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Wege finden

Meine üblichen Laufrunden bestreite ich im Halbschlaf, also von der Routenführung her, da ist mir alles bekannt, ich kenne jeden Kiesel und jede Steigung und jede Kurve, kann sogar Ampelphasen gut abschätzen um nicht stoppen zu müssen. Kann mich also auch jederzeit für Änderungen entscheiden und trotzdem sehr genau kalkulieren wie lang dann die Runde wird. Sowas wie Navigation auf der Uhr brauche ich also eigentlich überhaupt nicht, obwohl die gute Coros-Laufuhr das sehr gut unterstützt.

Auch die schöne „One-way“-Strecke Düsseldorf-Haan (oder umgekehrt) für Familienbesuche kenne ich mittlerweile sehr gut und laufe die ohne Kartenunterstützung. Normalerweise sind das irgendwas zwischen 21 und 22km und mit einigen Höhenmetern, die Hälfte davon durch Wald und Feld und an Gewässern und einfach nur toll, die andere Hälfte Asphalt, alles gut laufbar.

… los gehts. Was ich noch nicht weiß: 400 Meter weiter ist der Weg gesperrt.

Wenn dann aber plötzlich Baustellen und Straßensperrungen vorhanden sind, sogar auf Fuß- und Wanderwegen, dann kann ja doch mal Navigation mit der Uhr helfen, um nicht ständig nach einem Weg zu suchen. Ich mag es ja überhaupt nicht zwischendurch zu stoppen um mich zu orientieren, das muss alles „im Fluss“ während des Laufs passieren.
Die Ostertage mit Mehrfachbesuch beim Schwiegerpapa, und diverse Straßen- und Wegsperren auf den ersten 5km meiner üblichen Laufroute zurück nach Hause, das war dann der perfekte Anlass um mal entspannt einfaches Navigieren mit der Uhr zu üben. Die Umgebung ist mir natürlich bekannt, ich hätte sicherlich auch so einen Weg nach Hause gefunden, trotzdem musste es jetzt sein, von nix kommt nix.

Erster Versuch, Karfreitag.
Zuhause also mit der Coros-App eine passende Route erstellt, teilweise bewußt weiter ab von meiner bekannten Strecke, auf die Uhr gespielt und dann, nachdem das Frühstück gesackt war, auf ins „Abenteuer“. Kleine Ernüchterung vorm Start, ich hatte meinen HF-Sensor vergessen und konnte mich schon mal auf absonderliche Puls-Werte einstellen (war dann auch so, Pulsmessung am Handgelenk, keine Chance bei mir).

Die Strecke sollte exakt 21,2km lang werden. Schon nach 2km hatte ich mich allerdings von meiner geplanten Route entfernt, konnte ja niemand ahnen dass auch im Bachtal die Fußwege komplett erneuert werden. Die Uhr meldet sich vibrierend bei Abbiegungen und beim Entfernen von der Route, zeigt sogar auf der (erstaunlich gut lesbaren) Minikarte wo ich eigentlich sein sollte und wie weit es bis dorthin ist. Also statt durchs Grüne, gings durch eine Siedlung und da war sie wieder meine Route.
Hier rechts rein. Wo? Ah ok, vorbei gerannt, also zurück. So ging das ein paar mal, immer mal einen Extra-Schlenker oder 20- 50m zurücklaufen. Langsam lerne ich die Entfernungen abzuschätzen, verlaufe mich trotzdem ingesamt fünfmal.
Nach etwa 8km waren die Baustellen umsegelt und die Strecke natürlich wieder total bekannt, aber ich wollte bis zum Schluss verdammt nochmal einfach stur der Route folgen, in die ich vorab bewußt einige mir unbekannte Nebenstraßen/-wege eingebaut hatte. Einmal (nach 12km) stehe ich Profi dann noch vor einer Tiefgarageneinfahrt in Erkrath, hab schnell eingesehen dass das falsch sein muss und bin da schnell weg, einen Kilolmeter weiter wieder ein falscher Abzweig. Danach ging es bis Düsseldorf aber ohne weitere Fehler weiter um bei km18 nochmal völlig irritiert in der falschen Straße zu stehen. Schnell weiter bevor es jemand bemerkt… unglaublich wie verpeilt man sein kann.
So wurden es dann schließlich 24km, mit stetig ansteigenden Temperaturen und ich war sehr froh dass ich 0,5L Wasser dabei hatte.

Zweiter Versuch am Ostersonntag.
Vorab eine neue Route erstellt (bzw. die ersten 5km angepasst) und auf die Uhr geladen, 21,4km sollen es heute werden und ich möchte dass der Plan bis auf die Nachkommastelle aufgeht, wär doch gelacht.
Los gings bei richtig schönen 20°C, diesmal hatte ich die ActionCam vergessen, aber das Handy macht ja auch gute „Beweisfotos“.
Kappe auf, Laufweste an, Uhr eingeschaltet und zügig losgelaufen.

Und diesmal hat alles wunderbar geklappt, die Uhr vibriert unterschiedlich je nachdem was sie mir sagen möchte (abbiegen in 500m, dem Weg folgen, usw), das geht sogar mit mittelmäßiger Aufmerksamkeit sehr gut. Jetzt hab ichs kapiert und bin ohne Zwischenfälle nach exakt 21,46km zu Hause angekommen.
Mein Plan war also perfekt aufgegangen, der halbe Liter Wasser leer getrunken und ich sehr zufrieden 🙂

Auf so einer recht gut überschaubaren Strecke ist das alles natürlich ein Kinderspiel, aber eben auch perfekt zum Testen. Mir gings einfach nur darum die Navi-Features an der Uhr mal durchgehend zu benutzen und zu verstehen. So eine Dusseligkeit wie in Monschau letztes Jahr muss ja echt nicht nochmal passieren.
Vielleicht mach ich sowas nochmal auf den verschlungenen Waldwegen im Aaper Wald, Tempo ist da eh nicht angesagt, wäre ein nettes Experiment.

Wenn ich die One-Way-Strecke aber das nächste mal laufe, dann aber wieder übers Neandertal. Da gibts nicht nur wesentlich mehr Höhenmeter-Herausforderungen und viel schönere Waldwege an der Düssel entlang, sondern auf einem Rundweg können mit etwas Glück im großen Eiszeitlichen Wildgehege schöne Wisents und andere seltene Tiere beobachtet werden. Dafür stoppe ich dann sehr gerne mal 🙂

 

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16 Kommentare

  1. Solche Testläufe sind ja Gold wert, egal ob es um Nahrungszufuhr, Ausrüstung oder Navi-Geräte geht.
    Super, dass es beim zweiten Mal gleich so viel besser geklappt hat!
    Wie sieht eigentlich die Karte auf der Coros-Uhr aus?
    Kai hat die neue Garmin FR 265 und die Karte sieht darauf sieht richtig gut aus und ist sehr einfach zu folgen, schon fast Google Maps Qualität. Die frühere Karte wirkt geradezu steinzeitlich im Vergleich.
    Ich habe gesehen, dass Monschau den Streckenplan zum Download hat, jetzt kannst du dich nicht mehr verlaufen!
    Liebe Grüsse aus dem nebligen Cape Town!

    • Genau, einfach mal was neues in Ruhe ausprobieren. Was ich völlig vergessen hab zu schreiben, es war eigentlich ein doppelter Test, ich hab ausserdem noch meine neue Laufweste mit auf die Strecke genommen, nachdem das alte Teil von Salomon einfach kaputt ist. Aber zum neuen Teil brauchte ich nix zu schreiben, da hat einfach alles sofort geklappt 🙂 Also, tiptop Laufweste: „inov-8 Ultrapac Pro 8“ (Größe S), wie für mich gebaut, beste Laufweste bisher.
      Die Karte ist auf der Uhr recht gut lesbar, könnte etwas kontrastreicher sein, aber passt schon. Man kann sich die selbst etwas anpassen, also einfach nur Karte, oder topographisch, oder beies gemixt (hab ich so), das ist nett. Die Route ist rot markiert, exzellent sichtbar, auch die Richtungspfeile sind super sichtbar.
      Ich hatte den Monschau Plan letztes Jahr auf der Uhr! Das ist ja das peinliche daran. Die (gut sichtbaren) Pfeile auf der Strecke nicht sehen und die Route auf der Uhr falsch interpretieren, das muss man erstmal hinbekommen. Die Verlaufer waren wohl verdient 🙂

  2. Ach ja, für mich etwas komplett Neues. Bin noch nie “ mit Hilfe “ eine Strecke gelaufen, vielleicht auch deshalb, weil ich alle kenne, die sich mir hier in einem Umkreis von ca. 80 Kilometer anbieten. Aber ich denke schon, dass es – wie in deinem Fall- hilfreich sein kann, aber auch für Wettkämpfe, bei denen es gar nicht anders zu bewältigen ist, wie in Monschau !! Als ich damals dort lief, war alles schön markiert, keine Gefahr, sich zu verlaufen !

    ABER ich kann dir nur raten, mal einfach so unterwegs zu sein, nicht aufs Tempo zu achten, die Landschaft zu genießen, auch mal stehenbleiben – tut so gut. Ich liebe es !!

    Was das Pulsmessen an der Hand angeht, mache ich ähnliche Erfahrungen, aber der Gurt ist mir auch lästig, so dass ich ab und zu “ Kontrollläufe “ mit und meistens ohne laufe.

    Es sieht so aus, als ob du demnächst irgendwann, irgendwo, die längeren Strecken …………………..

    • Für mich ja auch völlig neu, ich wollte aber jetzt einfach mal wissen wie das geht und was es zu beachten gibt, falls mal ein Einsatz wirklich nötig sein sollte.
      Und Monschau … nunja, siehe mein Kommentar hier zu Catrinas … ich war einfach zu doof (verpennt), die Strecke ist schon sehr gut beschildert, man(n) muss nur auch hinschauen.
      Je mehr Natur um mich herum ist, desto gemütlicher wird der Lauf. Und auch wenn ich Stopps nicht mag, manchmal halte ich auch mal an und geniesse den Moment. Nur auf den Stadtstrecken, da gehts ums durchziehen, da nerven mich Ampeln und Zwangstopps.
      Dieses Jahr kommen tatsächlich ein paar noch längere Strecken, aber als Runden zu laufen, das klappt auch im Halbschlaf und ohne Navi 😉

  3. Lieber Oliver,
    ha! Da geht es also nicht nur mir so, dass ich mich (immer wieder) an die Navigation gewöhnen muss, wenn ich mal nach vorgeplanter Route laufe. Beim Radeln kommt das bei mir öfter vor, da habe ich mit meinem Wahoo aber auch ein Navigerät, das ich sehr schätzen gelernt habe.
    Gerade die Entfernungen abzuschätzen, finde ich nicht so einfach, wenn (wie bei meiner Uhr) nur die Route, nicht aber andere Abzweigmöglichkeiten angezeigt werden. Und auch ich habe so schon die eine oder andere Hofein- oder Hauszufahrt kennen lernen dürfen. 😉
    Aber wie man sieht, Versuch macht kluch und Test #2 hat schon problemlos funktioniert!
    Die HP vom Neandertal habe ich mir auch gerade angesehen – das würde ich auch sofort als Lauf- (oder Wander-)strecke wählen! 🙂

    • Ist bestimmt (wie fast alles) eine Gewohnheitssache, aber wer sowas nur sporadisch nutzt, muss sich natürlich erstmal eingrooven.
      Die Tiefgarage war mein Highlight, von wegen Entfernung abschätzen 🙂 DAS will echt gelernt sein. Noch besser wenn dann der abzubiegende Weg kaum erkennbar als Weg ist. So einen hatte ich auch: 30cm breiter Schotterweg, neben einem PKW-Stellplatz… erst nach 20 Metern wurde es ein Weg. Aber genau, Versuch macht kluch und ich bin jetzt klücher 😉
      Das Neandertail ist toll, würde dort gerne öfter laufen. Für lange Strecken aber sehr gut geeignet.

  4. Uhhhh, Oliver,

    Dein Post erinnert mich an meinen bislang einzigen Lauf mit Navigation, der gleich vom Start an in die Hose gegangen ist. Also nicht der Lauf, nur die Navigation. Ist aber auch schon lange zehn Jahre her und es gibt heute weder Laufuhr noch das Programm, mit dem ich die Strecke ausgetüffelt habe.

    https://deichlaeufer.wordpress.com/2014/05/03/funffache-premiere/

    Die Technik sollte da Fortschritte gemacht haben, wie Dein Ostermontagslauf ja zeigt. Also auf in unbekannte Gefilde.

    Liebe Grüße
    Volker

    • Na schau, da kannten wir uns noch nicht, das war aber mal eine echt schicke Nummer. Schuhe und Kompressionsstrümpfe, die Zeit hat da einiges korrigiert 🙂
      Gpsies fand ich immer toll, hab das früher zum Rad fahren viel genutzt, war sogar Bezahler. Leider hat er den Laden ja an alltrails.com verkauft, das wars dann, ich hatte es damit versucht aber fand/finde das Portal richtig schlecht.
      Zumal die Mitbewerber nicht schlafen und eiiiiniges besser machen.

  5. Lieber Oliver,
    danke für das Teilen deiner Erfahrungen mit Cronos-Navi. Meine Polar soll sowas auch können, aber ich hatte noch nicht den Nerv, das zu probieren. Ich möchte eigentlich lieber durchlaufen, statt hier und da stehen zu bleiben und Ort und Position zu checken. Wäre aber vielleicht mal den Versuch wert.
    Ich schaue gern mal in Google Earth nach, wo es noch interessant sein könnte. Gerade kürzlich wollte ich einen Waldweg testen. Doch leider war der so nass und von Pferden durchgearbeitet, das muss ich auf den Sommer verschieben.
    Die Weste sieht gut aus. Ich hatte mir vorletztes Jahr in Berlin eine gekauft, irgendein No-Name-Produkt, aber die ist auch sehr gut. Mit extra Fächern für Schlüssel, Salzpillen, etc.
    Liebe Grüße
    Elke

    • Fast jede moderne Uhr kann sowas, aber wie so oft („Featuritis“), die Uhren können zu viel, das wenigste wird genutzt. Geht mir ja genau so, ich möchte während des Laufs ohne zu stoppen verfolgen und erkennen können wo ich bin und wo ich hin soll. Darum gehts ja. Teste das mal mit deiner Uhr, fände ich spannend. Entscheident ist ja auch wo man die Route zusammenstellt und wie (hoffentlich) unkompliziert die dann auf die Uhr kommt und abzurufen ist. Da macht Coros schon sehr viel richtig, und die neigen dazu immer besser zu werden.
      Die Laufweste ist echt toll, ich bin sehr pingelig bei diesen Teilen, aber hier passt alles, ich finde beim besten Willen nix zum motzen. Zwei Salomon Teile hatte ich auch hier, sind beide nach kurzer Anprobe zurückgegangen, ich empfand die als total unpraktisch aufgebaut.

  6. Lieber Oliver,

    es gibt ja noch sooo viel zu lernen! Schön, wenn wir flexibel und offen bleiben.

    Du weißt jetzt, wie es geht und bist schon beim 2. Test richtig eingefuchst!

    Ich hab ja ne ‚Mords‘-Suunto und hab mir auch schon GPX-Dateien drauf gezogen. Der Vorgang ist etwas umständlich, aber es hatte jeweils geklappt, allerdings mit marginaler Routenführung, weil ich keine Karten zugrunde gelegt hab. Wie das geht, hab ich nicht ausprobiert, weil es mich eigentlich auch nicht interessiert, da ich möglichst ohne laufen will. Aber Wanderungen und auch der MegaMarsch waren ideale Testevents dafür! Die GPX-Routenführung hat mich aber ein paar Mal vor einem Verlaufer gerettet, bzw. bei Abweichungen wieder toll auf die Strecke geführt. (Beim MegaMarsch hatte es im Isartal Überschwemmungen gegeben und wir mussten zwangsläufig ausweichen.)

    Meist schaue ich mir die Strecke vorher an, merke mir markante Punkte, oder lerne sie auswendig und navigiere aus dem Gedächtnis. Bisher hat es zumindest insofern geklappt, als ich nie verschüttgegangen bin!

    Viel Spaß beim fortführenden Lernen! 😆

    Liebe Grüße Manfred

    • Genau, lernen ist immer gut, vielleicht werd ichs mal brauchen, jetzt kenn ich zumindest die Basics.
      Eine Suunto hatte ich vor Jahren auch mal, da gabs auch schon so eine „Wurm-Navigation“, die war gar nicht schlecht, sehr ablenkungsfrei. Aber ernsthaft genutzt hab ich die auch nie.
      Offizielle Strecken sind ja normalerweise eh gut markiert und ansonsten lauf ich ja gern „ins blaue“, einfach los, mal schauen wo ich lande. Für Urlaub könnte das aber vielleicht nochmal Sinn machen, mal schauen, ging ja bisher auch immer ohne 😉

  7. Lieber Oliver,
    also mit Navi laufen hab ich tatsächlich noch nicht probiert. Ich habe ja schon Schwierigkeiten mit dem Rad und dem Navi. Obwohl ich ja so ein kleines Radnavi habe und damit zufrieden bin.
    Ich habe meine Uhr noch nicht probiert. Die hat auch sowas, aber irgendwie …
    Es ist natürlich absolut sinnvoll, sowas im bekannten Gebiet zu testen 🙂
    Ich habe hier jetzt wieder so viele neue Strecken und Wege … ich denke bei mir dauert es noch ein bisschen, dass ich zu dem Zustand gelange, dass ich die Strecken in – und auswendig kenne 🙂
    Liebe Grüße
    Helge

    • Deine neue Umgebung schreit doch eigentlich danach mal das Navi (egal ob Laufen oder Rad) zu nutzen 🙂 Aber andererseits, stimmt schon, in gewohnter Umgebung testen war schon ne gute Idee, da ist völliges Verlaufen nicht möglich.
      Auf jeden Fall ist es völlig anders als gemütlich im Auto zu sitzen und sich vom Navi bespaßen zu lassen, die Konzentration wird ja bekanntlich nicht besser bei ausdauernden sportlichen Aktivitäten.