Normandie als Reset

Wie schon über die Feiertage 2024/2025 hat es uns auch zum vergangenen Jahreswechsel wieder in die Normandie verschlagen. Wer (wie wir) einen Hund mit Böllerproblem hat, der kennt diese Situation: „was mache ich nur über Silvester?!“ Und statt nur wenige Tage über Silvester, haben wir diesmal einfach einen kleinen Jahresurlaub daraus machen. Am ersten Weihnachtstag gings los und am 5.Januar wieder zurück. Otto entspannt und glücklich, wir auch, und vor allem hab ich dort erst nach ein paar Tagen bemerkt, wie gut mir der Abstand zum Alltag tut, ich musste einfach mal raus. Unsere tolle Unterkunft in Honfleur, mit großem Garten, ist abseits jeglichen Touri-Rummels, der aber im Winter eh sehr runtergefahren ist.

Meine Laufsachen waren natürlich (wie immer) dabei, aber wegen der Hamstring-Sache war ich eher verhalten mit der Lauferei, es sind nur vier eher kurze Einheiten geworden. Aber, wie schon in den Wochen davor, kompensiert durch seeehr ausgedehnte Spaziergänge mit dem Hund. Das war einfach ein Genuss, Leine los und stundenlang am Meer herumlatschen, spielen, rennen, sich vom arschkalten Wind durchpusten lassen. Oder den Hügel hoch, Honfleur hat ordentlich Höhenmeter zu bieten, und durch Wald und Wiesen bummeln. Einfach toll. Ich vermisse das jetzt schon wieder sehr.

Es war immer knapp über Null, Nachts auch mal Frost, ungewöhnlich kühl für die Gegend. Ich hatte nicht nur Sandalen mit, sondern auch die Xero HFS und das war gut so. Irgendwie konnte ich mich nicht durchringen mit Sandalen zu laufen, keine Ahnung wieso.

Aber hauptsache raus, laufen, Kopf frei bekommen, immer aufmerksam den Hamstrings lauschen (sie blieben ruhig), völlig stressfrei, kein Temporausch, einfach nur laufen, atmen, wohlfühlen.
Die restliche Zeit bestand nur aus Bummeln, essen, lesen, viel schlafen, ausruhen, den Kopf resetten.

Und weil es wieder so schön war, haben wir bereits jetzt wieder für den nächsten Jahreswechsel gebucht, keine Experimente.

Die Rückfahrt wurde recht abenteuerlich, erinnert ihr euch an den Wintereinbruch am 5.Januar? Nunja, wir waren mitten drin 🙂 Bei der Abfahrt fing es sachte an zu schneien, nach nur 20km Fahrt ging schon fast überhaupt nichts mehr. Die imposante Normandie-Brücke sind wir mit 40 km/h hochgeschlichen, nach der Mautstelle auf der anderen Seite ging es dann allerding genauso „schnell“ weiter. Die Franzosen haben es nicht so mit Winterreifen, reihenweise Autos sind liegengeblieben, fast alle LKW standen, der Räumdienst hatte keine Chance bei den Schneemassen.
Long Story short: statt ca. 6 Stunden, haben wir über 10 Stunden gebraucht. Heftig.

Und das war erst der Anfang

Wieder zuhause, wurde ich gleich wieder mit der Realität in Job und Welt konfrontiert, beides grade „suboptimal“. Der Reset in Frankreich ist allerdings hängengeblieben, ich wollte ein paar Sachen ändern. Eines meiner ersten Opfer wurde Strava.
Das „Sport-Portal“ ist mir zunehmend auf die Nerven gefallen, ja es ist nett aus Social Media Sicht, aber welchen Mehrwert hat es wirklich für mich? Ausser dass ich mit tollen Menschen irgendwie im Kontakt stehe ist der Mehrwert schlicht und einfach Null. Absolut Null.
Das Premium Paket bietet Trainingspläne, KI-Analysen, Routenerstellung, Segmente, Ziele und Herausforderungen. Nichts davon nutze ich. Aber Strava nutzt meine Daten. Und dafür bezahle ich Geld?! Wie bekloppt sind wir heutztage eigentlich?! Ok, dann könnte ich ja das Abo auslaufen lassen und die „Umsonst-Version“ nutzen, ginge ja. Mit viel Werbung allerdings. Sehr viel nervige Werbung, von wilden Firmen und immer wieder „los, mach es, werde Premiumkunde!“. Auch Premiumkunden bekommen übrigens Werbung, nur anders verpackt, in Form einer Challenge/Herausforderung/Zielerreichung die dann eben „Sponsoren“ haben und man kann auch was gewinnen, jaha! Falls irgendein/e Leser/in dieses Beitrags mal was über Strava gewonnen habt, bitte lasst es mich in den Kommentaren wissen. Der anstehende Börsengang wird die Enshittification von Strava nicht verbessern.
Mir ging der Laden jedenfalls plötzlich unheimlich auf die Nerven und ich hab kurzentschlossen folgenden Beitrag in meinen Status geschrieben:

Das ist jetzt also mein „Trick“, ich bin nicht weg, werde den Account behalten, verliere also meine Kontakte nicht, aber die Verbindung zur Sportuhr ist gekappt und bleibt es auch. Und ganz ehrlich, das hat richtig gut getan. Es gab anschließend erstaunlich viel Feedback (über diverse Kanäle), da war alles dabei, von „du Spinner“ bis „sehr gut gemacht“. Die Zeit bei Strava war also als Fazit ein nettes Experiment und genau das ist abgeschlossen.
Ich werde meine relevanten Trainings weiterhin in meinem Fediverse-Microblog posten, das ist meine Plattform, da fühl ich mich wohl. Und die dicken Dinger schreib ich ja hier im Blog runter.

Und jetzt wird erstmal weitergelaufen, ich hab ja noch was vor in diesem Jahr, mein letztes in Altersklassen mit einer 5 davor übrigens 🙂

Heute hatte ich das erste mal nach der „Hamstring-Vorsicht“ wieder dieses wohlige Freiheitsgefühl, die Laufrunde wurde länger als geplant und leichter als geahnt. Mir wurde mal wieder bewusst wie privilegiert wir sind, ich kann einfach raus auf die Straße und laufen, hab eine warme Wohnung, eine tolle Familie und einen wunderbaren Hund. Mir gehts gut 😃

 

 

Kommentare

  1. Lieber Oliver,
    ich fange von hinten an … Yeah das tolle leichte Laufgefühl ist zurück – wie schön! Deine Hamstring-Episode hat sich ja doch gezogen und es ist einfach herrlich, wenn man einfach wieder unbeschwert dahintraben oder -sausen kann! 😉
    Die Zeit in der Normandie hört sich wirklich nach einer Auszeit an, die runter kommen, ausruhen, Kraft tanken, Spaß haben für Mensch und Hund ermöglicht hat. Gut, dass ihr gleich für nächstes Jahr gebucht habt, solche Pausen sind einfach Gold wert.

    1. Das tolle leichte Laufgefühl kehrt so langsam zurück, ganz angekommen ist es noch nicht. Aber immerhin kann ich die Übervorsichtigkeit jetzt lassen, Belastung kann wieder her, und das tut so gut!
      Dieser Urlaub war dringend notwendig, nicht nur 2-3 Tage, sondern mal länger, mit „alles abschalten“. Das zu kapieren ist auch sehr lehrreich. Und ohne Quatsch, ich freue mich jetzt schon auf den nächsten Urlaub in der Normandie, auch wenn es noch ewig hin ist 🙂

  2. Normandie als Reset klingt genau nach der richtigen Mischung aus Abstand, Ruhe und frischer Luft – und Otto hatte damit definitiv den Jackpot gezogen!
    Dieses „einfach raus, laufen, gehen, atmen und nichts müssen“ liest sich gut. Gerade mit der Hamstring-Sache ist das ein richtiges Vorgehen – man fordert nur so viel vom Körper, wie er gerade geben mag.
    Dass sich die Runde vom Freitag plötzlich wieder leicht und frei angefühlt hat, ist doch ein starkes Zeichen. Das Fundament ist da, der Kopf auch – der Rest kommt.

    Und ja: Diese bewusste Dankbarkeit ist Gold wert – und macht glücklich.

    Weiter so, lieber Oliver!

    1. Oder eher: wir haben mit Otto den Jackpot gezogen 😉 Ohne ihn wären wir überhaupt nicht dort hin gefahren, würden völlig anderen Urlaub machen. Da hätten wir gehörig was verpasst, ich bin wirklich sehr gerne dort.
      Du kennst das ja mit den Hamstrings, diese Übervorsicht, bloß nicht wieder falsch triggern, aber ja, scheinbar bin ich durch damit und der Rest kommt jetzt von selbst. Weiter so mache ich, Danke Dir 🙂

  3. Lieber Oliver,
    ah, die Normandie……. die liebe ich auch. Das Meer, die salzige Luft, wunderbar. Und genau richtig gemacht, nicht nur ein paar Tage, sondern mal zum richtig Abschalten und Runterkommen. Und dafür ist ein ruhiger, gemütlicher Flecken Erde unschätzbar. Auch wenn man danach in den gleichen Alltag zurückkommt, man hat doch mal wieder abgeschaltet, aufgetankt, sich runtergefahren, um nicht bei jeder neuen Aufregung quer unter der Decke zu hängen.
    Ich wünsche euch auf alle Fälle, dass der Erholungseffekt lange vorhält, auch wenn die Rückfahrt gleich wieder Nerven gekostet hat.
    Und wie schön, läuferisch scheint es auch auf dem richtigen Gleis zu sein, möge das so bleiben!
    Was die digitale Welt und ihre Nutzen&Nervereien angeht, ja, breites Thema. Ich wäge da auch ab, ob etwas wirklich sein muss und man gewisse Dinge in Kauf nimmt, oder ob man sich nicht zum Objekt der anderen Seite machen will.
    Wir wollen gerade nur mal für ein neues Gäste-WC Waschbecken und WCs anschauen gehen. Die Fachausstellung will dazu komplette Adressdaten inkl. Mailadresse haben, um besser beraten zu können. So ein Schwachsinn, in jedem Baumarkt kann man anonym reinspazieren… Mal schauen, ob man ohne Verweigerung auch reindarf….
    Liebe Grüße
    Elke

    1. Wir sind wirklich froh dieses Fleckchen gefunden zu haben, auch wenn es eigentlich in einem touristisch ziemlich angesagten Ort liegt, aber erstens ist es im Winter sehr ruhig und zweitens sind wir abseits vom Trubel. Da passt alles. Und der Ort ist überschaubar, zu Fuß sind wir in einer Viertelstunde am Meer (bzw Ärmelkanal) oder haben fast 100hm erklommen und schauen über die ganze Gegend. Die „normalen Touristen“ dagegen scharen sich im Hafen um die vielen Restaurants und lassen sich abziehen, naja, jedem das seine. Wir tanken auf und lassen sacken, verbummeln die Tage und entspannen uns. Das klappt so gut, dass mich weder die stressige Rückfahrt noch die ersten Arbeitswochen (mit noch mehr Hiobsbotschaften) aus der Ruhe gebracht haben.
      Und die Lauferei wird jedesmal wieder routinierter, Kondition muss noch her, aber da bin ich guter Dinge.
      Tja, und diese Strava Sache, je mehr ich jetzt darüber nachdenke, desto richtiger sehe ich meine Entscheidung. Ich vermisse da nichts von, das spricht ja eigentlich schon Bände.
      Diese Fachausstellungs Situation hatte wir im Herbst auch, und sind einfach hingelatscht 🙂 War kein Problem, aber kaufen konnten wir nichts, das dürfen nur Firmen. Ok, wir haben unser Geld dann woanders ausgegeben 🙂

      1. Dachte ich mir, dass ihr so eine Bäderwelt auch kennengelernt habt. Aber gerade weil ja nachher der Fachbetrieb deren Geschäftspartner ist, finde ich die Datensammelwut unseriös. Nach dem Telefonat zwecks Termin mit Datendiskussion meinerseits schickten sie mir auch ihre Datenschutzregelung zu.
        Ha, und nachträglich Happy Birthday! Lach, nächstes Jahr dann willkommen im Club. Mach dir nichts draus, ist eh nur eine Zahl. Wir bekommen gelegentlich ungläubige Reaktionen, wenn das Alter angegeben werden muss. 😉
        LG, Elke

  4. Lieber Oliver,

    genau, nächstes Jahr wird angegriffen, viele Läufer deiner AK sind dann älter als du! 😆 Ist dann wieder ein ganz neuer Reiz. Zumindest war das bei mir immer so!

    … und ob du als Spinner (oder noch schlimmer) gesehen wirst, wenn es dich nervt, ist doch egal! Weg mit dem Zeugs! Die Kontakte behälst du und alles was du brauchst machst du mit deiner Coros (besser)!

    Darf deine Frau eigentlich mitkommen, wenn du mit Otto so lange unterwegs bist? 😛 – Muss ein schöner Ort für euch sein, gut, dass ihr gleich wieder gebucht habt!

    Liebe Grüße Manfred

    1. Erstmal muss ich diese AK noch erledigen, aber nächstes Jahr wirds bestimmt lustig, und ja, das ist durchaus ein Reiz da noch was rauszuholen.
      Strava hat mich zunehmend genervt und mittlerweile vermisse ich nichts davon, war absolut richtig sich da auszuklinken.
      Meine Frau darf datürlich immer gerne mitkommen, das wäre ja auch was! Aber manchmal möchte sie einfach nicht, wenn sie zb ahnt dass es seeeeeehr ausschweifend im arschkalten Wetter wird. Auch nachvollziehbar 🙂
      Wir haben dort sozusagen eine kleine Oase im Ort, freue mich jetzt schon auf nächstes mal dort! 🙂

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