Eine halbe Ewigkeit ohne

Die letzten zehn Tage wurden zur halben Ewigkeit, es gab Gründe einfach mal nicht zu laufen, geplant allerdings. Zum einen war es ein großflächiger Tätowiertermin auf der rechten Wade (danach sollte man besser mindestens fünf Tage aussetzen), gefolgt von unserer Hausmesse mit sehr langen und intensiven Arbeitstagen, mit absolut keiner Zeit für "privates Rahmenprogramm".
Und wenn ich endlich zu Hause war, dann nichts wie raus aus diesen verdammten "Business-Schuhen" und Füße hochlegen. Stehen kann anstrengender sein als Laufen. Zudem mit suboptimalem Schuhwerk, da hält sich der Spaß für die Füße in Grenzen. Anschließend noch einen Tag Laufpause, ich war nach Feierabend einfach zu k.o., offline, keine Lust zu nix mehr.
Aber heute! Endlich! Feierabend, raus bei angenehmer Kälte, -5°C, nichts mit Zurückhalten, einfach lospreschen, von Dämmerung in die Dunkelheit, Lampe vergessen, egal, einfach wieder freilaufen. Wie wohltuend! Und schon bin ich wieder ausgeglichen und zufrieden, als wäre nichts gewesen.
Diese zehn Tage ohne Laufen kamen mir diesmal extrem lang vor, hab mir sogar etwas Sorgen um meine Kondition gemacht (unbegründet), aber zum Glück war es eine gut geplante Ausszeit und in nächster Zeit kommt erstmal nichts ähnliches dazwischen.
Noch was Gutes: mich hat in dieser Zeit keine Grippe oder Erkältung erwischt, obwohl gefühlt jede/r Zweite grade davon betroffen ist. Und das trotz Versammlungen, trotz Menschenmassen, trotz unendlich viel Händeschütteln. Irgendwas mache ich wohl richtig 🙂
Ab jetzt werden die Strecken wieder länger, der nächste Marathon kommt bestimmt … ich kann’s kaum erwarten!

Hakuna Matata

Wer verreist, der erlebt was. Manchmal sind Reisen aber so aussergewöhnlich, dass es im Nachhinein schwer fällt zu sortieren was so alles passiert ist. Unendlich viele nachwirkende Eindrücke, tolle neue Bekanntschaften, ein völlig anderes Lebensgefühl und veränderte Wahrnehmung über "Normalität".
Dies ist ein Laufblog, kein Reiseblog, also grenze ich den Umfang mal gehörig ein.
Uns hatte es zwei Wochen nach Sansibar verschlagen, eine relativ spontane Entscheidung im Dezember, ohne zu beachten was alles notwendig ist um auf die Gewürzinsel einzureisen. Reisepass erneuern, diverse Impfungen abgeholt, das notwendige Visum sollte am Flughafen schnell und unbürokratisch zu erhalten sein. Alles auf den letzten Drücker, aber alles hat geklappt.
Der Flug ging über Amsterdam nach Nairobi und weiter nach Sansibar. Erster Stopp nach der völlig abstrusen Einreise- und Visumprozedur war ein gutes Hotel in Stonetown, der Altstadt in der Hauptstadt. Erstmal ankommen, den langen Nachtflug wegstecken, ordentlich essen, ein wenig durch die geschäftigen Gassen schlurfen und auf dem Balkon des schönen Zimmers rumhängen.
Am nächsten Tag ging es weiter auf die andere Seite der Insel, nach Michamvi Kae, einem kleinen Kaff an der Westküste.
Über Freunde hatten wir vorab einen Taxi-Kontakt erhalten, der uns zuverlässig abholte und durch den völlig durchgeknallten Verkehr transportierte. Eine gute Entscheidung, der Linksverkehr, extreme Geschäftigkeit auf und neben den Strassen, sowie viel zu viele Eindrücke hätten mich als Fahrer wahrscheinlich nicht vorankommen lassen.
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Unser Hotel im ruhigen und abgelegen Michamvi Kae stellte sich als unfassbar sympathisch heraus, die neuen Besitzer waren ständig dabei den etwas runtergewirtschafteten Laden umfassend zu reparieren und einen neuen Stil reinzubringen. Acht Appartement-Hütten, alle mit Meerblick, Wohlfühlen vom ersten Moment ohne den üblichen Hotelblödsinn. Wlan gab es nur in der Umgebung der Hotelbar, auch nur sofern Strom vorhanden war. Stromausfälle sind keine Seltenheit auf Sansibar, ausserdem geht nichts besonders schnell, alles ist „pole pole“ (immer mit der Ruhe) und „Hakuna Matata“ (kein Problem), Reparaturen dauern also, Warten ist hier normaler Zeitvertreib. Als Urlauber sollte man sich also am besten ganz schnell anpassen, dann ist auch alles Hakuna Matata 🙂
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Und wie ist denn nun das Laufen bei tropischer Hitze? Tagsüber liegen die Temperaturen immer so bei 34 Grad. Da hilft nur eins, sich ganz einfach den Gepflogenheiten anpassen: pole pole. Langsam laufen.
Mein übliches Tempo und meine gewohnten Distanzen hatte ich bereits am ersten Tag in Stonetown abgehakt. Geplant war eh möglichst viel entspanntes Barfußlaufen und keine Kilometerballerei. Unser knallweisser Strand lag zwischen zwei Mangrovenwäldchen und war etwa 5km lang, ich musste immer ein paar mal hin und her laufen um einige Kilometer vollzubekommen, manchmal sind mir andere (stets grüssende) Läufer begegnet, oder der halbwilde Strandhund hat mich begleitet. Ruhe pur. Barfuß durchs flache tropischwarme Wasser zu laufen hat einen ganz eigenen Reiz.
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Da die Flut allerdings sehr hoch kam (Vollmond = Springflut), war es nach vier Tagen kaum möglich die morgendlichen „milderen Temperaturen“ um 27 Grad am Strand auszunutzen. Also doch wieder ab auf die Straße. Das fand ich zuerst nicht toll, stellte sich aber als Gewinn heraus.
Im Gepäck hatte ich nur die roten Newtons, die auch bitter nötig waren um nicht barfuß auf echt heissem Untergrund laufen zu müssen.
Anfangs noch unsicher wie ein tätowierter laufender Weisser (Muzungu) mit knallroten Schuhen so bei den Menschen ankommt, war ich schnell glücklich auf meinen kleinen Runden. Mir ist es absolut zuwider als vorlauter Tourist aufzutreten, diese Menschen leben nicht hinter dem Mond, sondern versuchen wie jeder andere auch jeden Tag ihren Lebensunterhalt zu verdienen. Nur eben anders als wir es gewohnt sind, damit gilt es klarzukommen. Als Besucher finde ich es daher superspannend mich auf die neuen Situationen einfach einzulassen und respektvoll sowie ohne Vorurteile Begegnungen zuzulassen.
Mit Lächeln und einem freundlichen „Jambo“ (Hallo) wich schnell jede Skepsis auf beiden Seiten. Die Sansibari sind grundsätzlich sehr freundlich und machen es Fremden wirklich sehr einfach mit ihrer ruhigen, stolzen Mentalität. Trotzdem galt zu beachten, dass man sich ausserhalb der Hotelanlagen den lokalen muslimischen Gegebenheiten anpasst, also Schultern und Knie bedecken, das gilt auch für Männer, kein Problem mit Tshirt und längerer Trailhose. Bereits am zweiten "Strassentag" wussten die Frühaufsteher und Schulkinder die zur nahen Schule strömten wer ich bin, ein gutes Gefühl.
Die roten Schuhe sahen übrigens nach einigen Kilometern auch nicht mehr rot aus, sondern grausonstwas, viel Staub und Sand fordern ihren Tribut.
Meine längste Distanz waren schäbige 15km, meine kürzeste sogar nur 6km (zu spät aus dem Bett gekommen). Manchmal bin ich morgens 10km Strasse und abends nochmal 4-5km Strand gelaufen. Zwischendurch natürlich viel schwimmen und noch viel mehr entspannen. Laufen hatte mal keine Priorität, sondern war eine schöne Ergänzung zu einem entspannten Urlaub.
Durch unser etwas unkoventionelles Hotel sind tolle Kontakte zustande gekommen und wir hatten die Möglichkeit Sansibar etwas anders kennenzulernen, könnte sehr gut sein dass es uns wieder auf diese leicht aus der Zeit gefallenen Insel verschlägt. Ich bin neugierig geworden und würde gerne noch viel mehr von der Insel kennenlernen.
Asante sana, Zanzibar. Tutakutana tena.
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Nicht zögern, sondern laufen

Wer kennt das nicht, irgendwann kommt bei jedem Läufer mal so ein Tag an dem es anscheinend wirklich schwer wird abends noch zumindest die übliche Runde zu drehen. Nerviger Arbeitstag, zu lang dazu, keine echte Pause gemacht, strömender Regen den ganzen Tag, wieder aufkommender Sturm. Dann endlich nach Hause kommen und eine sehr laute Stimme im Kopf sagt: Abendessen und ab aufs Sofa!
Kommt echt selten vor bei mir, aber heute war mal so ein Tag. Ziemlich laute Stimme sogar. Aber irgendwie hatte ich fast ohne es zu bemerken bereits meine kurze Laufhose an (12°C heute bei uns) und sammelte die anderen Klamotten zusammen, kurzer Blick nach draussen: der Regen hörte grade auf, also keine Regenjacke nötig, während die eben noch laute Stimme langsam leiser wird, bin ich fertig zum Laufen angezogen, wähle statt Fivefingers heute seit langer Zeit mal wieder die roten Newton-Raketenschuhe (keine Ahnung wieso), gehe vor die Tür, knipse die GPS-Uhr an und los gehts.
Elender erster Kilometer. Danach rollt es langsam, Gedanken sortieren sich, ich komm in meinen Rhythmus. Und da ist er plötzlich, der Laufspaß, zack, einfach so. Hat nichtmal 2 Kilometer gedauert. Ich bemerke dass ich grinse, der Wind pustet mir um die Ohren, es läuft sich erstaunlich leicht. Dann eben ein paar Kilometer mehr als „geplant“ (es war eh nix geplant), eine Extrarunde über den Messeparkplatz, dann rauf aufs Rheinufer und damit voll rein in den Sturm. Der kommt zu meiner Überraschung schräg von hinten statt von vorne wie die letzten Tage, also Vollgas mit dem Wind. Ein Riesenspaß! Nach den ersten eher moderaten Kilometern, fliege ich den Rest der Strecke einfach so dahin, mache noch einen Schlenker durch die Altstadt (da lauf ich sonst nie) und dann nach Hause. Statt unzufrieden und k.o. auf dem Sofa rumzuhängen also ein rundum gelungener Lauf über immerhin 20km.
Was sagt uns das? Nicht zögern, nicht zaudern, nicht nachdenken, einfach Klamotten an und raus. Ist ja auch wirklich nichts neues, aber je öfter das reibungslos klappt, desto einfacher wirds beim nächsten mal. Falls mal wieder einer dieser Tage droht …
Einfach immer weiter laufen.

Ruhige Zeit

Das Jahr neigt sich dem Ende, die Tage werden bereits gaaaaanz langsam wieder länger und vom Winter keine Spur hier im Rheinland. Bei durchschnittlich 7-10°C kann ich einfach weiterhin mein gewohntes Laufprogramm durchziehen, das verleitet unbemerkt zu einer erhöhten Anzahl schneller Läufe und läßt beizeiten leider die Abwechslung zu kurz kommen. Der für heute geplante entspannte Lauf bei Tageslicht durch den Wald war am Ende dann doch wieder eine viel zu schnelle Rennerei durch Matsch, grauem Gehölz und rutschigem Laub. Immerhin konnte ich mich überwinden an die ursprünglich geplante Distanz noch ein paar Kilometer dranzuhängen um an den fiesen Hügeln etwas ausgebremst zu werden.
Einerseits macht es unheimlich Laune recht schnell zu laufen, andererseits lasse ich die langen Ausdauerläufe grade ziemlich schleifen. Ist aber eigentlich auch nicht wirklich schlimm, das Jahr war pickepackevoll mit langen und längeren Läufen, ich bin rundum zufrieden, hatte richtig viel schöne Erlebnisse und sogar das Metro-Marathon Desaster ist längst verschmerzt.
Seit Anfang Oktober ziehe ich permanent ungefähr 3.100km aus den letzten 12 Monaten hinter mir her, im Moment sogar knapp drüber. Meine durchschnittliche Distanz konnte ich innerhalb eines Jahres um 28%(!) steigern (jetzt bei 19,38km), das sind Zahlen, die waren vor nichtmal zwei Jahren einfach nur unvorstellbar für mich.
Wieso klappt das plötzlich? Ganz einfach: ich laufe aus und mit Spaß, hab die diversen ausgefeilten Laufpläne weggeschmissen, pfeife auf detailliertes Lauf-ABC oder Intervalltraining, bereite mich stattdessen auf die paar offiziellen Läufe möglichst entspannt und locker vor. Im Kalender steht nur ab und zu sowas wie "langer Lauf" oder "sehr langer Lauf". Wenn das dann am Stichtag mal nicht klappt, dann schiebe ich eben auf einen anderen Tag, an dem es klappt. Alles vollkommen ohne Druck, davon hab ich im beruflichen Alltag schon genug. Laufen soll mich befreien und erden, ausgleichen und erfreuen. Wenn ich im Wettkampf eine tolle Zeit laufe, super, wenn nicht, dann ist das eben so.
Und mit dieser Einstellung werde ich einfach weiterlaufen und freue mich auf das was mich nächstes Jahr so erwartet. Ein paar Pläne sind bereits gemacht, auch durchaus herausfordernde, wie ich sie erfülle (oder eben auch nicht), werdet ihr dann erfahren. Und die eine oder andere spontane Entscheidung wird eh noch dazu kommen, ich freue mich darauf.

Habt alle schöne ruhige Tage, besonders auch "zwischen den Jahren", kommt gut ins Jahr 2018 und passt auf euch auf.
Gesundheit bleibt unser wichtigstes Gut.

Winter-Intermezzo

Wenn es in Düsseldorf tatsächlich mal so richtig schneit, dann muss ich unbedingt raus und eine Runde laufen! Heute Mittag schob sich der Himmel zu und nach den ersten zögerlichen Flocken kam dann echtes Winterwetter in Gang. Immer dichterer Schneefall, dazu ordentlich Wind, perfekt.
Also rein in die V-Trail, warme Klamotten an, wasserfeste Jacke drüber, Kapuze festgezurrt und los gings zur kleinen Rheinrunde (18km). Anfangs in meiner üblichen Geschwindigkeit und noch mit Rückenwind ging das überraschend flott, hatte ich nicht mit gerechnet. Die V-Trail machen einen sehr guten Job im Schnee und sogar auf schmierig glatten Stellen.
Nach 9km am Messeparkplatz angekommen dämmerte mir langsam: das wird gleich ganz übel mit dem Gegenwind der sich mittlerweile zum Sturm gemausert hatte. Noch konnte ich im Windschatten an den Hecken laufen, aber zwischendurch hat es schon ordentlich durch die Äste gepfiffen. Dann also rein in die Felder und ab auf den Rheindeich. Und ich war sowas von froh über meine wohl durchdachte Bekleidung. Anfangs fast zu warm, knallte mit der Wind mit eisigem Schnee jetzt frontal um die Ohren, ein Shirt weniger drunter und es wäre echt saukalt geworden. Die nächsten 5km waren meine langsamsten seit Monschau. Normalerweise ist genau dieser Abschnitt meine Rennstrecke, heute unmöglich. Dauerhafter Schneesturm genau von vorne, ohne Gnade. Einfach klasse!!! Ich hab einerseits viel geflucht und mich gleichzeitig riesig über das tolle Winterwetter gefreut. Zu meiner wirklich großen Überraschung waren recht viele Läufer unterwegs, alle mit knallrotem Gesicht (vom kalten Wind) und gleichzeitig seeligem Lächeln. Und jeder hat gegrüßt. Seltenheitswert.
Meine Füße bzw. Zehen wurden erstaunlicherweise erst nach etwa 15km kalt, der Schnee selbst war überhaupt nicht schlimm, aber später kam viel nasser Schneematsch dazu, das wird auf Dauer unangenehm wenn das kalte Wasser in die Schuhen drückt, aber es war ja nicht mehr weit bis zur heißen Dusche. Die letzten paar Kilometer gingen dann wieder fix mit fast Rückenwind und autoleeren Strassen, ich konnte einfach so die Ampeln ignorieren und ohne Stopp bis nach Hause durchrennen.
Es hat noch etwa bis 16 Uhr geschneit und seitdem taut es. Typisch Rheinland.
Wie üblich hatte ich keine Kamera mit, obwohl es sich diesmal echt gelohnt hätte, so ein Wetter gibts hier nicht jeden Winter.
Nach meiner Runde ist dann immerhin noch dieses Bild in der Nachbarschaft entstanden:
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Martinslauf mit Regen und Matsch

Schon wieder November, schon wieder Martinslauf rund um den Unterbachersee. Mein dritter mittlerweile und dieses Jahr der Matschigste. Viel Regen die letzten Tage, rechtzeitig zum Start dann noch mehr Regen, das ganze bei knappen 5°C, da ist Spaß auf den Waldwegen vorprogrammiert.
Statt mich wie die letzten Jahre in den verläßlichen Stau Richtung Parkplatz „Südstrand“ (direkt am Start) einzureihen, bin ich diesmal der klugen Empfehlung des Veranstalters gefolgt und hab stattdessen am „Nordstrand“ geparkt. Das ist zwar etwa 2,3km vom Start entfernt, aber keine große Sache und ganz nett zum langsamen Warmlaufen.
Und diesmal wollte ich es wissen und bin erstmalig mit FiveFingers (V-Trail) in den Wettkampf gezogen. Auch wenn ich am Ende immer noch nicht die 1:30 knacken konnte, es war trotzdem die sehr richtige Entscheidung.
Der Martinslauf bietet ja bekanntlich ein Rahmenprogramm für die ganze Familie, neben dem HM und 10km Lauf natürlich auch die passenden Distanzen für Schüler und Kinder. Ich war erstaunt mit wieviel Spaß alle trotz des miesen Wetters dabei waren, besonders die Bambinis sind voller Freude durch die Pfützen gerannt.
Um 11:50 Uhr gings dann für uns mit dem Halbmarathon los, ich war diesmal weiter vorne im Startfeld und bin gleich abgezischt, schnell freilaufen, da waren die Gedrängel-Erinnerungen des letzten Jahrs noch sehr präsent. Nach nichtmal 2km war ich im Trott und freute mich mit jedem Schritt über die VFF. Pfützen? Egal. Matsch? Egal.
Dank einiger schneller Läufer in meinem Feld konnte ich ziemlich lange mit einer 4:10er Pace (mit)laufen, hatte sogar gehofft das Tempo vielleicht durchziehen zu können, aber nach 16km kommt eine etwa 2km lange Asphaltstrecke (Radweg), da musste ich dann etwas Geschwindigkeit rausnehmen, irgendwie bin ich da aus meinem Trott gekommen. Danach wieder rein in den Wald und ab Richtung Ziel über teilweise ziemlich ausgewaschenem Asphalt, ich bin einfach bei der 4:20er Pace geblieben um dann doch noch einen immerhin kleinen Zielsprint hinzulegen.
Es wurde für mich schließlich eine Netto-Zielzeit von 1:30:54, Platz 51 (5. in AK M50). Wie ihr mich kennt, bin ich damit voll zufrieden, ansonsten hätte ich ja einfach schneller laufen können 😉
Der Regen ist irgendwie unterwegs auf der Strecke geblieben, sogar Sonne war mal kurz zu sehen, änderte nichts daran dass wir alle ausgesehen haben wie Drecksäue.
Im Nachzielbereich wartete der verdiente Weckmann, diesmal überreicht mit der Frage: „und, zufrieden?“, das konnte ich mit „ja, voll!“ bestätigen, dafür gabs ein Smiley auf der Startnummer.
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Ein paar der schnellen Hirsche aus der ersten Hälfte konnte ich wiederfinden und abklatschen (danke Axel fürs Ziehen), der Rückweg zum Parkplatz war dank Trail.Broz Stephan sehr kurzweilig, auf knappen zwei Kilometern kann man schon eine gehörige Menge fachsimpeln.
Nikki Johnstone hat übrigens den ersten Platz mit neuem Streckenrekord von 1:10:07 gesetzt. Wahnsinn!
Für mich war es mal wieder ein echt schöner und erfüllter Tag und der letzte Wettkampf dieses Jahres.

Alleine das ist es wert

Mit dem minimalen Laufen ist das ja so eine Sache. Wer sich bewusst dazu entschliesst Dämpfungsmonster und hohe Sprengung hinter sich zu lassen, "bezahlt" erstmal mit wirklich mühsamer Aufbauarbeit. Muskeln, Knochen und Sehnen passen sich an den neuen Laufstil nicht mal so eben an, das dauert Monate bis Jahre. Im Grunde muss das Laufen neu erlernt werden. Wiederkehrende Muskelkater sind nur das kleinste Übel, wer zu schnell zu viel will und nicht aufpasst, kann sich Ermüdungsbrüche oder langwierige Sehnenentzündungen zuziehen. Geduld ist angesagt. Und Disziplin, konsequentes Dranbleiben. Und natürlich eine feine Beobachtungsgabe für den eigenen Körper.
Bei mir war es anfangs eher unbewusst, erst nach den ersten Beobachtungen am eigenen Laufstil wurde mir klar, dass "klassische" Laufschuhe für meine immer mal auftretenden Knieschmerzen nach längeren Läufen verantwortlich sein könnten. Damals waren längere Läufe noch maximal 12km. Seitdem ist ja bekanntlich viel passiert, im Nachhinein weiß ich: die geduldigen immer längeren Barfußeinheiten waren das Beste was ich mir antun konnte.
Alle Schuhexperimente mögen ihre Berechtigung gehabt haben, zum Glück konnte ich viele der mir persönlich nicht gefallenden "Nieten" wieder verkaufen (der Rest wurde zum guten Zweck weitergegeben), irgendwann dämmerte mir jedoch was ich brauche: 0mm Sprengung, keinerlei Stütze, geringe bis gar keine Dämpfung. So gestaltet sich dann auch mein jetziger Schuhschrank.
Aber darauf wollte ich überhaupt nicht hinaus.
Wir Läufer reden so viel von Sprengung und Dämpfung, völlig unter dem Radar bleibt dabei das Thema gestützte Fußgelenke.
Jeder läuft anders, niemals würde ich empfehlen meine Lauf-Marotten zu übernehmen. Dazu fehlt mir jegliche Kompetenz, meine bisherigen Erfahrungen stammen aus meiner Art zu laufen, mit allen Höhen und Tiefen, das ist einfach nicht auf andere Läufer zu übertragen. Und schon überhaupt nicht möchte ich vermeintliches Wissen klugscheissen um irgendwann zu bemerken dass ich Blödsinn erzählt hab.
Lauft einfach so wie ihr euch wohl fühlt; wer schmerzfrei bleibt, macht ja generell nichts verkehrt. Ganz einfach.
Ab und zu kleinere Anmerkungen aus eigener Erfahrung kann ich mir trotzdem nicht verkneifen, das hier ist schließlich mein kleines Laufnotizbuch …
Vor einigen Wochen bin ich mal aus Spaß und Neugier in diverse angesagte "normale" Laufschuhe geschlüpft und konnte überhaupt nicht glauben dass ich mit sowas mal regelmäßig laufen war. Von der starren Sohle und dem Hightech-Gedöns mal abgesehen, mein Sprunggelenk und meine Zehen haben sich regelrecht eingeschnürt gefühlt, völliges Unwohlsein. Einerseits stärken wir beim Laufen unsere Muskeln und Sehnen an den Beinen, andererseits verkümmert das Sprunggelenk (und die Füße) in gestützten, "schützenden" Polstern. Fühlt sich für mich nicht richtig an.
Zur Zeit bin ich bekanntlich (schwer begeistert) sehr viel in Fivefingers unterwegs, manchmal auch in den roten Newton-Raketen, aber alles andere versauert ungenutzt im Schuhschrank.
Gestern ging es mit V-Trails eine spaßige 25km-Runde durch den Wald, ungestüm durch Laub und Unterholz, schnelles bergab laufen und zügiges bergauf, über Wurzeln und Äste. Die Zehenschuhe passen sich einfach klasse an den Untergrund an, schon im Sekundenbruchteilmoment des Auftretens passiert ein instinktives Ausgleichen, genau so wie beim Barfußlaufen. Bei jedem Schritt. Eigentlich schon erstaunlich genug.
Und was passierte trotzdem? Eine versteckte Wurzel unterm Laub, ungeschicktes Auftreten mit Wegrutschen und ich knicke richtig übel mit dem linken Fuß nach innen um. Kurze Schrecksekunde, abtasten, nichts passiert. Gar nichts. Ungläubiges Staunen, sachtes weiterlaufen, Tempo anziehen, alles top, nach zwei Minuten war alles vergessen. Vor einigen Jahren gab es mal einen ähnlichen Umknicker, nicht mal so heftig, aber danach war vier Wochen Schluss mit Laufen, leichte Schmerzen waren sogar monatelang vorhanden, ein Jahr keine Volksläufe, sondern nur langsames wieder rantasten.
Vielleicht hatte ich diesmal auch einfach bloß Glück, glaube aber dass meine Sprunggelenke in den letzten Jahren wirklich erheblich stärker geworden sind.
Und ganz ehrlich, neben allen anderen positiven Effekten (und es gibt reichlich), alleine dass mir gestern nichts passiert ist, das war mir der langwierige Umstellungsprozess schon wert.
Also immer weiter laufen. Verletzungsfrei, schmerzfrei und gesund. Das wünsche ich euch ebenfalls.

Herbst zwischen grau und grün

So langsam etabliert sich die Einwegstrecke nach Haan als vorzügliche Ausdauerübung. Nachdem ich noch den einen oder anderen Schlenker eingebaut hab, sind es mittlerweile 25km und dabei stetig nach oben. Gesammelt komme ich bei der Distanz auf fast 400 Höhenmeter, mit teilweise krassen Steigungen, aber alle  wirklich fiesen Sachen kommen erst ab ca. 11 Kilometer.
Wenn dann noch das Wetter stimmt, so wie heute (10°C, windig, grau), dann kommt richtig Spaß auf, ein vernünftiges Tempo zu finden und dabei die Umgebung zu geniessen. Das ganze mit den VFF V-Trail an den Füssen, die übrigens auch auf Asphalt klasse funktionieren, und für mich war es mal wieder ein wirklich schöner Lauf ohne mich kaputt zu schwitzen. Herbst kann schon was.

Ein Teil der Strecke geht über die Neandersteig-Entdeckerschleife:
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… mit wirklich schönen Pfaden und dabei fiel mir auf wie grün noch alles ist:
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… und ich bin echt froh, mich nicht an solchen Karten orientieren zu müssen:
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Nach 1:55h war ich am Ziel, anfangs mit einer flotten Pace von 4:15 unterwegs, ab Erkrath mit Beginn der Steigungen dann aber bewusst langsamer, wobei ich mich schon sehr bemühte nicht zu sehr zu schlurfen, ich mag es einfach eine gewisse Grundgeschwindigkeit zu halten bzw. im Rhythmus zu bleiben. Hat alles geklappt.
Kuchen gabs dann auch im Ziel. Das nenne ich einen runden Nachmittag.

Die Sache mit den FiveFingers

Es gibt Themen, die lassen mich nicht los. Dazu gehören auch die guten Zehenschuhe. Als es bei mir vor einigen Jahren mit der Umstellung zu minimalem Laufen losging, kamen natürlich sofort ein Paar davon in den Schuhschrank. Ich fand die immer irgendwie toll, aber trotzdem nicht so richtig überzeugend. Der Grund war auch schnell gefunden: einerseits mein langer "Zeigezeh", der passte nie besonders gut in den Schuh und andererseits fand ich das Material viel zu steif (VFF KMD Sport LS). Das war für mich einfach kein Vergleich zum Barfußlaufen.
Während dieser Umstellungszeit gab es ausserdem noch viel mehr zu entdecken, die FiveFingers rückten in den Hintergrund und so bin ich zb. bei Merrell und Inov-8 gelandet und hab mit Altra und anderen Marken rumexperimentiert. Nebenbei wurden die echten Barfußstrecken immer länger, es war scheinbar einfach nicht an der Zeit mich mit Zehenschuhen zu beschäftigen. Aber wie gesagt, das Thema ließ mich nicht so richtig los, zu lesen gibts in anderen Blogs ja immer wieder dazu.
Christian hatte dann im August einen schönen Ausrüstungstest über die neuen VFF V-Trail geschrieben, mit einem für mich entscheidenden Satz: "Das Laufgefühl ist definitiv besser …, da die Sohle weniger starr und steif ist". Schon war ich wieder Feuer und Flamme und musste die Teile auch unbedingt testen.
Gesagt, getan, gekauft, angezogen, vor Freude ausgerastet!
Nicht nur dass mein Zeigezeh ausreichend Platz hat, sondern die Sohle ist ein echter Schmeichler. Sehr direkt, beweglich und trotzdem mit klasse Grip auf den wilden Waldwegen. Mein erster Lauf ging mit schnellem Tempo 18km durch den Aaper Wald, über alles was man so an Untergrund haben kann (ok, Lavagestein gibts hier nicht), ich bin aus dem Grinsen überhaupt nicht mehr rausgekommen. Die folgenden Tage ging es dann immer abwechselnd entweder auf die Strasse mit den Raketenschuhen Newton MV3, oder in den Wald mit den V-Trail. Die perfekte Ergänzung. Mittlerweile dürften die FiveFingers schon ca. 200km runter haben (ich notiere das nicht so genau) und meine Begeisterung ist ungebrochen. Die heutige Runde im Regen und durch Matsch, einfach klasse. Wo ich sonst schonmal wegschlittere, heften sich die V-Trail einfach fest. Der Grip und die Flexibilität sind echt erstaunlich.
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Zwischendurch wurde ich durch Deichläufer Volker dann auch noch angefixt die Strassenvariante "V-Run" zu testen. Die hab ich nun seit mitte letzter Woche, gleiche Begeisterung und die erste Testrunde ging einfach mal über 26km am Rhein entlang. Und dabei hab ich auch gleich gelernt: das sind Strassenschuhe! Ein 5km-Abstecher über die Pfade der Rheinwiesen waren zwar "machbar", aber nicht so der Hit, da fehlt einfach Grip, die Pfützen und Schafköttel haben es nicht besser gemacht.
Auf Asphalt allerdings gibts für die V-Run kein Halten, ich behaupte mal die nehmen sich nicht viel mit den MV3. Wenn man nach 20km noch mal aufdrehen kann und diverse Radfahrer und Inliner hinter sich läßt, dann muss ja irgendwas richtig sein.
Vielleicht hat das auch was mit meinem mittlerweile strikten und sicheren Vor-/Mittelfußlauf zu tun, aber ich fühle mich tatsächlich richtig wohl in den neuen Fivefingers.
Übrigens: Inov-8 laufe ich in Größe 45, Newton und Merrell in 44,5 und die FiveFingers in 43 (meine Strassenschuhgröße).

Eigentlich …

Eigentlich wollte ich ja dieses Jahr (jetzt am 08.10.) endlich mal den schönen Marathon rund um den Baldeneysee in Essen laufen. Bin auch hervorragend darauf vorbereitet, viele lange Läufe, tolle Tempoeinheiten, motiviert bis unter die Haarspitzen, hätte diesmal wirklich eine tolle Zeit werden können.
Wenn nicht ein leider spontan gezogener Zahn und obendrauf noch eine kleine Erkältung (meine erste nach drei Jahren) in der Taperingwoche dazwischen gekommen wären. Jetzt könnte ich fluchen und schimpfen, aber es hilft ja nix. Ein Marathon ist für mich kein Spaziergang, sowas laufe ich nur bei guter Gesundheit, da gibts keine Ausreden. Und wenn ich heute (zwei Tage vorher) nichtmal bereit bin das Sofa für einen ruhigen 10er zu verlassen … das spricht Bände.
Also bin ich mal wieder äusserst vernünftig und lasse das Ganze einfach sein, Sofa statt Laufschuhe, Ingwertee statt Iso. Lieber schnell auskurieren als unüberlegt ein Risiko einzugehen.
Auf der Habenseite stehen äusserst umfangreiche und spassige letzte Wochen und Monate, man könnte fast schon von gezielten Marathontraining sprechen (und das bei mir!), teilweise mehr als 120km/Woche, da wird mich eine Ruhewoche nicht gleich völlig rausbringen. Veranstaltungen gibts genug, die kommen immer wieder, vielleicht laufe ich demnächst einfach mal einen Marathon für mich selbst. Geht ja auch. Aber erstmal ausruhen und Tee trinken.