Ohne Ballast

Mindestens einmal in der Woche gebe ich mir einen etwas längeren Lauf, der kann von 21 bis 30 Kilometer lang sein, manchmal sogar mehr, je nach Laune/Wetter/Trainigsstatus. So richtig planen tu ich das eh nie, allerhöchstens nach dem Motto „könnte mal wieder am Rhein laufen“ oder „Grafenberger Wald war ich lange nicht“ und dann gehts los. Wer hier mitliest weiß: minimale Ausrüstung ist angesagt, aber so ein paar Sachen nehm ich normalerweise dann doch mit. Diese schönen Spätsommer/Frühherbst-Tage machen es einem allerdings leicht, sonnige Temperaturen um 14°-16°C passen einfach für leichte Klamotte, irgendwelche Wasserflaschen können getrost zuhause bleiben. Bisher hatte ich zur innerlichen Beruhigung immer noch ein wenig Kleingeld (für Notfall-Fahrkarte) sowie ein kleines Päckchen Rosinen, Datteln oder ähnliches mit. Gestern war mir einfach alles zu viel. Nur Laufuhr und der Hausschlüssel kamen mit. Und dann gings ohne weiteres Grübeln schnell raus aus der Stadt, Richtung Rhein.
Nach ca. 2,5km der erste kurze Geschwindigkeitscheck: 4:15 Pace. Viel zu schnell. … was solls, wird sich schon anpassen.
Da ich es nicht mag de gleiche Strecke hin und wieder zurück zu laufen, versuche ich immer alles irgendwie als Rundkurs zu machen, heißt bei der Rheinstrecke: irgendwann gibts kein Zurück mehr, weil schlicht und einfach die Brücken fehlen. Hätte mich dieses Tempo irgendwann gerissen, dann wärs halt so, dann hätte ich eben zu Fuss nach Hause gehen müssen. Irgendwie passte aber einfach alles und ich bin mit guter Laune weiter, schnell an der letzten „Umkehrmöglichkeit“ vorbei. Bei ca. km10 der nächste Blick auf die Uhr: 4:32, na bitte, geht doch das nach Gefühl laufen. Irgendwann gehts dann entspannt die Flughafenbrücke (A44) hoch, da flackerte kurz der Gedanke auf „meine Güte, es gab früher mal Situationen auf dieser Strecke, da hatte ich bereits einen Energieriegel und 0,5l Wasser intus“ … und da war ich langsam, übervorsichtig, fast gestresst beim Gedanken noch mindestens 10 Kilometer als Rückweg leisten zu müssen. Seitdem hat sich scheinbar sehr viel geändert in meiner Grundeinstellung zum Laufen. Diesmal hab ich mir einfach noch einen kleinen Schlenker gegönnt, jetzt schon nach Hause? Nö.
Weiter gings mit Rückenwind, einmal kreuz und quer durch die Felder, dann wieder zum Rhein, am Wasserwerk vorbei. Dort ist der kleine beliebte Trinkbrunnen an dem ich gerne stoppe, diesmal konnte er mich allerdings nicht locken. Blick auf die Uhr: 4:40 … krass. Noch 6 Kilometer… Zuhause angekommen waren es dann schließlich etwas über 23 Kilometer in 1:44:30, das heißt, ich bin meine bisher beste Halbmarathonzeit gelaufen (1:36:30). Einfach so. Ohne Plan. Ohne Wasser, Energiefutter oder „Versicherung“.
Wenn ich ständig daran erinnert werde, „notfalls“ ja zum Energiefutter greifen zu können, dann mach ichs wohl auch. Aber ohne Ballast läuft es sich einfach leichter, auch ohne mentalen Ballast. Da bleib ich mal dran.

4 Kommentare

  1. Hi, Oliver, bin genau der gleichen Meinung wie du, das viele Gedöns mit Versorgung & Co. während eines Laufes bis zu 25 Kilometer wird aus meiner Sicht – wie vieles, auch Technik und anderes unnützes Zeug, was Läufer derzeit alles mit sich herumschleppen – übertrieben.

    Auch ich komme sehr gut lange ohne Flüssigkeit aus, es sei denn, es ist sehr heiß, dann aber kann man sich Strecken aussuchen, auf denen es Möglichkeiten gibt, sich Wasser zu besorgen.

    Selbst beim Marathon muss ich nicht essen.

    Darum verstehe ich dich sehr gut.

    Super Zeiten läufst du, es geht steil aufwärts mit dir !

    Einfach so, ohne Plan, ohne Wasser, ohne Energiezufuhr – das geht, der Körper lernt, damit umzugehen ! Daumen hoch !

    1. Danke für die Bestätigung eines „alten Hasen“. Scheinbar wirkt Werbung leider oft mehr als der eigene gesunde Menschenverstand.
      Statt auf unnötigem Ballast, sollten Läufer (ganz besonders die Anfänger) vielleicht eher das Augenmerk auf systematisches Training legen. „Von nix kommt nix“ heißt es doch so schön, da ist schon was dran. Ich bin ja nun weißgott kein routinierter Profi, sondern der typische „ambitionierte Amateur“ und konsequent auch erst seit ca. vier Jahren dabei. Aber selbst mit dem bißchen Erfahrung kann ich nur sagen: setzt auf Ausdauertraining, es lohnt sich, es macht Spaß, da geht immer noch etwas mehr.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.