Kontrastprogramm

Die letzten Wochen bestanden überwiegend aus etwas längeren Strecken, also 20km oder mehr. Ich hab soviel Kilometer gelaufen wie noch nie vorher im gleichen Zeitraum, völlig entspannt, ohne Druck. Nur an den beiden sehr heißen Tagen, bin ich aus Vernunftsgründen,sehr früh morgens nur etwa 12km unterwegs gewesen. Aber ansonsten wurde einfach durchweg relativ ungeplant losgerannt, ich hatte mir als Minimum nur irgendwas um 14-16 Kilometer vorgenommen und mich dann überraschen lassen, wo es mich tatsächlich hinträgt. Es trug mich immer erheblich weiter.
Interessant daran ist, wie die Umgebung Stück für Stück „schrumpft“. Ich laufe mittlerweile zu Orten, wo man rein gedanklich eigentlich nur mit Auto/Bus/Bahn hinfahren würde. Aber das nur nebenbei.
So zu laufen klappt eigentlich immer gut und entspannt mich sehr. Die einzige Bremse ist daher auch nur mein stetiges Vorhaben möglichst weit ohne Wasser und Zuckerkram zu kommen. Bis ca. 25-27 Kilometer funktioniert das mittlerweile gut, danach werden die Beine langsam aber sicher schwerer, trotzdem möchte ich die Distanz ohne Futter noch etwas ausweiten. Wäre doch gelacht wenn da nicht noch was rauszuholen ist.
Wasser gibt es manchmal unterwegs, im Wald stehen überall Brunnen, am Rhein siehts zwar nicht so gut aus, aber ein paar Trinkmöglichkeiten gibts da mittlerweile auch. Prinzipiell gehe ich aber natürlich immer gut betankt (tagsüber trinken, trinken, trinken) auf die Strecke, bei normalen Temperturen kommt kaum Durst auf, brauche ich kein Wasser. Ja, natürlich könnte sicherheitshalber einfach eine Flasche mit auf die Tour, aber das ist nur unnötiges Gewicht. Wie gesagt, es geht mir dabei um Distanzen bis 30 Kilometer. Bei allem darüber sieht die Welt natürlich anders aus.
Ebenfalls völlig anders sieht die Welt aus, wenn man sich als tapferer Dauerläufer für ein Firmen-Event mit 6,2km Distanz anmeldet und damit in ein komplettes Kontrastprogramm katapultiert wird.
Die „deutsche Firmenlaufmeisterschaft“ B2Run zieht durch etliche Städte, so auch durch Düsseldorf. Ist natürlich Ehrensache dass ich da mitmache, zumal mein Arbeitgeber erstmalig dabei ist und sich alle bei der Organisation sehr viel Mühe gegeben haben. Immerhin 19 Läufer konnten kurzfristig aktiviert werden, jede Geschwindigkeitsklasse ist dabei, alle sind gut drauf, so muss es sein.
Das ganze Ding ist übrigens ein Riesen-Event. Also echt riesig. Tausende von Menschen in und um der Arena.
Start, Ziel, Aktionen, Meeting-Points usw finden in der Esprit-Arena statt, die Strecke selbst ist eine schöne Schlaufe, zuerst am Rhein entlang, dann kurz parallel zur Autobahn um über einen Feldweg zurück zum Messegelände und zur Arena zu führen.
Die Läufer werden, wegen der schieren Masse, im Viertelstundentakt gestaffelt auf die Strecke geschickt.
Wir sind um 19:15 Uhr (zweite Gruppe) dran, kurzes Absprechen ob als Team oder auf Zeit (zweiteres) und ab in die Startbox. Ich bin sofort hochmotiviert ganz nach vorne, um mich innerhalb der ersten Reihen zu platzieren. Bloß kein Gedrängel am Start. Wunschdenken, gabs natürlich trotzdem.
Und dann ging es nach dem üblichen Vor-Start-Bohei auch schon los. Die Strecke kenne ich im Grunde auswendig, ist ein Teil meiner üblichen Rheinrunde, nur dieses verdammte schnellere Laufen hab ich wie gesagt überhaupt nicht mehr trainiert. Als Plan hatte ich mir eine 4:15er Pace vorgenommen, um dann ab km4 alles rauszuholen. Am Ende wurde es eine 4:08er Pace, völlig ok.
Auf der Strecke hat unsere Startgruppe relativ schnell die Langsamen aus der ersten Gruppe eingeholt, das war der einzige wirklich nervige Teil an der sonst gut organisierten Veranstaltung. Slalom durch Walker und Bummler, nicht lustig. Sicher, das ist kein Volkslauf oder ähnliches, den meißten gehts einfach ums Mitmachen (und das find ich klasse). Aber wieso die Langsameren nicht konsequent die „linke Spur“ zum Überholen freilassen, ist mir einfach ein Rätsel.
Sei’s drum, nach dem Flaschenhals ging es auch schon auf den Messeparkplatz mit viel Platz, von dort an hab ich aufs Tempo gedrückt. Und wie das so ist, man findet immer einen netten (unbekannten) „Pacemaker“ mit dem man sich aufschaukeln kann. In meinem Falle ein Kollege mit rotem Shirt, der über den letzten Kilometer für stabiles Tempo gesorgt hat. Oder wir beide für einander. Wie auch immer. Beim Zieleinlauf hab ich ihn dann wieder abgehängt, nicht mal aus Absicht, sondern wegen erneutem Slalomlauf in den engen Kurven. Trotz des Gedrängels unterwegs, bin ich mit 26:38 durch Ziel, das ist mehr als ok, obwohl glatte 2 Minuten langsamer als letzten Jahr beim run4ideas (auch 6,2km). Aber letztlich waren wir als Firmen-Team am Start und das war der eigentlich Spaß an der ganzen Sache. Gemeinsam unter Spannung stehen, anfeuern und hinterher noch zusammensitzen, essen und trinken, einfach gute Laune haben. Dafür mache ich sowas richtig gerne jederzeit wieder mit.
Natürlich kam kurz die Idee auf barfuss zu laufen, aber der Feldweg-Teil wäre wirklich nicht gut zu meinen Füssen gewesen. Also bin ich stattdessen mit den Skora Phase losgetobt, eine gute Wahl.

Kommentare

  1. Lieber Oliver, erfreulich deine immer länger werdenden Ausflüge zu verfolgen. Ohne Essen auszukommen, das kann man trainieren, ich esse z.B. nicht während eines Marathons, brauche ich nicht, habe genügend Fettreserven. Ohne Trinken jedoch ist im Sommer gefährlich, je früher du trinkst, desto besser, die Quittung erhälst du postwendend !

    Kleiner Tipp: Nimm Rosinen, die sind klein und handlich und können mit Gels und & Co. erwiesenermaßen mithalten, falls der Hunger sich einstellt, hast du sie immer parat !

    Kurze Läufe indes, wie du gelaufen bist, sind mir zu schnell, zu kurz, aber in einem sind wir uns einig, danach, sich mit Gleichgesinnten auszutauschen, zusammenzusetzen – das mag ich auch. Liest sich alles sehr gut ! 😎

    1. Liebe Margitta, normalerweise würde ich mir so einen Rummel nicht antun, aber meine Kollegen sind einfach nett und haben sich viel Mühe gegeben und dann macht sowas plötzlich einfach Spaß.
      Ich hab immer Rosinen als Notfall-Verpflegung dabei, aber die machen einen sehr trockenen Mund, dann muss Wasser parat sein und das passt manchmal einfach nicht. Aber keine Bange, alles über 30km gehe ich sehr vernünftig mit trinken und essen an. Möchte ja wieder heile zu Hause ankommen.

  2. Hallo Oliver,

    zu so einem Firmenlauf bringen mich keine zehn Pferde – einfach zu viele Menschen und der Aufriss wegen sechs Kilometern 😉 Aber super, dass Du so vielseitig laufbegeistert bist, egal ob allein und aketisch auf langen Strecken oder mit den Kollegen beim Massenauflauf.

    Die Medaille für die 6km steht der bei einem Marathon jedenfalls in nichts nach 😉 Und für die Zeit hast Du sie Dir allemal verdient.

    Was les ich da noch: Skora Phase? …etwa schon das zweite Modell von Skora und damit schon wieder ein Neuer? Hast offenbar eine Schuhtest-Phase 🙂

    Beste Grüße
    Sebastian

    1. Hi Sebastian, „ich war jung und brauchte das Geld“ 😉 Nee, ernsthaft, es ist einfach der Spaß gemeinsam mit den Kollegen zu rennen und meinen Titel als Läufer zu verteidigen, zumal alles wirklich fast vor der Haustür liegt, also Ehrensache da mitzumachen.
      Die Skora Phase hab ich schon länger, benutze die aber erst seit meine ganz leichten Inov8 wirklich auseinanderfallen (Auslaufmodell). Und Anfangs war ich hochunzufrieden mit denen, hab Blasen und Abschürfungen an der Ferse bekommen. Also vorübergehende „Einlagerung“. Irgendwann kam dann die Erleuchtung: Einlegesohlen rausnehmen!! Und seitdem gehören sie zu meinen Lieblingen. Sehr direkt, tolle Passform und funktionieren bei fast jedem Untergrund. Würde ich wieder kaufen, aber vorerst wird ja nicht mehr eingekauft 😉
      Beste Grüße, Oliver

  3. Hi Oliver,
    für unsere Schule hab ich das schon 19 x für unser Lehrerkollegium organisiert. In den Anfängen konnte man bei 3500 Teilnehmern am Rheinufer in Ffm noch richtig schnell unterwegs sein, aber dann … vor allem, wenn man auch selbst nicht mehr so viel Tempo „auf die Piste“ bringt! – Garantiert hätte ich es für mich höchstens zwei oder drei Mal gemacht. Viel zu kurz und vor allem viel zu drängelich. In den letzten Jahren waren es in Frankfurt beim JP-Morgan-Firmenteamlauf immer so um 70000! – Eigentlich ne grausame Angelegenheit, aber fürs Kollegium und das Grillen danach …
    Die Stimmung war dann immer sehr gut und hat den Zusammenhalt und die CI gefördert!
    Was man nicht so alles macht … 😉
    LG Manfred

  4. Hi Manfred, ab einer gewissen Menge wird es grenzwertig, aber 70tausend?! Das ist echt heftig. Aber wie du schreibst, wenn das eigene Team passt, dann hat sogar so eine Monsterveranstaltung irgendwie seinen Reiz. Was man nicht alles macht … Genau 🙂
    Liebe Grüße, Oliver

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