Hitzelauf in Himmelgeist

Am bisher heißesten Tag des Jahres einen Halbmarathon laufen? Ganz schön bescheuert könnte man meinen. Ganz so schlimm war’s dann zum Gück nicht, aber auch nur dank der vorzüglichen Organisation des LG-Himmelgeist und der vielen Helfer die eine zuverlässige Wasserversorgung sichergestellt haben.
Der Himmelgeister Halbmarathon ist an sich schon eine sympathische Veranstaltung, alles familiär-professionell, freundlich und unkompliziert. Hier gehts ganz klar nicht ums Geld verdienen, sondern um den Spaß am Laufen. Und auch die Bewohner des kleinen Himmelgeist (im Süden von Düsseldorf) haben offensichtlich grossen Spaß an der Veranstaltung. Da fallen plötzlich knappe tausend Menschen mit Laufschuhen über das Dorf her, aber alle bleiben sehr cool und freundlich. Und abgesehen von anfeuernden Grüppchen, haben viele Anwohner während des Laufs sogar mit Wasserduschen an der Strecke für Abkühlung gesorgt.
Zum Start um 8 Uhr hatten wir knappe 28°C. Zuerst musste noch ein Linienbus durchgelassen werden (inklusive Applaus), dann gings los. Die Strassen sind für die Veranstaltung nicht wirklich gesperrt, aber alle Verkehrsteilnehmer nehmen vorbildlich und geduldig Rücksicht.
Die Strecke geht raus aus Himmelgeist, am Rhein lang, nach ca. 4km über die Fleherbrücke auf die andere Rheinseite, schattig wieder am Rhein entlang bis zur Südbrücke (nach etwa 12km), drüber auf die andere Seite und zurück am Rhein nach Himmelgeist. Wegen der Hitze hatten vorsichtige Läufer bereits an der Fleherbrücke die Gelegenheit umzukehren und eine 11,5km Strecke zu finishen. Wieviel das dann genau waren, weiß ich nicht, rein rechnerisch so ca. 30. Wurde also wahrgenommen und war damit eine durchaus sinnvolle kurzfristige Anpassung.
Ganze neun Verpflegungspunkte gibt es, das ist vorbildlich, grade bei so einem Wetter. Etwa 7 Kilometer gings durch die pralle Sonne, nachdem die Temperaturen bereits geklettert waren. Der gleichmäßige und noch angenehme Wind hat zumindest etwas für Kühlung gesorgt. Nach dem üblichen Startfeld-Gedränge hatte sich das Feld übrigens recht schnell aufgelöst, ich bin auf dem Rückweg weite Strecken fast alleine gelaufen. Das ist eins der (vielen) schönen Dinge bei diesen „kleinen“ aber feinen Veranstaltungen: limitierte Teilnehmerzahl im übersichtlichen Bereich (ca. 800). Selbst im Ziel hatte ich keinen „Sparringpartner“ für ein kleines Schlussduell und bin dann entspannt alleine über die Linie getrabt.
Meine Zielzeit: 1:41:36 (4:49 Pace), Platz 62 in der Herrenwertung, 10 in meiner Altersklasse, völlig ok für mich unter den Bedingungen (waren es 32°C im Zielbereich?).
Für die Lauf-Nerds: ich hab weder Gel noch sonstwas Zuckeriges während des Laufs zu mir genommen und nichts getrunken. Nur an jedem VP den Mund ausgespült und den Rest über den Kopf geschüttet. Und einen stets feuchten Schwamm dabei gehabt, der war Gold wert! Also einfach den Kopf/Körper kühl gehalten und kein Blubberbauch gehabt. Top. An den Füssen hatte ich wieder die geliebten Inov-8 Road-X-Treme 138.
Image/photo

Handfest war übrigens die Duschmöglichkeit nach dem Lauf: Ein Wasserschlauch an einem Trecker!! 🙂
Und wisst ihr was? Danke dafür! Ich hätte überhaupt keine Lust gehabt unter eine normale Dusche in einem evtl. auch noch stickigem Zelt zu gehen. Die Treckerdusche war dagegen eine Wohltat und es sind zudem noch lustige Gespräche zustande gekommen.
Treckerdusche

Fazit:
Ich hatte ganz einfach einen wirklich tollen Vormittag und bin froh endlich mal diesen schönen Halbmarathon mitgelaufen zu sein. Zumal dieser „Hitzelauf“ ein wunderbares Kontrastprogramm zum nicht minder schönen aber arschkalten und sturmgepeitschten Egmond Halbmarathon im Januar war.

Kurz geht auch

Wir sind am 25.06. recht spontan mit einem kleinen buntgewürfelten 4er Team in Düsseldorf beim 7. RUN4iDEAS Firmenlauf an den Start gegangen. Einfach so, aus Spaß und weil es für uns wirklich um die Ecke ist. Der Lauf hat nur eine 6,1km Distanz, die Strecke läuft überwiegend schön flach am Rhein entlang, einmal ums Messegelände und wieder am Rhein zurück.
Vom Traumwetter mal abgesehen, war die Veranstaltung sehr gut organisiert, freundliche Helfer, alles erreichbar. Ich hab noch nie so viele Bananen auf einem Haufen gesehen und zu trinken gabs auch vor dem Lauf schon reichlich (keine Selbstverständlichkeit). Am Abend folgt immer noch eine beliebte und ausschweifende Party, die hab ich mir allerdings gespart.
Der Startbereich wurde in drei Startblocks nach Pace aufgeteilt: 4:30 oder schneller, 4:30 bis 6:00 und langsamer als 6:00.
Wir haben uns gemeinsam mittig in den "4:30 oder schneller"-Block aufgestellt, ich bin aber noch etwas weiter nach vorne, wollte nach dem Start möglichst schnell dem ewig nervigen Startblockgerempel entgehen.
Für mich war das was nach dem Start folgte, dann mal eine Erfahrung völlig anderer Art: wie läuft man denn so eine Distanz vernünftig? Alles über 10km kann ich gut planen und weiß wann was möglich und nötig ist, aber 6,1km? Noch nie gemacht.
Die Entscheidung war dann ziemlich pragmatisch: gib alles! Also bin ich beim Startschuss (ok, es gab keinen Schuss, sondern "nur" einen Countdown) ganz einfach sofort losgeprescht, mit nur einem Hintergedanken: unterwegs improvisieren ist angesagt. Kann ich.
"Gib alles" ist für einen Läufer ohne Sprinterfahrung eine echte Herausforderung wie ich relativ schnell bemerken musste. Gestartet mit einer 3:40er Pace, war nach gut 3km ein wenig die Luft raus und ich hab mich bei 4:10 eingependelt. Die wollte ich dann aber auch beibehalten und habs die restliche Strecke auch so durchgezogen. Auf einem 30km Lauf kann man mal "rumtrödeln", bei 6 Kilometern zählt aber irgendwie jede Sekunde, also ab dafür, nur nicht schwächeln.
An der gesamten Strecke wurde mächtig angefeuert und Party gemacht, das pusht natürlich noch etwas, und es gab immer irgendeinen schnellen Läufer, der als ungewollter Pacemaker herhalten musste (und dann überholt wurde). Den VP bei km3,3 hab ich links (oder war’s rechts?) liegen gelassen, ebenso einige feurige Typen die mich vorher überholt hatten und nun nicht mehr konnten. Über die letzten 500 Meter wurde obligatorisch nochmal Vollgas gegeben und ich bin mit 24:47 durchs Ziel gerannt. Das macht eine Durchschnitts-Pace von 4:03, die mag für "5k-Sprinter" zwar lächerlich klingen, für mich ist das tatsächlich eine Superleistung.
In Summe: Platz 70 (von 3816) in der Einzelwertung, Platz 42 (von 405) für unser Team. Das ist anständig. Was hätte man da noch rausholen können, wenn wir mal gemeinsam trainiert hätten? Aber was solls, das ganze war als Spaßlauf gedacht und den hatten wir auch, alle vier waren (sind!) sauzufrieden und abgesehen davon dass sich meine GPS-Uhr im Zielbereich aufgehängt hat, war alles wirklich superrund. Nächstes mal bin ich gerne wieder mit am Start

Life’s hard – run harder

… steht auf den Sohlen der Saucony A6.
Find ich gut.
A6
Bin jetzt erst 25km damit gelaufen, werde nach über 200km vielleicht mal etwas ausführlicher berichten.
Bisher: gute Passform, aber fast zu schmale Zehenbox, dafür richtig schön luftig und leicht. Die Drainagelöcher sind Steinchensammler, hält sich aber im Rahmen. Die Schnürung ist ok, Qualitativ gibts generell nix zu meckern, alles gut durchdacht und gut verarbeitet.
Ich hab übrigens Strassenschuhgröße 43, laufe normalerweise mit 44,5, musste hier aber 45 nehmen, die fallen also durch die schmale Bauweise eher klein aus.
Mir fehlt beim Laufen die mittlerweile gewohnte Direktheit der Minimalschuhe, die Dämpfung ist fast zu stark. Genau das könnte allerdings ein Trumpf bei Langstrecken sein, darauf lege ichs jetzt an.
Also: als Alternative zu den Road-X-Treme leider nicht geeignet, aber Freunde werden wir trotzdem.

Nichts hält ewig

Die „Lieblingsschuhe“ sind ein Läufer-Thema ohne Happy End. Wenn man/frau dann endlich nach vielen Experimenten die passenden und „einzig wahren Laufschuhe“ gefunden hat, dann ist es mit Sicherheit ein Auslaufmodell. Mit Ansage. Die verdammte Schuhindustrie denkt nicht im geringsten daran, dass jede neue Schuhgeneration die Kundschaft zur Verzweifelung bringt. Manchmal sinds nur kleine „tolle neue technischen Weiterentwicklungen“ und als Läufer arrangiert man sich damit, dass der gestern noch vertraute Schuh heute plötzlich ein Fremder ist. Aus Gewohnheit nimmt man dann halt doch wieder das bekannte Modell, mit der Nachfolgenummer, sicher ist sicher, immerhin schmerzen die Knie schon lange nicht mehr. Manche Nachfolgemodelle sind allerdings Lichtjahre von der Qualität der Vorgänger entfernt, eine Odyssee beginnt, ein Vorgänger-ähnlicher Schuh muss gefunden werden, die Ollen halten höchstens noch 20 Kilometer, die Experimente beginnen von vorne.
Und der Super-Gau: gerne wird ein Modell einfach nicht mehr hergestellt! Da brechen Welten zusammen! Alles von vorne, Testberichte lesen, Freunde befragen, in Blogs stöbern … welcher Neue ähnelt meinem Lieblingsschuh? Und wo bekomm ich den? Und was kostet der? Oder finde ich noch irgendwo ein Paar meiner alten Lieblinge?
An dem Punkt war ich letztes Jahr, als ich die Online-Dealer meines Vertrauens nach einem Ersatzpaar Road-X-Treme 138 durchstöberte und nicht mehr fündig wurde. Inov-8 hat mir auf Nachfrage bestätigt dass das Modell nicht mehr hergestellt wird, aber noch ein paar in meiner Größe am Lager liegen. Ich hab dann einfach mal drei Paar gekauft und davon vor ein paar Tagen den letztem Karton öffnen müssen. Die Schuhe sind einfach super, leicht, minimal, tolle Passform, wie für mich gemacht. Durch die wirklich leichte Bauweise halten die (schätzungsweise) 800 Kilometer, ich tracke das nicht, kann also abweichen. Die Sohle würde länger halten, aber das Mesh-Gewebe löst sich in den beanspruchten Zonen (bei mir die Zehenbox) irgendwann auf. Damit kann man noch laufen (mach ich auch), aber die Stabilität leidet irgendwann merklich. Meine Schuhe werden gelaufen bis es nicht mehr geht, ich achte nicht auf Kilometerempfehlungen oder Schuhverkäuferweisheiten.
Ok, der letzte Karton ist angebrochen, etwa 150 Kilometer sind schon runter, ich hege und pflege sie, aber irgendwann dieses Jahr werden sie hin sein. Ja, ich hab noch jede Menge anderer Schuhe (siehe Ausrüstung), bzw. mein derzeitiger Schuhschrank passt gut zu mir. Aber die Road-X-Treme 138 hätte ich gerne noch weiterhin dabei gehabt, die haben mir geholfen meinen Laufstil zu verändern, waren der Impuls zum Barfusslaufen, überhaupt wäre die recht zügige Entwicklung weg vom Fersenläufer ohne diese leichten Dinger bei mir nicht so möglich gewesen. Jaja, ein wenig „Nostalgie“ ist natürlich dabei.
Natürlich bin ich ein neugieriger Mensch und teste gerne neue und völlig fremde Modelle, festgefahren sollte ein Läufer nicht sein, ein Nachfolger wird sich also finden, fragt sich nur wann und was. Spannend. Mein Anspruch: flach und leicht, robust, 0mm Sprengung, Strecken über 30 Kilometer müssen drin sein.
Oder vielleicht sollte ich einfach noch viel mehr Barfuss laufen, damit erledigt sich das Thema von selbst.

Zahlen, Daten, Sensationen

Fast alle Läufer sind Zahlenmenschen, Protokollfreaks, Kilometerpedanten, Zeiterbsenzähler, sie nerven ihr nichtlaufendes Umfeld mit Pace und Bestzeiten, Sprengung und Schnürsenkellängen. Und suchen ständig nach neuen Erfassungs-Möglichkeiten des sportlichen Treibens. Es soll wohl Ausnahmen geben, aber in gefühlten 90% aller Lauf-Blog Einträge geht es um Zahlen. So ist das eben mit dem Laufen, ich machs selber auch nicht anders.
Was machen wir mit all diesen Zahlen? Im Protokoll-Tool der Wahl hinterlegen um die eigenen Läufe zu vergleichen, um sich mit anderen zu vergleichen, um Erfolge zu sehen, um besonders schöne Strecke festzuhalten, … es gibt wahrscheinlich für jeden Läufer dutzende guter Gründe. Meine Gründe sind simpel, ich möchte einfach nur meine Leistung für mich greifbar haben. Beim Laufen ist üblicherweise meine GPS Uhr dabei, anschliessend werden die Strecken-Daten auf meinen Rechner übertragen und ich freue oder ärgere mich, je nach Resultat.
Was mich umtreibt: Online oder Offline speichern? Sind wir uns bei der Online-Version immer bewußt wo was gespeichert wird und was mit den Daten passiert? Eddy hat dazu seine Sicht der Dinge geschrieben, dank der vielen Kommentare lerne ich grade noch viel mehr Ansichten kennen und schreibe meinen paranoiden Senf hier nun auch nochmal schnell runter.
Wer mich kennt, weiß daß ich weder Facebook noch WhatsApp oder ähnliches benutze. Bei mir gibts kein Runtastic, Strava oder sonstwas von diesen Apps/Portalen. Meine Laufdaten liegen auf meinem Rechner, offline. Was ich online von mir streue, hab ich ganz gern unter Kontrolle, besonders was mein Privatleben betrifft, also auch meine sportlichen Aktivitäten. Beruflich bin ich sehr mager bei Xing vertreten, das wars dann aber auch. Mein Bilder liegen auf meinem Server, nicht bei Google oder Flickr. Mein WordPress-Blog ist auf meinem Server installiert, wie vieles andere das ich zur digitalen Kommunikation nutze auch. Mein soziales Netzwerk findet über Friendica und Hubzilla statt. Und wer das hier in meinem WordPress-Runlog liest, sollte wissen: das ist bloß ne Kopie 🙂 Mein Orginal Laufblog wird ebenfalls mit Hubzilla realisiert. Dank Plugin verstehen sich WP und Hubzilla ganz wunderbar, sogar die Kommentare werden problemlos synchronisiert. Ich verschlüssele übrigens auch Emails wenn möglich. OwnCloud (bzw WebDav) statt Dropbox, Mailbox.org (und eigener Mailserver) statt Gmail/GMX & Co.  … die Liste ist lang.
Worauf möchte ich eigentlich hinaus?
Noch nie gab es so vielfältige Möglichkeiten seinen eigenen Daten zu erfassen. Daran ist ja erstmal nichts verkehrt und für Sportler ist das eine tolle Möglichkeit zur Leistungskontrolle. Solange alles offline bleibt. Wer seine Daten online bei irgendwelchen Portalen oder Diensten speichert und verknüpft, sollte sich darüber im klaren sein, daß er/sie ggf. viele Risiken eingeht und gehörig die Hose runterläßt.
1. Hast du das Kleingedruckte gelesen? Gehören deine Daten nach dem Upload weiterhin dir?
2. Werden die Daten sicher(!) gespeichert? Also verschlüsselt?
3. Werden im Hintergrund Profile erstellt? Eigentlich immer 🙂 Aber weißt du auch wie deins aussieht? Nein, wirst du auch nie erfahren. Dein Profil ist das Kapital der Portalbetreiber. Damit werden dir zb. optimierte Werbevorschläge unterbreitet.
4. Werden Daten weitergegeben? Kennst die die geschäftlichen Verbindungen deines Portalbetreibers?
5. Kostet kein Geld, heißt nicht gratis. Du bezahlst bei "Umsonst-Portalen" höchstwahrscheinlich mit deinen Daten.
6. Sind die Daten löschbar? Oder sind die nach dem "Löschen" nur einfach nicht mehr sichtbar aber sehr wohl noch auf dem Server des Betreibers (wie bei Facebook)?
7. Falls der Dienst seinen Betrieb einstellt (besonders Internetfirmen sind nicht grade bekannt für ihre Langlebigkeit): was passiert dann mit deinen Daten? Runterladen, schon klar, aber die Daten auf dem Server? Werden die gelöscht? Wirklich?
8. Du hast nichts zu verbergen? Prima. Bitte mach Kopien deiner Haustürschlüssel und verteil die dann an wildfremde Menschen. Und lass dabei doch gleich dein Handy ungesichert auf dem Bürgersteig liegen.
Machen wir uns doch mal nichts vor. Der lockere Umgang mit den Daten ist pure Bequemlichkeit. Klick und weg, alles super. Nein, nichts ist super. Überlege immer wem du welche Daten überlässt.
Meine Daten gehören mir. Was und wo ich etwas davon preisgebe, entscheide ich selbst.

Sonniger Pfingstsonntsg

Der wunderschöne Pfingstsonntag gestern hat sehr nachdrücklich zu einem etwas längeren Lauf eingeladen, also leichte Laufschuhe (Inov-8 – Road-X-Treme 138) an und los ging es mal wieder in Richtung Rhein. Diesmal allerdings nicht alleine, sondern in Begleitung meiner Liebsten, die neben mir her geradelt ist. Das ist einerseits ungewohnt, da ich mich immer mal wieder ungewollt an die Fahrradgeschwindigkeit anpasse, statt einfach meine eigenen "Trott" zu laufen. Andererseits schult es die Konsequenz die eigene Geschwindigkeit einzuhalten. Ich hatte eine erprobte 23-Kilometerstrecke geplant, daraus sind dann 27 Kilometer geworden, durch viel kreuz und quer laufen. Das letzte mal war ich auf dieser Strecke im "Vorfrühling" unterwegs, da war also noch alles grau und trist. Und jetzt: grün, grün, grün! Einfach schön, Feldwege statt Asphalt, gemütliches traben, statt irgendeine Vorbereitung auf irgendeinen "Wettkampflauf", einfach jeden Kilometer geniessen. Seit ich ohne Pulsgurt unterwegs bin, ist eh alles entspannter geworden und der Blick zur Uhr ist nur noch ein Kilometer-Check. Die kleinen "Selbstversklavungen" schalte ich Stück für Stück ab. Dazu gehört auch, öfter mal völlig ungewohnte Strecken auf gut Glück zu laufen, egal wie weit es ist, egal wie lange  es dauert. Und keine Gelpacks mehr mitnehmen, statt dessen eine kleine Tüte Rosinen/Cranberrie-Mix (danke an Margitta für den Tipp!), nur eine kleine Menge Wasser kommt mit. Was ich nicht dabei hab, benutze ich auch nicht, bzw.: ich muss keinem Drang nachgeben, das was ich dabei hab, benutzen zu wollen. Kopfsache. Der muss ausgetrickst werden. Meine eigenen psychologischen Barrieren einreissen, das macht Spaß.
Auf dem Rückweg gabs noch einen kleinen Erfrischungsstop am Brunnen, kurz Arme und Beine abgekühlt, dann noch 4 Kilometer bis zu den Rheinwiesen und dort von weitem einen mobilen Eisverkäufer entdeckt. Entschluss: die 27 voll machen, in der Zeit ein leckeres Eis kaufen lassen (klasse dass ich in Begleitung war!) und einfach noch ein wenig Zeit am Rhein in der Sonne verbringen. Und genau das haben wir dann auch gemacht. Ein schöner Abschluss nach einem super-schönen und gemütlichen Lauf.
Das beste daran hab ich erst zu Hause gesehen, beim Übertragen der GPS-Daten von Uhr auf Rechner: ich bin die Strecke viel konstanter gelaufen als ich dachte, von den ersten drei Kilometern Stadtstrecke abgesehen, war ich fast die ganze Zeit mit exakt 4:50er Pace (gesamt 2:12:20) unterwegs … Vielleicht sollte ich die nächsten offiziellen Läufe einfach mal entspannter angehen und mich selbst überraschen was dann so möglich ist.

Regeneration

Dank Internet und massenhafter Literatur findet jeder Läufertyp Trainingspläne, Ernährungstipps und Ausrüstungsvorschläge für so ziemlich jede Art von Wettkampf. Jederzeit. Völlig egal ob 10km, Halbmarathon, den ganzen oder mehr. Auch wenn die Vorbereitung natürlich die nötige Disziplin voraussetzt, wer die Ratschläge befolgt, hat schonmal die "halbe Miete" drin und kann anhand der Tipps einen erfolgreichen Lauf absolvieren.
Zum Thema Regeneration nach einem anstrengendem Lauf findet sich allerdings nichts konkretes, bzw. sehr unterschiedliche Aussagen. Grundaussage überall: "Hör auf deinen Körper". Das ist schön und fällt mir auch nicht besonders schwer, ist aber im Vergleich zu den diversen konkreten Trainingsplänen dann doch schon ziemlich variabel. Einmal quergelesen über die üblichen Verdächtigen (Marquardt, Greif, Steffny, Sonntag und Co.) finde ich Hinweise wie "mach Pause zwischen 4 und 60 Tagen, aber fang rechtzeitig wieder mit kleinen Einheiten an." … okay …
Was mache ich denn nun daraus? Zu allererst: auf meinen Körper hören 🙂 Und der hat mir nach dem Marathon klipp und klar gesagt: Pause! Und viel essen (kein Problem).
Nach fünf Tagen wurden meine Beine unruhig und ich war das erste mal wieder für sehr sehr lockere 5 Kilometer unterwegs, barfuss. Auch das hat mir mein Körper geraten, er hatte einfach keine Lust Schuhe anzuziehen. Heute (also eine Woche nach Marathon) wieder sehr lockere 5 Kilometer mit Schuhen und die gleiche Distanz nochmal barfuss hinterher. Barfuss hat einfach den Vorteil völlig ruhig und nicht zu schnell zu laufen, und es macht echt richtig Spaß bei dem Wetter. Die nächsten 14 Tage werden wahrscheinlich ähnlich ablaufen, eher ruhige Barfuss/FiveFingers-Einheiten und auf keinen Fall auf den "Tacho" schauen; gemütliche Genussläufe im Grünen statt Intervalle auf Asphalt. Und dann mal schauen wann die Waden jucken und einen schönen langen Lauf einfordern. Erst Anfang Juli steht der nächste Halbmarathon an, aber bis dahin bin ich eh wieder topfit.
Wie macht ihr das? Gibts irgendwelche Faustregeln?

Das erste mal 42195 Meter

Nach 16 Wochen gründlicher Vorbereitung, ging es heute mit Startnummer 1890 zum Metro Group Marathon hier in Düsseldorf. Ich bin mittlerweile zwar schon viele sehr lange Strecken gelaufen, aber dies war mein erster echter Marathon.
Einen ausführlichen Laufbericht erspare ich euch mal … da sind halt etwas mehr als 42 Kilometer zu laufen und von jedem Kilometer was zu erzählen gibts eh nicht.
Der Düsseldorfer Marathon geht kreuz und quer durch die Stadt, ist bis auf ein paar Brücken recht flach und damit ideal für das erste mal.
Also in kurz: Wetter top (13°C, bedeckt), Stimmung super, sowohl bei mir als auch bei den Zuschauern.
Nach 5km hatte ich mein Feld gefunden, die Halbmarathondistanz wurde nach 1:45:20 mit einem Lächeln abgehakt, die ersten 35 km gingen tatsächlich wie geplant sehr entspannt über die Bühne, danach wurde es allerdings anstrengend bis teilweise sogar unwitzig. Ich hab mir bei km36 eine kleine Gehpause gegönnt, eigentlich nur um mal in Ruhe eine größere Menge Wasser runterzustürzen, wurde aber direkt von einem Tim (danke nochmal dafür!!) motiviert schnell weiterzulaufen, hab ich dann auch gemacht und mich einfach für eine Weile an Tim drangehängt. Dann gings aber bald nach Plan weiter, der Kollege war doch etwas schneller als ich.
Was für einen Plan hatte ich? Zielzeit 3:45:00. Als Hilfe für die Strecke hab ich mir einen Ausdruck vom Greif Marathon Taktik Rechner mitgenommen und mich streng daran gehalten. Die letzten 5 Kilometer haben mich gefordert, so richtig. Da ich diese Gel-Packs echt hasse, kam die erste Tüte erst bei km33 zum Einsatz, bei km37 dann noch eine, weil ich wirklich etwas arg am schwächeln war. Dachte mir das hilft, aber ein merkbarer Effekt war da nicht. Also Zähne zusammenbeissen und weiter, ich wusste dass dieser Moment kommt und hab mich davon nicht verrückt machen lassen. Die letzten 1,5 Kilometer ging es dann wieder richtig gut, die Zuschauer haben angefeuert, mein Körper hat noch irgendwo Adrenalin hergeholt, das Ziel kam in Sicht und siehe da: es war sogar noch Luft für einen anständigen Sprint. Alles Kopfsache also vorher mit dem Schwächeln? Wie auch immer, ich bin mit 3:44:20 netto durchs Ziel und hab damit meine Wunschzeit sogar noch ein paar Sekunden unterboten.
Mein Plan ist damit fast punktgenau aufgegangen.
Ich bin ganz einfach rundum superzufrieden.

Platz:    814 (2650)
Platz (AK:M45)    153
Brutto:    03:45:14
Netto:    03:44:20
10km:    00:50:00
Halbmarathon:    01:45:20
30km:    02:31:55

Du musst auch drauf drücken!

Heute war Brückenlauf hier im sonnigen Düsseldorf. Perfekte Bedingungen, irgendwas um 12°C, blauer Himmel, windstill. Die Altstadt lahmgelegt, tausende von gut gelaunten Menschen am Rheinufer. Das ganze Programm was man auf so einer Laufveranstaltung erwartet, wird hier professionell abgespult.
Meine Anmeldung stand schon seit irgendwann im Herbst fest und da das alles quasi bei mir vor der Haustür stattfindet, bin ich schnell mit dem Rad hingefahren, hab die Startnummer abgeholt und mich um 11:30 in Richtung Startlinie bewegt. Die „Wettkampfdistanz“ von 10km gehört zur Zeit eher zu meinen kurzen Strecken, laufe ich sozusagen im Schlaf. Aber im Pulk ist ja bekanntlich alles anders, und obwohl schon zigmal bei solchen Volksläufen mitgelaufen, ist dann doch tatsächlich wieder etwas Aufregung im Spiel. Nicht viel, aber genug für eine kleine Dummheit.
Noch 5 Minuten. Ich starte schonmal die GPS Uhr, erfahrungsgemäß dauert die Suche nach Satelliten immer etwas länger. Diesmal nicht, nach nichtmal einer Minute war die Uhr bereit. Ich auch. Und dann geht auch schon los, Startschuss. Ich kämpfe mich schnell durch durch die übliche „Jogger“-Fraktion (die immer viel zu weit vorne starten) und möchte einfach nur mein gewohntes Tempo laufen. Mein Plan: unter 44 Minuten bleiben, dann ist alles ok. Die vergangene Woche mit etwa 90 km lässt sich nicht so einfach wegwischen und ein Sprinter bin ich eh nicht.
Nach zwei Kilometern ist der höchte Punkt der Rheinkniebrücke erreicht, jetzt gehts erstmal länger abwärts, ich schaue schnell zur Uhr … und … das Ding ist aus. Hat sich in Standby geschaltet. Ich Idiot hatte vergessen an der Startlinie den Startknopf zu drücken! Ganz kurz ist Ärger hochgekommen, aber was solls, dann mach ich eben jetzt an und hab wenigstens einen Teil getrackt, bzw kann meine Pace ab und zu prüfen. Und so laufe ich dann weiter, schaue etwa bei km4 wieder auf die Uhr … und … das Ding ist aus! Ich hatte zwar den Standbymodus beendet, aber scheinbar wieder nicht auf den Startknopf gedrückt! Unfassbar. Aber zu dem Zeitpunkt auch völlig egal. Ich hab kurz vor mich hin gekichert, den Startknopf gedrückt (jetzt aber wirklich) und dann einfach auf Uhrzeit umgeschaltet. Scheiss auf Pace, scheiss auf Kontrolle, scheiss überhaupt auf diese komische Abhängigkeit zur Uhr. Also ab dafür, es wird auch locker ohne Uhr gehen.
Das charmante am Brückenlauf ist, dass die Strecke in zwei Runden gelaufen wird. Das heißt, bei Halbzeit zeigt eine grosse Digitaluhr den Stand der Dinge an. Ich laufe bei Punkt 21 Minuten am Burgplatz vorbei und nehme mir vor meine bescheidenen Stärken auszunutzen und einfach mal nach Gefühl das Tempo zu bestreiten. Das ging ja früher auch … seit wann gibt es GPS-Uhren?!
Und in dem Moment kam der richtige Spaßfaktor ins Spiel! Losgelöst von Gedanken wie „oh… Pace 4:30, da muss mehr, verdammt“ hab ich einfach nur noch Steigung und Gefälle ausgenutzt, mich immer wieder an starke Läufer gehängt und vor allem: ich bin einfach nur völlig befreit gelaufen.
Der letzte Kilometer wurde beschleunigt, Reserven waren noch da, zum Ziel hin noch etwas schneller und dann einen für meine Verhältnisse furiosen Zieleinlauf hingelegt. Hinter der Ziellinie noch kurz austraben und ein Becher Wasser runterstürzen. Und einen zweiten. Und zufrieden sein. Und nach 4 Minuten merken … die Uhr… lief noch. Unfassbar, ich hab das Ding einfach vergessen, war dann ja auch völlig egal, aber laut lachen musste ich beim Zeitstoppen trotzdem.

Trotz der Uhrensituation war es ein klasse Lauf bei tollem Wetter, vorzüglich organisiert mit immer freundlichen Helfern, denen mal ein besonderer Dank: Ohne euch würde nix und keiner laufen!

Meine offizielle Zeitmessung lautet übrigens:
mit 00:43:28 der 115. Platz bei den Herren (von 1003)
Altersklasse M45 der 16. Platz
… alles gut also.