Wenn die Startnummer zur Zielzeit wird

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Der Halbmarathon im beschaulichen Himmelgeist, auch Brückenlauf genannt, gehört ganz klar zu meinen Lieblingslaufveranstaltungen. Überschaubar (maximal ca. 860 Teilnehmer), sehr freundlich, gut organisiert und die Strecke ist überwiegend flach und sogar durchaus schön.
Nachdem ich letztes Jahr nicht mitmachen konnte, ging es heute zum mittlerweile vierten Mal an den Start.
Es war um 8 Uhr schon recht warm, später auf der Strecke ging die Temperatur ziemlich fix in eine unangenehme Höhe. Wegen der zu erwartenden Hitze gab es die Möglichkeit die Strecke auf 11 km zu verkürzen, kein Thema für mich, das wurde aber von 18 Läufern wahrgenommen, also eine gute Entscheidung vom Veranstalter.

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Der Startschuss fällt immer so „ab 8 Uhr“, erst fährt noch ein Linienbus durch. Das heißt, alle müssen nochmal runter von der Straße, auf die Bürgersteige. „Traditionell“ wird die Durchfahrt des Busses dann von einer deftigen Laola-Welle aller Teilnehmer begleitet, quittiert von einem sehr breiten Grinsen des Busfahrers.
Nach der Busdurchfahrt ist jegliche vorherige gezielte Aufstellung natürlich für die Katz, alles sortiert sich dann irgendwie sehr schnell neu, der Countdown zählt runter und los gehts.
Wie bisher, lasse ich mich gar nicht erst in das Gewusel auf der Straße ziehen, sondern warte einfach kurz auf dem Bürgersteig bis sich eine kleine Lücke ergibt und sprinte dann los.
Wegen der Hitze bin ich entspannt ohne große Zeitvorgabe losgelaufen, grob geplant wäre irgendwas um 1:35 bis 1:40 völlig ok gewesen. Auf den ersten 5 km bemerkte ich dann aber schon, dass es sehr gut läuft, teilweise hatte ich eine Pace von 3:55 auf der Uhr stehen. Nicht in Übermut verfallen, lieber etwas bremsen, nicht auf den letzten Kilometern einbrechen.
Das Feld hatte sich diesmal schon früh auseinander gezogen, die schnellen Helden sind in zwei Gruppen vorgeprescht, danach folgten ein paar Einzelkämpfer, mit mir dazwischen. Schönes freies Laufen im eigenen Tempo, so mag ich das.
Schon nach etwa 4 Kilometern geht es rauf auf die Fleher Brücke zur anderen Rheinseite, die erste von sehr wenigen Steigungen und erstmal rein in die pralle Sonne. Nach der Brücke wird die Strecke überwiegend schattig, flach und schnell.
Bei Km10 rief mir ein Streckenposten die aktuelle Platzierung zu, ich bekam „32!“ mit auf den Weg und freute mich. Schon klar, irgendwelche schnellen Hirsche laufen defensiv und auf negativen Split irgendwo hinter mir, die kommen noch, den Platz werde ich nicht behalten.
Ab km12, mitten auf der zweiten Brücke, fuhr plötzlich ein Begleitungsfahrrad neben mir her, nicht für mich, sondern für die schnellste Frau die das Feld von hinten aufrollte. Eine Weile konnte ich mit ihr mithalten, hab sie dann aber ziehen lassen, da waren ein paar Gramm mehr Ehrgeiz im Spiel als bei mir.
Alle VPs wurden mitgenommen, jedesmal gab es aber nur einen Becher Wasser über den Kopf. Einen Schluck zu trinken gönnte ich mir nur einmal am letzten VP, dort hab ich dann auch ganz kurz den Kopf in eine Wasserwanne gesteckt.
Die letzten paar Kilometer geht es nach den zwei Rheinbrücken, viel Sonne, etwas Schatten und Natur wieder zurück nach Himmelgeist. Die freundlichen Einwohner hatten wieder mal jede Menge Wasserduschen für uns Läufer improvisiert, ein Genuss! Ich konnte nicht anders und hab fast jede mitgenommen, klatschnass und gut gekühlt war wieder mehr Tempo drin.
Auf den letzten 800 Metern wird es etwas gemein. Statt nach rechts Richtung Ziel zu laufen (gut zu sehen, sehr gut zu hören), gibt es nochmal eine kleine Schlaufe durch die Siedlung. Das ist der Demotivationshammer wenn man die Strecken nicht kennt, ich erinnere mich noch gut an meine erste Teilnahme.
Und dann plötzlich nach einer Kurve, geht es auf den schnurgraden Zieleinlauf, nochmal Dampf machen, über die Matte sprinten, Medaille abgreifen und pfiffigerweise noch etwas weiter traben (Lehrstunde Luxemburg HM).
Blick auf die Uhr: 1:29:46!
Also endlich die 1:30 geknackt! Nicht wirklich geplant und deshalb umso erfreulicher.
Der Hammer ist allerdings: ich hab teilweise in der prallen Sonne regelrecht „getrödelt“, die kurze Pause um den Kopf in den Trog zu stecken hat auch Zeit gekostet. Da ist also möglicherweise sogar noch mehr drin. Wieder ein neues Ziel.
Und nicht zu vergessen, das ganze in Fivefingers. Da wird man am Start ja immer gerne etwas belächelt, hinterher bin ich allerdings der mit dem Lächeln.
Später erst wurde mir klar, dass meine Startnummer die 129 war, passt ja wunderbar zur Zielzeit 1:29.

Im Zielbereich hab ich dann wirklich reichlich Wasser in mich reingeschüttet, noch eine Weile mit einigen mittlerweile bekannte Läufern gequatscht und mich dann zur großartigen Trecker-Dusche im „Nachzielbereich“ begeben:
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Fazit: Platz 36 von 732 Halbmarathon-Finishern.
Mir gehts super und nächstes Jahr bin ich wieder dabei.

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9 Jahre Laufen

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Seit mittlerweile fast genau neun Jahren drehe ich regelmäßig meine Laufrunden.
Der Auslöser war Ende Juni 2010 eine auffällig mangelnde Ausdauer, die sich manifestierte, als ich mal schnell ein paar Etagen Treppe hochlaufen musste und dabei kläglich versagte. Bis dahin glaubte ich wirklich topfit zu sein.
Einen Tag später stand ich im Lauf-Fachgeschäft und hab nach ausführlicher Beratung ein paar Laufschuhe gekauft. Und schon abends ging es los, vorerst mit viel Mühe auf kurzen Strecken.
Bereits von Anfang an wurde jeder Kilometer notiert, mit Zeit und so, ihr kennt das. Eine GPS-Uhr folgte erst wesentlich später. Mir hat es sehr geholfen dran zu bleiben und um die zarten Fortschritte zu sehen. Es ging mir ja erstmal nur um die mangelnde Ausdauer für mehr war mein Kopf auch gar nicht bereit.
Jeder Laufanfänger weiß: die Fortschritte kommen zuerst schnell und sind motivierend, später wird es etwas mühsamer. Mein Schweinehund hat allerdings ziemlich früh aufgegeben, Laufen hat mir sehr schnell, sehr viel Spaß gemacht.

Irgendwann fingen die erste Blogversuche (eher als Tagebuch) an, zuerst mal hier mal dort, nur in kleinen Netzwerken, Anfang 2015 wurde immerweiterlaufen.de als feste "Homebase" daraus.
Ich wollte mehr ehrliche Erfahrungsberichte und Tipps von anderen Läufern lesen und vor allem Läufer kennenlernen und mich austauschen können. Dafür ist ein Blog super geeignet. Mittlerweile erfreue ich mich an vielen supernetten Kontakten die auf diesem Wege zustande gekommen sind. Allein dafür hat sich die Lauferei schon gelohnt.

Zwei Jahre später ergab sich aus purer Neugier der erste 10km Volkslauf, 2014 aus Ehrgeiz der erste Halbmarathon und dann 2015 der erste Marathon, weil ich wissen wollte ob ich das kann.
Der erste 56km Ultramarathon 2017 hat dann Grenzen und Anspruch vollkommen verschoben, beziehungsweise bereits das Training für den Ultra hat einiges in mir in Gang gesetzt, das auch heute noch nicht abgeschlossen ist.
Einfach zu laufen ist eine Sache, auf etwas hinzulaufen eine andere. 5km oder 10km kann man auch als Freizeitjogger (und das meine ich absolut positiv) recht gut hinbekommen. Für einen Halbmarathon muss man auch schon mal regelmäßiger raus, auch wenn das Wetter mistig ist.
Um Marathon in einer geplanten Zielzeit zu laufen, ist eine Portion Ehrgeiz absolute Bedingung. Na klar, die 42km kann man auch unter der Prämisse "Hauptsache ankommen" durchziehen. Diesen Anspruch hatte ich aber bereits nach dem ersten 10er schon nicht mehr. Wenn schon mitmachen, dann will ich an dem Tag auch das Beste aus mir rausholen. Ansonsten könnte ich mir das Geld und den Aufwand doch einfach sparen und meine Abendrunde entsprechend verlängern (was durchaus eine tolle Sache sein kann!).
Auf einen Ultra in der bergigen Eifel zu trainieren, das war allerdings nochmal eine andere Nummer, zumal es hier in Düsseldorf keine echten Berge zum Testen gibt. Da bleibt nur eins: laufen, laufen, laufen, danach noch mehr laufen. Und sich immer und immer wieder durch die lokalen Hügelchen quälen. Bis die Beine glühen.
Als die Marathon-Idee aufkam, hab ich mit diversen populären Plänen rumhantiert, alle namenhaften Helden und Buchautoren waren dabei. Um allerdings sehr schnell zu merken, das ist überhaupt nicht meins. Auch wenn es nun etwas ambitionierter wurde, der Spaß sollte erhalten bleiben, auf ausgefeilte Stundenpläne hatte (und habe) ich überhaupt keine Lust.
Also lief es darauf hinaus nach Körpergefühl zu trainieren, mindestens einmal die Woche einen langen Lauf durchziehen, der zum Marathon hin immer länger wurde, danach Taperingwoche einhalten und gut. Wobei sich die Definition "langer Lauf" mittlerweile auch gewaltig verschoben hat. Die Herausforderung von vor ein paar Jahren ist jetzt zum Beispiel die normale Distanz meiner gemütlichen Abendrunde.
Diese Art zu trainieren hat sich bei mir so bewährt, aber ist selbstverständlich keine Empfehlung für andere. Das alles ist logischerweise stark abhängig von Umfang und Intensität des restlichen Trainings.
Ich renne pro Woche zwischen 60 -100km in eher schnellem Tempo. Manchmal sogar mehr. Das ist mein Wohlfühl-Laufen. Genauso macht mir das Laufen Spaß. Ich möchte und muss mich beizeiten auspowern.
Wer hier regelmäßig mitliest, kennt meine Marotten.
Innerhalb dieses Umfangs baue ich dann rechtzeitig und gezielt immer wieder einige Spitzen ein, die mich auf mein nächstes Abenteuer vorbereiten. Das ist dann mein einziger Plan, ab und zu steht im Kalender sowas wie "sehr langer Lauf" oder "Langer Waldlauf" oder "Höhenmeter sammeln" als Erinnerung. Und manchmal schaue ich sogar vorher in diesen Kalender. Funktioniert, ist realistisch, passt in mein Leben, macht Spaß.
Der Ermüdungsbruch letztes Jahr, sowie der abgebrochene Marathon dieses Jahr, zeigten mir krachend dass der Körper nicht alles verzeiht. Sowas muss man nicht erleben, war am Ende dann aber für mich sehr lehrreich. Manche Fehler begeht man eben nur einmal.
Ich habe in den letzten neun Jahre auf jeden Fall extrem viel gelernt, fühle mich aber immer noch oft genug wie ein Anfänger, ein wenig Demut schadet nicht.
Ich bin Schritt für Schritt von "normalen Laufschuhen" auf minimales Schuhwerk, hauptsächlich Fivefingers, umgestiegen. Fühle mich jetzt fitter, gesünder und ausgeglichener als "damals" mit Anfang 40. Hab nicht nur, wie erhofft, meine körperliche Ausdauer verbessert, sondern auch im Kopf passiert eine Menge positives, immer noch, das ist spannend. Und nicht selten bin ich stolz wie Bolle, auf ein neues erreichtes Ziel.
In einfachen Worten: Laufen tut mir wirklich rundum gut.
… dabei wollte ich doch einfach nur meine Ausdauer verbessern 🙂

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Allez! Allez! Olli!

Endlich war es soweit, ich konnte mein Weihnachtsgeschenk einlösen: der Start zum Halbmarathon beim sagenhaften Luxemburger Night Marathon.
So ein Halbmarathon geht ja bekanntlich immer, kniffeliger wird es, wenn man die Strecke nicht kennt, es plötzlich krachender Hochsommer ist und das Höhenprofil vorab nicht ausgiebig betrachtet wurde.
Wir waren bereits einen Tag vorher gemütlich angereist, die Stadt wollte ja auch noch etwas erkundet werden. Vorab aber erstmal mit dem Bus zum Expo-Gelände nach Kirchberg, dem zentralen Punkt für alles um den Marathon. Große Messe, Startunterlagen, Start- und Zielbereich. Alles sowas von gut organisiert und freundlich, dass ich schon einen Tag vorher restlos begeistert war.
Die Startunterlagen hatte ich schnell abgeholt (recht üppiges Paket übrigens), Wasser gab es gleich mehrfach („das Wetter…“) und dann ging es mit dem Bus wieder zurück in die Stadt um den Sommerabend in den Gassen zu geniessen.
Gestartet wird um 19 Uhr, also konnten wir noch den halben Samstag verbummeln, ich hatte mich bereits von einer Wunschzielzeit verabschiedet, es wurde heiß (über 27°C) und mir wurde während der Busfahrten das Höhenprofil der letzten 5km bewusst.
Die Shuttlebusfahrten waren super organisiert, freundliche Helfer an den Stationen und nur knappe 15 Minuten Fahrt bis zum Expogelände. Ich hatte diesmal entschieden dass der Klamottenbeutel abgegeben wird (sonst hat den meine Liebste immer mit sich rumgetragen), der Nachzielbereich ist groß und ich wollte dann schnell aus den nassen Sachen raus. Also weg mit dem Beutel und rausgeschlängelt, für die restliche Wartezeit noch ein schattiges Plätzchen suchen (nicht einfach).
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Zehn Minuten vorm Startschuss, ab in die Startbox B. Menschenmengen. Musik. Party. Hier schon unglaubliche Stimmung. Mehrfaches Ansprechen auf die Fivefingers. Nette Typen kennengelernt. Sprachendurcheinander. Angeblich insgesamt 16.000 Läufer am Start, Staffeln, HM (ca. 6.700) und Marathon (ca. 1.330). Das ist fett.
Gemeinsames Runterzählen, Startschuss, Konfettikanone, kurzes anlaufen, dann wieder gehen, noch 50 Meter bis zur Linie. Um über die Startlinie zu kommen brauchte ich ewige 1:18 Minuten, und das aus Startblock B… wie es wohl den Kollegen aus den hinteren Blöcken ging?!
Dann aber los, ab gings nach ganz kurzem Anstieg erstmal runter, in meiner normalen Pace. Sehr erfreulich, nach bereits 1km war eine Verpflegungsstation aufgebaut, toll für mich und viele andere, grade kurz nach dem Start ist mein Rachen oft völlig trocken (Aufregung blabla). Ein Schluck Wasser geschnappt, den Rest überm Kopf, nicht stoppen, laufen.
Die Strecke ist anfangs nicht besonders schön, es geht durch Kirchberg, Bürotürme, kleine Siedlungen, aber trotzdem waren hier schon großartige Stimmungs-Hotspots. Bei dem Wetter wollte einfach jeder draussen feiern. Das pusht und macht brutal Spaß.
Anfangs hab ich mich gefreut dass ständig alle meinen Namen riefen, bis mir klar wurde, die rufen Allez! Allez! nicht Olli! Olli! Kleiner Lachanfall und weiter.
Unterwegs hab ich tatsächlich fast jede Wasserstelle für einen kleinen Schluck Wasser genutzt und vor allem jede Dusche, einfach reinlaufen, erfrischen und freuen, bei diesen Temperaturen der pure Genuss.
In Kirchberg war ja schon ordentlich Partystimmung, aber was dann in der Stadt los war, damit hab ich nicht gerechnet. Einfach gesagt: die Luxemburger, die können feiern!
An der kompletten Strecke jubelnde, anfeuernde Menschenmassen, Musik, gute Laune, unfassbar! In der Stadt wurde es verwinkelt, harte Kurven, kleine Passagen, frische Luft im Park, dann der Lauf auf den Place Guillaume II, ein Hexenkessel, hier trennen sich bei ca. km15 die Halbmarathonis von den Marathonläufern, nochmal kurz durch die Gassen und dann wieder zurück über die Pont Grand-Duchesse Charlotte aufwärts nach Kirchberg.
Die gesamte Strecke ab der Brücke geht es aufwärts, absolut keine Gnade auf den letzten 5km, ehrlich gesagt bin ich dieses Teilstück fast am Limit gelaufen und hab dann einen Gang zurückgeschaltet. Das war gut so, erst knappe 200 Meter vorm Ziel geht es wieder bergab, plötzlich läufst du volles Brett in die Messehalle, helles Licht, Musik, Party, Gogogirls, jubelnde Menschen, eine Kurve noch und zack! im Ziel! Ich stoppe glücklich, mir wird sofort kotzschlecht, besser noch etwas weitertraben, der großzügige Nachzielbereich hat Platz für sowas. Da gab es übrigens sogar Kotztüten, ich hab mir eine gegriffen. Merke für das nächste mal: auf den großen Teller Fritten vor dem Lauf unbedingt verzichten.
Eine Medaille gab es natürlich auch und ein echt fettes Angebot an Leckereien. Mit dem Hunger das hielt sich etwas in Grenzen, aber gute zwei Liter Iso und Wasser hab ich mir fast auf Ex gegeben.
Dann schnell den Kleiderbeutel holen (und das ging wirklich schnell, trotz der Menge), zur Dusche, umziehen, raus aus dem exklusiven Läuferbereich und endlich von der Liebsten bejubelt werden.
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Die Heimfahrt zum Hotel ging auch völlig problemlos, der Shuttleservice, so wie alles andere auch, war perfekt organisiert.
In der Stadt angekommen konnten wir sogar noch etliche Marathonläufer anfeuern, ich war aber echt froh dann bald im Hotelzimmer zu sein.

Alles in allem ein zum Schluss anstrengender aber superklasse Halbmarathon!
Die Marathonläufer sind allerdings wirklich die Helden, bei diesem Wetter 42km kreuz und quer durch die Stadt, das ist kein Zuckerschlecken. Besonders wenn ich an die letzten paar Kilometer denke.

Meine Zielzeit netto 01:39:13, Platz 355 (22 in AK M50), voll zufrieden.
Bestzeiten kann ich woanders laufen, das hier war ein Partylauf unter besonderen Bedingungen 🙂

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Jüchtlauf

Seit Juni 2010 laufe ich regelmäßig. Anfangs einfach nur so, aber irgendwann kam die Idee mal an einem Volkslauf teilzunehmen. 2012 hab ich mich dann also auf meinen ersten offiziellen Wettkampf gewagt, das war der Jüchtlauf in Düsseldorfs Süden. Aufgeregt bis in die Haarspitzen, keine Ahnung von minimaler Planung und natürlich hochmotiviert. Nach dem erfolgreichen Finish ging nichts mehr, ich war wirklich fix und fertig, dazu gibts auch noch ein schönes Foto 🙂
Seitdem bin ich den Jüchtlauf leider nicht wieder gelaufen, hatte sich einfach nie ergeben, immer ist was dazwischen gekommen.
Aber nicht so dieses Jahr.
Kurzfristig angemeldet ging es heute bei tollem Wetter auf die schöne schnelle Strecke. Nach einer launigen Ansprache und dem gemeinsamen Countdown runterzählen, startet der Lauf zuerst kurvenreich durch das beschauliche Himmelgeist, danach gehts durch Wiesen und Weiden, kurz am Rhein entlang, zurück durch Itter, noch eine kleine Schlaufe wieder in Himmelgeist und plötzlich ist das Ziel da.
Teilweise bin ich auf der zweiten Hälfte der Strecke ziemlich alleine gelaufen, immer den Sub40 Raketen hinterher, hab aber die 39 mal wieder knapp verfehlt. Finish mit netto 40:50 Minuten, um knapp einer Sekunde an meiner bisherigen PB vorbei geschrammt, es gibt wahrlich schlimmeres.
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Dieses Jahr waren 220 Finisher dabei, ich auf Platz 23, dritter meiner AK.
Der Plan war überhaupt nicht besonders schnell zu laufen, sondern mehr der Spaß mal wieder an einem sympathischen kleinen Volkslauf teilzunehmen, die Strecke lädt allerdings ein ab und zu auf die Tube zu drücken. Zum Ende hin haben sich dann die fast 90 Wochenkilometer bemerkbar gemacht und ich hab etwas Tempo rausgenommen. Wer nie richtiges Tempotraining macht, muss halt auch mal improvisieren.
Neben dem 10km Rennen gibt es natürlich noch 5km, Bambini und Staffellauf, alles überschaubar, sehr freundlich und toll organisiert. Und dafür kann man als Teilnehmer überhaupt nicht genug danken, die Orga vor Ort war klasse und unkompliziert. Und wie beim jährlichen Halbmarathon in Himmelgeist (der zu meinen Lieblingsläufen gehört) scheint das halbe Dorf an der tagesfüllenden Veranstaltung irgendwie teilzunehmen. Da keinen Spaß zu haben, ist fast unmöglich.
Erstaunt war ich übrigens über das hohe Leistungsniveau, teilweise mit bekannten Gesichtern (hallo Thomas!), aber auch viele Vereinsläufer mit echt viel Tempo. Ausserdem war endlich mal ein weiterer Fivefingers-Läufer dabei, der sogar auch noch sein Volkslauf Debüt hatte. Geht doch 🙂

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Uuuuuund im Ziel.

… und dann war ich raus

Um es kurz zu machen: heute war Düsseldorf Marathon, ich bin bei km23 ausgestiegen.
Mein erster DNF, wer hätte das gedacht…

Wie konnte das passieren?
Recht einfach. 14 Tage vorher kein einziges mal gelaufen, wegen hartnäckiger Nebenhöhlenentzündung und echt heftigem Reizhusten. Nebenbei noch in der Weltgeschichte rumgeflogen und die Sache nicht annähernd vernünftig auskuriert.
Zwei Wochen krank sind aber scheinbar keine zwei Wochen Tapering (was ich mir tapfer eingeredet hatte).
Trotzdem an den Start, das Wetter war sogar besser als vorausgesagt und mir ging es tatsächlich so richtig gut, hochmotiviert wie immer.
Ich bin zügig gestartet, konnte meine Pace wunderbar halten, die ersten 15km waren wirklich Routine und Genuss.
Bei km18 fiel mir auf dass ich viel langsamer laufe als geplant, also Tempo machen. Ging aber nicht, ständig zogen Läufer an mir vorbei die weit hinter mir sein sollten. Schnell das Notfall-Gel rausgekramt und weggeschlürft. Null Wirkung, die Pace wurde immer mieser. Zwischenzeitlich wurde ich vom 3:30h Pacer überholt und konnte das gar nicht glauben, meine Wunschzielzeit war mit 3:14h geplant…
Bei km23 dann schließlich der totale Abriss, nichts ging mehr, zwei Minuten Gehtempo und der sehr schnelle Entschluss: aufhören. Jetzt. Keine Experimente.
Normalerweise laufe ich diese 20er Distanzen „auf der linken Arschbacke“, mental war das also überhaupt kein Thema, aber körperlich. Die Kraft war weg, null Energie mehr. Die Rache der Erkältung war da und die Vernunft musste hier siegen.
Also Laufuhr gestoppt, die eh besorgte Liebste angerufen, Treffpunkt ausgemacht, nach Hause geradelt und ein heisses Bad genossen.
Und wisst ihr was? Es geht mir einfach nur gut mit dieser Entscheidung. Gesundheit geht vor, ganz einfach.
So früh so derbe einzubrechen, da gibts keine inneren Diskussionen. Vielleicht war es sogar unvernünftig überhaupt zu starten, aber es ging mir (vermeintlich) gut, das war allerdings ein Trugschluss. Punkt.
Jetzt erstmal ausruhen, auskurieren und dann auf zu neuen Abenteuern.
Und schon wieder hab ich mit Düsseldorf eine Rechnung offen …

Doppelt nervös und was dabei rauskommt

Da war er also endlich, mein erster Wettkampf nach fast einem Jahr, ein 10er. Aber vor allem: der erste offizielle Lauf seit meinem Fußbruch. Also so eine Art Check, ob ich in den letzten Wochen alles einigermaßen richtig gemacht hab.
Zum sechsten mal war ich beim Düsseldorfer Brückenlauf am Start, 10 schnelle Kilometer als 5km Doppelrunde, über zwei Rheinbrücken und ansonsten mehr oder weniger immer schön am Rhein entlang. Start und Ziel auf dem Burgplatz in der Altstadt. Wie jedes Jahr toll organisiert, das volle Programm mit mehreren Distanzen und Familiengedöns, obwohl dadurch schon eher ein Großereignis, bleibt es trotzdem übersichtlich und sympathisch. Und ein superklasse Wetter dazu! 20°C, blauer Himmel und der übliche leicht zu starke Wind, der die vier Brückenüberquerung immer etwas anstrengend macht.
Ich bin ja immer noch ordentlich nervös vor solchen Veranstaltungen, dieses Jahr doppelt. Vor vier Jahren führte das dazu, dass ich beim Start meine Uhr nicht eingeschaltet hatte. Dieses mal hab ich noch einen drauf gesetzt und die Uhr einfach zuhause vergessen!
Eine echte Meisterleistung.
Kurz überlegt, wir waren früh da, nochmal nach Hause radeln und Uhr holen? Oder scheiss drauf?! Es wurde zweiteres. Die Zeit wird ja eh über den Chip genommen, also das Rennen diesmal ohne eigene Uhr durchziehen. Man kann ja nur dazu lernen.
Im Startblock war ich dann immerhin endlich mal selbstbewusst genug um mich in die vorderen Reihen einzusortieren. Die letzten Jahre gab es jedesmal nervige Überholmanöver um die Genussläufer herum, weil ich zu weit hinten stand, da hatte ich einfach keine Lust mehr drauf.
Teilweise skeptische Blicke der Kollegen auf meine (neuen) knallgelben Fivefingers, Konzentration auf meiner Seite, runterzählen, Schuss und los ging es.
Die Strecke sehr gut bekannt, aber keine Uhr dabei, das war dann doch ungewohnt. Nach 3km musste ich es einfach wissen und hab einfach einen anderen Läufer, der etwa mein Tempo lief, nach der Zeit gefragt. Und der war ein echter Glücksfall. Lukas war so freundlich und hat mir anschließend während der ersten Runde öfter einfach von sich aus die Zeit zugerufen, er hat sozusagen einfach mal den Pacer für mich gemacht. Große klasse und nochmal vielen Dank dafür! Irgendwann war er dann weg, weil schneller als ich, aber mein Tempo war da, ich konnte mich gut einschätzen und bin weitergerannt.
Bei km8 kam dann doch ein leichtes Schwächeln auf, schnelles Tempo und dazu dieses Wetter, der schnelle Start, das rächte sich dann am Ende ein wenig.
Aber wie das so ist, den Zielbogen im Blick, das Publikum pusht, den Typ in Rot vor mir wollte ich noch einholen (hab ich auch), am Ende sind plötzlich immer noch Körner über, den letzten Kilometer bin ich regelrecht gesprintet.
Durchs Ziel mit 40:49 Minuten. Also immer noch keine Sub40, trotzdem mein bester 10er bisher.

14ter in der Gesamtwertung (erster in AK M50), von 622 Finishern.
Spekuliert hatte ich, bedingt durch die Vorgeschichte auf bestenfalls 42 Minuten, von daher … yeah!
Voll zufrieden!

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Schnelles Einsortieren gleich nach dem Start.

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Schluss-Sprint, noch ca. 100 Meter.

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So sieht ein sehr zufriedener Finisher aus 🙂

Ein Flachlandläufer in der Eifel

„Ohne Monschau geht hier keiner raus!“ waren die Worte, die mir eine freundlich lächelnde Frau sehr überzeugend darlegte, als ich im April eigentlich nur meine Startunterlagen für den Düsseldorf Marathon abholen wollte. Monschau, Eifel, das ist schon recht bergig dort, könnte schwer werden für mich alten Flachlandläufer. Aber diese Gedanken kamen mir überhaupt nicht in den Sinn, beziehungsweise die waren zwar da, aber ich wurde fix in ein nettes Gespräch verstrickt und plötzlich hatte ich diesen charmanten Flyer nebst Zeitung zum 40. Monschau Marathon in der Hand.
Ihr erinnert euch vielleicht, das war zu der Zeit als ich grade meine üblen Knieschmerzen bewältigt hatte und den Düsseldorf Marathon „einfach nur laufen“ wollte, mit der Option, jederzeit auszusteigen (dazu kam es ja zum Glück nicht).
Und jetzt also einfach mal zur Abwechslung eine dezent herausfordende Strecke durch die Eifel laufen? Manchmal tickt man als Läufer scheinbar nicht ganz richtig.
Abends war ich angemeldet.

Die Vorbereitungen dafür waren nicht ganz einfach, Düsseldorf hat leider keine anständigem Berge zu bieten. Der nächste „Hügel“ ist im Grafenberger/Aaper Wald mit sagenhaften 60 Meter Anstieg. Da bin ich also die letzten Wochen immer wieder hoch und runtergetobt, in der Hoffnung dass es reicht. Mit superdisziplinierter Vorbereitung hab ichs ja nicht so, diesmal musste aber irgendein Plan durchgezogen werden. Ich wollte möglichst viel und möglichst oft durch den Aaper Wald laufen und dabei einmal die Woche eine fiese Strecke mit etwa 500HM und mindestens 2,5 Stunden durchzuziehen. Das ganze dann auch noch mit einer Durchnittspace von 5:00. Also einfach mal dem Körper mehr abfordern als gewohnt. Soweit so gut, ich habs durchgezogen, mehr war nicht zu machen.

Monschau-Konzen, Marathon Tag, 14.08.2016
Perfektes Laufwetter, irgendwas um 12°C, Sonne, leichte Wolken, und ich aufgeregt bis unter die Haarspitzen.
Die Veranstaltung selbst kann man überhaupt nicht genug loben, das Orga-Team macht echt alles richtig. Die Versorgung aller Beteiligten ist vorbildlich, es herrscht grundsätzlich eine sehr freundliche angenehme Athmosphäre, sogar der Start ging ohne Gedränge über die Bühne. Neben einem fetten Rahmenprogramm werden diverse verschiedene Läufe über vier Tage geboten, seit 5 Jahren ist nun sogar ein Ultramarathon über 56km dabei.
In Konzen und den Nachbargemeinden scheint irgendwie jeder mitzumachen, unglaublich, wenn man mitten im Grünen plötzlich auf Menschen-Ansammlungen trifft, die einen anfeuern. Oder wenn zusätzliche private Verpflegungspunkte aufgebaut werden. Ich war wirklich schwer begeistert, und bin es noch.
Das Höhenprofil der Strecke ruft irgendwas um 750 Meter auf, das mag für euch Trailläufer ein Witz sein, für mich ist das eine ziemliche Herausforderung. Ab Start geht es erstmal nur runter, etwa 7,5 Kilometer. Danach wirds ernst. Die erste 21 Kilometer gingen aber ehrlich gesagt recht gut, die berüchtigte Steigung ab Holderbachtal war ok für mich, ich hatte Schlimmeres befürchtet. Oder auch: ein grosser Fehler die HM Distanz so schnell zu laufen, das sollte sich später bitter rächen. Ab Brather Hof (21km) heißt es offiziell „der schwierigste Teil ist überstanden und wer die Kräfte gut eingeteilt hat wird die 2. Hälfte eine kürzere Zeit laufen“. Genau, wer die Kräfte gut eingeteilt hat. Hatte ich nur in Maßen. Aber noch ging es, bis zur für mich gemeinsten Steigung bei km35 nach Leyloch. Die Rache des schnellen erstes Teils folgte. Plötzlich war ganz übel die Luft raus, ich musste eine Gehpause einlegen und bin 5 Minuten mit zwei netten Ultras die Steigung hochmarschiert. Anhöhe erreicht, Zähne zusammenbeissen, gute Wünsche von den Ultras bekommen und weiter gings.

Meine Stimmung war zwar trotzdem die ganze Zeit über super, kein Wunder bei der tollen landschaftlichen Strecke, aber die Waden wurden ab km38 sehr schwer, also alles langsamer angehen. Die letzten paar Kilometer sind dann nochmal wirklich gemein, da kommt dann plötzlich allen ernstes noch ein kurzes Stück Steigung. Mit Rennen war nix mehr, ich bin hochgeschlurft. Nicht schlimm, alle anderen auch.
Und endlich kam er in Sicht: Der Konzener Kirchturm! Jetzt los und im Tribünenschritt durchs Ziel! 700 Meter vorm Ziel: Wadenkrampf! Das war so absurd dass ich laut lachen musste, was wiederum schnell zur Entspannung führte und ich schließlich doch relativ locker durchs Ziel gelaufen bin. Die Waden waren zwar beleidigt, aber es ist auch anschliessend nichts mehr passiert. Viel trinken, viel essen, wie gesagt, im Zieleinlauf war reichlich Verpflegung vorhanden. Ich hätte mich also doch noch etwas mehr im Aaper Wald quälen müssen.
Meine Zielzeit netto: 3:55:17 Stunden. Damit bin ich mehr als hochzufrieden, wusste ja nicht genau was mich erwartet und hab mit irgendwas satt über vier Stunden gerechnet.
Alles in allem wirklich ein ganz wunderbarer Lauf, mit schöner Strecke und perfekter Organisation.
Monschau: ich komme wieder.
Gelaufen bin ich wieder mit den Altra One, war eine sehr gute Wahl, die stecken alles weg was die sehr abwechslungsreiche Strecke zu bieten hat.

 

Entspannt an den Start

Alle Voraussetzungen für meine diesjährige Teilnahme am Düsseldorf Marathon standen auf schlecht bis unmöglich.
Die Entzündung im Knie, die daraus entstandene Zwangspause, fehlende lange Läufe, fehlende Kondition. Innerhalb von vier Wochen, nach drei Wochen komplett aussetzen, wieder für die Marathondistanz fit zu sein … das ist ambitioniert oder bescheuert.
Die Entzündung hatte sich zum Glück schnell gebessert, bzw. eine Woche vor dem Marathon war die tatsächlich völlig weg, deshalb auch die für mich durchaus coole Zeit beim Brückenlauf.
Also war mein Marathon-Plan: egal, ich hab ja bezahlt, alles ist vor der Tür, ich kann jederzeit aussteigen und einfach nach Hause gehen, was spricht eigentlich dagegen, entspannt an den Start zu gehen und solange Spaß haben wie es eben möglich ist? Richtig, nix.
Und genau das hab ich dann gemacht.
Der April hat uns heute dann mal so richtig gezeigt was er drauf hat, angefangen mit erbärmlichen 2°C beim Start, über einen ständigen Wechsel zwischen Graupelschauer und knallige Sonne während des Laufs und ordentlichen Böen. Trotzdem waren die Bedingungen dann doch wieder irgendwie fast ideal. Graupel stört ja nicht wirklich und tiefe Temperaturen (es hat sich dann so bei 4°C eingependelt) sind mir auch ganz recht, die Böen haben sich sogar spontan gelegt. Also keine Wettermeckereien.
Ich hatte lange überlegt, was ich an die Füsse ziehen soll, hab mich dann für die eher neuen Altra One 2.5 entschieden, einfach um mich nicht unnötig auf der Asphaltstrecke zu malträtieren. Und das war eine verdammt gute Entscheidung, ich werde diese Schuhe später mal hier im Blog abfeiern.
Mir war im Vorfeld schon klar, dass ich die Halbmarathon Distanz locker durchlaufen kann, auch bis 30km sollte alles bei moderatem Tempo locker machbar sein. Da ich eh für die „bis 3:45:00“-Gruppe gemeldet war, bin ich halt auch so gelaufen, immer schön eine 5:15er Pace sollte es sein.
Ab Halbmarathonpunkt hab ich dann angezogen auf 5:00 und mich gewundert wie gut es läuft. Ab 30km wäre eigentlich Tempo 5:18 angesagt, aber der Plan war ja Spaß zu haben und auszusteigen wenn die Ausdauer weg ist. Noch lief es allerdings völlig leicht und super, also spontan weiter mit 5:05, das Tempo fühlte sich einfach gut an.
Und damit bin ich dann die nächsten Kilometer bis ins Ziel gelaufen. Einfach so. Kein Hammermann, kein Schwächeanfall, keine Knieschmerzen, nix.
Zielzeit 3:40:43, also sogar noch ein paar Minuten besser als im Vorjahr.
Dass ich grade stolz und enorm glücklich bin ist wohl klar.
Bin ich 🙂
Aber mir geistert jetzt auch im Kopf rum: wie war das möglich?
Der Hauptgrund dürfte wirklich sein: einfach entspannt sein und die Party geniessen (und Düsseldorf feiert wirklich ordentlich an der Strecke!). Dazu noch die zuverlässige „mentale Versorgung“ der Liebsten, das bringt einen schon voran.
Zweiter guter Grund, ich kannte die Strecke und war mir über die paar eventuell schwierigen Abschnitte im Klaren. Da kam also null Frust hoch.
Und zu guter letzt: offenbar hab ich völlig unterschätzt dass eine dreiwöchige Pause nicht die vorangegangenen Monate völlig zunichte macht. Mir fehlten zwar rechnerisch ein paar lange Läufe laut Marathonplan, aber bin ja die Monate vorher ständig auf echt langen Läufen unterwegs gewesen. Der Körper hat sich also mehr gemerkt, als der Kopf. Aber der Kopf war diesmal entspannt. Offenbar eine wirklich gute Mischung.
Und schon hab ich einen Plan für die kommenden Marathons.

Ein Mann, ein Kreuz

Nein, ich habs nicht im Kreuz. Jeder Finisher des Martinslaufs in Düsseldorf bekommt ein Weckmann und der wurde mir heute mit genau diesem Spruch überreicht (plus das „hab-ich-bekommen-Kreuz“ auf der Startnummer).

Wer sich im November für einen Lauf anmeldet, kann fürchterlich Pech mit dem Wetter haben, oder eben großartiges Glück. Und was soll ich sagen, 16°C sind vielleicht nicht normal für den 8. November, aber für einen Halbmarathon eine tolle Steilvorlage. Shorts und leichtes Shirt waren angesagt, als Schuhwerk hab ich die New Balance MT gewählt, die Ankündigung des Veranstalters „es wird überwiegend auf Waldboden gelaufen“ hat mich nach dem Regen der letzten zwei Tage nicht weiter über Alternativen nachdenken lassen. Ausserdem hab ich einfach kein bock mehr auf Schuhdomino, es soll leicht und direkt sein, ich möchte Spaß haben.
Der Martinslauf wurde bis vor wenigen Jahren immer im Grafenberger Wald ausgetragen (bestimmt spannend, ich war leider nie dabei), aber nun das zweite mal in Folge am anderen Ende der Stadt, am Unterbacher See. Also so ähnlich wie der HM im Frühjahr, aber eine andere Strecke. Besser wie ich fand.
Offiziell waren 1200 Starter gemeldet, mehr geht nicht, gibt die Strecke (besonders im Startbereich) nicht her. Das war dann nach dem Startschuss auch wirklich ein derbes Gedrängel, und ich hab auch noch nie so viele blöde Pöbeleien gehört. Aber egal, ich finds unsportlich und einfach doof, hab mir aber auch nur gedacht „dich hol ich doch eh wieder ein“. War dann auch so, die Pöbler hatte ich nach etwa 8 Kilometer alle hinter mir. Nicht dass ein falscher Eindruck aufkommt, das war wirklich der einzige Minuspunkt für die Veranstaltung (und hat nix mit dem Veranstalter zu tun), alles andere war top,1A, superklasse organisiert, freundlich und ein wirklich grosser Spaß. Und das alles bei diesem wirklich schönen Wetter.

Beim Start hatte ich noch gedacht, viel zuviele Menschen, ok, dann laufe ich eben gemütlich meine üblichen 1:40 Stunden. Nach 2 Kilometern war allerdings die Strecke sehr frei und mein Tacho zeigte plötzlich konstant eine Pace von 4:35. Kurz nachgerechnet und entschieden: heute geht was, hau rein. Bis Kilometer 12 hab ich das mit den 4:35 durchgezogen, danach dann etwas angezogen und mich einfach nur gewundert wie gut es läuft. Die Getränkestationen wurden mal wieder ausgelassen (naja ok, fast, einmal kurz den Mund gespült) und ab Kilometer 18 konnte ich nicht anders, hab „Vollgas“ gegeben und bin dann mit richtig guter Laune durchs Ziel gelaufen. Mit dem Wissen, es wäre tatsächlich noch mehr gegangen. Aber was solls, ich hatte so ein riesen Spaß durch diese wunderschöne Herbststimmung zu laufen und wollte mir das nicht ruinieren durch verbissenen Ehrgeiz.
Ein perfekter Lauf-Tag.
Auf der Urkunde steht: Platz 69 (18ter in meiner AK) mit netto 1:34:44.

Hitzelauf in Himmelgeist

Am bisher heißesten Tag des Jahres einen Halbmarathon laufen? Ganz schön bescheuert könnte man meinen. Ganz so schlimm war’s dann zum Gück nicht, aber auch nur dank der vorzüglichen Organisation des LG-Himmelgeist und der vielen Helfer die eine zuverlässige Wasserversorgung sichergestellt haben.
Der Himmelgeister Halbmarathon ist an sich schon eine sympathische Veranstaltung, alles familiär-professionell, freundlich und unkompliziert. Hier gehts ganz klar nicht ums Geld verdienen, sondern um den Spaß am Laufen. Und auch die Bewohner des kleinen Himmelgeist (im Süden von Düsseldorf) haben offensichtlich grossen Spaß an der Veranstaltung. Da fallen plötzlich knappe tausend Menschen mit Laufschuhen über das Dorf her, aber alle bleiben sehr cool und freundlich. Und abgesehen von anfeuernden Grüppchen, haben viele Anwohner während des Laufs sogar mit Wasserduschen an der Strecke für Abkühlung gesorgt.
Zum Start um 8 Uhr hatten wir knappe 28°C. Zuerst musste noch ein Linienbus durchgelassen werden (inklusive Applaus), dann gings los. Die Strassen sind für die Veranstaltung nicht wirklich gesperrt, aber alle Verkehrsteilnehmer nehmen vorbildlich und geduldig Rücksicht.
Die Strecke geht raus aus Himmelgeist, am Rhein lang, nach ca. 4km über die Fleherbrücke auf die andere Rheinseite, schattig wieder am Rhein entlang bis zur Südbrücke (nach etwa 12km), drüber auf die andere Seite und zurück am Rhein nach Himmelgeist. Wegen der Hitze hatten vorsichtige Läufer bereits an der Fleherbrücke die Gelegenheit umzukehren und eine 11,5km Strecke zu finishen. Wieviel das dann genau waren, weiß ich nicht, rein rechnerisch so ca. 30. Wurde also wahrgenommen und war damit eine durchaus sinnvolle kurzfristige Anpassung.
Ganze neun Verpflegungspunkte gibt es, das ist vorbildlich, grade bei so einem Wetter. Etwa 7 Kilometer gings durch die pralle Sonne, nachdem die Temperaturen bereits geklettert waren. Der gleichmäßige und noch angenehme Wind hat zumindest etwas für Kühlung gesorgt. Nach dem üblichen Startfeld-Gedränge hatte sich das Feld übrigens recht schnell aufgelöst, ich bin auf dem Rückweg weite Strecken fast alleine gelaufen. Das ist eins der (vielen) schönen Dinge bei diesen „kleinen“ aber feinen Veranstaltungen: limitierte Teilnehmerzahl im übersichtlichen Bereich (ca. 800). Selbst im Ziel hatte ich keinen „Sparringpartner“ für ein kleines Schlussduell und bin dann entspannt alleine über die Linie getrabt.
Meine Zielzeit: 1:41:36 (4:49 Pace), Platz 62 in der Herrenwertung, 10 in meiner Altersklasse, völlig ok für mich unter den Bedingungen (waren es 32°C im Zielbereich?).
Für die Lauf-Nerds: ich hab weder Gel noch sonstwas Zuckeriges während des Laufs zu mir genommen und nichts getrunken. Nur an jedem VP den Mund ausgespült und den Rest über den Kopf geschüttet. Und einen stets feuchten Schwamm dabei gehabt, der war Gold wert! Also einfach den Kopf/Körper kühl gehalten und kein Blubberbauch gehabt. Top. An den Füssen hatte ich wieder die geliebten Inov-8 Road-X-Treme 138.
Image/photo

Handfest war übrigens die Duschmöglichkeit nach dem Lauf: Ein Wasserschlauch an einem Trecker!! 🙂
Und wisst ihr was? Danke dafür! Ich hätte überhaupt keine Lust gehabt unter eine normale Dusche in einem evtl. auch noch stickigem Zelt zu gehen. Die Treckerdusche war dagegen eine Wohltat und es sind zudem noch lustige Gespräche zustande gekommen.
Treckerdusche

Fazit:
Ich hatte ganz einfach einen wirklich tollen Vormittag und bin froh endlich mal diesen schönen Halbmarathon mitgelaufen zu sein. Zumal dieser „Hitzelauf“ ein wunderbares Kontrastprogramm zum nicht minder schönen aber arschkalten und sturmgepeitschten Egmond Halbmarathon im Januar war.