Durchatmen

Mein Kilometer-Pensum war zwar in letzter Zeit aus guten Gründen etwas runtergefahren, trotzdem drehe ich natürlich regelmäßig meine Runden, so ganz ohne Lauferei ginge es auch wirklich nicht.
Ehrlich gesagt haben mich die hohen Temperaturen in den letzten Wochen mehr geschlaucht als alles andere. So gerne ich einen anständigen Sommer habe, aber Tag auf Tag um 30°C, das macht mürbe. Klar, ich könnte morgens laufen, aber mir gefällt der Druck nicht zu einer bestimmten Uhrzeit wieder zu Hause zu sein um rechtzeitig zur Arbeit zu kommen. Ich brauche nunmal meine Freiheit beim Laufen.
Dazu kommt: Sommerwetter bedeutet ein nicht unwesentlich dauerhaft aufgeheiztes Büro. Und das macht doppelt kaputt, die notwendige Konzentration leidet eh, aber dann abends noch lustlos die letzten Energiereste beim Laufen verpulvern, das kanns ja nicht sein.
Also gilt sich "einfach" mit der Situation zu arrangieren, den Wettkampfmodus vorübergehend verlassen und geduldig sein.
Wenn dann aber mal ab und zu ein paar frischere Tage kommen, so wie derzeit, und die Temperaturen unter 25°C fallen, dann ist sie schlagartig wieder da, die ungebremste Lauffreude!
Bei meiner gestrige Rheinrunde kam wirklich endlich mal wieder Fahrt auf, statt auf Vorsicht zu laufen und ständiges in-sich-horchen (Achillessehne, Adduktoren) wurde die Laune von Meter zu Meter besser, zuversichtlicher, mutiger. Kein Mucks von den Zipperlein, also runter vom Asphalt wo es ging und vor allem endlich mal wieder befreiende Gedanken wie "ach los, die Runde auch noch, da warst du schon lange nicht mehr". Also immer wieder ab durch die Pampa, über verdorrte Wiesen preschen, Feldwege entlang traben, mit einem seeligen Lächeln im Gesicht.
Und so lerne ich mal wieder, das Runterfahren der letzten Wochen war absolut gut und richtig. Vernunft wird belohnt, nur nicht die Geduld verlieren.

Und weil es mal was anderes als ewig strahlend blauen Himmel gab, hatte ich die Kamera dabei:
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Der Weg vom Messeparkplatz zum Rheindeich. Immer wieder schön, weg vom Asphalt, rein ins Grün. Oder auch nicht so grün im Moment … sieht schwer nach baldiger Noternte aus.

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Leise an den ruhenden Deich-Schafen vorbeitraben. Im Hintergrund, das ist kein Wald, sondern hinter den Bäumen befindet sich der Messeparkplatz, mit noch mehr Bäumen (die am Leben bleiben dürfen weil das idiotische Ed Sheeran Konzert verlegt wurde).

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Bei Niedrigwasser lässt es sich vorzüglich weit unten am Rhein laufen. Beim Hochwasser im Winter waren die Bäume rechts vom Pfad bis zur Hälfte im Wasser verschwunden.

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Blick den Rhein hoch, in Richtung Düsseldorf.

Am Ende wurden es zwar nur 18km, aber dafür mal wieder mit Tempo, toller Laune und 5km Barfußanteil. Und ich hab bewusst bis heute mit der Schreiberei gewartet, um zu sehen was meine Zipperlein einen Tag später so machen. Sie machen absolut nichts 🙂

16 Gedanken zu „Durchatmen“

  1. Lieber Oliver,
    na dann, auf zu neuen Ufern! – Oder soll ich sagen: auf zu neuen Schandtaten?

    Wie jetzt entnehme ich da, dass Bäume für ein Konzert gefällt werden sollten? – Ist nicht wahr? 😥 So ein Schwachsinn, wenn es stimmt!

    Schön, dass du es hast laufen lassen können! Bleib dran und schön geduldig neu aufbauen. Damit eintritt, was ich dir „versprochen“ habe! 😆

    LG Manfred

  2. Lieber Manfred, es könnte wirklich mal wieder was anderes sein als immer nur das Rheinufer, Zeit mal wieder den Wald unsicher zu machen 🙂
    Ja, ernsthaft, da sollten über 100 Bäume gefällt werden für das Konzert. Ist aber dank massiver Proteste zum Glück vom Tisch und wurde nach Gelsenkirchen verlegt.
    Ich bleibe dran und lausche immer auch geduldig den kleinen Ratschlägen der Erfahrenen 😉

  3. Lieber Oliver,
    der Anfang klingt noch sehr verhalten, aber gegen Ende deines Berichts kommt die volle Freude und Erleichterung zum Ausdruck 🙂
    Geduld hat sich gelohnt und da macht es auch nichts, wenn man mal ein wenig zurück schaltet weil einem die Wärme nicht behagt.
    Man kann dich quasi durch deine Worte Lächeln sehen 😆
    Sehr sehr cool 😎
    Und Gott sei Dank hat man Verhindert, das diese Bäume einem Konzert zum Opfer fallen. Also derjenige, der das in Erwägung gezogen hat, der kann doch nicht mehr ganz Ordnung im Kopf gewesen sein, oder?
    Liebe Grüße
    Helge
    p.s. mein Büro (Home office) befindet sich in einem 200 Jahre alten Haus. Das ist der Hauptgewinn im Sommer. Draußen 30 Grad, drinnen maximal 22. Natur-Klimatisierung durch 75cm dicke Natursteinwände 😆
    Besser geht es nicht

  4. Lieber Oliver, erst mal – sehr schöne Fotos deiner Laufstrecke !

    Dann zu dem Rhein-Wetter, das mir ja, ich habe es oft genug erwähnt, nicht unbekannt ist, habe jahrzehntelang darunter beim Laufen “ gelitten „, auch das mit dem Arbeitsplatz bei heißen Temperaturen ist mir weiß Gott nicht fremd, ich kann dich gut verstehen, dass sich da die Lust zum Laufen in Grenzen hält !

    Der Vernunft gehorchend warst du auch zurückhaltend, das finde ich ebenso sehr gut, macht auch nicht jeder, die Signale des Körpers zu erhören, sich danach zu richten, wird meistens honoriert. Lange Kanten laufen dir nicht davon, und du merkst, der Körper dankt, indem er einwandfrei funktioniert – so muss Laufen – YES ! 😎

  5. Moin Oliver,

    schlag mich nicht, aber ich mag die Musik von Ed Sheeran, aber das dafür Bäume dran glauben müssen, soweit geht die Musikliebe bei Weitem nicht.

    Ansonsten geht es mir ähnlich wie Dir. Erst die Geschichte mit dem murrenden Unterschenkel, dann diese ewige Hitze. Im Norden zwar sicher nicht ganz so krass wie am Rhein, aber mir hat es gereicht. Eben auch mit heißem Büro und heißem Auto, das bei meinen meist kurzen Dienstfahrten kaum abkühlt, bzw. der Wechsel zwischen kalt drinnen und warm draußen auch nicht so bekömmlich ist.

    Bei meinem Lauf in Berlin war es dann auch noch so bullig warm und nun hab ich Schnupfen. Alles nicht so einfach.

    Aber die Lauflust kehrt mit den passenden Bedingungen gnadenlos zurück, darauf kann ich mich wie Du verlassen.

    Freut mich, dass Dein begeisternder Lauf folgenlos geblieben ist!

    Liebe Grüße
    Volker

  6. Liebe Helge, hat ja auch für mich ein Weilchen gedauert um zu verstehen dass da ein kleiner Schalter umgelegt wurde. Sehr wohltuend 🙂 Die Sache mit den Bäumen war schon ein ziemlicher Aufruhr hier in der Stadt. Zumal Ddorf ja vor einigen Jahren im Pfingststurm Zigtausend Bäume verloren hat, da ist eine gewissen Sensibilität bei der Bevölkerung vorhanden. Aber alles gut, Herr Sheeran spielt in Gelsenkirchen und die Bäume bleiben wo sie sind.
    Geniess dein „Luxusbüro“, echt beneidenswert!

  7. Liebe Margitta, manchmal müssen einfach Bilder her, ich werde die Kamera mal wieder öfter mitnehmen, danke 🙂 Jaja, das Rheinwetter, wenn es woanders heiß ist, dann ist es hier besonders heiß und stickig. Und weiter südlich kommt es ja oft noch krasser (denke da an meine Zeit in Frankfurt). Man muss halt irgendwie das beste daraus machen, besonders während der Arbeitszeit.
    Bisher hat bei mir ja fast immer die Vernunft gesiegt. Und die verpassten Gelegenheiten von diesem Jahr hole ich eben später nach. Oder mache was anderes 😉 Hauptsache gesund!

  8. Moin Volker, Musik ist vielfältig und das ist gut so, da maße ich mir kein Geschmacks-Urteil an. Der Ed konnte ja auch überhaupt nix für diese Situation, eher Stadt und Veranstalter, irgendwelche überheblichen Egos wahrscheinlich. Aber ist ja gut ausgegangen, alle Bäume stehen noch und können mir weiterhin Schatten spenden wenn ich den Messeparkplatz kreuze. Diese blöden überflüssigen Zipperlein, ich hab ja selten was, aber wenn ich nicht ergründen kann wo es herkommt, das nervt etwas. Möchte ja doofe Fehler nicht wiederholen.
    Und Hitze ist ja eine Sache, aber wie du schon beschreibst, wenn man dann auch noch zwischen kühl und warm pendelt, richtig schön ungesund. Klimaanlage wäre dann noch das i-Tüpfelchen. Sowas hab ich nicht und das Fenster ist weit zu öffnen, immerhin 🙂
    So ein Schnupfen ist ja zum Glück auch schnell überstanden, dann kannst du bald weiter mit Elan die grünen Ecken Berlins erkunden. Gute Besserung!

  9. Lieber Oliver,
    das liest sich absolut nachvollziehbar und auch mit einer gewissen Selbstbestätigung…und das freut mich wirklich für Dich. Manchmal ist weniger mehr und meiner Meinung nach sollte man auch nur dann laufen und sich eventuell verausgaben, wenn man wirklich Lust drauf hat, ist ja schließlich keine Pflicht. Dann ist der Spass bei der Sache auch wieder vorhanden.

    Ich drücke Dir weiter die Daumen, dass die Zipperlein da bleiben, wo sie dich nicht behelligen

    Salut

  10. Lieber Christian, dieses "schneller, höher, weiter" kann sich ganz fix unbemerkt einschleichen, kein Wunder bei unserer leistungsorientierten Gesellschaft. Dabei soll die Lauferei doch genau dagegen wirken, enstpannen und ausgleichen. Manchmal ist weniger mehr, stimmt genau. Auch wenn ich auf "noch mehr" wirklich bock hab, es muss passen, sonst geht der Spaß flöten.
    Danke Dir, zur Zeit ist da nur "Erwartungs-Kribbeln", so muss es sein 🙂

  11. Lieber Oliver,
    genauso geht es mir auch, was die Hitze angeht. Mein Garten und ich könnten liebend gern mit weniger davon auskommen.
    Aber bei Dir passte es wunderbar zusammen, die Pause scheint Dir gut getan zu haben. Und bei der malerischen Umgebung tat der „Wiedereinstieg“ sicher auch sonst gut.
    Tja, aber nun soll es ja wieder länger heiß werden, und nun…?
    Liebe Grüße
    Elke

  12. Liebe Elke, heute hat es endlich mal (kurz) geregnet! Hoffentlich hat dein Garten auch was abbekommen.
    Ich war ja nicht so ganz ausgestiegen, hab nur unregelmäßig und gemütlich kürzere Strecken gelaufen. Aber "dort hinten am Rhein" war ich tatsächlich länger nicht mehr, tut gut jetzt wieder längere Runden zu drehen. Die Hitze kommt zurück, auf jeden Fall, schon dieses Wochenende. Aber jetzt bin ich wieder fit genug für die wilden Waldläufe und da freue ich mich so richtig drauf! 🙂

  13. Danke, die Zipperlein sind zu 99% Geschichte 🙂
    Morgens würde ich sehr gerne, aber noch früher aufstehen und dann unter Zeitdruck laufen ist nicht so toll. Im Moment nutze ich die späten Abendstunden, klappt ziemlich gut.

  14. Hallo Oliver. Passt nicht ganz zum Thema, aber es interessiert mich:
    Die Bilder machst du, zumindest teilweise, mit einer GoPro? Stimmt’s?

    Viele Grüße
    Martin

  15. Hi Martin, das ist korrekt, seit März hab ich eine HERO5, erst skeptisch, aber mittlerweile zufrieden. Schön klein und kompakt, ich nehme die mittlerweile relativ häufig mit … wenn doch nur der Akku länger halten würde 🙂
    Smartphone hat mich immer stark genervt, Touch geht oft nicht mit schwitzigen Fingern, ständig aufpassen dass es nicht runterfällt, vorsicht bei Regen usw. Die Gopro dagegen steckt ja alles weg.

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