Ich Großmaul. Nach dem verkürzten 6-Stünder in Remscheid rutschte mir raus: „wenn es in Bönen über 30°C sind, dann starte ich nicht!“. In Bönen, beim 6-Stundenlauf der Lauffreunde, waren schließlich aber „nur“ 28°C angekündigt und ich war damit also dabei. Ob 30 oder 28 oder 32, spielt eigentlich keine Rolle, es war einfach nur heiß und staubig und die Sonne knallte uns die gesamten sechs Stunden gnadenlos auf den Schädel. Hitzelaufen ist nicht meins, muss es auch nicht, also das Beste daraus machen, aber durchziehen, das war meine Vorgabe an mich selbst.
Start in Bönen ist um 9 Uhr morgens. Die Anfahrt war reibungslos (nicht selbstverständlich im Ruhrgebiet), ich war früh da und hab sogar noch einen feinen Parkplatz auf dem Gelände bekommen, der am Ende der Veranstaltung garantiert im Schatten liegt. Nicht zu unterschätzen sowas.
Meine „Vorratsbox“ war fix am VP deponiert, danach erstmal Freunde und Bekannte begrüßen, neue sympathische verrückte Typen kennenlernen und … im Schatten auf den Start warten.
Beim Briefing erfuhren wir, dass es noch Probleme mit dem Monitor gibt, der uns die Zwischenzeiten anzeigen soll. Der wurde später ausgetauscht, kein Problem und ganz ehrlich, wen interessieren schon in den ersten 2 Stunden die Zwischenzeiten?!
Am Rande: nachdem das Teil dann schließlich stand, hab ich mich mehrere Runden auf Platz 21 gesehen. Man muss so ein Ding aber eben auch richtig lesen, beim Vorbeifliegen mit überhitzem Kopf.
Tatsächlich war ich die ganze Zeit über unter den ersten 10, aber ratet mal was meine Startnummer war … 🫣
Ok, kurz vor 9 ging es entspannt zur Aufstellung hinter dem Starttorbogen, Fanfare aus der Tröte und alle trabten entspannt los. Ich diesmal nicht vorweg, sondern mit der Vorgabe an mich selbst, in der ersten Stunde nicht schneller als 5er Pace, besser 5:30 zu laufen. Das hat diesmal „weitgehend“ geklappt und mich definitiv vor Schlimmerem nach hinten hin bewahrt.
Wir laufen, wie gesagt, eine 1,3km Runde, gespickt mit leichten Steigungen, die sich über die sechs Stunden ordentlich summieren. Und spätestens ab km30 fängt diese eine kleine elende Asphaltrampe mitten drin, ganz ordentlich an zu nerven.

Die ersten Runden lief es sich routiniert, flüssig und locker. Ich hab sehr früh angefangen Wasser und Iso-Mix zu trinken, außerdem gabs jede Stunde zwei Salztabletten. Das wirklich Tolle bei solchen Rundenläufen ist ja, dass man einfach nichts mitschleppen muss, alles steht am VP parat. Und an dem kommst du oft vorbei. Sehr oft bei 1,3km.
Und auch wenn ich zu den Typen gehöre, die sich nur auf Eigenverpflegung verlassen, der VP ist reichlich und sehr gut bestückt. Draussen für das schnelle Zugreifen in kleinen Mengen, drinnen im Turm dann ein reichhaltiges Buffett das wirklich keine Wünsche offen lässt. Mit ewig gut gelaunten Helfern, einfach toll.
Die Temperatur stieg recht schnell, anfangs noch 23°C, wurde es schnell heißer unter der wolkenlose Sonne. Der Lauf am Förderturm ist berüchtigt dafür, mit dem Wetter „Glück zu haben“, später wird an der Strecke durchgehend Wassereis von fröhlichen Helfern gereicht. Und natürlich stehen Wassertröge bereit, sowie eine kühle Dusche.
Den Halbmarathon hatte ich nach 1:56 eingetütet, 1,5 Liter Iso waren da bereits inhaliert. Der Marathon war planmäßig nach genau 4 Stunden abgehakt, meinen Flüssigkeitshaushalt hatte ich total im Griff. Seit km40 laufe ich die Rampe nicht mehr, sondern es wird stramm hoch marschiert.
Ab km46 gings dann los mit „eigentlich ist alles toll, aber an irgendwas mangelt es“. Mein altes Dilemma. Und was ihr bisher nicht wusstet, dieses Rennen sollte mein „woran-liegts-denn-nun?“-Experiment werden. Salz? Genug drin. Wasser/Iso? Reichlich. Generell Kohlehydrate? Völlig ok. Weshalb also fangen dann meine Oberschenkel jetzt an sachte zuzumachen? Weshalb werde ich träge? Ich hatte in Remscheid einen guten Tipp bekommen (wäre ich nie drauf gekommen), mir könnte möglicherweise auf Langstrecken Eiweiß fehlen. Und das hatte ich dabei, als MAP („Master Amino acid Pattern“, die acht essentiellen Aminosäuren). Also hab ich mir bei km46 gleich vier Stück dieser kleinen Presslinge reingezogen, und was soll ich sagen, vier bis fünf Kilometer später war ich durchs Tal der Tränen, meine Beine wurde lockerer und die letzte halbe Stunde wurde wieder ein angenehmes Laufen aus meinem bisherigen Lauf/Walk-Rhythmus.
Ok ok, das waren keine Laborbedingungen, mit Sicherheit spielen zig Faktoren da rein, aber den Ansatz einfach mal generell meinen Eiweißhaushalt zu beobachten und vor allem zu optimieren, da bleib ich mal dran.
Zwischendurch hatte ich mir bereits mein gelbes Steinchen geschnappt, das zur Restmetervermessung nach der Schlussfanfare auf dem Weg abgelegt wird.
Die 6 Stunden waren für mich dann kurz vor der elenden Rampe mit 56km voll. Mehr war für mich nicht drin, also völlig ok und zufrieden.
Wir waren gleich ein kleinerer Haufen an Spinnern am gleichen Punkt und feierten uns erstmal ordentlich. Immer wieder schön 🤩
Danach zurück zum VP trotten, die (wiederverwertbare) Startnummer abgeben, Medaille kassieren und trinken, essen, quatschen, bejubeln, Storys rausholen, was man eben so macht wenn man sechs Stunden Zeit hatte, andere Leute auf der Strecke kennenzulernen.

Die Siegerehrung wurde noch ausgiebig mitbeklatscht, danach hab ich mich dann gut genährt und entspannt auf den Heimweg gemacht.
Es war wieder sehr schön bei euch in Bönen, wir sehen uns nächstes Jahr wieder!























Lieber Oliver,
soso, du bist also kein Hitzeläufer – willst du uns erzählen? Was sollen denn die anderen über 70 Männer sagen, die du hinter dir gelassen hast – Kopfkratz.
Wir können gern tauschen, ich bin nämlich auch nicht für Hitze gemacht!
Sorry, das musste gerade sein ;-).
Ansonsten ist mir natürlich ein spontanes Bedürfnis, dir nochmals ganz herzlich zu gratulieren zu deinem super Lauf unter schwierigen Bedingungen! Und nebenbei noch mal eben Ernährungstests gefahren!
War schön, dich mal wieder live getroffen zu haben, und dass dein Heimweg entspannt war!
Liebe Grüße, gute Erholung
Elke
Danke Elke, nein, ich bin echt kein Hitzeläufer, schau dir mal die Frauen und Männer vor meiner Platzierung an 😉 Ach was, ich finde wir haben uns alle wacker geschlagen, diese Veranstaltung ist ja nicht unbedingt für Höchstleistungen da, sondern um einen guten Tag miteinander zu verbringen (so stehts ja sogar in der Ausschreibung).
Hat mich sehr gefreut mit euch Runden zu drehen und ein wenig zu schwatzen, mal schauen wo es das nächste mal klappt.
Mein Heimweg war sehr entspannt, aber die A52 war proppevoll, da ja die A40 ab Essen mal wieder gesperrt ist. Es gibt wahrlich Schlimmeres 😉
Moin Olli!
Also knapp 57 km bei den Bedingungen sind ne ziemlich große Leistung
Ich könnte mir vorstellen, dass der Staub fast schwieriger war, als die Temperatur.
Deine Füße sind der Knaller
Meine sahen gestern auf dem Festival ähnlich aus.
Ich hoffe, nächstes Jahr bin ich in Bönen wieder am Start.
Gruß Jan
Hey Jan! Ich bin sehr zufrieden mit dem Ergebnis, wenn man bedenkt wie Remscheid (nicht) gelaufen ist 🙂
Lieber dreckige Füße, als stinkend-warm-nasse Socken, das Thema kam natürlich unterwegs ab und zu wieder auf. Aber wenn man schon auf einer alten Halde läuft, dann muss das so aussehen.
Bis zum nächsten Jahr ist ja noch was hin, wir haben vorher noch was vor!
9. Platz! 56,739 km! 6 Stunden! 2 herrlich dreckige Füsse! Und Startnummer 21!
Super gemacht, Oliver! Es braucht schon viel Biss, unter solch harten Bedingungen sechs Stunden lang durchzuhalten. Besonders beeindruckend, wie diszipliniert du gelaufen bist. Nach den Erfahrungen der letzten Hitzeläufe hast du deine Strategie konsequent durchgezogen – Tempo kontrolliert, früh getrunken, Salz im Griff und rechtzeitig marschiert. Wunderbar!
Das MAP-Experiment fand ich besonders spannend. Natürlich ist das kein wissenschaftlicher Beweis, aber wenn die Beine ein paar Kilometer später tatsächlich wieder lockerer wurden, ist der Gedanke auf jeden Fall spannend. Ich bin neugierig, ob sich das bei den nächsten Ultras bestätigt.
Du kennst die Organisatoren doch inzwischen ziemlich gut, oder? Kannst du ihnen nicht mal vorschlagen, künftig schon um 6 Uhr zu starten? Das würde euch wenigstens ein bisschen Leiden ersparen.
Gute Erholung! Und ich hoffe, die Füsse sind inzwischen wieder sauber!
Danke Catrina! Die Füße sind wieder geschrubbt und der Muskelkater hält sich sehr in Grenzen (auch ein Eiweiß-Effekt?). Meine Otto-Runden konnte ich heute jedenfalls schon wieder problemlos durchziehen. Tja, die Disziplin und ich, klappt nicht immer, aber diesmal war alles ganz passend. Ich hatte mich im Kopf auch schnell von irgendwelchen Fabel-Platzierungen verabschiedet, nachdem ich bemerkt hab, was da für schnelle Typen am Start waren. Auch sowas hilft bei der Disziplin 😉
Bönen und Hitze, das gehört irgendwie zusammen, schon immer. Von daher, einfach so weiter machen lassen, passt.
Dreckige Füße sind für mich seit Kindertagen der Inbegriff für Sommer, Draußen sein, Freiheit und Wohlfühlen. Aus dieser Perspektive sollte es ein krass bombastisch einzigartiger Sommer- und Lauftag gewesen sein. Das tolle Ergebnis spricht auch dafür!
Es war auf jeden Fall ein krass bombastischer Lauftag und mit dem Ergebnis bin ich total zufrieden, so muss es sein 🙂 Danke Lizzy! Es gibt ja „dreckige Füße“ und „dreckige Füße“, ich hab lieber Staub und Matsch direkt am Fuß, statt dem angesammelten Dreck der in die stinkend-warmen Socken reingerutscht ist. Aber am Ende hatten wir alle unseren Spaß, auch die die ihre Schuhe direkt in die Dusche gehalten haben 😉
Lieber Oliver,
gratuliere! Tja, wenn die Temperatur dann auch „nur“ 28° beträgt, gilt kneifen natürlich nicht. 😉
Dein Bericht klingt nach einer tollen Veranstaltung, die Fotos bringen aber auch die Hitze und den Staub (das Fußfoto hat was!) gut rüber.
Sehr cool, dass du die Info mit der Eiweißzufuhr bekommen hast und direkt ausprobieren konntest, was sie bewirkt.
Danke Doris! Ich fürchte bei über 30°C hätte ich auch nicht gekniffen, da war schon ziemlich viel Vorfreude im Spiel 😉
Es ist wirklich eine tolle Veranstaltung, da nimmt schon einiges in Kauf, dass die hervorragende Orga eben nunmal nicht beeinflussen kann. Mit dem Eiweiß muss ich noch weiter herumtüfteln, vermutlich hab ich meinen Bedarf auch im Alltag völlig falsch eingeschätzt.
Lieber Oliver,
erst einmal HERZLICHEN GLÜCKWUNSCH! Du hast ja nicht nur den 9. Gesamtrang erlaufen, sondern deine AK gewonnen, auch wenn es diese Wertung eigentlich nicht gibt!!! 😛
Wenn ich mich auf einen WK gefreut habe, war kneifen auch für mich keine Option. Also ich kann mir gut denken, dass du auch bei mehr als 30° angetreten wärst! 😆 Super Einstellung, gute Renneinteilung und eine tolle Gelegenheit diese MAPs auszuprobieren! Dir selbst gegenüber finde ich auch fair, dass du zugestehst: >mit Sicherheit spielen zig Faktoren da rein<.
Ich kenne bei Ultras oft Tiefs auf die dann (fast immer) wieder Hochs folgen, ohne dass ich speziell auf Eiweiß geachtet hatte. Aber vielleicht ist es auch für mich noch eine Option, 😉 obwohl ich mir einbilde genug Eiweiß zu mir zu nehmen! 🙂 – Bleib du dabei, probiere es noch ein paarmal aus, vielleicht bestätigt es sich ja bei dir, dass es sich lohnt!
Scheint eine gute Veranstaltung zu sein: gute Verpflegung, nicht überlaufen, gute Stimmung und dann noch mit gleich Verrückten 😛 unterwegs sein zu können!
Toll, dass deine Otto-Runden schon wieder gut 'laufen'!
Liebe Grüße Manfred
Vielen Dank Manfred! Stimmt, ich bin erster in meiner AK, die es aber nicht gibt 🙂 Ich wäre in Bönen auch bei 35°C am Start gewesen, mittlerweile ist da ja auch ein Gewöhnungseffekt eingetreten. Dazu gehört aber auch das alles vernünftig anzugehen, und auch das kann ich mittlerweile 😉
Das mit dem Eiweiß war einfach nur ein Test. Aber ein guter. Ich bin „Placebo-resistent“, wenn etwas nicht wirkt, das wirkt das bei mir auch nicht. Da kann noch so ein toller Name und noch so überzeugende Beschreibungen dranstehen. Hier war ein leichter Effekt zu spüren, aber sicher kamen da mehrere Dinge zusammen. Trotzdem hab ich mal meine (vegane) Ernährung überprüft und komme zu dem Schluss dass mir tatsächlich Eiweiß fehlen könnte, das wird weiter beobachtet und verbessert. Es gibt also wieder was zu lernen, gut so 🙂
Placebo-resistent gefällt mir, lieber Oliver!
Ich hatte mal eine zeitlang Amino Loges substituiert. Da sind alle essentiellen Aminosäuren drin. Es hat damals gut getan, war aber nicht gerade günstig.
Was kosten denn die MAP und wo beziehst du sie?
Vielleicht sollte ich es auch mal wieder angehen. Auch meine vegetarische Ernährung kann da grenzwertig sein?!
Liebe Grüße Manfred
Ich beziehe die aktuell bei Squeezy. Seit das Patent vor einigen Jahren ausgelaufen ist, sind die Preise für die Presslinge fast überall gleich. Squeezy hat auch (günstigeres) Pulver, gut für einen Shake oder so. Aber der Geschmack ist schon etwas „anstrengend“, ich ziehe die Presslinge vor 😉 Vermutlich kann man bedenkenlos beim Günstigsten einkaufen.