Nochmal schnell um den See

Letztes Jahr fiel er für mich wegen gebrochenem Fuß aus, dieses Jahr war er dafür um so schöner: der alljährliche Halbmarathon des Martinslauf stand noch auf meiner Liste der offiziellen Rennen.
Um diese Jahreszeit kann man durchaus Pech mit dem Wetter haben, oder eben auch unheimlich Glück. Bei zwar frostigen Temperaturen, aber knallblauem Himmel und Sonne pur, konnte der SFD’75 dieses Läuferhighlight routiniert durchführen. Der Martinslauf zieht mehr Läufer als zb. der Kö-Lauf. Wenn es nicht die Begrenzung von 1.200 bei 10k und HM gäbe, wahrscheinlich noch mehr. Die Strecke ist zu 90% aber auch wirklich ein Genuss, Waldwege, flach, frische Luft, gute Versorgung (wer es braucht), sehr gute Organisation und ein buntes Rahmenprogramm für die ganze Familie.

Ich hatte es dieses Jahr völlig verpeilt meine Startnummer vorab zu organisieren, also auf den letzten Drücker einen Parkplatz suchen, Fußmarsch zum Ort des Geschehens, ins große Zelt, zum Glück keine Warteschlange mehr, Nummer ans Shirt gepinnt, kurz aufgewärmt und gedehnt und dann stand ich auch schon an der Startlinie. Viele bekannte Gesichter dabei, etliche Parkrunner (natürlich) und auch etwas Prominenz.
Runterzählen und los ging es. Wie üblich erstmal Gedränge, nach etwa einem Kilometer hatte ich mich frei gelaufen, ein Blick auf die Uhr: Pace 4:05. Die wollte ich halten wenn irgend möglich. Negativ Split oder so klappt eh nicht bei mir, also einfach laufen. Die Fivefingers V-Trail hatten sich ja schon auf der Strecke bewährt, waren auch diesmal die richtige Wahl und überhaupt es fühlte sich einfach alles klasse an. Nach ca. 14km zogen die ersten schnellen Hirsche, die den negativen Split können, an mir vorbei, teilweise mit aufmunternden Worten „Alter! Mit den Schuhen so ein Tempo!?“ Immer wieder schön 🙂
Der für mich blödeste Teil ist der schnurgrade Streckenteil auf dem Radweg direkt neben der Bundesstrasse, da geht mir jedesmal das Tempo etwas weg, meine Pace schwächelte auch diesmal. Danach aber wieder rein in den Wald und nochmal hochgeschaltet, fix ein paar Läufer überholen und auf in den Schlußsprint, alle Reserven locker machen.
Die letzten zwei Kilometer lassen sich nochmal ganz wunderbar rennen, nur seichte Kurven, angenehmer Untergund, da geht was. Plötzlich höre ich Schnaufen hinter mir, jetzt noch überholt zu werden ist völlig undiskutabel, nun also wirklich schnell sprinten. Dass das überhaupt noch möglich war, zeigt mir mal wieder dass ich grundsätzlich wohl auf der HM-Distanz noch was rausholen könnte.
Der Zeileinlauf war wirklich sensationell, wir zwei haben uns echt nichts genommen, sind gerannt wie die Irren. Ich hatte dann zwar die Füsse vor dem Kollegen über der Matte, aber netto war er tatsächlich etwas schneller als ich. Hat sich also für beide gelohnt.
Anschließend abklatschen, sich gegenseitig feiern, freuen, literweise warmen Tee trinken und statt Medaille den obligatorischen Weckmann abholen.
Meine offizielle Netto-Zeilzeit: 01:28:45, Platz 36 (von 931 Finishern), 3. Platz in meiner AK M50.
Also mein dritter HM unter 1:30 innerhalb eines Jahres, der ehemaligen Traumzeit, die ich nie zu erreichen glaubte.
Mehr als zufrieden ging es in netter Gesellschaft zurück zum Parkplatz und ab nach Hause. Ein wunderbarer Lauftag war das!

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Aufwärmen.

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Zielsprint!

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Der Weckmann war schnell weg Mann. Die Pfeife ist geblieben.

Drei schnelle Runden durch Düsseldorf

Der Kö-Lauf war früher mal ein 10km Lauf, der vier oder fünf Runden über und um die Königsallee mitten in Düsseldorf ging. So genau weiß ich das nicht mehr, obwohl ich zweimal dabei war. Aus meiner Erinnerung eine eher lieblose Veranstaltung und beim zweiten mal (2014) hat die Zeitmessung für mich nicht mal geklappt. Naja, daraufhin hatte ich in den Folgejahren keine Lust mehr Runden in einem völlig überfüllten Feld zu laufen.
Vor einigen Jahren kam die Halbmarathondistanz dazu, ich hatte immer noch kein Interesse, aber dieses Jahr hat mich irgendwas gestochen, vielleicht sollte ich  da doch einfach mal mitzumachen. Ist ja im Grunde direkt vor der Haustür.
Die Strecke besteht aus drei 7km-Runden, ist superflach, einige enge Kurven sind dabei, absolut tauglich für Bestzeiten.
Und eine Bestzeit hatte ich mir auch vorgenommen, ein paar Sekündchen schneller als beim Himmelgeist HM sollten es schon sein, zumal das Wetter auch noch wunderbar passen sollte, 12°C, wolkig, nur leichter Wind.
Meine einzige Sorge war, dass es wohl sehr voll sein wird und ich steh echt überhaupt nicht auf Gerempel auf den ersten paar Kilometern.
Auf Anraten einiger Läufer im Vorfeld hab ich mich dann also mutig in die vierte Reihe gestellt und wurde wie üblich stark belächelt für mein Fivefingers-Schuhwerk. Sogar leichter Spott war diesmal dabei, naja, wenn ihr sonst nix habt Leute, da steh ich echt drüber.
Startschuss und ab dafür. Erstmal sofort mit einer Pace von 3:45 um schnell aus dem Startfeldgedrängel zu kommen. Diese Pace würde ich niemals halten können, aber Halbmarathon ist sozusagen meine Haus-und Hofdistanz, da kann ich so ziemlich alles recht gut einschätzen. Mein Plan war durchschnittlich eine 4:14er Pace zu laufen, dann würde alles passen.
Und kaum war ich unterwegs, hat es einfach nur noch Spaß gemacht, sehr sogar!
Das Feld hat sich wider Erwarten sehr schnell gelichtet, ich war zeitweise fast alleine unterwegs und konnte einfach mein Tempo machen, mal etwas schneller, mal etwas langsamer, der Schnitt passte.
Gedrängel gab es überhaupt nicht, die Zuschauer haben gefeiert, ich konnte Läufer überholen, mich überholten Läufer, keine Anspannung bei mir, einfach nur konzentriert laufen war angesagt.
Vorteil beim Runden laufen: Nicht nur meine Liebste hat mich auf jeder Runde anfeuern können, sondern zu meiner großen Freude stand ein Parkrunner an der Strecke und hat mich ebenfalls bei jedem Durchlauf motiviert. So macht das Spaß! Am Nachmittag hat er dann übrigens den 10km Lauf mit einer sensationellen Zeit gefinisht.
Bei km15 hab ich das Schlussfahrrad überrundet, ab dann waren ständig langsame Läufer aus dem Schlussfeld auf der Strecke, die fix überholt wurden. Unter anderem auch drei Barfußläufer aus der hiesigen „Barefoot Academy“. Kurzes sympathisches Scherzen (über Barfuß und Fivefingers) und dann mit Tempo auf die letzten Kilometer.
Nach der letzten Runde geht es runter von der Hauptstrecke, schnell und schnittig um zwei Kurven, unter dem Zielbogen durch, Medaille abgegriffen, Uhr gestoppt und gestaunt: 01:27:43!
Damit konnte ich meine bisherige Bestzeit um satte zwei Minuten verbessern!
Offizielles Ergebnis: Platz 34 (von 832 m/w Läufern).

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Danach erstmal viel trinken, auf der Strecke hatte ich keinen VP genutzt, war nicht nötig. Aber hinterher kommt der Durst, so sicher wie der Zielbogen. Der Nachzielbereich war übrigens gut ausgestattet, Bananen, Wasser, Iso usw., alles da. Und wieder bekannte Parkrunner als Helfer beim Getränke ausschenken. Düsseldorf ist eben ein Dorf 🙂

Auf den Punkt gebracht: der Kö-Lauf ist nach wie vor eher lieblos, aber man bemüht sich um viel Aktion, besonders für den läuferischen Nachwuchs. Ist aber eben auch eine Innenstadt-Veranstaltung und kein charmanter Dorf-Volkslauf. Wer schnell laufen möchte kommt absolut auf seine Kosten, ich kann mir tatsächlich vorstellen wieder mitzumachen.
Dieses Jahr war ich jedenfalls so richtig zufrieden mit dem Lauf!

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Lange Meile von Langenfeld nach Himmelgeist

„So langsam solltet ihr mal nach Himmelgeist umziehen“ bekam ich freundlich augenzwinkernd im Zielbereich des diesjährigen Himmelgeistlauf oder 35. Herbert-Hermanns-Lauf zu hören. Bin ich doch eh ständig beim örtlichen Halbmarathon anzutreffen und habe inklusive des Jüchtlaufs dieses Jahr alle drei Läufe des mir bis eben unbekannten „Himmelgeist Cup“ bestritten.
Der ca. 16km lange Himmelgeistlauf startet traditionell am Wohnhaus des langjährigen Schützenchefs Herbert Hermanns in Langenfeld und endet mit tosendem Beifall im Festzelt der „kleinsten Kirmes am Rhein“,  in Himmelgeist.
Läufer Herbert hat sich vor 35 Jahren gesagt, bevor wir Schützenfest feiern, wollen wir noch was Gutes tun. Jeder Läufer spendet am Start einen Betrag nach Wahl zu Gunsten der Kinderkrebsklinik, bei ca. 80 Läufern nebst Begleitung kommt da schon eine schöne Summe zusammen.

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Nach der Emaileinladung zögerte ich nicht lange, hatte aber keine Ahnung was der „Heppi“-Hermanns-Lauf sein sollte, nur die Strecke hat mich angesprochen und dass es in Himmelgeist immer sehr familiär und freundlich zugeht.
Also haben wir uns um 10:30 Uhr bei allerbestem Sommerwetter (28°C) vor Herberts Haus in Langenfeld eingefunden, meine Fivefingers waren mal wieder Thema, gerne belächelt, von Kindern allerdings immer als „coooole Schlappen!“ betitelt. Viele der Läufer kannten sich, einige sind sogar aus Himmelgeist nach Langenfeld gelaufen um dann wieder zurück zu traben.
Es gab ein paar kurze Ansprachen vom Düsseldorfer Oberbürgermeister (begeisterter Läufer) der auch erstmalig dabei war, sowie einigen anderen Organisatoren, und dann ging es einfach los.
Ich bin davon ausgegangen dass es sich um einen geselligen gemeinschaftlichen Lauf handelt und wunderte mich dass da ein paar echt schnelle Typen losballerten. Also scheinbar gehts um irgendwas, dann kann ich ja auch einfach mal losrennen. Fix das Feld aufgerollt, die zwei schnellsten Hirsche sind bereits uneinholbar weit vorne, ich hab schließlich einen drahtigen Läufer in meinem Tempo gefunden und bin mit ihm plaudernd gute 6km in 4:00er Pace zusammen gelaufen. Von ihm hab ich dann auch erfahren dass es sehr wohl eine Zeitmessung der ersten drei gibt und dass der dritte Platz dieses Jahr mir gehören würde, er müsste gleich mal langsamer machen, fühlte sich nicht so richtig toll. Irgendwann hab ich nur noch ein „viel Erfolg!“ gehört und der Kollege war weg. Ich also alleine weiter, irgendwo hinter mir folgte ein Läufer in weissem Shirt, aber eher ungefährlich für meine Platzierung. Das Feld hatte sich sehr weit auseinandergezogen, ich war plötzlich wirklich völlig alleine unterwegs.
Die Beschilderung der mir komplett unbekannten (und wirklich sehr schönen!) Route war recht gut, bis es dann passierte, auf den letzten zwei Kilometern bin ich falsch abgebogen, fand mich irritiert in einem Hof und einer Sackgasse wieder. Schnell umdrehen, da sah ich auch schon Weisses Shirt, der mich rüberwinkte. Kurzer Dank an den freundlichen Kollegen und ein wenig Flucherei, dann wieder ab in mein Tempo. Den Dritten wollte ich mir durch diesen Patzer nicht nehmen lassen.
Nochmal kurz durch Felder und pralle Sonne, die letzten Meter durch Himmelgeist geprescht und dann der Zieleinlauf in das Kirmes-Festzelt, unter tosendem Applaus der Anwesenden. Großartig!
Die beiden Erstplatzierten erwarteten mich bereits, waren satte 7 Minuten vor mir da. Ich bin die 15,75km in 1:06:45 gelaufen und fühlte mich prima. Endlich mal ein echtes Treppchen 🙂
Die letzten Läufer wurden abgewartet, auch Oberbürgermeister sowie der Organisator trudelten bald ein.
Erst danach folgte die Ehrung der ersten drei Radfahrer (die Strecke konnte auch mit dem Rad bewältigt werden) und schließlich von uns Läufern.
Alles „dörflich-rustikal“ mit toller Stimmung. Ich mag diese kleinen Läufe einfach, hier ist alles authentisch, es geht um den Sport und in diesem Fall um die Spende. Und alle haben phänomenal gute Laune, sowas tut einfach gut.

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Gewinner-Trio mit Oberbürgermeister Thomas Geisel (3-1-OB-2)

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„Steht da nicht rum wie die Ölgötzen, macht mal was!“ Ok. 🙂

Nächstes Jahr bin ich wieder dabei. Und wer weiß, vielleicht ziehen wir tatsächlich mal nach Himmelgeist, ist echt schön dort.

Vernunft schon wieder

Was hab ich mich auf den Monschau Ultra dieses Jahr gefreut!
Super früh angemeldet, sehr gut mein „Plan“ durchgezogen, nichts übertrieben, trotzdem gefordert, ohne Höhenmeter-Training geht halt nix in der Eifel, nur um mir dann eine Woche vorher (eine Woche!!) beim schnellen bergab rennen eine ordentliche Wadenzerrung einzufangen. Ja ich war sehr schnell, ja das war ein fieser Trail, nein ich habe keinen technischen Fehler begangen, vermutlich ging es einfach zu heftig bergab und der eigentlich schöne kühle Regen hat mir den Rest gegeben, etwas mehr aufwärmen vorher hätte vielleicht geholfen. „Hätte hätte …“, was auch immer.
Da saß ich dann also am Freitag im regnerischen Wald, massierte mir die Wade in der Hoffnung dass das schnell wieder weggeht, ging es aber nicht. Also langsam nach Hause getrabt, gekühlt, massiert und die Schaumstoffrolle rausgeholt. Einige Tage Pause und gut dran gearbeitet, am Dienstag einen sehr ruhigen Lauf angetestet, flache Strecke ging zwar gut, aber die Eifel ist nicht flach. Treppe war dann schon wieder „suboptimal“.
Entscheidung: sei nicht dumm, sag ab.
Ein Fiasko wie in Düsseldorf möchte ich in der Eifel nicht erleben.
Gesagt getan, Mail an das Moma-Team geschrieben (gehört sich so finde ich) und eine nette Antwort bekommen, es gäbe ja die Option entweder aufs nächste Jahr zu schieben oder eben jemand anderen mit der Startnummer zu beglücken.
Aus Elkes Blogbeiträgen der letztem Wochen wusste ich, sie startet in Monschau, also fix angemailt, vielleicht fällt ihr jemand ein der/die noch eine Startnummer sucht.
Die Suche dauerte nicht lange und Heidrun war gefunden. Die Umbuchung ging sehr reibungslos, von Ultra auf Genuss-Marathon, und die beiden hatten heute einen tollen Genuss-Marathontag in Monschau 🙂
Ich dagegen schaue zwar etwas neidisch auf die Bilder in Elkes Blogbeitrag, aber bin fein mit der Entscheidung, das wäre nicht gut gegangen und von sehr wenigen Ausnahmen abgesehen, siegt bei mir ja eigentlich immer die Vernunft.

Heute war ich dann statt im hügeligen Wald vorsichtshalber lieber am flachen Rhein unterwegs und hab mir einen etwas schnelleren 21km „Monschau-Solidaritätslauf“ zum austesten gegeben, die Wade war still, aber zuhause musste ich dann nochmal dran herum massieren, ganz weg ist die Sache also noch nicht.
Fazit: alles richtig gemacht.  Dann bereite ich mich eben auf andere Klamotten vor die dieses Jahr noch anstehen.

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Wenn die Startnummer zur Zielzeit wird

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Der Halbmarathon im beschaulichen Himmelgeist, auch Brückenlauf genannt, gehört ganz klar zu meinen Lieblingslaufveranstaltungen. Überschaubar (maximal ca. 860 Teilnehmer), sehr freundlich, gut organisiert und die Strecke ist überwiegend flach und sogar durchaus schön.
Nachdem ich letztes Jahr nicht mitmachen konnte, ging es heute zum mittlerweile vierten Mal an den Start.
Es war um 8 Uhr schon recht warm, später auf der Strecke ging die Temperatur ziemlich fix in eine unangenehme Höhe. Wegen der zu erwartenden Hitze gab es die Möglichkeit die Strecke auf 11 km zu verkürzen, kein Thema für mich, das wurde aber von 18 Läufern wahrgenommen, also eine gute Entscheidung vom Veranstalter.

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Der Startschuss fällt immer so „ab 8 Uhr“, erst fährt noch ein Linienbus durch. Das heißt, alle müssen nochmal runter von der Straße, auf die Bürgersteige. „Traditionell“ wird die Durchfahrt des Busses dann von einer deftigen Laola-Welle aller Teilnehmer begleitet, quittiert von einem sehr breiten Grinsen des Busfahrers.
Nach der Busdurchfahrt ist jegliche vorherige gezielte Aufstellung natürlich für die Katz, alles sortiert sich dann irgendwie sehr schnell neu, der Countdown zählt runter und los gehts.
Wie bisher, lasse ich mich gar nicht erst in das Gewusel auf der Straße ziehen, sondern warte einfach kurz auf dem Bürgersteig bis sich eine kleine Lücke ergibt und sprinte dann los.
Wegen der Hitze bin ich entspannt ohne große Zeitvorgabe losgelaufen, grob geplant wäre irgendwas um 1:35 bis 1:40 völlig ok gewesen. Auf den ersten 5 km bemerkte ich dann aber schon, dass es sehr gut läuft, teilweise hatte ich eine Pace von 3:55 auf der Uhr stehen. Nicht in Übermut verfallen, lieber etwas bremsen, nicht auf den letzten Kilometern einbrechen.
Das Feld hatte sich diesmal schon früh auseinander gezogen, die schnellen Helden sind in zwei Gruppen vorgeprescht, danach folgten ein paar Einzelkämpfer, mit mir dazwischen. Schönes freies Laufen im eigenen Tempo, so mag ich das.
Schon nach etwa 4 Kilometern geht es rauf auf die Fleher Brücke zur anderen Rheinseite, die erste von sehr wenigen Steigungen und erstmal rein in die pralle Sonne. Nach der Brücke wird die Strecke überwiegend schattig, flach und schnell.
Bei Km10 rief mir ein Streckenposten die aktuelle Platzierung zu, ich bekam „32!“ mit auf den Weg und freute mich. Schon klar, irgendwelche schnellen Hirsche laufen defensiv und auf negativen Split irgendwo hinter mir, die kommen noch, den Platz werde ich nicht behalten.
Ab km12, mitten auf der zweiten Brücke, fuhr plötzlich ein Begleitungsfahrrad neben mir her, nicht für mich, sondern für die schnellste Frau die das Feld von hinten aufrollte. Eine Weile konnte ich mit ihr mithalten, hab sie dann aber ziehen lassen, da waren ein paar Gramm mehr Ehrgeiz im Spiel als bei mir.
Alle VPs wurden mitgenommen, jedesmal gab es aber nur einen Becher Wasser über den Kopf. Einen Schluck zu trinken gönnte ich mir nur einmal am letzten VP, dort hab ich dann auch ganz kurz den Kopf in eine Wasserwanne gesteckt.
Die letzten paar Kilometer geht es nach den zwei Rheinbrücken, viel Sonne, etwas Schatten und Natur wieder zurück nach Himmelgeist. Die freundlichen Einwohner hatten wieder mal jede Menge Wasserduschen für uns Läufer improvisiert, ein Genuss! Ich konnte nicht anders und hab fast jede mitgenommen, klatschnass und gut gekühlt war wieder mehr Tempo drin.
Auf den letzten 800 Metern wird es etwas gemein. Statt nach rechts Richtung Ziel zu laufen (gut zu sehen, sehr gut zu hören), gibt es nochmal eine kleine Schlaufe durch die Siedlung. Das ist der Demotivationshammer wenn man die Strecken nicht kennt, ich erinnere mich noch gut an meine erste Teilnahme.
Und dann plötzlich nach einer Kurve, geht es auf den schnurgraden Zieleinlauf, nochmal Dampf machen, über die Matte sprinten, Medaille abgreifen und pfiffigerweise noch etwas weiter traben (Lehrstunde Luxemburg HM).
Blick auf die Uhr: 1:29:46!
Also endlich die 1:30 geknackt! Nicht wirklich geplant und deshalb umso erfreulicher.
Der Hammer ist allerdings: ich hab teilweise in der prallen Sonne regelrecht „getrödelt“, die kurze Pause um den Kopf in den Trog zu stecken hat auch Zeit gekostet. Da ist also möglicherweise sogar noch mehr drin. Wieder ein neues Ziel.
Und nicht zu vergessen, das ganze in Fivefingers. Da wird man am Start ja immer gerne etwas belächelt, hinterher bin ich allerdings der mit dem Lächeln.
Später erst wurde mir klar, dass meine Startnummer die 129 war, passt ja wunderbar zur Zielzeit 1:29.

Im Zielbereich hab ich dann wirklich reichlich Wasser in mich reingeschüttet, noch eine Weile mit einigen mittlerweile bekannte Läufern gequatscht und mich dann zur großartigen Trecker-Dusche im „Nachzielbereich“ begeben:
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Fazit: Platz 36 von 732 Halbmarathon-Finishern.
Mir gehts super und nächstes Jahr bin ich wieder dabei.

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9 Jahre Laufen

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Seit mittlerweile fast genau neun Jahren drehe ich regelmäßig meine Laufrunden.
Der Auslöser war Ende Juni 2010 eine auffällig mangelnde Ausdauer, die sich manifestierte, als ich mal schnell ein paar Etagen Treppe hochlaufen musste und dabei kläglich versagte. Bis dahin glaubte ich wirklich topfit zu sein.
Einen Tag später stand ich im Lauf-Fachgeschäft und hab nach ausführlicher Beratung ein paar Laufschuhe gekauft. Und schon abends ging es los, vorerst mit viel Mühe auf kurzen Strecken.
Bereits von Anfang an wurde jeder Kilometer notiert, mit Zeit und so, ihr kennt das. Eine GPS-Uhr folgte erst wesentlich später. Mir hat es sehr geholfen dran zu bleiben und um die zarten Fortschritte zu sehen. Es ging mir ja erstmal nur um die mangelnde Ausdauer für mehr war mein Kopf auch gar nicht bereit.
Jeder Laufanfänger weiß: die Fortschritte kommen zuerst schnell und sind motivierend, später wird es etwas mühsamer. Mein Schweinehund hat allerdings ziemlich früh aufgegeben, Laufen hat mir sehr schnell, sehr viel Spaß gemacht.

Irgendwann fingen die erste Blogversuche (eher als Tagebuch) an, zuerst mal hier mal dort, nur in kleinen Netzwerken, Anfang 2015 wurde immerweiterlaufen.de als feste "Homebase" daraus.
Ich wollte mehr ehrliche Erfahrungsberichte und Tipps von anderen Läufern lesen und vor allem Läufer kennenlernen und mich austauschen können. Dafür ist ein Blog super geeignet. Mittlerweile erfreue ich mich an vielen supernetten Kontakten die auf diesem Wege zustande gekommen sind. Allein dafür hat sich die Lauferei schon gelohnt.

Zwei Jahre später ergab sich aus purer Neugier der erste 10km Volkslauf, 2014 aus Ehrgeiz der erste Halbmarathon und dann 2015 der erste Marathon, weil ich wissen wollte ob ich das kann.
Der erste 56km Ultramarathon 2017 hat dann Grenzen und Anspruch vollkommen verschoben, beziehungsweise bereits das Training für den Ultra hat einiges in mir in Gang gesetzt, das auch heute noch nicht abgeschlossen ist.
Einfach zu laufen ist eine Sache, auf etwas hinzulaufen eine andere. 5km oder 10km kann man auch als Freizeitjogger (und das meine ich absolut positiv) recht gut hinbekommen. Für einen Halbmarathon muss man auch schon mal regelmäßiger raus, auch wenn das Wetter mistig ist.
Um Marathon in einer geplanten Zielzeit zu laufen, ist eine Portion Ehrgeiz absolute Bedingung. Na klar, die 42km kann man auch unter der Prämisse "Hauptsache ankommen" durchziehen. Diesen Anspruch hatte ich aber bereits nach dem ersten 10er schon nicht mehr. Wenn schon mitmachen, dann will ich an dem Tag auch das Beste aus mir rausholen. Ansonsten könnte ich mir das Geld und den Aufwand doch einfach sparen und meine Abendrunde entsprechend verlängern (was durchaus eine tolle Sache sein kann!).
Auf einen Ultra in der bergigen Eifel zu trainieren, das war allerdings nochmal eine andere Nummer, zumal es hier in Düsseldorf keine echten Berge zum Testen gibt. Da bleibt nur eins: laufen, laufen, laufen, danach noch mehr laufen. Und sich immer und immer wieder durch die lokalen Hügelchen quälen. Bis die Beine glühen.
Als die Marathon-Idee aufkam, hab ich mit diversen populären Plänen rumhantiert, alle namenhaften Helden und Buchautoren waren dabei. Um allerdings sehr schnell zu merken, das ist überhaupt nicht meins. Auch wenn es nun etwas ambitionierter wurde, der Spaß sollte erhalten bleiben, auf ausgefeilte Stundenpläne hatte (und habe) ich überhaupt keine Lust.
Also lief es darauf hinaus nach Körpergefühl zu trainieren, mindestens einmal die Woche einen langen Lauf durchziehen, der zum Marathon hin immer länger wurde, danach Taperingwoche einhalten und gut. Wobei sich die Definition "langer Lauf" mittlerweile auch gewaltig verschoben hat. Die Herausforderung von vor ein paar Jahren ist jetzt zum Beispiel die normale Distanz meiner gemütlichen Abendrunde.
Diese Art zu trainieren hat sich bei mir so bewährt, aber ist selbstverständlich keine Empfehlung für andere. Das alles ist logischerweise stark abhängig von Umfang und Intensität des restlichen Trainings.
Ich renne pro Woche zwischen 60 -100km in eher schnellem Tempo. Manchmal sogar mehr. Das ist mein Wohlfühl-Laufen. Genauso macht mir das Laufen Spaß. Ich möchte und muss mich beizeiten auspowern.
Wer hier regelmäßig mitliest, kennt meine Marotten.
Innerhalb dieses Umfangs baue ich dann rechtzeitig und gezielt immer wieder einige Spitzen ein, die mich auf mein nächstes Abenteuer vorbereiten. Das ist dann mein einziger Plan, ab und zu steht im Kalender sowas wie "sehr langer Lauf" oder "Langer Waldlauf" oder "Höhenmeter sammeln" als Erinnerung. Und manchmal schaue ich sogar vorher in diesen Kalender. Funktioniert, ist realistisch, passt in mein Leben, macht Spaß.
Der Ermüdungsbruch letztes Jahr, sowie der abgebrochene Marathon dieses Jahr, zeigten mir krachend dass der Körper nicht alles verzeiht. Sowas muss man nicht erleben, war am Ende dann aber für mich sehr lehrreich. Manche Fehler begeht man eben nur einmal.
Ich habe in den letzten neun Jahre auf jeden Fall extrem viel gelernt, fühle mich aber immer noch oft genug wie ein Anfänger, ein wenig Demut schadet nicht.
Ich bin Schritt für Schritt von "normalen Laufschuhen" auf minimales Schuhwerk, hauptsächlich Fivefingers, umgestiegen. Fühle mich jetzt fitter, gesünder und ausgeglichener als "damals" mit Anfang 40. Hab nicht nur, wie erhofft, meine körperliche Ausdauer verbessert, sondern auch im Kopf passiert eine Menge positives, immer noch, das ist spannend. Und nicht selten bin ich stolz wie Bolle, auf ein neues erreichtes Ziel.
In einfachen Worten: Laufen tut mir wirklich rundum gut.
… dabei wollte ich doch einfach nur meine Ausdauer verbessern 🙂

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Allez! Allez! Olli!

Endlich war es soweit, ich konnte mein Weihnachtsgeschenk einlösen: der Start zum Halbmarathon beim sagenhaften Luxemburger Night Marathon.
So ein Halbmarathon geht ja bekanntlich immer, kniffeliger wird es, wenn man die Strecke nicht kennt, es plötzlich krachender Hochsommer ist und das Höhenprofil vorab nicht ausgiebig betrachtet wurde.
Wir waren bereits einen Tag vorher gemütlich angereist, die Stadt wollte ja auch noch etwas erkundet werden. Vorab aber erstmal mit dem Bus zum Expo-Gelände nach Kirchberg, dem zentralen Punkt für alles um den Marathon. Große Messe, Startunterlagen, Start- und Zielbereich. Alles sowas von gut organisiert und freundlich, dass ich schon einen Tag vorher restlos begeistert war.
Die Startunterlagen hatte ich schnell abgeholt (recht üppiges Paket übrigens), Wasser gab es gleich mehrfach („das Wetter…“) und dann ging es mit dem Bus wieder zurück in die Stadt um den Sommerabend in den Gassen zu geniessen.
Gestartet wird um 19 Uhr, also konnten wir noch den halben Samstag verbummeln, ich hatte mich bereits von einer Wunschzielzeit verabschiedet, es wurde heiß (über 27°C) und mir wurde während der Busfahrten das Höhenprofil der letzten 5km bewusst.
Die Shuttlebusfahrten waren super organisiert, freundliche Helfer an den Stationen und nur knappe 15 Minuten Fahrt bis zum Expogelände. Ich hatte diesmal entschieden dass der Klamottenbeutel abgegeben wird (sonst hat den meine Liebste immer mit sich rumgetragen), der Nachzielbereich ist groß und ich wollte dann schnell aus den nassen Sachen raus. Also weg mit dem Beutel und rausgeschlängelt, für die restliche Wartezeit noch ein schattiges Plätzchen suchen (nicht einfach).
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Zehn Minuten vorm Startschuss, ab in die Startbox B. Menschenmengen. Musik. Party. Hier schon unglaubliche Stimmung. Mehrfaches Ansprechen auf die Fivefingers. Nette Typen kennengelernt. Sprachendurcheinander. Angeblich insgesamt 16.000 Läufer am Start, Staffeln, HM (ca. 6.700) und Marathon (ca. 1.330). Das ist fett.
Gemeinsames Runterzählen, Startschuss, Konfettikanone, kurzes anlaufen, dann wieder gehen, noch 50 Meter bis zur Linie. Um über die Startlinie zu kommen brauchte ich ewige 1:18 Minuten, und das aus Startblock B… wie es wohl den Kollegen aus den hinteren Blöcken ging?!
Dann aber los, ab gings nach ganz kurzem Anstieg erstmal runter, in meiner normalen Pace. Sehr erfreulich, nach bereits 1km war eine Verpflegungsstation aufgebaut, toll für mich und viele andere, grade kurz nach dem Start ist mein Rachen oft völlig trocken (Aufregung blabla). Ein Schluck Wasser geschnappt, den Rest überm Kopf, nicht stoppen, laufen.
Die Strecke ist anfangs nicht besonders schön, es geht durch Kirchberg, Bürotürme, kleine Siedlungen, aber trotzdem waren hier schon großartige Stimmungs-Hotspots. Bei dem Wetter wollte einfach jeder draussen feiern. Das pusht und macht brutal Spaß.
Anfangs hab ich mich gefreut dass ständig alle meinen Namen riefen, bis mir klar wurde, die rufen Allez! Allez! nicht Olli! Olli! Kleiner Lachanfall und weiter.
Unterwegs hab ich tatsächlich fast jede Wasserstelle für einen kleinen Schluck Wasser genutzt und vor allem jede Dusche, einfach reinlaufen, erfrischen und freuen, bei diesen Temperaturen der pure Genuss.
In Kirchberg war ja schon ordentlich Partystimmung, aber was dann in der Stadt los war, damit hab ich nicht gerechnet. Einfach gesagt: die Luxemburger, die können feiern!
An der kompletten Strecke jubelnde, anfeuernde Menschenmassen, Musik, gute Laune, unfassbar! In der Stadt wurde es verwinkelt, harte Kurven, kleine Passagen, frische Luft im Park, dann der Lauf auf den Place Guillaume II, ein Hexenkessel, hier trennen sich bei ca. km15 die Halbmarathonis von den Marathonläufern, nochmal kurz durch die Gassen und dann wieder zurück über die Pont Grand-Duchesse Charlotte aufwärts nach Kirchberg.
Die gesamte Strecke ab der Brücke geht es aufwärts, absolut keine Gnade auf den letzten 5km, ehrlich gesagt bin ich dieses Teilstück fast am Limit gelaufen und hab dann einen Gang zurückgeschaltet. Das war gut so, erst knappe 200 Meter vorm Ziel geht es wieder bergab, plötzlich läufst du volles Brett in die Messehalle, helles Licht, Musik, Party, Gogogirls, jubelnde Menschen, eine Kurve noch und zack! im Ziel! Ich stoppe glücklich, mir wird sofort kotzschlecht, besser noch etwas weitertraben, der großzügige Nachzielbereich hat Platz für sowas. Da gab es übrigens sogar Kotztüten, ich hab mir eine gegriffen. Merke für das nächste mal: auf den großen Teller Fritten vor dem Lauf unbedingt verzichten.
Eine Medaille gab es natürlich auch und ein echt fettes Angebot an Leckereien. Mit dem Hunger das hielt sich etwas in Grenzen, aber gute zwei Liter Iso und Wasser hab ich mir fast auf Ex gegeben.
Dann schnell den Kleiderbeutel holen (und das ging wirklich schnell, trotz der Menge), zur Dusche, umziehen, raus aus dem exklusiven Läuferbereich und endlich von der Liebsten bejubelt werden.
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Die Heimfahrt zum Hotel ging auch völlig problemlos, der Shuttleservice, so wie alles andere auch, war perfekt organisiert.
In der Stadt angekommen konnten wir sogar noch etliche Marathonläufer anfeuern, ich war aber echt froh dann bald im Hotelzimmer zu sein.

Alles in allem ein zum Schluss anstrengender aber superklasse Halbmarathon!
Die Marathonläufer sind allerdings wirklich die Helden, bei diesem Wetter 42km kreuz und quer durch die Stadt, das ist kein Zuckerschlecken. Besonders wenn ich an die letzten paar Kilometer denke.

Meine Zielzeit netto 01:39:13, Platz 355 (22 in AK M50), voll zufrieden.
Bestzeiten kann ich woanders laufen, das hier war ein Partylauf unter besonderen Bedingungen 🙂

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Jüchtlauf

Seit Juni 2010 laufe ich regelmäßig. Anfangs einfach nur so, aber irgendwann kam die Idee mal an einem Volkslauf teilzunehmen. 2012 hab ich mich dann also auf meinen ersten offiziellen Wettkampf gewagt, das war der Jüchtlauf in Düsseldorfs Süden. Aufgeregt bis in die Haarspitzen, keine Ahnung von minimaler Planung und natürlich hochmotiviert. Nach dem erfolgreichen Finish ging nichts mehr, ich war wirklich fix und fertig, dazu gibts auch noch ein schönes Foto 🙂
Seitdem bin ich den Jüchtlauf leider nicht wieder gelaufen, hatte sich einfach nie ergeben, immer ist was dazwischen gekommen.
Aber nicht so dieses Jahr.
Kurzfristig angemeldet ging es heute bei tollem Wetter auf die schöne schnelle Strecke. Nach einer launigen Ansprache und dem gemeinsamen Countdown runterzählen, startet der Lauf zuerst kurvenreich durch das beschauliche Himmelgeist, danach gehts durch Wiesen und Weiden, kurz am Rhein entlang, zurück durch Itter, noch eine kleine Schlaufe wieder in Himmelgeist und plötzlich ist das Ziel da.
Teilweise bin ich auf der zweiten Hälfte der Strecke ziemlich alleine gelaufen, immer den Sub40 Raketen hinterher, hab aber die 39 mal wieder knapp verfehlt. Finish mit netto 40:50 Minuten, um knapp einer Sekunde an meiner bisherigen PB vorbei geschrammt, es gibt wahrlich schlimmeres.
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Dieses Jahr waren 220 Finisher dabei, ich auf Platz 23, dritter meiner AK.
Der Plan war überhaupt nicht besonders schnell zu laufen, sondern mehr der Spaß mal wieder an einem sympathischen kleinen Volkslauf teilzunehmen, die Strecke lädt allerdings ein ab und zu auf die Tube zu drücken. Zum Ende hin haben sich dann die fast 90 Wochenkilometer bemerkbar gemacht und ich hab etwas Tempo rausgenommen. Wer nie richtiges Tempotraining macht, muss halt auch mal improvisieren.
Neben dem 10km Rennen gibt es natürlich noch 5km, Bambini und Staffellauf, alles überschaubar, sehr freundlich und toll organisiert. Und dafür kann man als Teilnehmer überhaupt nicht genug danken, die Orga vor Ort war klasse und unkompliziert. Und wie beim jährlichen Halbmarathon in Himmelgeist (der zu meinen Lieblingsläufen gehört) scheint das halbe Dorf an der tagesfüllenden Veranstaltung irgendwie teilzunehmen. Da keinen Spaß zu haben, ist fast unmöglich.
Erstaunt war ich übrigens über das hohe Leistungsniveau, teilweise mit bekannten Gesichtern (hallo Thomas!), aber auch viele Vereinsläufer mit echt viel Tempo. Ausserdem war endlich mal ein weiterer Fivefingers-Läufer dabei, der sogar auch noch sein Volkslauf Debüt hatte. Geht doch 🙂

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Uuuuuund im Ziel.

… und dann war ich raus

Um es kurz zu machen: heute war Düsseldorf Marathon, ich bin bei km23 ausgestiegen.
Mein erster DNF, wer hätte das gedacht…

Wie konnte das passieren?
Recht einfach. 14 Tage vorher kein einziges mal gelaufen, wegen hartnäckiger Nebenhöhlenentzündung und echt heftigem Reizhusten. Nebenbei noch in der Weltgeschichte rumgeflogen und die Sache nicht annähernd vernünftig auskuriert.
Zwei Wochen krank sind aber scheinbar keine zwei Wochen Tapering (was ich mir tapfer eingeredet hatte).
Trotzdem an den Start, das Wetter war sogar besser als vorausgesagt und mir ging es tatsächlich so richtig gut, hochmotiviert wie immer.
Ich bin zügig gestartet, konnte meine Pace wunderbar halten, die ersten 15km waren wirklich Routine und Genuss.
Bei km18 fiel mir auf dass ich viel langsamer laufe als geplant, also Tempo machen. Ging aber nicht, ständig zogen Läufer an mir vorbei die weit hinter mir sein sollten. Schnell das Notfall-Gel rausgekramt und weggeschlürft. Null Wirkung, die Pace wurde immer mieser. Zwischenzeitlich wurde ich vom 3:30h Pacer überholt und konnte das gar nicht glauben, meine Wunschzielzeit war mit 3:14h geplant…
Bei km23 dann schließlich der totale Abriss, nichts ging mehr, zwei Minuten Gehtempo und der sehr schnelle Entschluss: aufhören. Jetzt. Keine Experimente.
Normalerweise laufe ich diese 20er Distanzen „auf der linken Arschbacke“, mental war das also überhaupt kein Thema, aber körperlich. Die Kraft war weg, null Energie mehr. Die Rache der Erkältung war da und die Vernunft musste hier siegen.
Also Laufuhr gestoppt, die eh besorgte Liebste angerufen, Treffpunkt ausgemacht, nach Hause geradelt und ein heisses Bad genossen.
Und wisst ihr was? Es geht mir einfach nur gut mit dieser Entscheidung. Gesundheit geht vor, ganz einfach.
So früh so derbe einzubrechen, da gibts keine inneren Diskussionen. Vielleicht war es sogar unvernünftig überhaupt zu starten, aber es ging mir (vermeintlich) gut, das war allerdings ein Trugschluss. Punkt.
Jetzt erstmal ausruhen, auskurieren und dann auf zu neuen Abenteuern.
Und schon wieder hab ich mit Düsseldorf eine Rechnung offen …

Doppelt nervös und was dabei rauskommt

Da war er also endlich, mein erster Wettkampf nach fast einem Jahr, ein 10er. Aber vor allem: der erste offizielle Lauf seit meinem Fußbruch. Also so eine Art Check, ob ich in den letzten Wochen alles einigermaßen richtig gemacht hab.
Zum sechsten mal war ich beim Düsseldorfer Brückenlauf am Start, 10 schnelle Kilometer als 5km Doppelrunde, über zwei Rheinbrücken und ansonsten mehr oder weniger immer schön am Rhein entlang. Start und Ziel auf dem Burgplatz in der Altstadt. Wie jedes Jahr toll organisiert, das volle Programm mit mehreren Distanzen und Familiengedöns, obwohl dadurch schon eher ein Großereignis, bleibt es trotzdem übersichtlich und sympathisch. Und ein superklasse Wetter dazu! 20°C, blauer Himmel und der übliche leicht zu starke Wind, der die vier Brückenüberquerung immer etwas anstrengend macht.
Ich bin ja immer noch ordentlich nervös vor solchen Veranstaltungen, dieses Jahr doppelt. Vor vier Jahren führte das dazu, dass ich beim Start meine Uhr nicht eingeschaltet hatte. Dieses mal hab ich noch einen drauf gesetzt und die Uhr einfach zuhause vergessen!
Eine echte Meisterleistung.
Kurz überlegt, wir waren früh da, nochmal nach Hause radeln und Uhr holen? Oder scheiss drauf?! Es wurde zweiteres. Die Zeit wird ja eh über den Chip genommen, also das Rennen diesmal ohne eigene Uhr durchziehen. Man kann ja nur dazu lernen.
Im Startblock war ich dann immerhin endlich mal selbstbewusst genug um mich in die vorderen Reihen einzusortieren. Die letzten Jahre gab es jedesmal nervige Überholmanöver um die Genussläufer herum, weil ich zu weit hinten stand, da hatte ich einfach keine Lust mehr drauf.
Teilweise skeptische Blicke der Kollegen auf meine (neuen) knallgelben Fivefingers, Konzentration auf meiner Seite, runterzählen, Schuss und los ging es.
Die Strecke sehr gut bekannt, aber keine Uhr dabei, das war dann doch ungewohnt. Nach 3km musste ich es einfach wissen und hab einfach einen anderen Läufer, der etwa mein Tempo lief, nach der Zeit gefragt. Und der war ein echter Glücksfall. Lukas war so freundlich und hat mir anschließend während der ersten Runde öfter einfach von sich aus die Zeit zugerufen, er hat sozusagen einfach mal den Pacer für mich gemacht. Große klasse und nochmal vielen Dank dafür! Irgendwann war er dann weg, weil schneller als ich, aber mein Tempo war da, ich konnte mich gut einschätzen und bin weitergerannt.
Bei km8 kam dann doch ein leichtes Schwächeln auf, schnelles Tempo und dazu dieses Wetter, der schnelle Start, das rächte sich dann am Ende ein wenig.
Aber wie das so ist, den Zielbogen im Blick, das Publikum pusht, den Typ in Rot vor mir wollte ich noch einholen (hab ich auch), am Ende sind plötzlich immer noch Körner über, den letzten Kilometer bin ich regelrecht gesprintet.
Durchs Ziel mit 40:49 Minuten. Also immer noch keine Sub40, trotzdem mein bester 10er bisher.

14ter in der Gesamtwertung (erster in AK M50), von 622 Finishern.
Spekuliert hatte ich, bedingt durch die Vorgeschichte auf bestenfalls 42 Minuten, von daher … yeah!
Voll zufrieden!

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Schnelles Einsortieren gleich nach dem Start.

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Schluss-Sprint, noch ca. 100 Meter.

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So sieht ein sehr zufriedener Finisher aus 🙂