Etwas mehr als ein halber 6-Stundenlauf

Am heißesten Tag des (bisherigen) Jahres bei einem 6-Stundenlauf mitzumachen, das ist schon reichlich bekloppt. Aber ganz so bekloppt dass ich den komplett mitmache, war ich dann doch nicht.

Nachdem die Temperaturen täglich stiegen und keine Hitze-Absage vom Veranstalter kam, stellte ich mir mehrfach die Frage wie vernünftig es wohl ist bei diesem Ding mitzumachen, immerhin waren wolkenlose 37°C angekündigt (es wurden 39°C).
Hitzeläufe sind ja wirklich nicht so mein Ding, oft überpace ich, trinke gern zuviel oder zuwenig und oft genug klappt es nicht die passende Menge Salze einzunehmen. Und in irgendwelche Probleme zu laufen, obwohl ich das weiß, wäre schon reichlich dämlich.

Aber es ist eben auch der schöne Bergische6Stundenlauf, immer toll organisiert, ein paarmal stand ich hier schon auf dem Treppchen, irgendwie gehöre ich mittlerweile „zum Inventar“. Eine Absage kam nicht in Frage.
Also war meine Idee, die für mich sinnvollste Variante zu wählen, hinfahren, mitlaufen so lange ich mag und dann soll es gut sein.

Pünktlich morgens um kurz nach 9 Uhr waren wir an der Eschbachtalsperre. Ich bin mit Sandalenbuddy/TTdR-Crew Jan angereist, der (Achtung, Spoiler) hitzeresistent durchgezogen und fulminant abgeliefert hat.

Erstmal liebe Leute begrüßen, Startnummer holen, über die Hitze beschweren, Eigenverpflegung platzieren, alles was man eben so macht. Routiniert.
Und schon vor dem Start hörte ich von vielen Läufern, dass heute ebenfalls ohne Ambitionen gestartet wird, einfach mitmachen und Spaß haben, Kilometer bolzen ist schlichtweg nicht angebracht. Diese kleine und sehr feine Veranstaltung durch eine Teilnahme zu unterstützen aber sehr wohl.
Und jeder verträgt Hitze anders, einige werden ordentlich durchstarten und triefend von Schweiß und Wasser tatsächlich bis zum Schluss durchziehen, ich nicht.

Beim Briefing wurden wir nochmal auf die Ausnahme-Regeln für diese Rennen hingewiesen: keine Restmetervermessung, jeder trinkt ausreichend (unter Beobachtung) nach jeder der 3km-Runde, wer schlecht aussieht wird aus dem Rennen genommen.
Und dann kam ein Punkt der mich wach machte: „Hat irgendwer von euch vor die Runden unter 10 Minuten zu bestreiten?“. Die Zeitmessung über die Matte wurde, um Fehler durch hin- und herlatschen am VP zu vermeiden, wohl so eingestellt, dass sie immer nur ab 10 Minuten nach dem letzten Durchlauf zählt. Ok. Gute Idee. Und meine Idee war dann, ich werde eh nicht komplett durchziehen und konnte am Anfang Körner verballern, dann teste ich doch einfach mal auf der ersten Runde ob ich unter 10 Minuten komme 🙂

Aufstellung, Startschuss, los gehts. Ich gleich nach vorne, alle überholt mit der Bemerkung „wer schneller läuft, hat mehr kühlenden Fahrtwind“, Gelächter von hinten. Die Luft war auf dem Waldweg anfangs fast angenehm, aber auch schwül, ich habe geschwitzt wie sau. Kaum ging es mal durch die Sonne, wusste ich dass mein Ansatz für heute richtig war. Zum Schluss der Runde über die Staumauer, einmal gut durchgrillen, die kleine Rampe hoch und ich war wieder im VP. Naja, ich war dann zwar erster auf der ersten Runde, aber unter 10 Minuten hat nicht geklappt (12 sind es geworden), das konnte ich dann auch dem zufriedenen Zeitmesser verkünden 🙂

Danach hab ich mich auf eine gesunde Pace eingepegelt, immer brav getrunken, immer brav meine kleine 250ml Flask pro Runde leer gemacht. Auf der Uhr nur meine HF beobachtet, ich wollte nicht über 145 kommen. Alles hat geklappt. Von Runde zu Runde wurde ich geringfügig langsamer und nach der 8. Runde bemerkte ich, dass es klüger ist mal runterzuschalten.

Am VP gabs für mich schon nach der dritten Runde jedesmal eine kalte Dusche aus dem Kanister, aber irgendwie fühlte sich mein Körper zunehmend überhitzt an und ich bekam das trotz Kühlung irgendwann nicht mehr reguliert Die neunte Runde fühlte sich schließlich unrund an, ich hatte Durst, aber bekam nichts runter, noch mehr Salztabletten würde nur schaden, eine lockere Runde noch und dann erstmal Pause.
Die zehnte Runde bin ich schließlich überwiegend gegangen, aus der folgenden Pause am VP fiel dann nach knappen 20 Minuten (3:30 nach dem Start) beim gemütlichen Schwatzen mit anderen, der Entschluss auszusteigen. 30km waren voll, ich fühlte mich immer noch überhitzt und hatte ehrlich gesagt mittlerweile meinen Spaß daran den klatschnassen Mitstreitern zuzuschauen und die Mädels und Jungs von der Bank im Schatten aus anzufeuern.
Also hab ich den Zeitnehmer für mich stoppen lassen und war sehr fein und zufrieden damit.

Und wie ihr vielleicht bereits bemerkt habt, Fotos gibts dieses mal fast gar nicht, bis auf ein paar Filmchenschnippsel vor dem Start hab ich das einfach vergessen. Aber hier im Blog gibts ja reichlich Bilder von dieser Veranstaltung 🙂

Ja, ich kann ja durchaus sehr vernünftig sein und muss nicht immer vorne mitspielen. Das werde und sollte ich mir für die Zukunft merken. Meine Treppchen hol ich mir dann wieder bei passenden Gelegenheiten.

Kommentare

  1. Lieber Oliver,
    ein 6-Stunden-Lauf am letzten Sonntag…? Kopfkratz, da war es doch so ätzend warm wie in einem Backofen… puh
    Also daher Glückwunsch zum Durchziehen! Zum Durchziehen des Beschlusses, vernünftig zu sein und bei entsprechender Gemütslage einfach rauszugehen. Sehr gut gemacht! Genau, Treppchen demnächst woanders.
    Und Jan hat echt durchgezogen? Wahnsinn und Glückwunsch! Der hatte wohl noch das Adrenalin und die Motivation vom Supporten beim TDR im Gepäck 😉
    Tja, ich mache mir auch gerade Gedanken zum demnächst anstehenden 6-Stunden-Lauf…
    Liebe Grüße
    Elke

    1. Danke Elke, es war Backofen, Sauna und Grill 😉 Der Veranstalter hat es beim Briefing genau richtig formuliert: „ein 10km Rennen hätte ich abgesagt, aber hier startet niemand der nicht weiß was er tut.“ Und so war es dann ja auch. Alle waren gut drauf, viele sind den Lauf genauso wie ich angegangen und hitzebeständige Typen wie Jan haben dann eben durchgezogen. Niemand musste ärztlich behandelt werden, allein das zeigt schon den Vernunft-Faktor aller Beteiligten. Und ich konnte sogar frühzeitig unter die Dusche gehen, wo es normalerweise immer eine lange Warteschlange gibt 🙂
      Ich bin sehr zufrieden mit allem und freue mich jetzt schon aufs nächste Jahr.
      Tja, die 6 Stunden in Bönen spuken mir auch im Kopf herum, sollte es über 30°C werden, werde ich das wohl ähnlich angehen. Da ist ja so gut wie überhaupt kein Schatten. Wir werden sehen.

  2. Was?! Bei 39°C die ersten 3km in 12 Minuten?? Und dann noch 27km rangehängt?? Du bist ja echt verrückt!
    Trotzdem: toll, dass du überhaupt an den Start hingegangen bist! Und dann sauber durchgezogen und schön auf den Körper gehört.
    Der „Energie-Management-Modus“ war auch super: Tempo kontrolliert, HF im Griff, konsequent trinken. Aber irgendwann ist die Hitze halt stärker als jede Strategie, dann macht der Körper einfach zu. Ich kann es kaum glauben, dass Sandalenbuddy Jan 6 Stunden gerannt ist!

    Ist Otto am Schluss noch vorbeigekommen oder war es ihm zu heiss?

    1. Danke Catrina, die erste Runde war schon lustig, ich hab damit das ganze vordere Starterfeld durcheinander gebracht 🙂 Die Teilnahme musste sein, ich kenne die Strecke ja sehr gut und konnte deshalb auch schon im VOrfeld die gute und richtige Entscheidung für mich treffen. So wurde es ein nettes MIteinander ohne Leistungsdruck, tatsächlich auch mal sehr schön. Und später beim Abkühlen im Schatten auf der Bank, konnte ich noch wertvolle Ernährungstipps von sehr erfahrenen Läufer(innen) für mich mitnehmen. Vielleicht sollte ich neben Salzen mal meine Eiweißzufuhr bei solchen Nummern überlegen …
      Jan war voll im Flow, ich finds toll zu sehen wie er und einige andere dem Wetter trotzen konnten und durchgezogen haben 🙂
      Otto und Lisa sind zuhause geblieben, der Tag wäre nichts für ihn gewesen, zuhause auf einer Kühlmatte rumliegen, das war angesagt 😉

  3. Lieber Oliver,
    da hast du ja wirklich die perfekte Lösung für dich gefunden und durchgezogen! Ich bin schon beeindruckt, dass du überhaupt gestartet bist, aber klar, die Community zu treffen und den Veranstalter zu unterstützen sind gute Motivatoren.
    Super, dass dein Plan, auf den Körper zu hören und rechtzeitig aufzuhören dann gut funktioniert hat und Gratulation zu 3.5h Rennerei in der Sauna! 😀

    1. Danke Doris 🙂 Das war alles genau richtig so, die Bedingungen waren einfach nichts für mich. Klar, ich hätte ja auch einfach die letzten Stunden spazieren können, aber ehrlich gesagt hatte ich mich auch ein wenig am VP festgequatscht und mich über kühle Wassermelonen gefreut. Das war dann einfach mal ein etwas anderes Rennen für mich und ich bin froh dass ich mitgemacht hab.

  4. Wow,
    ein 6 Stunden Lauf, bei dem Wetter. Aber sehr vernünftig gelaufen und rechtzeitig gestoppt. Unser Stadtlauf hier für Sonntag wurde abgesagt, obwohl der Start der 10er und 21er um 8 Uhr gewesen wäre. Da aber viele sicher nicht vernünftig gelaufen wären, denn das können nur die Wenigsten, und es sich ja in der City nochmal mehr aufheizt und die Strecke kaum Schatten bietet, war es die richtige Entscheidung. Und es war sehr schade, dass die Organisatoren soviel Anfeindungen bekommen haben.
    Du hast Recht, es kommen noch viele Rennen, wo man (Mann) durchziehen kann.
    Liebe Grüße
    Karina

    1. Danke Karina. Dass jede Menge (schnelle) Cityläufe abgesagt wurden, ist total richtig so. Die Veranstalter schützen die ehrgeizigen Sportler vor sich selbst. Wer einmal erlebt hat wie jemand auf der Laufstrecke zusammenbricht, möchte das nicht wieder erleben. So ein Mehrstünder ist eine andere Nummer, vor allem die Typen die bei sowas mitmachen. Zumal alle aufeinander aufpassen, das ist eben so typisch Ultralauf und da mag ich sehr.
      Und siehe da, bei „uns“ waren alle mit bester Laune und guter Gesundheit bis zum Schluss dabei. Ob laufend oder im Schatten den VP plündernd. Sich selbst einschätzen will gelernt sein, noch besser ist es, das Gelernte auch umzusetzen 🙂

  5. Die Veranstaltung kenne ich gut. Da wäre mir eine Absage auch schwergefallen! Ich war zum Sachsentrail gemeldet (20 km, 500 Hm), habe aber für mich entschieden, dass man am heißesten Tag des Jahres auch einfach mal pausieren kann. Hochachtung für dich, dass du es dennoch versucht und rechtzeitig das Experiment abgebrochen hast!

    1. Danke 🙂 Mit anderen Worten, man muss bei solchen Temperaturen ja nicht jeden Quatsch mitmachen 🙂 Ist so. Dann muss eben auch mal im richtigen Moment auf die Bremse getreten werden. Also auch gute Entscheidung von dir, ich glaube ihr hattet den Tag sogar noch 2-3° mehr.

  6. Hi Oliver,
    das war echt eine Hitzeschlacht. Ich musste gerade etwas schmunzeln. Einerseits deine Ausführungen, dass du vernünftig warst, andererseits die erste Runde in 12 Minuten – um 10 Uhr waren es längst über 30 Grad… Kein Wunder, dass man da überhitzt 😉
    Ich glaube, ich habe rund 10 Liter getrunken und etwa 2 kg Wassermelone gegessen.
    Es war interessant auszuprobieren, was der Körper so mitmacht. Allerdings war ich auch zwei Tage später noch am glühen…
    So oder so, es hat Spaß gemacht und Danke, dass du mich mitgenommen hast 🙂

    Gruß
    Jan

    1. Hey Jan 🙂 Ich war ja nur für die erste Runde unvernünftig, weil ich schon wusste dass ich danach vernünftig sein werde, bzw. sein muss. Du hast alles richtig gemacht und ich konnte Runde für Runde amüsiert zuschauen wie du mit klatschnassem Geschirrtuch auf dem Kopf an mir (auf der Bank sitzend) vorbeigetrabt bist. Das alles war schon grenzwertig aber auch ein großer Spaß. Und zum nächstbesten Spaß fahren wir dann auch wieder zusammen 🙂

  7. Lieber Oliver,

    naja, die 10 Min.-Grenze für 3 km zu unterbieten wäre mir nur im Renntempo meiner schnellsten 10er gelungen, oder auf der Bahn über eine Mittelstrecke. Da war ich aber noch ein Jungspund! 😛 Insofern ist es interessant zu lesen, dass du es versucht hast. Crazy, aber für eine 3-km-Runde finde ich es noch nicht allzu verrückt, im Gegenteil, es war einen Versuch wert!!!

    Ansonsten finde ich dein Vorgehen, deine Strategie hervorragend, bei den Bedingungen! – Warum aber haben sie denn den Start nicht auf 6 Uhr morgens vorgezogen? – Beim Allgäu-Panorama-Marathon (69 km), den ich 2011 mitgemacht hatte, war der Start so früh und eine goldrichtige Entscheidung. Die ersten 3 Stunden konnten wir gut laufen, dann ging’s auch hoch auf 31° bis 32°. Es war also nicht so heiß wie bei euch, aber zumeist auch ohne Schatten!

    Übrigens, unseren Stadtlauf am 24. Juni haben wir durchgezogen. Es waren abends NUR noch 35°, allerdings auch nur 5 km zu laufen! 😉

    Erholt bist du sicherlich schon wieder, Flüssigkeit ist aufgefüllt und Salze ergänzt! 😆 Auf zu neuen Ufern! Mal sehen, was demnächst von dir zu lesen ist!

    Liebe Grüße Manfred

    1. Danke Manfred! Man kanns ja mal versuchen, solange der Körper noch frisch ist 😉 War ja auch nur eher als Gag gedacht, dieser Tag war so gar nix für irgendwelche Bestleistungen.
      Ab nächstem Jahr wird der Start vorverlegt, auf 8 Uhr glaub ich. Das Team ist sehr klein, die müssen das auch alles in der Früh schaffen was zu tun ist.
      Erholt war ich schon am nächsten Tag, aber die Hitze war etwas demotivierend …

  8. Etwas verspätet schlage ich hier auf, erinnere mich aber noch gut an diesen glutheißen Sonntag, an dem für mich ein aushäusiger Aufenthalt höchstens im Wasser denkbar war.

    Sowas wie du hier durchzuziehen oder durchzubraten, ist schon ein Hammer. Trainierst du für Badwater oder desSables?

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