Entdeckertour

Am Karfreitag stand mal wieder eine seit langem überfällige Entdeckertour Richtung Neandertal an, die Strecke bin ich letztes mal irgendwann im Herbst gelaufen. Auch wenn es nur ca. 25km sind, die permanente Steigung zeigt einem schnell wo der Hammer hängt, also immer schön ruhig und langsam starten.
Mittags habe ich mich nach anfänglichem Stadtlauf bis Gerresheim relativ zügig in Richtung Neandersteig Teilstück aufgemacht, um schnell von der Strasse zu kommen. Eine tolle Laufstrecke mit streckenweise fiesen Herausforderungen, wunderbar beim Pulsmesser nachzulesen.
Image/photo Image/photo
Mir sind ziemlich wenig Läufer begegnet, dafür umso mehr Mountainbiker die in Rudeln die Strecke unsicher machten. Aber durchaus rücksichtsvoll, Beschwerden waren nicht nötig. Ich war diesmal in VFF Run unterwegs, hatte einfach Lust so minimal wie möglich zu laufen. Die VFF Trail hatte ich zuhause schon angezogen , aber mich dann aber umentschieden. War gut so, die Wald- und Feldwege sind nicht zu schroff, meine Füße hatten Spaß.
Diesmal wollte ich endlich im Neandertal Wildgehege die Wisente zu sehen. Ich bin da schon so oft vorbei gelaufen, die Viecher hatte sich immer versteckt. Und immer nur die klugen Schilder ansehen macht nur noch neugieriger.
Diesmal hat es geklappt, von weitem konnte ich eine Ansammlung von Spaziergängern ausmachen, dahinter einen braunen Fellberg, also fix abgebogen und Urviecher anschauen 🙂
Image/photo
Zwei Wisente haben sich den Fotografen gestellt, von den Wildpferden und Auerochsen leider keine Spur, die sind dann eben irgendwann anders mal dran. Ich mag Rinder, hab einen Draht zu den Tieren; das war dann aber wohl ein komisches Bild für die anderen Besucher: ein Wisent das sich neugierig von einen verschwitzten, tätowierten Fivefinger-Läufer kraulen lässt. Was solls, ich war glücklich und hab mich bald wieder auf den Weg gemacht um nicht auzukühlen.
Auf der weiteren Strecke hab ich noch ein paar Schlenker eingebaut, Zeit lassen war angesagt, auf keinen Fall unter zwei Stunden laufen. Ein Abstecher zur Hochdahler-Neanderkirche kam dazu (fand die aber nicht so spektakulär) und dann wieder ab auf den Neandersteig, die Entdeckerschleife in Richtung Gruiten bis zum Ziel durchziehen.
Image/photo
Am Ende waren es 25,5km, mit 380HM in 2:05 Stunden, Plan aufgegangen, Kaffee und Kuchen standen bereit und ein schöner Nachmittag nahm seinen Lauf.
Im Laufe des Tages wurde mir einmal mehr klar, wie gut es mir geht. Welch ein Luxus, gesund und zufrieden solche Strecken in schöner Landschaft laufen zu können. Das ist wirklich alles andere als selbstverständlich.

Einfach nur laufen

Feierabend. Schnell nach Hause, rein in die leichten Laufklamotten, Fivefingers an und dann will ich einfach nur laufen. Die letzten zwei Tage waren verregnet und kalt (anderswo hat es sogar geschneit!), trotzdem hab ich meine Runden gedreht. Einfach raus und abschalten, so geht das.
Und heute dann wieder schlagartig Frühlingswetter, also raus und geniessen. Das ist irgendwie immer wieder wie eine Belohnung.
Schnell rennen, langsam traben, den Kopf frei bekommen, die Strecke kommt irgendwie automatisch zustande, ich denke da nicht mehr drüber nach. Alles reduziert sich auf Atmung und Laufrhythmus. Einfach nur laufen.
Hab ich eigentlich schon mal erwähnt wie sehr ich das mag? 🙂
Image/photo

Image/photo

Endlich Frühling?

Die Sonne lacht, das Thermometer zeigt 12°C, Motivation leicht gemacht einen kleinen längeren Lauf zu starten. Und das obwohl ich gestern Abend bereits schnelle 20km absolviert hatte, die noch etwas in den Waden festhingen. Aber solche Kleinigkeiten kann man ja wieder lockerlaufen.
Statt Wald hatte ich bock auf die 25km Rheinrunde über Meerbusch und hab mal meine neue (gebrauchte) Gopro zum Testen mitgenommen.
Die Strecke bin ich ja schon zig mal abgelaufen, die letzten male allerdings recht zügig, weil dunkel und kalt. Diesmal wollte ich wirklich langsamer laufen und das Frühlingswetter geniessen, hat zumindest zeitweise geklappt.
Nach 12km war die Messeautobahn-Brücke erreicht und bin fix drüber, die Autos nerven etwas.
Image/photo
Trotz des schönen Wetters waren anfangs erstaunlich wenig Leute unterwegs, gut für mich und meinen Ruhebedarf. Richtung Meerbusch gehts ins Grüne, einfach quer über die Feldwege, da hab ich keinen festen Weg, sondern laufe immer nach Lust und Laune irgendwelche Schleifen, um dann irgendwann wieder in Richtung Rhein zu kommen.
Image/photo

Image/photo
Aus den Felder von Meerbusch also zurück zum Rhein, damit sind die ersten 18km bereits erledigt.
Langsam wurde ich allerdings echt durstig, Wasser hatte ich nicht mit, aber vorsichtshalber ein paar Salzcaps. Ein freundlicher Radfahrer war so nett mir etwas Apfelschorle zum Runterspülen zu überlassen, aus dem Rhein trinken wollte ich nun echt nicht. Merke: über 12°C bei längeren Läufen wieder ein paar Schluck Wasser mitnehmen.
Image/photo
Richtung Stadt beim Löricker Bad wurde es dann erwartungsgemäß wieder voller, viele Radfahrer, Läufer und Inliner, alle entspannt und mit guter Laune, schön zu sehen. Ich hab mich trotzdem beeilt auf die Theodor-Heuss-Brücke zu kommen und damit wieder in Richtung "meiner Rheinseite" zu laufen. Und großes Erstaunen, die sonst bei schönem Wetter immer pickepacke vollen Rheinwiesen waren recht leer.
Image/photo
Sehr ungewöhnlich aber kann mir ja egal sein.
Die letzten paar Kilometer bin ich dann gemütlich barfuss getrabt und war nach 25,5km und 2:02 Stunden wieder zu Hause. Mit einem Riesenhunger und Durst wie ein Kamel nach drei Wochen Wüstendurchquerung! Zum Glück hat eine gute Ladung Eifeler Streusselfladen auf mich gewartet, genau richtig 🙂
War mal wieder ein schöner Lauf durch die Düsseldorfer Pampa.

Dann eben noch ein paar Wintertage

Märzwinter heißt das was uns grade heimsucht. Vor wenigen Tagen noch Temperaturen um 12°C und seit heute wieder im Minusbereich mit strengem Wind dazu. Und sogar etwas Schnee. Im Rheinland hatten wir bisher einen(!) Tag Schnee diesen "Winter", auf diesen Quatsch hier hätte jetzt jeder gerne verzichtet.
Aber ist eben Wetter, nehmen wir es also wie es kommt. In meinem Fall heißt das mal wieder durch den Wald zu toben, war eine Weile nicht da.
In der Hoffnung auf spektakuläre Schneebilder war sogar mal mein Smartphone dabei, aber besonders Spektakuläres gab es leider nicht zu fotografieren, nur viel Schneematsch-Gemisch auf allen Wegen.
Image/photo
Aber es war mal eine gute Gelegenheit eine der vielen Wasserstellen abzulichten, ich find die ja super, brauche auch an heißen Sommertagen bei den Waldläufen nie Wasserflaschen mitnehmen. Sogar im Winter gibt es durchgehend kühle Getränke:
Image/photo

Meine Strecke war die übliche 22km Schleife durch Aaper und Grafenberger Wald, mit ca. 370HM, viel auf und ab also dabei. Macht eigentlich bei jedem Wetter echt Spaß, ist sehr abwechslungsreich und teilweise richtig fordernd. Ein toller Ausgleich zu den flachen schnellen Rheinstrecken bei denen ich mich nur schwer bremsen kann. Hier muss ich das Tempo rausnehmen, kann auch einfach mal "bummeln" und wirklich gemütlich auf Ausdauer laufen.

Morgens war ich noch kurz in der Stadt und hab mir ein Paar neue Vivobarfoot gekauft (wir haben hier einen Vivobarefootshop!), die dann ein paar Stunden später gleich zum Einsatz kamen.
Und ich bin ganz ehrlich: ich hab die nur wegen der grell-orangen Sohle gekauft! Die haben mich einfach angelacht 🙂 Das wirklich tolle ist allerdings: die sind super!
Es ist der Primus Trail als ÖTILLÖ Swimrun Edition, passt wie Lack, ist sehr angenehm zu laufen und hat heute bei den widrigen Umständen im Wald einen äusserst guten Job gemacht. Aber es waren ja bisher nur ein paar Kilometer, werde beizeiten nochmal berichten wenn er ein paar hundert Kilometer runter hat.
Image/photo

Aufmerksam in die Dämmerung

Wer in diesen Tagen bei klarer Luft und wolkenfreiem Himmel kurz nach Sonnenuntergang in Richtung Westen schaut, dem bietet sich möglicherweise ein wunderschöner Anblick: die helle Venus und der flüchtige Merkur dicht beieinander. Gegen Monatsmitte, am 18., wird Merkur in der beginnenden Dunkelheit am besten sichtbar sein, sofern das Wetter mitspielt.
Kurz und knackig nachzulesen beim DLF.
Wohl also dem Läufer der seine Runden in die Dämmerung hineinläuft, genau zur besten Zeit den Rheindeich "erklimmt" und mit einer fulminanten Farbenpracht samt Planetensichtung belohnt wird:
Image/photo
Auf diesem murksigen Smartphonebild (ja, ich hab das Teil heute mal bewusst mitgenommen) ist leider ausser viel bunt nichts weiter zu erkennen, mit bloßem Auge konnte ich allerdings zumindest die Venus klar und schön sehen. Mein Stellarium erklärt mir, dass Merkur dicht dabei stand, aber noch war es einfach zu hell, ich hab ihn nicht entdecken können:
Image/photo
Die nächsten Tage wird also einfach immer wieder in die Dämmerung hinein gelaufen, diesen schönen Anblick gibts nicht alle Tage und für mich als passionierten Sternenfreund ist das natürlich ein wahres Fest. Im doppelten Sinne. Es gibt ein tolles Himmelsschauspiel und ich kann das Ganze während meiner Lauferei beobachten. Und dazu noch ein guter Grund die Strecken mal wieder nach Laune zu verlängern um den besten Anblick abzupassen.
Es soll ja Menschen geben, die behaupten Laufen wäre langweilig. Ich kenne das nicht. Und aufmerksam laufen macht doppelt Spaß.

Eine halbe Ewigkeit ohne

Die letzten zehn Tage wurden zur halben Ewigkeit, es gab Gründe einfach mal nicht zu laufen, geplant allerdings. Zum einen war es ein großflächiger Tätowiertermin auf der rechten Wade (danach sollte man besser mindestens fünf Tage aussetzen), gefolgt von unserer Hausmesse mit sehr langen und intensiven Arbeitstagen, mit absolut keiner Zeit für "privates Rahmenprogramm".
Und wenn ich endlich zu Hause war, dann nichts wie raus aus diesen verdammten "Business-Schuhen" und Füße hochlegen. Stehen kann anstrengender sein als Laufen. Zudem mit suboptimalem Schuhwerk, da hält sich der Spaß für die Füße in Grenzen. Anschließend noch einen Tag Laufpause, ich war nach Feierabend einfach zu k.o., offline, keine Lust zu nix mehr.
Aber heute! Endlich! Feierabend, raus bei angenehmer Kälte, -5°C, nichts mit Zurückhalten, einfach lospreschen, von Dämmerung in die Dunkelheit, Lampe vergessen, egal, einfach wieder freilaufen. Wie wohltuend! Und schon bin ich wieder ausgeglichen und zufrieden, als wäre nichts gewesen.
Diese zehn Tage ohne Laufen kamen mir diesmal extrem lang vor, hab mir sogar etwas Sorgen um meine Kondition gemacht (unbegründet), aber zum Glück war es eine gut geplante Ausszeit und in nächster Zeit kommt erstmal nichts ähnliches dazwischen.
Noch was Gutes: mich hat in dieser Zeit keine Grippe oder Erkältung erwischt, obwohl gefühlt jede/r Zweite grade davon betroffen ist. Und das trotz Versammlungen, trotz Menschenmassen, trotz unendlich viel Händeschütteln. Irgendwas mache ich wohl richtig 🙂
Ab jetzt werden die Strecken wieder länger, der nächste Marathon kommt bestimmt … ich kann’s kaum erwarten!

Hakuna Matata

Wer verreist, der erlebt was. Manchmal sind Reisen aber so aussergewöhnlich, dass es im Nachhinein schwer fällt zu sortieren was so alles passiert ist. Unendlich viele nachwirkende Eindrücke, tolle neue Bekanntschaften, ein völlig anderes Lebensgefühl und veränderte Wahrnehmung über "Normalität".
Dies ist ein Laufblog, kein Reiseblog, also grenze ich den Umfang mal gehörig ein.
Uns hatte es zwei Wochen nach Sansibar verschlagen, eine relativ spontane Entscheidung im Dezember, ohne zu beachten was alles notwendig ist um auf die Gewürzinsel einzureisen. Reisepass erneuern, diverse Impfungen abgeholt, das notwendige Visum sollte am Flughafen schnell und unbürokratisch zu erhalten sein. Alles auf den letzten Drücker, aber alles hat geklappt.
Der Flug ging über Amsterdam nach Nairobi und weiter nach Sansibar. Erster Stopp nach der völlig abstrusen Einreise- und Visumprozedur war ein gutes Hotel in Stonetown, der Altstadt in der Hauptstadt. Erstmal ankommen, den langen Nachtflug wegstecken, ordentlich essen, ein wenig durch die geschäftigen Gassen schlurfen und auf dem Balkon des schönen Zimmers rumhängen.
Am nächsten Tag ging es weiter auf die andere Seite der Insel, nach Michamvi Kae, einem kleinen Kaff an der Westküste.
Über Freunde hatten wir vorab einen Taxi-Kontakt erhalten, der uns zuverlässig abholte und durch den völlig durchgeknallten Verkehr transportierte. Eine gute Entscheidung, der Linksverkehr, extreme Geschäftigkeit auf und neben den Strassen, sowie viel zu viele Eindrücke hätten mich als Fahrer wahrscheinlich nicht vorankommen lassen.
Image/photo
Unser Hotel im ruhigen und abgelegen Michamvi Kae stellte sich als unfassbar sympathisch heraus, die neuen Besitzer waren ständig dabei den etwas runtergewirtschafteten Laden umfassend zu reparieren und einen neuen Stil reinzubringen. Acht Appartement-Hütten, alle mit Meerblick, Wohlfühlen vom ersten Moment ohne den üblichen Hotelblödsinn. Wlan gab es nur in der Umgebung der Hotelbar, auch nur sofern Strom vorhanden war. Stromausfälle sind keine Seltenheit auf Sansibar, ausserdem geht nichts besonders schnell, alles ist „pole pole“ (immer mit der Ruhe) und „Hakuna Matata“ (kein Problem), Reparaturen dauern also, Warten ist hier normaler Zeitvertreib. Als Urlauber sollte man sich also am besten ganz schnell anpassen, dann ist auch alles Hakuna Matata 🙂
Image/photo
Und wie ist denn nun das Laufen bei tropischer Hitze? Tagsüber liegen die Temperaturen immer so bei 34 Grad. Da hilft nur eins, sich ganz einfach den Gepflogenheiten anpassen: pole pole. Langsam laufen.
Mein übliches Tempo und meine gewohnten Distanzen hatte ich bereits am ersten Tag in Stonetown abgehakt. Geplant war eh möglichst viel entspanntes Barfußlaufen und keine Kilometerballerei. Unser knallweisser Strand lag zwischen zwei Mangrovenwäldchen und war etwa 5km lang, ich musste immer ein paar mal hin und her laufen um einige Kilometer vollzubekommen, manchmal sind mir andere (stets grüssende) Läufer begegnet, oder der halbwilde Strandhund hat mich begleitet. Ruhe pur. Barfuß durchs flache tropischwarme Wasser zu laufen hat einen ganz eigenen Reiz.
Image/photo
Da die Flut allerdings sehr hoch kam (Vollmond = Springflut), war es nach vier Tagen kaum möglich die morgendlichen „milderen Temperaturen“ um 27 Grad am Strand auszunutzen. Also doch wieder ab auf die Straße. Das fand ich zuerst nicht toll, stellte sich aber als Gewinn heraus.
Im Gepäck hatte ich nur die roten Newtons, die auch bitter nötig waren um nicht barfuß auf echt heissem Untergrund laufen zu müssen.
Anfangs noch unsicher wie ein tätowierter laufender Weisser (Muzungu) mit knallroten Schuhen so bei den Menschen ankommt, war ich schnell glücklich auf meinen kleinen Runden. Mir ist es absolut zuwider als vorlauter Tourist aufzutreten, diese Menschen leben nicht hinter dem Mond, sondern versuchen wie jeder andere auch jeden Tag ihren Lebensunterhalt zu verdienen. Nur eben anders als wir es gewohnt sind, damit gilt es klarzukommen. Als Besucher finde ich es daher superspannend mich auf die neuen Situationen einfach einzulassen und respektvoll sowie ohne Vorurteile Begegnungen zuzulassen.
Mit Lächeln und einem freundlichen „Jambo“ (Hallo) wich schnell jede Skepsis auf beiden Seiten. Die Sansibari sind grundsätzlich sehr freundlich und machen es Fremden wirklich sehr einfach mit ihrer ruhigen, stolzen Mentalität. Trotzdem galt zu beachten, dass man sich ausserhalb der Hotelanlagen den lokalen muslimischen Gegebenheiten anpasst, also Schultern und Knie bedecken, das gilt auch für Männer, kein Problem mit Tshirt und längerer Trailhose. Bereits am zweiten "Strassentag" wussten die Frühaufsteher und Schulkinder die zur nahen Schule strömten wer ich bin, ein gutes Gefühl.
Die roten Schuhe sahen übrigens nach einigen Kilometern auch nicht mehr rot aus, sondern grausonstwas, viel Staub und Sand fordern ihren Tribut.
Meine längste Distanz waren schäbige 15km, meine kürzeste sogar nur 6km (zu spät aus dem Bett gekommen). Manchmal bin ich morgens 10km Strasse und abends nochmal 4-5km Strand gelaufen. Zwischendurch natürlich viel schwimmen und noch viel mehr entspannen. Laufen hatte mal keine Priorität, sondern war eine schöne Ergänzung zu einem entspannten Urlaub.
Durch unser etwas unkoventionelles Hotel sind tolle Kontakte zustande gekommen und wir hatten die Möglichkeit Sansibar etwas anders kennenzulernen, könnte sehr gut sein dass es uns wieder auf diese leicht aus der Zeit gefallenen Insel verschlägt. Ich bin neugierig geworden und würde gerne noch viel mehr von der Insel kennenlernen.
Asante sana, Zanzibar. Tutakutana tena.
Image/photo

Image/photo

Nicht zögern, sondern laufen

Wer kennt das nicht, irgendwann kommt bei jedem Läufer mal so ein Tag an dem es anscheinend wirklich schwer wird abends noch zumindest die übliche Runde zu drehen. Nerviger Arbeitstag, zu lang dazu, keine echte Pause gemacht, strömender Regen den ganzen Tag, wieder aufkommender Sturm. Dann endlich nach Hause kommen und eine sehr laute Stimme im Kopf sagt: Abendessen und ab aufs Sofa!
Kommt echt selten vor bei mir, aber heute war mal so ein Tag. Ziemlich laute Stimme sogar. Aber irgendwie hatte ich fast ohne es zu bemerken bereits meine kurze Laufhose an (12°C heute bei uns) und sammelte die anderen Klamotten zusammen, kurzer Blick nach draussen: der Regen hörte grade auf, also keine Regenjacke nötig, während die eben noch laute Stimme langsam leiser wird, bin ich fertig zum Laufen angezogen, wähle statt Fivefingers heute seit langer Zeit mal wieder die roten Newton-Raketenschuhe (keine Ahnung wieso), gehe vor die Tür, knipse die GPS-Uhr an und los gehts.
Elender erster Kilometer. Danach rollt es langsam, Gedanken sortieren sich, ich komm in meinen Rhythmus. Und da ist er plötzlich, der Laufspaß, zack, einfach so. Hat nichtmal 2 Kilometer gedauert. Ich bemerke dass ich grinse, der Wind pustet mir um die Ohren, es läuft sich erstaunlich leicht. Dann eben ein paar Kilometer mehr als „geplant“ (es war eh nix geplant), eine Extrarunde über den Messeparkplatz, dann rauf aufs Rheinufer und damit voll rein in den Sturm. Der kommt zu meiner Überraschung schräg von hinten statt von vorne wie die letzten Tage, also Vollgas mit dem Wind. Ein Riesenspaß! Nach den ersten eher moderaten Kilometern, fliege ich den Rest der Strecke einfach so dahin, mache noch einen Schlenker durch die Altstadt (da lauf ich sonst nie) und dann nach Hause. Statt unzufrieden und k.o. auf dem Sofa rumzuhängen also ein rundum gelungener Lauf über immerhin 20km.
Was sagt uns das? Nicht zögern, nicht zaudern, nicht nachdenken, einfach Klamotten an und raus. Ist ja auch wirklich nichts neues, aber je öfter das reibungslos klappt, desto einfacher wirds beim nächsten mal. Falls mal wieder einer dieser Tage droht …
Einfach immer weiter laufen.

Ruhige Zeit

Das Jahr neigt sich dem Ende, die Tage werden bereits gaaaaanz langsam wieder länger und vom Winter keine Spur hier im Rheinland. Bei durchschnittlich 7-10°C kann ich einfach weiterhin mein gewohntes Laufprogramm durchziehen, das verleitet unbemerkt zu einer erhöhten Anzahl schneller Läufe und läßt beizeiten leider die Abwechslung zu kurz kommen. Der für heute geplante entspannte Lauf bei Tageslicht durch den Wald war am Ende dann doch wieder eine viel zu schnelle Rennerei durch Matsch, grauem Gehölz und rutschigem Laub. Immerhin konnte ich mich überwinden an die ursprünglich geplante Distanz noch ein paar Kilometer dranzuhängen um an den fiesen Hügeln etwas ausgebremst zu werden.
Einerseits macht es unheimlich Laune recht schnell zu laufen, andererseits lasse ich die langen Ausdauerläufe grade ziemlich schleifen. Ist aber eigentlich auch nicht wirklich schlimm, das Jahr war pickepackevoll mit langen und längeren Läufen, ich bin rundum zufrieden, hatte richtig viel schöne Erlebnisse und sogar das Metro-Marathon Desaster ist längst verschmerzt.
Seit Anfang Oktober ziehe ich permanent ungefähr 3.100km aus den letzten 12 Monaten hinter mir her, im Moment sogar knapp drüber. Meine durchschnittliche Distanz konnte ich innerhalb eines Jahres um 28%(!) steigern (jetzt bei 19,38km), das sind Zahlen, die waren vor nichtmal zwei Jahren einfach nur unvorstellbar für mich.
Wieso klappt das plötzlich? Ganz einfach: ich laufe aus und mit Spaß, hab die diversen ausgefeilten Laufpläne weggeschmissen, pfeife auf detailliertes Lauf-ABC oder Intervalltraining, bereite mich stattdessen auf die paar offiziellen Läufe möglichst entspannt und locker vor. Im Kalender steht nur ab und zu sowas wie "langer Lauf" oder "sehr langer Lauf". Wenn das dann am Stichtag mal nicht klappt, dann schiebe ich eben auf einen anderen Tag, an dem es klappt. Alles vollkommen ohne Druck, davon hab ich im beruflichen Alltag schon genug. Laufen soll mich befreien und erden, ausgleichen und erfreuen. Wenn ich im Wettkampf eine tolle Zeit laufe, super, wenn nicht, dann ist das eben so.
Und mit dieser Einstellung werde ich einfach weiterlaufen und freue mich auf das was mich nächstes Jahr so erwartet. Ein paar Pläne sind bereits gemacht, auch durchaus herausfordernde, wie ich sie erfülle (oder eben auch nicht), werdet ihr dann erfahren. Und die eine oder andere spontane Entscheidung wird eh noch dazu kommen, ich freue mich darauf.

Habt alle schöne ruhige Tage, besonders auch "zwischen den Jahren", kommt gut ins Jahr 2018 und passt auf euch auf.
Gesundheit bleibt unser wichtigstes Gut.

Winter-Intermezzo

Wenn es in Düsseldorf tatsächlich mal so richtig schneit, dann muss ich unbedingt raus und eine Runde laufen! Heute Mittag schob sich der Himmel zu und nach den ersten zögerlichen Flocken kam dann echtes Winterwetter in Gang. Immer dichterer Schneefall, dazu ordentlich Wind, perfekt.
Also rein in die V-Trail, warme Klamotten an, wasserfeste Jacke drüber, Kapuze festgezurrt und los gings zur kleinen Rheinrunde (18km). Anfangs in meiner üblichen Geschwindigkeit und noch mit Rückenwind ging das überraschend flott, hatte ich nicht mit gerechnet. Die V-Trail machen einen sehr guten Job im Schnee und sogar auf schmierig glatten Stellen.
Nach 9km am Messeparkplatz angekommen dämmerte mir langsam: das wird gleich ganz übel mit dem Gegenwind der sich mittlerweile zum Sturm gemausert hatte. Noch konnte ich im Windschatten an den Hecken laufen, aber zwischendurch hat es schon ordentlich durch die Äste gepfiffen. Dann also rein in die Felder und ab auf den Rheindeich. Und ich war sowas von froh über meine wohl durchdachte Bekleidung. Anfangs fast zu warm, knallte mit der Wind mit eisigem Schnee jetzt frontal um die Ohren, ein Shirt weniger drunter und es wäre echt saukalt geworden. Die nächsten 5km waren meine langsamsten seit Monschau. Normalerweise ist genau dieser Abschnitt meine Rennstrecke, heute unmöglich. Dauerhafter Schneesturm genau von vorne, ohne Gnade. Einfach klasse!!! Ich hab einerseits viel geflucht und mich gleichzeitig riesig über das tolle Winterwetter gefreut. Zu meiner wirklich großen Überraschung waren recht viele Läufer unterwegs, alle mit knallrotem Gesicht (vom kalten Wind) und gleichzeitig seeligem Lächeln. Und jeder hat gegrüßt. Seltenheitswert.
Meine Füße bzw. Zehen wurden erstaunlicherweise erst nach etwa 15km kalt, der Schnee selbst war überhaupt nicht schlimm, aber später kam viel nasser Schneematsch dazu, das wird auf Dauer unangenehm wenn das kalte Wasser in die Schuhen drückt, aber es war ja nicht mehr weit bis zur heißen Dusche. Die letzten paar Kilometer gingen dann wieder fix mit fast Rückenwind und autoleeren Strassen, ich konnte einfach so die Ampeln ignorieren und ohne Stopp bis nach Hause durchrennen.
Es hat noch etwa bis 16 Uhr geschneit und seitdem taut es. Typisch Rheinland.
Wie üblich hatte ich keine Kamera mit, obwohl es sich diesmal echt gelohnt hätte, so ein Wetter gibts hier nicht jeden Winter.
Nach meiner Runde ist dann immerhin noch dieses Bild in der Nachbarschaft entstanden:
Image/photo