Nicht zögern, sondern laufen

Wer kennt das nicht, irgendwann kommt bei jedem Läufer mal so ein Tag an dem es anscheinend wirklich schwer wird abends noch zumindest die übliche Runde zu drehen. Nerviger Arbeitstag, zu lang dazu, keine echte Pause gemacht, strömender Regen den ganzen Tag, wieder aufkommender Sturm. Dann endlich nach Hause kommen und eine sehr laute Stimme im Kopf sagt: Abendessen und ab aufs Sofa!
Kommt echt selten vor bei mir, aber heute war mal so ein Tag. Ziemlich laute Stimme sogar. Aber irgendwie hatte ich fast ohne es zu bemerken bereits meine kurze Laufhose an (12°C heute bei uns) und sammelte die anderen Klamotten zusammen, kurzer Blick nach draussen: der Regen hörte grade auf, also keine Regenjacke nötig, während die eben noch laute Stimme langsam leiser wird, bin ich fertig zum Laufen angezogen, wähle statt Fivefingers heute seit langer Zeit mal wieder die roten Newton-Raketenschuhe (keine Ahnung wieso), gehe vor die Tür, knipse die GPS-Uhr an und los gehts.
Elender erster Kilometer. Danach rollt es langsam, Gedanken sortieren sich, ich komm in meinen Rhythmus. Und da ist er plötzlich, der Laufspaß, zack, einfach so. Hat nichtmal 2 Kilometer gedauert. Ich bemerke dass ich grinse, der Wind pustet mir um die Ohren, es läuft sich erstaunlich leicht. Dann eben ein paar Kilometer mehr als „geplant“ (es war eh nix geplant), eine Extrarunde über den Messeparkplatz, dann rauf aufs Rheinufer und damit voll rein in den Sturm. Der kommt zu meiner Überraschung schräg von hinten statt von vorne wie die letzten Tage, also Vollgas mit dem Wind. Ein Riesenspaß! Nach den ersten eher moderaten Kilometern, fliege ich den Rest der Strecke einfach so dahin, mache noch einen Schlenker durch die Altstadt (da lauf ich sonst nie) und dann nach Hause. Statt unzufrieden und k.o. auf dem Sofa rumzuhängen also ein rundum gelungener Lauf über immerhin 20km.
Was sagt uns das? Nicht zögern, nicht zaudern, nicht nachdenken, einfach Klamotten an und raus. Ist ja auch wirklich nichts neues, aber je öfter das reibungslos klappt, desto einfacher wirds beim nächsten mal. Falls mal wieder einer dieser Tage droht …
Einfach immer weiter laufen.

10 Gedanken zu „Nicht zögern, sondern laufen“

  1. Lieber Oliver,
    yeah, genauso müssen wir das machen! 😉
    Am besten nach der Arbeit und auf dem Weg nach Hause den Kopf ausschalten und erst kurz vor dem Lauf wieder einschalten! Dann wird es wohl (immer) ein Genuss! 😆
    Toll, dass du rausgefunden hast!
    Ich wünsche dir immer (wieder) solche Siege über die laute innere Stimme!
    LG Manfred

  2. Lieber Manfred, rausfinden muss man das gar nicht, sondern machen, Kopf ausschalten kann ich 🙂 Es kann ja nicht immer bequem sein, aber wenn man sein Ding durchzieht, dann kommt der Genuss von selbst. Und selbst wenn der Lauf dann mal nicht toll war, hinterher ist doch jeder stolz auf sich den Hintern hochbekommen zu haben. Darum gehts ja irgendwie auch. Danke dir!

  3. Lieber Oliver,
    ich kannte das Gefühl viele Jahre nicht und hatte es 2017 wieder entdeckt, diese Lustlosigkeit einen Lauf zu beginnen…aber genau wie Du es beschreibst verhält es sich dann, oft wird es sogar gefühlt der beste Lauf ever
    Schlimmer ist jedoch das Gefühl, wenn man sich nicht aufgerafft hat und man hinterher denkt: ach wäre ich doch nur…

    Also merk Dir den Effekt für das nächste Antriebstief.

    Salut

  4. Lieber Christian, mit diesem "ach wäre ich doch nur" versaut man sich den eh miesen Tag dann vollständig, das will doch eigentlich niemand! Bei mir klappt das ganz gut, indem ich mir einfach die Laufuhr anziehe, der Rest läuft automatisch ab und plötzlich stehe ich auf der Strasse, egal welche Laune ich hab, tobe los und alles ist gut 🙂
    So läßt sich jedes kleine oder große Tief gut überwinden.

  5. *Lach*

    Moin Oliver,

    ich muß deshalb lachen, weil es bei mir gestern genau umgekehrt war. Mehr dazu im nächsten Post. Ein extrem seltenes Ereignis, eigentlich kenne ich es genauso wie Du es beschrieben hast. Deswegen hat der Lockruf des Sofas auch keine Chance 🙂

    Liebe Grüße
    Volker

  6. Moin Volker, na denn bin ich mal gepannt 🙂
    Normalerweise freue ich mich den ganzen Tag über auf meine abendliche Runde und kann es kaum erwarten loszurennen. Solche miesen Tage gibts echt superselten, daher musste ich mir das mal runterschreiben.

  7. Lieber Oliver, wir hatten es gerade mit dem Youngster, dazu wäre aus meiner Sicht noch zu sagen, entschuldige, wenn ich mich wiederhole, ABER, wenn man solange mit größter Freude läuft wie ich, dann zögert man nicht mehr, im Gegenteil, man kann es kaum erwarten, bis die Schuhe endlich geschnürt werden dürfen. Du sagst es oben selbst, diese miesen Tage gibt es echt super selten, und ich verspreche dir, irgendwann ………………….

    In diesem Sinne – immer schön, sich mit Gleichgesinnten auszutauschen ! 😎

  8. Liebe Margitta, … und irgendwann zögert auch der Geist nicht mehr, das wird so sein. Hat für mich was zum ähnlichen Thema "gibst du einmal auf, dann gibst du immer auf". Lehrreich und ist hängengeblieben 🙂
    Da bleib ich auf jeden Fall dran!

  9. Lieber Oliver,

    für einen Nichtläufer scheint das Wetter gerade der schlimmste Feind zu sein, zumindest bei uns in der Gegend, wo es (gefühlt) seit Tagen regnet und ganz sicher nie wieder aufhören wird.
    Ein Läufer aber geht raus, weil er einfach laufen muss und stellt dann fest, dass es wirklich Schlimmeres gibt als das Wetter. Im Gegenteil: merkt man erst mal, dass man nicht nasser als nass werden kann (im Sommer im Meer macht man sowas ja freiwillig), dann fängt der Spaß sogar richtig an. Alles nur eine Folge der eigenen Weltsicht.
    Nun ja, schön gesagt, aber wenn dann das Wetter tatsächlich mal gut ist, muss man doch zugeben, dass das Laufen dann noch mehr Spaß macht, oder? 🙂

    Liebe Grüße und ein gutes 2018!
    Wolfgang

  10. Lieber Wolfgang, schön wieder von dir zu lesen! Eine Folge der eigenen Weltsicht, das trifft es sehr genau. Und der Mitteleuropäer und das Wetter, das ist eh ein Kapitel für sich…
    Beim Laufen ist es eigentlich nur der Moment des Startens, des Rausgehen. Bei schönem Wetter immer einfach, bei Regen und Dreckswetter bei vielen eher schwer. Mir ist das nass werden tatsächlich ziemlich egal, erstens gibt es gute Regensachen, zweitens schwitze ich eh stark, ob von innen oder von aussen nass ist dann auch egal 🙂 Einzig die Füsse wollen etwas umsorgt und vorbereitet werden, bei viel Nässe kann es ja dann doch mal zu "Schubber-Stellen" kommen. Aber sowas hat mann/frau ja schnell raus.
    Die ein tolles und zufriedenes 2018 und liebe Grüße aus dem Rheinland, Oliver

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