Unsozial

Ich bin ein unsozialer Läufer.
Alleine laufen macht mir einfach am meissten Spaß, das erfüllt mich. Sich selbst und die eigenen Wahrnehmungen nur noch auf gleichmäßiges Atem, Wetter, Natur, Laufrhythmus zu reduzieren, das gefällt mir. Der berühmte klare Kopf ist mir wichtig. Oft finde ich auf langen Läufen ohne aktiv nachzudenken plötzlich völlig simple Lösungen für Themen die mich bereits seit Tagen beschäftigen. Andere Läufer werden natürlich freundlich gegrüßt ("man kennt sich" ja mittlerweile), aber dranhängen möchte ich nicht, lasst mich dann bitte einfach alleine weiterlaufen.
Sollte doch mal jemand mit mir unterwegs sein, dann aber bitte Klappe halten. "Die nächste links?" ist ok, aber mehr muss echt nicht sein. Es ist ja nicht so dass mich die Begleitung an sich nervt (ehrlich nicht), sondern wenn ich mich statt mit dem Laufen dann plötzlich mit anderen Dingen beschäftigen soll und dadurch aus dem Rhythmus gebracht werde.
Das Smartphone ist schon lange nicht mehr dabei, dieser ganze "Social Network"-Quatsch der LaufApps ist mir früher schon auf die Nerven gegangen, ich will das nicht, ich hab dort ja nicht mal Accounts! Ich muss nicht durch "Likes" angefeuert werden, mich interessieren keine hingehuschten Tweets mit "guten" Ratschlägen und die Zeit meiner letzten Runde ist höchstens für mich selbst interessant, damit muss ich niemanden belästigen.
Meine Garmin Uhr reicht eh völlig aus von den Funktionen und die wiegt auch viel weniger.
Nicht mal Musik nehm ich mit auf die Strecke, wozu auch? Ich liebe Musik, aber die Eindrücke der Umwelt sind in der Laufsituation viel anregender, Ablenkungen durch Rhythmus- und Taktwechsel unerwünscht. Ausserdem ist nix ist schlimmer als von situationsbedingt "falscher" Musik genervt zu sein und anstatt zu laufen, dann minutenlang in der Playlist rumzufriemeln.
Ausgesuchte offizielle Läufe machen Spaß und ich bin da auch gerne mal mit dabei, aber dann gehts mir mehr darum mich mit der Wettbewerbsituation ausseinander zu setzen, bzw das Einteilen der Energiereserven zu verinnerlichen, neue Trainingsanreize zu setzen. Oder auch einfach nur um eine neue interessante Strecke kennenzulernen. Bei solchen Veranstaltungen hab ich vorher und besonders hinterher mittlerweile viele richtig nette Typen kennengelernt, aber während des Laufs möchte ich meine Ruhe haben.

Meine Notizen hier im Blog sind schon ein ziemlicher Kompromiss um ein wenig sozial unterwegs zu sein, aber ein ganz guter. Ich lesen sehr gerne in anderen LaufBlogs, auch (oder sogar besonders) die vielen freundlichen und oft hilfreichen Kommentare. In diesem Umfeld bin ich sehr gerne unterwegs, aber eben nicht während des Laufens, sondern vor- oder nachher.
Und jetzt nutze ich das traumhafte Wetter und drehe ein paar Runden. Alleine.

2 Kommentare

  1. Und warum kommt mir das alles so bekannt vor ?
    Genau !
    Ich mag es auch, alleine zu laufen
    auch während offizieller Läufer
    das schließt aber soziales Verhalten nicht aus
    wie ich meine
    bin sehr gerne alleine mit mir beim Laufen
    anders früher, als ich damit begann, da war es sehr hilfreich, andere um sich zu wissen, die mir auf die Beine halfen, aber als ich dann sicher auf ihnen stand, zog und ziehe ich auch das Alleine-Laufen vor ! 😎

    1. Sollte mal jemand Rat bei mir holen wollen, bin ich natürlich immer gerne bereit meinen bisherigen Erfahrungsschatz zu teilen. Dieser jemand darf auch gerne mit mir laufen. Hauptsache ich werde nicht vollgequatscht 🙂

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