Über die Brücken mal wieder

Eine Woche vor dem Düsseldorfer Marathon findet jedes Jahr der Brückenlauf statt, dieses Jahr zum 25ten mal. Start und Ziel ist wie beim Marathon der Burgplatz in der Altstadt, natürlich mit dem üblichen Rahmenprogramm, Schülerlauf, Bambini, 5k, 10k und jede Menge Bohei. Alles in allem eine gut organisierte und für den Aufriss preisgünstige Veranstaltung.
Für mich war zum vierten mal der Zehner dran, irgendwie aus Tradition. Und weil das ganze quasi direkt vor der Haustür stattfindet. Und weil es mir manchmal eben einfach Spaß macht diese Distanz zu laufen, obwohl ich überhaupt nicht mehr darauf trainiere.
Bei (mal wieder) eher windigem, kühlem, aber trockenem Wetter gings um 12 Uhr los. Ich hatte mir ehrlich gesagt überhaupt keine Zeit vorgenommen, aber wollte nach dem Start schnell aus dem Pulk raus, also weiter nach vorne und erstmal „Vollgas“ (für meine Verhältnisse) geben. Bei etwa 1100 Starten für den 10er, wird der erste Kilometer am Rheinufer zum Nadelör, sobald es auf die Straße Richtung Rheinkniebrücke geht, ist aber alles frei und „es läuft“. Bis zum Gegenwind. Immer auf dieser Brücke. Aber das wissen wir ja alle und reihen uns deshalb brav wie auf einer Perlenkette auf und nutzen den Windschatten vom vorigen Läufer (oder Läuferin). Danach gehts runter, am flachen Oberkasseler Ufer entlang, mit Tempo. Und wieder hoch auf die Oberkasseler Brücke, zurück in die Altstadt.
Das ganze dann nochmal, auf zur zweiten Runde. Zu diesem Zeitpunkt war das Feld natürlich wesentlich dünner, keine Möglichkeit mehr sich auf der Rheinkniebrücke in den Windschatten vom Vordermann zu hängen, sondern Reserven einschalten und selbst mit dem Wind klarkommen. Und bei mir machte es sich derbe bemerkbar, dass ich Alltags in den letzten Monaten eigentlich immer um einiges gemütlicher und länger unterwegs war, ich musste tatsächlich etwas das schöne Tempo rausnehmen. Die zweite Runde über die Brücke war damit meine schlechteste Pace in diesem Rennen, wie jedes Jahr übrigens, also was solls. Möglichst schnell drüber, die letzten Kilometer durchziehen und zügig ins Ziel, bei 41:18 bin ich über die Matte gerannt (Platz 52, 7 in AK M50).
Das war nun doch erstaunlich, ich bin zwar immer noch weit von „Sub40“ entfernt, aber lustigerweise ist es meine beste 10km Zeit bisher.
Wieder mal zeigt sich: mach dir kein Kopp, lauf einfach nach Gefühl und mit Spaß.
Ich hatte jedenfalls ziemlich viel Spaß.
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Sommertag

Ein Sommertag im Rheinland, 24°C, knallblauer Himmel, windstill. Und das am Sonntag. Perfekt.
Laufschuhe an, leichtes Shirt und Shorts, Sonnenbrille nicht vergessen und ausnahmsweise die Liebste mit dem Fahrrad an meiner Seite. Spitzenmäßig, so musste ich mich nicht mit Wasser abschleppen, das passt prima in den Fahrradkorb (so wie später auch die Laufschuhe).
Die "lange Rheinrunde" stand heute auf dem Plan (+30km), nur in etwas abgeänderter Form, ich wollte gerne möglichst wenig Hindernislauf mit Radfahrern, Inlinern, Hundeleinen und ignoranten Zeitgenossen. Bis zum Messegelände war alles gut, den Messeparkplatz hab ich mir diesmal gespart, irgendein Fussballspiel in der Arena dürfte dort für Überfüllung sorgen, also direkt zum Rheinufer. Blöd. Da waren dann auch alle anderen Düsseldorfer. Prompt hat mich eine unaufmerksame Inlinerin fast umgefahren, ist aber zum Glück nichts weiter passiert. Ich wundere mich trotzdem immer wieder über diese gewisse Art der Unaufmerksamkeit.
Schnell weg da und etwas auf die Tube gedrückt, den Lohauser Deich hinter uns gebracht, rechts ab in die Pampa und sofort war Ruhe. Dort wie üblich einen großen Bogen über Lohausen und ein Stück zurück zur Autobahnbrücke, dort drüber (das klingt schlimm, läßt sich aber prima laufen) und weiter in Richtung Meerbusch.
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Klasse! Ruhe. Wenig Menschen. Das ist der für mich immer wieder schönste Teil dieser langen Runde, die 8 Kilometer bis nach Lörick sind einfach ruhig und ländlich. Dort kann ich Feldwege nutzen, "Umwege" einbauen und einfach meinen Trott laufen. Und da die Sonne alles gegeben hat, kam unweigerlich so langsam aber sicher Durst auf und ich war wirklich froh Wasser dabei zu haben.
Ab dem Löricker Freibad wurde es wieder etwas mehr Hindernislauf, allerdings ist der Weg bald ziemlich breit, mit einem noch breiteren Wiesenstreifen daneben, den ich eigentlich immer nutze.
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In Oberkassel dann rauf auf die Theodor-Heuss-Brücke, wieder über den Rhein, zurück auf "unsere Seite" und rein ins unvermeindliche Getümmel auf den Rheinwiesen. Unfassbar was da los war, der schöne Tag hat scheinbar alle Menschen rausgetrieben. Find ich gut. Nach Hause sind es dann nur noch knappe 4 Kilometer, also mal langsam runterkommen und keine Hektik bei den vielen Menschen verbreiten, Laufschuhe aus und den Rest wie üblich barfuß zurückgetrabt.
Ich geniesse diese 30 bis 35 Kilometer-Läufe wirklich. Mittlerweile macht es mir nichts mehr aus völlig proviantfrei zu laufen, der früher übliche Schwächeknick bei etwa 28 Kilometer bleibt aus, an warmen Tagen das Wasser nicht vergessen und alles ist gut. In Monschau letztes Jahr hab ich gelernt wie superklasse frisches Obst nach dem Zieleinlauf sein kann. Seitdem ist nach solchen Läufen zuhause immer sofort mindestens ein großer Apfel fällig. Der wirkt Wunder, besser als jedes alberne "Sportgetränk" oder Energieriegel mit suspekten Dingen drin.
Die letzten 12 Monate bin ich Stand heute übrigens 3.001km gelaufen. Und fühle mich super … so kanns weitergehen. Ich freue mich auf den Düsseldorf Marathon in drei Wochen.

In kurz aber lang

Da war er, der erste echte Frühlingstag. Sonntag, 15°C, leicht bewölkt. Laufwetter!
Und in meinem jugendlichen Übermut (bin ja erst M50) hab ich mir gedacht, die schöne lange Strecke vom letzten Donnerstag könnte ich doch direkt nochmal laufen, aber diesmal auch obenrum in leichter, kurzer Sommerklamotte. Noch den Laufrucksack drüber (für Notfalltelefon, Schlüssel und später zum Verstauen der Schuhe) und ab gings. Diesmal nicht zu schnell am Anfang, bloß keine Hektik, sondern das schöne Wetter auskosten.
Auf dem Messeparkplatz wurde ich von einem Trödelmarkt mit extrem viel Besuchern überrascht, ist scheinbar öfter dort, aber ich hab den da noch nie wahrgenommen. Dementsprechend schnell bin ich also drüber und hab einen kleinen Extra-Schlenker durch die Pampa eingelegt. Dann wieder ab über die Flughafenbrücke (A44) auf die andere Rheinseite, durch die Felder und in Richtung Meerbusch.
Das kleine Waldstück hat heute nicht geglitzert, aber dafür gabs es jede Menge Blüten und einen leichten grünen Hauch. Die Pflanzen finden das Wetter scheinbar auch super.
Wieder am Rheinufer knallt mir plötzlich der Wind frontal entgegen. Nicht schlimm, ich möchte ja eh langsam laufen. Und es läuft heute einfach wunderbar. Besser sogar als letzte Woche.
Über die Oberkasseler Brücke ging es dann wieder zurück auf "meine" Rheinseite, fix die Schuhe aus und in den Rucksack verstaut (ich brauche nur noch 16 Sekunden für diese Aktion) und die letzten Kilometer barfuß weiter. Was für ein Genuss! Wie fast immer laufe ich barfuß schneller, das macht einfach Spaß!
Am Ende waren es sogar noch zwei Kilometer mehr als geplant, wieder proviantfrei. Aber zuhause angekommen, hatte ich echt einen Bärenhunger.
Ein schöner Tag!

Vom Regen in die Sonne

So richtig viele Gründe mal ein paar Tage nicht zu laufen, gibts bei mir eigentlich nicht. Krankheit natürlich oder wirklich notwendige Erholungsphasen. Ansonsten bleibe ich eigentlich immer dran, nicht um gezwungen Kilometer zu bolzen, sondern weil es mir einfach Spaß macht.
Ein weiterer guter Grund ist die Tätowiererei, ich hab ja bereits das eine oder andere Farbpigment unter der Haut und es wird stetig mehr. Frische Tattoos mögen es nunmal überhaupt nicht wenn sie zu früh viel zu viel Bewegung abbekommen. Zumal wir grade am rechten Bein weitermachen und um die frischen Sachen nicht zu beschädigen, setze ich nach einem Tätowier-Termin dann eben diszipliniert aber zähneknirschend eine Woche aus. Mehr braucht es aber nach meinen Erfahrungen auch nicht. Mehr halte ich auch nicht aus. Da fangen die Waden schonmal an zu kribbeln vor lauter Ungeduld.
Wenn es dann nach dieser Woche wieder auf die Strasse geht und der Zufall es will dass ich auch noch einen Urlaubstag hab, dann steht einem langen Lauf absolut überhaupt nichts im Weg.
Also ging es heute mittag, trotz ständigem Sprühregen mit Schauern, gut ausgeruht und voller Freude in Richtung Rheinufer, auf Hügel hatte ich keine Lust und die lange Rheinrunde ist bei Tageslicht immer wieder ein Genuss.
Die ersten zwei Stunden hat es erwartungsgemäß immer wieder kräftig geschüttet, was mich aber nicht weiter störte, bei ca. 12°C kommt einfach kein Frösteln mehr auf. Durch den starken Regen der vergangenen Tage, waren einige Wege in einem grenzwertigen Zustand, viel Matsch und recht große Pfützen. Also auch noch nasse Füsse. Egal.
Und dann plötzlich war der Regen vorbei. Sonne. Dampfende Wege und Wiesen. Schlagartig roch die ganze Welt anders, nach Frische und Frühling.
Genau in diesem Moment lief ich in ein Waldstück und war schier geplättet von dem wundervollen Anblick: der ganze Wald triefnass und die Zilliarden feinen Regentropfen an den kahlen Ästen funkelten völlig unwirklich im Gegenlicht. Dazu dieser aufsteigende Dampf überall. Für eine Viertelstunde war ich irgendwie komplett entrückt in der Twilightzone unterwegs.
Das sind so diese seltenen Momente, in denen ich es etwas bereue keine Kamera dabei zu haben. Der Anblick war wirklich völlig abgefahren und ungewöhnlich, hätte ich gerne geteilt. Aber naja, so ist  eben alles in meinem Kopf gespeichert.
Normalerweise hätte etwa an diesem Punkt meine typische "Durststrecke" begonnen, 25km waren im Sack, kein Wasser oder Snack dabei (ganz bewusst), jetzt machte sich aber scheinbar einerseits meine Euphorie breit und andererseits die Ruhewoche bezahlt. Es ging einfach weiter, langsamer als gewohnt um das schöne Wetter zu genießen, aber ohne "Energieloch".
Nach weiteren 5km ging es dann über die Oberkasseler Brücke zurück nach Hause, die letzten paar Kilometer wieder mal Schuhe aus und barfuss weiter. Und jetzt wurde jede Pfütze mitgenommen, kleine wohltuende Abkühlung für meine Füße. Nach fast exakt 31km stand ich wieder vor der Tür und statt einfach reinzugehen, hab ich mich noch etwas in die wohltuende Sonne gesetzt.
Fast wie im Frühling. Und morgen soll es noch schöner werden. Klasse.

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Einfach raus

Heute gab es ein paar wirklich gute Gründe das Haus nicht zu verlassen. Immer wieder Sturzregen, dazu ein fetter Orkan und Altweiber hat die heiße Phase des Karnevals im Rheinland eingeläutet.
Zumindest die ersten beiden Punkte zogen mich allerdings fast magisch nach draussen. Dem Karneval kann ein Läufer ja dann doch ganz gut aus dem Weg gehen.
Der letzte dicke Sturm war vor fast einem Jahr, zu Rosenmontag, und ich hatte mich damals auf die Suche nach dem Orkan gemacht. Heute musste ich nicht lange suchen, bereits auf dem Heimweg von der Arbeit lagen größere Äste auf der Strasse, einige Plakatwände sind in die Knie gegangen und auf meiner Strasse lag ein Teil eines Baugerüsts auf dem Fussweg.
Und es war noch hell, das hatte ich die letzten Wochen eigentlich nie. Also ab in leichte Laufklamotten (10°C), eine dünne Regenjacke drüber und los. Was für ein Spaß! Erst mal raus aus der Stadt, volles Brett gegen den Wind, der erste Schauer, klatschnass nach nichtmal 5km, schnell Richtung Messegelände, über den Parkplatz, voll in den nächsten Schauer, dann nach 10km Halbzeit und der Schwenk zum Rhein, mit dem vermeindlichen Wissen, haha! gleich hab ich Rückenwind.
War nicht ganz so, aber immerhin wurde ich nicht mehr frontal fast umgepustet.
Mittlerweile war es dunkel, also fix die Stirnlampe aufgezogen. Und dann gings ab, Orkan schräg von hinten, Regen von überall, da gibts nur eins: Tempo anziehen und immer irgendwie mit dem Wind laufen. Einfach ein großer Spaß! Mit Karacho immer den Rhein entlang, über Pfützen hüpfen und herumwehenden Sachen ausweichen. Laufen. Rennen. Freuen.
Interessanterweise war ich absolut nicht alleine unterwegs, mit ein oder zwei laufenden Menschen hab ich gerechnet, ein gutes Dutzend ist es dann geworden, erstaunlich, aber klasse.
An den Rheinterrassen hat mich dann wieder ein Schauer erwischt, ein guter Grund noch eine kleine Schlaufe dranzuhängen, dann aber ab nach Hause, vorbei an diversen eiligen Karnevalisten (skurrile Szenen bei dem starken Wind), grüne Welle bei den sonst nervigen Ampeln und kurz vor der Haustür fing es dann nochmal an zu schütten.
Alles in allem ein perfekter mal anderer Lauf. Kein Gedanke daran verschwendet vielleicht besser mal nicht zu laufen, wegen Regen und Sturm und überhaupt. Sondern einfach raus. Das ist wirklich einfach. Und es macht wahnsinnigen Spaß wenn man sich darauf einläßt.

Belohnung

Das Wochenende wird ja gerne für die berüchtigten langen, langsamen Läufe genutzt, als Vorbereitung für alles was so an Herausforderungen in den nächsten Monate ansteht. Mache ich natürlich auch so. Wenn auch wenig diszipliniert, das geb ich zu. Das spielt sich eher ganz grob und locker ab, natürlich achte ich darauf regelmäßig und "genug" zu laufen, in meinem Kalender stehen aber nur solche Hinweise wie "langer Lauf" oder "sehr langer Lauf". Reicht mir zur Zeit und hat sich letztes Jahr sehr bewährt.
Allerdings frage ich mich immer noch ab wann ein langer Lauf eben ein langer Lauf ist. Ab 20km? 25? Mehr? Weniger?
Ist wahrscheinlich abhängig von vielen Faktoren und bei jedem anders. Für mich persönlich beginnt der lange Lauf ab 25km aufwärts. Als Vergleich, vor fünf Jahren wäre es alles über 15km gewesen. Da wird man als Läufer anpassungsfähig.
Woran mache ich das mit den 25km fest? Wieder nur eine persönliche Sache: das ist in etwa meine 2 Stunden Grenze. Meine "Hausrunden" bewegen sich derzeit zwischen 16-22km. Das geht immer irgendwie, besonders nach der Arbeit kommt da auch mal erhebliche Andrenalin-Ventil-Wirkung durch, mit teilweise "interessanten Zeiten". Diese Runden bleiben aber immer unter zwei Stunden.
Mehr als zwei Stunden am Stück zu laufen dagegen zeigt mir ganz einfach ziemlich deutlich wie es um meine Gesamtform steht. Sowohl im Kopf als auch in den Beinen hat sich entweder eine dezente Kampfstimmung aufgebaut oder es geht fluffig weiter.
Mit allen Grautönen dazwischen natürlich, manchmal will der Kopf nicht mehr, aber die Beine können noch lange, oder umgekehrt. Kennt ihr, geht jedem so vermute ich. Und jeder hat seine Tricks dann motiviert zu bleiben und doch einfach weiterzulaufen.
Aber spannend sind eben die beiden "Extreme", entweder volle Flaute oder volle Motivation. Flaute hatte ich (zum Glück!) schon ewig nicht mehr, heute dagegen war "volle Motivation" schon fast eine Untertreibung. Ich hatte mir grob eben genau diese 25km vorgenommen, aber dann während des gut gelaunten Laufs noch die eine oder andere Schleife eingebaut. Das Wetter war einfach super und ich wollte die Sonne auskosten. Zum Schluss sind fast punktgenau 30km rausgekommen.
Aber das sind alles nur schnöde Zahlen.
Viel entscheidender war, dass mir der Lauf wie eine dicke fette Belohnung vorkam.
Belohung für die vielen dunklen und grauen Nachtläufe der letzten Wochen (besonders nach der schönen Zeit auf Madeira), Belohnung für das Durchhalten bei kaltem Regen und Frost, Matsch und Eis.
So einfach bin ich gestrickt, kann mich selbst belohnen. Mit Laufen.
Tolle Sache.
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Kühe, Lorbeer und Levadas

Der Entschluss im Januar einfach mal für eine Woche nach Madeira zu fliegen kam relativ spontan im Herbst zustande. Einerseits waren da noch ein paar Resturlaubstage unterzubringen, andererseits wollte ich gerne meinen runden Geburtstag irgendwoanders feiern, auf die bekannten Reiseziele hatten wir keine Lust und Madeira soll ja auch "ganz schön" sein. Also Flug gebucht, Unterkunft gesucht, Auto gemietet und los.
Daß wir tatsächlich nur eine Woche da waren, kann ich überhaupt noch nicht glauben. Jeder Tag war einerseits völlig entspannt, aber auch sehr intensiv. Kennt ihr das wenn einfach mal alles passt? Und fast jede Erwartung noch getoppt wird? Kommt ja eher selten vor, hier war es so. Unsere Unterkunft im Westen der Insel (Ponta do Pargo) entpuppte sich als ganz wundervolle Ruhe-Oase in 400 Meter Höhe, mit eigenem Hühnerstall, Kuhweiden direkt am Haus, frische Limetten vom Baum, Maracuja Plantage und sogar einem kleinen Pool. Ein riesiges Anwesen ganz für uns alleine, völlig abgelegen, mit Blick einerseits auf den Atlantik und andererseits die Berge hoch.
Der Flachland-Läufer in mir war einerseits etwas erschrocken, ebene Wege scheint es auf der Insel nicht zu geben, aber insgeheim hab ich mich beim Anblick der steilen Wege schon riesig auf meine kommenden Laufrunden gefreut.
Auf dem Flug hatte ich von den Levadas gelesen und konnte mir noch nicht viel darunter vorstellen. Das sind schmale Bewässerungskanäle mit Wartungspfaden, die dadurch auch ideale Wanderwege sein sollen. Was als Wanderweg geht, funktioniert doch wohl auch als Laufstrecke. Der Zufall wollte es, dass eine der flachste Levadas (die Levada Nova) sozusagen direkt hinterm "Dorf" anfängt. Bloß etwa 250 Meter höher, auf einer Steigungstrecke von nichtmal zwei Kilometern. Besonders viel mit Laufen war auf diesem Teilstück nicht, dafür die Belohnung umso größer als ich erstmal oben war. Die Levada läuft etwa vierzig Kilometer fast konstant auf einer Höhe von 650 Metern und macht es einem wirklich leicht auch längere Teilstücke durchzulaufen und dabei die Landschaft zu geniessen.
Kleine Wasserfälle, Bäche, schroffe Abhänge, Kuhweiden, Lorbeerwälder und immer wieder eine Aussicht auf den Atlantik die einem den Atem raubt. Ganz ehrlich, ich war im Glück "dort oben". Innerhalb weniger Meter kann sich die komplette Umgebung ändern, eben noch im "Regenwald", ist da plötzlich eine Weide mit gemütlichen Kühen oder Ziegen, dann wieder Lorbeerwald und eine weitere Kurve später ein wilder Bach mit Wasserfall.
Luftlinie zählt hier nichts, durch die vielen Windungen kommen sehr schnell sehr viel mehr Kilometer zusammen als vermutet. Ich bin also immer eher mit Blick auf die Uhrzeit gelaufen, um nicht zu spät umzukehren, und hab die Kilometer überwiegend ignoriert bzw. nur als groben Hinweis gesehen.
Zwei Paar Laufschuhe waren mit auf der Reise, aus purer Neugier was die im Gelände so können, hab ich aber eigentlich nur die Altra Superior genutzt. Und die haben einen guten Job gemacht, trittsicher und dabei angenehm leicht.
Übrigens stehen auf den Wanderrouten überall immer wieder tadellose Trinkwasserstellen, mein kleinen Wasservorrat musste ich daher fast nie nutzen.  
Innerhalb der einen Woche war ich fünfmal unterwegs und es sind so immerhin knappe hundert Kilometer zusammengekommen. Ganz sicher werden das in Zukunft noch wesentlich mehr auf dieser wundervollen Insel, ich hab da ein klein wenig mein Herz verloren.

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Nochmal drauf geschaut

Mal so nebenbei:
Vor einiger Zeit hatte ich sowohl über die Altra One als auch die Skora Tempo ein paar Zeilen verfasst. Ich war auf der Suche nach ausdauernden Schuhen mit 0-Millimeter Sprengung (Zerodrop), leichter Dämpfung und vor allem, breiter Zehenbox.
Zeit für eine kleine Rückschau, nachdem ich mit beiden so einiges an Kilometern gelaufen bin. Interessant auch, dass genau zum Vergleich dieser beiden wiederholt Fragen per Email bei mir eingeflogen sind.

Also gerne mal meine Sicht kurz zusammengefasst:
1. Der Vergleich hinkt.
2. Altra hat sich bei mir durchgesetzt.

Das Tolle ist ja, ich stehe überhaupt nicht auf gedämpfte Schuhe, die kommen nur in Ausnahmefällen zum Einsatz. Bei langen Läufen (+25km) zum Beispiel, oder wenn die Füsse einfach mal was anderes wollen. Die wollen zwar eher selten was anderes, ich liebe nunmal das minimale Laufen auch auf langen Strecken, aber es gibt halt solche Tage …
Anfangs wurden beide bewusst immer abgewechselt, ich ertappte mich aber bald dabei, vermehrt automatisch zu Altra zu greifen.
Der Grund ist simpel: die sind einfach bequemer.
Mit den Tempo musste ich etwas rumexperimentieren, Innensohle raus, Schnürung ändern. Und nach wie vor finde ich die für Asphalt eher ungeeignet (im Gegensatz zu den Phase, klasse Dinger). Skora verbaut in die Ferse der Aussensohle das Firmen-Logo, mit einem Material das geringfügig härter als der Rest der Sohle ist, das ist schick und hilft vor allem dabei Fersenlaufen zu vermeiden. Fehltritte machen sich allerdings schnell bemerkbar, nicht in Form von Aufprallschmerzen, aber es ist eben merklich härter. Das soll wohl so sein, als pädagogischer Faktor. Ok, kein Problem bei mir, Fersenlauf ist längst Geschichte, könnte aber für andere ein Riesenproblem werden. Mit anderen Worten: das sind wirklich keine Schuhe für 0-Millimeter-Anfänger.
Mit Altra One dagegen kann ich einfach losrennen, laufe dann gleichmäßig und mit korrektem Stil. Auf Asphalt genau so gut wie auf Waldwegen, durchaus auch mal auf fieseren Untergrund, zum Beispiel grobe Schotterpisten. Die  Schuhe können was ab und passen einfach klasse zu meinen breiten Füssen. Die Dämpfung ist Oberkante, dürfte wirklich keinen Millimeter mehr sein. Wenn ich mal wieder wochenlang nur mit maximal 3mm-Sohlen-Schuhe unterwegs war und dann mit Altra loslaufe, ist das anfangs kurz ein etwas schwammiges Gefühl. Das legt sich aber schnell, normale kurze Anpassung eben. Bei Skora brauche ich deutlich länger. Generell empfinde ich die Tempo als unausgewogen und gewöhnungbedürftig. Der Hinterkappe ist zudem nicht flexibel genug und etwas zu sehr gewölbt, drückt mir zu sehr an der Achillessehne. Meine erste Euphorie ist jedenfalls gewichen, die Schuhe fristen die letzten paar Wochen ein ziemlich ruhiges Dasein im Schrank.
Die Altra One dagegen durften mich dagegen auf zwei Marathons begleiten und auch sonst immer mehr überzeugen.
Also immer noch eine Top-Empfehlung, wenn schon gedämpfte Schuhe, dann Altra.

Und weil ich ja neuerdings öfter im Wald die Hügel hoch und runter tobe, hab ich mir vor einiger Zeit „heimlich“, ohne es euch zu erzählen, zusätzlich noch ein Paar Altra Superior 2.0 gekauft, aus meiner Sicht die Trail-Version der One. Klasse Dinger! Ob Matsch, Frost, Steine, Regen, Geröll, alles egal, darin ist man sicher unterwegs. Toller Grip, leicht und passgenau. In meinem Fall zur Zeit besonders in der Dunkelheit auf unberechenbaren Pfaden ein großer Spaß.

Aber ihr wisst ja, meine Favoriten sind die ganz leichten, flachen Dinger. Auch im Winter, auch bei Matsch und Schnee. Und sobald es wieder geht, noch mehr barfuß.

War was?

Wieder ein Jahr rum.
In den Lauf-Blogs geht es zur Zeit fast nur um Rückblicke auf die Höhen und Tiefen von 2016, es gibt sehr viel Statistik zu lesen, Jahreskilometer, stolze Anmerkungen sowie viel Nachdenkliches. Das ist sympathisch, aber eigentlich wechselt nur ein Tag zum nächsten. Und wir haben in unserem Kulturkreis einen Kalender der daraus einen Jahreswechsel macht. Falls es einen „echten“ Jahreswechsel gibt, dann war es vielleicht eher der 21.12., zur Wintersonnenwende, oder wahlweise der 21.06., die Sommersonnenwende. Oder noch einfacher, wir könnten auch einfach an jeden Tag die letzten 12 Monate betrachten.
Für meine Lauferei mache ich das zumindest so, macht aus meiner Sicht irgendwie mehr Sinn, die Vergleichbarkeit bleibt und ich kann mir neue Ziele viel besser stecken.
Ein Jahresziel am 31.12. erreichen? Wieso eigentlich? Ok, weil es viele so machen, dann kommt doch wieder eine gewisse Vergleichbarkeit ins Spiel. Mich mit anderen zu vergleichen bringt mich alerdings nicht weiter, trotz der vielen netten Kontakte die sich die letzten Jahre ergeben haben, bleibt es nunmal eine Tatsache: wir sind alle anders (und das ist gut so!). Ich möchte mich nicht jeden Tag im Wettkampfmodus befinden um mit anderen mithalten zu können, die völlig andere Ziele als ich haben. Mir geht es ganz einfach um meine eigene Entwicklung, also sollte ich mich nur mit mir selbst messen.
Als ich „damals“ wieder anfing zu laufen, ging es mir schlicht darum mich endlich wieder regelmäßig zu bewegen. Irgendwann wollte ich wissen wo ich stehe, was ich kann. Der erste 10km Lauf wurde absolviert. Blut geleckt, mehr messen, öfter mal ein Volkslauf, dann Halbmarathon, dann Marathon. Mit Höhen und Tiefen, nicht in 12 Monaten gepackt, sondern alles ergab sich einfach. Zum Beispiel 2013, da war eine komplette Neuausrichtung nötig, mental wie auch körperlich. Mir wurde klar dass ich zwar ein passabler Läufer bin und ich wollte mehr, die Leistungen wurden aber immer schlechter. Also Stoptaste, keine Wettkämpfe, statt dessen Reflexion, Analyse und komplett von vorne, Laufen neu lernen, hin zu minimalen Schuhen und so weiter. Dieser Prozess begann etwa im März. Wie und warum soll ich mich in so einem Jahr am 31.12. mit dem Vorjahr vergleichen? Macht keinen Sinn. Wohl aber sich vom Zeitpunkt X neue Ziele setzen, egal ob mitten im März oder Juli. 2016 hab ich mir ein paar zukünftige Ziele bereits im September gesetzt, darauf arbeite ich momentan hin, die sorgen dafür dass sich mein Laufverhalten geändert hat, das sieht statistisch wirklich toll aus, sagt aber nix aus. Eine Rückschau dazu kann ich dann vielleicht im August 2017 machen. Und so wie ich mich kenne, sind zu dem Zeitpunkt bereits wieder neue Ziele und Pläne gesetzt, die eine Rückschau obsolet machen.

Wenn also heute am 31.12. eine Rückbetrachtung des vergangenen Jahres anliegen sollte, dann könnte die relativ übersichtlich so aussehen:
Insgesamt sieben offizielle Veranstaltungen mitgemacht.
Alles andere der letzten 12 Monate ist im Fluss und hat nur „zufällig“ 2016 stattgefunden.

Mir gehts tatsächlich nur um eines: immer weiter laufen.
Dazu braucht es keine Rückschau, sondern eigentlich „nur“ Ausdauer und die Bereitschaft lernfähig zu bleiben. Optimistisch in die Zukunft schauen macht eh mehr Spaß 🙂

Randnotiz

Der milde Winter im Rheinland machts möglich, obwohl die lange Hose vor kurzem mal im Einsatz war (bei zwei Tagen mit überraschenden -5°C), bin ich doch immer wieder in kurzer Hose unterwegs.
Milde 7-10° sind nunmal kein Winterwetter und über die Weihnachtstage in Frühlingsklamotten zu laufen mag erstmal komisch wirken, aber mir wird es sonst einfach zu warm. Das tolle daran ist, ich kann einfach mit dem Barfusstraining weitermachen. Manchmal werden die Füße kurz taub, besonders bei Nässe (der Boden ist schon recht kühl), aber nach 500 Metern hat sich das dann auch schon wieder erledigt. Mehr als 4-5km laufe ich zur Zeit zwar trotzdem nicht ohne Schuhe, freue mich aber unbändig dass es um diese Jahreszeit überhaupt möglich ist. Falls es noch richtig Winter wird, auch gut, im Moment gefällt es mir so aber auch ganz gut.
Heute hab ich mir dann selbst auch noch ein kleines Weihnachtsgeschenk gemacht und den 2700sten Kilometer in diesem Jahr durchlaufen. Wenn ich so die letzten Monate zurüchschaue, und besonders das Frühjahr betrachte (Laufpause wegen Knieentzündung), dann bin ich mehr als zufrieden mit dieser Entwicklung.
Irgendwie wird alles immer runder. Den Düsseldorf Marathon mit minimaler Vorbereitung durchgezogen, der Monschau Marathon hat mich dann überzeugt dass noch mehr drin ist, die Entscheidung für "Zero-Drop" und Minimalschuhe war goldrichtig, der Spaß an langen Strecken wächst.

Ich mach einfach mal so weiter.