Wie gehts mir eigentlich so?

"Was macht der Fuß" ist der Satz, die Frage, die ich in den letzten Wochen am meisten gehört hab. Nunja, es kam immer eine angemessen stoische Antwort und fast immer die gleiche zu erwartende Reaktion:
"… und wann kannste wieder laufen?"
Meine Antwort: "Hoffentlich bald, aber Heilung geht vor, nur nichts überstürzen."
Daran hab ich mich gehalten.

Aber was macht er denn nun aktuell, der Fuß?
Ein Bruch ist ein Bruch, daran gibts nichts zu beschönigen oder zu beschleunigen, das musste ich in den ersten zwei Wochen bitter lernen. Mein Doc ist der Typ ‚ehrlich-und-direkt‘ und wirklich nicht zimperlich mit seinen Antworten. Genau so einen brauche ich, passte also gut. Nach vier Wochen wollte ich ein neues Röntgenbild, kleine Diskussion ("glauben sie mir, das ist nicht nötig, der ist noch lange nicht ok"), habs aber bekommen und war erschrocken/erstaunt/enttäuscht wie lange dieser verfluchte Riss im Knochen zu sehen ist.
Der Doc hat mich dazu verdonnert den verdammten Oped-Schuh ganze sechs Wochen zu tragen. Meine Nachfrage ‚es gäbe doch so Carboneinlagen‘ wurde quittiert mit "stimmt, aber nicht für so einen Fall". Punkt.
Wahrscheinlich kann man drei Orthopäden fragen und vier bis fünf Antworten bekommen, ich habs so hingenommen und bin jetzt ganz froh darüber. Ohne den Schuh hätte ich wahrscheinlich zu früh irgendeinen Blödsinn gemacht.
Langsame Abgewöhnung dann in den letzten zwei Wochen. Himmel, hab ich das Teil am Ende gehasst! Letzten Freitag dann endlich Befreiung! Zurück in den Karton damit und ‚return to sender‘, tschüß, hau ab, ich brauch dich nicht mehr.

Und jetzt?
Ich hab zum Glück früh angefangen täglich Stabi und Krafttraining zu machen, alles was geht ohne den Fuß zu überlasten. Hat gut funktioniert, werde ich auch weiterhin machen.
Die Heilung ist übrigens sehr gut und relativ zügig verlaufen, das hat mir der der Doc mehrfach bestätigt und darüber bin ich wirklich ziemlich froh, er hat wohl schon ganz andere Verläufe erlebt. Glaub ich aufs Wort.
Er sagte aber auch dass der Heilungsprozess natürlicherweise noch lange dauert, vor Mitte November sollte ich auf keinen Fall wieder mit dem Laufen beginnen, am besten erst langsam und sehr kurze Strecken im Dezember und lange Läufe erst wieder im neuen Jahr.
Jetzt ist es ja auch tatsächlich egal, der schöne Sommer ist vorbei, es liegt nichts offizielles an, meine Kondition ist eh dahin, das bißchen Geduld bringe ich noch auf.
Was hatte diese Zeit positives?
Ich hab viel gelesen. Hatte die Zeit und die Ruhe komplexe Bücher am Stück zu verschlingen. Und ganz ehrlich, das hab ich echt genossen!
Die "Southern Reach" Trilogie von Jeff Vandermeer in eine Rutsch durch, danach gleich weiter mit Vandermeer: "Borne", "Stadt der Heiligen und Verrückten", "Shriek" (ich bin schwer begeistert von diesem Schriftsteller!).
Zwischendurch alles was verfügbar war zum Thema "The Expanse" (sechs Romane, drei Kurzgeschichten, ich liebe Sci-Fi).
"Das Herz der Finsternis" (Joseph Conrad) musste mal wieder ran, William Saroyans "Wo ich herkomme sind die Leute freundlich" in kürzester Zeit verschlungen und daneben noch diverse Fachbücher zu Themen die mich interessieren.
Ausserdem war die Zeit perfekt um mich mal wieder mit Softwareprojekten (Hubzilla usw.) zu beschäftigen und immer aufgeschobenen Technik-Kram zu erledigen (Server Updates usw.).
Autofahren konnte ich ja nicht, also "nebenbei" dann auch echt viel Homeoffice, das hat erstaunlich gut geklappt. Ich hab in der Tat ein echt klasse und verlässliches Team, sonst wäre es schwierig geworden.
Gestern war ich das erste mal wieder auf meinem Fahrrad unterwegs, hab über eine Stunde den Fahrtwind am Rheinufer genossen, mich befreit und leicht gefühlt. Und genau heute fange ich damit an mir einen kleinen Plan zu machen wie ich wieder langsam mit dem Laufen einsteige.
Ziel ist der Düsseldorf Marathon im April, den ich mit einer besseren Zeit als dieses Jahr finishen möchte. Wär doch gelacht.

Ein paar Bilder gibts auch noch, die Oktobersonne lässt einem ja kaum ne Wahl … und der Rhein führt immer noch Niedrigwasser …
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14 Gedanken zu „Wie gehts mir eigentlich so?“

  1. Lieber Oliver,
    na das liest sich doch gut. Auch wenn bei Dir zwischen allen Zeilen die Ungeduld durchschimmert, so ist sicher der Schlüssel zum Läuferglück, nichts zu überstürzen! Sonst war nachher all‘ das Bravsein umsonst…
    Super, dass Du Deinen Alltag und Job auch so einrichten konntest, dass es für Dich kompatibel war. Nicht zuletzt: Mal ein kleiner Lese-Ultra hat doch auch was 😉
    Ich wünsche Dir also ganz herzlich weiterhin gute Besserung!
    PS: Jetzt weiß ich auch viel besser Deine Bilder einzuordnen 🙂
    Liebe Grüße
    Elke

  2. Liebe Elke, die Ungeduld ist größer als es den Anschein hat, die Vernunft hat allerdings Oberhand, hab keine Lust früher oder später was zu bereuen. "Lese-Ultra" find ich gut, das passt. Und es gibt noch so unglaublich viel mehr was ich gerne lesen möchte …
    Ich halte durch, vielen lieben Dank!

  3. Lieber Oliver,
    schön wieder was von dir zu lesen!!! 🙂

    Ich bin ja auch für Fantasy, Mystik und auch für Science-Fiction zu haben, aber Jeff Vandermeer ist mir dann wohl doch zu düster!? 😳 … aber mal wieder so richtig Zeit für ein „Lese-Abenteuer“ … das wäre schön! 😆

    Bitte halte durch, du warst ja auf einem Superweg, nicht dass die Un-Geduld dann doch die Oberhand gewinnt und du dir was kaputt machst! – Ich sag das so eindringlich (ohne der Oberlehrer sein zu wollen), weil ich deine Bericht und deine Offenheit zu schätzen gelernt habe! – Ich brauchte halt wesentlich länger, allerdings ist ne Knie-OP auch noch was anderes und … ich bin halt auch noch sooooo viel älter! 😛

    Schön, dass du wieder draußen sein konntest und wenn du dir nur den Wind per Rad um die Ohren hast wehen lassen!

    Bleib dran und weiterhin gute Besserung!
    LG Manfred

  4. Lieber Manfred,
    ich wollte zwischendurch nicht rumjammern, deshalb jetzt erst. Und ganz ehrlich, es gab auch nichts relevantes zu berichten.
    Vandermeer hat mich einfach voll umgehauen und so konnte ich immerhin die "volle Packung" geniessen und mich voll in seine Welten ziehen lassen (ein besonderer "Spaß" bei Ambra. Düster und schräger Humor.).
    Ich halte durch. Wie gesagt, das Ziel ist gesteckt, ich hab Zeit, als erstes muss wieder Kondition her. Und dazu eignet sich die kommende kühle Jahreszeit doch allerbestens 🙂
    Vielen lieben Dank und pass ebenfalls auf Dich auf!

  5. Lieber Oliver,

    danke für diese Statusmeldung. Der längste Zeit des Wartens ist vorbei. Du hast diese Zeit intensiv genutzt, unter den gegebenen Umständen einfach alles richtig gemacht.

    Die letzte Geduld bringst Du auch noch auf, Dein Kopf wird Dich da nicht im Stich lassen.

    Gute Restheilung wünscht Dir
    Volker

  6. Lieber Oliver,
    ich lese Deinen Beitrag und fühle mich teilweise zurück versetzt an meine Rekonvaleszenz. Ich hatte mich häufig gefragt, wie es Dir wohl geht und freue mich zu lesen, dass es absehbar ist…ich wünsche Dir noch das letzte Quäntchen Geduld und setz Dich nur nicht unter Druck, Du machst sicher auch weiter alles richtig

    Gute Besserung

    Salut

  7. Lieber Volker, ich hab die lange Zeit tatsächlich einigermaßen sinnvoll genutzt und mich davon abgehalten überstürzt Dummheiten zu begehen. Es war/ist ja eine Verletzung die einem ständig suggeriert dass alles nicht so schlimm ist, der Schmerz ist schnell vergangen, keine schlimmen sichtbaren Blessuren, da sind Geduld und Vernunft wirklich die besten Freunde. Ich halte durch, vielen lieben Dank!

  8. Lieber Christian, ich hab tatsächlich oft genug drauflos geschrieben, aber dann wieder gelöscht. Ausser „wird besser, dauert aber noch“ gab es irgendwie nichts sinnvolles zu berichten. Jetzt bin ich immerhin wieder uneingeschränkt mobil, kann planen und freue mich verhalten auf den Wiedereinstig in absehbarer Zeit. Ob das dann alles richtig war, wird sich zeigen 😉 Vielen lieben Dank!

  9. Lieber Oliver,
    sehr schön, von dir zu lesen. Und wie es scheint, bist du brav gewesen. Zum Glück hast du einen Arzt, der nicht davor zurück schreckt Ansagen zu machen 😆
    Du musst noch ein bisschen durchhalten. Dann kannst du Schritt für Schritt deinen Plan umsetzen.
    Also Literaturmäßig könnten wir uns glaube ich ein paar Ultras lang unterhalten 🙂
    Ich habe gerade den ersten Teil der Trilogie gelesen. Einfach irre. Und ich bin ein ausgesprochener Sci-Fi und Fantasy Fan und lese generell sehr viel. Da hätten wir wohl einiges zu erzählen 😆
    Und Homeoffice ist cool, oder? Ich genieße es ja permanent.

    Jetzt schön geduldig bleiben. Nichts überstürzen. Lieber mal noch ein Buch mehr lesen und langsam an das Laufen rangehen. Ich wünsche dir bald wieder genussvolle Laufstunden 🙂
    Liebe Grüße
    Helge

  10. Liebe Helge, ich bin brav gewesen und der Doc hat einen Großteil dazu beigetragen, genau 🙂 Da bin ich auch sehr froh drüber, auch wenn Vernunft mein zweiter Vorname ist, ab und zu hilft eine klare Ansage und das Beweisröntgenbild.
    Du bist beim ersten Teil, großartig! Immer fein die Details merken, der zweite Teil ist komplett anders und der dritte fügt die Fäden zusammen. Da wirst du noch viel Spaß haben, mehr verrate ich nicht.
    Homeoffice ist für mich eine Notlösung, eigentlich toll, aber ich bin schneller und produktiver "vor Ort". Immerhin hat es ganz gut funktioniert, danke meines sehr guten Teams.
    Ich bleibe geduldig und warte so lange es notwendig ist. Wie gesagt, jetzt ists auch egal, aber ich freue mich schon wie bolle drauf wieder meine Runden drehen zu können! Vielen lieben Dank!

  11. Oliver ? Wer ist Oliver ? Ach ja, der, der sich genauso wie ich damals einen Ermüdungsbruch “ geleistet “ hat, jetzt fällt es mir wieder ein.

    Lieber Oliver,

    und ja, es dauert – leider – aber wenn man es vom Verstand her leitet, vernünftig ist, sich damit abfindet, ohne allzu viel zu lamentieren, dann vergeht auch diese Durstphase, hätte ich es nicht selbst fast genauso erlebt. Ein Ende ist absehbar, Sauerstoff hast du auch schon in Form von Bewegung auf dem Rad erlebt, ein Vorgeschmack dessen, was dann irgendwann im November dein Herz ganz besonders erfreuen wird. Ziele hast du dir auch gesetzt – das klingt sehr positiv.

    Bald hast du alles überstanden, dann noch ein paar Wochen Eingewöhnungszeit – und es rappelt im Karton – bis dahin wirst du es auch noch mit Bravour schaffen, ich bin sicher !

    Gruß von der Ostsee mit heilender Luft…………….

  12. Liebe Margitta, jaja, ich bins nur 🙂 In der Tat, das alles dauert, länger als ich dachte, aber ein Ende ist in Sicht und ich hab mich bisher ganz gut geschlagen. Der größte Schreck war schnell verdaut und dann hieß es eben warten. Nicht zu ändern. Ich bin ehrlich gesagt sehr gespannt auf meine ersten Laufkilometer in einigen Wochen, das wird bestimmt irgendwas zwischen Ernüchterung und Riesenfreude 🙂 Aber auch das schaffe ich. Vielen lieben Dank!

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