Laufen




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"Laufen: Geschichte einer Leidenschaft" von Bernd Heinrich war mein erstes Laufbuch. Und was soll ich sagen, es immer noch mein liebstes Buch aus diesem Genre.
Falls es jemand nicht kennen sollte: Lesebefehl.
Heinrich ist keiner dieser modernen Lauf-Popstars, sondern ein sehr analytischer und authentischer Typ. Seine Gedankengänge und Ableitungen um ausdauernd laufen zu können, finde ich nach wie vor super interessant, auch wenn viel davon wirklich nur bei den jeweils beobachteten Tieren funktioniert. Trotzdem kann sich der laufende Mensch eine Menge aus den einzelnen Kapiteln rausziehen, an Physik und biologischen Vorgängen ist nunmal nix zu rütteln. Ohne bestimmte Grundlagen können wir nicht ausdauernd laufen.
Besonders sympathisch an ihm ist mir immer noch, dass er so ein völlig unaufgeregter Typ ist. Und das spiegelt sich wunderbar in dem Filmchen wieder, ohne Allüren, sondern einfach nur ein leidenschaftlicher Läufer.
Gleichmäßig atmen, den Körper permanent gut mit Sauerstoff versorgen, das hab ich in der Tat von Bernd Heinrich gelernt.

Gut so

Es ist schon wieder passiert. Statt der geplanten 10km war ich vorhin knapp über 22km unterwegs. Und das obwohl die vergangenen Tage beruflich ziemlich "intensiv" waren und ich letzte Nacht dann auch nur drei Stunden geschlafen hab. Beim Starten war ich mir nicht mal sicher ob die geplanten 10km überhaupt drin sind. Und dann lief es. Einfach so. Weil die Stimmung draussen während der einsetzenden Dunkelheit so klasse war, weil es trotz ende Oktober immer noch möglich ist mit Shorts und leichten Shirt zu laufen, weil der Mond über den dunstigen Horizont kriechend mich begleitet hat, weil ich meine Stirnlampe dabei hatte und einfach so irgendwelche unbeleuchteten wirren Wege laufen konnte, weil ich trotz Dunkelheit und Müdigkeit meine Portion Freiheit intensiv genossen habe. Mir gehts einfach gut.

Begegnungen

In der Stadt Düsseldorf seine Runden zu laufen, hat immer eine gewisse Anonymität. Obwohl der Rheinländer an sich wirklich freundlich ist, bringen es sehr viele Stadttläufer schlicht und einfach nicht fertig, wenigsten mal zu lächeln wenn man sich begegnet. Ignoranz ist die Regel. Ok, ich laufe für mich alleine und im Rahmen von Lauftreffs mag das anders sein, aber oft bin ich echt verwundert was mit den Leuten los ist. Es geht scheinbar eher darum die schicken (und teuren) Sportklamotten auszutragen und das Technikgeraffel zu zeigen, das dann natürlich auch nur bei schönem Wetter. Wenigstens mal ein freundliches Lächeln kann doch drin sein. Aber egal, jeder wie er mag. Immerhin, wenn das Wetter ungemütlicher wird, dann ist die Gruß-Quote schon wesentlich höher, bzw. da "kennt man sich". Die paar Irren die dann noch laufen, wissen immerhin was es heißt den Winter durchzuziehen.
Bei meinen langen Läufen ist das alles etwas anders, egal zu welcher Jahreszeit. Ich laufe üblicherweise sehr weit raus aus der Stadt und begegne in der Pampa nur wenigen Menschen. Aber sollten Läufer dabei sein, dann wird nicht nur gegrüßt, sondern da gehen immer auch ein paar nette Worte hin und her.
Letzte Woche zum Beispiel, es regnete und ich hab einen älteren Herren überholt der in schönem Schlappschritt sein Ding durchzog. Er konnte sich nach freundlichem Gruß eine kleine Bemerkung nicht verkneifen: "Hey Jungspund! Nicht so schnell!" … ich hab also etwas gedrosselt und bin eine kleine Weile mit ihm gelaufen. Ein Marathonläufer seit Jahrzehnten, aber jetzt im Alter da macht man keine Hektik mehr und wenn man noch so jung wäre wie ich, da ginge so was ja noch und schön dass man hier draussen im Regen mal jemand begegnet, an der nächsten Kreuzung würde er dann nach Hause traben, zu nass heute, die Knochen schmerzen. Ich bin grinsend alleine weiter durch den Regen, klasse Typ.
Oder der Typ der mir ziemlich regelmäßig an beiden Rheinufern entgegenkommt. Schrullig bis zum Anschlag, Nickelbrille, fürchterlicher Laufstil aber der läuft mit Sicherheit wesentlich längere Distanzen als ich, ein richtiger Nerd. Und er grüßt immer sehr freundlich.
Aber es gibt auch andere schöne Begnungen. Gestern zum Beispiel hat mich ein etwas älteres Paar spontan über einige Kilometer mit dem Fahrrad begleitet, die waren zurückhaltend neugierig weshalb zum Teufel jemand freiwillig 35 Kilometer rennt. Ich wurde nicht zugequatscht und musste selbst auch nicht viel reden, es war einfach eine nette Begegnung und "er" hat sich bei der Verabschiedung dann auch fest vorgenommen mal wieder die Laufschuhe anzuziehen, unter großem Zuspruch seiner Frau ("aber 5 Kilometer reichen auch").
Einmal ist einem Rennradfahrer aufgefallen dass ich nichts zu trinken dabei hab und er bot mir ein Schluck Wasser an. Oder die nette Dame mit zwei ungestümen Hunden, denen angedroht wurde, wenn sie nicht ruhig sind, dann müssten sie mit mir mitlaufen. Besonders in Erinnerung ist mir die tierische Begegnung mit einem kleinen Falken an einem sehr windigen Tag geblieben. Der sah mich von weitem, flog plötzlich zu mir und segelte über mehrere hundert Meter entspannt sehr dicht neben mir her, um ganz frech den Windschatten auszunutzen und mich dabei neugierig zu beäugen. Kluges Tier.
Bei fast jedem langen Lauf gibt es irgendeine mehr oder weniger schräge Begegnung, aber eben nur ausserhalb der Stadt.
Auch deshalb laufe ich wirklich gerne alleine am Rhein entlang, tobe durch den Grafenberger Wald oder renne durch die grüne Umgebung. Es kommt zu authentischen, freundlichen Begegnungen. Und die machen nicht nur Spaß, sondern wirken vor allem noch sehr besonders nach.

Grau und kalt?

Die Tage werden spürbar kürzer, das Laub fällt von den Bäumen, meine Abendrunden drehe ich mittlerweile wieder im Dunkeln und seit gestern sind die etwas wärmeren Klamotten im Einsatz. Bei Temperaturen unter 6-7°C ist es vorbei mit Shorts und kurzen Ärmeln, ok bei praller Sonne würde ich das auch noch ausreizen, aber nicht bei Dunkelheit und Nieselregen.
Für viele andere beginnt jetzt die Zeit in der es schwerer fällt sich zu überwinden rauszugehen um den Laufplan durchzuziehen, für mich beginnt ehrlich gesagt eine besondere Wohlfühl-Zeit, Schweinehunde kenne ich beim Laufen nicht.
Ich freue mich über die kühlende, frische Luft um mich herum und darauf dem Wetter ausgesetzt zu sein. Sommer und Wärme sind toll und ich geniesse es sehr einfach nur Shorts und Shirt anzuziehen, aber jetzt möchte ich verdammt nochmal Herbst und Winter haben. Und auch mal Regenschauer, Sturm und später dann Schnee und Eis.
Das gehört alles dazu.
Im März werde ich dann dem Frühling entgegenfiebern, ganz sicher.

Ganz einfach

Laufen, atmen, das eigene Tempo finden und dabei bleiben.
So mach ich das.
Egal ob 10 Kilometer oder 25 oder wievielauchimmer, wenn der Rhythmus da ist, dann fliesst alles. Normalerweise brauche ich etwa 7 Kilometer bis "es läuft", manchmal gehts schneller, manchmal dauert es länger. Aber klappt eigentlich immer, auch wenn die Laune am Boden ist (hat sich dann erledigt) oder zu viele Gedanken mich davon abhalten wollen. Und dann gibts Tage wie gestern, nach 5 Kilometer ein letzter Blick auf die Uhr, es läuft bereits, die Uhr wird ab jetzt ignoriert.
Aus den geplanten 10-12km wurde dann ohne Anstrengungen eine längere Runde über 24km (HM Zeit 1:38:20), anschliessend noch (langsame) 4 Kilometer barfuss.
Wie geht das?
Durch Dranbleiben, durch langsame und geduldige Steigerung von Distanz und Schnelligkeit, durch genaues Beobachten des eigenen Laufstils und entsprechende Weiterentwicklung, durch Training, durch Disziplin.
Also eigentlich alles ganz einfach.

Image/photo

Ohne Ballast

Mindestens einmal in der Woche gebe ich mir einen etwas längeren Lauf, der kann von 21 bis 30 Kilometer lang sein, manchmal sogar mehr, je nach Laune/Wetter/Trainigsstatus. So richtig planen tu ich das eh nie, allerhöchstens nach dem Motto „könnte mal wieder am Rhein laufen“ oder „Grafenberger Wald war ich lange nicht“ und dann gehts los. Wer hier mitliest weiß: minimale Ausrüstung ist angesagt, aber so ein paar Sachen nehm ich normalerweise dann doch mit. Diese schönen Spätsommer/Frühherbst-Tage machen es einem allerdings leicht, sonnige Temperaturen um 14°-16°C passen einfach für leichte Klamotte, irgendwelche Wasserflaschen können getrost zuhause bleiben. Bisher hatte ich zur innerlichen Beruhigung immer noch ein wenig Kleingeld (für Notfall-Fahrkarte) sowie ein kleines Päckchen Rosinen, Datteln oder ähnliches mit. Gestern war mir einfach alles zu viel. Nur Laufuhr und der Hausschlüssel kamen mit. Und dann gings ohne weiteres Grübeln schnell raus aus der Stadt, Richtung Rhein.
Nach ca. 2,5km der erste kurze Geschwindigkeitscheck: 4:15 Pace. Viel zu schnell. … was solls, wird sich schon anpassen.
Da ich es nicht mag de gleiche Strecke hin und wieder zurück zu laufen, versuche ich immer alles irgendwie als Rundkurs zu machen, heißt bei der Rheinstrecke: irgendwann gibts kein Zurück mehr, weil schlicht und einfach die Brücken fehlen. Hätte mich dieses Tempo irgendwann gerissen, dann wärs halt so, dann hätte ich eben zu Fuss nach Hause gehen müssen. Irgendwie passte aber einfach alles und ich bin mit guter Laune weiter, schnell an der letzten „Umkehrmöglichkeit“ vorbei. Bei ca. km10 der nächste Blick auf die Uhr: 4:32, na bitte, geht doch das nach Gefühl laufen. Irgendwann gehts dann entspannt die Flughafenbrücke (A44) hoch, da flackerte kurz der Gedanke auf „meine Güte, es gab früher mal Situationen auf dieser Strecke, da hatte ich bereits einen Energieriegel und 0,5l Wasser intus“ … und da war ich langsam, übervorsichtig, fast gestresst beim Gedanken noch mindestens 10 Kilometer als Rückweg leisten zu müssen. Seitdem hat sich scheinbar sehr viel geändert in meiner Grundeinstellung zum Laufen. Diesmal hab ich mir einfach noch einen kleinen Schlenker gegönnt, jetzt schon nach Hause? Nö.
Weiter gings mit Rückenwind, einmal kreuz und quer durch die Felder, dann wieder zum Rhein, am Wasserwerk vorbei. Dort ist der kleine beliebte Trinkbrunnen an dem ich gerne stoppe, diesmal konnte er mich allerdings nicht locken. Blick auf die Uhr: 4:40 … krass. Noch 6 Kilometer… Zuhause angekommen waren es dann schließlich etwas über 23 Kilometer in 1:44:30, das heißt, ich bin meine bisher beste Halbmarathonzeit gelaufen (1:36:30). Einfach so. Ohne Plan. Ohne Wasser, Energiefutter oder „Versicherung“.
Wenn ich ständig daran erinnert werde, „notfalls“ ja zum Energiefutter greifen zu können, dann mach ichs wohl auch. Aber ohne Ballast läuft es sich einfach leichter, auch ohne mentalen Ballast. Da bleib ich mal dran.

Camino?

Die letzten 14 Tage habe ich öfter mal in Richtung einiger Steine gezeigt und fremden Menschen folgende leicht zweifelnde Frage gestellt: „… Camino?“ und bekam immer als Antwort: „Si! Camino.“
Wer als Flachlandläufer im Norden Teneriffas über die Felsen tobt, kann sich auf die Ortskenntnis der Kanarier verlassen, muss sich aber im Klaren darüber sein, dass der Begriff „Weg“ etwas variabel sein kann.
Camino:

Wir hatten diesmal bewusst keinen Strandurlaub gebucht, sondern uns in einem kleinen etwas abgelegenen Häuschen an einer 50 Meter hohen Klippe eingemietet. Von dort aus bin ich dann früh morgens fast täglich losgerannt und hab zwangsläufig etliche Höhenmeter wegstecken müssen, egal in welche Richtung. Am Anfang eine echte Quälerei (die schöne Gegend hat es mir aber versüsst), später eine immer tollere Erfahrung. Ich kann die Begeisterung der Trail-Läufer nun durchaus verstehen und beneide wirklich jeden der in einer ähnlichen Umgebung lebt und über Felsenpfade und kruden Wegen laufen kann.
Von irgendwelchen Bestzeiten hab ich mich direkt am ersten Tag nach nichtmal einem Kilometer keuchend und relativ emotionslos verabschiedet, darauf kam es mir einfach nicht an.
Viel spannender war es neue Wege zu erkunden, schmale Pfade auf oder ab zu rennen, zwangsläufig kleine Kletterpartien einzubauen und auch die Zeit zu nehmen ein paar Minuten an einer Klippe rumzusitzen. Es gab natürlich nicht nur grenzwertige Caminos, sondern auch schöne Wanderwege, aber wie das so ist, plötzlich macht es Abseits auf den kleinen unscheinbaren Pfaden viel mehr Spass. Ich war nach Eingewöhnung durchgehend sehr entspannt und zufrieden unterwegs, hab die Wege genommen wie sie kamen und die Landschaft genossen. Jeder Lauf wurde aber auch wie gewohnt per Gamin-Uhr aufgezeichnet, allerdings mehr aus Neugier für hinterher, um zu sehen wo ich so unterwegs war.
Vor der Reise hatte ich übrigens lange gegrübelt, welche Schuhe unbedingt mitmüssen, drei Paar sind mit auf die Reise gekommen, letztlich bin ich dann die ganze Zeit mit den New Balance Minimus gelaufen und das war auch verdammt gut so. Einfach perfekt für die Bedingungen.

Nun wieder zuhause und mein heutiger Lauf ging etwa eine Stunde lang durch Düsseldorf und seine Parks. Die paar kleinen Steigungen hier hab ich nicht weiter wahrgenommen.

In der Früh, am See

Auf Reisen sind die Laufklamotten immer dabei, spielt keine Rolle ob zwei Tage unterwegs oder ein paar Wochen, der Platz dafür ist frei. So sehr ich die heimatlichen Runden auch geniesse, woanders zu laufen hat nunmal einfach einen besonderen Reiz. Dann ist mir auch fast egal ob ich nur 5km durch Brügge renne, 15km in Scheveningen am Strand oder durch Berlin auf gut Glück ohne Uhr, hauptsache: einfach machen.
Letztes Wochenende hatte es mich nach Zwenkau (südlich von Leipzig, im Neuseenland) verschlagen, zum diesjährigen „Friendica User und Developer-Treffen“. Und nachdem ich im Vorfeld bemerkte, dass der Zwenkauer See fast genau Halbmarathon Distanz bei einer Umrundung misst, war der Gedanke natürlich da, dort einmal rumzulaufen. Das hat allerdings leider nicht geklappt, da auf halber Strecke eine ausgedehnte Baustelle mit Komplettsperrung lag, aber trotzdem bin ich eben soweit es dann ging am Ufer gelaufen und hab die 12 Kilometer (von den Insektenschwärmen abgesehen) wirklich sehr genossen. Ausnahmsweise kam das Phone mit auf die Strecke, ich wollte gerne von der anderen See-Seite aus ein Foto des Veranstaltungsortes machen. Und weil das Teil dann nunmal eh da war, hab ich auch zwischendurch ein paarmal mehr draufgedrückt.
Es war noch sehr früh, es war still, es war einfach schön.
Bitte sehr:

Un-/Vernunft

Wadenzerrung!! Schönes Wort. Müsst ihr mal richtig laut rausbrüllen. Und das R dabei rollen. Klasse.
Ich hatte mir vor etwa drei Wochen so eine wunderbar schmerzhafte Zerrung zugezogen und weiß bis heute nicht so genau wie das passieren konnte (Kilometer 27, den Jungspund da vorne den pack ich noch, bergauf, egal, autsch! Egal, den pack ich! Auuutsch! Egal, den pack ich!!! Gepackt! Auuuuua!!).
Resultat: nach Hause humpeln, sofort kühlen und so weiter, ihr kennt das (PECH Regel). Nach der Unvernunft trotz erkannter Schmerzen weiterzulaufen, folgte die Vernunft. Ja ehrlich. Es steht noch einiges an dieses Jahr, das wollte ich nicht gefährden, also wurde konsequent für zehn Tage das Laufen eingestellt, viel massiert, gesalbt, gehegt und gepflegt. Danach hab ich sehr langsam und nur barfuss wieder angefangen. Also wirklich langsam, nur jeweils ein paar hundert Meter im Schneckentempo. Das erste mal dann 5 Kilometer schmerzfrei war fast so ein gutes Gefühl wie nach einem offiziellen Rennen durchs Ziel zu laufen. Auf anderen Lauf-Blogs lese ich ab und zu was passiert wenn man nach einer Verletzung zu schnell wieder auf die Piste möchte… man kann diese blöden Erfahrungen selber machen oder einfach auf die mahnenden Worten der Kollegen hören. Ich bevorzuge zweiteres. Seit einer Woche renne ich also wieder als wäre nix gewesen. Barfuss oder Schuhe, egal, alles wieder gut. Es geht immer weiter. So macht das Spaß.

Wetter ist klasse!

Ob Regen, Schnee, Hitze oder was auch immer, mir persönlich macht das Laufen unter widrigen meteorologischen Bedingungen wirklich Spaß. Nicht um mich zu beweisen oder so, sondern weil Wetter schlicht und einfach unbestechlich ist. Das ist dann halt so. Das gehört so. Kannste nicht ändern. Ja klar, einfach zu Hause zu bleiben wäre eine Möglichkeit, aber ernsthaft… wieso?!
Ich mache ganz einfach immer das beste daraus, renne los und freue mich über was auch immer passiert.
Heute zum Beispiel fegte ein nicht grade zimperlicher Sturm mit fetten Orkanböen über das Rheinland und auf meinem Lauf-Plan stand "Langer Lauf". Also raus, muss ja.
Die gewohnten Strecken kamen allerdings nicht in Frage, da hätte ich mich auf dem Rückweg mit dem vollen Brett Gegenwind auseinandersetzen müssen, muss ja nicht unbedingt sein. Also einfach mal eine neue Strecke versuchen und vom Start an mit Gegenwind laufen, dafür aber später mit Rückenwind.
Mit wirklich fordernden Orkanböen von vorne ging es dann also über über die Oberkasseler Brücke, an der (wegen Sturm geschlossenen) Kirmes vorbei, am Rheinufer entlang zum Hafen Neuss, weiter nach Neuss, dann über die Kardinal-Frings-Brücke, zurück am Rheinufer über den Medienhafen zur Altstadt (die Promenade war teilweise auch geschlossen) und wieder ab nach Hause.
Eigentlich eine überraschend gute Laufstrecke, geht zwar viel durchs Gewerbegebiet und den Neusser Hafen, aber eben auch sehr lange schön "durchs Grüne" am Rhein entlang.
In Neuss fing es heftig an zu regnen, ich war in Sekunden völlig durch, nicht zu ändern, ist dann eben so. Der Weg machte eine weite Kurve und dort kam mir ein anderer unerschrockener Läufer entegegen, sieht mich und lachte lauthals los: "Alter! Scheiss auf den Regen! Ich hab Gegenwind!!" Tja, korrekt erkannt. Hab ihm noch einen schnellen Lauf nach Hause gewünscht und bei mir ein wenig das Tempo angezogen. Vom dort an ging es fast nur noch mit Rückenwind weiter und das hat natürlich richtig Spaß gemacht. Irgendwie war das die Belohnung für die erste Streckenhälfte mit dem fiesen Dauersturm von vorn.
Nach fast genau 25 Kilometer (und fast genau 2 Stunden) stand ich dann schliesslich klatschnass und zufrieden wieder vor der Haustür. Die Strecke werde ich wohl öfter mal laufen, hat mir gut gefallen.
Übrigens war ich seit längerer Zeit mal wieder mit den Saucony A6 unterwegs, ziemlich ideal bei diesem nassen Wetter, das Wasser läuft einfach durch die Drainagen wieder raus, aber so richtig Freunde sind wir immer noch nicht.