In der Stadt Düsseldorf seine Runden zu laufen, hat immer eine gewisse Anonymität. Obwohl der Rheinländer an sich wirklich freundlich ist, bringen es sehr viele Stadttläufer schlicht und einfach nicht fertig, wenigsten mal zu lächeln wenn man sich begegnet. Ignoranz ist die Regel. Ok, ich laufe für mich alleine und im Rahmen von Lauftreffs mag das anders sein, aber oft bin ich echt verwundert was mit den Leuten los ist. Es geht scheinbar eher darum die schicken (und teuren) Sportklamotten auszutragen und das Technikgeraffel zu zeigen, das dann natürlich auch nur bei schönem Wetter. Wenigstens mal ein freundliches Lächeln kann doch drin sein. Aber egal, jeder wie er mag. Immerhin, wenn das Wetter ungemütlicher wird, dann ist die Gruß-Quote schon wesentlich höher, bzw. da "kennt man sich". Die paar Irren die dann noch laufen, wissen immerhin was es heißt den Winter durchzuziehen.
Bei meinen langen Läufen ist das alles etwas anders, egal zu welcher Jahreszeit. Ich laufe üblicherweise sehr weit raus aus der Stadt und begegne in der Pampa nur wenigen Menschen. Aber sollten Läufer dabei sein, dann wird nicht nur gegrüßt, sondern da gehen immer auch ein paar nette Worte hin und her.
Letzte Woche zum Beispiel, es regnete und ich hab einen älteren Herren überholt der in schönem Schlappschritt sein Ding durchzog. Er konnte sich nach freundlichem Gruß eine kleine Bemerkung nicht verkneifen: "Hey Jungspund! Nicht so schnell!" … ich hab also etwas gedrosselt und bin eine kleine Weile mit ihm gelaufen. Ein Marathonläufer seit Jahrzehnten, aber jetzt im Alter da macht man keine Hektik mehr und wenn man noch so jung wäre wie ich, da ginge so was ja noch und schön dass man hier draussen im Regen mal jemand begegnet, an der nächsten Kreuzung würde er dann nach Hause traben, zu nass heute, die Knochen schmerzen. Ich bin grinsend alleine weiter durch den Regen, klasse Typ.
Oder der Typ der mir ziemlich regelmäßig an beiden Rheinufern entgegenkommt. Schrullig bis zum Anschlag, Nickelbrille, fürchterlicher Laufstil aber der läuft mit Sicherheit wesentlich längere Distanzen als ich, ein richtiger Nerd. Und er grüßt immer sehr freundlich.
Aber es gibt auch andere schöne Begnungen. Gestern zum Beispiel hat mich ein etwas älteres Paar spontan über einige Kilometer mit dem Fahrrad begleitet, die waren zurückhaltend neugierig weshalb zum Teufel jemand freiwillig 35 Kilometer rennt. Ich wurde nicht zugequatscht und musste selbst auch nicht viel reden, es war einfach eine nette Begegnung und "er" hat sich bei der Verabschiedung dann auch fest vorgenommen mal wieder die Laufschuhe anzuziehen, unter großem Zuspruch seiner Frau ("aber 5 Kilometer reichen auch").
Einmal ist einem Rennradfahrer aufgefallen dass ich nichts zu trinken dabei hab und er bot mir ein Schluck Wasser an. Oder die nette Dame mit zwei ungestümen Hunden, denen angedroht wurde, wenn sie nicht ruhig sind, dann müssten sie mit mir mitlaufen. Besonders in Erinnerung ist mir die tierische Begegnung mit einem kleinen Falken an einem sehr windigen Tag geblieben. Der sah mich von weitem, flog plötzlich zu mir und segelte über mehrere hundert Meter entspannt sehr dicht neben mir her, um ganz frech den Windschatten auszunutzen und mich dabei neugierig zu beäugen. Kluges Tier.
Bei fast jedem langen Lauf gibt es irgendeine mehr oder weniger schräge Begegnung, aber eben nur ausserhalb der Stadt.
Auch deshalb laufe ich wirklich gerne alleine am Rhein entlang, tobe durch den Grafenberger Wald oder renne durch die grüne Umgebung. Es kommt zu authentischen, freundlichen Begegnungen. Und die machen nicht nur Spaß, sondern wirken vor allem noch sehr besonders nach.
Hi Oliver,
über die Menschen, die deine Freundlichkeit erwidern, kannst du dich freuen. Aber auf den Falken kannst du dir richtig was einbilden. Im Indianerland gäbe es sicher eine bedeutsame Interpretation dieser Begegnung, für die es innerhalb unserer Wahrnehmungsgewohnheiten keinen Platz gibt. Die wenigsten Menschen bekommen solche Geschenke. Großartig!
Hi Wolfgang. Das ist eine sehr schöne Betrachtung, aber ich bin ja ein eher rationaler Mensch und denke mir der Vogel hat auch nur aus rationalen Gründen (Windschatten) meine Gesellschaft gesucht. Schönes Erlebnis aber allemal (und nicht das erste dieser Art) und ich freue mich natürlich über sowas!