Nichts hält ewig

Die „Lieblingsschuhe“ sind ein Läufer-Thema ohne Happy End. Wenn man/frau dann endlich nach vielen Experimenten die passenden und „einzig wahren Laufschuhe“ gefunden hat, dann ist es mit Sicherheit ein Auslaufmodell. Mit Ansage. Die verdammte Schuhindustrie denkt nicht im geringsten daran, dass jede neue Schuhgeneration die Kundschaft zur Verzweifelung bringt. Manchmal sinds nur kleine „tolle neue technischen Weiterentwicklungen“ und als Läufer arrangiert man sich damit, dass der gestern noch vertraute Schuh heute plötzlich ein Fremder ist. Aus Gewohnheit nimmt man dann halt doch wieder das bekannte Modell, mit der Nachfolgenummer, sicher ist sicher, immerhin schmerzen die Knie schon lange nicht mehr. Manche Nachfolgemodelle sind allerdings Lichtjahre von der Qualität der Vorgänger entfernt, eine Odyssee beginnt, ein Vorgänger-ähnlicher Schuh muss gefunden werden, die Ollen halten höchstens noch 20 Kilometer, die Experimente beginnen von vorne.
Und der Super-Gau: gerne wird ein Modell einfach nicht mehr hergestellt! Da brechen Welten zusammen! Alles von vorne, Testberichte lesen, Freunde befragen, in Blogs stöbern … welcher Neue ähnelt meinem Lieblingsschuh? Und wo bekomm ich den? Und was kostet der? Oder finde ich noch irgendwo ein Paar meiner alten Lieblinge?
An dem Punkt war ich letztes Jahr, als ich die Online-Dealer meines Vertrauens nach einem Ersatzpaar Road-X-Treme 138 durchstöberte und nicht mehr fündig wurde. Inov-8 hat mir auf Nachfrage bestätigt dass das Modell nicht mehr hergestellt wird, aber noch ein paar in meiner Größe am Lager liegen. Ich hab dann einfach mal drei Paar gekauft und davon vor ein paar Tagen den letztem Karton öffnen müssen. Die Schuhe sind einfach super, leicht, minimal, tolle Passform, wie für mich gemacht. Durch die wirklich leichte Bauweise halten die (schätzungsweise) 800 Kilometer, ich tracke das nicht, kann also abweichen. Die Sohle würde länger halten, aber das Mesh-Gewebe löst sich in den beanspruchten Zonen (bei mir die Zehenbox) irgendwann auf. Damit kann man noch laufen (mach ich auch), aber die Stabilität leidet irgendwann merklich. Meine Schuhe werden gelaufen bis es nicht mehr geht, ich achte nicht auf Kilometerempfehlungen oder Schuhverkäuferweisheiten.
Ok, der letzte Karton ist angebrochen, etwa 150 Kilometer sind schon runter, ich hege und pflege sie, aber irgendwann dieses Jahr werden sie hin sein. Ja, ich hab noch jede Menge anderer Schuhe (siehe Ausrüstung), bzw. mein derzeitiger Schuhschrank passt gut zu mir. Aber die Road-X-Treme 138 hätte ich gerne noch weiterhin dabei gehabt, die haben mir geholfen meinen Laufstil zu verändern, waren der Impuls zum Barfusslaufen, überhaupt wäre die recht zügige Entwicklung weg vom Fersenläufer ohne diese leichten Dinger bei mir nicht so möglich gewesen. Jaja, ein wenig „Nostalgie“ ist natürlich dabei.
Natürlich bin ich ein neugieriger Mensch und teste gerne neue und völlig fremde Modelle, festgefahren sollte ein Läufer nicht sein, ein Nachfolger wird sich also finden, fragt sich nur wann und was. Spannend. Mein Anspruch: flach und leicht, robust, 0mm Sprengung, Strecken über 30 Kilometer müssen drin sein.
Oder vielleicht sollte ich einfach noch viel mehr Barfuss laufen, damit erledigt sich das Thema von selbst.

Zahlen, Daten, Sensationen

Fast alle Läufer sind Zahlenmenschen, Protokollfreaks, Kilometerpedanten, Zeiterbsenzähler, sie nerven ihr nichtlaufendes Umfeld mit Pace und Bestzeiten, Sprengung und Schnürsenkellängen. Und suchen ständig nach neuen Erfassungs-Möglichkeiten des sportlichen Treibens. Es soll wohl Ausnahmen geben, aber in gefühlten 90% aller Lauf-Blog Einträge geht es um Zahlen. So ist das eben mit dem Laufen, ich machs selber auch nicht anders.
Was machen wir mit all diesen Zahlen? Im Protokoll-Tool der Wahl hinterlegen um die eigenen Läufe zu vergleichen, um sich mit anderen zu vergleichen, um Erfolge zu sehen, um besonders schöne Strecke festzuhalten, … es gibt wahrscheinlich für jeden Läufer dutzende guter Gründe. Meine Gründe sind simpel, ich möchte einfach nur meine Leistung für mich greifbar haben. Beim Laufen ist üblicherweise meine GPS Uhr dabei, anschliessend werden die Strecken-Daten auf meinen Rechner übertragen und ich freue oder ärgere mich, je nach Resultat.
Was mich umtreibt: Online oder Offline speichern? Sind wir uns bei der Online-Version immer bewußt wo was gespeichert wird und was mit den Daten passiert? Eddy hat dazu seine Sicht der Dinge geschrieben, dank der vielen Kommentare lerne ich grade noch viel mehr Ansichten kennen und schreibe meinen paranoiden Senf hier nun auch nochmal schnell runter.
Wer mich kennt, weiß daß ich weder Facebook noch WhatsApp oder ähnliches benutze. Bei mir gibts kein Runtastic, Strava oder sonstwas von diesen Apps/Portalen. Meine Laufdaten liegen auf meinem Rechner, offline. Was ich online von mir streue, hab ich ganz gern unter Kontrolle, besonders was mein Privatleben betrifft, also auch meine sportlichen Aktivitäten. Beruflich bin ich sehr mager bei Xing vertreten, das wars dann aber auch. Mein Bilder liegen auf meinem Server, nicht bei Google oder Flickr. Mein WordPress-Blog ist auf meinem Server installiert, wie vieles andere das ich zur digitalen Kommunikation nutze auch. Mein soziales Netzwerk findet über Friendica und Hubzilla statt. Und wer das hier in meinem WordPress-Runlog liest, sollte wissen: das ist bloß ne Kopie 🙂 Mein Orginal Laufblog wird ebenfalls mit Hubzilla realisiert. Dank Plugin verstehen sich WP und Hubzilla ganz wunderbar, sogar die Kommentare werden problemlos synchronisiert. Ich verschlüssele übrigens auch Emails wenn möglich. OwnCloud (bzw WebDav) statt Dropbox, Mailbox.org (und eigener Mailserver) statt Gmail/GMX & Co.  … die Liste ist lang.
Worauf möchte ich eigentlich hinaus?
Noch nie gab es so vielfältige Möglichkeiten seinen eigenen Daten zu erfassen. Daran ist ja erstmal nichts verkehrt und für Sportler ist das eine tolle Möglichkeit zur Leistungskontrolle. Solange alles offline bleibt. Wer seine Daten online bei irgendwelchen Portalen oder Diensten speichert und verknüpft, sollte sich darüber im klaren sein, daß er/sie ggf. viele Risiken eingeht und gehörig die Hose runterläßt.
1. Hast du das Kleingedruckte gelesen? Gehören deine Daten nach dem Upload weiterhin dir?
2. Werden die Daten sicher(!) gespeichert? Also verschlüsselt?
3. Werden im Hintergrund Profile erstellt? Eigentlich immer 🙂 Aber weißt du auch wie deins aussieht? Nein, wirst du auch nie erfahren. Dein Profil ist das Kapital der Portalbetreiber. Damit werden dir zb. optimierte Werbevorschläge unterbreitet.
4. Werden Daten weitergegeben? Kennst die die geschäftlichen Verbindungen deines Portalbetreibers?
5. Kostet kein Geld, heißt nicht gratis. Du bezahlst bei "Umsonst-Portalen" höchstwahrscheinlich mit deinen Daten.
6. Sind die Daten löschbar? Oder sind die nach dem "Löschen" nur einfach nicht mehr sichtbar aber sehr wohl noch auf dem Server des Betreibers (wie bei Facebook)?
7. Falls der Dienst seinen Betrieb einstellt (besonders Internetfirmen sind nicht grade bekannt für ihre Langlebigkeit): was passiert dann mit deinen Daten? Runterladen, schon klar, aber die Daten auf dem Server? Werden die gelöscht? Wirklich?
8. Du hast nichts zu verbergen? Prima. Bitte mach Kopien deiner Haustürschlüssel und verteil die dann an wildfremde Menschen. Und lass dabei doch gleich dein Handy ungesichert auf dem Bürgersteig liegen.
Machen wir uns doch mal nichts vor. Der lockere Umgang mit den Daten ist pure Bequemlichkeit. Klick und weg, alles super. Nein, nichts ist super. Überlege immer wem du welche Daten überlässt.
Meine Daten gehören mir. Was und wo ich etwas davon preisgebe, entscheide ich selbst.

Sonniger Pfingstsonntsg

Der wunderschöne Pfingstsonntag gestern hat sehr nachdrücklich zu einem etwas längeren Lauf eingeladen, also leichte Laufschuhe (Inov-8 – Road-X-Treme 138) an und los ging es mal wieder in Richtung Rhein. Diesmal allerdings nicht alleine, sondern in Begleitung meiner Liebsten, die neben mir her geradelt ist. Das ist einerseits ungewohnt, da ich mich immer mal wieder ungewollt an die Fahrradgeschwindigkeit anpasse, statt einfach meine eigenen "Trott" zu laufen. Andererseits schult es die Konsequenz die eigene Geschwindigkeit einzuhalten. Ich hatte eine erprobte 23-Kilometerstrecke geplant, daraus sind dann 27 Kilometer geworden, durch viel kreuz und quer laufen. Das letzte mal war ich auf dieser Strecke im "Vorfrühling" unterwegs, da war also noch alles grau und trist. Und jetzt: grün, grün, grün! Einfach schön, Feldwege statt Asphalt, gemütliches traben, statt irgendeine Vorbereitung auf irgendeinen "Wettkampflauf", einfach jeden Kilometer geniessen. Seit ich ohne Pulsgurt unterwegs bin, ist eh alles entspannter geworden und der Blick zur Uhr ist nur noch ein Kilometer-Check. Die kleinen "Selbstversklavungen" schalte ich Stück für Stück ab. Dazu gehört auch, öfter mal völlig ungewohnte Strecken auf gut Glück zu laufen, egal wie weit es ist, egal wie lange  es dauert. Und keine Gelpacks mehr mitnehmen, statt dessen eine kleine Tüte Rosinen/Cranberrie-Mix (danke an Margitta für den Tipp!), nur eine kleine Menge Wasser kommt mit. Was ich nicht dabei hab, benutze ich auch nicht, bzw.: ich muss keinem Drang nachgeben, das was ich dabei hab, benutzen zu wollen. Kopfsache. Der muss ausgetrickst werden. Meine eigenen psychologischen Barrieren einreissen, das macht Spaß.
Auf dem Rückweg gabs noch einen kleinen Erfrischungsstop am Brunnen, kurz Arme und Beine abgekühlt, dann noch 4 Kilometer bis zu den Rheinwiesen und dort von weitem einen mobilen Eisverkäufer entdeckt. Entschluss: die 27 voll machen, in der Zeit ein leckeres Eis kaufen lassen (klasse dass ich in Begleitung war!) und einfach noch ein wenig Zeit am Rhein in der Sonne verbringen. Und genau das haben wir dann auch gemacht. Ein schöner Abschluss nach einem super-schönen und gemütlichen Lauf.
Das beste daran hab ich erst zu Hause gesehen, beim Übertragen der GPS-Daten von Uhr auf Rechner: ich bin die Strecke viel konstanter gelaufen als ich dachte, von den ersten drei Kilometern Stadtstrecke abgesehen, war ich fast die ganze Zeit mit exakt 4:50er Pace (gesamt 2:12:20) unterwegs … Vielleicht sollte ich die nächsten offiziellen Läufe einfach mal entspannter angehen und mich selbst überraschen was dann so möglich ist.

Regeneration

Dank Internet und massenhafter Literatur findet jeder Läufertyp Trainingspläne, Ernährungstipps und Ausrüstungsvorschläge für so ziemlich jede Art von Wettkampf. Jederzeit. Völlig egal ob 10km, Halbmarathon, den ganzen oder mehr. Auch wenn die Vorbereitung natürlich die nötige Disziplin voraussetzt, wer die Ratschläge befolgt, hat schonmal die "halbe Miete" drin und kann anhand der Tipps einen erfolgreichen Lauf absolvieren.
Zum Thema Regeneration nach einem anstrengendem Lauf findet sich allerdings nichts konkretes, bzw. sehr unterschiedliche Aussagen. Grundaussage überall: "Hör auf deinen Körper". Das ist schön und fällt mir auch nicht besonders schwer, ist aber im Vergleich zu den diversen konkreten Trainingsplänen dann doch schon ziemlich variabel. Einmal quergelesen über die üblichen Verdächtigen (Marquardt, Greif, Steffny, Sonntag und Co.) finde ich Hinweise wie "mach Pause zwischen 4 und 60 Tagen, aber fang rechtzeitig wieder mit kleinen Einheiten an." … okay …
Was mache ich denn nun daraus? Zu allererst: auf meinen Körper hören 🙂 Und der hat mir nach dem Marathon klipp und klar gesagt: Pause! Und viel essen (kein Problem).
Nach fünf Tagen wurden meine Beine unruhig und ich war das erste mal wieder für sehr sehr lockere 5 Kilometer unterwegs, barfuss. Auch das hat mir mein Körper geraten, er hatte einfach keine Lust Schuhe anzuziehen. Heute (also eine Woche nach Marathon) wieder sehr lockere 5 Kilometer mit Schuhen und die gleiche Distanz nochmal barfuss hinterher. Barfuss hat einfach den Vorteil völlig ruhig und nicht zu schnell zu laufen, und es macht echt richtig Spaß bei dem Wetter. Die nächsten 14 Tage werden wahrscheinlich ähnlich ablaufen, eher ruhige Barfuss/FiveFingers-Einheiten und auf keinen Fall auf den "Tacho" schauen; gemütliche Genussläufe im Grünen statt Intervalle auf Asphalt. Und dann mal schauen wann die Waden jucken und einen schönen langen Lauf einfordern. Erst Anfang Juli steht der nächste Halbmarathon an, aber bis dahin bin ich eh wieder topfit.
Wie macht ihr das? Gibts irgendwelche Faustregeln?

Das erste mal 42195 Meter

Nach 16 Wochen gründlicher Vorbereitung, ging es heute mit Startnummer 1890 zum Metro Group Marathon hier in Düsseldorf. Ich bin mittlerweile zwar schon viele sehr lange Strecken gelaufen, aber dies war mein erster echter Marathon.
Einen ausführlichen Laufbericht erspare ich euch mal … da sind halt etwas mehr als 42 Kilometer zu laufen und von jedem Kilometer was zu erzählen gibts eh nicht.
Der Düsseldorfer Marathon geht kreuz und quer durch die Stadt, ist bis auf ein paar Brücken recht flach und damit ideal für das erste mal.
Also in kurz: Wetter top (13°C, bedeckt), Stimmung super, sowohl bei mir als auch bei den Zuschauern.
Nach 5km hatte ich mein Feld gefunden, die Halbmarathondistanz wurde nach 1:45:20 mit einem Lächeln abgehakt, die ersten 35 km gingen tatsächlich wie geplant sehr entspannt über die Bühne, danach wurde es allerdings anstrengend bis teilweise sogar unwitzig. Ich hab mir bei km36 eine kleine Gehpause gegönnt, eigentlich nur um mal in Ruhe eine größere Menge Wasser runterzustürzen, wurde aber direkt von einem Tim (danke nochmal dafür!!) motiviert schnell weiterzulaufen, hab ich dann auch gemacht und mich einfach für eine Weile an Tim drangehängt. Dann gings aber bald nach Plan weiter, der Kollege war doch etwas schneller als ich.
Was für einen Plan hatte ich? Zielzeit 3:45:00. Als Hilfe für die Strecke hab ich mir einen Ausdruck vom Greif Marathon Taktik Rechner mitgenommen und mich streng daran gehalten. Die letzten 5 Kilometer haben mich gefordert, so richtig. Da ich diese Gel-Packs echt hasse, kam die erste Tüte erst bei km33 zum Einsatz, bei km37 dann noch eine, weil ich wirklich etwas arg am schwächeln war. Dachte mir das hilft, aber ein merkbarer Effekt war da nicht. Also Zähne zusammenbeissen und weiter, ich wusste dass dieser Moment kommt und hab mich davon nicht verrückt machen lassen. Die letzten 1,5 Kilometer ging es dann wieder richtig gut, die Zuschauer haben angefeuert, mein Körper hat noch irgendwo Adrenalin hergeholt, das Ziel kam in Sicht und siehe da: es war sogar noch Luft für einen anständigen Sprint. Alles Kopfsache also vorher mit dem Schwächeln? Wie auch immer, ich bin mit 3:44:20 netto durchs Ziel und hab damit meine Wunschzeit sogar noch ein paar Sekunden unterboten.
Mein Plan ist damit fast punktgenau aufgegangen.
Ich bin ganz einfach rundum superzufrieden.

Platz:    814 (2650)
Platz (AK:M45)    153
Brutto:    03:45:14
Netto:    03:44:20
10km:    00:50:00
Halbmarathon:    01:45:20
30km:    02:31:55

Du musst auch drauf drücken!

Heute war Brückenlauf hier im sonnigen Düsseldorf. Perfekte Bedingungen, irgendwas um 12°C, blauer Himmel, windstill. Die Altstadt lahmgelegt, tausende von gut gelaunten Menschen am Rheinufer. Das ganze Programm was man auf so einer Laufveranstaltung erwartet, wird hier professionell abgespult.
Meine Anmeldung stand schon seit irgendwann im Herbst fest und da das alles quasi bei mir vor der Haustür stattfindet, bin ich schnell mit dem Rad hingefahren, hab die Startnummer abgeholt und mich um 11:30 in Richtung Startlinie bewegt. Die „Wettkampfdistanz“ von 10km gehört zur Zeit eher zu meinen kurzen Strecken, laufe ich sozusagen im Schlaf. Aber im Pulk ist ja bekanntlich alles anders, und obwohl schon zigmal bei solchen Volksläufen mitgelaufen, ist dann doch tatsächlich wieder etwas Aufregung im Spiel. Nicht viel, aber genug für eine kleine Dummheit.
Noch 5 Minuten. Ich starte schonmal die GPS Uhr, erfahrungsgemäß dauert die Suche nach Satelliten immer etwas länger. Diesmal nicht, nach nichtmal einer Minute war die Uhr bereit. Ich auch. Und dann geht auch schon los, Startschuss. Ich kämpfe mich schnell durch durch die übliche „Jogger“-Fraktion (die immer viel zu weit vorne starten) und möchte einfach nur mein gewohntes Tempo laufen. Mein Plan: unter 44 Minuten bleiben, dann ist alles ok. Die vergangene Woche mit etwa 90 km lässt sich nicht so einfach wegwischen und ein Sprinter bin ich eh nicht.
Nach zwei Kilometern ist der höchte Punkt der Rheinkniebrücke erreicht, jetzt gehts erstmal länger abwärts, ich schaue schnell zur Uhr … und … das Ding ist aus. Hat sich in Standby geschaltet. Ich Idiot hatte vergessen an der Startlinie den Startknopf zu drücken! Ganz kurz ist Ärger hochgekommen, aber was solls, dann mach ich eben jetzt an und hab wenigstens einen Teil getrackt, bzw kann meine Pace ab und zu prüfen. Und so laufe ich dann weiter, schaue etwa bei km4 wieder auf die Uhr … und … das Ding ist aus! Ich hatte zwar den Standbymodus beendet, aber scheinbar wieder nicht auf den Startknopf gedrückt! Unfassbar. Aber zu dem Zeitpunkt auch völlig egal. Ich hab kurz vor mich hin gekichert, den Startknopf gedrückt (jetzt aber wirklich) und dann einfach auf Uhrzeit umgeschaltet. Scheiss auf Pace, scheiss auf Kontrolle, scheiss überhaupt auf diese komische Abhängigkeit zur Uhr. Also ab dafür, es wird auch locker ohne Uhr gehen.
Das charmante am Brückenlauf ist, dass die Strecke in zwei Runden gelaufen wird. Das heißt, bei Halbzeit zeigt eine grosse Digitaluhr den Stand der Dinge an. Ich laufe bei Punkt 21 Minuten am Burgplatz vorbei und nehme mir vor meine bescheidenen Stärken auszunutzen und einfach mal nach Gefühl das Tempo zu bestreiten. Das ging ja früher auch … seit wann gibt es GPS-Uhren?!
Und in dem Moment kam der richtige Spaßfaktor ins Spiel! Losgelöst von Gedanken wie „oh… Pace 4:30, da muss mehr, verdammt“ hab ich einfach nur noch Steigung und Gefälle ausgenutzt, mich immer wieder an starke Läufer gehängt und vor allem: ich bin einfach nur völlig befreit gelaufen.
Der letzte Kilometer wurde beschleunigt, Reserven waren noch da, zum Ziel hin noch etwas schneller und dann einen für meine Verhältnisse furiosen Zieleinlauf hingelegt. Hinter der Ziellinie noch kurz austraben und ein Becher Wasser runterstürzen. Und einen zweiten. Und zufrieden sein. Und nach 4 Minuten merken … die Uhr… lief noch. Unfassbar, ich hab das Ding einfach vergessen, war dann ja auch völlig egal, aber laut lachen musste ich beim Zeitstoppen trotzdem.

Trotz der Uhrensituation war es ein klasse Lauf bei tollem Wetter, vorzüglich organisiert mit immer freundlichen Helfern, denen mal ein besonderer Dank: Ohne euch würde nix und keiner laufen!

Meine offizielle Zeitmessung lautet übrigens:
mit 00:43:28 der 115. Platz bei den Herren (von 1003)
Altersklasse M45 der 16. Platz
… alles gut also.

Ihr seid Borg

Gestern ging es bei wunderbarem Wetter mal wieder schön am Rhein lang, die bewährte Halbmarathondistanz, kaum Höhenmeter, entspanntes Laufen trotz vieler Oster-Spaziergänger. Natürlich waren auch viele Läufer unterwegs, die Routinierten überwogen, aber die Sonne überzeugte scheinbar auch viele Damen und Herren, ihre Neujahresvorsätze endlich mal so langsam aber sicher umzusetzen. Und natürlich die "Oh!-Sonne!-ich-geh-raus-und-zeige-meine-funky-Laufklamotten"-Typen. Da möchte ich mich nicht weiter drüber auslassen, die gibts hier in Düsseldorf reichlich, ist nunmal so. Sei’s drum.
Was sich mir immer mehr entzieht sind die "Borgs", also Läufer mit Unmengen Technik am Körper. Smartphone, ok, das nehmen viele mit weil da eben auch die Sport-App drauf mitläuft.
Aber dann gehts los … Smartphone + Pulsuhr + Bluetooth-Headset + GoPro (inkl. Selfie Stick natürlich), alles was es grade an Hightech gibt, wird mitgenommen, offenbar geht der Trend sogar zum Zweit-Smartphone … Hallo?! Was ist mit euch los?!? Ihr lauft wegen … was?
Und dann auch noch während des "Laufens" telefonieren und Fotos machen … Wirklich, ehrlich, ingesamt drei(!) solcher Typen sind mir begegnet, bzw ich hab die jeweils langsam überholt und konnte es gar nicht glauben was ich da grade erlebe. Voll beschäftigt mit der Technik, keine Zeit und keinen Sinn frei für den schönen Tag bzw. für einen kurzen Gruß. Ganz ehrlich, ich verstehe vieles, natürlich auch daß jeder andere Möglichkeiten zur Selbstmotivation nutzt. Das ist völlig ok und gut so. Und auch dass man einen jeweils anderen Anspruch an seine Lauferei hat, zum Glück ist das so. Jeder ist so ein klein wenig der Nerd, oder Geek, oder Spinner. Mit Musik oder ohne laufen, Fotos von unterwegs sind auch toll. Und hinterher möchten wir wissen was wir geleistet hab, die GPS-Uhr (oder was auch immer) kommt also mit.
Aber irgendwo ist’s dann doch mal gut, oder? Dieses ewige "immer vernetzt sein" der "Selfie-Generation" geht mir persönlich etwas auf die Nerven. Lauf-Apps feuern einen beim Laufen an, hab ich irgendwo gelesen. Die Strecke wird live zu irgendwelchen Online Diensten hochgeladen, Lauf-Kollegen wissen immer genau wo der andere grade rennt, alle drei Minuten werden Fotos hochgeladen, "schon wieder 50 Kalorien verbraucht!" fliegt zu Twitter … Und nach dem Lauf gehts dann auf die vernetzte Waage und das Smartphone berechnet den Kalorienbedarf. Vom mangelnden Datenschutz mal abgesehen (wisst ihr eigentlich was ihr da tut??): Gehts hier noch ums Laufen? Hab ich was verpasst? Oder bin ich vielleicht einfach nur zu intolerant?
Aber es gab gestern auch eine sehr nette Erfahrung: ein sichtlich gut gelaunter und schneller Läufer kam mir etwa bei Kilometer 6 entgegen, grüßte sehr freundlich und war auch schnell wieder weg. Auf dem Rückweg (andere Rheinseite) sind wir uns dann wieder begegnet, zum Erstaunen beider 🙂 Ein freundliches "wieviel machste?" "22!" "klasse, ich auch! Hau rein!" wurde motivierend hin und her geschmettert, und richtig gut gelaunt gings weiter. Schön dass es sowas auch gibt, gerne mehr davon. Der Kerl hatte übrigens keine (sichtbare) Technik dabei.

Abwechslung

Die letzten Monate hatte ich plötzlich immer wieder und immer öfter meine alten New Balance Minimus Trail an den Füssen, nicht zum Laufen, sondern einfach so im Alltag. Die sind immer noch richtig klasse, bloß leider zum Laufen etwas zu eng geworden. Keine Ahnung wieso, beim Kauf damals war die Größe korrekt, ist das möglicherweise ein Resultat vom Barfusslaufen? Kann sein, aber ist auch egal. Eine Nummer größer musste her, Online gefunden (MT 10v2), gekauft und siehe da: passen perfekt.
Und dann hatte es mich plötzlich wieder gepackt: runter vom Asphalt, rein in den Wald, Hügel hoch, kreuz und quer durch die Pampa rund um den Grafenberger Wald. Über Wiesen, durch Matsch, Pfützen, Wurzeln, Schotter, alles funktioniert. Und alles macht richtig Laune!
Bis ich im Grünen ankomme, müssen trotzdem erstmal 3-4 Kilometer Strasse gelaufen werden, zurück natürlich auch (und zwischendurch auch mal), das hat mich in der Vergangenheit immer reichlich genervt, da die Schuhwahl dann doch eher gut bedacht sein sollte. Reine Trailschuhe? Nerven auf der Strasse. Flache minimale Rennschuhe? Keine Chance im Gelände. Fivefingers? Ok, das geht, aber ich hab nicht immer bock auf Zehenschuhe. Die Minimus Trail allerdings sind durch ihre erstaunliche Flexibilität eine tatsächlich sehr gute Wahl, wie ich jetzt erst kapiert hab. Die können beides ganz hervorragend.
4mm Sprengung sind mir zwar schon fast zu wenig minimal, passables Barfussfeeling kommt nicht auf, aber das wird in Passform und Flexibilität wieder rausgeholt. Meine Füsse fühlen sich frei an, die Gelenke werden nicht künstlich gestützt und die Zehen haben reichlich Platz. Dazu noch das geringe Gewicht und der gute Grip, die Dinger können sogar unter widrigen Bedingungen richtig gut zum Tempo machen genutzt werden.
Besonders gut für mich ist allerdings die Tatsache, endlich mal mehr Abwechslung in meinen Laufalltag zu bekommen. Auch wenn ich tatsächlich sehr gut stoisch immer die gleichen Runden laufen kann, ist es natürlich für Augen und Seele viel angenehmer nicht immer nur die gleichen Strecken runterzureissen. Meine Muskeln, Sehnen und die Koordination danken es mir mittlerweile ebenfalls, da ist merklich etwas passiert. Alles in allem, eine sehr gute Vorbereitung auf die nächsten anstehenden offiziellen Läufe.

Sicher ist sicher, sicher?

Bisher war das Glück (und auch die Vorsicht) immer an meiner Seite. Klar gabs schon mal üble Stolperer und auch eine dicke Prellung am Knie nach einer Kollision mit einem Radfahrer. Aber so richtig aus den Latschen gekippt bin ich bisher noch nie. Möchte ich natürlich auch nicht. Aber was wenn? Sind wir heutzutage übervorsichtig? Immer und überall abgesichert und erreichbar? Da hab ich keine Lust zu. Beim Laufen kommt kein Handy mit, ich möchte das einfach nicht. Dieses Abkoppeln vom Alltag tut mir gut, lasst mich in Ruhe, ich bin mal eben laufen. Manchmal nehm ich meine Öffi-Monatskarte mit, falls es irgendwie mal so gar nicht weitergeht, aber das wars dann auch (hab ich übrigens noch nie gebraucht). Aber was, falls es mich mal umhaut? So richtig umhaut? Was soll ein Helfer mit mir anfangen? Über irgendwelche Zettelchen mit einem Notfallkontakt drauf, zb an der Pulsuhr oder in der Tasche, hatte ich schon öfter nachgedacht. Aber war ja klar, dass sowas längst ein lukrativer Markt ist … Es gibt Armbänder, Kapseln, IDs für die Schuhe, Umhänge-Tags, mit Gravur oder Zettelchen, wasserdicht, usw… Von sehr günstig bis sehr teuer, alles dabei. Anbieter ohne ende, stöbern macht (zumindest mir) nur bedingt Spaß. Trotzdem ist die Idee gut und ich mag es pragmatisch, hab mir also ein simples Armband bei SafesportID bestellt und werde das von nun an brav beim Laufen tragen. Hoffentlich wird es nie benötigt.

ID

Safesport wrote:

Safesport ID ist ein Identifikationsarmband, das du mit deinen Notfalldaten personalisieren kannst. Es besteht aus einem Silikon Armband und einer ID Platte aus rostfreiem Stahl, und wurde für die anspruchsvollsten Sportarten entwickelt. Es ist so bequem und leicht, dass du es täglich tragen kannst, auch wenn du gerade keinen Sport betreibst. …