42er in Fivefingers, oder: diesmal war alles anders

Jetzt kann ichs ja sagen: der diesjährige Düsseldorf Marathon hat mir mental nach dem Fiasko letztes Jahr einiges abverlangt. Die Tage vorher, Kopfkino. Ich war selten so aufgeregt am Start wie dieses mal, das reinste Nervenbündel. Einerseits weil ich erstmalig mit Fivefingers starten wollte (und getan hab), aber vor allem sollte dies ein Lauf ohne blöde Fehler werden.
Vorwegschicken möchte ich, dass Barfußläufer Haasky/Wolfgang zu meiner Freude den Weg nach Düsseldorf auf sich genommen hat und ebenfalls am Start war. Dort haben wir uns zwar nicht gesehen (verschiedene Startblöcke), aber stattdessen konnten wir die Zeit nutzen und einen Tag vorher nach der Startunterlagen-Ausgabe einen äusserst angenehmen philosophischen Abend zusammen verbringen. Zu plaudern gibts ja immer genug unter Läufern, aber zu lernen für mich auch, endlich konnte ich mal einen erfahrenen Barfußläufer „ausquetschen“.
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Marathon-Tag.
Das Wetter versprach „komisches“ zwischen Regen und Gewitter, bereits beim Warten im Startblock tröpfelte es ein wenig, dafür war die Temperatur perfekt, mit irgendwas um 12°C und kaum Wind. Ideal also. Später, während des Rennens kam dann immer mal ein Schauer runter, doof für das Publikum, mir hat es nichts ausgemacht, im Gegenteil, ich bin gerne durch die Pfützen getrabt um die Füße zu kühlen. Allerdings hab mich öfter gefragt wie Wolfgang das wohl wegsteckt, barfuß bei Nässe auf Asphalt, es gibt schöneres.
Ich bin aus dem Startblock Zielzeit 3:30h gestartet, hatte aber erstaunlicherweise die 3:45h Pacemaker direkt vor mir. Also nach vorne durchackern, immer mein Tempo im Auge, bloß nicht die ersten Kilometer zu schnell laufen.
Das Pulsmesser war als offizieller Pacer für die 3:30h unterwegs, den wollte ich zumindest endlich wenigsten mal kurz kennenlernen. Also Aufholen, die Fähnchen im Blick, kurz sondiert wer er wohl von den dreien ist und angequatscht. War kurz, aber hat mich gefreut 🙂 Meine Zielzeit sollte unter 3:30h liegen und so bin ich also fix weiter, immer schön die Pace im Auge.
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Und es lief einfach gut. Die Schuhe waren ein Genuss, ich war fit. Die Kilometer rollten so dahin, die Halbmarathonmarke wurde punktgenau überquert, irgendwann nach km28 kam das Kopfkino durch „letztes Jahr fing hier das Elend an“, aber von Elend diesmal keine Spur und damit war dieses Thema endgültig beendet. Alle 10km wurden stoisch zwei Salzkapseln eingeworfen und ein/zwei Schluck Wasser hinterher. Ab km30 hab ich auch mal zu Iso gegriffen, das sich allerdings als komisches sehr verdünntes Gesöff offenbarte.
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Besonders erfreulich und etwas Stolz bin ich auf den völligen Verzicht von Gels oder ähnlichem. Da war einfach nichts nötig, irgendwann hatte ich ein Gummibärchen rausgekramt, eine Weile zwischen den Fingern gebunkert, draufgestarrt und schließlich einfach weggeworfen. Es ging ohne, sehr gut sogar. Ab km32 wurde mir so richtig bewusst wie gut es läuft und ich hab einen kleinen Gang zugelegt. Viele der Läufer die mich früh überholt hatten, blieben nun hinter mir, ich war etwas angestachelt die 3:20h zu versuchen. Da waren noch Körner und ich bin gerannt, konzentriert und voller Spaß. „Noch 2km!“, keine Schwäche, beste Laune, nur noch die letzte Schlaufe über die Kö und dann ab ins Ziel. Genau in dem Augenblick sehe ich Wolfgang auf der anderen Strassenseite vorbeipreschen. Das hat mich nochmals angestachelt, ich hab meinen Laufgürtel abgeschnallt, meiner Liebsten zugeworfen und nochmal konzentriert Tempo gemacht. Dass das überhaupt möglich war, erstaunt mich jetzt noch.
Der Zieleinlauf in Düsseldorf direkt am Rheinufer ist wirklich klasse und diesmal konnte ich das auch geniessen, die Sonne ist noch rausgekommen, es hat einfach alles gepasst.
Zielzeit netto 3:21:36
Ok, die 3:20h sind es dann doch nicht geworden, aber mein diesjähriges Ergebnis ist schlicht und einfach fast 20 Minuten besser als meine bisherige Bestzeit. Ich bin mehr als zufrieden.
Hinter der Ziellinie wartete dann zu meiner Freude Wolfgang auf mich, wir sind langsam gemeinsam Richtung Nachzielbereich getrottet und haben uns fleissig über die letzten 42km ausgetauscht.
Fazit: ein rundum gelungenes Rennen, alles richtig gemacht, wahrscheinlich ist sogar noch etwas mehr drin, aber ich bin sowas von sauzufrieden!
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21 Gedanken zu „42er in Fivefingers, oder: diesmal war alles anders“

  1. Gratulation lieber Oliver! Ohne den Ballast der Gedämpften Schuhe bist Du beflügelt zur Bestzeit gelaufen, was für ein starkes Ding. V.a. was da hinten raus noch ging, Respekt! Und die Zeit ist wirklich aller Ehren wert…
    Ich hoffe Du kannst schnell regenerieren und darfst wieder entspannen auf Deinen Runden…

    Salut und genieß den Stolz und vergiss die „schlechten“ Erfahrungen

  2. Moin Oliver,

    herzlichen Glückwunsch zum Super-Marathon-Finish! Das es schlußendlich die VFF sein werden, war mir schon klar.

    Genialer Marathon, der die Rechnung vom Vorjahr mehr als beglichen hat. Alles richtig gemacht, perfekt!

    Prima auch Deine Begegnung mit Wolfgang, solche Treffen können nur genial verlaufen.

    Gute Regeneration für Körper und Nerven! 🙂

    Liebe Grüße
    Volker

  3. Lieber Oliver,
    mal eben 20 Minuten verbessert, Wahnsinn! Gratuliere ganz herzlich! Du hast DEN Tag erwischt, alles passte. Herrlich, Deine Beschreibung zu lesen, ja so wünscht man sich Marathon zu laufen. Als ich gestern bei mir herumtrabte dachte ich an Euch in Düsseldorf. Und dass zumindest das Wetter ja passen sollte. Dann war auch die Schuhwahl für Dich auch richtig und eine Bestätigung, bestens.
    Genieße noch lange Dein tolles Erlebnis, erhol‘ Dich gut und dann nimm den Schwung mit zu neuen Läufen 🙂
    Liebe Grüße
    Elke

  4. Vielen Dank lieber Christian, auch wenn mir heute so ziemlich alles unterhalb des Hinterns schmerzt, die schlechten Erfahrungen sind gelernt und erledigt. Und die Entscheidung mit den VFF an den Start zu gehen war goldrichtig, Hammer wie entspannt die Füsse auch nach über 30km noch sind! Mir war klar, dass es funktioniert, aber dass es so gut funktioniert finde ich immer noch erstaunlich 🙂 Da kann noch mehr kommen, aber erstmal ein paar Tage entspannen.

  5. Moin Volker, vielen Dank! Mir war das nicht so klar um ehrlich zu sein, ich hatte die letzten sieben Tage noch hin und her überlegt, aber wer nicht wagt und so 😉 Die Rechnung ist beglichen, mit Zinsen, ich bin wirklich richtig zufrieden. Wolfgang mal in echt kennenzulernen war klasse, und dass er dann im Ziel auf mich gewartet hat, war eine Riesenfreude. Ich bin echt gespannt auf seinen Bericht, soweit ich das überschauen kann, war er der einzige Barfußläufer. Ich zehre jetzt erstmal vom Erfolg und lege möglichst viel die Beine hoch 🙂

  6. Liebe Elke, Du kannst Dir wohl vorstellen wie baff ich selbst bin, man liebäugelt ja immer mal mit diesem oder jenem Ergebnis, nur dass ich nach hinten noch so viel Energie hatte und dran ziehen konnte, das war überraschend. Aber es war eben auch einfach so wie Du schreibst: ich hab den perfekten Tag erwischt. Und es hat einfach Spaß gemacht 🙂

  7. Lieber Oliver,

    so entspannt wie du gestern im Ziel wirktest, bin ich doch ein wenig überrascht, dass dir heute „ziemlich alles unterhalb des Hinterns schmerzt“. Du hast das Rennen viel intelligenter gelaufen als ich und hattest sicher auch viel viel mehr Genuss.
    Mir bleibt festzustellen, dass ich das Angenehme dieses Marathons gerne in Erinnerung behalten werde, und das war die Begenung mit dir. Das andere kommt in Kürze in meinem Blog.
    Ich wünsch dir ne gute Regeneration, einen schönen Feiertag und freu mich schon, dich bei guter Gelegenheit wiederzusehen.

    Liebe Grüße
    Wolfgang

  8. Lieber Wolfgang, so entspannt hab ich mich gar nicht gefühlt, die letzten 4km fordern heute ihren Tribut 🙂 Aber macht ja nichts, das geht schnell vorbei. Ich hoffe Du bist einigermaßen wohlbehalten ins Hotel und dann nach Hause gekommen, war schon eine äusserst harte Nummer die Du beim Marathon durchgezogen hast. Ich bin echt gespannt auf den Bericht. Dir ebenfalls eine sehr gute Regeneration, schon die Füße, erhol Dich, Du hast es verdient bei der super Zielzeit untern diesen Bedingungen! Und ich freue mich ebenfalls auf ein Wiedersehen, das Angebot FFM ist auf jeden Fall vorgemerkt 🙂 Liebe Grüße, Oliver

  9. Lieber Oliver,
    erstmal HERZLICHEN GLÜCKWUNSCH zur Verbesserung der Zielzeit, den Marathon in VFF durchgezogen zu haben und für mich fast am höchsten zu bewerten: du bist ihn sehr gleichmäßig gelaufen! TOLL!
    Ohne zu nüchtern zu bewerten, aber du hattest im Vorfeld auch ein sehr diszipliniertes Training absolviert (sofern ich das aus der Entfernung über den Blog beurteilen kann)! – Auch dazu HERZLICHEN GLÜCKWUNSCH!!!

    Nochmal: Ich freue mich ehrlich für dich über diese tolle Verbesserung. Da sind die unangenehmen Randerscheinungen locker auszuhalten, zumal sie bald Geschichte sind, deine neue, tolle Bestzeit aber nicht!

    Lass dir jetzt Zeit für deine Erholung. Du weißt jetzt, dass da mehr geht, als dir deine Erfahrung vom letzten Jahr „vormachen“ wollte! 😉
    LG Manfred

  10. Hallo Oliver,
    prima, dich Mal live erlebt zu haben! Du warst ja gut drauf und das offenbar bis ins Ziel. So muss Marathon idealerweise sein! Und dann noch mit den VFF und ohne Nahrung. Das zeigt, wie gut trainiert Füße und Fettstoffwechsel sind.
    Ich gratuliere!

  11. Vielen lieben Dank Manfred, ich bin selbst immer noch erstaunt wie gut ich das abgespult hab. Die unangenehmen Randerscheinungen waren nur Kopfsachen aus dem Vorjahr und sind abgehakt, dieses mal hat einfach alles gepasst und ich bin saustolz 🙂
    Dafür dass ich eigentlich überhaupt keinen Trainingsplan habe, war das was ich gemacht hab (die langen Läufe) offenbar diszipliniert genug. Und scheinbar hat es tatsächlich nicht geschadet dass ich im Training einfach nach Laune mein Tempo gelaufen bin, Du hattest ja mal sowas angedeutet.
    Jetzt ein paar Tage Ruhe und dann gehts erstmal gemächlich weiter, mal schauen was mit den VFF noch so möglich ist, wahrscheinlich fast alles 🙂 Liebe Grüße, Oliver

  12. Hallo Pulsmesser, ebenfalls große klasse Dich (wenn auch nur kurz) mal endlich kennengelernt zu haben. Wollte nicht rumnerven, und hab vor allem keine Vorstellung davon wie konzentriert man als Zugläufer unterwegs ist, deshalb bin ich fix wieder in mein Plan-Tempo übergegangen. Ich war bis ins Ziel in der Tat wirklich gut drauf, keine Schwäche, kein Energieloch, das alles mit Zehenschuhen, jetzt werde ich das Gefühl nicht los dass noch etwas Luft nach oben ist. Wir werden sehen 🙂 Vielen Dank!!

  13. Lieber Oliver,
    20 Minuten schneller 😯
    Holla die Waldfee! Da haste aber ordentlich die Sau rausgelassen.
    Gratuliere zu dieser fantastischen Zeit und ich sage mal, wer nach km 32 im Marathon noch Gas geben kann, der hat sicher nichts verkehrt gemacht 🙂
    UNGLAUBLICH!
    Freu mich, das du so zufrieden mit dem Marathon bist. Das kannste aber auch wirklich sein 🙂
    Liebe Grüße
    Helge

  14. Liebe Helge, ja das ist schon wirklich krass, vor allem grübel ich jetzt ständig darüber dass ich gefühlt bisher immer schon an meiner Grenze war. Und ausgerechnet dieser Marathon dann sogar (von der Nervosität mal abgesehen) relativ fluffig ging. Da ist also möglicherweise noch etwas Luft nach oben. Aber vorrangig bleibt der Spaß an der Sache, das möchte ich mir erhalten, und vor allem hatte ich diesmal ne Menge davon 🙂 Liebe Grüße, Oliver

  15. Lieber Oliver, Spaaaaaaaaaaaaaaaaannnung, war ein paar Tage in Kurzurlaub, habe deinen Bericht längst via Smartphone verfolgt – und ich sage dir, ich war NICHT überrascht, warum wohl, weil ich – und jetzt kommt des Rätsels Lösung – dich richtig eingeschätzt hatte, meine Prognose lautete: Zieleinlauf 3:15 – 3:20 (auf die eine Minute kommt es nun wirklich nicht an !!), und ich lag richtig !! Auch ich bin in meinen Glanzzeiten die 10-er und die Marathon-Zeit ähnlich gelaufen, daher konnte ich es relativ gut einschätzen !

    Erst mal ganz herzlichen Glückwunsch, freut mich sehr für dich, und in Frankfurt knackst du die 3:15, wenn alles gut weiterläuft, dazu noch der geniale Zieleinlauf in der Messehalle, der das Rennen dann noch perfekter macht – YES !!

    Freue mich für dich, ALLES richtig gemacht. :coo:

  16. Liebe Margitta, mir war bewusst dass es diesmal eigentlich nur besser laufen kann, hab auf irgendwas um 3:25 spekuliert. Aber ich war auch echt noch nie so nervös vorher, ein wenig mehr Selbstvertrauen hätte nicht geschadet. Du hast mich da schon fast besser eingeschätzt, und das aus der Ferne, mal wieder die gute alte Erfahrungswerte. Ich sags ja immer wieder 😉
    Auf die eine Minute kommt es mir tatsächlich nicht an, die wäre locker drin gewesen, es ist aber wie es ist und ich bin wirklich rundum zufrieden mit dem Ergebnis. Spannender wird es beim nächsten Marathon, vielleicht klappt das ja mit Frankfurt, wäre ideal, ansonsten werde ich irgendwo anders die 3:15 knacken. Jetzt weiß ich dass ichs kann 🙂
    Vielen Dank!!!

  17. Ich bin immer wieder begeistert, wenn es jemand schafft in diesen Temporegionen einen Marathon zu laufen. Ist mir persönlich leider nicht vergönnt. Ob´s am Gewicht oder an mangelndem Talent liegt konnte ich nie erörtern. Vielleicht bin ich eher der der Kraft- als der Läufertyp. Oder liegt´s vielleicht daran, dass ich das Laufen bis vor 10 Jahren noch hasste und jeder Strecke über 20Meter aus dem Weg gegangen bin! 😉
    Macht aber nix. Mit zunehmendem Alter akzeptiert man manche Dinge einfach.
    Ich habe mich bei Dir ein wenig umgeschaut und mit großem Interesse dein Hubzilla gefunden. Kannte ich vorher noch gar nicht, hat mich aber sehr neugierig gemacht. Ich werde mir mal die Sache anschauen. Vielleicht habe ich die eine oder andere Frage an Dich?
    Wäre das OK?
    Ansonsten würde ich gerne deinen Blog bei mir verlinken, wenn Du damit einverstanden bis.

    Gruß Gerd

  18. Hallo Gerd, über meine diesjährige Zeit freue ich mich sogar doppelt, einerseits wegen der Bestzeitverbesserung und andererseits weil ich das ganze in VFF gestemmt hab. Hätte mir das jemand vor 2 Jahren vorausgesagt, dem hätte ich einen Vogel gezeigt 🙂 Aber am ende ist die Zielzeit ja dann doch wieder zweitrangig, es geht ja eigentlich darum diese Distanz laufen zu wollen/können.
    Wegen Hubzilla: klar, gerne nachfragen. Oder noch besser, einen offenen Hub suchen (zb https://start.hubzilla.org), dort einen Account anlegen und rumexperimentieren. Du kannst ja später jederzeit umziehen (nomadische Identität, eines der Key-Features von Hubzilla). Verbinde dich mit mir (https://hubloq.net/channel/oliver) und dem Support Forum (https://zotadel.net/channel/support) und schon wird (hoffentlich) jede Frage beantwortet.
    Blog-Verlinkung sehr gerne, findet auch gleich bei mir statt. Beste Grüße aus dem Rheinland, Oliver

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