Schlafen, arbeiten, laufen, schlafen, arbeiten, laufen, …

Kennt ihr das? Wenn das Lauftraining, aus welchen Gründen auch immer, intensiver wird, dann reichen die 24 Stunden pro Tag plötzlich kaum noch aus. Aber mehr gibts nicht. Deshalb wird alles irgendwie in diese paar mageren Stunden gepresst. Mit schlafen, arbeiten, laufen ist es ja auch nicht so ganz getan, die Partnerschaft soll auch nicht leiden und Freunde hat der eine oder andere ja auch noch. Laufen kann verdammt zeitintensiv sein, wir sind auf ein sehr tolerantes soziales Umfeld angewiesen. Nicht nur dass der gemeine Läufer viele andere Dinge dem Laufen unterordnet, wenn dann mal Zeit für was anderes ist, kommt der Kollege Müdigkeit gleich mit. Es gab schon gemütliche Abende, da sass ich zwar am Tisch in netter Runde, war aber nicht mehr in der Lage vernünftig Konversation zu betreiben. Weil: völlig im Arsch, da ja vorher unbedingt noch dieser schnelle 20km Lauf sein musste. Meine Freunde haben nicht viel von der Schnelligkeit, ausser vielleicht dass sich die Gespräche mal ausnahmsweise nicht ums Laufen drehen, weil der schnelle Typ nur apathisch und still auf seinem Platz sitzt. Immerhin hat er noch gesunden Hunger.
Beliebt sind auch die mehrtäglichen Laufeinheiten, möglichst noch Intervalle mit ordentlichen Herausforderungen, den Hügel da hoch und auf der graden Strecke da hinten noch mal richtig Tempo machen. Nur keinen Pausentag einlegen, immer schön durchziehen. Wenn doch am nächsten Tage nur diese lästige Konzentration bei der Arbeit nicht nötig wäre, es gingen bestimmt noch ein paar Kilometern mehr. Im Büro sitzen, nix peilen, weil die 30 Kilometer vom Vortag noch in den Knochen stecken, sehr beliebt. Auch schön: hurra, ich mache mit bei [irgend ein Volkslauf] (austauschbar mit einem Laufevent deiner Wahl)! Natürlich findet sowas am Sonntag morgen um 9 Uhr statt. Perfekt für ein gemütliches Wochenende mit dem Partner, ausschlafen wird eh überbewertet. Macht ja auch voll Spaß für Nicht-Läufer, die schweisstriefende, keuchende Masse vorbeiziehen zu sehen …
Achja, wieso schreibe ich in letzter Zeit wohl so wenig? Keine Zeit, muss laufen.
Übertreibe ich grade? Nur ein klein wenig. Wohl dem Läufer, der ein tolerantes Umfeld hat. Ich habs zum Glück.

 

400km KMD

Etwas mehr als 400 km bin ich jetzt mit den Vibram FiveFinger KMDs gelaufen. Die letzten Wochen immer mehr und immer umfangreicher.
Zeit für einen kleinen subjektiven Testbericht:
Aller Anfang war … nunja … merkwürdig. Die KMDs anzuziehen ist recht einfach, sind nunmal keine Flipflops, aber nach kurzer Eingewöhnung gehts sehr fix. Bei einigen anderen FiveFinger ist das wohl nicht so einfach, hab ich zumindest in diversen Beiträgen gelesen.
Wer mit FiveFingers beginnt, sollte sich für die erste Zeit möglicherweise auf Blasen einstellen. Ich selber hatte nur ein paar kleine Schürfwunden, aber mit der Zeit härtet frische Hornhaut diese Stellen ab.
Barfuss laufen ist nicht gleich mit FiveFinger laufen, durch die stabile Sohle laufe ich dann doch ungewollt etwas schlampiger als wenn ich richtig barfuß unterwegs bin. Ein paar Kilometer sind fast immer nötig um den Bewegungsablauf wirklich sauber drauf zu haben. Und im eigenen Interesse (bzw im Interesse der Waden) läuft man besser sauber. Nicht „schlappen“, sondern immer schön die Füße anheben, dann klappts auch mit der Mittelfußtechnik. Das wird aber mit der Zeit immer besser und leichter.
Schon beim ersten Lauf ist mir allerdings aufgefallen, daß die Sohle recht laut auf hartem Untergrund ist, das kann sogar mal zu richtigen Klatschgeräuschen führen. Kannte ich so noch nicht, meine anderen Minimalschuhe (und auch die VFF Evos) sind sogar extrem leise. Das war also noch ein Grund mehr, sehr sauber auf dem Mittelfuß (eher sogar auf Vorderfuß) zu laufen. Viel mehr negatives gibts aber auch nicht. Auf Sand, Schotter, Gras, durch Matsch und Pfützen, über Holzstämme und Kieswege, alles kein Problem, das Laufen mit diesen Schuhen macht ganz einfach richtig Spaß.
Die Zehen entwickeln nach der Eingewöhnungzeit enorme Stabilität und passen sich immer dem Untergrund an (übrigens: ja, auch in Zehen kann man Muskelkater bekommen). Besonders bei grobem Schotter bin ich echt erstaunt wie problemlos man da drüber rennen kann. Als wichtig hab ich erfahren, Abwechslung in den Lauf zu bringen, das ist besonders für typische „Stadtläufer“ hilfreich. Nicht stumpf die Strecke runterreissen, sondern auch ab und zu eine Treppe mitnehmen oder kleine Sprünge oder ein Sprint über die nächste Wiese machen. Hebt auch den Spaß-Faktor enorm. Am schönsten ist es natürlich durch den Wald zu toben und auch mal einen Hügel hochzurennen. Auf Trailstrecken kommen die Stärken der KMDs richtig raus, guter Halt, stabil und trittsicher, die verstärkten Zehenkuppen können was ab. Vorsicht ist natürlich auch mit „normalen“ Schuhen erstes Gebot, mit FiveFingers läuft man aber eh etwas aufmerksamer.
Werden die Füße durch Pfützen oder Matsch mal nass, ist überhaupt nicht schlimm, Schuhe und Füße trocknen unheimlich schnell wieder.
Die Schnürung hält sehr gut und zwängt den Fuß nicht ein, die Schuhe passen aber eh so gut, daß die Schnürung nur unterstützend wirkt und vor eher allem die Optik verändert. Mit den sonst üblichen Klettverschlüssen sehen FiveFingers etwas weniger schuhähnlich aus, die Schnell-Schürsenkel machen Schuhe draus. Komische Blicke gibts trotzdem von manchen Passanten oder Joggern, aber das ist mir völlig egal.
Ich hab mich langsam rangetastet, das ist sehr empfehlenswert vor allem um schlimmen Muskelkater zu vermeiden (hatte ich nie). Anfangs waren maximal 2 bis 5 Kilometer drin, über Wochen sehr langsam und vorsichtig gesteigert, mittlerweile laufe ich ohne Anstrengung 20 bis 25 km mit den KMDs. Die letzten sieben Tagen wollte ichs dann wissen und hab jeden Tag mindestens12 km hingelegt. Das Erstaunliche: mit jedem Tag wurde ich schneller. Heute fast 16 Kilometer in einer Stunde und acht Minuten (Pace von 4:25), das hätte ich mir vor vier bis fünf Wochen niemals zugetraut. Spannende Frage: was ist noch drin?
Aber eigentlich kommts mir nicht aufs Tempo an, das ist nur ein sehr netter Nebeneffekt. Ich möchte Spaß beim Laufen haben und dabei ausdauernd sein. Und die FiveFingers machen Spaß. Sehr viel Spaß. Könnte gut sein daß die meine bevorzugten Laufschuhe werden.

 

Unsozial

Ich bin ein unsozialer Läufer.
Alleine laufen macht mir einfach am meissten Spaß, das erfüllt mich. Sich selbst und die eigenen Wahrnehmungen nur noch auf gleichmäßiges Atem, Wetter, Natur, Laufrhythmus zu reduzieren, das gefällt mir. Der berühmte klare Kopf ist mir wichtig. Oft finde ich auf langen Läufen ohne aktiv nachzudenken plötzlich völlig simple Lösungen für Themen die mich bereits seit Tagen beschäftigen. Andere Läufer werden natürlich freundlich gegrüßt ("man kennt sich" ja mittlerweile), aber dranhängen möchte ich nicht, lasst mich dann bitte einfach alleine weiterlaufen.
Sollte doch mal jemand mit mir unterwegs sein, dann aber bitte Klappe halten. "Die nächste links?" ist ok, aber mehr muss echt nicht sein. Es ist ja nicht so dass mich die Begleitung an sich nervt (ehrlich nicht), sondern wenn ich mich statt mit dem Laufen dann plötzlich mit anderen Dingen beschäftigen soll und dadurch aus dem Rhythmus gebracht werde.
Das Smartphone ist schon lange nicht mehr dabei, dieser ganze "Social Network"-Quatsch der LaufApps ist mir früher schon auf die Nerven gegangen, ich will das nicht, ich hab dort ja nicht mal Accounts! Ich muss nicht durch "Likes" angefeuert werden, mich interessieren keine hingehuschten Tweets mit "guten" Ratschlägen und die Zeit meiner letzten Runde ist höchstens für mich selbst interessant, damit muss ich niemanden belästigen.
Meine Garmin Uhr reicht eh völlig aus von den Funktionen und die wiegt auch viel weniger.
Nicht mal Musik nehm ich mit auf die Strecke, wozu auch? Ich liebe Musik, aber die Eindrücke der Umwelt sind in der Laufsituation viel anregender, Ablenkungen durch Rhythmus- und Taktwechsel unerwünscht. Ausserdem ist nix ist schlimmer als von situationsbedingt "falscher" Musik genervt zu sein und anstatt zu laufen, dann minutenlang in der Playlist rumzufriemeln.
Ausgesuchte offizielle Läufe machen Spaß und ich bin da auch gerne mal mit dabei, aber dann gehts mir mehr darum mich mit der Wettbewerbsituation ausseinander zu setzen, bzw das Einteilen der Energiereserven zu verinnerlichen, neue Trainingsanreize zu setzen. Oder auch einfach nur um eine neue interessante Strecke kennenzulernen. Bei solchen Veranstaltungen hab ich vorher und besonders hinterher mittlerweile viele richtig nette Typen kennengelernt, aber während des Laufs möchte ich meine Ruhe haben.

Meine Notizen hier im Blog sind schon ein ziemlicher Kompromiss um ein wenig sozial unterwegs zu sein, aber ein ganz guter. Ich lesen sehr gerne in anderen LaufBlogs, auch (oder sogar besonders) die vielen freundlichen und oft hilfreichen Kommentare. In diesem Umfeld bin ich sehr gerne unterwegs, aber eben nicht während des Laufens, sondern vor- oder nachher.
Und jetzt nutze ich das traumhafte Wetter und drehe ein paar Runden. Alleine.

Na geht doch …

Nachdem ich vor einigen Tagen etwas voreilig den Frühling ausgerufen hatte, ist nun doch noch etwas Winter im Rheinland angekommen. Immerhin liegt hier und da etwas Schnee und die Temperaturen sinken auch mal etwas weiter unter 0°C. Für die Rheinländer ist das schon harter Winter (endlich kann der Arktis-Expeditions-Anorak getragen werden!), ich als Exil-Niedersachse denke nur manchmal darüber nach die leichte Jacke zu schliessen. Wie auch immer, es ist "solide" kälter geworden, das wechselhafte Schmodderwetter ist vorbei. Zum Laufen ideal.
Die abendlichen Runden mach ich die letzten Tagen mit etwas mehr Tempo, damit der Körper schnell auf Betriebstemperatur kommt und die Hände warm bleiben. Dabei renne ich übrigens an einem FitX Studio vorbei und sehe dort im wohl temperierten Fitnessraum sommerlich bekleidete junge Leute auf Laufbändern … die sind dort auch im Sommer. Und überhaupt, bei jedem Wetter. Drinnen. Auf Maschinen zu laufen mag seine Berechtigung haben (auch wenn es sich mir nicht erschliesst), aber ist das nicht irgendwann fürchterlich öde?
Ich geniesse es einfach die kalte Luft im Gesicht zu spüren, oder im Sommer mit der Hitze umzugehen, mit Schnee oder Regen zu kämpfen, über vereiste Pfützen zu springen und matschige Wiesen zu überqueren.
Das Wetter mit all seinen Widrigkeiten gehört zum Laufen. Und trockenes Frostwetter ist grosse Klasse.

Frühling! … oder?

Nein, es ist natürlich noch nicht Frühling.
Aber hier im Rheinland war bisher auch noch kein richtiger Winter, mehr so ein "Dauerschlummerherbst". Und da der Januar "gleich" rum ist, können wir ja jetzt eigentlich auch ganz einfach den Frühling ausrufen.
Ich war heute jedenfalls nach meiner langen Rhein-Runde spontan mal wieder ein Stückchen barfuss unterwegs (statt auf die FiveFingers zu wechseln) und das hat einfach nur Laune gemacht. Die Füsse sind durch die Kilometer vorher wirklich gut temperiert, juckt die also überhaupt nicht bei 3°C noch 20 Minuten hinterher zu schieben, über matschige Wiese und Sandwege zu laufen, Pfützen und Kies sind auch egal, einfach ein Genuss.
Im Herbst hatte ich mir (zu)viele Gedanken gemacht, ob die Barfuss-Einheiten auch im Winter machbar sind, wollte das auf jeden Fall weiter ausbauen, da es meinen Knochen und Sehnen offenbar sehr gut tut. So bin ich dann ja auch zu den Fivefingers gekommen (sind übrigens wegen Begeisterung mittlerweile zwei Paar), aber auch ein paar superleichte Trailschuhe sind dazu gekommen, falls das Wetter etwas heftiger wird … und was brauchte ich bisher? Auf jeden Fall keine Gedanken über "was ziehe ich heute an" machen. Meisstens sinds dann doch die Inov-8 Road-X Treme 138 (immer noch meine liebsten) oder eben die FiveFingers. Zwischendurch für Tempoläufe oder bei Regen kommen die Inov-8 f-Lite zum Einsatz, aber wann mache ich schonmal Tempoläufe …
Also bisher kein Schnee, kein Eis, kein fieser Frost, sondern statt dessen Matsch an den Füssen.
So darf der Winter weitergehen.

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Früh- oder Spät-Läufer?

Ich gebs zu, später am Tag laufen liegt mir eher. Meißtens jedenfalls. Berufsbedingt natürlich eh, schlechte Tage können so wunderbar „weggelaufen“ werden, oder gute Tage noch ein finales i-Tüpfelchen bekommen. Ok, im Hochsommer an richtig heissen Tagen nutzt der vernünftige Läufer natürlich gerne die kühleren frühen Stunden, aber davon gibts ja nicht so richtig viel in unseren Breiten.
Aber manchmal packt es mich dann doch. Schnell aufstehen und bevor das Nachdenken über die anstehende Runden in Gang kommt, sind die Laufsachen schon am Leib und es geht in los.  Wenn es dann auch noch so miese Wetterbedingungen wie heute sind (Sprühregen, 2°C, teilweise noch gefrorener rutschiger Weg), nicht drüber nachdenken!
Einfach loslaufen.

Der Plan war heute früh dann eigentlich auch nur eine möglichst schnelle 10km Runde … aber irgendwie hat es mich Richtung Rhein auf eine längere Strecke verschlagen und „interessanterweise“ (das ist natürlich überhaupt nicht interessant, sondern fast immer so) war mir das Wetter nach etwa 3km völlig egal. „Es gibt kein schlechtes Wetter, es gibt nur falsche Kleidung“ stimmt immer. Von „schnelle Runde“ war also keine Rede mehr, ich hab mich recht bald auf meine 4:30 Wohlfühl-Pace eingelaufen und dann einfach nur abgeschaltet bzw den frühen Morgen genossen. Es geht morgens definitiv entspannter zu… Die paar Läufer denen ich im Regen begegnet bin, hatten ebenfalls auf „Wetter, du kannst mich mal“-Modus geschaltet und grüßten freundlich. Ansonsten bin ich heute nur ein paar übel stinkenden Hunden (samt Mensch natürlich) und einigen auf dem Laufweg frühstückenden Krähen begegnet. Am Rhein war schon mal mehr los … aber gut so, freie Bahn und kein Generve mit Radfahrern.
Nach 22km war ich dann wieder zuhause, klatschnass, aber sehr zufrieden. Die Schuhe können erstmal in Ruhe trocknen … aber wer weiß, vielleicht treibt es mich ja morgen früh wieder raus?! …

Wer sich bewegt, lebt.

#^Herr Enderle läuft Marathon

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Der Neu-Berliner und Ex-Schwabe Reinhold Enderle läuft mit 76 Jahren Marathon – zuletzt am 18. Januar auf den Bahamas. In seiner  Altersgruppe (70 bis 99 Jahre) reichte es in diesem Jahr für Platz drei. Zwei Siebzigjährige kamen vor ihm ins Ziel und unterboten Enderles Zeit von sechs Stunden, 43 Minuten und 53 Sekunden. Doch er läuft nicht nur, er hat auch viel zu erzählen – über Gesundheit, Alter, Sex und seinen Lebens-Plan. Eine Kurzdokumentation.

Dauert 5:37 Minuten und ist voller kleiner Weisheiten. Sehr sympathisch.

Abgeschnallt

Meine Puls-GPS-Uhr ist eigentlich immer dabei wenn ich meine Runden drehe, meisstens schaue ich genau zweimal drauf: beim Starten und beim Ankommen. Später werden die gesammelten Daten auf den Rechner überspielt, kurz "analysiert" und fertig. Während des Laufens checke ich allerhöchstens mal ganz kurz wieviele Kilometer ich zurückkgelegt hab, aber sonst nix. Anfangs war das natürlich superinteressant wo der Puls grade steht, wie die Pace Zeit ist, und so weiter. Ich hab dabei auch tatsächlich eine Menge nützliche Dinge gelernt, aber zb auch dass jeder Körper anders ist, mit Durchschnittswerten kann man nicht viel anfangen.
Mittlerweile hat sich aber viel eingespielt, das Körpergefühl sagt mir mehr als der Blick zur Uhr. Wenn der Puls hoch geht, das merke ich auch so. Und dass ich durchschnittlich mit ca. 160 HF laufe, ist gelernt. Wenn es mal mehr oder weniger ist, ok, dann ist das so. Für Profisportler ist die Einhaltung bestimmter Trainingsplan-Parameter superwichtig und notwendig, gar keine Frage, aber für Typen wie ich es bin? Nicht zwingend.
Wozu also jedesmal den blöden Brustgurt umschnallen? Ich lass das jetzt erstmal. Der Spaß am Laufen ist mir wichtiger als ein paar Sekunden bessere Zielzeit weil ich mich eisern an irgendwelche HF-Parameter gehalten habe.
Der Gurt bleibt seit einigen Tagen zu Hause und ich fühle mich ein wenig freier beim Laufen.

Sturm und Sand

Am 11.01.15 hat der PWN Egmond Halve Marathon stattgefunden und ich war mit dabei.

Bisher bin ich als Läufer noch nie aus meiner Region rausgekommen und dieser Halbmarathon gilt als einer der härteren in Holland, sehr spannende Sache also für mich.
Natürlich wurden im Vorfeld Zielzeiten der Vorjahre angeschaut, die Strecke auf Karten gecheckt und nach Blogeinträgen gestöbert.
Herausgekommen ist: In Egmond findet einerseits ein Wettkampflauf (Wedstrijd) auch mit Top-Läufern aus aller Welt statt und andererseits ein „Fun Run“ (Recreatie) für jedermann. Darin verpackt ist der sehr prestigträchtige Firmenlauf und eine Le Champion Startgruppe.
Vor dem Halbmarathon wird noch ein „Kwartmarathon“ (10,5km) gelaufen und natürlich kommen auch die Kids nicht zu kurz. Die Strecke ist herausfordernd, da es über einen langen Strandabschnitt und durch Dünen geht. An diesem Wochenende sind insgesamt ca. 17.000 Läufer am Start, dazu entsprechende Begleiter, also eine unfassbare Menge wenn man sich das beschauliche Egmond mal so anschaut.

Und hier kommt auch schon der „Hut ab“ für die 1A Organisation. Alle Helfer, Teilnehmer und auch die Zuschauer ware superfreundlich und hilfsbereit, die Wegbeschreibungen top, die Pendelbuss-Verbindungen vorbildlich (Egmond wird den Sonntag komplett für Autoverkehr dichtgemacht) und notwendige aber nervige Dinge wie Sporttasche „parken“, Umziehmöglichkeiten, Startunterlagen abholen ging auch völlig reibungslos.
Trotz dezenter Aufregung bei mir im Vorfeld, hab ich da schon bemerkt: alles gut, auf die Organisation kann man sich verlassen.

Wir sind einen Tag vorher angereist, haben uns ein paar Stunden „Urlaub am Strand“ gegönnt und dann fix meine Startunterlagen im Hotel Zuiderduin abgeholt. An dem Tag hat übrigens ein Mountainbike Rennen durch Dünen und über den Strand stattgefunden, bei Sturm und unwetterartigem Regen. Wegen Wetter wird so schnell nix in Egmond abgesagt.
Übernachtung in einer sehr netten Bed&Breakfast Pension in Alkmaar und am Wettkampftag ging es dann relativ zeitig mit dem Pendelbus Richtung Egmond. Dort angekommen, einfach den Massen gefolgt, Tasche mit Wechselkleidung abgegeben, Infos abgeholt und noch ein wenig in der warmen Sporthalle gewartet.

Wer einen Halbmarathon im Januar läuft, muss wettermäßig von allem ausgehen. Uns hat dieses Jahr ein ausgewachsener Sturm mit starken Orkanböen erwartet, bei Temperaturen um 6°C (gefühlte 1°C), dafür immerhin kein Tropfen Regen. Der Sturm war so heftig, dass der Start eine halbe Stunde verschoben wurde, um den Strand nutzen zu können. Trotz einsetzender Ebbe wollte das Wasser nicht weichen, der Wind war einfach stärker.
Also drucksten sich überall in den Hauseingängen und hinter windgeschützen Mauern die Läufer herum, um nicht auszukühlen und so kurz wie möglich in den Startblock zu gehen. Zu dem Zeitpunkt hatte ich mir eine einigermassen adäquate Zielzeit bereits abgeschminkt und mich mit ca. 2 Stunden angefreundet, es sollte ja ein Spaßlauf sein und die Strecke kannte ich eh nicht, also völlig sinnlos um persönliche Bestzeiten zu rennen. Entsprechend abgeklärt und gutgelaunt bin ich kurz nach eins in meinen Startblock (grün) und dann gings auch schon langsam los. Bis ich über die Startlinie kam, waren bereits 5 Minuten verstrichen, kein Wunder bei der Masse an Menschen.

Die ersten paar Kilometer ziehen sich durchs Dorf, mit arg Gedränge, so breit sind die Strassen nicht, aber dafür wird man ordentlich von den Zuschauern angefeuert.
Nach etwa 3,5 km gehts auf den Strand und diese Strecke von 7,5 km wird mir sehr lange in Erinnerung bleiben … tosende Nordsee mit Sturm von rechts, über den ganzen Strand verteilte Läufer, zwischendrin immer wieder Zuschauer, aufgeschäumtes Wasser unter den Füssen, fantastische Stimmung!
Ich hab immer versucht möglichst dicht am Wasser zu laufen, einerseits um aus dem Tross rauszukommen und vielleicht doch ein paar Minuten gutzumachen, andererseits einfach weil: Verdammtnochmal, genau für so ein Erlebnis mache ich doch diesen Lauf!!
Zwischendurch hab ich sogar mal kurz mein Handy rausgefummelt (hatte ich ausnahmsweise mitgenommen) um ein paar Fotos zu machen (siehe Bild unten), aber ansonsten bin ich breit grinsend und glücklich die Strecke durch Wasser und Schaum gelaufen und mich darüber gefreut diesen aussergewöhnlichen Lauf mitmachen zu können. Irgendwann hat sich ein anderer Läufer schweigend zu mir gesellt, über ca. 4 Kilometer sind wir zusammen durchs Wasser getrabt, aber scheinbar wollte er keine nassen Füsse mehr haben und hat sich irgendwann zurück auf den trockenen Strand bewegt. Den 2 Stunden Paceläufer hatte ich bereits früh passiert und war entsprechend guter Dinge vielleicht doch eine zumindest nette Zeit zu packen.
Etwa beim 10,5km Wendepunkt in Castricum aan Zee geht es runter vom Strand in die Dünen, dort war eine Versorgungsstelle, bzw ein kleines Nadelöhr, ich bin einfach fix vorbeigeflitzt. Dort dann auch zum ersten mal ein Blick auf die Pulsuhr und konnte ich es nicht glauben: 50:15 Minuten … was? Das war ein echter Motivationsschub vielleicht doch mal etwas mehr Tempo zu machen.
In den Dünen gab es über länge Strecken sehr viel weniger Wind, dafür aber naturgemäß immer wieder mehr oder weniger starke Steigungen. Dazu kommen recht schmale Laufwege, das war beim Überholen teilweise schon sehr grenzwertig. Also einfach weiter in meinem Tempo bis Kilometer 15, dort wieder ein Blick zur Uhr: Eine Stunde und zwölf Minuten. Da geht noch was.
Am nächstbesten Versorgungsposten hab ich mir dann schnell einen Becher Wasser geschnappt und wieder mehr Tempo gemacht. Egmond war nicht mehr weit, ich wusste aber vom Höhenprofil, da kommt noch der Bloedweg mit fieser Steigung. Und das war dann tatsächlich richtig fies … volles Brett Gegenwind und irgendwas um 10 Meter Steigung, einigen Laufkollegen war das zuviel. Manche hatten sich entkräftet hingesetzt, andere konnten nur noch langsam hochgehen. Auch der eine oder andere Sanitäter hatte zu tun. Wer schon kurz vor einem Wadenkrampf stand, hat ihn hier bekommen. Ich hab meine Reserven ausgecheckt und bin hochgerannt um dann den letzten Kilometer weiter in Richtung Stadt zu sprinten.
Da war es regelrecht am Brodeln, die Zuschauer haben uns unfassbar angefeuert, sowas hab ich wirklich noch nie erlebt!
Nur noch eine kleine Steigung, den Boulevard Noord hoch, und plötzlich war ich im Ziel!
01:43:38 … das konnte ich fast nicht glauben … Ich war nicht nur weit unter den 2 Stunden, sondern „nur“ 10 Minuten hinter meiner Halbmarathon-„Trainingszeit“.
Überglücklich hab ich mir beim Austraben noch ein Getränk abgegriffen, die Medaille überreicht bekommen und mich einfach nur noch gefreut!

Danach zügig in das beheizte Umkleidezelt um die nassen Klamotten vom Leib zu bekommen, anschliessend gab es noch eine Portion Fritten (muss ja) und dann zum Pendelbus. Schnell weg bevor die Mehrzahl der später eintreffenden Läufer auch weg will.
Auch bei der Abreise übrigens eine super saubere Organisation, nach 20 Minuten waren wir beim Auto in Alkmaar und es ging ab nach Hause.
Der Wettstreit-Gewinner Azmeraw Mengist (ETH) ist übrigens mit 1:03:01 durchs Ziel, der Recreatie-Gewinner Marcel Wouters (NL) mit 1:12:55. Die Latte liegt also schon ziemlich hoch. Meinen Respekt für so eine Leistung bei solchen Bedingungen. Ergebnisse gibts hier.

Alles in allem war Egmond ein aufregendes Erlebnis mit hohem Spaßfaktor und ein nächstes mal kann ich mir sehr(!) gut vorstellen, jetzt weiß ich ja wie sich diese Strecke läuft.
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Das Laufjahr 2014

Das vergangene Jahr war gut zu mir. Privat, beruflich, beim Laufen und auch sonst so. Ok, den Jüchtlauf und den Marathon in Essen musste ich ausfallen lassen. Einmal wegen schlimmer Erkältung (die einzige übrigens dieses Jahr) und einmal wegen einer Sehnenüberreizung am Sprunggelenk. Aber deshalb klagen? Nö. Dafür gab es zu viele neue, gute und interessante Dinge, Veränderungen und Entwicklungen.
Anfang des Jahres war ich noch überwiegend mit „normalen“ Laufschuhen unterwegs, Mizuno Wave Aero und Ronin, hab auch den einen oder anderen Volkslauf und die Marathon Firmenstaffel damit gemacht. Aber irgendwie hat es mich immer mehr gestört wie eingesperrt sich meine Füsse gefühlt haben. Nach den Läufen war ich jedesmal froh aus den Schuhen rauszukommen und hab immer öfter eine Barfuss-Einheit hinterher gelegt, einfach so, um die Füsse zu entspannen und weil es gut getan hat. So langsam dämmerte mir: „… deine Schuhe waren immer gut zu dir, aber vielleicht ist es an der Zeit mal was neues zu probieren“ … und dann ging eine interessante „Transformation“ los…
Im April hab ich prinzipiell wieder von vorne angefangen, als erstes mit der Frage: Was will ich überhaupt? Verletzungsfrei und zufrieden laufen. Und bei den paar regionalen „Wettkämpfen“ die ich mitmache, eine für mich adäquate Zeit hinlegen. Und ich will leichtere Schuhe …
Zum Glück ist der Trend zu Minimalschuhen und (neudeutsch) „natural running“ nicht mehr wirklich neu und es gibt viel Auswahl an Schuhen und Tipps. Vor allem aber gibt es unfassbar viel zu lesen, Blogs, Zeitschriften, Bücher, … nein, eigentlich gibts viel zu viel zu lesen. Mit dem Resultat: Ein gewaltiger Overkill an Halbwahrheiten und die wirklich nützlichen Informationen sind dann doch eher rar, bzw. die ganz einfache aber bittere Erkenntnis für mich lautete: dein bisheriger Laufstil ist scheisse. Genau. So einfach. Also ran an ein neues Trainingsverhalten.
Neue Schuhe mussten also her. Meine Erfahrungen mit den Nike Free waren nicht so doll, die wollte ich nicht mehr, die New Balance Minimus hatte ich bereits, aber irgendwie nicht auf dem Schirm es damit mal zu versuchen (hab ich später sehr zufrieden nachgeholt). Vielleicht musste auch einfach was völlig neues her, so als „Befreiungsschlag“. In einem Blog bin ich über Inov-8 gestolpert, Schuhe mit minimaler Dämpfung und wenig Sprengung. Eigentlich Trail-Experten, aber die haben auch ultraleichte und ausgefuchste Laufschuhe am Start. Der Bericht hat mich regelrecht angefixt und ich es wurden ganz schnell blind ein paar paar bestellt (f-lite). Zum Glück passten die Dinger wie angegossen, das hätte auch anders kommen können. Kaum ausgepackt, gings ab auf die Strassen und: Wow! Leicht, direkt, beweglich, griffig und trotzdem genug Freiheit im Schuh dass der Fuss sich relativ natürlich bewegen kann. Das war nur der Startschuss, es kamen noch ein paar, noch minimalere, Inov-8 Schuhe dazu, die Road-X-Treme 138 wurden ganz schnell meine Favoriten. Einige Experimente mit anderen Schuhen sind in die Hose gegangen (Newton, Brooks), aber nicht schlimm, Ebay hilft bzw auch Rückgabe war möglich. Wer hier mitliest, weiß dass seit einigen Wochen auch Fivefingers mit dabei sind und ich nach anfänglicher Skepsis in kürzester Zeit wirklich sehr(!) angetan davon war und bin. Wahrscheinlich werden das meine Favoriten für lange ruhige Läufe.
Es folgten aber auch immer mehr gezielte Barfuss-Einheiten, mehr lange Läufe statt immer nur die 10 bis 15 Kilometer runterzukloppen, mehr Abwechslung (Trails) und auch eine leichte Ernährungsumstellung. Der letzte Teil war am einfachsten, da Junkfood eh nicht so mein Ding ist.  Das wirkliche Tolle ist, diese Veränderungen machten und machen Spaß, da kommt wirklich was bei rum. Am besten gefällt mir die Umstellung weg vom Fersenläufer, hin zum MIttelfuss. Das passiert unweigerlich wenn man Barfuss oder mit „zero drop“-Schuhen trainiert. Vorsicht: bitte langsam anfangen, da werden Muskeln aktiv, von denen wusstet ihr überhaupt nicht dass es sie gibt. Wer zu schnell zu viel will, bekommt den Muskelkater seines Lebens in den Beinen. Aber die Mühen und die notwendige Geduld lohnen sich, das „natürliche Laufen“ (Vorder-/Mittelfuss, kleinere Schritte, Ausdauer) ist effizient und macht richtig Spaß.
Fazit: Ich bin tatsächlich ohne grosse Anstrengung schneller geworden, laufe mittlerweile regelmäßig Einheiten von 25 bis 30 Kilometer (oder auch mal mehr) und habe mehr Spaß denn je am Laufen. So kann’s weitergehen :-)

Kleine 2014-Statistik noch am Ende:
2.320 gelaufene Kilometer in 176 Stunden
… mit Zeitmessung. Keine Ahnung wieviel ich ohne Uhr unterwegs war.