Entspannt an den Start

Alle Voraussetzungen für meine diesjährige Teilnahme am Düsseldorf Marathon standen auf schlecht bis unmöglich.
Die Entzündung im Knie, die daraus entstandene Zwangspause, fehlende lange Läufe, fehlende Kondition. Innerhalb von vier Wochen, nach drei Wochen komplett aussetzen, wieder für die Marathondistanz fit zu sein … das ist ambitioniert oder bescheuert.
Die Entzündung hatte sich zum Glück schnell gebessert, bzw. eine Woche vor dem Marathon war die tatsächlich völlig weg, deshalb auch die für mich durchaus coole Zeit beim Brückenlauf.
Also war mein Marathon-Plan: egal, ich hab ja bezahlt, alles ist vor der Tür, ich kann jederzeit aussteigen und einfach nach Hause gehen, was spricht eigentlich dagegen, entspannt an den Start zu gehen und solange Spaß haben wie es eben möglich ist? Richtig, nix.
Und genau das hab ich dann gemacht.
Der April hat uns heute dann mal so richtig gezeigt was er drauf hat, angefangen mit erbärmlichen 2°C beim Start, über einen ständigen Wechsel zwischen Graupelschauer und knallige Sonne während des Laufs und ordentlichen Böen. Trotzdem waren die Bedingungen dann doch wieder irgendwie fast ideal. Graupel stört ja nicht wirklich und tiefe Temperaturen (es hat sich dann so bei 4°C eingependelt) sind mir auch ganz recht, die Böen haben sich sogar spontan gelegt. Also keine Wettermeckereien.
Ich hatte lange überlegt, was ich an die Füsse ziehen soll, hab mich dann für die eher neuen Altra One 2.5 entschieden, einfach um mich nicht unnötig auf der Asphaltstrecke zu malträtieren. Und das war eine verdammt gute Entscheidung, ich werde diese Schuhe später mal hier im Blog abfeiern.
Mir war im Vorfeld schon klar, dass ich die Halbmarathon Distanz locker durchlaufen kann, auch bis 30km sollte alles bei moderatem Tempo locker machbar sein. Da ich eh für die „bis 3:45:00“-Gruppe gemeldet war, bin ich halt auch so gelaufen, immer schön eine 5:15er Pace sollte es sein.
Ab Halbmarathonpunkt hab ich dann angezogen auf 5:00 und mich gewundert wie gut es läuft. Ab 30km wäre eigentlich Tempo 5:18 angesagt, aber der Plan war ja Spaß zu haben und auszusteigen wenn die Ausdauer weg ist. Noch lief es allerdings völlig leicht und super, also spontan weiter mit 5:05, das Tempo fühlte sich einfach gut an.
Und damit bin ich dann die nächsten Kilometer bis ins Ziel gelaufen. Einfach so. Kein Hammermann, kein Schwächeanfall, keine Knieschmerzen, nix.
Zielzeit 3:40:43, also sogar noch ein paar Minuten besser als im Vorjahr.
Dass ich grade stolz und enorm glücklich bin ist wohl klar.
Bin ich 🙂
Aber mir geistert jetzt auch im Kopf rum: wie war das möglich?
Der Hauptgrund dürfte wirklich sein: einfach entspannt sein und die Party geniessen (und Düsseldorf feiert wirklich ordentlich an der Strecke!). Dazu noch die zuverlässige „mentale Versorgung“ der Liebsten, das bringt einen schon voran.
Zweiter guter Grund, ich kannte die Strecke und war mir über die paar eventuell schwierigen Abschnitte im Klaren. Da kam also null Frust hoch.
Und zu guter letzt: offenbar hab ich völlig unterschätzt dass eine dreiwöchige Pause nicht die vorangegangenen Monate völlig zunichte macht. Mir fehlten zwar rechnerisch ein paar lange Läufe laut Marathonplan, aber bin ja die Monate vorher ständig auf echt langen Läufen unterwegs gewesen. Der Körper hat sich also mehr gemerkt, als der Kopf. Aber der Kopf war diesmal entspannt. Offenbar eine wirklich gute Mischung.
Und schon hab ich einen Plan für die kommenden Marathons.

8 Gedanken zu „Entspannt an den Start“

  1. Hi Oliver,
    das ist ja alles richtig gut gelaufen:
    – gute Entscheidung, teilzunehmen
    – gute Haltung: entspannt / genießend
    – gute Renneinteilung
    – gute Gesundheit: Knie ok
    – gute Erkenntnis: verrückt machen lohnt sich überhaupt nicht.
    Was kann man sich besseres wünschen als so ein Ergebnis?

    Liebe Grüße
    Wolfgang

  2. Hi Wolfgang, ja ganz genau. Davon mal ab dass ich immer noch etwas erstaunt aber auch wirklich rundum zufrieden bin, der Lerneffekt ist ausserdem großartig Das werde ich auf jeden Fall für die nächsten ähnlichen Aktioinen im Hinterkopf behalten.
    Danke und liebe Grüße, Oliver

  3. Hi, Oliver, alles richtig gemacht, freue mich über deine Einstellung, deine Art und Weise des Herangehens und vor allem für die Freude.

    Fazit: besser unterschätzen, als überschätzen – habe ich es nicht gesagt ?

    Glückwunsch – so kann es weitergehen !

  4. Hi Margitta, genau, du hast es gesagt 🙂
    Und auch zwei Tage nach dem Marathon merke ich: alles richtig gemacht, ich fühl mich prima.
    Danke! Und so geht es auch weiter!

  5. Hallo Oliver,

    das ist echt der Hammer, dass das doch noch geklappt hat. Schön, dass es auch solche Überraschungen gibt, meist liest man eher vom Gegenteil. Die Tagesform ist sooo entscheidend und deine Lockerheit hat da sicher in die richtige Richtung gewirkt.

    Und jetzt – im nachhineien – liest sich Deine Startentscheidung auch so logisch und konsequent 😉

    Vom Altra würde ich auf alle Fälle gerne noch mehr lesen. Wir haben in Bezug auf Schuhe ja offenbar Bedürfnisse.

    Beste Grüße
    Sebastian

  6. Hi Sebastian,
    stimmt, ich finds auch nach wie vor wirklich völlig seltsam wie der Tag so gelaufen ist.
    Zusammenfassend kann ich einfach nur sagen: unter den Bedingungen hab ich aus dem Bauch heraus schlicht und einfach alles richtig gemacht. Das motiviert natürlich 🙂
    Ich werde den Altra noch etwas laufen und dann mal eine Kleinigkeit dazu schreiben. Der kann schon was, aber ist eben kein Minimalschuh.
    Gruß aus dem Rheinland, Oliver

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