Was war, was ist und was kommt

Mein Jahresstartbeitrag vor etwa einem Jahr, nach einem tollen parkrun, hieß:
„So kann das Jahr weitergehen“
Dass es dann komplett anders wurde, konnte niemand ahnen.
Was in diesem doch recht speziellen vergangenen Jahr so ganz allgemein passiert ist, darüber brauch ich nicht viel Worte verlieren, das neue Jahr wird uns mit diesen Themen ja eh noch ordentlich auf Trab halten.

Läuferisch hat mich 2020 dadurch allerdings auf eine etwas andere Ebene gebracht. Veranstaltung sind ausgefallen, teilweise gab es mal mehr und mal weniger spannenden virtuellen Ersatz und statt auf irgendwelche Wettbewerbe hinzutrainieren, bin ich einfach nur gelaufen. Einfach so.
Und ich hab mal wieder gemerkt dass es das ist was mir am laufen wirklich Spaß macht.
Rennen, für mich sein, ohne Zeitdruck unterwegs sein, einfach abschalten, die Gedanken durchlüften, Wind und Wetter wahrnehmen, einfach geniessen und ab und zu ein Rennen gegen mich selbst laufen.
Entweder am Rhein, oder durch den Wald, quer durch die Stadt oder auch weite Schleifen ausserhalb. Aber immer nur hier in meiner Stadt, keine Laufausflüge, keine kurzen Trips mit Abendlauf, nichts dergleichen.

Dank des virtuellen Silvesterlaufs bin ich am 30.12. schließlich auf die schöne Zahl von 3.333km gekommen und hab es dabei belassen.

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Das neue Jahr wurde mit einem 30km Lauf begonnen, den ich allerdings etwas unterteilt habe.
Zuerst 3km zu einem verabredeten Startpunkt laufen, um dann als Pacer einen Laufkollegen bei einem Halbmarathon zu unterstützen und danach wieder 6km nach Hause traben.
War schön und hat Spaß gemacht.
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Es folgte eine Ruhewoche, mir war einfach danach mal Pause zu machen.
Den Januar werde ich auch eher gemäßigt weitermachen, immer nur unter Volldampf zu laufen muss ja nicht sein.
Mal sehen ob ich das durchhalte 🙂

Ganz sicher werde ich auch wieder Wettbewerbe laufen, bin natürlich bereits für ein paar Sachen angemeldet, aber erstmal abwarten was das Jahr so bringt.

Was war sonst so …
meine unzuverlässige Garmin Uhr wurde gegen Coros getauscht. Neugierig was die so kann, hatte ich mir frühzeitig die Coros Pace 2 gekauft und mich schlagartig verliebt. Superleicht, sehr durchdachte Bedienung, grandiose Akkulaufzeit.  Der perfekte Begleiter für schnelle Rennen.
Mittlerweile nenn ich auch die Apex in der 42mm Version mein eigen, nutze sie sogar als Alltagsuhr. Sehr robust, mit einigen sinnvollen Features mehr und vor allem noch mehr Akkulaufzeit.

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Neben meinem „dezentralen“ Lauf-Tagebuch auf dem heimischen Rechner, protokolliere ich meine Läufe seit einigen Monaten auch auf Runalyze. Die Auswertungsmöglichkeiten sind wirklich genial, die Programmierer sind selbst gute Läufer und wissen genau was sie da bauen, die Datenschutzmöglichkeiten sind ganz in meinem Sinne und es gibts kein „Community“-Gedöns.

Mein eigenes „Community“-Gedöns findet weiterhin entweder hier im Blog oder/und im Microblog statt.

Bleibt gesund und lauft immer weiter.

Gemeinsamer Silvesterlauf

In diesem Jahr haben wir gelernt was virtuelle Läufe sind. Und wir haben auch sehr schnell gelernt, dass virtuelle Läufe etwas inflationär durch die Läuferszene schwappten. Am Anfang war das alles noch neu, irgendwann denkt man sich aber, was soll der Kram, laufen kann ich auch so.
Einige Ideen waren aber so charmant, dass ich sie gerne mitgemacht hab. Und dann kommt Manfred plötzlich auf den letzten Metern des Jahres mit dem 25. Griesheimer Silvesterlauf um die Ecke. Die Idee dahinter: wer von uns schreibenden Läufern Lust hat, schließt sich dem Team „gemeinsam laufend bloggen“ an und läuft seine gewählte Distanz im vorgegebenen Zeitrahmen ganz einfach in seiner Umgebung. Nach Griesheim reisen und dort die Originalstrecke zu laufen kommt zur Zeit ja nicht so in Frage.
Ehrensache, da musste ich dabei sein. Wenn es anders schon nicht klappt, dann laufen wir eben so gemeinsam. Und wie sollte es anders sein, alle hatten sich für die 10k-Distanz angemeldet, klasse!

Als Organisator hatte Manfred ein paar Vorgaben rausgehauen, die von mir leider nicht alle eingehalten werden konnten.
Startzeit am 30.12. um 10 Uhr, ich bin um 15:19 Uhr los.
Orangenes Oberteil … aaarg … ich hab eine orangene Wetterjacke, wasserdicht, für echt üble Verhältnisse. Aber 4°C und Nieselregen ist jetzt eher normales Herbstwetter, das wäre viel zu warm gewesen, ich bin ja immer noch in Shorts unterwegs. Also hab ich dann immerhin mein knatsch-rotes Oberteil angezogen, kommt dem ja nah.
Laufen mit Startnummer: na klar. Die hat sich dann aber schön aufgelöst im Nieselregen 🙂
Die Zeitangaben muss man anschließend im RaceResult-Portal mit Beweisfoto hochgeladen, und zack! ist man in der offiziellen Wertung. Also kein App-Gedöns, sondern schön einfach das ganze.

Als 10k Strecke hab ich die Rheinuferstrecke gewählt, nicht ahnend dass es Gegenwind geben wird. Der Weg zum Rhein wurde als kleines 2km Aufwärmtraining genutzt, dann kurz gesammelt und los gings.
Dank Nieselregen war wenig los und ich konnte flott und ungestört mit einer Pace immer knapp unter 4:00 losrennen. Die Rheinstrecke macht es einem wirklich leicht, flach, griffig, da glühen die Fivefingers, auf Tempo laufen macht hier einfach Spaß.
Die ersten 6km gingen problemlos und schnell vorbei, dann ging es auf die Feldwege an Leuchtenberg vorbei und mir klatschte plötzlich der Gegenwind frontal ins Gesicht. Nur nicht nachlassen, durchbeissen. Immer auf dem Grünen Weg entlang und dann unter der Autobahnbrücke durch, Richtung Messeparkplatz, dort sollte meine imaginäre Ziellinie sein.
Und plötzlich musste ich wegen Treckermatsch auf dem Weg das Tempo kurz rausnehmen, da war alles eingesaut, genau in der Senke unter der Brücke. Was mir vor ein paar Tagen im Wald noch gut gefiel, hat mich hier ein klein wenig genervt. Egal, schnell da durchwühlen, rauf auf den Messeparkplatz und nochmal richtig alles rausrotzen.
Und dann: die Uhr piept, ich drücke auf Stopp: 40:04 Minuten. Jaja, die 5 Sekunden hätte ich doch noch … nee, ist ok so, ich bin mehr als zufrieden und wenn man diesen 10er als offiziellen Lauf werten möchte, dann ist es eine neue PB.
Anschließend ein paar Minuten verschnaufen und dann langsam nach Hause traben, das waren dann ja immerhin nochmal 7km.
Mir hat die Aktion viel Spaß gemacht, großen Dank an Manfred für die schöne Idee und jetzt bin ich gespannt wie sich der Rest des Teams geschlagen hat 🙂
Vermutlich ist dies mein letzter Beitrag für diese Jahr, also bleibt alle gesund und kommt gut ins neue Jahr!

#^10,01km Dauerlauf in 40:04 (4:00/km) – 25. Griesheimer Silvesterlauf (virtuell)

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Nein, das ist am Rhein und nicht in Griesheim:
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Ziellinie!
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Matsch im Wald

Das Jahr neigt sich dem Ende, mich zog es heute nach vielen schnellen Läufe am Rhein nochmal in den Wald um gemütlich wenigstens ein paar Höhenmeter zu sammeln. Statt Schnee haben wir hier Regen, da muss man mit kleinen Widrigkeiten rechnen. Einige Wege sind tatsächlich gesperrt, wegen Matsch. Also Matsch. Im Wald. Im Winter. Das kenne ich so nicht aus den vergangenen Jahren, vielleicht haben sich da ein paar Spaziergänger die Schuhe schmutzig gemacht. Im Wald. Im Winter.

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Natürlich interessiert diese Sperre so gut wie niemanden der sportlichen Waldbesucher, ok, ich war hier etwas langsamer, aber wen juckt das, im Winter gehört Matsch in den Wald, die Wege dürfen schwierig sein, deshalb will ich da ja hin. Schöne Abwechslung zu den Asphaltläufen.

Der Großteil der Wege ist aber nach wie vor klasse laufbar und grade beim Bergab rennen hatte ich mal wieder unfassbar Spaß. Mein Lieblingstrampelpfad hat zum Beispiel auf ca. 1,5km alles zu bieten was ich am Waldlauf mag, auf und ab, schnelle Kurven, enger Pfad, Gestrüpp im Gesicht, Matsch, umgestürzte Bäume. Unser Wald ist zwar nicht so riesig groß, hat aber wirklich einiges für Sportler zu bieten. Immer wieder toll.

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Danach ging es wie üblich weiter auf der gewohnten Strecke, immer wieder Hügel hoch, Hügel runter, Radfahrer erschrecken, andere Läufer angrinsen, mit einer Hundemeute herumtollen und im Matsch herumschlittern.
Der kleine Extraschlenker zum wilden Weihnachtsbaum musste natürlich am zweiten Weihnachtstag auch noch sein. Angeblich wird er zu Ostern auch geschmückt, das wird Anfang April natürlich überprüft.

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Nach einem sehr schnellen Bergab-Endspurt ging es die letzten 5km wieder vom Wald auf die Strasse, noch ein kleiner Abstecher durch den (viel zu vollen) Zoopark und nach fast genau 20km war ich zufrieden wieder zuhause.
Weihnachten 2020 also (mal wieder) ohne Schnee aber mit ordentlich Matsch. Wieso auch nicht.

Ein guter Plan und die Neue

Ein Vorteil meiner niederrheinischen Umgebung ist ganz klar, ich kann entweder mal eben durch den hügeligen Wald traben um etwas Höhenmeter zu sammeln, oder nutze die topfebenen Strecken am Rhein um auf Geschwindigkeit zu rennen. Beides macht höllisch Spaß, in der kalten Jahreszeit bin ich aber tatsächlich lieber auf der Straße unterwegs und laufe auf Tempo. Auch weil unter der Woche arbeitsbedingt das Tageslicht fehlt, da wird es im Wald mit Stirnlampe noch langsamer.
Und weil ich so viel und gerne renne, ließ mich der Gedanke nicht los, ob ich wohl auch ohne die typischen Wettkampfgegebenheiten zum Beispiel einen Sub 1:30 Halbmarathon laufen kann.
Kleiner Rückblick: diese magischen 90 Minuten waren immer ein unerreichtes Wunschziel von mir, oft knapp dran vorbei geschrammt, aber stetig verbessert. Und 2019 hab ich es dann völlig überraschend gleich dreimal geschafft, bis hin zur bisherigen PB von 1:27:43. Ganz ehrlich, für mich immer noch ein absoluter Hammer.
Machbar ist ja vieles, also wieso nicht einfach mal ausprobieren wenn die Bedingungen stimmen. Die Bedingungen stimmen dann, wenn das Wetter toll ist, die Waden unruhig sind und man zum Plan noch einen kleinen Schubser bekommt, zum Beispiel die ausstehende Teilnahme am Virtual Global Run. Jaja, noch ein Virtueller, wollte ich ja eigentlich nicht mehr machen, aber passte halt.

Also rein in die Fivefingers, ab auf die Strecke, 2km gemütliches warmlaufen bei 5°C machten Sinn, am Rheinufer eine imaginäre Startlinie gesucht und los gings.
Ich kenne meine Schwächen und Stärken für die HM-Distanz mittlerweile sehr gut, die ersten 5-6km etwas zurückhalten, dann bis ca. km18 Vollgas und am Ende nicht übernehmen. Schwächen kennen und das Umsetzen dazu sind zwei paar Schuhe, wie immer hat das ganz zuverlässig schlicht und einfach nicht geklappt.
Also bin ich mal wieder viel zu schnell losgetobt und hab mir dann aber ganz pragmatisch gedacht, sei’s drum, wenn es denn funktioniert, lauf einfach. Mein Puls blieb schön konstant, etwas unerwarteter Gegenwind hat dann meinen Streckenplan verworfen, ich bin statt gradedurch nach Kaiserswerth, spontan einfach eine Schlaufe in der Lohauser Pampa gelaufen, dann rauf auf die Autobahnbrücke, zur anderen Rheinseite und mit Schmackes in schöner Umgebung wieder zurück zur Stadt.
Kurze Rechnerei unterwegs, bei km18 war mir klar, das wird alles klappen. Über die Oberkasseler-Brücke zurück auf "meine Rheinseite", eine Extrarunde durch den Hofgarten und dann zurück zu meiner "Startlinie", die dann auch meine Ziellinie wurde. Muss man erstmal schaffen bei spontaner Routenänderung.
Ein leicht verzögerter Stopp auf der Uhr führte zu 1:29:38, HM Zeit war dann 1:29:14.
Rundum zufrieden hab ich mich dann nach kurzer Verschnaufpause wieder gemütlich auf den Rückweg gemacht.
Zuhause ist mir dann etwas sehr interessantes aufgefallen: als ich bei km18 wusste dass ich die 1:30 knacken werden, ist der Puls runter gegangen. Runter. Trotz gleichbleibendem Tempo. Bei echten Wettbewerben ist das genau andersrum, Aufregung, Leute überholen, Zielbogen im Auge, Puls ganz oben. Statt dessen war ich offenbar völlig losgelöst vom Wettkampfgedanken und viel mehr damit beschäftigt mir eine schöne Strecke für die verbleibenden Kilometer auszudenken. Das nehm ich mal mit für die Zukunft.
21,22km Dauerlauf in 1:29:38 (4:13/km) – HM rennen – Global Virtual Run
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Natürlich hatte ich meine Gopro mit, natürlich hab ich vorher den Akku nicht kontrolliert, natürlich war das Ding nach einem Foto tot. Schade, das Wetter war superfotogen.
Das eine Foto möchte ich auch nicht vorenthalten, darauf zu sehen ist mein neue große Liebe, die Coros Pace 2.
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Testberichte findet ihr zuhauf im Internet, nur ganz kurz meine subjektive Meinung dazu:
irrsinnig lange Akkulaufzeit (ich hab nach 14 Tagen und 180km GPS-Laufen das erste mal geladen, da waren immer noch 20% Rest drauf), superleicht (ca. 30gr.), sehr präzise, tolles und intuitives Benutzen, sehr viele individuelle Einstellungsmöglichkeiten, die Software bekommt ständig Updates (die vielgescholtene schlechte Übersetzung ins Deutsche ist zb. erledigt), kontrastreiches Display, pfiffige Beleuchtungskonzepte, sehr günstig! Und was mir besonders gefällt, da ist kein Schnickschnack dran, weder Musik noch Karten noch Payment noch sonstwas, einfach nur ein Arbeitstier für Läufer mit tollen Auswertungsmöglichkeiten.
Wie die sich langfristig bewährt, muss sich natürlich zeigen, aber im Moment kann ich nur sagen, das ist die beste Laufuhr die ich bisher hatte!
Geht raus, geniesst die frische Luft und bleibt gesund.

Fast wie im Frühling

In Düsseldorf gilt seit einigen Tagen fast im gesamten Stadtgebiet Maskenpflicht, mit Ausnahme von Parks, Grünflächen und nicht bebauten Flächen am Rheinufer. Das ganze wohl erstmal bis 30.11., aber wer weiß das schon.
Ein paarmal hab ich hier, im für mich supergut erreichbaren Park (ist eigentlich eine Grünfläche), Runden laufen "geübt", aber das wird echt sehr schnell sehr öde. Immerhin konnte ich bei den langweiligen Runden mit diversen Schlauchtüchern rumexperimentieren und hab jetzt ein akzeptables Exemplar gefunden, da läßt sich gut durchatmen und die ist nicht so knallewarm am Hals.
Und ich hab herausgefunden, dass es interessanterweise eine Runde mit exakt 1km gibt, da könnte man ja mal was draus machen …
Wir wohnen relativ zentral, so oder so muss ich also 3-4km in Kauf nehmen um auf Bürgersteigen aus dem Stadtgebiet zu rennen und dann wieder frei atmen zu können, egal ob zum Rhein oder in den Wald.
Bei den Abendläufen nervt das etwas, es ist ja mittlerweile Stirnlampenzeit und überall liegt rutschiges Laub und Passanten sind (mit Recht) genervt von schnell laufenden Typen auf dem Bürgersteig. Also im Stadtgebiet etwas Tempo raus, keinen Ärger verursachen, nicht ausrutschen und auf die Fresse legen, schadet mir ja auch nicht. Ich mag sie ja trotzdem, die dunklen Läufe. Und wenn ich erstmal "draussen" bin, dann ist das wie Meditation, dieses einfach dem Lichtkegel hinterherlaufen. Das geniesse ich wirklich.

Aber heute! Sonne, frühlingswarme 15°C, lockere Beine, so richtig bock auf Strecke, nichts konnte mir irgendwie die Laune trüben. Schnell raus zum Rhein und dann ohne Tuch über Mund und Nase über die Wiesen rennen. Die normalerweise recht menschenleer sind. Nur heute nicht, alle wollten den schönen Tag geniessen. Ausweichen und Abstand halte war aber kein Problem, da ist Platz ohne Ende.
Ein Schlenker durch die Felder, wieder fast allein, ein Blick auf die Uhr, na toll, der HF-Wert spinnt wieder, egal, pfeif ich drauf, weiterlaufen. Der Sensor schwächelt seit einigen Tagen, zeigt oft völlig überhöhte Werte, misst gar nichts mehr und pendelt sich dann wieder ein. So auch heute, 5km lang völliges Durcheinander, danach wieder alles gut. Wie gesagt war/ist mir vorübergehend egal. Vielleicht schalte ich den HF-Sensor bald einfach wieder ab, bin ja eh jahrelang ohne gelaufen.
Nach dem Schlenker ging es dann auf den Deich und zurück nach Hause, da hab ich mehrfach überlegt wieder das Tuch hochzuziehen, es war echt voll auf dem Weg. Besonders gut ausweichen ist da auch nicht, weil ständig irgendwelche Rennräder vorbeibrettern. Und weil ich beim Laufen auch einfach keine Lust hab mehrfach zu überlegen, war das Tuch schnell über die Nase gezogen und fertig.
Nach 1:55h und etwas über 25km war ich dann zu Hause, hatte aber Lust noch ein paar Kilometer langsam trabend dranzuhängen. Also Uhr nochmal gestartet und los, noch drei Kilometer mit lockerer 4:50er Pace, das Wetter war einfach zu toll.

Um es nochmal auf den Punkt zu bringen, mir geht es gut, ich bin gesund und kann mir den Luxus erlauben lange Strecken zu laufen. Wenn jetzt vorübergehend ein Tuch über Mund und Nase getragen werden muss, dann ist das völlig ok. Ich plane meine Läufe jetzt einfach nur etwas mehr und erfreue mich trotzdem an jedem gelaufenen Kilometer.
Wir werden noch einige Zeit mit der Pandemie leben müssen. Und erheblich lernen müssen. Und am besten wenig Fehler machen. Eine Maske zu tragen tut niemanden weh.
Bleibt gesund und denkt an eure Mitmenschen. Der Winter hat noch nicht mal angefangen.

So sieht das aus wenn der HF-Sensor versagt, topfflache Strecke, gleichmäßige Pace:
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Mit Schlauchtuch im Gesicht durchs Stadtgebiet:
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… und wieder frei atmen:
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Als Bonus, jede Menge Kraniche am Himmel!
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Man kommt ja zu nix mehr

Es gibt zwar keine Wettkämpfe vorzubereiten, geschweige denn zu bestreiten, aber natürlich drehe ich trotzdem sehr zufrieden meine Runden. Stoff für Blogbeiträge hätte ich reichlich, nur die Zeit beziehungsweise die Geduld zum gemütlichen Runterschreiben einzelner Themen fehlte in letzter Zeit immer häufiger.
Unser toller Hund fordert seine Zeit, gearbeitet wird nach wie vor im Homeoffice (8 Stunden Tag? haha!) und dann sind da noch diese diversen anderen Projekte in meinem Leben, zack! plötzlich ist der Tag rum.
Wer aufmerksam Kommentare auf anderen Blogs liest, hat aber vielleicht bemerkt, dass ich statt „epischer Blogbeiträge“ seit einigen Monaten regelmäßig so eine Art „Microblog“ mit kurzen Statusmeldungen aus meinem Läuferleben fülle.
Bitte sehr, da gehts lang: https://microhive.net/channel/oliver
Das Ganze ist ein wenig vergleichbar mit Twitter oder Instagram (bei denen ich ja aus Gründen nicht bin), bloß im föderierten Netzwerk (Fediverse), mit entsprechend angenehmen Datenschutzmöglichkeiten.
Und sobald ich dann fix einen Status abgesetzt hab, rückt ein möglicher Blogpost mal wieder weiter nach hinten, doof eigentlich, aber ich gelobe Besserung.
So hab ich dann also zwei Monate lang hier mal nichts geschrieben, kann passieren 🙂

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Was gab es denn so?

Der Sommer war heiß und trocken, ich hab bei jedem Lauf geschwitzt wie sau, meine Laufhosen scheuerten immer mehr und haben mich zunehmend genervt. Dann bin ich glücklicherweise im Blog von Svenja & Markus Heidl über die supertollen T8 Hosen gestolpert (Sherpa Shorts + Commandos Unterhose), habe die sofort bei Sporthunger.de bestellt, noch einen netten Mailwechsel wegen der „asiatischen Größen“ gehabt und war schon nach dem ersten Lauf mehr als glücklich damit! Es gibt mittlerweile die zweite Version der Hose, auch die kann ich uneingeschränkt empfehlen.
Die Shorts selbst sind geniale Packesel und dabei superleicht, die Unterhose wirkt beim ersten Anziehen etwas grenzwertig, weil hauchdünn, ist aber der absolute Hit, da scheuert nichts mehr. Ich trage die jetzt nur noch.

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Den Spaß an austauschbaren virtuellen Veranstaltungen hab ich mittlerweile ein wenig verloren, also diese Dinger bei denen es einfach nur darum geht eine bestimmte Distanz zu laufen. Das mach ich ja eh, da brauch ich keinen virtuellen Veranstalter. Vielleicht kommt ja mal wieder etwas das mich anspricht, zur Zeit geniesse ich aber tatsächlich einfach nur dass ich gesund bin und mir den Luxus ausufernder Läufe leisten kann. Mal schnell, mal langsam, je nach Laune.

Und heute war er da, der erste richtige Herbstlauf. Regen ohne Ende. Die T8 Hosen haben mich auch in dieser klitschnassen Situation nicht im Stich gelassen und ich habe so richtig bemerkt, dass es sich trotz Regen wirklich merklich angenehmer bei diesen moderaten Temperaturen laufen läßt.
Meine Runde ging seit langer Zeit mal wieder durch das Messegelände, nix los, Tore verrammelt, ich bin durch die S-Bahn Station gerannt weil ich dachte nur so geht es zur Zeit auf die andere Strassenseite, also Treppen hoch, Treppen wieder runter, völlig überflüssig, 200 Meter weiter war dann doch ein Tor offen. Naja. Und wo ich schonmal diesen Weg eingeschlagen hatte, bin ich dann kreuz und quer durch Strassen zurückgelaufen, auf denen ich ewig nicht war. Ein paar Radwege sind dazu gekommen, auch leer, aber prima zum schnellen Laufen.

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Die Tage werden jetzt schon wieder merklich kürzer, die Stirnlampe ist getankt und die etwas dickeren Shirts sind aus dem Schrank geholt. Komm ruhig, Dreckswetter, ich freu mich auf Dich 🙂

GRGR2020

Eine umfangreiche Woche mit unterschiedlichsten läuferischen Herausforderungen liegt hinter mir. Nicht nur hinter mir, sondern hinter allen die den Ginger Runner Global Run 2020 (GRGR2020) mitgemacht haben.
„The Ginger“ Ethan Newberry ist ein recht bekannter Typ, hauptsächlich durch seinen Youtube Kanal, ein fleissiger Ultraläufer dazu und irgendwie generell ein umtriebiger Typ in Sachen Film, Laufen und Musik.
Sein Global Run findet dieses Jahr zum fünften mal statt, die Jahre davor hatte ich nichts davon mitbekommen, also wieso diesmal nicht 10$ für einen guten Zweck investieren und einfach mitmachen.
Im Grunde geht es darum, dass alle Teilnehmer gemeinsam innerhalb von sieben Tagen einmal um den Globus laufen, gesamt also 24.901 Meilen.
Dazu kommt noch eine spezifische Aufgabe pro Tag. Von einfach bis derbe, alles dabei. Die Aufgaben waren nicht vorher sichtbar, sondern wurden jeden Tag um 9 Uhr (unserer Zeit) offenbart, per Email und online als Videobotschaft.
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Anfangs dachte ich mir noch so, mach doch einfach die Tage mit, die dir gefallen.
Kurz darauf, ach komm, Kilometer sammeln kannste, Minimum täglich 10 Meilen (16,2km) sollten schon drin sein, dann wird halt mal täglich gelaufen.
Aber dann war ich schlicht und einfach viel zu neugierig, also fiel die Entscheidung das Ding durchzuziehen, mit allen Aufgaben.

Alle Ergebnisse wurden in Distanz und Höhenmetern ausgewertet, auf der Webseite sauber aufgearbeitet und ständig aktualisiert. Da konnte man schon sehen, dass weltweit aus jeder Liga Läufer dabei waren. Typen die einfach mal 80km runterreissen, genau so wie Abendjogger mit einer halben Meile. Das gemeinsame Ergebnis zählt und der Spaß an der Aktion.
Natürlich wurde alles in den bekannten Social Media Kanälen breitgetreten, davon hab ich allerdings nicht viel mitbekommen, ich bin bekanntlich in diesen Kanäle nicht vorhanden.
Aber ich habe meinen „Zap-Microblog“ (Vergleichbar mit Instagram oder Twitter), also perfekt für die tägliche Statusmeldung und um Bilder zu posten.

Und das war zusammengefasst meine GRGR-Woche:

Montag – MONDAY TOUR GUIDE CHALLENGE
„Help us see where you live! We’d love for you to share a special destination near you. It can be a favorite view, a local mountain summit, a bridge you cross everyday or the swing-set where you met your significant other.“
Das war einfach, der Rheinturm ist nicht weit, das Wetter war fotogen, von der anderen Rheinseite bekommt man den Landtag und die Gehry-Bauten vom Medienhafen mit drauf. Schnappschuss, die ersten 16,5km im Sack und fertig.
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Dienstag – TUESDAY TRI-DAY CHALLENGE
„Obviously, we all love to run, but today we’re going to challenge you to add 2 additional activities to your day! This is where you can get creative“
Auch sehr einfach. Ein sehr langer Spaziergang mit dem Hund und vorab etwas ausgedehntes morgendliches Beweglichkeits-Training. Danach ab in den Wald und 16,3km abspulen. Drei Aufgaben fertig.
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Mittwoch – WORKOUT WEDNESDAY
„Today is when things start to get spicy! We want to see everyone challenge themselves to run a fast 10k (6.2 miles) on the terrain of your choice. “
… ok, die Beine waren noch vom hügeligen Vortag etwas beleidigt, das Ding wurde eine echte Herausforderung.
Am Rheinufer ist es flach und asphaltiert, ich hab einen gemütlichen 2km Jog zu meinem erdachten Startpunkt gemacht, mich gesammelt, den gedanklichen Startschuss abgefeuert und bin losgerannt. Es war erst echt hart, aber wurde nach 5km besser. Ich wollte wirklich nur so schnell sein wie ich konnte und hatte mir keine Zeit gesetzt.
Den phänomenalen Zieleinlauf mit tosender Menschenmenge hab ich ein paar Minuten nach dem „Finish“ nochmal fotografisch nachgestellt:
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Foto muss ja sein.
Es sind schließlich 40:09 Minuten geworden. Nicht schlecht für die Umstände.
Um meine 10 Meilen vollzubekommen musste noch was drangehängt werden, der 3,4km Lauf nach Hause war dann seeeehr enstpannt, aber hat auch sehr gut getan.

Donnerstag – GPS ARTISTE CHALLENGE
„Use your GPS track to create some fun art“
Ja cool, das ist die perfekte Entspannung nach dem schnellen 10km Lauf am Vortag. Meine Beine waren echt schwer, das geb ich zu. Also gemütlich bleiben. Aber was zur Hölle soll ich per GPS malen?!?!
Die Idee kam schnell, der passende Platz dazu auch. Mit Garmin Connect hab ich versucht die „Route“ vorab zu planen, auf die Uhr überspielt und bemerkt dass ich sowas noch nie gemacht hab 🙂
Man kann nur dazu lernen.
Also zuerst mal wieder 5km zu den Rheinwiesen, dort den Track aufgerufen, und das laufende Männchen „nachgelaufen“. Durch Disteln. Und Schafköttel. Und Glasscherben. Einen ganz tollen Platz hatte ich mir da ausgesucht. Das Ergebnis ist, nunja, grade so erkennbar, aber noch ok. Aber ich hatte trotzdem Spaß an dieser kleinen Aufgabe.
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Anschließend noch etwas über 10km Dauerlauf um die verdammten täglichen 10 Meilen zusammen zubekommen.

Freitag – PHOTO FRIDAY CHALLENGE:
„We want to see some of the best photographs you can snap while you run taking into account composition, lighting, environment, theme and subject.“
Da gebe ich mal zu, das war nicht so mein Ding, aber trotzdem wollen ja 10 Meilen gelaufen werden, eher ruhig und die Gopro ist ja eh dabei.
Am Rhein lässt sich auch immer irgendwas fotografieren, zum Beispiel Fivefingers und Kieselsteine:
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Es sind dann 17,4km geworden, damit war immerhin meine persönliche Challenge mehr als erfüllt.

Samstag – 2 HOURS OF VERT CHALLENGE
„As an homage to previous year’s Ginger Runner Global Runs, today’s challenge is the 2 hour vert challenge. We want to see how many feet of vert you can accumulate in 2 hours. “
So viele Höhenmeter wie möglich innerhalb von zwei Stunden?! DAS war jetzt echt hart.
Aber nach der bisherigen Woche ausgerechnet am Samstag kneifen? Ganz sicher nicht.
Also ab in den Wald, Runden drehen. Und soll ich euch was sagen? Das ging viel besser als erwartet. Die erste Stunde ist einfach so verflogen, ich war eher mit moderatem Tempo unterwegs, hab immer wieder einen Trinkbrunnen angesteuert und einfach genau das versucht was möglich war. Höhenmeter sammeln.
Nach fast zwei Stunden bin ich aus dem Wald raus, hab genau bei 2:00:08 gestoppt und mich über 434 „Vert“-Meter und 24,12km gefreut.
Danach noch 3km Rückweg mit erstaunlich lockeren Beinen und einer netten Pace. Wenn man erstmal in Fahrt ist …
Meine 10 Meilen Challenge war mehr als doppelt im Sack und zuhause hatte ich einfach nur noch Hunger!
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Sonntag – SUNDAY FREE-FOR-ALL CHALLENGE
„For today’s challenge, we want you to log as many miles as you can. That’s it! “
Das ist einfach, kann ich.
Und bei der Vorlage gebe ich mich mit den geplanten 10 Meilen nicht zufrieden, ein Halbmarathon muss es schon sein.
Wurden es auch, ziemlich auf den Punkt sogar mit 21,21km.
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Damit ist der GRGR2020 für mich beendet.
Am meisten Spaß hatte ich am 10k Lauf und beim zwei Stunden Höhenmetersammeln, erwartungsgemäß wahrscheinlich.
Ich hab es in den sieben Tagen auf knappe 132 km gebracht und befinde mich damit in guter vorderer Gesellschaft der fast 900 Teilnehmer aus 43 Ländern. Da es keine Wertung gibt, ist das aber auch eigentlich völlig uninteressant.
Die Zusammenfassung der Ergebnisse ist hier zu sehen: https://rungrgr.com/2020-results

Einmal um die Welt hat übrigens auch geklappt, es wurden sogar ein paar Kilometer mehr.

Ich werde mir jetzt erstmal die verlorenen Kilos wieder anfressen und die nächsten Tage etwas ruhiger angehen lassen.
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10 Jahre

Jetzt im Juni werden es 10 Jahre aktives und regelmäßiges Laufen bei mir.
Auch wenn es vorher immer mal wieder vergebliche Versuche gab, ernsthaft durchgezogen und brav protokolliert wird seit genau zehn Jahren.
Am 23.06.2010 bin ich abends in meine am Vortag erstandenen Mizuno Waverider geschlüpft und habe mich über die sagenhafte Distanz von 4km in einer sensationellen Zeit von 30 Minuten gequält.
Am nächsten Tag wollte ich wegen Muskelkater und Frust nie wieder laufen, am übernächsten ging es dann trotzig wieder auf die Strasse.
Den Rest kennt ihr. Zwei Jahre später kam der erste offizielle 10km-Lauf, 2012 der erste Halbmarathon, im Folgejahr der erste Marathon und schließlich sogar ein kleiner Ultramarathon in der schönen Eifel.
Begleitet wurde alles von einer sachten Umstellung der normalen Laufschuhe auf minimales Schuhwerk, heute laufe ich fast nur noch in Fivefingers.
Für 4km ziehe ich jedenfalls mittlerweile nicht mal mehr Schuhe an, das geht auch barfuß und völlig entspannt in etwa der Hälfte der Zeit.

Dass aus diesen ersten zaghaften Bemühungen mal so eine Leidenschaft wird, das hätte ich damals nie gedacht. Ich wollte einfach nur etwas mehr Ausdauer zurück, war ein wenig in Sorge um meine allgemeine Kondition. Dank viel körperlicher Arbeit war ich eigentlich immer sehr fit, der Berufwechsel an den Schreibtisch hat das fast zunichte gemacht, da musste eine Änderung im Leben her.

Heute kann ich hier ehrlich schreiben, dass mir die Lauferei nur Gutes gebracht hat.
Sowohl körperlich als auch mental. Klar, es gab Rückschläge, der blöde Ermüdungsbruch, Stürze, viel Schmerzen, Erschöpfung und sogar völlig ausser Kontrolle geratenes Übertraining.
Aber das alles verblasst gegenüber dem allgemeinen Wohlfühlen, der gewonnenen Stärke und Grundausdauer, der Ausgeglichenheit und auch dem Stolz und Selbstbewustsein so einiges als Spätstarter erreicht zu haben.
Nicht zu vergessen die vielen Kontakte und Bekanntschaften, ob über die Blogosphäre, das Fediverse oder auch bei den vielen Veranstaltungen und natürlich beim parkrun. Niemanden von euch hätte ich je kennengelernt und vor allem, von niemanden hätte ich jemals was gelernt. In der Laufszene wird wirklich nicht mit Tipps, Hinweisen und Ratschlägen gegeizt. Das hat mir bisher wahrscheinlich so einige Katastrophen erspart.
Obwohl ich immer noch ein notorischer Alleine-Läufer bin, hat mich das Laufen doch tatsächlich nachträglich etwas sozialisiert.

10 Jahre also, in denen doch recht viel passiert ist.
Dieses kleine Jubiläumsjahr wollte ich mit neuen Bestzeiten garnieren, mit neuen Herausforderungen auffüllen und überhaupt musste irgendwas Besonderes her, ein Meilenstein der mich wieder mal weiterbringt.
Dass es allerdings so "besonders" werden würde, das konnte im Januar noch niemand ahnen.
Statt Wettkampfehrgeiz drehe ich einsame Runden. Statt nervös an irgendwelchen Startlinien herumzulungern, gehe ich einfach vor die Haustür und renne los.
Zu den üblichen "Pflicht"-Lieblingswettbewerben, hatte ich dieses Jahr noch so einige andere sehr reizvolle Veranstaltungen rausgesucht und mich teilweise bereits angemeldet.
Alles verpufft, alles abgesagt.
Also einfach nur Laufen um zu laufen, nicht um Wettkampfpräsenz zu zeigen.
So richtig planvolles Training mache ich ja eh nie, aber jetzt steht nicht mal mehr mein typischer Trainings-Hinweis wie zum Beispiel "langer Lauf" oder "sehr langer Lauf" in meinem Kalender.
Und das alles macht mir überhaupt nichts, hab ich ja auch schon ein paarmal beschrieben.
Im Gegenteil, mir wird grade mal wieder noch bewusster, dass es eben diese einsamen Runden sind, die mir so sehr gefallen. Eintauchen in den eigenen Rhythmus, spontane Entscheidungen über Richtungswechsel auf der Strecke, bummelig oder schnell, Wald, Stadt oder Rheinufer, ganz einfach jederzeit so laufen wie es mir gefällt.
Das ist eine ganz besondere Art von Freiheit, die ich sehr geniesse.
Für mich sein und rennen.

So wird mein Jubiläumsjahr also, trotz abgesagter Veranstaltungen und verpuffter möglicher Bestzeitenplatzierungen, dennoch zu einem Ereignis, dass ich wahrscheinlich nie vergessen werde.
So kanns kommen.

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Selbstverständlich gibt es trotzdem etliche besondere Ereignisse in diesem verrückten ersten Halbjahr, aber die haben nichts mit Laufen zu tun.
Einige von euch haben allerdings bei einem in diversen Kommentaren aufgetauchten Thema mehrfach nachgefragt, also sehr gerne ein paar Sätze zu Otto.

Winter – Frühl… – Sommer

Wer seine Laufrunden draussen dreht, bekommt den Wechsel der Jahreszeiten in voller Pracht um die Ohren gehauen, mit allem was dazu gehört. Und zu jeder Jahreszeit hat man früher oder später bock auf die Nächste mit all den Eigenarten. Ich hechele zum Beispiel nach der dunklen Winterzeit immer wieder dem warmen Frühling entgegen. Leider ist der Frühling hier im Rheinland die letzten Jahre total kurz geworden und geht superschnell in Sommer über. Eben noch Bodenfrost und plötzlich brennende Sonne. Also statt Frühling schnell an Sommer gewöhnen.
Wir haben heute den letzten Maitag und mir kommt es jetzt schon vor wie Hochsommer. Es wird teilweise richtig heiß, die Wiesen vertrocknen, es regnet viel(!) zu wenig, dazu immer wieder dieser Wind, das alles tut der Pflanzenwelt nicht gut.
Trotzdem, ich geniesse mal wieder alles, Herbst und Winter kommen ja auch irgendwann zuverlässig zurück.
Jede Laufrunde hat kleine Highlights. Ob der Beuys-Kopf mit Maske oder ausgebüxte Lämmer oder plötzliche Einsamkeit auf dem Asphalt, mit Tempo durch den Wald fliegen oder noch schneller über die Rheinbrücken knallen oder auch mal gemächlich auf Trampelpfaden am Rhein entlang trotten.
Als notorischer Alleine-Läufer hab ich die Freiheit und das Privileg einfach so laufen zu können, wie es mir passt. Und das geniesse ich wirklich sehr, zu jeder Jahreszeit.

Bitte sehr, einige gesammelte Eindrücke der letzten vier Wochen:

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Den nehm ich dann auch noch mit

Dann also doch noch ein weiterer virtueller Lauf. Der Wings for life World Run ist ja ziemlich bekannt und beliebt. Normalerweise gibts massenhaft Veranstaltungen in allen großen Städten rund um den Globus, dieses Jahr hieß es für alle alleine mit App zu rennen.
Der virtuelle Countdown beginnt in Deutschland um Punkt 13 Uhr, dann einfach loslaufen und nach einer halben Stunde startet der (virtuelle) Besenwagen, das „Catcher Car“, von dem die Läufer Stück für Stück eingeholt werden und dann raus sind. Es gibt also keine klassische Ziellinie, sondern die Teilnehmer sollen so weit rennen wie möglich.
Soweit so gut. Ich hatte mich relativ spontan angemeldet, einfach weil ich eh Lust auf einen langen Lauf hatte, aber mich daher auch erst sehr kurzfristig mit den Voraussetzungen auseinander gesetzt. Ansonsten, null Vorbereitung für sowas. Im Gegenteil, die Woche hatte es vom Umfang her in sich, durch einige recht schnelle Waldläufe.

Punkt 1: Anmeldegebühren als Spende, check, gerne.
Punkt 2: Smartphone mitschleppen, da steh ich ja nicht so drauf.
Punkt 3: Kopfhörer mitschleppen um die „Audio Experience“ zu geniessen. Genau mein Ding … nicht.
Platz für den technischen Schnickschnack fand sich in der Laufweste, etwas Wasser musste ja sicherheitshalber mit auf den Weg, das Wetter meinte es plötzlich wieder sehr gut.

Den Countdown erklang in meiner App erstaunlicherweise nicht, aber spontan um 13 Uhr auf „Start“ drücken, das bekomm sogar ich hin.
Nach jedem Kilometer wird man über Kopfhörer mit der „Audio Experience“ beglückt, einerseits mit der Kilometerangabe und dann immer nochmal mit einem „tollen Spruch“. Das ging mir aber leider sehr schnell so sehr auf die Nerven, dass der Stöpsel für eine längere Zeit nicht mehr im Ohr war.
Eine bestimmte Strecke hatte ich nicht geplant, bin einfach (mal wieder viel zu schnell) drauf los, wollte irgendwie grob meine große Rheinrunde drehen und dann eventuell noch ein paar Runden vor der Haustür machen, bis mich der Besenwagen einsackt.
Die Runde wurde ausufernder und nachdem ich bei Kilometer 25 den Ohrstöpsel wieder reingedrückt hatte, wusste ich dass es etwa 27-28km werden könnten. Ich gebe zu, wahrscheinlich bedingt durch den Umfang in der ganzen Woche, wurden die letzten paar Kilometer schon schwerlich und etwas langsamer, über den halben Liter Wasser war ich jedenfalls sehr glücklich. Die letzten 1000 Meter meldet sich das Catcher Car immer öfter und man wird ganz gut über die Ziellinie geschickt.
Irgendwie hab ich es dann ernsthaft geschafft ca. 500 Meter vor meiner Haustür vom Catcher Car eingeholt zu werden, also wirklich eine perfekte Punktlandung.
Laut App bin ich 27,59km weit gekommen (nach meiner Laufuhr 28,75km) und hab knappe 2h18m gebraucht, damit bin ich sehr zufrieden.
Jetzt ist es aber wirklich erstmal Schluss mit virtuellen Läufen.

Das offizielle Ergebnis:
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Die Route:
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Grüne Strecke …
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… unendliche Weiten …
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… und wenig Wasser im Rhein
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