Ein Mehr-Stünder musste dieses Jahr noch her! Zum Glück gibts das Bottroper Ultralauf Festival, bei dem noch kurzfristig ein paar Startplätze beim 6-Stundenlauf zur Verfügung standen. Dass da „Festival“ im Namen steckt, lässt schon erahnen, es wird noch mehr angeboten. Ganz richtig, es gibt außerdem einen 24-Stundenlauf und einen Backyard. Und als ob das noch nicht reicht, können die Mehrstünder als Staffel gerannt werden. Alles mit viel Herzblut vom Verein Adler-Langlauf perfekt organisiert, von Läufer für Läufer eben, klasse! Ich hatte ehrlich gesagt sogar kurz mit dem 24-Stünder geliebäugelt, aber irgendwie sagte der Kopf: „lass es, passt grade nicht“. Ok, dann eben später.

Bei der Registrierung fiel mir auf, dass am gleichen Tag der schöne Monte Sofia Lauf stattfand, diesmal dann eben ohne mich, auch wenn es ehrlich gesagt kurz schwer fiel. Es sollte auch nicht allein nach Bottrop gehen, Sandalen-Laufbuddy und beste TTdR-Crew Jan ist auch mit dabei.
Die Fahrt am Samstag morgen durchs Ruhrgebiet „erfreute“ uns direkt mit einer Vollsperrung und diversen Baustellen und Umleitungen, zum Glück sind wir früh los um dann noch pünktlich unsere Startnummern abzuholen. Zur Startnummer gabs noch einen Chip, der am Fußgelenk befestigt wird.

Beim Briefing wurde mir klar, hier ist alles zeitlich genau aufeinander abgestimmt, damit keines der verschiedenen Formate miteinander kollidiert. Immerhin starten die „Backys“ stündlich und verstopfen mal kurz die Laufrunde, bevor sie abbiegen und es auf die verlängerte Runde in Richtung Halde und Tetraeder geht.
Wir Mehrstünder laufen im Batenbrockpark auf einer ca. 860 Meter Runde unsere Zeit ab. Das klingt erstmal echt öde, tatsächlich fand ich die Runde aber nie langweilig. Es gab immer Gelegenheit zu quatschen, das stürmische Wetter hat für Abwechslung gesorgt und die schnellen Staffelläufer haben (zumindest mir) immer einen kleinen Kick mitgegeben.
Start um 11 Uhr, die Backys sind zehn Minuten vorher losgetobt. Es wurde warm, windig und staubig. Viele Runden sind Jan und ich gemeinsam gelaufen, ich hab von Anfang an versucht mit relativ konstanter aber moderater Pace zu laufen. Durch die kurze Runde ist der VP jederzeit erreichbar, die kurzen Stopps waren kalkulierbar, ich hatte meinen Kram gut erreichbar und griffbereit platziert.

Tja, und dann lief es eben einfach. Ich hab mich an mein Tempo gehalten, keine Sprints, keine Experimente, einfach stupide durchlaufen.
Halbmarathon nach zwei Stunden, Marathon nach vier Stunden, nach fünf Stunden hatte ich 52km eingesackt und keine Schwächen, keine Krämpfe, überhaupt nichts störendes ist aufgetaucht. Und bis auf die VP-Stopps und eine kleine Gehpause weil ich telefonieren musste, bin ich tatsächlich einfach durchgelaufen.
Zwischendurch immer mal ein schneller Blick auf den Bildschirm um meine Platzierung zu checken, anfangs auf sieben, irgendwann auf fünf und da hab ich mir gedacht, prima, damit kann ich durchs Ziel.
Dann stand da plötzlich eine vier, große Freude, die wollte ich behalten!
Da sich so viele Leute und Formate auf der Strecke tummelten, konnte ich überhaupt nicht einschätzen mit wem ich mich da grade messe, sehr spannend. Nur den Führenden hatte ich im Blick, alles drum herum, keine Ahnung 🙂
Wieder ein paar Runden später: Platz drei! What?! Super!! Immer noch keine Ahnung wer da „um mich herum“ läuft.
Und dann stand da Platz zwei. Unglaublich. Eine Stunde noch, die Zwei muss stehen bleiben! Den Führenden konnte ich nicht einholen, wer dritter ist, wusste ich nicht, also Tempo behalten, nur kurze Stopps am VP und durchziehen!
Ja klar, es wird irgendwann schwerer, aber die letzte Stunde ist immer die leichteste beim 6-Stundenlauf, die verfliegt einfach, da passiert nichts mehr. Ausser dass es anfing zu regnen, aber das störte mich überhaupt nicht. Bis auf kleine Momente fühlte ich mich tatsächlich durchgehend einfach ziemlich gut.
Sechs Stunden rum, die Tröte trötet, wir bleiben auf der Strecke (im Regen) stehen, die Restmetervermesser sind innerhalb von ein paar Minuten da, das Rennen ist beendet. Meine Uhr behauptet es waren 62,10km, die offizielle Wertung sagt aber 60,247km. GPS und kleine Runden, da passiert sowas schonmal.
Der Weg zum VP ist kurz, großes gegenseitiges Beglückwünschen und immer wieder die 24-Stundenläufer anfeuern. Dann schnell zur Dusche (immer toll wenn es sowas gibt), anschließend den Chip abgeben und die Medaille im Tausch erhalten.
Schließlich warten auf die Siegerehrung, ab ca. 18 Uhr. Und in Bottrop wird ausgiebig geehrt. Die drei besten Frauen und Männer natürlich, dann noch die Altersklassen und zum Schluss die Staffeln. Ich war dann also zweimal auf dem Treppchen, einmal für den zweiten Platz gesamt und nochmal für den ersten Platz AK55. Jan durfte auch noch aufs AK-Podest, sehr schöne Belohnung, nachdem er beim Rennen zwischendurch arg gekämpft hatte.
Und eine kleine Anekdote zum Thema „die Welt ist klein“: Der Sieger Lars ist aus meiner Nachbarschaft und ich sehe ihn ständig bei Runden laufen wenn ich mit Otto im Park unterwegs bin. Sachen gibts 🙂
Jeder bekommt ein kleines Geschenk als Trophäe, eine bereits ausgedruckte Urkunde und lobende Worte. Aber trotz der vielen Ehrungen, das alles ging ziemlich fix und hat Spaß gemacht.
Auf dem Rückweg zum Auto gabs noch allerhand kurze Gespräche mit Crews und Mitstreitern, und das seltsame Gefühl, die Party zu verlassen obwohl sie noch im vollen Gang war. So ist das eben auf einem Festival.
Vermutlich war ich nicht das letzte Mal hier, es hat mir sehr gut bei euch in Bottrop gefallen!
















Gratuliere, lieber Oliver!
Das war ja wieder eine Veranstaltung, wie für dich gemacht.
Deine Beschreibung klingt jedenfalls richtig sympathisch! Diese 6-(oder mehr?)Stundenläufe liegen dir wirklich. Wahnsinnsleistung – deine Treppchenplätze sind wirklich sehr verdient. 😀
Vielen Dank Doris 🙂 Ja, das war mal wieder so ein Ding wo alles passte. Stumpfe Runden laufen, nette Typen überall auf der Strecke, eine tolle Orga, alles war einfach rund. Und das Treppchen kam echt überraschend, eigentlich wollte ich „einfach nur so“ die 6 Stunden rumbekommen 🙂
Hi Olli!
Ja, das war echt ein großer Spaß am Samstag. Nochmal Glückwünsch zu deiner tollen Leistung. Ich bin immer wieder beeindruckt, wie locker leicht es bei dir auch nach Stunden noch läuft.
Das war wirklich eine prima Atmosphäre dort. Zwar eine deutliche Nummer größer als die anderen 6h-Läufe und Festival-Charakter, aber dennoch bodenständig samt Ruhrpott-Charme.
Zwischenzeitlich hatte ich echt arg zu kämpfen. Mein Plan, etwas mit dir Schritt zu halten, ging nicht auf. Ich war zwar zwischenzeitlich leicht enttäuscht. Aber letztlich überwiegt doch die Freude, am Ende gebissen zu haben und dabei gewesen zu sein. Und aus Rückschlägen kann man schließlich am meisten lernen ;D
Du hast recht, es fühlte sich an, dass wir die Party frühzeitig verlassen haben.
Vielleicht probieren wir nächstes Jahr die 24h?!?
🙂
Gruß
Jan
Hey Jan, vielen Dank 🙂 Ich bin tatsächlich selbst überrascht wie gut es für mich lief, trotz Bedenken vorab konnte ich sehr konstant durchziehen. Die Veranstaltung war toll, viel Trubel, trotzdem irgendwie familiär und kompakt.
Dass du dich wieder aus deinem Tief rausgearbeitet hast, dafür großen Respekt, sehr gut gemacht. Da gibts überhaupt keinen Grund enttäuscht zu sein, sondern eher aufs Durchziehen stolz zu sein 🙂
Mal schauen was nächstes Jahr kommt, die Party kann man ruhig mal länger mitmachen 😉
Lieber Oliver,
suuuuper gemacht, ganz herzliche Glückwünsche! War ja klar, dass du nun die Kurzstrecke (=Marathon und drunter) verlässt und dich den dickeren Brettern widmest. Dieses hast du jedenfalls mit Bravour bearbeitet! Und das trotz Fußfessel 😉
Bei deinen einleitenden Worten dachte ich noch, da waren doch die 24 Stunden sicher eine Versuchung für dich …. doch ich denke, du hast da weise gehandelt. Kannst du dir immer noch für später aufheben.
Gute Erholung und dann bei der nächsten Tortur!
Liebe Grüße, Elke
Vielen Dank Elke! Die Fußfessel hat mich jedenfalls nicht gebremst 😉 Ich hatte tatsächlich im Vorfeld sehr ernsthaft über die 24h nachgedacht, die sechs Stunden waren dann aber offenbar die gute und richtige Entscheidung. Mehr gibts dann vermutlich irgendwann im nächsten Jahr, mal schauen wann und wo. Aber kürzere Distanzen sicherlich auch wieder, da kommt bestimmt mal wieder was spontanes zustande.
Hauptsache Spaß haben, das ist am wichtigsten.
Es ist, als wäre ich mitgelaufen, erinnert mich so gut an meine 6-Stunden-Läufe, ist einfach nur cool, wie man so schön sagt ! Freut mich, dass du so viel Freude daran findest und zur Belohnung auch noch auf dem Treppchen stehen kannst !! Bravissimo !!
Allerdings – ich erlaube mir das mal hier zu schreiben- denke ich, dass aus dir noch wesentlich mehr herauszuholen wäre, weil du doch auf den kurzen Strecken sehr schnell bist ! ABER, wie du schreibst, zählt hier nicht nur der persönliche Erfolg, sondern das persönliche Wohlbefinden, und das ist dir voll gelungen. Kommt mir so bekannt vor, weil ich genauso unterwegs war wie du !
Du solltest unbedingt mal an einem 24-Stunden-Lauf teilnehmen, das ist einfach nur ein noch tolleres Erlebnis, mit sich selbst klarzukommen, festzustellen, wozu man noch fähig ist ! Aus meiner langjährigen Erfahrung absolut empfehlenswert für “ Typen “ wie dich !
In diesem Sinne – ultra ist gut – oder ???
Vielen Dank Margitta! Das wäre eine Veranstaltung nach deinem Geschmack gewesen, jede Wette 🙂 Alleine laufen, gemeinsam laufen, schneller, langsamer, quatschen oder schweigen, auf so einer Runde geht eben alles jederzeit. Mir gefällt das sehr gut.
Ja, möglicherweise wäre mehr drin gewesen, aber die Tage vorher ging es mir nicht so gut und ich bin einfach an den Start gegangen mit dem Vorsatz Spaß zu haben und durchzuziehen. Erst ungefähr ab km40 hab ich bemerkt dass alles superstabil ist und dann hab ich dran gezogen. Der zweite Platz war dann echt supertoll und eine echte Überraschung.
Der 24h-Lauf ist in Planung, kommt nächstes Jahr dran, ich hab da schon eine Art „Angebot“ vorliegen 😉
Ultra ist gut, genau!
Fantastisch, lieber Oliver!!! Ein Doppel-Treppchen!
Sehr schön, wie du den Pace konstant gehalten hast. Schön auch, dass es keine Krämpfe und keine grossen Einbrüche gab. „Einfach“ sechs Stunden lang dein Ding durchgezogen! Super gemacht! Und dass du dich fast nebenbei von Platz 7 auf 2 vorgearbeitet hast, ohne überhaupt zu wissen, gegen wen du da eigentlich läufst, ist schon sehr cool.
Die Sache mit Lars aus deiner Nachbarschaft ist auch gut. Da läuft man jahrelang aneinander vorbei und muss erst 60 km an einer Running Party in Bottrop drehen, um herauszufinden, wer der Schnellere ist.
Gute Erholung! Dem 24-Stünder steht nichts im Wege!
Vielen Dank Catrina! Es gab ja viele Doppeltreppchen, wie gesagt, die Ehrungen waren vielfältig bei den vielen AKs und Staffeln 😉 Macht aber schon wirklich Spaß gleich zweimal aufs Podest zu steigen.
Ich hab mein Ding strikt durchgezogen, das hat einfach funktioniert. Vermutlich war es sogar besser, nicht zu sehen von wem man grade „gejagt“ wird. Kopf aus, einfach rennen, das kann ich 🙂
Und dass da mein Nachbar mitläuft (und gewinnt!), den ich fast täglich auf seiner Mittagspausenrunde im Park traben sehe, das war schon echt lustig, Düsseldorf trifft sich in Bottop oder so 😀
Der 24-Stünder ist in Planung!
Uups, lieber Oliver,
kann man in den ‚Dunst‘ hinein gut starten und auch noch gut Luft bekommen? – *lol*
Aber erst einmal HERZLICHEN GLÜCKWUNSCH fürs gleichmäßige Durchziehen und für die doppelte Besteigung 😉 des Treppchens! Da haben die geilen Schlappen gute Dienste geleistet … und der arme Jan ist nicht mitgekommen!
Das Event scheint echt ne schöne Sache zu sein. Da müsst ihr bei der nächsten Teilnahme euch für ein paar Stunden mehr von zuhause abmelden! 😉
… und solltest du dich fit fühlen, kann der 24-Stünder kommen!
Liebe Grüße Manfred
Viele Dank Manfred! Ja klar, auf der Startrunde war das ganz nett mit dem roten Nebel, aber wir sind halt schnell durchgerannt, war ja nur kurz.
Die „geilen Schlappen“ haben natürlich mal wieder für Gesprächsstoff gesorgt, aber auch gleich ein paar Fans gewonnen, wir wurden auf jeder Runde fleissig angefeuert, das hat schon Spaß gemacht 🙂
Das Event ist echt toll, für alle was dabei und als 6-Stünder kam man sich etwas wie beim Bambini-Lauf vor. Auf jeden Fall werde ich im nächsten Jahr die 24 Stunden anpeilen. Hab auch schon was im Blick, sollte das das wirklich stattfinden, dann bin ich dabei 😉