42573658 Lauftipps für den Winter

Typisch für diese Jahreszeit, überall poppen plötzlich Motivations-Beiträge auf, mit so schönen Titeln wie zum Beispiel "46 Tipps zum besseren Laufen" oder "Mit diesen 12 Tipps besiegst du deinen Schweinehund" oder "99 Motivationstipps für das Winterlauftraining" und so weiter. Oft garniert mit Kauftipps und entsprechenden Affiliate-Links, der eine oder andere Autor bietet natürlich auch sein eigenes Buch an. Es gibt sogar Wintermotivationslaufkurse für ein Schweinegeld. Von den Fitness- und Laufzeitschriften ganz zu schweigen, was die so an Motivationstipps raushauen, erstaunlich, hauptsache ein abgefahrener Name und völlig neu und hip muss es sein. Und Geld kosten. Wer dann so ein Motivations-Buch liest oder die neuesten Tights mit "Xtreme-Anti-Shock-System" in der Kniekehle für schlappe 299€ kauft und sich dazu noch jeden Morgen einen "Happy-Sunshine-Super-Smoothie" (100ml 12€) reinzieht, fühlt sich auch gleich fitter und schlanker und weiß trotzdem genau dass der Schweinhund mal wieder gekonnt getrickst und gewonnen hat. Aber im ignorieren ist Mensch ja ganz grosse klasse. Lieber noch ein paar Socken mit irgendeinem irren Technik-Namen kaufen. Die kann man dann notfalls auch mal einfach so tragen, beim Rumlümmeln auf dem Sofa zum Beispiel.
Schluss mit der Augenwischerei.
Ich hab nur einen einzigen Tipp:
Lauf einfach! Jetzt!
Echt. Alles andere ist Blödsinn. Aufschieben, Schlechtes-Gewissen-Käufe, Ausreden, … damit klappt das nicht. Sondern nur mit: jetzt rein in die Laufklamotten und los. Nicht nachdenken. Laufen.
Wetter? Egal. Laune? Völlig egal. Völlig untrainiert? Dann lauf langsam, aber lauf. Total kaputt vom Job? Dann erst recht, lauf!
Nach ein paar Kilometer spielt das alles keine Rolle mehr, die Belohnung kommt von allein, Schweinehund besiegen macht Spaß. Riesenspaß! Und wird mit jedem mal einfacher. Einfach geniessen was draussen auf einen einprasselt, ob Regen, Sturm, Sonne, das alles gehört dazu und sorgt für ordentlich Abwechslung.
Aber die Motivation dazu muss nunmal jeder selbst aufbringen. Und wenn das klappt und zur Routine (im guten Sinne) wird, dann kommt der wirklich tolle Effekt: Selbstmotivation neigt dazu sich auch in anderen Lebensbereichen auszubreiten. Was kann man sich mehr wünschen?!

Um den See

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Martinslauf am Unterbacher See schon wieder, war ich nicht grade „eben“ erst hier am Start? Na ok, letztes Jahr hatten wir diesen wunderschönen Spätsommertag mit 14°C, das war eine Ausnahme, der November kann auch anders.
Bei ca. 6°C und ordentlich Wind ging es also diesmal an einem soliden Herbsttag zum Halbmarathon-Start, sofern die Läuferschar verkehrstechnisch durchgekommen ist. Die Autos stauten sich „ein wenig“ und sowohl der 10km Lauf als auch der Halbmarathon wurden eine viertel Stunde nach hinten geschoben. Viele haben sich darüber aufgeregt, mir war es relativ egal, gibt wirklich schlimmeres an einem Volkslauf-Sonntag.
Der HM-Start ging gewohnt drängelig los, trotz mehrfacher Hinweise, dass die Langsameren sich bitte weiter hinten aufstehen sollen und die Zeit eh netto gemessen wird. Die 10er wurden übrigens erstmalig in drei Startblöcken auf den Weg geschickt, könnte mir vorstellen dass das nächstes Jahr auch mit den HM-Teilnehmern gemacht wird. Fände ich gut. Die ersten zwei Kilometer waren wirklich etwas nervig, da gab es einfach wieder mal viel zu viele langsame Läufer, dazu noch in Grüppchen, teilweise unmöglich vorbei zu kommen. Aber egal, es geht ja um Spaß und die Strecke war noch lang, wir kennen das ja alles. Nach diesen stolperigen 2km hatte ich mich dann ganz gut freigelaufen und von dort an relativ konstant eine 4:20er Pace eingehalten. Ehrlich gesagt, bin ich noch nie so konstant auf einem Tempo gelaufen, das hat mich unterwegs ein wenig erstaunt und gefreut. Und ja, ich gebs zu, da war dieses Liebäugeln mit einer Zeit unter 1:30h, aber die hab ich mir ziemlich schnell wieder eingesteckt, schneller als letztes Jahr wollte ich trotzdem gerne werden.
Die VPs wurden ausgelassen, einfach weiterlaufen, darum ging es mir diesmal. Stück für Stück konnte ich mich nach vorne arbeiten, auf keinen Fall wollte ich mich diesmal an einen anderen Läufer hängen, sondern mein Ding machen, gleichmäßig, konzentriert und trotzdem mit Spaß an der Strecke. Und das ging wirklich erstaunlich gut, wenn man bedenkt, dass ich die letzten Monate irgendwie überhaupt nichts fürs Tempo getan hab, sondern stattdessen „nur“ in unseren stadtnahen Hügeln unterwegs war und die Waldwege erkundet hab.
Die letzten zwei Kilometer gings zum Endspurt, eignet sich wunderbar auf der Strecke, für den Zieleinlauf dann nochmal kurz voll durchtreten und bei 1:33:33 durch den Bogen gerauscht. Immerhin zwei Minuten schneller als letztes Jahr.
Statt Wasser hab ich dankbar heißen Tee genommen um nicht gleich auszukühlen, der obligatorische Weckmann wurde abgeholt und da offensichtlich nun doch noch Regen drohte, ging es recht bald nach Hause.
Mir hat der Lauf mal wieder ziemlich Spaß gemacht, vielleicht wär noch mehr drin gewesen, aber was solls (schreibe ich das eigentlich immer?), mir gehts um den Spaß und irgendwas lehrreiches nehme ich immer mit. Diesmal: ich kann mein etwas zügigeres Tempo auf dieser Distanz durchaus halten. Das ist doch mal was.
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Erst grau, dann gold

Heute früh hatte ich mich schon auf einen eher frischen und nassen Lauf eingestellt, draussen war es einfach nur grau, es regnete, alles war eher ziemlich ungemütlich.
So ein Wetter hält mich ja nun überhaupt nicht vom Laufen ab, aber irgendwie war ich dann doch etwas zögerlich, voll in gemütlicher Wochenendlaune eben, also erstmal abwarten ob es vielleicht etwas aufklart. Oder sollte heute etwa der erste Tag mit langer Hose in diesem Herbst werden? Da hatte ich echt überhaupt kein bock drauf, bin immer noch auf Spätsommer eingestellt.
Am frühen Nachmittag hörte der Regen auf, die Sonne hat ratzfatz für etliche Grad Celsius mehr gesorgt, es wurde tatsächlich richtig schön.
Also die lange Hose wieder in die Schublade geschmissen, fix in die Sommer-Laufklamotten und bei milden 16°C losgerannt. Was für ein Genuss! Ich hatte plötzlich Lust auf Hügel, Waldwege und Höhenmeter, also ab zum Aaper Wald.
Nach dem Regen war ich auf Matschwege eingestellt, gab es allerdings fast überhaupt nicht, ich war echt erstaunt wie schnell alles trocken wurde. Also statt Rutschpartien und nassen Füßen konnte ich einfach Waldluft und Sonne geniessen, wir hatten einen richtigen goldenen Oktobertag, wunderschön.
Die Runde wurde etwas länger als geplant, voll in Lauflaune, da geht dann immer noch ein kleiner Schlenker.
Nach fast genau zwei Stunden, 450 Höhenmeter und 25km war ich dann wieder zuhause. Schnell die Schuhe aus und noch zwanzig Minuten Barfuß getrabt, das muss einfach immer sein.
Die heutige Route bin ich natürlich schon öfter gelaufen, ist für mich eine wirklich tolle Trainingsstrecke, sehr abwechslungsreich und je nach Jahreszeit unterschiedlich herausfordernd. Es gab auch schon Tage, an denen ich diese Wege verflucht habe und sogar Gehpausen gemacht hab. Heute allerdings hat einfach alles gepasst, ich bin gut gelaunt nonstop durchgerannt und hatte einfach nur Spaß.

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@Team Hubzilla Runners+

Urlaub, Hügel und schroffe Wege

Zwei Wochen Urlaub auf Ibiza sind (leider schon) zu Ende. Wo andere Leute Party machen, schnüre ich die Laufschuhe und renne durch die Hügel im Nordosten.
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Dass mich als Läufer die üblichen spröden und schroffen Wege einer Mittelmeerinsel erwarten, war im Vorfeld klar, auch wenn es unser erster Besuch auf dieser Insel war. Dazu sollten die passenden Laufschuhe ins Gepäck, irgendwas sehr minimales und geländetaugliches, bloß was genau?
Die bewährten NB Minimus Trail oder Inov8 Trailroc standen als Kandidaten auf der Liste, nach etlichem hin und her beim Packen fiel die Entscheidung dann aber auf die guten Merrell Trail Gloves und zwar nur auf die, kein Alternativpaar ging mit auf die Reise.
Und ich muss hier jetzt mal ein Loblied auf diese "alten" Trail Gloves singen, die ehrlich gesagt um einiges besser als die Version 2 sind. Sowohl von der perfekten Passform, als auch vom Laufgefühl, die Sohle ist viel flexibler, das Sohlenprofil griffig und geschmeidig. Merrell hat sich mit den Änderungen für Version 2 aus meiner Sicht leider keinen Gefallen getan.
Letztlich durch einen Tipp vom Flowrunner, hatte ich mich vor geraumer Zeit mal auf die Suche gemacht, die Version 1 als Auslaufmodell doch noch irgendwo zu erstehen. Vereinzelte Restposten sind gelegentlich mal zu finden, bei racelite.de hat es dann endlich auch in meiner Schuhgröße zu einem äusserst fairen Preis geklappt. Toller Online Shop übrigens.
Die ersten Runden im heimischen Grafenberger Wald waren schon ziemlich überzeugend und haben ganz klar Lust auf mehr gemacht, aber während dieser Zeit hatte ich mehr Spaß an flotten Läufen entweder barfuß oder mit Vapor Gloves.

Endlich im Urlaub und auf den sehr abwechslungsreichen Strecken Ibizas unterwegs, war ganz schnell klar: das sind richtig tolle Schuhe und die perfekte Wahl!
Ob spröder Asphalt, staubige Sandwege, fiese Schotterpisten oder matschige Waldwege, die Trail Gloves machen alles mit und erwiesen sich als perfekte Begleiter. Besonders abwärts über wilde Geröllpisten waren die flexiblen und immer trittsicheren Sohlen wirklich ein grosser Spaß. Erstaunlich finde ich nach wie vor, daß die Füße auch bei langen, anspruchsvollen Strecken überhaupt nicht müde wurden.
Wirklich viel Trail-Erfahrung hab ich ja nicht und da es insbesondere beim Schuhwerk für richtige Trail-Läufer etliche Unterschiede für diverse Ansprüche gibt, möchte und kann ich da auch nix vergleichen oder bewerten.
Deshalb nenne ich die Trail Gloves Version 1 einfach mal "perfekte Waldlaufschuhe, die auch wesentlich mehr können".
Meine Läufe auf der Insel hab ich ausnahmslos in den frühen Morgenstunden gemacht, um auf jeden Fall vor der Mittagshitze wieder "daheim" zu sein. Wie üblich ging es relativ ungeplant einfach drauf los, irgendwie den Wegen folgend, mit teilweise lustigen Begegnungen, überraschenden Abzweigungen und plötzlichen gemeinen Steigungen.
Ich hatte mehrfach Kollisionen mit echt großen Spinnen in echt zähen Netzen, bin Echsen und Zikaden ausgewichen, hab nette und weniger nette Hunde kennengelernt, Wachteln, Tauben und Kaninchen aufgescheucht und bin durch Zufall an einigen historischen Stätten vorbeigelaufen.
Mein Ziel war eigentlich nur: laufen. Mindestens 12km pro Tag (es wurden fast immer mehr), nicht auf die Zeit achten, sondern die Landschaft geniessen. Daß dabei am Tag gerne mal 300-500 Meter Aufstieg zusammen kamen, war mir im Vorfeld nicht klar, passte aber wunderbar zu meiner entspannten Grundstimmung. Die Pace wurde also rigoros ignoriert, manchmal bin ich auf Pfade gelandet, die streckenweise wegen der Steigung nur im Schritt-Tempo zurückgelegt werden konnten.
Dadurch hab ich natürlich wesentlich mehr Zeit beim Laufen verbracht als sonst, das ganze bei Temperaturen um 25 Grad, vernünftigerweise wurde also immer ein halber Liter Wasser mitgenommen. Den hab ich zwar nicht jedesmal komplett benötigt, aber spätestens wenn es nach der Laufstrecke noch zum Abkühlen ins Meer ging (was für eine Wohltat!), hab ich mich anschließend über den einen oder anderen Schluck Trinkwasser gefreut.

In den 14 Urlaubstagen war ich immerhin zwölf mal laufen, mit insgesamt ca. 200 Kilometer und wasweißichwieviel Höhenmeter. Zweimal wurde ich von einen kurzen Schauer überrascht und nur ein Tag war in unserer Ecke  verregnet, was mich natürlich nicht im geringsten von meiner Laufrunde abgehalten hat. In der Nässe haben sich die Trail Gloves nochmal extrem bewährt, ich hatte einmal nach 5 Kilometern die Nase voll von den klatschnassen Socken, also fix ausgezogen, im Rucksack verstaut (Salomon S-Lab Sense Ultra Set, auch ein richtig tolles minimales Teil!) und bin die restlichen zehn Kilometer dann ohne Socken in den Schuhen weitergelaufen. Obwohl klatschnass, gab es keine Scheuerstellen, keine Blasen, nix. Die Trail Gloves sind also möglicherweise die ersten Laufschuhe, die ich auch mal ohne Socken tragen kann, sogar unter widrigen Umständen, klasse!
Barfußlaufen musste natürlich auch hin und wieder sein, aber keine wirklich nennenswerten Strecken, meißtens einfach nur die letzten zwei Kilometer bis zum Strand. Für die überwiegend schroffen Wege sind meine Fußsohlen einfach noch nicht bereit.

Es war ein durch und durch schöner Urlaub, sowohl was das Laufen betrifft, als auch ganz allgemein wegen der dringend benötigten Entspannung. Bis auf ein paarmal sehr kurzes Einloggen, war ich die ganze Zeit über offline, auch das hat mir sehr gut gepasst. Wir hatten eh regulär kein Internet in unserer Unterkunft, Roaming ist zu teuer und ich hatte schlicht und einfach keine Lust die Zeit im Internet zu vertrödeln. Es geht auch ohne mal ganz gut.

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Welterbelauf

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Nun hab ich dieses Jahr also doch noch einen 10km Lauf gemacht. Das hatte Gründe. Auf einem alten Zechengelände zu laufen ist bestimmt interessant, ich mag das Ruhrgebiet und der beste Grund: deshalb hab ich den Lauf geschenkt bekommen.
Der Welterbelauf-Zollverein in Essen ist noch recht jung, dieses Jahr ging es dort erst zum dritten mal an den Start. Ich fand alles wirklich sehr gut und übersichtlich gemacht, zudem mit typisch direkter Ruhrpott-Freundlichkeit und vielen fleissigen Helfer an jeder Ecke. Die ganze Veranstaltung hatte eine überschaubare, sympathische Größe und die Zeche Zollverein ist natürlich auch optisch eine tolle Wahl.
Wie bei vielen anderen Volksläufe auch, fand ein umfassendes Rahmenprogramm statt: Bambini-, Schüler-, Jugendläufe und natürlich Walker sowie 5km und 10km. Dazu reichlich Fressbuden, viel Information über die Zeche sowie den Kohleabbau und diverse kleinere Aktivitäten die ich aber (aus Zeitgründen) nicht wirklich wahrgenommen hab. Mich hat beeindruckt mit wieviel Hingabe und Professionalität auch die kleineren Läufe von den Organisatoren durchgezogen wurden, das bekommt man nicht unbedingt bei jeder Veranstaltung geboten. Mehr davon, vielleicht bin ich nächstes Jahr wieder am Start.
Der 10km Lauf begann erst um 17:30 Uhr, immer noch bei 28°C, es gab ein kleines Briefing, dem niemand so recht folgen konnte („erst links dann die nächste Runde rechts abbiegen, danach die nächste Runde links abbiegen…“), sehr spaßig und eigentlich überflüssig, da vorweg zwei Radfahrer und ein weisser Smart gefahren sind. Das Gelände ist zwar beeindruckend groß, aber für eine 10km Runde reicht es nicht, deshalb wurde zuerst eine kleine und danach zwei grössere Runde gelaufen (daher auch das Briefing). Verlaufen war unmöglich, alles perfekt beschildert und mit Helfern besetzt.
Obwohl ich die letzten Monate immer auf eher langen und ausdauernden Strecken unterwegs war, wollte ich auf dieser Strecke mal ein wenig Tempo machen, einfach zum Ausprobieren ob es klappt. Wieviel Kurven und Schlenker da auf uns Läufer zukamen, wusste ich noch nicht.
Aufstellung in dritter Reihe, Startschuss und los. Kurzes Sortieren, dann einpendeln auf 4:05er Pace und durchlaufen. Naja, Durchlaufen zumindest auf den graden Strecken, die vielen und teilweise engen Kurven wurden immer mal wieder zur Bremse. Fand ich aber nicht schlimm, hat die Strecke trotz der Wiederholungen interessant für die jeweils nächste Runde gemacht.
Bei der dritten und finalen Runde hab ich doch noch am VP zum bisher ignorierten Wasserbecher gegriffen und den mir fix über den Kopf gekippt, es war echt warm, wir vorderen Läufer haben ziemlich geglüht.
Ein kleines sympathisches Battle gab es auch noch, Mann in grünem Shirt ist lange mit mir gleichauf gelaufen, dann aber abgezogen, erst hab ich ihn laufen lassen, auf dem letzten Kilometer aber dann gedacht: „so nicht Freundchen“, hab zum Schluss-Sprint angezogen, aufgeholt und wir sind zusammen über die Matte geprescht. Großer Spaß für uns beide, am Ende war ich in der Wertung geringfügig schneller.
Im Nachzielbereich erwartete uns richtig tolle und professionelle Verpflegung: Wasser, Obst, Müsliriegel, Iso, … einfach alles was man sich so wünscht. Und durch die überschaubare (begrenzte) Teilnehmerzahl war nie irgendwas zu voll oder nervig, gemütliches Runterkommen auf dem Rasen war statt dessen angesagt.
Mir hat das alles riesig Spaß gemacht, das Wetter war fast zu warm aber trotzdem perfekt und mit meiner Platzierung bin ich mehr als zufrieden: Platz 18 mit 42:04 Minuten (2. in meiner AK).
Wer es unter 40 Minuten geschafft hat, dem wird nächstes Jahr übrigens die Startgebühr geschenkt. Ich zwar nicht, aber trotzdem eine sehr feine Sache.

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@Team Hubzilla Runners+

Erstaunlich

Im Laufe der Woche "rotze" ich gerne und fast regelmäßig Läufe zwischen 20 bis 25 Kilometer einfach so runter. Manchmal sogar in relativ zügiger Geschwindigkeit. Und das nach Feierabend und teils anstrengenden Tagen. Ohne Wasser. Ohne Zuckerfutter. Klamotten an und los. Beim Starten sage ich mir sogar oft genug: "komm, mach ne zehn Kilometer Runde und gut", aber es läuft dann einfach und der Spaß kommt ja bekanntlich von selbst. Anschließend bin ich entspannt, gut drauf und nicht mal besonders müde. Alles klasse also.

Und dann gibts solche Tage wie heute … Wochenende, Vorfreude, richtig gut vorbereitet für einen längeren Lauf, bei Temperaturen über 25 Grad nehm ich auch brav Wasser mit. Und Rosinen. Und Cranberries. Also gut gelaunt auf die Strasse und los gings.
Die ersten 22 Kilometer liefen so wie immer und dann wurden die Beine plötzlich schwer. Schwerer. Noch schwerer. Schuhe aus hilft ja immer (ich war mit Merrell Vapor Gloves unterwegs), also Barfuß weiter. Das hat zwar die folgenden vier Kilometer sehr gut getan, aber die Luft war offenbar raus. Völlig. Ich war schlicht und einfach fix und fertig.
Schnell den Weg abgekürzt und Richtung Rheinwiesen geschlurft um mich dort eine Viertelstunde in den Schatten zu setzen. Danach im sehr langsamen Trab ab nach Hause.
Die ganze Aktion hat mir weder die Laune vermiest noch mich frustriert (das geht fast nicht), sondern mich einfach nur ziemlich erstaunt.
Tagesform ist ja so eine Sache für sich, wenn man nix erwartet kommen plötzlich tolle Läufe zustande. Und dann sowas wie heute, eigentlich in Topform und guter Dinge, um dann unterwegs mal so richtig klassisch wegzusacken. Hatte ich zu viel getrunken? Zu wenig Zeit zwischen Frühstück und Laufen gelassen? War es doch zu warm? Alles: nein.
Wahrscheinlich war ich einfach viel zu sehr im Wochenend-Modus ohne es wirklich bemerkt zu haben. Zu gemütlich. Mein Körper (und damit auch der Kopf) hatte heute schlicht und einfach keine Lust auf einen längeren Lauf. Gut so, verstanden, ist angekommen. Ich höre gern auf meinen Körper, der hat mich schon öfter vor Unsinn bewahrt.

Ich mach dann jetzt einfach ein sehr entspanntes Wochenende und werde erst am Montagabend wieder meine Runde drehen.
Eine kurze Runde.
Oder was so zustande kommt … 😉

@Team Hubzilla Runners+

Kein Hitzefrei

Endlich wieder Hochsommer! Ich finds ehrlich gesagt klasse. Gehört nunmal zu unseren Jahreszeiten und bisher war der Sommer ja nun wirklich eher bescheiden. Als sonst eher kälteliebender Läufer geniesse ich diese Tage auf meine Art: statt abends in der Affenhitze zu laufen, drehe ich meine Runden einfach sehr früh morgens.
Das hat ein paar besondere Reize, zum Beispiel ist dir Stadt noch völlig ruhig, gemütlich und bedächtig. Und ganz besonders schön: die Sonne geht während des Laufens auf, um kurz vor 5 ist es noch stockdunkel, die Tage werden also schon wieder merklich kürzer. Wenn es dann langsam dämmert, das hat schon was.
Und ich brauch kein Wasser mitschleppen, ein großer Pluspunkt, überflüssiges Gewicht nervt. Aus Sicherheitsgründen nehme ich allerdings meine Stirnlampe mit, aber die wiegt ja fast nix.
Und so ganz nebenbei bemerke ich (wieder) dass Laufen in der Dunkelheit etwas meditatives hat, den Blick nicht in die Ferne schweifen lassen, sondern entspannte, lockere Konzentration auf die nächsten Schritte. So mag ich das.

Ein Flachlandläufer in der Eifel

„Ohne Monschau geht hier keiner raus!“ waren die Worte, die mir eine freundlich lächelnde Frau sehr überzeugend erklärte, als ich im April eigentlich nur meine Startunterlagen für den Düsseldorf Marathon abholen wollte. Monschau, Eifel, das ist schon recht bergig dort, könnte schwer werden für mich alten Flachlandläufer. Aber diese Gedanken kamen mir überhaupt nicht in den Sinn, beziehungsweise die waren zwar da, aber ich wurde fix in ein nettes Gespräch verstrickt und plötzlich hatte ich diesen charmanten Flyer nebst Zeitung zum 40. Monschau Marathon in der Hand.
Ihr erinnert euch vielleicht, das war zu der Zeit als ich grade meine üblen Knieschmerzen bewältigt hatte und den Düsseldorf Marathon „einfach nur laufen“ wollte, mit der Option, jederzeit auszusteigen (dazu kam es ja zum Glück nicht).
Und jetzt also einfach mal zur Abwechslung eine dezent herausfordende Strecke durch die Eifel laufen? Manchmal tickt man als Läufer scheinbar nicht ganz richtig.
Abends war ich angemeldet.

Die Vorbereitungen dafür waren nicht ganz einfach, Düsseldorf hat leider keine anständigem Berge zu bieten. Der nächste „Hügel“ ist im Grafenberger/Aaper Wald mit sagenhaften 60 Meter Anstieg. Da bin ich also die letzten Wochen immer wieder hoch und runtergetobt, in der Hoffnung dass es reicht. Mit superdisziplinierter Vorbereitung hab ichs ja nicht so, diesmal musste aber irgendein Plan durchgezogen werden. Ich wollte möglichst viel und möglichst oft durch den Aaper Wald laufen und dabei einmal die Woche eine fiese Strecke mit etwa 500HM und mindestens 2,5 Stunden durchzuziehen. Das ganze dann auch noch mit einer Durchnittspace von 5:00. Also einfach mal dem Körper mehr abfordern als gewohnt. Soweit so gut, ich habs durchgezogen, mehr war nicht zu machen.

Monschau-Konzen, Marathon Tag, 14.08.2016
Perfektes Laufwetter, irgendwas um 12°C, Sonne, leichte Wolken, und ich aufgeregt bis unter die Haarspitzen.
Die Veranstaltung selbst kann man überhaupt nicht genug loben, das Orga-Team macht echt alles richtig. Die Versorgung aller Beteiligten ist vorbildlich, es herrscht grundsätzlich eine sehr freundliche angenehme Athmosphäre, sogar der Start ging ohne Gedränge über die Bühne. Neben einem fetten Rahmenprogramm werden diverse verschiedene Läufe über vier Tage geboten, seit 5 Jahren ist nun sogar ein Ultramarathon über 56km dabei.
In Konzen und den Nachbargemeinden scheint irgendwie jeder mitzumachen, unglaublich, wenn man mitten im Grünen plötzlich auf Menschen-Ansammlungen trifft, die einen anfeuern. Oder wenn zusätzliche private Verpflegungspunkte aufgebaut werden. Ich war wirklich schwer begeistert, und bin es noch.
Das Höhenprofil der Strecke ruft irgendwas um 750 Meter auf, das mag für euch Trailläufer ein Witz sein, für mich ist das eine ziemliche Herausforderung. Ab Start geht es erstmal nur runter, etwa 7,5 Kilometer. Danach wirds ernst. Die erste 21 Kilometer gingen aber ehrlich gesagt recht gut, die berüchtigte Steigung ab Holderbachtal war ok für mich, ich hatte Schlimmeres befürchtet. Oder auch: ein grosser Fehler die HM Distanz so schnell zu laufen, das sollte sich später bitter rächen. Ab Brather Hof (21km) heißt es offiziell „der schwierigste Teil ist überstanden und wer die Kräfte gut eingeteilt hat wird die 2. Hälfte eine kürzere Zeit laufen“. Genau, wer die Kräfte gut eingeteilt hat. Hatte ich nur in Maßen. Aber noch ging es, bis zur für mich gemeinsten Steigung bei km35 nach Leyloch. Die Rache des schnellen erstes Teils folgte. Plötzlich war ganz übel die Luft raus, ich musste eine Gehpause einlegen und bin 5 Minuten mit zwei netten Ultras die Steigung hochmarschiert. Anhöhe erreicht, Zähne zusammenbeissen, gute Wünsche von den Ultras bekommen und weiter gings.
Meine Stimmung war zwar trotzdem die ganze Zeit über super, kein Wunder bei der tollen landschaftlichen Strecke, aber die Waden wurden ab km38 sehr schwer, also alles langsamer angehen. Die letzten paar Kilometer sind dann nochmal wirklich gemein, da kommt dann plötzlich allen ernstes noch ein kurzes Stück Steigung. Mit Rennen war nix mehr, ich bin hochgeschlurft. Nicht schlimm, alle anderen auch.
Und endlich kam er in Sicht: Der Konzener Kirchturm! Jetzt los und im Tribünenschritt durchs Ziel! 700 Meter vorm Ziel: Wadenkrampf! Das war so absurd dass ich laut lachen musste, was wiederum schnell zur Entspannung führte und ich schließlich doch relativ locker durchs Ziel gelaufen bin. Die Waden waren zwar beleidigt, aber es ist auch anschliessend nichts mehr passiert. Viel trinken, viel essen, wie gesagt, im Zieleinlauf war reichlich Verpflegung vorhanden. Ich hätte mich also doch noch etwas mehr im Aaper Wald quälen müssen.
Meine Zielzeit netto: 3:55:17 Stunden. Damit bin ich mehr als hochzufrieden, wusste ja nicht genau was mich erwartet und hab mit irgendwas satt über vier Stunden gerechnet.
Alles in allem wirklich ein ganz wunderbarer Lauf, mit schöner Strecke und perfekter Organisation.
Monschau: ich komme wieder.
Gelaufen bin ich wieder mit den Altra One, war eine sehr gute Wahl, die stecken alles weg was die sehr abwechslungsreiche Strecke zu bieten hat.

 

Schnell mal in die Schweiz

Irgendwas an Laufsachen hab ich eigentlich immer im Auto liegen, man weiß ja nie. Und wenn ich dann mal ein paar Tage, oder auch nur eine Nacht, irgendwo unterwegs bin, dann versuche ich früh aufzustehen und zumindest einen kleinen 10km Lauf durchzuziehen. Das klappt fast immer und wird natürlich gerne mal etwas mehr. So auch heute früh, im Ländereck zur Schweiz. Traumhaftes Wetter, noch völlig ruhige Welt, also raus aus den Federn, einfach losgerannt, einmal über den Rhein, die Ländergrenze überquert, eine kleine Runde in der Schweiz gedreht und die gleiche Strecke wieder zurück. Unspektakulär, wohltuend und auch nur deshalb eine kleine Notiz wert, weil ich ausnahmsweise mal ein Foto im richtigen Moment gemacht hab, bitte schön:
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Hin und weg in Himmelgeist

Samstag morgens um acht Uhr auf der Strasse rumstehen und dann muss erst noch der Linien-Bus durch, willkommen im beschaulichen Himmelgeist, südlich von Düsseldorf.
Ich war dieses Jahr das zweite mal für den Halbmarathon am Start, könnte mir wirklich vorstellen jedes Jahr mitzumachen, sofern der Termin passt. Das ganze Drumherum ist einfach nur sympathisch, freundlich und herzlich. Läuferzahl Begrenzung auf etwas über 800 (sonst verstopft wahrscheinlich das ganze Dorf), ein tolles und freundliches Orga-Team, leckere hausgemachte Müsliriegel im Zielbereich, hier gehts ums Laufen, nicht um Vermarktung.
Der Lauf letztes Jahr fand am heissesten Tag des Jahres statt, dieses mal hatten wir statt dessen eher Herbststimmung. 14°C, sehr windig, grade so kein Regen. Aber wen stört das schon, ich nenn es perfektes Laufwetter.

Um kurz nach acht Uhr (der Bus war durch) knallte der Startschuss und los gings. Statt mich in die ersten Reihen zu stellen, bin ich diesmal einfach von der Seite rein als etwas Platz im Gedränge war, danach dann das übliche Slalom-Laufen um die langsamere Läufer herum, in Himmelgeist ist selbst dieser sonst nervige Teil recht entspannt, keine Ellbogenmentalität, eher freundlich gemurmelte Entschuldigungen.
Als Zeit hatte ich mir irgendwas um 1:40 Stunden gesetzt, war allerdings nach vier Kilometer überrascht wie locker alles lief und mir dann gedacht „lauf einfach, lass die Uhr in Ruhe“. Das war gut so, ich hab mich also immer wieder an irgendeinen noch etwas entfernten Vordermann geheftet, sobald der eingeholt war den nächsten rausgepickt, uns so weiter. Bis km16 hat das super geklappt, dann hatte ich meinen Meister gefunden. Der Mann in grau hielt scheinbar nix von meinem Plan, ist einen Kilometer mit mir gelaufen und dann einfach abgezogen. Also nix wie hinterher, einholen war aber nicht mehr drin. Die Zeit verflog übrigens wirklich schnell und mir ging es die ganze Zeit erstaunlich gut, die vielen Kilometer der letzten Wochen haben sich eindeutig bezahlt gemacht. Ausser zwei Schluck Wasser war nichts nötig, die Strecke ist, abgesehen von den beiden Rheinbrücken, sehr flach und zügig, der Wind hat dafür gesorgt diesmal nicht zu sehr zu schwitzen. Mit anderen Worten: alles super.
Auf dem Weg ins Ziel wird es ganz kurz gemein demotivierend. Der unter Vorfreude stehende Läufer hört die Durchsagen des Zielbereichs und haut rein, muss aber statt einfach rechts abzubiegen noch eine kleine Extrarunde drehen und rechts durchs Wohngebiet laufen. Aber ist nur kurz, dafür ist der anschliessende Zieleinlauf dann umso schöner, einfach nochmal alles an Reserven für einen schönen Sprint rauszuholen und beschleunigt über die Matte fegen.
Zielzeit war dann für mich 1:33:48, das ist meine beste offizielle HM-Zeit bisher. Darauf hatte ich es überhaupt nicht angelegt und freue mich deshalb natürlich doppelt.
Wer also mal einen schönen, sehr professionellen, aber trotzdem fast familiären Halbmarathon im Rheinland laufen möchte, meldet sich frühzeitig in Himmelgeist an, ich kanns nur empfehlen. Nächstes Jahr am 24.Juni.
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