Mir reichts

Vorab: das nun Folgende sind meine persönlichen Erfahrungen, die sind wirklich nicht bedenkenlos auf andere zu übertragen. So ist das nunmal mit uns Menschen, jeder ist anders und das ist gut so. Es geht einfach nur ums Prinzip des gesunden Laufens, wie ich es erfahre bzw. immer noch lerne. Und lernen ist wichtig.
Möglicherweise kann ja irgendjemand etwas mit dem einen oder anderen Punkt anfangen.

Mein Schuhwerk ist eh schon eher leicht und minimalisiert, aber es sind immer noch einige Treter mit 4 oder sogar 6mm Sprengung darunter. Damit kann ich ab und zu durchaus gut laufen (wobei mir 6mm mittlerweile echt grenzwertig vorkommen), nur machen sich diese „paar“ Millimeter zwangsläufig irgendwann bemerkbar. Überwiegend bei langen Strecken wird es auffällig und zwar in meinem Laufstil. Der wird nämlich ganz einfach unbemerkt Stück für Stück schlampig. Und das wiederum führt zu kleinen Zipperlein, auf die ich gerne verzichten kann. Immer wenn ich etliche Tage am Stück nur mit 0mm Schuhwerk (oder barfuß) unterwegs war, ist alles super, also warum nicht einfach mal endlich Nägel mit Köppen machen und alles größer 0mm aufs Abstellgleis schieben?!

Nun ist die Sprengung ja nur eine Sache, eine andere ist die Dämpfung. Es gibt ja durchaus etliche Schuhe mit 0mm Sprengung, aber mit der ganzen Bandbreite an Dämpfung. Von starker Dämpfung allerdings halte ich überhaupt nichts, die hat mir wirklich und nachweislich geschadet, meine Knie und Fußgelenke wurden zeitweise arg strapaziert und machten sich mit Schmerzen bemerkbar. Der Lernprozess dazu dauerte zwar etwas, aber irgendwann hab ichs kapiert und die Dinger wurden emotionslos in die Tonne gekloppt.
Die letzten zwei/drei Jahre beschränkte sich meine Suche also auf 0mm/Zerodrop Schuhe mit geringer Dämpfung, um auch sehr lange Strecken einigermaßen komfortabel bewältigen zu können.
Lerneffekt: sehr schwer zu finden. Noch ein Lerneffekt: Ich laufe mittlerweile sehr solide und problemlos barfuß, da gibts überhaupt keine gedämpfte Sohle. Wozu brauche ich eigentlich gedämpfte Schuhe?!

Zerodrop und ungedämpft ist aber leider immer noch nicht alles.
Die Sohle muss flexibel sein und das Fußgelenk sollte nicht gestützt werden. Das Verhalten vom Fuß sollte einfach möglichst natürlich sein, auch wenn er im Schuh eingesperrt ist. Harte und unflexible Sohlen gehen also überhaupt nicht. Und nur ohne Stütze wird das Sprunggelenk trainiert und dadurch stark und widerstandsfähig.
Also wieder was gelernt: eine direkte Sohle braucht keine Dämpfung, muss aber flexibel sein, damit sich das Laufverhalten anpasst. Ein starker Fuß weiß was er tut.

Da steh ich nun also mit meiner Erkenntnis vom leichten „Zerodrop-Nulldämpfung-flexible-Sohle-Schuh“.
Aber ich hab schlicht und einfach keine Lust mehr weiterhin Zeit und Geld in Schuh-Experimente zu investieren, von anfänglicher Begeisterung in Entäuschung zu verfallen und im schlimmsten Fall mit unerwarteten Schmerzen konfrontiert werden.

Also: alles was jetzt noch an akzeptablen 0mm Schuhen im Schrank steht, wird gelaufen bis die Dinger auseinanderfallen, alles andere kommt erstmal in den Ruhestand.

Das „Geheimnis“ ist nunmal nicht der mit irgendwelchem Schnickschnack ausgestattete Schuh, sondern ein gesunder und natürlicher Laufstil. Den bekommt man natürlich nur durch kontinuierliches Training, das will mehr oder weniger mühsam erlernt werden. Der achsobesonderer Schuh nimmt uns wirklich nix davon ab.

Und von meinem ganzen Geschwurbel hier mal abgesehen: ein gesunder und natürlicher Laufstil macht einfach Spaß, weil er in uns steckt.
Laufe immer mit einem Lächeln 🙂

Kommentare

  1. Lieber Oliver, ich kann dich sehr gut verstehen, bin ich auf dem gleichen Trip wie du seit vielen Jahren. Habe es schon gesagt, du machst aus meiner Sicht alles richtig, langsam voran tasten, nicht zu viel auf einmal die Füße an das GARNICHTS herantasten, immer mit Vorsicht – Schritt für Schritt vorbereiten.

    Auch ich bin längst weg von Dämpfung, kann keine schweren Schuhe an meinen Füßen vertragen, laufe mit wenig gut, allerdings werde ich wohl auf das GANZOHNE aus bekannten Gründen verzichten.

    Wenn du selbst hier am Strand aufmerksam läufst, gibt es überall Gefahren in Form von Glas und sonstigem, was die lieben Mitmenschen achtlos wegwerfen, egal wo, darum ziehe ich es vor, mit Schutz und ohne viel Drumherum zu laufen.

    Was den Laufstil angeht, wage ich dir zu widersprechen, es gibt Läufer, die haben einen sehr guten Laufstil, der ist ihnen in die Wiege gelegt, während andere sich plagen und mühen und vielleicht nie an das heran kommen werden, was anderen geschenkt wurde, egal, was sie an den Füßen tragen.

    In allem anderen bin ich bei dir, je weniger….desto…..

    1. Liebe Margitta, du hast wahrscheinlich Recht, irgendwie steckt das Laufen zwar in unseren Genen, aber leider in unterschiedlicher Ausprägung. Manch einem fällt es in der Tat einfach viel leichter als anderen.
      Als eifriger Lauf-Blog Leser ist mir ziemlich früh aufgefallen, daß einige hochmotivierte Läufer viel zu viel und einfach alles auf einmal wollten und dann mit diversen Verletzungen frustriert fast garnix mehr konnten. Das wollte ich nicht nachmachen. Vielleicht laufe ich irgendwann mal nur noch Barfuß, vielleicht nicht. Kann sein daß ich mal Ultradistanz laufe, aber vielleicht auch nicht. „Et kütt wie et kütt“ wie man im Rheinland sagt, ich nehm mir die Zeit und geniesse einfach das immer minimalere Laufen. … und versuche dabei weiterhin nicht in Glasscherben zu treten 🙂

  2. Du sprichst mir aus der Seele, ich habe in den vielen Jahren so viele übereifrige Läufer kennengelernt, die alles auf einmal und das am liebsten in einem Jahr erreichen wollten. Das Ende vom Lied – du hast sie nie wieder laufend gesehen – kaputt gelaufen – Lust verloren.

    Zeit nehmen – das ist es, genauso lebe erlebe ich das Laufen seit so vielen Jahren, und um einen Ultra “ unbeschadet “ und mit glücklichem Finish und Lust auf Wiederholung zu erleben, ist ein solides Fundament unabdinglich .

    In diesem Sinne – lass‘ es dir gut gehen ! 😎

  3. Irgendwie hat das „Immer-weniger-Sprengung-Dämpfung-Härte“ was Magisches. Ich bin diesem Reiz mit Haut und Haaren erlegen und freue mich schon auf die nächsten Tage, wenn wir Temperaturen bekommen, bei denen ich wieder barfuß laufen kann, ohne dass mir die Füße abfrieren. Bis dahin behelfe ich mir mit SoleRunners und den dünnsten FiveFingers, die man kriegen kann.
    Es gibt auch keinen Weg mehr zurück: wer einmal gespürt hat, wie angenehm und sanft ein nicht durch Schuhe irritierter Fuß die gesamte Laufbewegung beeinflusst, der will nie wieder zurück zum klassischen Laufschuh.
    Ich freue mich, dass du die gleichen Erfahrungen machst wie ich und wünsche das noch ganz vielen anderen Läufern.
    Die Gefahren eines zu schnellen Übergangs sehe ich allerdings auch. Hauptsächlich bei denen, die ihre klassischen Laufschuhe gegen Minimalschuhe tauschen, aber Umfang und Härte ihres Trainings beibehalten statt – wie Margitta es empfiehlt und du es genau so machst – alles langsam neu aufzubauen und dem Körper Zeit für die Anpassung zu geben.
    Es ist wie immer: lässt man sich Zeit, kommt man schneller ans Ziel als mit Hektik.

    1. Hallo Wolfgang, da sagst du was interessantes mit „kein Weg zurück“, das klingt ja erstmal fürchterlich endgültig, aber ist dabei völlig selbstverständlich für minimalistische Läufer. Ich hab vor ein paar Wochen mal einen „normalen Laufschuh“ anprobiert (12mm) und war tatsächlich sehr irritiert wie ich damit mal laufen konnte bzw. wie Millionen von Menschen damit laufen können.
      Und ganz genau, das ist die feine Essenz:

      lässt man sich Zeit, kommt man schneller ans Ziel

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