Langsam und geduldig

Der Mann mit dem Covid-Hammer kam am dritten Urlaubstag. Mein erstes Infektions-Erlebnis gehört wohl in die Kategorie „milder Verlauf“, vom ersten echt üblen Tag mal abgesehen bin ich damit dann auch völlig einverstanden. Watte im Kopf, Husten, Schnupfen, müde bis zum Anschlag, Bauchschmerzen, sowas eben.
Der Urlaub war trotzdem versaut (jaja, es gibt Schlimmeres) und mittlerweile bin ich um die Erkenntnis reicher, dass dieser Mist sich hinzieht, dass der Körper wesentlich mehr und länger beansprucht wird als ich gehofft hatte.

Drei Wochen Laufpause hatte ich mir „gegönnt“, beziehungsweise vorher war ich überhaupt nicht in der Lage auch nur ein paar hundert Meter locker zu traben. Vor dem ersten Lauf hatte ich dann auch etwas Schiss um ehrlich zu sein, zwar war der Kopf willig, die Beine auch, aber mal sehen was der Kreislauf dazu sagt.
Punktgenau drei Wochen nach meinem letzten „Trainingslauf“ stand ich also wieder vor der Haustür, hab die Uhr gestartet und bin mit dem Gedanken „du läufst langsam, verdammt nochmal!“ auf meine kleine Hausrunde losgetrabt. Die ersten 3-4 Kilometer waren mühsame Quälerei, geb ich zu, der Puls ist viel zu weit nach oben gegangen, die Beine wurden schnell müde, ich hab über Gehpausen nachgedacht (nur nachgedacht), mehr als 5-7km wollte ich nicht machen, immerhin 8 sind es geworden.
Am Tag darauf hab ich mich gefühlt wie nach einem 6-Stundenlauf…

Der Rhein, mit 80cm Pegel. Eine Woche vorher waren es nur noch 36cm.

Zwei Tage später folgte der nächste Lauf, geplant hatte ich etwa 10km, auch wieder in aller Ruhe. Ich musste mal raus aus meinem Block, bin also zu einer kleine Rheinbrückenrunde aufgebrochen.
Auch hier wieder, viel zu hoher Puls, es gab ausserdem noch Muskelkaterreste zu eliminieren und das Wetter war eher suboptimal mit windigen 24°C. Aber irgendwie tat es richtig gut diese Strecke zu laufen. Nach einem Schwächemoment bei km8, kam daraufhin sogar mal für einen Moment sowas wie Lockerheit auf. Der Kopf halt, der will laufen, da hat sich was bei mir konditioniert, gut so.
Es sind 12km insgesamt geworden, ich gebe zu, den einen oder anderen kurzen Ampel-Stopp fand ich am ende nicht so richtig schlimm.
Die letzten 2 km hab ich mir übrigens barfuß gegönnt, immer wieder ein Genuß!

Locker und leicht ist anders, aber immerhin, er läuft.

Für den dritten „Post-Covid“-Lauf hatte ich mir wieder langsame Runden um den Block vorgenommen, wieder irgendwas um 12km sollten es werden. Aber da waren einfach zu viele Fußgänger unterwegs, also improvisieren und erst Richtung Rath, dann Messe und am Rhein zurück laufen. Puls ging wieder hoch, immer so 10-15 Schläge mehr als gewohnt, bei kurzer Anstrengung sogar bis zu 20. Die Temperatur um 27°C machte mir zusätzlich etwas zu schaffen, aber die Beine wollten tatsächlich rennen. Ich hab also sicherheitshalber ständig mit Blick auf die HF gebremst, bloß nix übertreiben, vernünftig bleiben, ruhig bleiben, rennen kann ich später noch jeden Menge.
Es wurde schließlich eine recht schöne 14km-Runde, mit kurzem Stopp am Trinkbrunnen und sehr staubigen Sandalen.

Laufroutine möchte ich sowas überhaupt noch nicht nennen, etwas Geduld werde ich noch haben müssen, aber das war schon merklich besser als die letzten paar Lauftage.

Also ganz einfach „Immer weiter laufen“ eben, der Name ist Programm.
Ich schätze das ganze Drama wird noch so 10-14 Tage dauern, vielleicht weniger wenn die Hochsommertemperaturen etwas zurück gehen.
Ich werde einfach geduldig und ruhig am Ball bleiben, so richtig was vor hab ich dieses Jahr eh nicht mehr, kann also völlig ohne Druck jede Verbesserung geniessen.

Der Rhein plätschert so vor sich hin.
Sieht herbstlich aus, ist aber Laub den die Bäume aus Stress wegen der Trockenheit abgeworfen haben.

 

14 Kommentare

  1. Argh. Ärgerlich. Aber es trifft wohl jeden mal.

    Ich hatte den Mist Gott sei Dank schon im April. Da musste ich beim Wiedereinstieg wenigstens nicht auch noch mit den hohen Temperaturen kämpfen. Mein Puls war zwar leicht erhöht, ich hatte aber ansonsten wenig Probleme.

    Gute Besserung weiterhin. Wenn du ja eh keine Wettkämpfe im Herbst geplant hast, kannst du’s ja locker angehen lassen.

    1. Vielen Dank Martin. Das ist wohl so, irgendwann ist jeder dran, damit sollten wir uns abfinden. Die Temperaturen setzen wirklich nochmal einen oben drauf, da hattest du wohl Glück im Unglück. Aber in den nächsten Tagen hat das eh ein Ende, Herbst is coming.
      Ich werde so lange locker laufen wie nötig und dann mal schauen ob ich noch was im Herbst mitnehmen möchte.

  2. Lieber Oliver,
    tja, wir teilen ja gerade dieses Schicksal. Wobei du ja noch zusätzlich um den Urlaub gebracht wurdest, echt Mist. Aber auf der anderen Seite, milder Verlauf, das hätte schlimmer sein können. Zudem steht kein Rennen an, also kannst du dir die Geduld nehmen, die es braucht.
    Ist schon blöde, wenn man nicht so kann, wie man möchte. Aber das wird dann ja wohl auch wieder werden. Ich sehe es mal positiv, das Glas ist nicht halb leer sondern halb voll. Laufen geht schon wieder, wenn auch nicht in deiner gewohnten Intensität.
    Weiter gute Besserung und dass der nächste Urlaub von so etwas ungestört bleibt!
    Liebe Grüße
    Elke

    1. Vielen Dank Elke, immerhin können wir gemeinsam leiden 😉 Ja, der Urlaub, das ist echt schade. Zwei Tage haben wir was von der Normandie gehabt, dann drei Tage Bett, dann Heimfahrt und zuhause auskurieren. Gibt schöneres. Aber ich bin ja auch immer positiv unterwegs, mache da jetzt einen Haken dran und hab mal wieder was aufzubauen. Ist ja nicht das erste mal und hat (nach Anfangsquälerei) auch seinen Reiz.

  3. Wirklich beeindruckend, wie Covid zuschlägt. Die Symptome bei dir und Elke sind sehr ähnlich und deckt sich fast 1:1 mit dem, was die US Blogger gerade berichten.
    Aber du machst es genau richtig: langsam und sachte ins Laufen zurückfinden. Dein Pace beim 14er am Sonntag sieht auf alle Fälle ganz gut aus, wenn auch die HF hoch war. Das kommt alles wieder!

    Wir hatten vermutlich Covid im Mai in Südafrika. Es muss eine andere Variante gewesen sein, weil wir uns nur sehr leicht krank fühlten und es das Laufen überhaupt nicht beeinträchtigte.

    Keine Laufziele mehr für dieses Jahr? Das wage ich zu bezweifeln… 🙂

    Liebe Grüsse aus dem bedeckten Zürich!

    1. Es schlägt bei jedem etwas anders zu, das find ich tückisch, und jeder wird irgendwann dran sein, das steht mal fest. Ihr hattet dann ja wirklich Glück, ich glaube es laufen echt viele „unterm Radar“. Wir hatten zb am ersten Tag eigentlich „nur“ fiese Bauchschmerzen, ich wäre überhaupt nicht darauf gekommen dass das Covid sein könnte, aber meine Frau hat dann einfach mal einen Schnelltest gemacht und boom! alles klar. Mich nervt am meisten diese bleiernde Müdigkeit, ist immer noch nicht ganz weg, alles andere hatte sich nach einer Woche so gut wie erledigt. Naja, ab und durch, langsam und sachte laufen, wieder in die Laufroutine finden und dann mal schauen was so kommt. Vielleicht findet sich ja noch ein kleines offizielles Läufchen bis ende des Jahres 😉

  4. Lieber Oliver,
    krank sein ist ja immer doof, aber gleich zu Beginn des Urlaubs noch mehr. Nur kann man es sich halt nicht aussuchen.
    Ich bin mir sicher, der Kreislauf wird nachziehen und bald läufst du wieder locker durch die Gegend! Gut, wenn man weiß, dass nichts mehr ansteht, dann ist die innere Gelassenheit, dem Körper die Zeit zu lassen, die er braucht, leichter zu bewahren. 🙂

    1. Da freuen wir uns so lange auf den ersten richtigen Urlaub seit 2,5 Jahren und dann das. Tja, kann man sich wirklich nicht aussuchen. Allerdings wissen wir wo wir uns das eingefangen haben, etwas mehr aufpassen und nix wäre passiert. Egal, ist jetzt wie es ist und ich groove mich wieder langsam ein, Gesundheit geht immer vor, ich werde mich nirgends an die Startlinie stellen wenn ich nicht wieder 101% fit bin. Gemütlich rumtraben hat ja auch mal was 😉

  5. Lieber Oliver,
    schön dass du auf dem Weg der Besserung bist! Ich kann mich nicht mehr erinnern wie das bei mir im Juni lief aber ein paar Wochen ist wahrscheinlich eine gute Einschätzung. Wobei das Trainingsloch, dass es mir gerissen hat konnte ich bis jetzt leider nicht richtig auffüllen. Es ist einfach so und kommt meist ungelegen, aber du hast ja schon so einige Läufe wieder hinter dir.
    Liebe Grüße!

    1. Mit jedem Lauf merke ich dass es einfacher wird, die HF hat sich mittlerweile fast beruhigt und die bleiernde Müdigkeit ist etwas besser geworden. Irgendwann wird es wieder so richtig fluffig einfach und bis dahin: genau, es ist nun einfach so, ob es mir passt oder nicht. Dran bleiben und weitermachen, viel bleibt uns da wohl nicht. Danke!

  6. Lieber Oliver,

    die beste Krankheit taugt nüscht, blöde war zusätzlich der Zeitpunkt! Das Schlimmste ist überstanden! Jetzt ist es schön von dir zu lesen, dass du wieder läufst! 🙂 Das andere kommt wieder, garantiert!

    Dabei ist das Tempo erstmal zweitrangig, zumal du vorerst nichts im Kalender zu stehen hast. Wenn es gut läuft kannst du immer noch kurzfristig entscheiden. Dazu wünsche ich dir, dass ein Gefühl von einer gewissen Leichtigkeit zurückkehrt, auch wenn es vorerst auf niedrigerem Intensitätsniveau sein sollte.

    Sieh es bitte wirklich so, wie von dir bei Doris geschrieben: „Egal, ist jetzt wie es ist und ich groove mich wieder langsam ein, Gesundheit geht immer vor, …“ und nicht als Drama, wie in deinem Beitrag: „Ich schätze das ganze Drama wird noch so 10-14 Tage dauern, …“ 😉 – War wohl salopp gemeint, schätze ich mal!

    In diesem Sinne weiterhin gute Besserung und langsame läuferische Steigerungen!
    Liebe Grüße Manfred

    1. Vielen Dank Manfred! Von Drama kann (zum Glück!) schon keine Rede mehr sein und die Geduld zum vernünftigen und eher ruhigen wieder eingrooven hab ich allemal. Die fiese Hitze scheint auch vorbei zu sein, also alles gute Bedingungen um bald wieder da zu sein wo ich vor der Pause war. Tja, mal schauen was noch so in den Kalender fliegt 😉

  7. So, heute mal ganz unten, habe (noch) gar nicht mit neuen Nachrichten deinerseits gerechnet !! Umso mehr freut es mich, von dir zu lesen !!

    Doch drei Wochen hat es gedauert, bis du wieder die Sandalen anlegen konntest, verdammt lange Zeit und dann noch im geplanten Urlaub – Pech auf der ganzen Linie, aber du nimmst es gelassen und freust dich, dass du jetzt wieder auf dem aufsteigenden Ast bist, gefällt mir !

    Erst denkt man: ich doch nicht, und dann erwischt es einen doch !! Bis jetzt bin ich noch verschont und hoffe, dass es so bleibt, aber man weiß ja nie !

    Mühsam ist der Anfang , ich kenne das von anderen Pausen, aber wie man liest, geht es schon besser, dazu kommen jetzt noch angenehmere Temperaturen. Wenn ich mir die Bilder vom Rhein ansehe, dann ist es bitter nötig !!

    Pass auf dich auf, bleib weiterhin geduldig und du wirst belohnt, damit du wieder – wie in alten Zeiten – barfuß rasend deine Umwelt erobern kannst – YES !!

    1. Unkraut vergeht nicht 🙂 Das mit dem vergurkten Urlaub ist wirklich am nervigsten, wir hatten den dringend nötig. Einfach mal wegfahren und entspannen, und dann sowas. Aber ist halt nicht zu ändern. Uns hat es erwischt, Pech gehabt, es wird irgendwann jeden erwischen, mit diesem Virus müssen wir jetzt leben.
      Der mühsame Teil ist auch schon vorbei, bin noch langsamer als gewohnt, ist auch gut so, aber bemerke jetzt schon ordentliche Fortschritte.
      Ich bin weiterhin vernünftig und passe auf 🙂

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