt eh nicht bei mir, also einfach laufen. Die Fivefingers V-Trail hatten sich ja schon auf der Strecke bewährt, waren auch diesmal die richtige Wahl und überhaupt es fühlte sich einfach alles klasse an. Nach ca. 14km zogen die ersten schnellen Hirsche, die den negativen Split können, an mir vorbei, teilweise mit aufmunternden Worten „Alter! Mit den Schuhen so ein Tempo!?“ Immer wieder schön 🙂
Der für mich blödeste Teil ist der schnurgrade Streckenteil auf dem Radweg direkt neben der Bundesstrasse, da geht mir jedesmal das Tempo etwas weg, meine Pace schwächelte auch diesmal. Danach aber wieder rein in den Wald und nochmal hochgeschaltet, fix ein paar Läufer überholen und auf in den Schlußsprint, alle Reserven locker machen.
Die letzten zwei Kilometer lassen sich nochmal ganz wunderbar rennen, nur seichte Kurven, angenehmer Untergund, da geht was. Plötzlich höre ich Schnaufen hinter mir, jetzt noch überholt zu werden ist völlig undiskutabel, nun also wirklich schnell sprinten. Dass das überhaupt noch möglich war, zeigt mir mal wieder dass ich grundsätzlich wohl auf der HM-Distanz noch was rausholen könnte.
Der Zeileinlauf war wirklich sensationell, wir zwei haben uns echt nichts genommen, sind gerannt wie die Irren. Ich hatte dann zwar die Füsse vor dem Kollegen über der Matte, aber netto war er tatsächlich etwas schneller als ich. Hat sich also für beide gelohnt.
Anschließend abklatschen, sich gegenseitig feiern, freuen, literweise warmen Tee trinken und statt Medaille den obligatorischen Weckmann abholen.
Meine offizielle Netto-Zeilzeit: 01:28:45, Platz 36 (von 931 Finishern), 3. Platz in meiner AK M50.
Also mein dritter HM unter 1:30 innerhalb eines Jahres, der ehemaligen Traumzeit, die ich nie zu erreichen glaubte.
Mehr als zufrieden ging es in netter Gesellschaft zurück zum Parkplatz und ab nach Hause. Ein wunderbarer Lauftag war das!

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Aufwärmen.

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Zielsprint!

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Der Weckmann war schnell weg Mann. Die Pfeife ist geblieben.

Drei schnelle Runden durch Düsseldorf

Der Kö-Lauf war früher mal ein 10km Lauf, der vier oder fünf Runden über und um die Königsallee mitten in Düsseldorf ging. So genau weiß ich das nicht mehr, obwohl ich zweimal dabei war. Aus meiner Erinnerung eine eher lieblose Veranstaltung und beim zweiten mal (2014) hat die Zeitmessung für mich nicht mal geklappt. Naja, daraufhin hatte ich in den Folgejahren keine Lust mehr Runden in einem völlig überfüllten Feld zu laufen.
Vor einigen Jahren kam die Halbmarathondistanz dazu, ich hatte immer noch kein Interesse, aber dieses Jahr hat mich irgendwas gestochen, vielleicht sollte ich  da doch einfach mal mitzumachen. Ist ja im Grunde direkt vor der Haustür.
Die Strecke besteht aus drei 7km-Runden, ist superflach, einige enge Kurven sind dabei, absolut tauglich für Bestzeiten.
Und eine Bestzeit hatte ich mir auch vorgenommen, ein paar Sekündchen schneller als beim Himmelgeist HM sollten es schon sein, zumal das Wetter auch noch wunderbar passen sollte, 12°C, wolkig, nur leichter Wind.
Meine einzige Sorge war, dass es wohl sehr voll sein wird und ich steh echt überhaupt nicht auf Gerempel auf den ersten paar Kilometern.
Auf Anraten einiger Läufer im Vorfeld hab ich mich dann also mutig in die vierte Reihe gestellt und wurde wie üblich stark belächelt für mein Fivefingers-Schuhwerk. Sogar leichter Spott war diesmal dabei, naja, wenn ihr sonst nix habt Leute, da steh ich echt drüber.
Startschuss und ab dafür. Erstmal sofort mit einer Pace von 3:45 um schnell aus dem Startfeldgedrängel zu kommen. Diese Pace würde ich niemals halten können, aber Halbmarathon ist sozusagen meine Haus-und Hofdistanz, da kann ich so ziemlich alles recht gut einschätzen. Mein Plan war durchschnittlich eine 4:14er Pace zu laufen, dann würde alles passen.
Und kaum war ich unterwegs, hat es einfach nur noch Spaß gemacht, sehr sogar!
Das Feld hat sich wider Erwarten sehr schnell gelichtet, ich war zeitweise fast alleine unterwegs und konnte einfach mein Tempo machen, mal etwas schneller, mal etwas langsamer, der Schnitt passte.
Gedrängel gab es überhaupt nicht, die Zuschauer haben gefeiert, ich konnte Läufer überholen, mich überholten Läufer, keine Anspannung bei mir, einfach nur konzentriert laufen war angesagt.
Vorteil beim Runden laufen: Nicht nur meine Liebste hat mich auf jeder Runde anfeuern können, sondern zu meiner großen Freude stand ein Parkrunner an der Strecke und hat mich ebenfalls bei jedem Durchlauf motiviert. So macht das Spaß! Am Nachmittag hat er dann übrigens den 10km Lauf mit einer sensationellen Zeit gefinisht.
Bei km15 hab ich das Schlussfahrrad überrundet, ab dann waren ständig langsame Läufer aus dem Schlussfeld auf der Strecke, die fix überholt wurden. Unter anderem auch drei Barfußläufer aus der hiesigen „Barefoot Academy“. Kurzes sympathisches Scherzen (über Barfuß und Fivefingers) und dann mit Tempo auf die letzten Kilometer.
Nach der letzten Runde geht es runter von der Hauptstrecke, schnell und schnittig um zwei Kurven, unter dem Zielbogen durch, Medaille abgegriffen, Uhr gestoppt und gestaunt: 01:27:43!
Damit konnte ich meine bisherige Bestzeit um satte zwei Minuten verbessern!
Offizielles Ergebnis: Platz 34 (von 832 m/w Läufern).

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Danach erstmal viel trinken, auf der Strecke hatte ich keinen VP genutzt, war nicht nötig. Aber hinterher kommt der Durst, so sicher wie der Zielbogen. Der Nachzielbereich war übrigens gut ausgestattet, Bananen, Wasser, Iso usw., alles da. Und wieder bekannte Parkrunner als Helfer beim Getränke ausschenken. Düsseldorf ist eben ein Dorf 🙂

Auf den Punkt gebracht: der Kö-Lauf ist nach wie vor eher lieblos, aber man bemüht sich um viel Aktion, besonders für den läuferischen Nachwuchs. Ist aber eben auch eine Innenstadt-Veranstaltung und kein charmanter Dorf-Volkslauf. Wer schnell laufen möchte kommt absolut auf seine Kosten, ich kann mir tatsächlich vorstellen wieder mitzumachen.
Dieses Jahr war ich jedenfalls so richtig zufrieden mit dem Lauf!

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Lange Meile von Langenfeld nach Himmelgeist

„So langsam solltet ihr mal nach Himmelgeist umziehen“ bekam ich freundlich augenzwinkernd im Zielbereich des diesjährigen Himmelgeistlauf oder 35. Herbert-Hermanns-Lauf zu hören. Bin ich doch eh ständig beim örtlichen Halbmarathon anzutreffen und habe inklusive des Jüchtlaufs dieses Jahr alle drei Läufe des mir bis eben unbekannten „Himmelgeist Cup“ bestritten.
Der ca. 16km lange Himmelgeistlauf startet traditionell am Wohnhaus des langjährigen Schützenchefs Herbert Hermanns in Langenfeld und endet mit tosendem Beifall im Festzelt der „kleinsten Kirmes am Rhein“,  in Himmelgeist.
Läufer Herbert hat sich vor 35 Jahren gesagt, bevor wir Schützenfest feiern, wollen wir noch was Gutes tun. Jeder Läufer spendet am Start einen Betrag nach Wahl zu Gunsten der Kinderkrebsklinik, bei ca. 80 Läufern nebst Begleitung kommt da schon eine schöne Summe zusammen.

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Nach der Emaileinladung zögerte ich nicht lange, hatte aber keine Ahnung was der „Heppi“-Hermanns-Lauf sein sollte, nur die Strecke hat mich angesprochen und dass es in Himmelgeist immer sehr familiär und freundlich zugeht.
Also haben wir uns um 10:30 Uhr bei allerbestem Sommerwetter (28°C) vor Herberts Haus in Langenfeld eingefunden, meine Fivefingers waren mal wieder Thema, gerne belächelt, von Kindern allerdings immer als „coooole Schlappen!“ betitelt. Viele der Läufer kannten sich, einige sind sogar aus Himmelgeist nach Langenfeld gelaufen um dann wieder zurück zu traben.
Es gab ein paar kurze Ansprachen vom Düsseldorfer Oberbürgermeister (begeisterter Läufer) der auch erstmalig dabei war, sowie einigen anderen Organisatoren, und dann ging es einfach los.
Ich bin davon ausgegangen dass es sich um einen geselligen gemeinschaftlichen Lauf handelt und wunderte mich dass da ein paar echt schnelle Typen losballerten. Also scheinbar gehts um irgendwas, dann kann ich ja auch einfach mal losrennen. Fix das Feld aufgerollt, die zwei schnellsten Hirsche sind bereits uneinholbar weit vorne, ich hab schließlich einen drahtigen Läufer in meinem Tempo gefunden und bin mit ihm plaudernd gute 6km in 4:00er Pace zusammen gelaufen. Von ihm hab ich dann auch erfahren dass es sehr wohl eine Zeitmessung der ersten drei gibt und dass der dritte Platz dieses Jahr mir gehören würde, er müsste gleich mal langsamer machen, fühlte sich nicht so richtig toll. Irgendwann hab ich nur noch ein „viel Erfolg!“ gehört und der Kollege war weg. Ich also alleine weiter, irgendwo hinter mir folgte ein Läufer in weissem Shirt, aber eher ungefährlich für meine Platzierung. Das Feld hatte sich sehr weit auseinandergezogen, ich war plötzlich wirklich völlig alleine unterwegs.
Die Beschilderung der mir komplett unbekannten (und wirklich sehr schönen!) Route war recht gut, bis es dann passierte, auf den letzten zwei Kilometern bin ich falsch abgebogen, fand mich irritiert in einem Hof und einer Sackgasse wieder. Schnell umdrehen, da sah ich auch schon Weisses Shirt, der mich rüberwinkte. Kurzer Dank an den freundlichen Kollegen und ein wenig Flucherei, dann wieder ab in mein Tempo. Den Dritten wollte ich mir durch diesen Patzer nicht nehmen lassen.
Nochmal kurz durch Felder und pralle Sonne, die letzten Meter durch Himmelgeist geprescht und dann der Zieleinlauf in das Kirmes-Festzelt, unter tosendem Applaus der Anwesenden. Großartig!
Die beiden Erstplatzierten erwarteten mich bereits, waren satte 7 Minuten vor mir da. Ich bin die 15,75km in 1:06:45 gelaufen und fühlte mich prima. Endlich mal ein echtes Treppchen 🙂
Die letzten Läufer wurden abgewartet, auch Oberbürgermeister sowie der Organisator trudelten bald ein.
Erst danach folgte die Ehrung der ersten drei Radfahrer (die Strecke konnte auch mit dem Rad bewältigt werden) und schließlich von uns Läufern.
Alles „dörflich-rustikal“ mit toller Stimmung. Ich mag diese kleinen Läufe einfach, hier ist alles authentisch, es geht um den Sport und in diesem Fall um die Spende. Und alle haben phänomenal gute Laune, sowas tut einfach gut.

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Gewinner-Trio mit Oberbürgermeister Thomas Geisel (3-1-OB-2)

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„Steht da nicht rum wie die Ölgötzen, macht mal was!“ Ok. 🙂

Nächstes Jahr bin ich wieder dabei. Und wer weiß, vielleicht ziehen wir tatsächlich mal nach Himmelgeist, ist echt schön dort.

Vernunft schon wieder

Was hab ich mich auf den Monschau Ultra dieses Jahr gefreut!
Super früh angemeldet, sehr gut mein „Plan“ durchgezogen, nichts übertrieben, trotzdem gefordert, ohne Höhenmeter-Training geht halt nix in der Eifel, nur um mir dann eine Woche vorher (eine Woche!!) beim schnellen bergab rennen eine ordentliche Wadenzerrung einzufangen. Ja ich war sehr schnell, ja das war ein fieser Trail, nein ich habe keinen technischen Fehler begangen, vermutlich ging es einfach zu heftig bergab und der eigentlich schöne kühle Regen hat mir den Rest gegeben, etwas mehr aufwärmen vorher hätte vielleicht geholfen. „Hätte hätte …“, was auch immer.
Da saß ich dann also am Freitag im regnerischen Wald, massierte mir die Wade in der Hoffnung dass das schnell wieder weggeht, ging es aber nicht. Also langsam nach Hause getrabt, gekühlt, massiert und die Schaumstoffrolle rausgeholt. Einige Tage Pause und gut dran gearbeitet, am Dienstag einen sehr ruhigen Lauf angetestet, flache Strecke ging zwar gut, aber die Eifel ist nicht flach. Treppe war dann schon wieder „suboptimal“.
Entscheidung: sei nicht dumm, sag ab.
Ein Fiasko wie in Düsseldorf möchte ich in der Eifel nicht erleben.
Gesagt getan, Mail an das Moma-Team geschrieben (gehört sich so finde ich) und eine nette Antwort bekommen, es gäbe ja die Option entweder aufs nächste Jahr zu schieben oder eben jemand anderen mit der Startnummer zu beglücken.
Aus Elkes Blogbeiträgen der letztem Wochen wusste ich, sie startet in Monschau, also fix angemailt, vielleicht fällt ihr jemand ein der/die noch eine Startnummer sucht.
Die Suche dauerte nicht lange und Heidrun war gefunden. Die Umbuchung ging sehr reibungslos, von Ultra auf Genuss-Marathon, und die beiden hatten heute einen tollen Genuss-Marathontag in Monschau 🙂
Ich dagegen schaue zwar etwas neidisch auf die Bilder in Elkes Blogbeitrag, aber bin fein mit der Entscheidung, das wäre nicht gut gegangen und von sehr wenigen Ausnahmen abgesehen, siegt bei mir ja eigentlich immer die Vernunft.

Heute war ich dann statt im hügeligen Wald vorsichtshalber lieber am flachen Rhein unterwegs und hab mir einen etwas schnelleren 21km „Monschau-Solidaritätslauf“ zum austesten gegeben, die Wade war still, aber zuhause musste ich dann nochmal dran herum massieren, ganz weg ist die Sache also noch nicht.
Fazit: alles richtig gemacht.  Dann bereite ich mich eben auf andere Klamotten vor die dieses Jahr noch anstehen.

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