400km KMD

Etwas mehr als 400 km bin ich jetzt mit den Vibram FiveFinger KMDs gelaufen. Die letzten Wochen immer mehr und immer umfangreicher.
Zeit für einen kleinen subjektiven Testbericht:
Aller Anfang war … nunja … merkwürdig. Die KMDs anzuziehen ist recht einfach, sind nunmal keine Flipflops, aber nach kurzer Eingewöhnung gehts sehr fix. Bei einigen anderen FiveFinger ist das wohl nicht so einfach, hab ich zumindest in diversen Beiträgen gelesen.
Wer mit FiveFingers beginnt, sollte sich für die erste Zeit möglicherweise auf Blasen einstellen. Ich selber hatte nur ein paar kleine Schürfwunden, aber mit der Zeit härtet frische Hornhaut diese Stellen ab.
Barfuss laufen ist nicht gleich mit FiveFinger laufen, durch die stabile Sohle laufe ich dann doch ungewollt etwas schlampiger als wenn ich richtig barfuß unterwegs bin. Ein paar Kilometer sind fast immer nötig um den Bewegungsablauf wirklich sauber drauf zu haben. Und im eigenen Interesse (bzw im Interesse der Waden) läuft man besser sauber. Nicht „schlappen“, sondern immer schön die Füße anheben, dann klappts auch mit der Mittelfußtechnik. Das wird aber mit der Zeit immer besser und leichter.
Schon beim ersten Lauf ist mir allerdings aufgefallen, daß die Sohle recht laut auf hartem Untergrund ist, das kann sogar mal zu richtigen Klatschgeräuschen führen. Kannte ich so noch nicht, meine anderen Minimalschuhe (und auch die VFF Evos) sind sogar extrem leise. Das war also noch ein Grund mehr, sehr sauber auf dem Mittelfuß (eher sogar auf Vorderfuß) zu laufen. Viel mehr negatives gibts aber auch nicht. Auf Sand, Schotter, Gras, durch Matsch und Pfützen, über Holzstämme und Kieswege, alles kein Problem, das Laufen mit diesen Schuhen macht ganz einfach richtig Spaß.
Die Zehen entwickeln nach der Eingewöhnungzeit enorme Stabilität und passen sich immer dem Untergrund an (übrigens: ja, auch in Zehen kann man Muskelkater bekommen). Besonders bei grobem Schotter bin ich echt erstaunt wie problemlos man da drüber rennen kann. Als wichtig hab ich erfahren, Abwechslung in den Lauf zu bringen, das ist besonders für typische „Stadtläufer“ hilfreich. Nicht stumpf die Strecke runterreissen, sondern auch ab und zu eine Treppe mitnehmen oder kleine Sprünge oder ein Sprint über die nächste Wiese machen. Hebt auch den Spaß-Faktor enorm. Am schönsten ist es natürlich durch den Wald zu toben und auch mal einen Hügel hochzurennen. Auf Trailstrecken kommen die Stärken der KMDs richtig raus, guter Halt, stabil und trittsicher, die verstärkten Zehenkuppen können was ab. Vorsicht ist natürlich auch mit „normalen“ Schuhen erstes Gebot, mit FiveFingers läuft man aber eh etwas aufmerksamer.
Werden die Füße durch Pfützen oder Matsch mal nass, ist überhaupt nicht schlimm, Schuhe und Füße trocknen unheimlich schnell wieder.
Die Schnürung hält sehr gut und zwängt den Fuß nicht ein, die Schuhe passen aber eh so gut, daß die Schnürung nur unterstützend wirkt und vor eher allem die Optik verändert. Mit den sonst üblichen Klettverschlüssen sehen FiveFingers etwas weniger schuhähnlich aus, die Schnell-Schürsenkel machen Schuhe draus. Komische Blicke gibts trotzdem von manchen Passanten oder Joggern, aber das ist mir völlig egal.
Ich hab mich langsam rangetastet, das ist sehr empfehlenswert vor allem um schlimmen Muskelkater zu vermeiden (hatte ich nie). Anfangs waren maximal 2 bis 5 Kilometer drin, über Wochen sehr langsam und vorsichtig gesteigert, mittlerweile laufe ich ohne Anstrengung 20 bis 25 km mit den KMDs. Die letzten sieben Tagen wollte ichs dann wissen und hab jeden Tag mindestens12 km hingelegt. Das Erstaunliche: mit jedem Tag wurde ich schneller. Heute fast 16 Kilometer in einer Stunde und acht Minuten (Pace von 4:25), das hätte ich mir vor vier bis fünf Wochen niemals zugetraut. Spannende Frage: was ist noch drin?
Aber eigentlich kommts mir nicht aufs Tempo an, das ist nur ein sehr netter Nebeneffekt. Ich möchte Spaß beim Laufen haben und dabei ausdauernd sein. Und die FiveFingers machen Spaß. Sehr viel Spaß. Könnte gut sein daß die meine bevorzugten Laufschuhe werden.

 

4 Kommentare

  1. Ja, das Beste, was man sich und seinen Füßen antun kann, vorausgesetzt, man geht es mit Verstand an.

    Besonders gefällt mir dieser Satz:

    “ Aber eigentlich kommts mir nicht aufs Tempo an, das ist nur ein sehr netter Nebeneffekt. Ich möchte Spaß beim Laufen haben und dabei ausdauernd sein „.

    YES ! 😎

  2. Ich habe mir vor Jahren 5fingers zugelegt und habe diese oft und ebenfalls mit viel Spass getragen. Für mich war die Möglichkeit mit Barfussgefühl ohne schmerzliche Stiche über jeden Untergrund zu traben, das fazinierendste an diesen „Schuhen“.
    Jetzt allerdings liegen die 5fingers meist im Gestell. Ich denke mir, dass gedämfte Schuhe für mein knorpelgeschädigtes Knie vorteilhafter sind.

  3. Hallo Martin. Gesundheit geht immer vor, wenn gedämpfte Schuhe gut für deine Knie sind, dann ist das mit Sicherheit richtig so. Ich bin selbst sehr gespannt wie meine „Minimal-Experimente“ so weitergehen.

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