Düsseldorf Marathon 2026

Man kann, bzw. sollte nicht immer auf Bestzeit rennen. Dazu müssen alle Rahmenbedingungen vorab stimmen, ausreichend Training ist das Mindeste. Und genau das hatte ich dieses Jahr (aus diversen Gründen) nicht. Natürlich juckt es trotzdem in den Waden in der Heimatstadt nochmal einen draufzusetzen, ungefähr 30km hat das auch ganz gut geklappt 🙂

Düsseldorf Marathon 2026, man könnte fast meinen, der letztjährige Relaunch war nur ein Test. Dieses Jahr war tatsächlich alles noch eine Portion größer. Viel mehr Teilnehmer, mehr Party-Hotspots, ausladender Nachzielbereich, das Wetter wurde auch perfekt bestellt und die Düsseldorfer, die können feiern und anfeuern, einfach großartig! Wie schon im letzten Jahr: Respekt an Organisation und Helfer, ihr macht alles richtig.

Zum Start bin ich mit Sandalen-Laufbuddy Jan gelatscht, wir haben es nicht weit, nichtmal eine halbe Stunde Fußweg. Fix den Kleiderbeutel abgegeben, erste nette Bekanntschaften gemacht und alte Ultra-Laufkumpanen wiedergetroffen. Gute und ansgespannte Laune überall, ihr kennt das.
Danach zum Startblock, ich „blau“, Jan in „gelb“. Die Musik war mir mal wieder zu laut, deshalb haben wir diesmal auch drauf verzichtet Otto dem Gedränge und Lärm auszusetzen, stattdessen sind Frau und Hund zuhause geblieben und ich hab die beiden bei km28 auf der Jülicher Brücke als mobilen VP erwartet.
Die Kamera hab ich (wie letztes Jahr) zuhause gelassen, gibt also nur ein paar Fotos vom Handy.

Startschuss um 9:45 Uhr, zwei Kilometer sortieren, war schon ordentlich voll. Danach an den 3:15er Pacern vorbei und erstmal sehr konstant immer so um die 4:30er Pace gelaufen. Mir war da schon klar, das wird nix mit diesem Tempo bis zum Schluss, also bin ich nach dem Motto „was ich hab, das hab ich“ gelaufen 🙂

Es ist aber nunmal so, das Wetter war mega, das Publikum der Wahnsinn, alle Läufer super gelaunt, die Strecke bekannt und toll, ich hab mich mitreissen lassen und wusste es. Grade Strecken, Kurven, leichte Steigungen, die Rheinbrücke ist der höchste Punkt, die Strecke ist flach und schnell und lädt ein einfach nur zu rennen.
Erstmal zur Messe, danach mitten durch die Stadt und rüber auf die andere Rheinseite, bei mir lief es sehr gut. Den Halbmarathon hab ich mit 1:35 kassiert, danach wieder über die Brücke zurück auf „meine“ Rheinseite. Bei km24 machen wir das erste mal eine Schlaufe über die Kö, der totale Hexenkessel, hier wird gefeiert 🙂

Danach gehts in meine Nachbarschaft, ich freute mich drauf, dort warten schließlich Frau und Hund mit einem halben Liter Iso. Den brauchte ich so langsam, die halbvollen Becher an den VPs (ich hab jeden mitgenommen) waren einfach zu wenig bei diesem Wetter.
Die Übergabe war perfekt, ich bin dann schnell weiter, wir hatten uns als zweiten Treffpunkt bei km31 auf der Rethelstraße verabredet. Hat auch geklappt.

Zu dem Zeitpunkt hab ich aber final bemerkt, dass (trotz Iso und Gels und Salztabletten) das Tempo runter muss. Das wenige Training kam jetzt und rächte sich. Das war ok, ich hatte es drauf angelegt und jetzt musste Vernunft ins Spiel kommen, also Pace runter. Und prompt meldete sich mein „Hamstring“-Bein mit leichten Anflügen von Krampf. Echt jetzt??! Ok, kein Blödsinn machen, konzentriert bleiben. Es ist nicht mehr weit, halbe Stunde noch. Ich war jetzt bei km35, die Schleife durch Unterbilk wurde wieder ein Wechelbad, einerseits Totenstille, andererseite Party am Anschlag 🙂

Ich bin stellenweise an den VPs stehen geblieben um genug Wasser reinkippen zu können, das muss ich nächstes mal anders lösen (Eigenverpflegung?), unter 3:30 werde ich locker bleiben, also cool  bleiben und einfach weiter traben.
Dann war da schon wieder die Kö, eine zweite Schlaufe durch die Partymeile und los zum Endspurt (ohne Spurt).
Ganz ehrlich, ich liebe diesen Zieleinlauf in Düsseldorf, eben noch Straße, dann folgt ein schmaler Korridor, es geht eine Rampe runter und: booom!! läuft du die letzten ca. 300 Meter auf der vollen Breite der Rheinwerft dem Zielbogen entgegen, das ist wirklich etwas überwältigend.

Durchs Ziel schließlich mit 03:22:09 offizielle Zeit.
Fertig. Glücklich. Zufrieden.
Das hätte viel schlimmer ausgehen können, die Hamstrings rechts haben rumgenervt, aber ich habs irgendwie gut hinbekommen. Vernunft hilft 🙂

Danach in den Nachzielbereich trotten, trinken, freuen.
Dort hab ich mir erstmal reichlich Getränk organisiert, viel Kuchen gefuttert und dann auf Jan gewartet. Der trudelte dann auch fix mit einer sehr soliden Zeit ein.
Wir haben ohne Zeitdruck rumgesessen, Kuchen nachgeholt, gequatscht und uns am schönen Wetter erfreut. Es sind noch einige bekannte Gesichter aufgetaucht und überall hab ich glückliche und zufriedene Menschen gesehen.

Düsseldorf, es war mir ein Fest, wieder mal. Und nächstes Jahr bin ich wieder dabei 🙂

 

 

Kommentare

  1. Ja, das war großes Kino heute. Richtig Klasse! So viele Menschen haben uns angefeuert. Irre Bin immer noch überwältigt und super stolz auf meine offiziellen 3:31:35
    Riesengroßen Respekt vor deiner Zeit

      1. Anmeldung für 2027 erledigt!
        Laut meiner Uhr bin ich übrigens bei 3:29:27 — trotz Pinkelpausen 😉
        Also zukünftig Kurven innen laufen und weniger trinken. Wobei sich letzteres irgendwie nicht richtig anhört…

  2. Sauber gemacht, Oliver! Kein „Bestzeit-Tag“, aber ein sauber geführter Marathon!
    Du hast das Rennen genau so beschrieben, wie es oft ist: gute Beine am Anfang, Euphorie durch Stimmung und Wetter, und dann ab km30 kommt die Wahrheit auf den Tisch. Zum Glück haben die Hamstrings wieder etwas Ruhe gegeben! Wie fühlen sie sich heute an?

    3:22 trotz wenig spezifischem Training ist sehr, sehr solide! Da kannst du sehr stolz drauf sein. Kein Drama, kein Einbruch, sondern kontrolliertes Durchkommen mit realistischer Einschätzung. Genau so rettet man sich einen Marathon, wenn die Vorbereitung nicht perfekt war.

    Ich wünsche dir eine gute Erholung!! Bald kommt die nächste Challenge!

    1. Vielen Dank Catrina! So richtig sauber geführt war das ja nicht, ich hätte anfangs ruhig etwas mehr auf die Bremse gehen können, aber hätte hätte … ich habs nicht, wusste was kommt (Erfahrung ist schon eine tolle Sache) und wie ich hinterher das beste daraus mache. Ich bin total zufrieden, nächstes Jahr hole ich mehr raus 😉
      Die Hamstrings sind nach dem kleinen Krampf-Anflug ruhig geblieben, trotz vieler Übungen war da offenbar noch nicht genug Kraft für drei Stunden Belastung drin, hätte ich echt nicht gedacht. Für die nächste große Challenge wird das zum Glück nicht entscheiden sein, das wird ja ein ruhiges Tempo 😉
      Dir auch gute Erholung, bin sehr gespannt auf dein Rennbericht!!

  3. Lieber Oliver,
    auch hier noch mal: herzliche Gratulation! 😀
    Super gelaufen, auch wenn es am Ende zäh für dich wurde, aber deine Erfahrung hat geholfen und du hast das Beste aus deiner Tagesform herausgeholt!
    Toll, dass die Teilnehmerzahl nach oben gegangen ist – wenn eine Veranstaltung so gut organisiert ist, verdient sie auch den Zulauf!
    Erhol dich gut, die nächste lange Kante lässt ja nicht mehr lange auf sich warten! 😉

    1. Vielen Dank Doris 🙂 Ich bin echt froh soviel Vernunft aufbringen zu können, damit war wenigstens eine okaye Zeit sicher. Ich hab mich aber noch sehr sehr gut an meinen „Krampf-Marathon“ erinnert, sowas wollte ich nicht nochmal erleben. Und ein Gang runterschalten kann man ja ruhig mal machen.
      Vor der langen Kante kommt nochmal was schnelles, hatte ich völlig vergessen … der Wings for Life Worldrun ist ja auch noch. Mal schauen was ich daraus mache.

  4. Lieber Oliver,

    na, da will ich mich auch hier nochmal anschließen:
    HERZLICHEN GLÜCKWUNSCH – sehr gute Zeit dafür, dass du nicht so trainierst hast! – Beinahe hättest du es dir noch schwerer gemacht, aber die Erfahrung hat dich vor noch Schlimmeren bewahrt!

    Immer diese Jungs, die ihren ‚Erregungszustand‘ nicht in den Griff bekommen! Tse, tse, tse! 😛 – Nicht böse, oder abwertend gemeint, ich selbst bin in Frankfurt mal übermotiviert losgestürmt und die ersten 25 km in 1:35 Std. gelaufen, um dann für die restlichen 17 km 1:17 Std. zu benötigen!

    Du hast es super erkannt und gegengesteuert, auch wenn es dann etwas gezwickt hatte. – Jetzt hoffe ich, dass du dich gut erholst, dass die Oberschenkel sich ebenfalls gut beruhigen (lassen) … denn du hast ja noch was vor! Nimm dir bitte genug Zeit für die Erholung, auch wenn du den langen Kanten im ruhigeren Tempo laufen möchtest! Da es sehr lange ist, brauchst du gut erholte Muskeln, Knochen und Gelenke! (Is nich over-protective gemeint, sondern eher besorgt, weil ich dir dann ein extrem tolles Erlebnis wünsche!)

    Genieße den Nachklang eines tollen Laufs!
    Liebe Grüße Manfred

    1. Vielen Dank Manfred! Erfahrung ist schon was Gutes, oder? Noch besser wenn man diese gut nutzt 🙂 Auch wenn ich immer wieder gerne losstürme, die Vernunft rechtzeitig zu korrigieren ist da. Die letzten Wochen haben ein schnelles Rennen einfach nicht hergegeben, im Nachhinein bin ich sogar überrascht dass es so lange mit der Pace geklappt.
      Ich hab heute schon wieder meine Otto-Runden gedreht, Regeneration klappt noch ganz gut bei mir. Der Ultra wird super ruhig angegangen, da wird meine Crew (Jan) schon für sorgen 😉

  5. Lieber Oliver,
    nochmals ganz herzliche Glückwünsche! So eine Zeit mit eher wenig Training rauszuhauen – Wahnsinn. Ja, da kann ich dir nur beipflichten, Düsseldorf hat tolle Stimmung, da können die rheinaufwärts noch von lernen!
    Ein Glück, dass deine Hamstrings moch durchgehalten haben!
    Und wenn du 2027 besser trainieren kannst, ohne hättehätteFahrradkette, kommt sicher moch was flotteres dabei rum!
    Liebe Grüße, Elke

    1. Vielen Dank Elke! Ich hab unterwegs ein Schild gesehen, da stand drauf: „Jammer nicht, du bist hier nicht in Köln!“ 😀 Es war echt eine große Stadtparty, tolles Wetter, gut gelaunte Menschen und mega Stimmung an (fast) jeder Ecke.
      Es war gut dass ich rechtzeitig auf die Bremse bin, die Hamstrings hätten mir das sonst nicht verziehen. Stattdessen gabs nur wirklich üblen Muskelkater genau in diesem Bereich. Für nächstes Jahr bin ich bereits angemeldet, da geht noch was, ich hab ein Ziel vor Augen.

  6. 42,195 km Asphalt, und dann noch in so einer Zeit. Muss man wollen. Muss man können.

    Ja, hatte ich auch mal Freude dran, aber ich glaub, das gebe ich mir nicht mehr. Außer vielleicht in London – wie ich bei Catrina gerade kommentiert habe. Aber da muss man ja erst mal einen Startplatz bekommen.

    Zurück zum Thema: Glückwunsch zu deinem tollen Finish!

    1. Vielen Dank Martin 🙂 Das ist Heimspiel, Pflichtveranstaltung! Die Strecke schlängelt sich wunderbar durch die ganze Stadt, sogar bei mir zuhause vorbei, würde mir komisch vorkommen nicht mitzurennen.
      Und es ist eine Größe die ich grade noch so ertrage (London zb wäre echt nichts für mich), noch übersichtlich und durchaus mit regionalem Charme. Da will und kann ich dann unbedingt (wenn auch diesmal mit leichter Bremse) 🙂

  7. Hallo, Sandalen-Marathoni , du hast es geschafft, wenngleich es zum Schluss doch mühsam war, ABER geschafft ist geschafft, ein guter Grund, sich zu freuen, Glückwunsch !

    Dennoch – es ist mir ein Bedürfnis es zu sagen – bin ich zu 100 % davon überzeugt, dass viel mehr in dir drin steckt ! Aber ich glaube, das habe ich bereits irgendwann mal erwähnt ! Ok, du hattest im Vorfeld Probleme, aber ich bin überzeugt davon, wenn du mehr lange Strecken auf dich nehmen würdest, dass du noch wesentliche bessere Zeiten erreichen kannst, um einiges schneller im Ziel einlaufen könntest !! Du bist ein schneller Hirsch, ohne Zweifel, aber du könntest deine Geschwindigkeit auch bis zum Schluss durchhalten, wenn du öfter längere Läufe im Vorfeld einschleust !

    Ich hoffe, du nimmst mir das nicht übel, aber es ist schade, dass du dein Potential hier nicht ausschöpfst !! Ich weiß wovon ich spreche, bin oft genug auch diese Strecke gelaufen !

    Sonnige Läufergrüße von ganz oben

    1. Vielen Dank Margitta 🙂 Jajaja, ich weiß das alles und natürlich nehm ich dir deine Hinweise nicht übel. Und ich weiß auch dass einiges mehr drin wäre. Dieses mal waren die Vorbedingungen allerdings nicht grade toll, ich hatte viel zu viel um die Ohren um auch nur einigermaßen regelmäßig zu trainieren, geschweige denn irgendwelchen längeren Läufe zu machen. Also hab ich am Marathontag einfach rausgeholt was machbar war. Und schon hab ich wieder eine Marathon-Rechnung offen, ich kann mehr 😉

  8. Ganz herzlichen Glückwunsch zu dieser Fabelzeit! Und eine gute Zeit hattest du offenbar auch, als dich der Flow mit sich riss. Oft büßt man sowas hintenraus, aber das blieb dir offenbar erspart.
    Dein Bericht hat mich emotional tief berührt, warst du doch auf meiner einstigen Stammstrecke unterwegs. Vielleicht kehre ich ja einst nochmal auf diese zurück? Jedenfalls ist der Nachzielbereich grandios, und wie du schreibst, jetzt noch größer? Ich komme gerade vom Rennsteig zurück, wo man die Läufer ganz schnell rausschleusen muss, um die Massen zu bewältigen. Da könnte der Kontrast nicht größer sein.

    1. Vielen Dank Pulsmesser 🙂 Naja, zur Fabelzeit fehlte etwas, aber für den Tag hats gereicht. Ich kanns nur immer wieder sagen, eine Teilnahme unter der neuen Orga lohnt sich. Das ist nicht mehr „der alte Düsseldorf Marathon“, zwar noch die gute alte und bekannte Strecke, aber drum herum ist es irgendwie „frischer“ geworden und echt top organisiert. Wenn ich schonmal noch was länger im Nachzielbereich rumhänge, da muss schon viel passen 😉

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