Sonne, Frühling, gute Laune

Nachdem der Jahresanfang bei mir ja eher von kürzeren Läufen geprägt war, beziehungsweise ich einfach fast immer nur meine flache "Hausrunde" (ca. 16-18km) gelaufen bin, kommen in den letzten Wochen dank des Frühlingsanfangs endlich wieder ein paar +30er zusammen. Ich gestehe, dass ich im späteren Winter einfach keine Lust mehr für längere Sachen hatte, oft war es zu dunkel, die Winterklamotte nervten und es gab einige echt energielose Tage (arbeitsbedingt). Das alles hat mir scheinbar nicht geschadet, dafür macht es jetzt wieder doppelt so viel Spaß und ich hab so richtig bock auf längere Strecken.
Aber Obacht, die Sonne hat schon mehr Kraft als man glaubt! Letztes Wochenende bin ich knapp am Sonnenstich vorbeigerauscht, hab mit ach und krach langsame 32km geschafft, inklusive einer kleinen Eis- und Trinkpause (ich hatte höllischen Durst!), und war richtig froh wieder zu hause zu sein. Kappe vergessen, selbst schuld.
Gelernt und gemerkt, heute ging es erneut auf eine 32km Rhein-Runde, diesmal mit Kappe und das war gut so. Zuerst noch bedeckt und mit angenehmen 15°C, kam später die Sonne raus und die Temperatur kletterte hoch auf 20°C. Ich konnte dank kühlem Kopf völlig frei und gemütlich traben, war bemüht das Tempo unten zu halten und hab ganz einfach jeden Kilometer genossen. Weder im Kopf noch in den Beinen kam Müdigkeit auf, diesmal lief einfach alles rund, hab auf der gesamten Strecke mal grade zwei Schlückchen Wasser benötigt, sehr beruhigend nach der Vorwoche.
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Nach 14km mitten in der Ilvericher Altrheinschlinge. Hinten ist die Brücke der A44 zu sehen, die gehört zu meiner Route um von "meiner" Rheinseite auf die andere zu gelangen.

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Man glaubt es kaum, aber wir haben hier auch Deiche, hier laufe ich bei ca. km18 einen ab um schnell von Meerbusch zurück zum Rhein zu kommen. Ganz hinten sind wieder die V-förmige Stiele der A44-Brücke zu sehen.

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Weil es so locker lief, bin ich einfach noch weiter über die Kirmeswiesen bis zur Rheinkniebrücke gelaufen, um erst dort wieder den Rhein zu überqueren. Und da war jetzt auch einfach mal ein Foto fällig, bitte sehr.
Diese Strecke hat zwar den unangenehmen Nachteil dass es dann anschließend fast zwangsläufig durch die Altstadt geht (rechts zu sehen), aber heute war es zum Glück nicht so überfüllt wie befürchtet und ich hab einfach zugesehen dass ich da schnell durchflitze.
Zuhause angekommen standen dann schließlich punktgenau 34 Kilometer in 2:40h auf meiner Uhr, gelaufen in Fivefingers. Weshalb genau sollte ich jetzt noch andere Schuhe tragen? 🙂

Schuh-Anekdote

So ist das mit der Schuhindustrie … der mir sehr lieb gewordene Newton MV3 ist ein Auslaufmodell. Es wird keinen Nachfolger geben, wurde mir so von Newton bestätigt. Das ist einerseits nachvollziehbar, da der MV3 überhaupt kein "echter" Newton ist, d.h. der hat zwar (superflache) Stollen, aber ohne die typische Dämpfungstechnologie dahinter, andererseits ist es superschade, da er ein wirklich toller leichter Schuh für so richtig schnelle Läufe ist. Und ein idealer Begleiter für Umsteiger in die minimale Welt. Empfohlen haben mir die Jungs von Newton, doch einfach auf den Distance Elite auszuweichen. Netter Versuch, die hatte ich schonmal, sind mir allerdings viel zu schwer, viel zu hoch, viel zu massig, nicht mein Ding.
Bisher waren übrigens alle superleichten Lieblings-Schuhe auf meinem Weg zum minimalen Laufen Auslaufmodelle. Scheinbar ist der Markt nicht so riesig 🙂
Nunja, mein "aktives" Paar MV3 wird noch einige hunderte Kilometer durchhalten (ich laufe Schuhe bekanntlich bis sie auseinanderfallen, ein echter Vorteil bei minimalem Schuhwerk) und als "Backup" steht noch ein weiteres unbenutztes Paar im Schrank. Wer weiß … vielleicht werde ich die nie benötigen. Oder selten. Es gibt ja noch andere Optionen …
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35km in VFF

Ich glaube ich bin reif für mehr minimal. Bisher hab ich längere Läufe in Fivefingers vermieden, bin stattdessen auf leichte Wettkampfschuhe wie zb. die MV3 Newtons ausgewichen, fühlte mich noch nicht soweit.
Den heutigen 35km Lauf in V-Runs allerdings hab ich nicht nur durchgezogen, sondern sogar sehr entspannt in einer angenehmen Zeit (2:45h) durchgezogen. Trotz Platzregen unterwegs, trotz kurzem Verlaufen („Lost in Lichtenbroich“), trotz der gesamt 100km in den 7 Tagen zuvor. Wenn es also endlich mit 35km funktioniert, dann wohl auch locker für 42 (oder mehr).
Meine Waden sind still, auch der Rest muckt nicht auf, das hatte ich wahrlich schon anders. Ich werde das mal im Auge behalten und die nächsten Tage nochmal eine etwas längere Strecke durchlaufen.
Ein Plan ist ein Plan 😉

Entdeckertour

Am Karfreitag stand mal wieder eine seit langem überfällige Entdeckertour Richtung Neandertal an, die Strecke bin ich letztes mal irgendwann im Herbst gelaufen. Auch wenn es nur ca. 25km sind, die permanente Steigung zeigt einem schnell wo der Hammer hängt, also immer schön ruhig und langsam starten.
Mittags habe ich mich nach anfänglichem Stadtlauf bis Gerresheim relativ zügig in Richtung Neandersteig Teilstück aufgemacht, um schnell von der Strasse zu kommen. Eine tolle Laufstrecke mit streckenweise fiesen Herausforderungen, wunderbar beim Pulsmesser nachzulesen.
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Mir sind ziemlich wenig Läufer begegnet, dafür umso mehr Mountainbiker die in Rudeln die Strecke unsicher machten. Aber durchaus rücksichtsvoll, Beschwerden waren nicht nötig. Ich war diesmal in VFF Run unterwegs, hatte einfach Lust so minimal wie möglich zu laufen. Die VFF Trail hatte ich zuhause schon angezogen , aber mich dann aber umentschieden. War gut so, die Wald- und Feldwege sind nicht zu schroff, meine Füße hatten Spaß.
Diesmal wollte ich endlich im Neandertal Wildgehege die Wisente zu sehen. Ich bin da schon so oft vorbei gelaufen, die Viecher hatte sich immer versteckt. Und immer nur die klugen Schilder ansehen macht nur noch neugieriger.
Diesmal hat es geklappt, von weitem konnte ich eine Ansammlung von Spaziergängern ausmachen, dahinter einen braunen Fellberg, also fix abgebogen und Urviecher anschauen 🙂
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Zwei Wisente haben sich den Fotografen gestellt, von den Wildpferden und Auerochsen leider keine Spur, die sind dann eben irgendwann anders mal dran. Ich mag Rinder, hab einen Draht zu den Tieren; das war dann aber wohl ein komisches Bild für die anderen Besucher: ein Wisent das sich neugierig von einen verschwitzten, tätowierten Fivefinger-Läufer kraulen lässt. Was solls, ich war glücklich und hab mich bald wieder auf den Weg gemacht um nicht auzukühlen.
Auf der weiteren Strecke hab ich noch ein paar Schlenker eingebaut, Zeit lassen war angesagt, auf keinen Fall unter zwei Stunden laufen. Ein Abstecher zur Hochdahler-Neanderkirche kam dazu (fand die aber nicht so spektakulär) und dann wieder ab auf den Neandersteig, die Entdeckerschleife in Richtung Gruiten bis zum Ziel durchziehen.
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Am Ende waren es 25,5km, mit 380HM in 2:05 Stunden, Plan aufgegangen, Kaffee und Kuchen standen bereit und ein schöner Nachmittag nahm seinen Lauf.
Im Laufe des Tages wurde mir einmal mehr klar, wie gut es mir geht. Welch ein Luxus, gesund und zufrieden solche Strecken in schöner Landschaft laufen zu können. Das ist wirklich alles andere als selbstverständlich.

Einfach nur laufen

Feierabend. Schnell nach Hause, rein in die leichten Laufklamotten, Fivefingers an und dann will ich einfach nur laufen. Die letzten zwei Tage waren verregnet und kalt (anderswo hat es sogar geschneit!), trotzdem hab ich meine Runden gedreht. Einfach raus und abschalten, so geht das.
Und heute dann wieder schlagartig Frühlingswetter, also raus und geniessen. Das ist irgendwie immer wieder wie eine Belohnung.
Schnell rennen, langsam traben, den Kopf frei bekommen, die Strecke kommt irgendwie automatisch zustande, ich denke da nicht mehr drüber nach. Alles reduziert sich auf Atmung und Laufrhythmus. Einfach nur laufen.
Hab ich eigentlich schon mal erwähnt wie sehr ich das mag? 🙂
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Endlich Frühling?

Die Sonne lacht, das Thermometer zeigt 12°C, Motivation leicht gemacht einen kleinen längeren Lauf zu starten. Und das obwohl ich gestern Abend bereits schnelle 20km absolviert hatte, die noch etwas in den Waden festhingen. Aber solche Kleinigkeiten kann man ja wieder lockerlaufen.
Statt Wald hatte ich bock auf die 25km Rheinrunde über Meerbusch und hab mal meine neue (gebrauchte) Gopro zum Testen mitgenommen.
Die Strecke bin ich ja schon zig mal abgelaufen, die letzten male allerdings recht zügig, weil dunkel und kalt. Diesmal wollte ich wirklich langsamer laufen und das Frühlingswetter geniessen, hat zumindest zeitweise geklappt.
Nach 12km war die Messeautobahn-Brücke erreicht und bin fix drüber, die Autos nerven etwas.
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Trotz des schönen Wetters waren anfangs erstaunlich wenig Leute unterwegs, gut für mich und meinen Ruhebedarf. Richtung Meerbusch gehts ins Grüne, einfach quer über die Feldwege, da hab ich keinen festen Weg, sondern laufe immer nach Lust und Laune irgendwelche Schleifen, um dann irgendwann wieder in Richtung Rhein zu kommen.
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Aus den Felder von Meerbusch also zurück zum Rhein, damit sind die ersten 18km bereits erledigt.
Langsam wurde ich allerdings echt durstig, Wasser hatte ich nicht mit, aber vorsichtshalber ein paar Salzcaps. Ein freundlicher Radfahrer war so nett mir etwas Apfelschorle zum Runterspülen zu überlassen, aus dem Rhein trinken wollte ich nun echt nicht. Merke: über 12°C bei längeren Läufen wieder ein paar Schluck Wasser mitnehmen.
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Richtung Stadt beim Löricker Bad wurde es dann erwartungsgemäß wieder voller, viele Radfahrer, Läufer und Inliner, alle entspannt und mit guter Laune, schön zu sehen. Ich hab mich trotzdem beeilt auf die Theodor-Heuss-Brücke zu kommen und damit wieder in Richtung "meiner Rheinseite" zu laufen. Und großes Erstaunen, die sonst bei schönem Wetter immer pickepacke vollen Rheinwiesen waren recht leer.
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Sehr ungewöhnlich aber kann mir ja egal sein.
Die letzten paar Kilometer bin ich dann gemütlich barfuss getrabt und war nach 25,5km und 2:02 Stunden wieder zu Hause. Mit einem Riesenhunger und Durst wie ein Kamel nach drei Wochen Wüstendurchquerung! Zum Glück hat eine gute Ladung Eifeler Streusselfladen auf mich gewartet, genau richtig 🙂
War mal wieder ein schöner Lauf durch die Düsseldorfer Pampa.

Dann eben noch ein paar Wintertage

Märzwinter heißt das was uns grade heimsucht. Vor wenigen Tagen noch Temperaturen um 12°C und seit heute wieder im Minusbereich mit strengem Wind dazu. Und sogar etwas Schnee. Im Rheinland hatten wir bisher einen(!) Tag Schnee diesen "Winter", auf diesen Quatsch hier hätte jetzt jeder gerne verzichtet.
Aber ist eben Wetter, nehmen wir es also wie es kommt. In meinem Fall heißt das mal wieder durch den Wald zu toben, war eine Weile nicht da.
In der Hoffnung auf spektakuläre Schneebilder war sogar mal mein Smartphone dabei, aber besonders Spektakuläres gab es leider nicht zu fotografieren, nur viel Schneematsch-Gemisch auf allen Wegen.
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Aber es war mal eine gute Gelegenheit eine der vielen Wasserstellen abzulichten, ich find die ja super, brauche auch an heißen Sommertagen bei den Waldläufen nie Wasserflaschen mitnehmen. Sogar im Winter gibt es durchgehend kühle Getränke:
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Meine Strecke war die übliche 22km Schleife durch Aaper und Grafenberger Wald, mit ca. 370HM, viel auf und ab also dabei. Macht eigentlich bei jedem Wetter echt Spaß, ist sehr abwechslungsreich und teilweise richtig fordernd. Ein toller Ausgleich zu den flachen schnellen Rheinstrecken bei denen ich mich nur schwer bremsen kann. Hier muss ich das Tempo rausnehmen, kann auch einfach mal "bummeln" und wirklich gemütlich auf Ausdauer laufen.

Morgens war ich noch kurz in der Stadt und hab mir ein Paar neue Vivobarfoot gekauft (wir haben hier einen Vivobarefootshop!), die dann ein paar Stunden später gleich zum Einsatz kamen.
Und ich bin ganz ehrlich: ich hab die nur wegen der grell-orangen Sohle gekauft! Die haben mich einfach angelacht 🙂 Das wirklich tolle ist allerdings: die sind super!
Es ist der Primus Trail als ÖTILLÖ Swimrun Edition, passt wie Lack, ist sehr angenehm zu laufen und hat heute bei den widrigen Umständen im Wald einen äusserst guten Job gemacht. Aber es waren ja bisher nur ein paar Kilometer, werde beizeiten nochmal berichten wenn er ein paar hundert Kilometer runter hat.
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Aufmerksam in die Dämmerung

Wer in diesen Tagen bei klarer Luft und wolkenfreiem Himmel kurz nach Sonnenuntergang in Richtung Westen schaut, dem bietet sich möglicherweise ein wunderschöner Anblick: die helle Venus und der flüchtige Merkur dicht beieinander. Gegen Monatsmitte, am 18., wird Merkur in der beginnenden Dunkelheit am besten sichtbar sein, sofern das Wetter mitspielt.
Kurz und knackig nachzulesen beim DLF.
Wohl also dem Läufer der seine Runden in die Dämmerung hineinläuft, genau zur besten Zeit den Rheindeich "erklimmt" und mit einer fulminanten Farbenpracht samt Planetensichtung belohnt wird:
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Auf diesem murksigen Smartphonebild (ja, ich hab das Teil heute mal bewusst mitgenommen) ist leider ausser viel bunt nichts weiter zu erkennen, mit bloßem Auge konnte ich allerdings zumindest die Venus klar und schön sehen. Mein Stellarium erklärt mir, dass Merkur dicht dabei stand, aber noch war es einfach zu hell, ich hab ihn nicht entdecken können:
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Die nächsten Tage wird also einfach immer wieder in die Dämmerung hinein gelaufen, diesen schönen Anblick gibts nicht alle Tage und für mich als passionierten Sternenfreund ist das natürlich ein wahres Fest. Im doppelten Sinne. Es gibt ein tolles Himmelsschauspiel und ich kann das Ganze während meiner Lauferei beobachten. Und dazu noch ein guter Grund die Strecken mal wieder nach Laune zu verlängern um den besten Anblick abzupassen.
Es soll ja Menschen geben, die behaupten Laufen wäre langweilig. Ich kenne das nicht. Und aufmerksam laufen macht doppelt Spaß.

Eine halbe Ewigkeit ohne

Die letzten zehn Tage wurden zur halben Ewigkeit, es gab Gründe einfach mal nicht zu laufen, geplant allerdings. Zum einen war es ein großflächiger Tätowiertermin auf der rechten Wade (danach sollte man besser mindestens fünf Tage aussetzen), gefolgt von unserer Hausmesse mit sehr langen und intensiven Arbeitstagen, mit absolut keiner Zeit für "privates Rahmenprogramm".
Und wenn ich endlich zu Hause war, dann nichts wie raus aus diesen verdammten "Business-Schuhen" und Füße hochlegen. Stehen kann anstrengender sein als Laufen. Zudem mit suboptimalem Schuhwerk, da hält sich der Spaß für die Füße in Grenzen. Anschließend noch einen Tag Laufpause, ich war nach Feierabend einfach zu k.o., offline, keine Lust zu nix mehr.
Aber heute! Endlich! Feierabend, raus bei angenehmer Kälte, -5°C, nichts mit Zurückhalten, einfach lospreschen, von Dämmerung in die Dunkelheit, Lampe vergessen, egal, einfach wieder freilaufen. Wie wohltuend! Und schon bin ich wieder ausgeglichen und zufrieden, als wäre nichts gewesen.
Diese zehn Tage ohne Laufen kamen mir diesmal extrem lang vor, hab mir sogar etwas Sorgen um meine Kondition gemacht (unbegründet), aber zum Glück war es eine gut geplante Ausszeit und in nächster Zeit kommt erstmal nichts ähnliches dazwischen.
Noch was Gutes: mich hat in dieser Zeit keine Grippe oder Erkältung erwischt, obwohl gefühlt jede/r Zweite grade davon betroffen ist. Und das trotz Versammlungen, trotz Menschenmassen, trotz unendlich viel Händeschütteln. Irgendwas mache ich wohl richtig 🙂
Ab jetzt werden die Strecken wieder länger, der nächste Marathon kommt bestimmt … ich kann’s kaum erwarten!

Hakuna Matata

Wer verreist, der erlebt was. Manchmal sind Reisen aber so aussergewöhnlich, dass es im Nachhinein schwer fällt zu sortieren was so alles passiert ist. Unendlich viele nachwirkende Eindrücke, tolle neue Bekanntschaften, ein völlig anderes Lebensgefühl und veränderte Wahrnehmung über "Normalität".
Dies ist ein Laufblog, kein Reiseblog, also grenze ich den Umfang mal gehörig ein.
Uns hatte es zwei Wochen nach Sansibar verschlagen, eine relativ spontane Entscheidung im Dezember, ohne zu beachten was alles notwendig ist um auf die Gewürzinsel einzureisen. Reisepass erneuern, diverse Impfungen abgeholt, das notwendige Visum sollte am Flughafen schnell und unbürokratisch zu erhalten sein. Alles auf den letzten Drücker, aber alles hat geklappt.
Der Flug ging über Amsterdam nach Nairobi und weiter nach Sansibar. Erster Stopp nach der völlig abstrusen Einreise- und Visumprozedur war ein gutes Hotel in Stonetown, der Altstadt in der Hauptstadt. Erstmal ankommen, den langen Nachtflug wegstecken, ordentlich essen, ein wenig durch die geschäftigen Gassen schlurfen und auf dem Balkon des schönen Zimmers rumhängen.
Am nächsten Tag ging es weiter auf die andere Seite der Insel, nach Michamvi Kae, einem kleinen Kaff an der Westküste.
Über Freunde hatten wir vorab einen Taxi-Kontakt erhalten, der uns zuverlässig abholte und durch den völlig durchgeknallten Verkehr transportierte. Eine gute Entscheidung, der Linksverkehr, extreme Geschäftigkeit auf und neben den Strassen, sowie viel zu viele Eindrücke hätten mich als Fahrer wahrscheinlich nicht vorankommen lassen.
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Unser Hotel im ruhigen und abgelegen Michamvi Kae stellte sich als unfassbar sympathisch heraus, die neuen Besitzer waren ständig dabei den etwas runtergewirtschafteten Laden umfassend zu reparieren und einen neuen Stil reinzubringen. Acht Appartement-Hütten, alle mit Meerblick, Wohlfühlen vom ersten Moment ohne den üblichen Hotelblödsinn. Wlan gab es nur in der Umgebung der Hotelbar, auch nur sofern Strom vorhanden war. Stromausfälle sind keine Seltenheit auf Sansibar, ausserdem geht nichts besonders schnell, alles ist „pole pole“ (immer mit der Ruhe) und „Hakuna Matata“ (kein Problem), Reparaturen dauern also, Warten ist hier normaler Zeitvertreib. Als Urlauber sollte man sich also am besten ganz schnell anpassen, dann ist auch alles Hakuna Matata 🙂
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Und wie ist denn nun das Laufen bei tropischer Hitze? Tagsüber liegen die Temperaturen immer so bei 34 Grad. Da hilft nur eins, sich ganz einfach den Gepflogenheiten anpassen: pole pole. Langsam laufen.
Mein übliches Tempo und meine gewohnten Distanzen hatte ich bereits am ersten Tag in Stonetown abgehakt. Geplant war eh möglichst viel entspanntes Barfußlaufen und keine Kilometerballerei. Unser knallweisser Strand lag zwischen zwei Mangrovenwäldchen und war etwa 5km lang, ich musste immer ein paar mal hin und her laufen um einige Kilometer vollzubekommen, manchmal sind mir andere (stets grüssende) Läufer begegnet, oder der halbwilde Strandhund hat mich begleitet. Ruhe pur. Barfuß durchs flache tropischwarme Wasser zu laufen hat einen ganz eigenen Reiz.
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Da die Flut allerdings sehr hoch kam (Vollmond = Springflut), war es nach vier Tagen kaum möglich die morgendlichen „milderen Temperaturen“ um 27 Grad am Strand auszunutzen. Also doch wieder ab auf die Straße. Das fand ich zuerst nicht toll, stellte sich aber als Gewinn heraus.
Im Gepäck hatte ich nur die roten Newtons, die auch bitter nötig waren um nicht barfuß auf echt heissem Untergrund laufen zu müssen.
Anfangs noch unsicher wie ein tätowierter laufender Weisser (Muzungu) mit knallroten Schuhen so bei den Menschen ankommt, war ich schnell glücklich auf meinen kleinen Runden. Mir ist es absolut zuwider als vorlauter Tourist aufzutreten, diese Menschen leben nicht hinter dem Mond, sondern versuchen wie jeder andere auch jeden Tag ihren Lebensunterhalt zu verdienen. Nur eben anders als wir es gewohnt sind, damit gilt es klarzukommen. Als Besucher finde ich es daher superspannend mich auf die neuen Situationen einfach einzulassen und respektvoll sowie ohne Vorurteile Begegnungen zuzulassen.
Mit Lächeln und einem freundlichen „Jambo“ (Hallo) wich schnell jede Skepsis auf beiden Seiten. Die Sansibari sind grundsätzlich sehr freundlich und machen es Fremden wirklich sehr einfach mit ihrer ruhigen, stolzen Mentalität. Trotzdem galt zu beachten, dass man sich ausserhalb der Hotelanlagen den lokalen muslimischen Gegebenheiten anpasst, also Schultern und Knie bedecken, das gilt auch für Männer, kein Problem mit Tshirt und längerer Trailhose. Bereits am zweiten "Strassentag" wussten die Frühaufsteher und Schulkinder die zur nahen Schule strömten wer ich bin, ein gutes Gefühl.
Die roten Schuhe sahen übrigens nach einigen Kilometern auch nicht mehr rot aus, sondern grausonstwas, viel Staub und Sand fordern ihren Tribut.
Meine längste Distanz waren schäbige 15km, meine kürzeste sogar nur 6km (zu spät aus dem Bett gekommen). Manchmal bin ich morgens 10km Strasse und abends nochmal 4-5km Strand gelaufen. Zwischendurch natürlich viel schwimmen und noch viel mehr entspannen. Laufen hatte mal keine Priorität, sondern war eine schöne Ergänzung zu einem entspannten Urlaub.
Durch unser etwas unkoventionelles Hotel sind tolle Kontakte zustande gekommen und wir hatten die Möglichkeit Sansibar etwas anders kennenzulernen, könnte sehr gut sein dass es uns wieder auf diese leicht aus der Zeit gefallenen Insel verschlägt. Ich bin neugierig geworden und würde gerne noch viel mehr von der Insel kennenlernen.
Asante sana, Zanzibar. Tutakutana tena.
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