Der durchaus schöne Sommer hat dieses Jahr reichlich viel zu heiße Tage und die machen es mir nicht ganz einfach, abends noch eine längere Strecke durchzuziehen. Geschweige denn morgens, zumal mich dann immer nervt, zu einer bestimmten Zeit fertig sein zu müssen um pünktlich zur Arbeit zu fahren. Und es gab schon Situationen, da hab ich mich in der Früh vor lauter Begeisterung viel zu sehr ausgepowert um dann den Tag nur mühsam zu überstehen. Nicht akzeptabel, also was tun? Ganz einfach: nachts laufen.
Nachts heißt, nach Anbruch der Dämmerung in die Dunkelheit hinein. Also Stirnlampe mitnehmen und auch sonst ein wenig besser vorbereitet sein (Wasser, Mobiltelefon). Und ganz wichtig, vorher ein kleines(!) Nickerchen halten. Viele können das nicht, für mich zum Glück kein Thema, zehn Minuten reichen schon.
Wer gegen halb elf oder später losläuft, wird vielleicht ein wenig schräg von Passanten angeschaut, wenn es dann aber in den Wald geht … einfach fantastisch! Stille, keine Menschen mehr, ab und zu ein Paar funkelnde Tieraugen im Unterholz, der Mond schimmert, sanftes Rauschen in den Blättern. Ganz ehrlich, das hat mich so sehr begeistert, dass ich bisher jedesmal wesentlich länger als geplant unterwegs war. Keinen Zeitdruck zu haben ist einfach großartig. Zumal in der Dunkelheit eh das Tempo automatisch reduziert wird und alles etwas "zeitloser" im stoischen Lichtkegel der Stirnlampe wirkt. Läufe über zwei Stunden fliegen nur so dahin, ich könnte mir sogar für die Zukunft noch wesentlich längere Nummern vorstellen.
Spannend wird es, wenn man dann plötzlich wieder "in die Zivilisation" eintaucht, also der Waldweg endet und der Rückweg über beleuchtete Fusswege erledigt werden muss, die Welt wird wieder beschleunigt und regelrecht "aufdringlicher".
Oder gestern, da bin ich unterwegs zufällig in die Abfahraktivitäten nach einem Musik-Festival geraten. Von eben noch völliger Ruhe, plötzlich inmitten einer gut gelaunten aber lauten Menschenmasse, dazu Busse, Taxen, grelle Scheinwerfer, das war ziemlich surreal. Ging aber schnell, dann war ich wieder im stillen Wald für die letzten Kilometer.
Zuhause angekommen geht dann alles ganz schnell, duschen und ab ins Bett. Auch das klappt tadellos, schnelles Einschlafen kein Problem. Und am nächsten Tag wunderbar erholt. Das finde ich sehr erstaunlich, nach so manchem schweißtreibenden Nachmittagslauf hatte ich am nächsten Tag schon mal ganz andere Probleme.
Nun klingt das alles fast so als möchte ich nur noch Nachts laufen, nein, natürlich nicht. Das wird die Ausnahme bleiben. Bisher war die Stirnlampe für mich allerdings ein Synonym für die kalte und dunkle Jahreszeit, das hat sich etwas geändert. Für sehr heiße Tage ist so ein Nachtlauf von nun an tatsächlich durchaus eine tolle Alternative, die ich aber im Rahmen des häuslichen Friedens aber ganz sicher nicht überstrapazieren werde. Ausserdem gibt es ja auch noch diese Vitamin D Sache, da hilft auch ein wunderschöner Vollmond nichts.
Seit heute ist das Wetter wieder erträglicher hier am Niederrhein, die Stirnlampe wird gegen Sonnenbrille getauscht, dem langen Lauf steht nichts im Weg.
Lieber Oliver, habe es öfter in meinem Blog erwähnt, am schönsten sind die Nachtläufe, noch schöner, in den Moren hineinlaufen, das muss man nicht immer tun, es sollte ein Highlight in unserem Läuferleben sein und bleiben – ich liebe es – so wie du – man muss nur die Zeit dafür haben oder sie sich einfach nehmen und dafür auf anderes verzichten – oder auch nicht.
Die Hitze kenne ich von Rheinland-Pfalz, da kann man nur ganz früh morgens und/oder nachts, habe ich früher auch getan.
Musst in den Norden ziehen, wir haben seit Wochen sehr angenehme Temperaturen von ca. 15 – 22 Grad – ideal ! Aber bei euch ist es nun auch erträglicher, halte durch, es lohnt sich !
Ostseegrüße 😎
Liebe Margitta, es macht manchmal einfach Spaß zu experimentieren. Und wenn es dann Zeit und Situation hergeben: einfach machen und Spaß haben!
Das wird ziemlich sicher eine eher seltene Angelegenheit bleiben, muss halt alles drumherum passen, aber irgendwie freue ich mich jetzt trotzdem schon auf die nächste Gelegenheit.
Den Rhein entlang ist es immer wärmer als anderswo, das musste ich alter Niedersachse auch erst lernen … 😉
Lieber Oliver,
schön war es, ❗ dass kann ich dir gut nachfühlen! 😉
Zu einem meiner schönen Nachläufe bin ich damals gegen 23:30 Uhr los und erst 90 Min. später nach Hause gekommen. Oft muss ich nachts noch nicht einmal meine Stirnlampe einschalten. Wenn ich auf den breiteren Wegen bleibe reicht meine Fähigkeit Kontraste sehr gut einschätzen zu können. Auch meine beiden langen Ultras gingen in die Nacht hinein … toll war es! – Behalte dir solchen guten Alternativen für die heißeren Tage vor! 🙂
LG Manfred
Lieber Manfred, auf den Feldwegen ging es im (Fast-)Vollmond auch ohne Lampe, aber im Wald, keine Chance, absolut stockfinster (habs natürlich ausprobiert). Das waren jetzt bloß drei Nächte hintereinander, hat sich einfach so ergeben, die nächste Gelegenheit kommt bestimmt. Könnte dann auch mal länger werden 😉
LG Oliver
Halbelf ist bei mir Bettzeit, da um 5:30 Uhr der Wecker klingelt. Da ist nix mehr mit Laufen 🙂
Viele Grüße an den Rhein
Volker
Moin Volker, mein Wecker macht nix anderes, sogar ein paar Minuten früher 😉 Aber wie gesagt, diese Aktionen werden die Ausnahme bleiben und mit einem kleinen Nickerchen vorher passt das alles. Beste Grüße, Oliver