Nochmal schnell um den See

Letztes Jahr fiel er für mich wegen gebrochenem Fuß aus, dieses Jahr war er dafür um so schöner: der alljährliche Halbmarathon des Martinslauf stand noch auf meiner Liste der offiziellen Rennen.
Um diese Jahreszeit kann man durchaus Pech mit dem Wetter haben, oder eben auch unheimlich Glück. Bei zwar frostigen Temperaturen, aber knallblauem Himmel und Sonne pur, konnte der SFD’75 dieses Läuferhighlight routiniert durchführen. Der Martinslauf zieht mehr Läufer als zb. der Kö-Lauf. Wenn es nicht die Begrenzung von 1.200 bei 10k und HM gäbe, wahrscheinlich noch mehr. Die Strecke ist zu 90% aber auch wirklich ein Genuss, Waldwege, flach, frische Luft, gute Versorgung (wer es braucht), sehr gute Organisation und ein buntes Rahmenprogramm für die ganze Familie.

Ich hatte es dieses Jahr völlig verpeilt meine Startnummer vorab zu organisieren, also auf den letzten Drücker einen Parkplatz suchen, Fußmarsch zum Ort des Geschehens, ins große Zelt, zum Glück keine Warteschlange mehr, Nummer ans Shirt gepinnt, kurz aufgewärmt und gedehnt und dann stand ich auch schon an der Startlinie. Viele bekannte Gesichter dabei, etliche Parkrunner (natürlich) und auch etwas Prominenz.
Runterzählen und los ging es. Wie üblich erstmal Gedränge, nach etwa einem Kilometer hatte ich mich frei gelaufen, ein Blick auf die Uhr: Pace 4:05. Die wollte ich halten wenn irgend möglich. Negativ Split oder so klappt eh nicht bei mir, also einfach laufen. Die Fivefingers V-Trail hatten sich ja schon auf der Strecke bewährt, waren auch diesmal die richtige Wahl und überhaupt es fühlte sich einfach alles klasse an. Nach ca. 14km zogen die ersten schnellen Hirsche, die den negativen Split können, an mir vorbei, teilweise mit aufmunternden Worten „Alter! Mit den Schuhen so ein Tempo!?“ Immer wieder schön 🙂
Der für mich blödeste Teil ist der schnurgrade Streckenteil auf dem Radweg direkt neben der Bundesstrasse, da geht mir jedesmal das Tempo etwas weg, meine Pace schwächelte auch diesmal. Danach aber wieder rein in den Wald und nochmal hochgeschaltet, fix ein paar Läufer überholen und auf in den Schlußsprint, alle Reserven locker machen.
Die letzten zwei Kilometer lassen sich nochmal ganz wunderbar rennen, nur seichte Kurven, angenehmer Untergund, da geht was. Plötzlich höre ich Schnaufen hinter mir, jetzt noch überholt zu werden ist völlig undiskutabel, nun also wirklich schnell sprinten. Dass das überhaupt noch möglich war, zeigt mir mal wieder dass ich grundsätzlich wohl auf der HM-Distanz noch was rausholen könnte.
Der Zeileinlauf war wirklich sensationell, wir zwei haben uns echt nichts genommen, sind gerannt wie die Irren. Ich hatte dann zwar die Füsse vor dem Kollegen über der Matte, aber netto war er tatsächlich etwas schneller als ich. Hat sich also für beide gelohnt.
Anschließend abklatschen, sich gegenseitig feiern, freuen, literweise warmen Tee trinken und statt Medaille den obligatorischen Weckmann abholen.
Meine offizielle Netto-Zeilzeit: 01:28:45, Platz 36 (von 931 Finishern), 3. Platz in meiner AK M50.
Also mein dritter HM unter 1:30 innerhalb eines Jahres, der ehemaligen Traumzeit, die ich nie zu erreichen glaubte.
Mehr als zufrieden ging es in netter Gesellschaft zurück zum Parkplatz und ab nach Hause. Ein wunderbarer Lauftag war das!

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Aufwärmen.

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Zielsprint!

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Der Weckmann war schnell weg Mann. Die Pfeife ist geblieben.

Herbst

Endlich Herbst!
Regen, Windböen, grauer Himmel,  frühe Dunkelheit, Pfützen und Matsch.
So richtiges Dreckswetter!
Ganz ehrlich, mir ist das völlig egal, manchmal sogar ganz recht. So gern ich den Sommer hab, bestes Laufwetter ist alles zwischen 5 und 10°C. Und wenn es regnet, dann regnet es eben. Nass werd ich eh, durch Schwitzen. Bevor mir kalt wird laufe ich eben einfach schneller. Und solange kurze Hose noch möglich ist, ist immer alles gut bei mir, egal was das Wetter macht.

Heute also mein erster "echter" Herbstlauf dieses Jahr, im Regen, mit nassen Füssen und ordentlich Wetter im Gesicht. Herrlich! Da läuft es sich gleich viel schneller und gleichmäßiger.
Ein Teil meiner heutigen Strecke ging ausnahmsweise mal quer durch die Stadt, bei dem miesen Wetter und durch den Feiertag hier in NRW waren die Straßen schön leer,  sowas muss ausgenutzt werden, und ich konnte sogar das Tageslicht nutzen.
Nach der Altstadt kam der übliche Schlenker über die Rheinkniebrücke rüber nach Oberkassel um noch Kilometer zu sammeln, dort schön einsam am Rhein entlang getrabt, schließlich zurück über die Theodor-Heuss-Brücke und noch einen schnellen Sprint über die Rheinwiesen, dabei Jogger in voller Wintermontur bestaunt. Danach ab nach Hause und heiß duschen.

So geht laufen im Herbst.
Wenn man seine Füße draussen erstmal in Gang gesetzt hat, dann kommt der Spaß ganz von selbst.

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Grau, grau grau …

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Regen, Regen Regen …

Parkrun nach einem halben Jahr

Unser Parkrun hier in Düsseldorf ist jetzt ein halbes Jahr alt. Jeden Samstag um 9 Uhr werden im Volksgarten 5km gelaufen.
Zweimal eine 2,5km Runde. Schnell oder langsam, auf Zeit oder einfach so, jeder kann teilnehmen, als Läufer oder als Helfer (Volunteer). Kostet nichts, völlig unverbindlich ohne jegliche Vereinsmeierei, ist immer toll organisiert und eine gute Abwechslung zum üblichen Laufalltag.
Auch wenn ich es nicht jede Woche schaffe, gehöre ich mittlerweile schon ein wenig zum harten Kern.
Diese kleine feine Veranstaltung beginnt mir tatsächlich ans Herz zu wachsen.
Zeit für einen kleinen Rückblick.

Ohne freiwillige Helfer würde das alles nicht funktionieren und es macht durchaus Spaß auch mal abseits zu stehen und mit anzupacken. Laufen und helfen, ein fliessender Übergang und ein Teil der Philosophie des Parkrun. Auch beides zusammen ist ohne Schwierigkeiten möglich und so fängt man irgendwann ganz selbstverständlich an, nach dem Laufen aufzuräumen oder zu fotografieren oder einfach anzupacken wo grade Unterstützung nötig ist.
Auch wenn ich immer gerne zu den vorderen schnellen Hirschen gehöre und meine Bestzeit mittlerweile auf 19:05 Minuten verbessern konnte, lege ich es nicht zwingend darauf an noch einen und noch einen drauf zu setzen. Gelaufen wird nach Laune und nach Situation, Zielzeit ist tatsächlich zweitrangig geworden. Der Spaß steht im Vordergrund.

Kein Samstag ist gleich, immer neue Leute, immer andere Rahmenbedingungen und bei besonderen Anlässen wird zum Beispiel auch mal auf einen Donnerstag gelaufen. Am Tag der deutschen Einheit gab es mitten in der Woche ein Parkrun-Special in ausgesuchten Städten.
Düsseldorf und Köln (die ewige Rivalen) haben eine wirklich sehr gelungene gemeinsame Veranstaltung gemacht. Es kamen 128 Läufer aus aller Welt, die größte Gruppe bisher, einfach klasse!
Ich bin nicht mitgelaufen, sondern hab mir gedacht, an so einem Tag wird jede helfende Hand benötigt, also lass ich die Touristen laufen und pack mit an. Ziel-Token austeilen, Fotos machen, aufräumen und echt viel Spaß haben, das geht.
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Wer sind eigentlich diese Touristen? Das gehört irgendwie zum Parkrun dazu. Jeder registrierte Läufer hat einen persönlichen Barcode und kann damit weltweit bei jedem Parkrun antreten. Wenn also zufällig jemand zu Gast in irgendeiner passenden Stadt ist, dann wird einfach mitgerannt. Da lernt man so einige interessante Typen kennen. Und so ganz nebenbei werden dabei noch die eigenen Fremdsprachen Kenntnisse aufgefrischt, überwiegend wird tatsächlich fast jedes mal ein deutsch-englisch Mischmasch gesprochen.

Üblicherweise sind wir eine eher kleine Gruppe, mit so ca. 15-25 Läufer, es gab auch schon Tage mit nur 10. Aber dieses Wochenende zum Beispiel waren 30 Läufer und 11 Helfer am Start, trotz Regen, da wird unbeirrt und tapfer durchgezogen.

Letzte Woche war die Presse bei uns zu Gast und es wurde ein sehr schöner und langer Beitrag in der regionalen Tageszeitung daraus.
Absoluter Kracher: Titelseiten-Aufmacher und ein Riesenfoto kurz nach dem Start, auch mit mir darauf!
Damit hatten wir echt nicht gerechnet. Das Wetter passte aber auch einfach zu gut für stimmungsvolle Fotos, die Laune war allgemein prächtig und wir Läufer hochmotiviert, eine gute Figur zu machen.
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Prompt waren diesmal paar völlig neue Gesichter in der Runde, so muss das sein. Ich vermute da werden noch mehr kommen, wenn das Wetter angenehmer ist.

Auf dem Blog der Volksgarten-Parkrun Webseite wird übrigens über (fast) jeden Lauf berichtet. Das macht besonders dann Spaß zu lesen, wenn man mal selbst nicht dabei war. Auch als Motivation für das nächste mal.

Nach wie vor fahre ich übrigens mit der SBahn zum Park, gabel unterwegs oft noch ein paar Touristen auf, die den Weg nicht kennen, laufe nach herzlicher Begrüßung dann meine 5km, helfe fast immer noch ein wenig und laufe anschließend gemütlich eine gerne ausufernde Strecke nach Hause. So darf ein Wochenende beginnen.

Kurze Strecken zusammen mit anderen laufen, wer hätte gedacht dass mir sowas mal so richtig Spaß macht … 😉

Kurzurlaub am Meer

Ein paar wundervolle und sehr kurzfristig geplante Urlaubstage an Hollands Küste sind schon wieder vorbei. Aber von den Barfußläufen im Sand werde ich wohl noch eine Weile still vor mich hinschwärmen.
Vom Rheinland aus auf die Halbinsel Walcheren, auch Seeland genannt, zu fahren ist zum Glück kein großer Aufwand. Zwei Tage „Kultur“ in Middelburg und ein Abstecher zum Meer waren geplant, aber wir haben uns vor Ort schnell entschlossen aus dem Abstecher zwei Strandtage in Domburg zu machen, dank Nebensaison war alles fix und unkompliziert gebucht. Die Strände dort sind wirklich traumhaft!

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Wenn die Barfüsse dann endlich im Sand stehen, merkt man ja erst wie sehr das mal wieder nötig war. Freiheit für die Füsse!
Vom Erholungsfaktor abgesehen (den ich bitter nötig hatte), konnte ich es natürlich kaum erwarten endlich am Strand zu rennen. Also rein in die Laufklamotten und losgetrabt. Bei Ebbe über den festen Sand, Möwen ärgern, Muscheln ausweichen und immer wieder durch die Wellen platschen, ohne auf Uhr, Zeit, Pace zu achten, sondern einfach nur mit gehörig Wind um die Ohren nach Laune rennen, perfekt!

Während der Flut wurden die Deichwege genutzt, dort war ich nach einigen Barfuß-Versuchen allerdings lieber mit Fivefingers unterwegs. Statt mit Sand sind diese Wege überwiegend mit so einem eher barfußunfreundlichem Muschelgemisch geebnet. Gemütliche Spaziergänge sind kein Problem, laufen wird allerdings zu einer ziemlich pieksigen Angelegenheit.
Aber ob auf Wegen oder am Strand, die Luft war toll, das Wetter trotz starkem Wind fast perfekt, der Kopf wurde frei gepustet und die Fuß-/Beinmuskeln gefordert.
Und mir ist bei den Läufen mal wieder aufgefallen wie fortschrittlich die Fussgänger/Radfahrer/Auto-Infrastruktur in Holland ist. Beneideswert. Ich bin immer wieder gerne bei unseren Nachbarn. Ein Land wo man sich beim Essen "eet smakelijk" wünscht, muss man einfach mögen.
Diese paar Tage waren eine echte Wohltat, für Kopf und Körper.

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Drei schnelle Runden durch Düsseldorf

Der Kö-Lauf war früher mal ein 10km Lauf, der vier oder fünf Runden über und um die Königsallee mitten in Düsseldorf ging. So genau weiß ich das nicht mehr, obwohl ich zweimal dabei war. Aus meiner Erinnerung eine eher lieblose Veranstaltung und beim zweiten mal (2014) hat die Zeitmessung für mich nicht mal geklappt. Naja, daraufhin hatte ich in den Folgejahren keine Lust mehr Runden in einem völlig überfüllten Feld zu laufen.
Vor einigen Jahren kam die Halbmarathondistanz dazu, ich hatte immer noch kein Interesse, aber dieses Jahr hat mich irgendwas gestochen, vielleicht sollte ich  da doch einfach mal mitzumachen. Ist ja im Grunde direkt vor der Haustür.
Die Strecke besteht aus drei 7km-Runden, ist superflach, einige enge Kurven sind dabei, absolut tauglich für Bestzeiten.
Und eine Bestzeit hatte ich mir auch vorgenommen, ein paar Sekündchen schneller als beim Himmelgeist HM sollten es schon sein, zumal das Wetter auch noch wunderbar passen sollte, 12°C, wolkig, nur leichter Wind.
Meine einzige Sorge war, dass es wohl sehr voll sein wird und ich steh echt überhaupt nicht auf Gerempel auf den ersten paar Kilometern.
Auf Anraten einiger Läufer im Vorfeld hab ich mich dann also mutig in die vierte Reihe gestellt und wurde wie üblich stark belächelt für mein Fivefingers-Schuhwerk. Sogar leichter Spott war diesmal dabei, naja, wenn ihr sonst nix habt Leute, da steh ich echt drüber.
Startschuss und ab dafür. Erstmal sofort mit einer Pace von 3:45 um schnell aus dem Startfeldgedrängel zu kommen. Diese Pace würde ich niemals halten können, aber Halbmarathon ist sozusagen meine Haus-und Hofdistanz, da kann ich so ziemlich alles recht gut einschätzen. Mein Plan war durchschnittlich eine 4:14er Pace zu laufen, dann würde alles passen.
Und kaum war ich unterwegs, hat es einfach nur noch Spaß gemacht, sehr sogar!
Das Feld hat sich wider Erwarten sehr schnell gelichtet, ich war zeitweise fast alleine unterwegs und konnte einfach mein Tempo machen, mal etwas schneller, mal etwas langsamer, der Schnitt passte.
Gedrängel gab es überhaupt nicht, die Zuschauer haben gefeiert, ich konnte Läufer überholen, mich überholten Läufer, keine Anspannung bei mir, einfach nur konzentriert laufen war angesagt.
Vorteil beim Runden laufen: Nicht nur meine Liebste hat mich auf jeder Runde anfeuern können, sondern zu meiner großen Freude stand ein Parkrunner an der Strecke und hat mich ebenfalls bei jedem Durchlauf motiviert. So macht das Spaß! Am Nachmittag hat er dann übrigens den 10km Lauf mit einer sensationellen Zeit gefinisht.
Bei km15 hab ich das Schlussfahrrad überrundet, ab dann waren ständig langsame Läufer aus dem Schlussfeld auf der Strecke, die fix überholt wurden. Unter anderem auch drei Barfußläufer aus der hiesigen „Barefoot Academy“. Kurzes sympathisches Scherzen (über Barfuß und Fivefingers) und dann mit Tempo auf die letzten Kilometer.
Nach der letzten Runde geht es runter von der Hauptstrecke, schnell und schnittig um zwei Kurven, unter dem Zielbogen durch, Medaille abgegriffen, Uhr gestoppt und gestaunt: 01:27:43!
Damit konnte ich meine bisherige Bestzeit um satte zwei Minuten verbessern!
Offizielles Ergebnis: Platz 34 (von 832 m/w Läufern).

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Danach erstmal viel trinken, auf der Strecke hatte ich keinen VP genutzt, war nicht nötig. Aber hinterher kommt der Durst, so sicher wie der Zielbogen. Der Nachzielbereich war übrigens gut ausgestattet, Bananen, Wasser, Iso usw., alles da. Und wieder bekannte Parkrunner als Helfer beim Getränke ausschenken. Düsseldorf ist eben ein Dorf 🙂

Auf den Punkt gebracht: der Kö-Lauf ist nach wie vor eher lieblos, aber man bemüht sich um viel Aktion, besonders für den läuferischen Nachwuchs. Ist aber eben auch eine Innenstadt-Veranstaltung und kein charmanter Dorf-Volkslauf. Wer schnell laufen möchte kommt absolut auf seine Kosten, ich kann mir tatsächlich vorstellen wieder mitzumachen.
Dieses Jahr war ich jedenfalls so richtig zufrieden mit dem Lauf!

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Ein Jahr später

Vor so ziemlich genau einem Jahr musste ich meine geliebte Lauferei für einige Monate etwas frustriert aussetzen, damit der plötzliche Ermüdungsbruch in Ruhe heilen konnte. Beim Wiedereinstieg Anfang Dezember hab ich wegen der mühevollen ersten Läufe gedacht, das wars mit schnellem Laufen, Bestzeiten und schönen Wettrennen durch Feld und Wald. Meine Kondition war natürlich so sehr dahin, dass es mir vorkam als würde ich meine alte Form nie wieder annähernd einholen.
Ist zum Glück nicht ganz so eingetroffen. Ehrlich gesagt hat die Pause scheinbar sogar ganz gut getan.
Mir geht es heute besser denn je, das Laufen macht unfassbar viel Spaß und immer wieder kratze ich an der einen oder anderen persönlichen Bestzeit ohne es gezielt darauf anzulegen.
Der langsame und geduldige Wiedereinstieg hat mir auch im Kopf gut getan, mich ein wenig demütig gemacht und gezeigt dass es eben nicht selbstverständlich ist, abends einfach mal so 20km rennen zu können. Das ist es absolut nicht.

Hatte ich letztes Jahr um diese Zeit mal grade 1.570km auf der Uhr, wurden heute ausgerechnet auf der Kurzstrecke des hiesigen Parkrun die 2.000km geknackt.
Also liebe derzeit verletzte Läufer, nicht verzagen, einfach nur wieder konsequent mit dem Training anfangen und dranbleiben, dann läuft es schon nach kurzer Zeit wieder wie von selbst.
Vielleicht sogar besser als vorher.

Den Weg vom Parkrun nach Hause hab ich heute selbstverständlich wieder laufend erledigt, auch um den (vermutlich) letzten echt heißen Tag in diesem Sommer "geniessen" zu können. Die schnellen 5km steckten noch ordentlich in den Knochen, also hab ich nur eine gemütliche knappe 12km Rheinrunde drangehängt.

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Es müsste hier wirklich mal anständig regnen, alles ist knochentrocken und dem Rhein fehlt Wasser …

Lange Meile von Langenfeld nach Himmelgeist

„So langsam solltet ihr mal nach Himmelgeist umziehen“ bekam ich freundlich augenzwinkernd im Zielbereich des diesjährigen Himmelgeistlauf oder 35. Herbert-Hermanns-Lauf zu hören. Bin ich doch eh ständig beim örtlichen Halbmarathon anzutreffen und habe inklusive des Jüchtlaufs dieses Jahr alle drei Läufe des mir bis eben unbekannten „Himmelgeist Cup“ bestritten.
Der ca. 16km lange Himmelgeistlauf startet traditionell am Wohnhaus des langjährigen Schützenchefs Herbert Hermanns in Langenfeld und endet mit tosendem Beifall im Festzelt der „kleinsten Kirmes am Rhein“,  in Himmelgeist.
Läufer Herbert hat sich vor 35 Jahren gesagt, bevor wir Schützenfest feiern, wollen wir noch was Gutes tun. Jeder Läufer spendet am Start einen Betrag nach Wahl zu Gunsten der Kinderkrebsklinik, bei ca. 80 Läufern nebst Begleitung kommt da schon eine schöne Summe zusammen.

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Nach der Emaileinladung zögerte ich nicht lange, hatte aber keine Ahnung was der „Heppi“-Hermanns-Lauf sein sollte, nur die Strecke hat mich angesprochen und dass es in Himmelgeist immer sehr familiär und freundlich zugeht.
Also haben wir uns um 10:30 Uhr bei allerbestem Sommerwetter (28°C) vor Herberts Haus in Langenfeld eingefunden, meine Fivefingers waren mal wieder Thema, gerne belächelt, von Kindern allerdings immer als „coooole Schlappen!“ betitelt. Viele der Läufer kannten sich, einige sind sogar aus Himmelgeist nach Langenfeld gelaufen um dann wieder zurück zu traben.
Es gab ein paar kurze Ansprachen vom Düsseldorfer Oberbürgermeister (begeisterter Läufer) der auch erstmalig dabei war, sowie einigen anderen Organisatoren, und dann ging es einfach los.
Ich bin davon ausgegangen dass es sich um einen geselligen gemeinschaftlichen Lauf handelt und wunderte mich dass da ein paar echt schnelle Typen losballerten. Also scheinbar gehts um irgendwas, dann kann ich ja auch einfach mal losrennen. Fix das Feld aufgerollt, die zwei schnellsten Hirsche sind bereits uneinholbar weit vorne, ich hab schließlich einen drahtigen Läufer in meinem Tempo gefunden und bin mit ihm plaudernd gute 6km in 4:00er Pace zusammen gelaufen. Von ihm hab ich dann auch erfahren dass es sehr wohl eine Zeitmessung der ersten drei gibt und dass der dritte Platz dieses Jahr mir gehören würde, er müsste gleich mal langsamer machen, fühlte sich nicht so richtig toll. Irgendwann hab ich nur noch ein „viel Erfolg!“ gehört und der Kollege war weg. Ich also alleine weiter, irgendwo hinter mir folgte ein Läufer in weissem Shirt, aber eher ungefährlich für meine Platzierung. Das Feld hatte sich sehr weit auseinandergezogen, ich war plötzlich wirklich völlig alleine unterwegs.
Die Beschilderung der mir komplett unbekannten (und wirklich sehr schönen!) Route war recht gut, bis es dann passierte, auf den letzten zwei Kilometern bin ich falsch abgebogen, fand mich irritiert in einem Hof und einer Sackgasse wieder. Schnell umdrehen, da sah ich auch schon Weisses Shirt, der mich rüberwinkte. Kurzer Dank an den freundlichen Kollegen und ein wenig Flucherei, dann wieder ab in mein Tempo. Den Dritten wollte ich mir durch diesen Patzer nicht nehmen lassen.
Nochmal kurz durch Felder und pralle Sonne, die letzten Meter durch Himmelgeist geprescht und dann der Zieleinlauf in das Kirmes-Festzelt, unter tosendem Applaus der Anwesenden. Großartig!
Die beiden Erstplatzierten erwarteten mich bereits, waren satte 7 Minuten vor mir da. Ich bin die 15,75km in 1:06:45 gelaufen und fühlte mich prima. Endlich mal ein echtes Treppchen 🙂
Die letzten Läufer wurden abgewartet, auch Oberbürgermeister sowie der Organisator trudelten bald ein.
Erst danach folgte die Ehrung der ersten drei Radfahrer (die Strecke konnte auch mit dem Rad bewältigt werden) und schließlich von uns Läufern.
Alles „dörflich-rustikal“ mit toller Stimmung. Ich mag diese kleinen Läufe einfach, hier ist alles authentisch, es geht um den Sport und in diesem Fall um die Spende. Und alle haben phänomenal gute Laune, sowas tut einfach gut.

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Gewinner-Trio mit Oberbürgermeister Thomas Geisel (3-1-OB-2)

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„Steht da nicht rum wie die Ölgötzen, macht mal was!“ Ok. 🙂

Nächstes Jahr bin ich wieder dabei. Und wer weiß, vielleicht ziehen wir tatsächlich mal nach Himmelgeist, ist echt schön dort.

Vernunft schon wieder

Was hab ich mich auf den Monschau Ultra dieses Jahr gefreut!
Super früh angemeldet, sehr gut mein „Plan“ durchgezogen, nichts übertrieben, trotzdem gefordert, ohne Höhenmeter-Training geht halt nix in der Eifel, nur um mir dann eine Woche vorher (eine Woche!!) beim schnellen bergab rennen eine ordentliche Wadenzerrung einzufangen. Ja ich war sehr schnell, ja das war ein fieser Trail, nein ich habe keinen technischen Fehler begangen, vermutlich ging es einfach zu heftig bergab und der eigentlich schöne kühle Regen hat mir den Rest gegeben, etwas mehr aufwärmen vorher hätte vielleicht geholfen. „Hätte hätte …“, was auch immer.
Da saß ich dann also am Freitag im regnerischen Wald, massierte mir die Wade in der Hoffnung dass das schnell wieder weggeht, ging es aber nicht. Also langsam nach Hause getrabt, gekühlt, massiert und die Schaumstoffrolle rausgeholt. Einige Tage Pause und gut dran gearbeitet, am Dienstag einen sehr ruhigen Lauf angetestet, flache Strecke ging zwar gut, aber die Eifel ist nicht flach. Treppe war dann schon wieder „suboptimal“.
Entscheidung: sei nicht dumm, sag ab.
Ein Fiasko wie in Düsseldorf möchte ich in der Eifel nicht erleben.
Gesagt getan, Mail an das Moma-Team geschrieben (gehört sich so finde ich) und eine nette Antwort bekommen, es gäbe ja die Option entweder aufs nächste Jahr zu schieben oder eben jemand anderen mit der Startnummer zu beglücken.
Aus Elkes Blogbeiträgen der letztem Wochen wusste ich, sie startet in Monschau, also fix angemailt, vielleicht fällt ihr jemand ein der/die noch eine Startnummer sucht.
Die Suche dauerte nicht lange und Heidrun war gefunden. Die Umbuchung ging sehr reibungslos, von Ultra auf Genuss-Marathon, und die beiden hatten heute einen tollen Genuss-Marathontag in Monschau 🙂
Ich dagegen schaue zwar etwas neidisch auf die Bilder in Elkes Blogbeitrag, aber bin fein mit der Entscheidung, das wäre nicht gut gegangen und von sehr wenigen Ausnahmen abgesehen, siegt bei mir ja eigentlich immer die Vernunft.

Heute war ich dann statt im hügeligen Wald vorsichtshalber lieber am flachen Rhein unterwegs und hab mir einen etwas schnelleren 21km „Monschau-Solidaritätslauf“ zum austesten gegeben, die Wade war still, aber zuhause musste ich dann nochmal dran herum massieren, ganz weg ist die Sache also noch nicht.
Fazit: alles richtig gemacht.  Dann bereite ich mich eben auf andere Klamotten vor die dieses Jahr noch anstehen.

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Hitzerekorde und trotzdem laufen

Nun sind dann wohl in diesem Sommer endlich etliche Hitzerekorde gebrochen wurden, bei uns im Rheinland hatten wir heute irgendwas um 40°C. Klarer Fall, bei solchen Temperaturen vermeide ich zu laufen, das ist womöglich etwas ungesund und vor allem macht es echt kein Spaß.
Was also tun? Ganz einfach, so früh wie möglich morgens laufen. Die zwei „kühlsten“ Stunden des Tages ausnutzen.
In meinem Fall heißt das: um 04:20 Uhr raus aus den Federn und zehn Minuten später trabe ich bereits in noch völliger Dunkelheit über die Strassen. Stirnlampenzeit.
Die Stadt ist dann noch sehr ruhig, ich kann mangels Autos beruhigt alle Verkehrsregeln missachten, renne zum Rhein und staune dass trotz der frühen Uhrzeit die Temperaturen bereits bei 23-25°C liegen. In der beginnenden Dämmerung ist das aber gut erträglich, klatschnass geschwitzt bin ich trotzdem nach nichtmal 5km.
Meine morgendlichen Laufrunden sind immer so zwischen 15-18km, je nachdem welche Route ich wähle. Mehr möchte ich nicht machen, anschließend muss ja den gesamten Tag über noch konzentriert gearbeitet werden.
Um kurz vor 6 trudel ich dann optimalerweise wieder zuhause ein, trinke unfassbar viel und geniesse mein verdientes Frühstück.
Auf Dauer morgens zu laufen wäre mir wahrscheinlich irgendwann zu nervig, allein schon durch das einzuhaltende Zeitfenster, aber im Moment ist das eine tolle Lösung bei diesen Temperaturen und macht mir wirklich Spaß.
Die längeren Läufe kommen dann einfach am Wochenende im hügeligen Wald dran.

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Wenn die Startnummer zur Zielzeit wird

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Der Halbmarathon im beschaulichen Himmelgeist, auch Brückenlauf genannt, gehört ganz klar zu meinen Lieblingslaufveranstaltungen. Überschaubar (maximal ca. 860 Teilnehmer), sehr freundlich, gut organisiert und die Strecke ist überwiegend flach und sogar durchaus schön.
Nachdem ich letztes Jahr nicht mitmachen konnte, ging es heute zum mittlerweile vierten Mal an den Start.
Es war um 8 Uhr schon recht warm, später auf der Strecke ging die Temperatur ziemlich fix in eine unangenehme Höhe. Wegen der zu erwartenden Hitze gab es die Möglichkeit die Strecke auf 11 km zu verkürzen, kein Thema für mich, das wurde aber von 18 Läufern wahrgenommen, also eine gute Entscheidung vom Veranstalter.

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Der Startschuss fällt immer so „ab 8 Uhr“, erst fährt noch ein Linienbus durch. Das heißt, alle müssen nochmal runter von der Straße, auf die Bürgersteige. „Traditionell“ wird die Durchfahrt des Busses dann von einer deftigen Laola-Welle aller Teilnehmer begleitet, quittiert von einem sehr breiten Grinsen des Busfahrers.
Nach der Busdurchfahrt ist jegliche vorherige gezielte Aufstellung natürlich für die Katz, alles sortiert sich dann irgendwie sehr schnell neu, der Countdown zählt runter und los gehts.
Wie bisher, lasse ich mich gar nicht erst in das Gewusel auf der Straße ziehen, sondern warte einfach kurz auf dem Bürgersteig bis sich eine kleine Lücke ergibt und sprinte dann los.
Wegen der Hitze bin ich entspannt ohne große Zeitvorgabe losgelaufen, grob geplant wäre irgendwas um 1:35 bis 1:40 völlig ok gewesen. Auf den ersten 5 km bemerkte ich dann aber schon, dass es sehr gut läuft, teilweise hatte ich eine Pace von 3:55 auf der Uhr stehen. Nicht in Übermut verfallen, lieber etwas bremsen, nicht auf den letzten Kilometern einbrechen.
Das Feld hatte sich diesmal schon früh auseinander gezogen, die schnellen Helden sind in zwei Gruppen vorgeprescht, danach folgten ein paar Einzelkämpfer, mit mir dazwischen. Schönes freies Laufen im eigenen Tempo, so mag ich das.
Schon nach etwa 4 Kilometern geht es rauf auf die Fleher Brücke zur anderen Rheinseite, die erste von sehr wenigen Steigungen und erstmal rein in die pralle Sonne. Nach der Brücke wird die Strecke überwiegend schattig, flach und schnell.
Bei Km10 rief mir ein Streckenposten die aktuelle Platzierung zu, ich bekam „32!“ mit auf den Weg und freute mich. Schon klar, irgendwelche schnellen Hirsche laufen defensiv und auf negativen Split irgendwo hinter mir, die kommen noch, den Platz werde ich nicht behalten.
Ab km12, mitten auf der zweiten Brücke, fuhr plötzlich ein Begleitungsfahrrad neben mir her, nicht für mich, sondern für die schnellste Frau die das Feld von hinten aufrollte. Eine Weile konnte ich mit ihr mithalten, hab sie dann aber ziehen lassen, da waren ein paar Gramm mehr Ehrgeiz im Spiel als bei mir.
Alle VPs wurden mitgenommen, jedesmal gab es aber nur einen Becher Wasser über den Kopf. Einen Schluck zu trinken gönnte ich mir nur einmal am letzten VP, dort hab ich dann auch ganz kurz den Kopf in eine Wasserwanne gesteckt.
Die letzten paar Kilometer geht es nach den zwei Rheinbrücken, viel Sonne, etwas Schatten und Natur wieder zurück nach Himmelgeist. Die freundlichen Einwohner hatten wieder mal jede Menge Wasserduschen für uns Läufer improvisiert, ein Genuss! Ich konnte nicht anders und hab fast jede mitgenommen, klatschnass und gut gekühlt war wieder mehr Tempo drin.
Auf den letzten 800 Metern wird es etwas gemein. Statt nach rechts Richtung Ziel zu laufen (gut zu sehen, sehr gut zu hören), gibt es nochmal eine kleine Schlaufe durch die Siedlung. Das ist der Demotivationshammer wenn man die Strecken nicht kennt, ich erinnere mich noch gut an meine erste Teilnahme.
Und dann plötzlich nach einer Kurve, geht es auf den schnurgraden Zieleinlauf, nochmal Dampf machen, über die Matte sprinten, Medaille abgreifen und pfiffigerweise noch etwas weiter traben (Lehrstunde Luxemburg HM).
Blick auf die Uhr: 1:29:46!
Also endlich die 1:30 geknackt! Nicht wirklich geplant und deshalb umso erfreulicher.
Der Hammer ist allerdings: ich hab teilweise in der prallen Sonne regelrecht „getrödelt“, die kurze Pause um den Kopf in den Trog zu stecken hat auch Zeit gekostet. Da ist also möglicherweise sogar noch mehr drin. Wieder ein neues Ziel.
Und nicht zu vergessen, das ganze in Fivefingers. Da wird man am Start ja immer gerne etwas belächelt, hinterher bin ich allerdings der mit dem Lächeln.
Später erst wurde mir klar, dass meine Startnummer die 129 war, passt ja wunderbar zur Zielzeit 1:29.

Im Zielbereich hab ich dann wirklich reichlich Wasser in mich reingeschüttet, noch eine Weile mit einigen mittlerweile bekannte Läufern gequatscht und mich dann zur großartigen Trecker-Dusche im „Nachzielbereich“ begeben:
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Fazit: Platz 36 von 732 Halbmarathon-Finishern.
Mir gehts super und nächstes Jahr bin ich wieder dabei.

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