Freiheit

Wieso laufe ich eigentlich immer noch? Oder ist das eine blöde Frage? Dann denkt mal zurück: wieso habt ihr mit dem Laufen angefangen und wieso lauft ihr immer noch? Da dürfte sich gegebenenfalls einiges geändert haben.

Ich wollte damals (verdammt nochmal!) meine Kondition wieder bekommen. Ganz einfach. Es hat mich wahnsinnig genervt, dass meine Ausdauer, meine "gewohnte Fitness" in den letzten Jahren ein Stückchen zu sehr auf der Strecke geblieben ist. Berufsbedingt, aus Faulheit und aus Ignoranz mir selbst gegenüber. Aber dann: Schmerzgrenze erreicht, etwas unternommen, anfangs eine Quälerei, später (und immer noch) ein Genuss.

Ja klar, da waren viele gute Vorbedingungen im Spiel, Übergewicht kenne ich nicht (kannte ich noch nie), Bewegungsdrang war schon immer da und bei Wind und Wetter draussen zu sein empfinde ich als ein Stück Lebensqualität.
Es war also "nur" noch der Arsch-hoch-Moment und anschliessend etwas Disziplin nötig. Erkannt und durchgezogen.
Dann wurde gelaufen. Anfangs noch vorsichtig, immer in der Nähe vom Zuhause, könnte ja sein dass die Puste raus ist, dann sollte der Heimweg nicht so weit sein. Sehr bald ein Lerneffekt: wenn ich keine Heimat-Runden laufe, sondern eine weite Strecke, dann bin ich leistungsfähiger. Kopfsache. Einfach so nach Hause ist dann eben nicht drin. Die Strecken wurden also länger, ausschweifender, ungeplanter. Und von der "Ausrüstung" immer minimaler: leichte Schuhe, kein unnötiges Gewicht (Gels, Iso, usw) mitschleppen, sogar der Brustgurt zum Puls messen ist auf der Strecke geblieben.
Und über die Jahre hat sich dann eben etwas verändert … meine geliebte Kondition hatte ich schnell wieder, die Ausdauer wurde sogar besser denn je und Laufen wurde für mich immer mehr zu einem Synonym für Freiheit. Anfangs noch unterschwellig, aber irgendwann lief ich einsam bei sehr seltsamen gewitterigen Wetter durch die Felder und erwischte mich bei einem satten Grinsen und der kleinen Erkenntnis: genau, schau dich um, deshalb machst du das. Freiheit.
Und das schätze ich heute mehr als alles andere am Laufen: die Freiheit irgendwo hin laufen zu können. Einfach weil ich es mir selbst möglich gemacht habe.

2 Gedanken zu „Freiheit“

  1. Hi, Oliver, wo kann ich hier unterschreiben ?

    Die Anfänge sind schwer, wie bei allem, aber wenn man eine gewisse Zeit laufend unterwegs ist, dann schätzt man die vielen Vorteile, die unsere Art der Bewegung mit sich bringen, je länger, desto……das so jedenfalls meine Erfahrung.

    Kann nur wiederholen: DAS LEBEN IST LAUFENSWERT Punkt !

  2. Hallo Margitta
    ja stimmt, ich hätte mich auch so kurz fassen können: Das Leben ist laufenswert. 🙂
    Selbst wenn es manchmal in Schinderei ausartet, es gibt sie immer wieder, "diese Momente". Und je länger die Strecke, desto intensiver sind diese Momente. Große klasse!

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