Abgeschnallt

Meine Puls-GPS-Uhr ist eigentlich immer dabei wenn ich meine Runden drehe, meisstens schaue ich genau zweimal drauf: beim Starten und beim Ankommen. Später werden die gesammelten Daten auf den Rechner überspielt, kurz "analysiert" und fertig. Während des Laufens checke ich allerhöchstens mal ganz kurz wieviele Kilometer ich zurückkgelegt hab, aber sonst nix. Anfangs war das natürlich superinteressant wo der Puls grade steht, wie die Pace Zeit ist, und so weiter. Ich hab dabei auch tatsächlich eine Menge nützliche Dinge gelernt, aber zb auch dass jeder Körper anders ist, mit Durchschnittswerten kann man nicht viel anfangen.
Mittlerweile hat sich aber viel eingespielt, das Körpergefühl sagt mir mehr als der Blick zur Uhr. Wenn der Puls hoch geht, das merke ich auch so. Und dass ich durchschnittlich mit ca. 160 HF laufe, ist gelernt. Wenn es mal mehr oder weniger ist, ok, dann ist das so. Für Profisportler ist die Einhaltung bestimmter Trainingsplan-Parameter superwichtig und notwendig, gar keine Frage, aber für Typen wie ich es bin? Nicht zwingend.
Wozu also jedesmal den blöden Brustgurt umschnallen? Ich lass das jetzt erstmal. Der Spaß am Laufen ist mir wichtiger als ein paar Sekunden bessere Zielzeit weil ich mich eisern an irgendwelche HF-Parameter gehalten habe.
Der Gurt bleibt seit einigen Tagen zu Hause und ich fühle mich ein wenig freier beim Laufen.

Sturm und Sand

Am 11.01.15 hat der PWN Egmond Halve Marathon stattgefunden und ich war mit dabei.

Bisher bin ich als Läufer noch nie aus meiner Region rausgekommen und dieser Halbmarathon gilt als einer der härteren in Holland, sehr spannende Sache also für mich.
Natürlich wurden im Vorfeld Zielzeiten der Vorjahre angeschaut, die Strecke auf Karten gecheckt und nach Blogeinträgen gestöbert.
Herausgekommen ist: In Egmond findet einerseits ein Wettkampflauf (Wedstrijd) auch mit Top-Läufern aus aller Welt statt und andererseits ein „Fun Run“ (Recreatie) für jedermann. Darin verpackt ist der sehr prestigträchtige Firmenlauf und eine Le Champion Startgruppe.
Vor dem Halbmarathon wird noch ein „Kwartmarathon“ (10,5km) gelaufen und natürlich kommen auch die Kids nicht zu kurz. Die Strecke ist herausfordernd, da es über einen langen Strandabschnitt und durch Dünen geht. An diesem Wochenende sind insgesamt ca. 17.000 Läufer am Start, dazu entsprechende Begleiter, also eine unfassbare Menge wenn man sich das beschauliche Egmond mal so anschaut.

Und hier kommt auch schon der „Hut ab“ für die 1A Organisation. Alle Helfer, Teilnehmer und auch die Zuschauer ware superfreundlich und hilfsbereit, die Wegbeschreibungen top, die Pendelbuss-Verbindungen vorbildlich (Egmond wird den Sonntag komplett für Autoverkehr dichtgemacht) und notwendige aber nervige Dinge wie Sporttasche „parken“, Umziehmöglichkeiten, Startunterlagen abholen ging auch völlig reibungslos.
Trotz dezenter Aufregung bei mir im Vorfeld, hab ich da schon bemerkt: alles gut, auf die Organisation kann man sich verlassen.

Wir sind einen Tag vorher angereist, haben uns ein paar Stunden „Urlaub am Strand“ gegönnt und dann fix meine Startunterlagen im Hotel Zuiderduin abgeholt. An dem Tag hat übrigens ein Mountainbike Rennen durch Dünen und über den Strand stattgefunden, bei Sturm und unwetterartigem Regen. Wegen Wetter wird so schnell nix in Egmond abgesagt.
Übernachtung in einer sehr netten Bed&Breakfast Pension in Alkmaar und am Wettkampftag ging es dann relativ zeitig mit dem Pendelbus Richtung Egmond. Dort angekommen, einfach den Massen gefolgt, Tasche mit Wechselkleidung abgegeben, Infos abgeholt und noch ein wenig in der warmen Sporthalle gewartet.

Wer einen Halbmarathon im Januar läuft, muss wettermäßig von allem ausgehen. Uns hat dieses Jahr ein ausgewachsener Sturm mit starken Orkanböen erwartet, bei Temperaturen um 6°C (gefühlte 1°C), dafür immerhin kein Tropfen Regen. Der Sturm war so heftig, dass der Start eine halbe Stunde verschoben wurde, um den Strand nutzen zu können. Trotz einsetzender Ebbe wollte das Wasser nicht weichen, der Wind war einfach stärker.
Also drucksten sich überall in den Hauseingängen und hinter windgeschützen Mauern die Läufer herum, um nicht auszukühlen und so kurz wie möglich in den Startblock zu gehen. Zu dem Zeitpunkt hatte ich mir eine einigermassen adäquate Zielzeit bereits abgeschminkt und mich mit ca. 2 Stunden angefreundet, es sollte ja ein Spaßlauf sein und die Strecke kannte ich eh nicht, also völlig sinnlos um persönliche Bestzeiten zu rennen. Entsprechend abgeklärt und gutgelaunt bin ich kurz nach eins in meinen Startblock (grün) und dann gings auch schon langsam los. Bis ich über die Startlinie kam, waren bereits 5 Minuten verstrichen, kein Wunder bei der Masse an Menschen.

Die ersten paar Kilometer ziehen sich durchs Dorf, mit arg Gedränge, so breit sind die Strassen nicht, aber dafür wird man ordentlich von den Zuschauern angefeuert.
Nach etwa 3,5 km gehts auf den Strand und diese Strecke von 7,5 km wird mir sehr lange in Erinnerung bleiben … tosende Nordsee mit Sturm von rechts, über den ganzen Strand verteilte Läufer, zwischendrin immer wieder Zuschauer, aufgeschäumtes Wasser unter den Füssen, fantastische Stimmung!
Ich hab immer versucht möglichst dicht am Wasser zu laufen, einerseits um aus dem Tross rauszukommen und vielleicht doch ein paar Minuten gutzumachen, andererseits einfach weil: Verdammtnochmal, genau für so ein Erlebnis mache ich doch diesen Lauf!!
Zwischendurch hab ich sogar mal kurz mein Handy rausgefummelt (hatte ich ausnahmsweise mitgenommen) um ein paar Fotos zu machen (siehe Bild unten), aber ansonsten bin ich breit grinsend und glücklich die Strecke durch Wasser und Schaum gelaufen und mich darüber gefreut diesen aussergewöhnlichen Lauf mitmachen zu können. Irgendwann hat sich ein anderer Läufer schweigend zu mir gesellt, über ca. 4 Kilometer sind wir zusammen durchs Wasser getrabt, aber scheinbar wollte er keine nassen Füsse mehr haben und hat sich irgendwann zurück auf den trockenen Strand bewegt. Den 2 Stunden Paceläufer hatte ich bereits früh passiert und war entsprechend guter Dinge vielleicht doch eine zumindest nette Zeit zu packen.
Etwa beim 10,5km Wendepunkt in Castricum aan Zee geht es runter vom Strand in die Dünen, dort war eine Versorgungsstelle, bzw ein kleines Nadelöhr, ich bin einfach fix vorbeigeflitzt. Dort dann auch zum ersten mal ein Blick auf die Pulsuhr und konnte ich es nicht glauben: 50:15 Minuten … was? Das war ein echter Motivationsschub vielleicht doch mal etwas mehr Tempo zu machen.
In den Dünen gab es über länge Strecken sehr viel weniger Wind, dafür aber naturgemäß immer wieder mehr oder weniger starke Steigungen. Dazu kommen recht schmale Laufwege, das war beim Überholen teilweise schon sehr grenzwertig. Also einfach weiter in meinem Tempo bis Kilometer 15, dort wieder ein Blick zur Uhr: Eine Stunde und zwölf Minuten. Da geht noch was.
Am nächstbesten Versorgungsposten hab ich mir dann schnell einen Becher Wasser geschnappt und wieder mehr Tempo gemacht. Egmond war nicht mehr weit, ich wusste aber vom Höhenprofil, da kommt noch der Bloedweg mit fieser Steigung. Und das war dann tatsächlich richtig fies … volles Brett Gegenwind und irgendwas um 10 Meter Steigung, einigen Laufkollegen war das zuviel. Manche hatten sich entkräftet hingesetzt, andere konnten nur noch langsam hochgehen. Auch der eine oder andere Sanitäter hatte zu tun. Wer schon kurz vor einem Wadenkrampf stand, hat ihn hier bekommen. Ich hab meine Reserven ausgecheckt und bin hochgerannt um dann den letzten Kilometer weiter in Richtung Stadt zu sprinten.
Da war es regelrecht am Brodeln, die Zuschauer haben uns unfassbar angefeuert, sowas hab ich wirklich noch nie erlebt!
Nur noch eine kleine Steigung, den Boulevard Noord hoch, und plötzlich war ich im Ziel!
01:43:38 … das konnte ich fast nicht glauben … Ich war nicht nur weit unter den 2 Stunden, sondern „nur“ 10 Minuten hinter meiner Halbmarathon-„Trainingszeit“.
Überglücklich hab ich mir beim Austraben noch ein Getränk abgegriffen, die Medaille überreicht bekommen und mich einfach nur noch gefreut!

Danach zügig in das beheizte Umkleidezelt um die nassen Klamotten vom Leib zu bekommen, anschliessend gab es noch eine Portion Fritten (muss ja) und dann zum Pendelbus. Schnell weg bevor die Mehrzahl der später eintreffenden Läufer auch weg will.
Auch bei der Abreise übrigens eine super saubere Organisation, nach 20 Minuten waren wir beim Auto in Alkmaar und es ging ab nach Hause.
Der Wettstreit-Gewinner Azmeraw Mengist (ETH) ist übrigens mit 1:03:01 durchs Ziel, der Recreatie-Gewinner Marcel Wouters (NL) mit 1:12:55. Die Latte liegt also schon ziemlich hoch. Meinen Respekt für so eine Leistung bei solchen Bedingungen. Ergebnisse gibts hier.

Alles in allem war Egmond ein aufregendes Erlebnis mit hohem Spaßfaktor und ein nächstes mal kann ich mir sehr(!) gut vorstellen, jetzt weiß ich ja wie sich diese Strecke läuft.
egmond
r

Das Laufjahr 2014

Das vergangene Jahr war gut zu mir. Privat, beruflich, beim Laufen und auch sonst so. Ok, den Jüchtlauf und den Marathon in Essen musste ich ausfallen lassen. Einmal wegen schlimmer Erkältung (die einzige übrigens dieses Jahr) und einmal wegen einer Sehnenüberreizung am Sprunggelenk. Aber deshalb klagen? Nö. Dafür gab es zu viele neue, gute und interessante Dinge, Veränderungen und Entwicklungen.
Anfang des Jahres war ich noch überwiegend mit „normalen“ Laufschuhen unterwegs, Mizuno Wave Aero und Ronin, hab auch den einen oder anderen Volkslauf und die Marathon Firmenstaffel damit gemacht. Aber irgendwie hat es mich immer mehr gestört wie eingesperrt sich meine Füsse gefühlt haben. Nach den Läufen war ich jedesmal froh aus den Schuhen rauszukommen und hab immer öfter eine Barfuss-Einheit hinterher gelegt, einfach so, um die Füsse zu entspannen und weil es gut getan hat. So langsam dämmerte mir: „… deine Schuhe waren immer gut zu dir, aber vielleicht ist es an der Zeit mal was neues zu probieren“ … und dann ging eine interessante „Transformation“ los…
Im April hab ich prinzipiell wieder von vorne angefangen, als erstes mit der Frage: Was will ich überhaupt? Verletzungsfrei und zufrieden laufen. Und bei den paar regionalen „Wettkämpfen“ die ich mitmache, eine für mich adäquate Zeit hinlegen. Und ich will leichtere Schuhe …
Zum Glück ist der Trend zu Minimalschuhen und (neudeutsch) „natural running“ nicht mehr wirklich neu und es gibt viel Auswahl an Schuhen und Tipps. Vor allem aber gibt es unfassbar viel zu lesen, Blogs, Zeitschriften, Bücher, … nein, eigentlich gibts viel zu viel zu lesen. Mit dem Resultat: Ein gewaltiger Overkill an Halbwahrheiten und die wirklich nützlichen Informationen sind dann doch eher rar, bzw. die ganz einfache aber bittere Erkenntnis für mich lautete: dein bisheriger Laufstil ist scheisse. Genau. So einfach. Also ran an ein neues Trainingsverhalten.
Neue Schuhe mussten also her. Meine Erfahrungen mit den Nike Free waren nicht so doll, die wollte ich nicht mehr, die New Balance Minimus hatte ich bereits, aber irgendwie nicht auf dem Schirm es damit mal zu versuchen (hab ich später sehr zufrieden nachgeholt). Vielleicht musste auch einfach was völlig neues her, so als „Befreiungsschlag“. In einem Blog bin ich über Inov-8 gestolpert, Schuhe mit minimaler Dämpfung und wenig Sprengung. Eigentlich Trail-Experten, aber die haben auch ultraleichte und ausgefuchste Laufschuhe am Start. Der Bericht hat mich regelrecht angefixt und ich es wurden ganz schnell blind ein paar paar bestellt (f-lite). Zum Glück passten die Dinger wie angegossen, das hätte auch anders kommen können. Kaum ausgepackt, gings ab auf die Strassen und: Wow! Leicht, direkt, beweglich, griffig und trotzdem genug Freiheit im Schuh dass der Fuss sich relativ natürlich bewegen kann. Das war nur der Startschuss, es kamen noch ein paar, noch minimalere, Inov-8 Schuhe dazu, die Road-X-Treme 138 wurden ganz schnell meine Favoriten. Einige Experimente mit anderen Schuhen sind in die Hose gegangen (Newton, Brooks), aber nicht schlimm, Ebay hilft bzw auch Rückgabe war möglich. Wer hier mitliest, weiß dass seit einigen Wochen auch Fivefingers mit dabei sind und ich nach anfänglicher Skepsis in kürzester Zeit wirklich sehr(!) angetan davon war und bin. Wahrscheinlich werden das meine Favoriten für lange ruhige Läufe.
Es folgten aber auch immer mehr gezielte Barfuss-Einheiten, mehr lange Läufe statt immer nur die 10 bis 15 Kilometer runterzukloppen, mehr Abwechslung (Trails) und auch eine leichte Ernährungsumstellung. Der letzte Teil war am einfachsten, da Junkfood eh nicht so mein Ding ist.  Das wirkliche Tolle ist, diese Veränderungen machten und machen Spaß, da kommt wirklich was bei rum. Am besten gefällt mir die Umstellung weg vom Fersenläufer, hin zum MIttelfuss. Das passiert unweigerlich wenn man Barfuss oder mit „zero drop“-Schuhen trainiert. Vorsicht: bitte langsam anfangen, da werden Muskeln aktiv, von denen wusstet ihr überhaupt nicht dass es sie gibt. Wer zu schnell zu viel will, bekommt den Muskelkater seines Lebens in den Beinen. Aber die Mühen und die notwendige Geduld lohnen sich, das „natürliche Laufen“ (Vorder-/Mittelfuss, kleinere Schritte, Ausdauer) ist effizient und macht richtig Spaß.
Fazit: Ich bin tatsächlich ohne grosse Anstrengung schneller geworden, laufe mittlerweile regelmäßig Einheiten von 25 bis 30 Kilometer (oder auch mal mehr) und habe mehr Spaß denn je am Laufen. So kann’s weitergehen :-)

Kleine 2014-Statistik noch am Ende:
2.320 gelaufene Kilometer in 176 Stunden
… mit Zeitmessung. Keine Ahnung wieviel ich ohne Uhr unterwegs war.

Noch ein LaufBlog?

Naja, nicht ganz. Oder konkreter: so ganz neu ist das hier jetzt nicht. Das „Original“ gibts schon ein paar Tage, allerdings nicht als WordPress Blog, sondern im dezentralen und sicheren Netzwerk „Hubzilla“ (dt.).
Alle (öffentlichen) Beiträge ab dem 01.01.2015 erscheinen nun auch hier.

Aber wieso denn jetzt mit WordPress?
Das ist eigentlich nur ein Experiment … Von meinem Hubzilla LaufBlog aus kann ich mittels Crosspost Plugins meine öffentlichen Beiträge automatisch ins WordPress Blog übertragen (oder auch umgekehrt), inklusive der Kommentare.

Und was soll das bringen?
Viele LaufBlogger nutzen nun mal eher WordPress als die Hubzilla und sind vertraut mit den WP-Kommentarfunktionen.
… vielleicht schaut ja mal einer vorbei 🙂