Zahlen, Daten, Sensationen

Fast alle Läufer sind Zahlenmenschen, Protokollfreaks, Kilometerpedanten, Zeiterbsenzähler, sie nerven ihr nichtlaufendes Umfeld mit Pace und Bestzeiten, Sprengung und Schnürsenkellängen. Und suchen ständig nach neuen Erfassungs-Möglichkeiten des sportlichen Treibens. Es soll wohl Ausnahmen geben, aber in gefühlten 90% aller Lauf-Blog Einträge geht es um Zahlen. So ist das eben mit dem Laufen, ich machs selber auch nicht anders.
Was machen wir mit all diesen Zahlen? Im Protokoll-Tool der Wahl hinterlegen um die eigenen Läufe zu vergleichen, um sich mit anderen zu vergleichen, um Erfolge zu sehen, um besonders schöne Strecke festzuhalten, … es gibt wahrscheinlich für jeden Läufer dutzende guter Gründe. Meine Gründe sind simpel, ich möchte einfach nur meine Leistung für mich greifbar haben. Beim Laufen ist üblicherweise meine GPS Uhr dabei, anschliessend werden die Strecken-Daten auf meinen Rechner übertragen und ich freue oder ärgere mich, je nach Resultat.
Was mich umtreibt: Online oder Offline speichern? Sind wir uns bei der Online-Version immer bewußt wo was gespeichert wird und was mit den Daten passiert? Eddy hat dazu seine Sicht der Dinge geschrieben, dank der vielen Kommentare lerne ich grade noch viel mehr Ansichten kennen und schreibe meinen paranoiden Senf hier nun auch nochmal schnell runter.
Wer mich kennt, weiß daß ich weder Facebook noch WhatsApp oder ähnliches benutze. Bei mir gibts kein Runtastic, Strava oder sonstwas von diesen Apps/Portalen. Meine Laufdaten liegen auf meinem Rechner, offline. Was ich online von mir streue, hab ich ganz gern unter Kontrolle, besonders was mein Privatleben betrifft, also auch meine sportlichen Aktivitäten. Beruflich bin ich sehr mager bei Xing vertreten, das wars dann aber auch. Mein Bilder liegen auf meinem Server, nicht bei Google oder Flickr. Mein WordPress-Blog ist auf meinem Server installiert, wie vieles andere das ich zur digitalen Kommunikation nutze auch. Mein soziales Netzwerk findet über Friendica und Hubzilla statt. Und wer das hier in meinem WordPress-Runlog liest, sollte wissen: das ist bloß ne Kopie 🙂 Mein Orginal Laufblog wird ebenfalls mit Hubzilla realisiert. Dank Plugin verstehen sich WP und Hubzilla ganz wunderbar, sogar die Kommentare werden problemlos synchronisiert. Ich verschlüssele übrigens auch Emails wenn möglich. OwnCloud (bzw WebDav) statt Dropbox, Mailbox.org (und eigener Mailserver) statt Gmail/GMX & Co.  … die Liste ist lang.
Worauf möchte ich eigentlich hinaus?
Noch nie gab es so vielfältige Möglichkeiten seinen eigenen Daten zu erfassen. Daran ist ja erstmal nichts verkehrt und für Sportler ist das eine tolle Möglichkeit zur Leistungskontrolle. Solange alles offline bleibt. Wer seine Daten online bei irgendwelchen Portalen oder Diensten speichert und verknüpft, sollte sich darüber im klaren sein, daß er/sie ggf. viele Risiken eingeht und gehörig die Hose runterläßt.
1. Hast du das Kleingedruckte gelesen? Gehören deine Daten nach dem Upload weiterhin dir?
2. Werden die Daten sicher(!) gespeichert? Also verschlüsselt?
3. Werden im Hintergrund Profile erstellt? Eigentlich immer 🙂 Aber weißt du auch wie deins aussieht? Nein, wirst du auch nie erfahren. Dein Profil ist das Kapital der Portalbetreiber. Damit werden dir zb. optimierte Werbevorschläge unterbreitet.
4. Werden Daten weitergegeben? Kennst die die geschäftlichen Verbindungen deines Portalbetreibers?
5. Kostet kein Geld, heißt nicht gratis. Du bezahlst bei "Umsonst-Portalen" höchstwahrscheinlich mit deinen Daten.
6. Sind die Daten löschbar? Oder sind die nach dem "Löschen" nur einfach nicht mehr sichtbar aber sehr wohl noch auf dem Server des Betreibers (wie bei Facebook)?
7. Falls der Dienst seinen Betrieb einstellt (besonders Internetfirmen sind nicht grade bekannt für ihre Langlebigkeit): was passiert dann mit deinen Daten? Runterladen, schon klar, aber die Daten auf dem Server? Werden die gelöscht? Wirklich?
8. Du hast nichts zu verbergen? Prima. Bitte mach Kopien deiner Haustürschlüssel und verteil die dann an wildfremde Menschen. Und lass dabei doch gleich dein Handy ungesichert auf dem Bürgersteig liegen.
Machen wir uns doch mal nichts vor. Der lockere Umgang mit den Daten ist pure Bequemlichkeit. Klick und weg, alles super. Nein, nichts ist super. Überlege immer wem du welche Daten überlässt.
Meine Daten gehören mir. Was und wo ich etwas davon preisgebe, entscheide ich selbst.

8 Gedanken zu „Zahlen, Daten, Sensationen“

  1. Ach ja, warum kommt mir das alles so bekannt vor ?

    Ich kenne Leute, die von jedem Pups im Internet berichten, wann, wie, ihren Liebsten zum eigenen Hochzeitstag gratulieren, ihn öffentlich ewig Liebe gestehen, ihren Urlaub mit genauem Zeitpunkt, Flughafen, Fluggesellschaft, Ziel der Öffentlichkeit darlegt, dann nach Ankunft im namentlich genannten Hotel ein Selfie mit Kaffee und Kuchen im Netz präsentiert. YES – und das ist kein Einzelfall.

    Mal ganz abgesehen vom Laufen, wenn sie schon beim Start zur nächsten Einheit öffentlich verkünden, dass es nun wo losgehe, du sie sogar anfeuern und begleiten kannst, dann fehlt mir jegliches Verständnis. Am schönsten jedoch, und das ist auch kein Einzelfall, wenn sie der Öffentlichkeit, ihren sogenannten Freunden, anbieten, sie z.B. bei ihrem Marathon live zu begleiten, der Lauf dann in die Hose geht, – oweia – wie peinlich !

    Auch ich bewege mich mit meinem Blog in der Öffentlichkeit, bin mir dessen sehr bewusst, mir würde im Traum nie einfallen, meine Familie, mein zu Hause, mein Privatleben preiszugeben.

    Meine Laufdaten, die auch mir Freude bereiten, liegen bei Garmin, aber auch dort nur für mich, was Garmin damit anstellt, ist mir ehrlich gesagt egal.

    Und wie du so schön sagst: “ Was und wo ich etwas davon preisgebe, entscheide ich selbst.“

  2. Hallo,

    Sehr schön geschrieben und doch sehr kontrovers zu diskutieren. Was will die große globale Welt mit den Daten meiner Sportaktivitäten? Zielgerichtete Werbung für eine Minderheit? Vielleicht ist es Leichtsinn oder Sorglosigkeit, aber wenn ich unseren Datenschutz vergleiche mit dem z.B. in Skandinavien, dann fühle ich mich nach wie vor wenig gläsern.

  3. Jeder ist für sein Tun verantwortlich. Das klappt in unserer Gesellschaft ja überwiegend auch ganz gut, nur bei der Nutzung des Internets setzt offenbar ziemlich oft jeglicher Restverstand aus. DAS erstaunt mich mittlerweile mehr als dass es mich ärgert.
    Geh sorgsam mit deinen Daten um, dann ist alles gut 🙂

  4. Datenschutz fängt bei dir an. Mit deinem Verhalten. Was will die grosse globale Welt mit deinen Daten? Die will da nix von. Aber was wollen die Betreiber/Konzerne mit deinen Daten? Im besten Falle ein werbeoptimiertes Profil erstellen. Im schlimmsten Fall weiterverkaufen, anderen die Profilerstellung überlassen. Die haben dann von überall her Häppchen von dir und bauen sich was schickes. Und zwar etwas, das sich zwangsläufig aus deinem Onlineverhalten ergibt, ob das dann mit dir als „echtem“ Mensch übereinstimmt, spielt überhaupt keine Rolle. Diese Profile könnten dann zb irgendwelchen Ämtern, der Steuerbehörde (die bezahlen da ja bekanntlich viel Geld für), Krankenkassen, usw. zugänglich gemacht werden. Und dort wird dann bei Bedarf etwas entschieden das du nicht nachvollziehen oder beinflussen kannst. Das kann positiv oder negativ ein.
    Das Ding ist ganz einfach: diese Profilerstellung, wer auch immer die macht, hat möglicherweise überhaupt nichts mit dem dazugehörigen Menschen zu tun. Das könnte irgendwann mal ganz fatale Folgen für die betroffenen Personen haben.

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