Welterbelauf

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Nun hab ich dieses Jahr also doch noch einen 10km Lauf gemacht. Das hatte Gründe. Auf einem alten Zechengelände zu laufen ist bestimmt interessant, ich mag das Ruhrgebiet und der beste Grund: deshalb hab ich den Lauf geschenkt bekommen.
Der Welterbelauf-Zollverein in Essen ist noch recht jung, dieses Jahr ging es dort erst zum dritten mal an den Start. Ich fand alles wirklich sehr gut und übersichtlich gemacht, zudem mit typisch direkter Ruhrpott-Freundlichkeit und vielen fleissigen Helfer an jeder Ecke. Die ganze Veranstaltung hatte eine überschaubare, sympathische Größe und die Zeche Zollverein ist natürlich auch optisch eine tolle Wahl.
Wie bei vielen anderen Volksläufe auch, fand ein umfassendes Rahmenprogramm statt: Bambini-, Schüler-, Jugendläufe und natürlich Walker sowie 5km und 10km. Dazu reichlich Fressbuden, viel Information über die Zeche sowie den Kohleabbau und diverse kleinere Aktivitäten die ich aber (aus Zeitgründen) nicht wirklich wahrgenommen hab. Mich hat beeindruckt mit wieviel Hingabe und Professionalität auch die kleineren Läufe von den Organisatoren durchgezogen wurden, das bekommt man nicht unbedingt bei jeder Veranstaltung geboten. Mehr davon, vielleicht bin ich nächstes Jahr wieder am Start.
Der 10km Lauf begann erst um 17:30 Uhr, immer noch bei 28°C, es gab ein kleines Briefing, dem niemand so recht folgen konnte („erst links dann die nächste Runde rechts abbiegen, danach die nächste Runde links abbiegen…“), sehr spaßig und eigentlich überflüssig, da vorweg zwei Radfahrer und ein weisser Smart gefahren sind. Das Gelände ist zwar beeindruckend groß, aber für eine 10km Runde reicht es nicht, deshalb wurde zuerst eine kleine und danach zwei grössere Runde gelaufen (daher auch das Briefing). Verlaufen war unmöglich, alles perfekt beschildert und mit Helfern besetzt.
Obwohl ich die letzten Monate immer auf eher langen und ausdauernden Strecken unterwegs war, wollte ich auf dieser Strecke mal ein wenig Tempo machen, einfach zum Ausprobieren ob es klappt. Wieviel Kurven und Schlenker da auf uns Läufer zukamen, wusste ich noch nicht.
Aufstellung in dritter Reihe, Startschuss und los. Kurzes Sortieren, dann einpendeln auf 4:05er Pace und durchlaufen. Naja, Durchlaufen zumindest auf den graden Strecken, die vielen und teilweise engen Kurven wurden immer mal wieder zur Bremse. Fand ich aber nicht schlimm, hat die Strecke trotz der Wiederholungen interessant für die jeweils nächste Runde gemacht.
Bei der dritten und finalen Runde hab ich doch noch am VP zum bisher ignorierten Wasserbecher gegriffen und den mir fix über den Kopf gekippt, es war echt warm, wir vorderen Läufer haben ziemlich geglüht.
Ein kleines sympathisches Battle gab es auch noch, Mann in grünem Shirt ist lange mit mir gleichauf gelaufen, dann aber abgezogen, erst hab ich ihn laufen lassen, auf dem letzten Kilometer aber dann gedacht: „so nicht Freundchen“, hab zum Schluss-Sprint angezogen, aufgeholt und wir sind zusammen über die Matte geprescht. Großer Spaß für uns beide, am Ende war ich in der Wertung geringfügig schneller.
Im Nachzielbereich erwartete uns richtig tolle und professionelle Verpflegung: Wasser, Obst, Müsliriegel, Iso, … einfach alles was man sich so wünscht. Und durch die überschaubare (begrenzte) Teilnehmerzahl war nie irgendwas zu voll oder nervig, gemütliches Runterkommen auf dem Rasen war statt dessen angesagt.
Mir hat das alles riesig Spaß gemacht, das Wetter war fast zu warm aber trotzdem perfekt und mit meiner Platzierung bin ich mehr als zufrieden: Platz 18 mit 42:04 Minuten (2. in meiner AK).
Wer es unter 40 Minuten geschafft hat, dem wird nächstes Jahr übrigens die Startgebühr geschenkt. Ich zwar nicht, aber trotzdem eine sehr feine Sache.

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@Team Hubzilla Runners+

Erstaunlich

Im Laufe der Woche "rotze" ich gerne und fast regelmäßig Läufe zwischen 20 bis 25 Kilometer einfach so runter. Manchmal sogar in relativ zügiger Geschwindigkeit. Und das nach Feierabend und teils anstrengenden Tagen. Ohne Wasser. Ohne Zuckerfutter. Klamotten an und los. Beim Starten sage ich mir sogar oft genug: "komm, mach ne zehn Kilometer Runde und gut", aber es läuft dann einfach und der Spaß kommt ja bekanntlich von selbst. Anschließend bin ich entspannt, gut drauf und nicht mal besonders müde. Alles klasse also.

Und dann gibts solche Tage wie heute … Wochenende, Vorfreude, richtig gut vorbereitet für einen längeren Lauf, bei Temperaturen über 25 Grad nehm ich auch brav Wasser mit. Und Rosinen. Und Cranberries. Also gut gelaunt auf die Strasse und los gings.
Die ersten 22 Kilometer liefen so wie immer und dann wurden die Beine plötzlich schwer. Schwerer. Noch schwerer. Schuhe aus hilft ja immer (ich war mit Merrell Vapor Gloves unterwegs), also Barfuß weiter. Das hat zwar die folgenden vier Kilometer sehr gut getan, aber die Luft war offenbar raus. Völlig. Ich war schlicht und einfach fix und fertig.
Schnell den Weg abgekürzt und Richtung Rheinwiesen geschlurft um mich dort eine Viertelstunde in den Schatten zu setzen. Danach im sehr langsamen Trab ab nach Hause.
Die ganze Aktion hat mir weder die Laune vermiest noch mich frustriert (das geht fast nicht), sondern mich einfach nur ziemlich erstaunt.
Tagesform ist ja so eine Sache für sich, wenn man nix erwartet kommen plötzlich tolle Läufe zustande. Und dann sowas wie heute, eigentlich in Topform und guter Dinge, um dann unterwegs mal so richtig klassisch wegzusacken. Hatte ich zu viel getrunken? Zu wenig Zeit zwischen Frühstück und Laufen gelassen? War es doch zu warm? Alles: nein.
Wahrscheinlich war ich einfach viel zu sehr im Wochenend-Modus ohne es wirklich bemerkt zu haben. Zu gemütlich. Mein Körper (und damit auch der Kopf) hatte heute schlicht und einfach keine Lust auf einen längeren Lauf. Gut so, verstanden, ist angekommen. Ich höre gern auf meinen Körper, der hat mich schon öfter vor Unsinn bewahrt.

Ich mach dann jetzt einfach ein sehr entspanntes Wochenende und werde erst am Montagabend wieder meine Runde drehen.
Eine kurze Runde.
Oder was so zustande kommt … 😉

@Team Hubzilla Runners+

Kein Hitzefrei

Endlich wieder Hochsommer! Ich finds ehrlich gesagt klasse. Gehört nunmal zu unseren Jahreszeiten und bisher war der Sommer ja nun wirklich eher bescheiden. Als sonst eher kälteliebender Läufer geniesse ich diese Tage auf meine Art: statt abends in der Affenhitze zu laufen, drehe ich meine Runden einfach sehr früh morgens.
Das hat ein paar besondere Reize, zum Beispiel ist dir Stadt noch völlig ruhig, gemütlich und bedächtig. Und ganz besonders schön: die Sonne geht während des Laufens auf, um kurz vor 5 ist es noch stockdunkel, die Tage werden also schon wieder merklich kürzer. Wenn es dann langsam dämmert, das hat schon was.
Und ich brauch kein Wasser mitschleppen, ein großer Pluspunkt, überflüssiges Gewicht nervt. Aus Sicherheitsgründen nehme ich allerdings meine Stirnlampe mit, aber die wiegt ja fast nix.
Und so ganz nebenbei bemerke ich (wieder) dass Laufen in der Dunkelheit etwas meditatives hat, den Blick nicht in die Ferne schweifen lassen, sondern entspannte, lockere Konzentration auf die nächsten Schritte. So mag ich das.

Ein Flachlandläufer in der Eifel

„Ohne Monschau geht hier keiner raus!“ waren die Worte, die mir eine freundlich lächelnde Frau sehr überzeugend erklärte, als ich im April eigentlich nur meine Startunterlagen für den Düsseldorf Marathon abholen wollte. Monschau, Eifel, das ist schon recht bergig dort, könnte schwer werden für mich alten Flachlandläufer. Aber diese Gedanken kamen mir überhaupt nicht in den Sinn, beziehungsweise die waren zwar da, aber ich wurde fix in ein nettes Gespräch verstrickt und plötzlich hatte ich diesen charmanten Flyer nebst Zeitung zum 40. Monschau Marathon in der Hand.
Ihr erinnert euch vielleicht, das war zu der Zeit als ich grade meine üblen Knieschmerzen bewältigt hatte und den Düsseldorf Marathon „einfach nur laufen“ wollte, mit der Option, jederzeit auszusteigen (dazu kam es ja zum Glück nicht).
Und jetzt also einfach mal zur Abwechslung eine dezent herausfordende Strecke durch die Eifel laufen? Manchmal tickt man als Läufer scheinbar nicht ganz richtig.
Abends war ich angemeldet.

Die Vorbereitungen dafür waren nicht ganz einfach, Düsseldorf hat leider keine anständigem Berge zu bieten. Der nächste „Hügel“ ist im Grafenberger/Aaper Wald mit sagenhaften 60 Meter Anstieg. Da bin ich also die letzten Wochen immer wieder hoch und runtergetobt, in der Hoffnung dass es reicht. Mit superdisziplinierter Vorbereitung hab ichs ja nicht so, diesmal musste aber irgendein Plan durchgezogen werden. Ich wollte möglichst viel und möglichst oft durch den Aaper Wald laufen und dabei einmal die Woche eine fiese Strecke mit etwa 500HM und mindestens 2,5 Stunden durchzuziehen. Das ganze dann auch noch mit einer Durchnittspace von 5:00. Also einfach mal dem Körper mehr abfordern als gewohnt. Soweit so gut, ich habs durchgezogen, mehr war nicht zu machen.

Monschau-Konzen, Marathon Tag, 14.08.2016
Perfektes Laufwetter, irgendwas um 12°C, Sonne, leichte Wolken, und ich aufgeregt bis unter die Haarspitzen.
Die Veranstaltung selbst kann man überhaupt nicht genug loben, das Orga-Team macht echt alles richtig. Die Versorgung aller Beteiligten ist vorbildlich, es herrscht grundsätzlich eine sehr freundliche angenehme Athmosphäre, sogar der Start ging ohne Gedränge über die Bühne. Neben einem fetten Rahmenprogramm werden diverse verschiedene Läufe über vier Tage geboten, seit 5 Jahren ist nun sogar ein Ultramarathon über 56km dabei.
In Konzen und den Nachbargemeinden scheint irgendwie jeder mitzumachen, unglaublich, wenn man mitten im Grünen plötzlich auf Menschen-Ansammlungen trifft, die einen anfeuern. Oder wenn zusätzliche private Verpflegungspunkte aufgebaut werden. Ich war wirklich schwer begeistert, und bin es noch.
Das Höhenprofil der Strecke ruft irgendwas um 750 Meter auf, das mag für euch Trailläufer ein Witz sein, für mich ist das eine ziemliche Herausforderung. Ab Start geht es erstmal nur runter, etwa 7,5 Kilometer. Danach wirds ernst. Die erste 21 Kilometer gingen aber ehrlich gesagt recht gut, die berüchtigte Steigung ab Holderbachtal war ok für mich, ich hatte Schlimmeres befürchtet. Oder auch: ein grosser Fehler die HM Distanz so schnell zu laufen, das sollte sich später bitter rächen. Ab Brather Hof (21km) heißt es offiziell „der schwierigste Teil ist überstanden und wer die Kräfte gut eingeteilt hat wird die 2. Hälfte eine kürzere Zeit laufen“. Genau, wer die Kräfte gut eingeteilt hat. Hatte ich nur in Maßen. Aber noch ging es, bis zur für mich gemeinsten Steigung bei km35 nach Leyloch. Die Rache des schnellen erstes Teils folgte. Plötzlich war ganz übel die Luft raus, ich musste eine Gehpause einlegen und bin 5 Minuten mit zwei netten Ultras die Steigung hochmarschiert. Anhöhe erreicht, Zähne zusammenbeissen, gute Wünsche von den Ultras bekommen und weiter gings.
Meine Stimmung war zwar trotzdem die ganze Zeit über super, kein Wunder bei der tollen landschaftlichen Strecke, aber die Waden wurden ab km38 sehr schwer, also alles langsamer angehen. Die letzten paar Kilometer sind dann nochmal wirklich gemein, da kommt dann plötzlich allen ernstes noch ein kurzes Stück Steigung. Mit Rennen war nix mehr, ich bin hochgeschlurft. Nicht schlimm, alle anderen auch.
Und endlich kam er in Sicht: Der Konzener Kirchturm! Jetzt los und im Tribünenschritt durchs Ziel! 700 Meter vorm Ziel: Wadenkrampf! Das war so absurd dass ich laut lachen musste, was wiederum schnell zur Entspannung führte und ich schließlich doch relativ locker durchs Ziel gelaufen bin. Die Waden waren zwar beleidigt, aber es ist auch anschliessend nichts mehr passiert. Viel trinken, viel essen, wie gesagt, im Zieleinlauf war reichlich Verpflegung vorhanden. Ich hätte mich also doch noch etwas mehr im Aaper Wald quälen müssen.
Meine Zielzeit netto: 3:55:17 Stunden. Damit bin ich mehr als hochzufrieden, wusste ja nicht genau was mich erwartet und hab mit irgendwas satt über vier Stunden gerechnet.
Alles in allem wirklich ein ganz wunderbarer Lauf, mit schöner Strecke und perfekter Organisation.
Monschau: ich komme wieder.
Gelaufen bin ich wieder mit den Altra One, war eine sehr gute Wahl, die stecken alles weg was die sehr abwechslungsreiche Strecke zu bieten hat.

 

Schnell mal in die Schweiz

Irgendwas an Laufsachen hab ich eigentlich immer im Auto liegen, man weiß ja nie. Und wenn ich dann mal ein paar Tage, oder auch nur eine Nacht, irgendwo unterwegs bin, dann versuche ich früh aufzustehen und zumindest einen kleinen 10km Lauf durchzuziehen. Das klappt fast immer und wird natürlich gerne mal etwas mehr. So auch heute früh, im Ländereck zur Schweiz. Traumhaftes Wetter, noch völlig ruhige Welt, also raus aus den Federn, einfach losgerannt, einmal über den Rhein, die Ländergrenze überquert, eine kleine Runde in der Schweiz gedreht und die gleiche Strecke wieder zurück. Unspektakulär, wohltuend und auch nur deshalb eine kleine Notiz wert, weil ich ausnahmsweise mal ein Foto im richtigen Moment gemacht hab, bitte schön:
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Hin und weg in Himmelgeist

Samstag morgens um acht Uhr auf der Strasse rumstehen und dann muss erst noch der Linien-Bus durch, willkommen im beschaulichen Himmelgeist, südlich von Düsseldorf.
Ich war dieses Jahr das zweite mal für den Halbmarathon am Start, könnte mir wirklich vorstellen jedes Jahr mitzumachen, sofern der Termin passt. Das ganze Drumherum ist einfach nur sympathisch, freundlich und herzlich. Läuferzahl Begrenzung auf etwas über 800 (sonst verstopft wahrscheinlich das ganze Dorf), ein tolles und freundliches Orga-Team, leckere hausgemachte Müsliriegel im Zielbereich, hier gehts ums Laufen, nicht um Vermarktung.
Der Lauf letztes Jahr fand am heissesten Tag des Jahres statt, dieses mal hatten wir statt dessen eher Herbststimmung. 14°C, sehr windig, grade so kein Regen. Aber wen stört das schon, ich nenn es perfektes Laufwetter.

Um kurz nach acht Uhr (der Bus war durch) knallte der Startschuss und los gings. Statt mich in die ersten Reihen zu stellen, bin ich diesmal einfach von der Seite rein als etwas Platz im Gedränge war, danach dann das übliche Slalom-Laufen um die langsamere Läufer herum, in Himmelgeist ist selbst dieser sonst nervige Teil recht entspannt, keine Ellbogenmentalität, eher freundlich gemurmelte Entschuldigungen.
Als Zeit hatte ich mir irgendwas um 1:40 Stunden gesetzt, war allerdings nach vier Kilometer überrascht wie locker alles lief und mir dann gedacht „lauf einfach, lass die Uhr in Ruhe“. Das war gut so, ich hab mich also immer wieder an irgendeinen noch etwas entfernten Vordermann geheftet, sobald der eingeholt war den nächsten rausgepickt, uns so weiter. Bis km16 hat das super geklappt, dann hatte ich meinen Meister gefunden. Der Mann in grau hielt scheinbar nix von meinem Plan, ist einen Kilometer mit mir gelaufen und dann einfach abgezogen. Also nix wie hinterher, einholen war aber nicht mehr drin. Die Zeit verflog übrigens wirklich schnell und mir ging es die ganze Zeit erstaunlich gut, die vielen Kilometer der letzten Wochen haben sich eindeutig bezahlt gemacht. Ausser zwei Schluck Wasser war nichts nötig, die Strecke ist, abgesehen von den beiden Rheinbrücken, sehr flach und zügig, der Wind hat dafür gesorgt diesmal nicht zu sehr zu schwitzen. Mit anderen Worten: alles super.
Auf dem Weg ins Ziel wird es ganz kurz gemein demotivierend. Der unter Vorfreude stehende Läufer hört die Durchsagen des Zielbereichs und haut rein, muss aber statt einfach rechts abzubiegen noch eine kleine Extrarunde drehen und rechts durchs Wohngebiet laufen. Aber ist nur kurz, dafür ist der anschliessende Zieleinlauf dann umso schöner, einfach nochmal alles an Reserven für einen schönen Sprint rauszuholen und beschleunigt über die Matte fegen.
Zielzeit war dann für mich 1:33:48, das ist meine beste offizielle HM-Zeit bisher. Darauf hatte ich es überhaupt nicht angelegt und freue mich deshalb natürlich doppelt.
Wer also mal einen schönen, sehr professionellen, aber trotzdem fast familiären Halbmarathon im Rheinland laufen möchte, meldet sich frühzeitig in Himmelgeist an, ich kanns nur empfehlen. Nächstes Jahr am 24.Juni.
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Kontrastprogramm

Die letzten Wochen bestanden überwiegend aus etwas längeren Strecken, also 20km oder mehr. Ich hab soviel Kilometer gelaufen wie noch nie vorher im gleichen Zeitraum, völlig entspannt, ohne Druck. Nur an den beiden sehr heißen Tagen, bin ich aus Vernunftsgründen,sehr früh morgens nur etwa 12km unterwegs gewesen. Aber ansonsten wurde einfach durchweg relativ ungeplant losgerannt, ich hatte mir als Minimum nur irgendwas um 14-16 Kilometer vorgenommen und mich dann überraschen lassen, wo es mich tatsächlich hinträgt. Es trug mich immer erheblich weiter.
Interessant daran ist, wie die Umgebung Stück für Stück „schrumpft“. Ich laufe mittlerweile zu Orten, wo man rein gedanklich eigentlich nur mit Auto/Bus/Bahn hinfahren würde. Aber das nur nebenbei.
So zu laufen klappt eigentlich immer gut und entspannt mich sehr. Die einzige Bremse ist daher auch nur mein stetiges Vorhaben möglichst weit ohne Wasser und Zuckerkram zu kommen. Bis ca. 25-27 Kilometer funktioniert das mittlerweile gut, danach werden die Beine langsam aber sicher schwerer, trotzdem möchte ich die Distanz ohne Futter noch etwas ausweiten. Wäre doch gelacht wenn da nicht noch was rauszuholen ist.
Wasser gibt es manchmal unterwegs, im Wald stehen überall Brunnen, am Rhein siehts zwar nicht so gut aus, aber ein paar Trinkmöglichkeiten gibts da mittlerweile auch. Prinzipiell gehe ich aber natürlich immer gut betankt (tagsüber trinken, trinken, trinken) auf die Strecke, bei normalen Temperturen kommt kaum Durst auf, brauche ich kein Wasser. Ja, natürlich könnte sicherheitshalber einfach eine Flasche mit auf die Tour, aber das ist nur unnötiges Gewicht. Wie gesagt, es geht mir dabei um Distanzen bis 30 Kilometer. Bei allem darüber sieht die Welt natürlich anders aus.
Ebenfalls völlig anders sieht die Welt aus, wenn man sich als tapferer Dauerläufer für ein Firmen-Event mit 6,2km Distanz anmeldet und damit in ein komplettes Kontrastprogramm katapultiert wird.
Die „deutsche Firmenlaufmeisterschaft“ B2Run zieht durch etliche Städte, so auch durch Düsseldorf. Ist natürlich Ehrensache dass ich da mitmache, zumal mein Arbeitgeber erstmalig dabei ist und sich alle bei der Organisation sehr viel Mühe gegeben haben. Immerhin 19 Läufer konnten kurzfristig aktiviert werden, jede Geschwindigkeitsklasse ist dabei, alle sind gut drauf, so muss es sein.
Das ganze Ding ist übrigens ein Riesen-Event. Also echt riesig. Tausende von Menschen in und um der Arena.
Start, Ziel, Aktionen, Meeting-Points usw finden in der Esprit-Arena statt, die Strecke selbst ist eine schöne Schlaufe, zuerst am Rhein entlang, dann kurz parallel zur Autobahn um über einen Feldweg zurück zum Messegelände und zur Arena zu führen.
Die Läufer werden, wegen der schieren Masse, im Viertelstundentakt gestaffelt auf die Strecke geschickt.
Wir sind um 19:15 Uhr (zweite Gruppe) dran, kurzes Absprechen ob als Team oder auf Zeit (zweiteres) und ab in die Startbox. Ich bin sofort hochmotiviert ganz nach vorne, um mich innerhalb der ersten Reihen zu platzieren. Bloß kein Gedrängel am Start. Wunschdenken, gabs natürlich trotzdem.
Und dann ging es nach dem üblichen Vor-Start-Bohei auch schon los. Die Strecke kenne ich im Grunde auswendig, ist ein Teil meiner üblichen Rheinrunde, nur dieses verdammte schnellere Laufen hab ich wie gesagt überhaupt nicht mehr trainiert. Als Plan hatte ich mir eine 4:15er Pace vorgenommen, um dann ab km4 alles rauszuholen. Am Ende wurde es eine 4:08er Pace, völlig ok.
Auf der Strecke hat unsere Startgruppe relativ schnell die Langsamen aus der ersten Gruppe eingeholt, das war der einzige wirklich nervige Teil an der sonst gut organisierten Veranstaltung. Slalom durch Walker und Bummler, nicht lustig. Sicher, das ist kein Volkslauf oder ähnliches, den meißten gehts einfach ums Mitmachen (und das find ich klasse). Aber wieso die Langsameren nicht konsequent die „linke Spur“ zum Überholen freilassen, ist mir einfach ein Rätsel.
Sei’s drum, nach dem Flaschenhals ging es auch schon auf den Messeparkplatz mit viel Platz, von dort an hab ich aufs Tempo gedrückt. Und wie das so ist, man findet immer einen netten (unbekannten) „Pacemaker“ mit dem man sich aufschaukeln kann. In meinem Falle ein Kollege mit rotem Shirt, der über den letzten Kilometer für stabiles Tempo gesorgt hat. Oder wir beide für einander. Wie auch immer. Beim Zieleinlauf hab ich ihn dann wieder abgehängt, nicht mal aus Absicht, sondern wegen erneutem Slalomlauf in den engen Kurven. Trotz des Gedrängels unterwegs, bin ich mit 26:38 durch Ziel, das ist mehr als ok, obwohl glatte 2 Minuten langsamer als letzten Jahr beim run4ideas (auch 6,2km). Aber letztlich waren wir als Firmen-Team am Start und das war der eigentlich Spaß an der ganzen Sache. Gemeinsam unter Spannung stehen, anfeuern und hinterher noch zusammensitzen, essen und trinken, einfach gute Laune haben. Dafür mache ich sowas richtig gerne jederzeit wieder mit.
Natürlich kam kurz die Idee auf barfuss zu laufen, aber der Feldweg-Teil wäre wirklich nicht gut zu meinen Füssen gewesen. Also bin ich stattdessen mit den Skora Phase losgetobt, eine gute Wahl.

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Noch einer für die längeren Strecken

Keine Angst, hier gibts jetzt nicht ständig irgendwelche subjektive Berichte über komische Laufschuhe. Dieser hier ist eigentlich auch nur eine Konsequenz aus der letzten Zeit und vielleicht hilfreich für den einen oder anderen Leser.
Im Januar hatte ich mich ja zurückgelehnt und alle Schuhe mit Sprengung größer 0mm in den Ruhestand geschickt, "Zero-Drop" ist mein Ding, tut mir gut, lässt mich natürlich laufen. Dazu immer längere Barfuß-Strecken, daran hat sich nichts geändert.
Aber auch seit Januar beschäftigte mich immer mehr weshalb es so wenig gute Minimalschuhe für längere Strecken gibt, bzw. was ich so von denen  überhaupt erwarte.
Beim Stöbern bin ich dann ja bekanntlich über zwei Marken gestolpert, die was für mich sein könnten: Altra One und Skora Tempo.
Der Altra war leicht bestellbar und hat bereits einiges an Kilometer runter (und mich sicher durch einen Marathon gebracht), ich schrieb bereits darüber, tolle Dinger, möchte ich wirklich nicht mehr missen.
Mit Skora war das nicht ganz so einfach, der US-Import ist nicht bezahlbar (Shipping + Zoll), und es gibt zwar ein paar Onliner die Schuhe dieser Firma auch finanziell erträglich nach oder innerhalb Deutschlands verschicken, aber die Tempo waren leider nie dabei.
Etliche Emails später hat es dann letztlich über einen kleinen Umweg doch noch kostengünstig geklappt und ich renne mittlerweile zufrieden mit meinen Skora Tempo durch die angrenzende Hügellandschaft.
Diese Schuhe sind völlig anders als die Altra, fühlen sich eher hart an und die Dämpfung kommt überhaupt nicht so richtig durch, das war zumindest der erste Eindruck.
Die asymetrische Schnürung ist klasse, besonders für meine Plattfüße, auch wenn ich die Schnüre öfter mal lockern und ändern musste. Ohne Socken laufen kann ich die Dinger nicht (obwohl dafür ausgelegt), die Innensohle schubbert (auch Plattfuß-bedingt) auf Dauer am Fußgewölbe, aber das ist mir bei mit vielen Schuhen so, kein Problem. Die breite Zehenbox ist klasse, meine römischen Füße fühlen sich da wohl.
Wenn ich ganz ehrlich bin, hab ich mich auf den ersten Kilometern etwas erschrocken und war kurz davor die Teile entäuscht wieder auszuziehen. Das war kein minimales Laufen oder Altra-ähnliches, sondern hart und sehr ungewohnt. Bin dann trotzdem einfach weiter und als es nach 4km vom Asphalt auf die Waldwege und vor allem bergauf ging, wurde mir klar auf was diese Schuhe ausgelegt sind. Die Form der Aussensohle macht es möglich sehr barfuß-ähnlich zu laufen, man muss es nur auch machen. Anfangs bin ich schlicht und einfach ziemlich schlampig gelaufen, der "gedämpfte-Schuhe-Effekt" eben. Meine Güte, was sind wir versaut durch "normale Laufschuhe", selbst nach Monaten konsequenter Umstellung macht sich das bemerkbar. Ab dieser Erkenntnis wurde es spannend. Ich bin prompt lockerer weiter gelaufen und hab mich erstmal auf wilde Pisten im Wald begeben um alles auszureizen. Und um Spaß zu haben.
Etwa 20 Kilometer später (bergauf-bergab-Asphalt-Waldweg-Schotterpiste-usw) waren wir dicke Freunde. Könnte eine subjektive Empfindung sein, aber ich finde die Schuhe sind nach den ersten ausgedehnten Läufen weicher und passiger geworden. Mittlerweile sind etwa 150km runter, an der Sohle und auch sonst sind fast keine Abnutzungen zu sehen, und ich war auf einigen wirklich üblen Schotterwegen unterwegs, Material also top.
Die echte Stärke der Tempos ist übrigens der Bergab-Lauf (neudeutsch: downhill), die Sohlenform erlaubt ein tolles natürliches Laufgefühl ohne mit der Ferse aufzuknallen. Mittel-/Vorderfuß-Laufen leicht gemacht, wenn man sich darauf einlässt.
Nicht falsch verstehen, der Tempo ist kein Trailschuh, aber ich finde ihn für lange flache Asphaltdistanzen nicht optimal, für gemischte Strecken wie Wald-und Feldwege dagegen wirklich extrem gut.
Und so siehts jetzt aus: Altra für lange Asphaltstrecken, Skora für die  langen wilden Touren über Wald- und Feldwege, für Distanzen unter 20km haben sich ja bereits die Barfüße, Merrell Vapor Gloves, meine paar Inov-8 und ein paar andere Minimale bewährt.
Schuhe mit Sprengung: kein Bedarf mehr. Die Materialschlacht ist beendet. Ich gedenke in den nächsten Monaten auch wirklich keine neuen Schuhe mehr zu kaufen, das Ziel ist nach wie vor so minimal wie möglich zu laufen bzw. genau das weiter auszubauen, dazu hab ich jetzt alles nötige.
Ein wirklich wohltuender Gedanke.
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Alles völlig unspektakulär

Schon klar, es ist Frühling, die Winterklamotten sind eingemottet, allgemein fällt es vielen Menschen wesentlich leichter draussen die Runden zu drehen.
Geht mir ähnlich. Und das ist ehrlich gesagt fürchterlich angenehm und entspannend.
Nach dem Düsseldorf Marathon hatte ich keine Lust auf eine lange Pause, bin stattdessen schon ein paar Tage später wieder relativ planlos aber entspannt irgendwelche Strecken gelaufen und hab meine Lieblingsstrecken ausgiebig variiert.
Zusätzlich wurde mein „Einzugsgebiet“ ausgedehnt. Dieses beliebte „wenn ich hier reinlaufe, müsste ich doch auch dort hinten ankommen“ klappt wunderbar, macht ausgesprochen Spaß und bringt meine geliebte Ausdauer spielerisch voran.
War ich bisher fast immer am Rhein unterwegs, treibt es mich nun immer öfter auf die andere Seite der Stadt ins Grüne. Das ist auch deshalb so toll, weil dort im Gegensatz zum Rheinufer, ein paar Höhenmeter zu bewältigen sind. Also, nichts riesiges, aber über zwei Stunden geschickt gewählte Strecke, können so schonmal problemlos etwa 300-350 Meter Anstieg gesammelt werden. Wenn ich mich arg prügeln möchte, dann ginge locker auch wesentlich mehr, aber das ist im Moment überhaupt nicht nötig.
Die nächsten paar Wochen werde ich erstmal entspannt lange und längere Schlaufen durch den Wald ziehen, Höhenmeter laufen „lernen“ und gemütliches Abschalten auf unzähligen Feldwegen geniessen.
Ich hab dieses Jahr nicht vor, bei allen möglichen Volksläufen in der Nachbarschaft mitzumachen, das frisst mir einfach zu viel Zeit. Ich beschränke mich lieber auf einige wenige, aber dafür schöne Läufe und bin damit auch raus aus dem „Vorbereitungs-Hamsterrad“.
Lange Strecken kann ich auch für mich selbst laufen, ohne Start- und Zielbogen. Dazu hab ich allerdings tatsächlich noch ein wenig vor dieses Jahr, ist aber noch nicht fertig geplant.
Zur Zeit also alles völlig unspektakulär bei mir. Und das ist auch mal gut so.

Eine zaghafte Freundschaft

Eigentlich aus erheblichem Frust, ist es in den letzten Monaten, Kilometer für Kilometer, zu einer zaghaften Freundschaft gekommen: Altra One 2.5

Für Distanzen über 25 Kilometer mag ich manchmal einfach nicht mit Minimalschuhen (oder barfuss) laufen, irgendwann wünschen sich meine Füsse einen gewissen Komfort, besonders wenn es kein gemütlicher Genusslauf sein soll, sondern mal etwas schneller sein darf (aus was für Gründen auch immer).
Meine letzten Versuche einen dafür passenden Laufschuh zu finden, sind einfach alle, teilweise nach anfänglicher Begeisterung, aus diversen Gründen gescheitert. Entweder war die Zehenbox zu schmal, die Sohle zu unflexibel, sowie immer wieder zu viel Sprengung oder zu viel Dämpfung. Der Saucony A6 und der Alphawoolf Tribal zum Beispiel, waren schon eine Art funktionierende Notlösung, aber auch von den beiden war ich irgendwann nur noch regelrecht genervt. Das sind sicherlich gute Schuhe, aber ich weiß gar nicht wie oft ich die irgendwann ausgezogen hab und barfuss weitergelaufen bin.
Überhaupt finde ich es erstaunlich wie sich mancher Produkttext liest und was dann wirklich dahinter steckt. Ich möchte keine Raketentechnologie an den Füssen, sondern möglichst natürlich laufen.

Also: 0mm Sprengung, keine Stütze an den Gelenken, wenig Gewicht, nur wenig Dämpfung, sowie eine sehr flexible Sohle. 
Das sollte doch eigentlich nicht so schwer sein.

Unregelmässig und halbherzig wurde also immer mal wieder das Internet durchsucht, einige interessante Marken hab ich entdeckt, aber nicht weiter verfolgt. Zwei sind hängen geblieben: Altra und Skora. Beide eher schwierig zu beziehen, da offenbar nur ein kleines Vertriebsnetz besteht.
Als dann aber meine blöde Knieverletzung dazu kam, wurden diese Notizen wieder rausgekramt. Ich wollte schnell wieder in Gang kommen, aber nix übertreiben. Mein Bauchgefühl hat mir Altra One „empfohlen“, irgendwie war ich der Meinung, die könnten richtig sein.
Also nicht mehr lange nachgedacht, sondern einfach bestellt.
Das Paket kam fix an, wurde noch fixer ausgepackt, nach anfänglichem Lacher über die Form (Entenschuhe) und anschliessendem puren Entsetzen über die für meine Verhältnisse doch sehr starke Dämpfung, haben wir uns dann aber doch überraschend schnell aneinander gewöhnt.
Die Passform ist in der Tat ganz einfach wunderbar; durch die breite Zehenbox (Altra nennt das FootShape) haben die Zehen ausgiebig Platz, meine eher breiten Füsse fühlen sich wirklich wohl. Das Fussbett ist angenehm, alles ohne Schnickschnack und gut verarbeitet.
Mit knappen 200 Gramm pro Schuh kann ich auch leben, die Dinger sehen wesentlich schwerer aus als sie sind.
Trotz der Dämpfung bleibt eine gewisse Direktheit, die mich unterwegs immer wieder erstaunt hat. Kopfsteinpflaster nach 35 Kilometer? Ist deutlich zu spüren, aber nervt nicht.
Die echten Stärken werden (zumindest bei mir) dann tatsächlich auch erst bei Strecken über 30km ausgespielt, wenn der „Autopilot“ so langsam anspringt. Vermutlich durch die 0mm Sprengung bleibt der Laufstil rund und gesund, die bei mir sonst üblichen „Schlurf-Schlampereien“ haben keine Chance.
Ausserdem ist das Fußgelenk angenehm frei und beweglich, ich mag keine „stabilisierende Führung und Stütze“, ein großer Pluspunkt.

Nach einigen immer ausgedehnteren Trainigsläufen (gesamt ca. 200km) kam dann der große Test beim Düsseldorf Marathon. Und der wurde ganz einfach mit Bravour bestanden, die Schuhe haben mich gut und entspannt über die Ziellinie gebracht.

Altra One sind keine minimalen Schuhe, auch wenn sie gerne in diesem Kontext besprochen werden, und ganz sicher keine Laufschuhe die ich jeden Tag nutzen werde, dafür hab ich andere.
Aber für lange, ausgedehnte Läufe immerhin schon mal nah an dem was ich mir zur Zeit wünsche, also immerhin eine Option.