Ohne Ballast

Mindestens einmal in der Woche gebe ich mir einen etwas längeren Lauf, der kann von 21 bis 30 Kilometer lang sein, manchmal sogar mehr, je nach Laune/Wetter/Trainigsstatus. So richtig planen tu ich das eh nie, allerhöchstens nach dem Motto „könnte mal wieder am Rhein laufen“ oder „Grafenberger Wald war ich lange nicht“ und dann gehts los. Wer hier mitliest weiß: minimale Ausrüstung ist angesagt, aber so ein paar Sachen nehm ich normalerweise dann doch mit. Diese schönen Spätsommer/Frühherbst-Tage machen es einem allerdings leicht, sonnige Temperaturen um 14°-16°C passen einfach für leichte Klamotte, irgendwelche Wasserflaschen können getrost zuhause bleiben. Bisher hatte ich zur innerlichen Beruhigung immer noch ein wenig Kleingeld (für Notfall-Fahrkarte) sowie ein kleines Päckchen Rosinen, Datteln oder ähnliches mit. Gestern war mir einfach alles zu viel. Nur Laufuhr und der Hausschlüssel kamen mit. Und dann gings ohne weiteres Grübeln schnell raus aus der Stadt, Richtung Rhein.
Nach ca. 2,5km der erste kurze Geschwindigkeitscheck: 4:15 Pace. Viel zu schnell. … was solls, wird sich schon anpassen.
Da ich es nicht mag de gleiche Strecke hin und wieder zurück zu laufen, versuche ich immer alles irgendwie als Rundkurs zu machen, heißt bei der Rheinstrecke: irgendwann gibts kein Zurück mehr, weil schlicht und einfach die Brücken fehlen. Hätte mich dieses Tempo irgendwann gerissen, dann wärs halt so, dann hätte ich eben zu Fuss nach Hause gehen müssen. Irgendwie passte aber einfach alles und ich bin mit guter Laune weiter, schnell an der letzten „Umkehrmöglichkeit“ vorbei. Bei ca. km10 der nächste Blick auf die Uhr: 4:32, na bitte, geht doch das nach Gefühl laufen. Irgendwann gehts dann entspannt die Flughafenbrücke (A44) hoch, da flackerte kurz der Gedanke auf „meine Güte, es gab früher mal Situationen auf dieser Strecke, da hatte ich bereits einen Energieriegel und 0,5l Wasser intus“ … und da war ich langsam, übervorsichtig, fast gestresst beim Gedanken noch mindestens 10 Kilometer als Rückweg leisten zu müssen. Seitdem hat sich scheinbar sehr viel geändert in meiner Grundeinstellung zum Laufen. Diesmal hab ich mir einfach noch einen kleinen Schlenker gegönnt, jetzt schon nach Hause? Nö.
Weiter gings mit Rückenwind, einmal kreuz und quer durch die Felder, dann wieder zum Rhein, am Wasserwerk vorbei. Dort ist der kleine beliebte Trinkbrunnen an dem ich gerne stoppe, diesmal konnte er mich allerdings nicht locken. Blick auf die Uhr: 4:40 … krass. Noch 6 Kilometer… Zuhause angekommen waren es dann schließlich etwas über 23 Kilometer in 1:44:30, das heißt, ich bin meine bisher beste Halbmarathonzeit gelaufen (1:36:30). Einfach so. Ohne Plan. Ohne Wasser, Energiefutter oder „Versicherung“.
Wenn ich ständig daran erinnert werde, „notfalls“ ja zum Energiefutter greifen zu können, dann mach ichs wohl auch. Aber ohne Ballast läuft es sich einfach leichter, auch ohne mentalen Ballast. Da bleib ich mal dran.

Camino?

Die letzten 14 Tage habe ich öfter mal in Richtung einiger Steine gezeigt und fremden Menschen folgende leicht zweifelnde Frage gestellt: „… Camino?“ und bekam immer als Antwort: „Si! Camino.“
Wer als Flachlandläufer im Norden Teneriffas über die Felsen tobt, kann sich auf die Ortskenntnis der Kanarier verlassen, muss sich aber im Klaren darüber sein, dass der Begriff „Weg“ etwas variabel sein kann.
Camino:

Wir hatten diesmal bewusst keinen Strandurlaub gebucht, sondern uns in einem kleinen etwas abgelegenen Häuschen an einer 50 Meter hohen Klippe eingemietet. Von dort aus bin ich dann früh morgens fast täglich losgerannt und hab zwangsläufig etliche Höhenmeter wegstecken müssen, egal in welche Richtung. Am Anfang eine echte Quälerei (die schöne Gegend hat es mir aber versüsst), später eine immer tollere Erfahrung. Ich kann die Begeisterung der Trail-Läufer nun durchaus verstehen und beneide wirklich jeden der in einer ähnlichen Umgebung lebt und über Felsenpfade und kruden Wegen laufen kann.
Von irgendwelchen Bestzeiten hab ich mich direkt am ersten Tag nach nichtmal einem Kilometer keuchend und relativ emotionslos verabschiedet, darauf kam es mir einfach nicht an.
Viel spannender war es neue Wege zu erkunden, schmale Pfade auf oder ab zu rennen, zwangsläufig kleine Kletterpartien einzubauen und auch die Zeit zu nehmen ein paar Minuten an einer Klippe rumzusitzen. Es gab natürlich nicht nur grenzwertige Caminos, sondern auch schöne Wanderwege, aber wie das so ist, plötzlich macht es Abseits auf den kleinen unscheinbaren Pfaden viel mehr Spass. Ich war nach Eingewöhnung durchgehend sehr entspannt und zufrieden unterwegs, hab die Wege genommen wie sie kamen und die Landschaft genossen. Jeder Lauf wurde aber auch wie gewohnt per Gamin-Uhr aufgezeichnet, allerdings mehr aus Neugier für hinterher, um zu sehen wo ich so unterwegs war.
Vor der Reise hatte ich übrigens lange gegrübelt, welche Schuhe unbedingt mitmüssen, drei Paar sind mit auf die Reise gekommen, letztlich bin ich dann die ganze Zeit mit den New Balance Minimus gelaufen und das war auch verdammt gut so. Einfach perfekt für die Bedingungen.

Nun wieder zuhause und mein heutiger Lauf ging etwa eine Stunde lang durch Düsseldorf und seine Parks. Die paar kleinen Steigungen hier hab ich nicht weiter wahrgenommen.

In der Früh, am See

Auf Reisen sind die Laufklamotten immer dabei, spielt keine Rolle ob zwei Tage unterwegs oder ein paar Wochen, der Platz dafür ist frei. So sehr ich die heimatlichen Runden auch geniesse, woanders zu laufen hat nunmal einfach einen besonderen Reiz. Dann ist mir auch fast egal ob ich nur 5km durch Brügge renne, 15km in Scheveningen am Strand oder durch Berlin auf gut Glück ohne Uhr, hauptsache: einfach machen.
Letztes Wochenende hatte es mich nach Zwenkau (südlich von Leipzig, im Neuseenland) verschlagen, zum diesjährigen „Friendica User und Developer-Treffen“. Und nachdem ich im Vorfeld bemerkte, dass der Zwenkauer See fast genau Halbmarathon Distanz bei einer Umrundung misst, war der Gedanke natürlich da, dort einmal rumzulaufen. Das hat allerdings leider nicht geklappt, da auf halber Strecke eine ausgedehnte Baustelle mit Komplettsperrung lag, aber trotzdem bin ich eben soweit es dann ging am Ufer gelaufen und hab die 12 Kilometer (von den Insektenschwärmen abgesehen) wirklich sehr genossen. Ausnahmsweise kam das Phone mit auf die Strecke, ich wollte gerne von der anderen See-Seite aus ein Foto des Veranstaltungsortes machen. Und weil das Teil dann nunmal eh da war, hab ich auch zwischendurch ein paarmal mehr draufgedrückt.
Es war noch sehr früh, es war still, es war einfach schön.
Bitte sehr:

Un-/Vernunft

Wadenzerrung!! Schönes Wort. Müsst ihr mal richtig laut rausbrüllen. Und das R dabei rollen. Klasse.
Ich hatte mir vor etwa drei Wochen so eine wunderbar schmerzhafte Zerrung zugezogen und weiß bis heute nicht so genau wie das passieren konnte (Kilometer 27, den Jungspund da vorne den pack ich noch, bergauf, egal, autsch! Egal, den pack ich! Auuutsch! Egal, den pack ich!!! Gepackt! Auuuuua!!).
Resultat: nach Hause humpeln, sofort kühlen und so weiter, ihr kennt das (PECH Regel). Nach der Unvernunft trotz erkannter Schmerzen weiterzulaufen, folgte die Vernunft. Ja ehrlich. Es steht noch einiges an dieses Jahr, das wollte ich nicht gefährden, also wurde konsequent für zehn Tage das Laufen eingestellt, viel massiert, gesalbt, gehegt und gepflegt. Danach hab ich sehr langsam und nur barfuss wieder angefangen. Also wirklich langsam, nur jeweils ein paar hundert Meter im Schneckentempo. Das erste mal dann 5 Kilometer schmerzfrei war fast so ein gutes Gefühl wie nach einem offiziellen Rennen durchs Ziel zu laufen. Auf anderen Lauf-Blogs lese ich ab und zu was passiert wenn man nach einer Verletzung zu schnell wieder auf die Piste möchte… man kann diese blöden Erfahrungen selber machen oder einfach auf die mahnenden Worten der Kollegen hören. Ich bevorzuge zweiteres. Seit einer Woche renne ich also wieder als wäre nix gewesen. Barfuss oder Schuhe, egal, alles wieder gut. Es geht immer weiter. So macht das Spaß.

Wetter ist klasse!

Ob Regen, Schnee, Hitze oder was auch immer, mir persönlich macht das Laufen unter widrigen meteorologischen Bedingungen wirklich Spaß. Nicht um mich zu beweisen oder so, sondern weil Wetter schlicht und einfach unbestechlich ist. Das ist dann halt so. Das gehört so. Kannste nicht ändern. Ja klar, einfach zu Hause zu bleiben wäre eine Möglichkeit, aber ernsthaft… wieso?!
Ich mache ganz einfach immer das beste daraus, renne los und freue mich über was auch immer passiert.
Heute zum Beispiel fegte ein nicht grade zimperlicher Sturm mit fetten Orkanböen über das Rheinland und auf meinem Lauf-Plan stand "Langer Lauf". Also raus, muss ja.
Die gewohnten Strecken kamen allerdings nicht in Frage, da hätte ich mich auf dem Rückweg mit dem vollen Brett Gegenwind auseinandersetzen müssen, muss ja nicht unbedingt sein. Also einfach mal eine neue Strecke versuchen und vom Start an mit Gegenwind laufen, dafür aber später mit Rückenwind.
Mit wirklich fordernden Orkanböen von vorne ging es dann also über über die Oberkasseler Brücke, an der (wegen Sturm geschlossenen) Kirmes vorbei, am Rheinufer entlang zum Hafen Neuss, weiter nach Neuss, dann über die Kardinal-Frings-Brücke, zurück am Rheinufer über den Medienhafen zur Altstadt (die Promenade war teilweise auch geschlossen) und wieder ab nach Hause.
Eigentlich eine überraschend gute Laufstrecke, geht zwar viel durchs Gewerbegebiet und den Neusser Hafen, aber eben auch sehr lange schön "durchs Grüne" am Rhein entlang.
In Neuss fing es heftig an zu regnen, ich war in Sekunden völlig durch, nicht zu ändern, ist dann eben so. Der Weg machte eine weite Kurve und dort kam mir ein anderer unerschrockener Läufer entegegen, sieht mich und lachte lauthals los: "Alter! Scheiss auf den Regen! Ich hab Gegenwind!!" Tja, korrekt erkannt. Hab ihm noch einen schnellen Lauf nach Hause gewünscht und bei mir ein wenig das Tempo angezogen. Vom dort an ging es fast nur noch mit Rückenwind weiter und das hat natürlich richtig Spaß gemacht. Irgendwie war das die Belohnung für die erste Streckenhälfte mit dem fiesen Dauersturm von vorn.
Nach fast genau 25 Kilometer (und fast genau 2 Stunden) stand ich dann schliesslich klatschnass und zufrieden wieder vor der Haustür. Die Strecke werde ich wohl öfter mal laufen, hat mir gut gefallen.
Übrigens war ich seit längerer Zeit mal wieder mit den Saucony A6 unterwegs, ziemlich ideal bei diesem nassen Wetter, das Wasser läuft einfach durch die Drainagen wieder raus, aber so richtig Freunde sind wir immer noch nicht.

Freiheit

Wieso laufe ich eigentlich immer noch? Oder ist das eine blöde Frage? Dann denkt mal zurück: wieso habt ihr mit dem Laufen angefangen und wieso lauft ihr immer noch? Da dürfte sich gegebenenfalls einiges geändert haben.

Ich wollte damals (verdammt nochmal!) meine Kondition wieder bekommen. Ganz einfach. Es hat mich wahnsinnig genervt, dass meine Ausdauer, meine "gewohnte Fitness" in den letzten Jahren ein Stückchen zu sehr auf der Strecke geblieben ist. Berufsbedingt, aus Faulheit und aus Ignoranz mir selbst gegenüber. Aber dann: Schmerzgrenze erreicht, etwas unternommen, anfangs eine Quälerei, später (und immer noch) ein Genuss.

Ja klar, da waren viele gute Vorbedingungen im Spiel, Übergewicht kenne ich nicht (kannte ich noch nie), Bewegungsdrang war schon immer da und bei Wind und Wetter draussen zu sein empfinde ich als ein Stück Lebensqualität.
Es war also "nur" noch der Arsch-hoch-Moment und anschliessend etwas Disziplin nötig. Erkannt und durchgezogen.
Dann wurde gelaufen. Anfangs noch vorsichtig, immer in der Nähe vom Zuhause, könnte ja sein dass die Puste raus ist, dann sollte der Heimweg nicht so weit sein. Sehr bald ein Lerneffekt: wenn ich keine Heimat-Runden laufe, sondern eine weite Strecke, dann bin ich leistungsfähiger. Kopfsache. Einfach so nach Hause ist dann eben nicht drin. Die Strecken wurden also länger, ausschweifender, ungeplanter. Und von der "Ausrüstung" immer minimaler: leichte Schuhe, kein unnötiges Gewicht (Gels, Iso, usw) mitschleppen, sogar der Brustgurt zum Puls messen ist auf der Strecke geblieben.
Und über die Jahre hat sich dann eben etwas verändert … meine geliebte Kondition hatte ich schnell wieder, die Ausdauer wurde sogar besser denn je und Laufen wurde für mich immer mehr zu einem Synonym für Freiheit. Anfangs noch unterschwellig, aber irgendwann lief ich einsam bei sehr seltsamen gewitterigen Wetter durch die Felder und erwischte mich bei einem satten Grinsen und der kleinen Erkenntnis: genau, schau dich um, deshalb machst du das. Freiheit.
Und das schätze ich heute mehr als alles andere am Laufen: die Freiheit irgendwo hin laufen zu können. Einfach weil ich es mir selbst möglich gemacht habe.

Hitzelauf in Himmelgeist

Am bisher heißesten Tag des Jahres einen Halbmarathon laufen? Ganz schön bescheuert könnte man meinen. Ganz so schlimm war’s dann zum Gück nicht, aber auch nur dank der vorzüglichen Organisation des LG-Himmelgeist und der vielen Helfer die eine zuverlässige Wasserversorgung sichergestellt haben.
Der Himmelgeister Halbmarathon ist an sich schon eine sympathische Veranstaltung, alles familiär-professionell, freundlich und unkompliziert. Hier gehts ganz klar nicht ums Geld verdienen, sondern um den Spaß am Laufen. Und auch die Bewohner des kleinen Himmelgeist (im Süden von Düsseldorf) haben offensichtlich grossen Spaß an der Veranstaltung. Da fallen plötzlich knappe tausend Menschen mit Laufschuhen über das Dorf her, aber alle bleiben sehr cool und freundlich. Und abgesehen von anfeuernden Grüppchen, haben viele Anwohner während des Laufs sogar mit Wasserduschen an der Strecke für Abkühlung gesorgt.
Zum Start um 8 Uhr hatten wir knappe 28°C. Zuerst musste noch ein Linienbus durchgelassen werden (inklusive Applaus), dann gings los. Die Strassen sind für die Veranstaltung nicht wirklich gesperrt, aber alle Verkehrsteilnehmer nehmen vorbildlich und geduldig Rücksicht.
Die Strecke geht raus aus Himmelgeist, am Rhein lang, nach ca. 4km über die Fleherbrücke auf die andere Rheinseite, schattig wieder am Rhein entlang bis zur Südbrücke (nach etwa 12km), drüber auf die andere Seite und zurück am Rhein nach Himmelgeist. Wegen der Hitze hatten vorsichtige Läufer bereits an der Fleherbrücke die Gelegenheit umzukehren und eine 11,5km Strecke zu finishen. Wieviel das dann genau waren, weiß ich nicht, rein rechnerisch so ca. 30. Wurde also wahrgenommen und war damit eine durchaus sinnvolle kurzfristige Anpassung.
Ganze neun Verpflegungspunkte gibt es, das ist vorbildlich, grade bei so einem Wetter. Etwa 7 Kilometer gings durch die pralle Sonne, nachdem die Temperaturen bereits geklettert waren. Der gleichmäßige und noch angenehme Wind hat zumindest etwas für Kühlung gesorgt. Nach dem üblichen Startfeld-Gedränge hatte sich das Feld übrigens recht schnell aufgelöst, ich bin auf dem Rückweg weite Strecken fast alleine gelaufen. Das ist eins der (vielen) schönen Dinge bei diesen „kleinen“ aber feinen Veranstaltungen: limitierte Teilnehmerzahl im übersichtlichen Bereich (ca. 800). Selbst im Ziel hatte ich keinen „Sparringpartner“ für ein kleines Schlussduell und bin dann entspannt alleine über die Linie getrabt.
Meine Zielzeit: 1:41:36 (4:49 Pace), Platz 62 in der Herrenwertung, 10 in meiner Altersklasse, völlig ok für mich unter den Bedingungen (waren es 32°C im Zielbereich?).
Für die Lauf-Nerds: ich hab weder Gel noch sonstwas Zuckeriges während des Laufs zu mir genommen und nichts getrunken. Nur an jedem VP den Mund ausgespült und den Rest über den Kopf geschüttet. Und einen stets feuchten Schwamm dabei gehabt, der war Gold wert! Also einfach den Kopf/Körper kühl gehalten und kein Blubberbauch gehabt. Top. An den Füssen hatte ich wieder die geliebten Inov-8 Road-X-Treme 138.
Image/photo

Handfest war übrigens die Duschmöglichkeit nach dem Lauf: Ein Wasserschlauch an einem Trecker!! 🙂
Und wisst ihr was? Danke dafür! Ich hätte überhaupt keine Lust gehabt unter eine normale Dusche in einem evtl. auch noch stickigem Zelt zu gehen. Die Treckerdusche war dagegen eine Wohltat und es sind zudem noch lustige Gespräche zustande gekommen.
Treckerdusche

Fazit:
Ich hatte ganz einfach einen wirklich tollen Vormittag und bin froh endlich mal diesen schönen Halbmarathon mitgelaufen zu sein. Zumal dieser „Hitzelauf“ ein wunderbares Kontrastprogramm zum nicht minder schönen aber arschkalten und sturmgepeitschten Egmond Halbmarathon im Januar war.

Kurz geht auch

Wir sind am 25.06. recht spontan mit einem kleinen buntgewürfelten 4er Team in Düsseldorf beim 7. RUN4iDEAS Firmenlauf an den Start gegangen. Einfach so, aus Spaß und weil es für uns wirklich um die Ecke ist. Der Lauf hat nur eine 6,1km Distanz, die Strecke läuft überwiegend schön flach am Rhein entlang, einmal ums Messegelände und wieder am Rhein zurück.
Vom Traumwetter mal abgesehen, war die Veranstaltung sehr gut organisiert, freundliche Helfer, alles erreichbar. Ich hab noch nie so viele Bananen auf einem Haufen gesehen und zu trinken gabs auch vor dem Lauf schon reichlich (keine Selbstverständlichkeit). Am Abend folgt immer noch eine beliebte und ausschweifende Party, die hab ich mir allerdings gespart.
Der Startbereich wurde in drei Startblocks nach Pace aufgeteilt: 4:30 oder schneller, 4:30 bis 6:00 und langsamer als 6:00.
Wir haben uns gemeinsam mittig in den "4:30 oder schneller"-Block aufgestellt, ich bin aber noch etwas weiter nach vorne, wollte nach dem Start möglichst schnell dem ewig nervigen Startblockgerempel entgehen.
Für mich war das was nach dem Start folgte, dann mal eine Erfahrung völlig anderer Art: wie läuft man denn so eine Distanz vernünftig? Alles über 10km kann ich gut planen und weiß wann was möglich und nötig ist, aber 6,1km? Noch nie gemacht.
Die Entscheidung war dann ziemlich pragmatisch: gib alles! Also bin ich beim Startschuss (ok, es gab keinen Schuss, sondern "nur" einen Countdown) ganz einfach sofort losgeprescht, mit nur einem Hintergedanken: unterwegs improvisieren ist angesagt. Kann ich.
"Gib alles" ist für einen Läufer ohne Sprinterfahrung eine echte Herausforderung wie ich relativ schnell bemerken musste. Gestartet mit einer 3:40er Pace, war nach gut 3km ein wenig die Luft raus und ich hab mich bei 4:10 eingependelt. Die wollte ich dann aber auch beibehalten und habs die restliche Strecke auch so durchgezogen. Auf einem 30km Lauf kann man mal "rumtrödeln", bei 6 Kilometern zählt aber irgendwie jede Sekunde, also ab dafür, nur nicht schwächeln.
An der gesamten Strecke wurde mächtig angefeuert und Party gemacht, das pusht natürlich noch etwas, und es gab immer irgendeinen schnellen Läufer, der als ungewollter Pacemaker herhalten musste (und dann überholt wurde). Den VP bei km3,3 hab ich links (oder war’s rechts?) liegen gelassen, ebenso einige feurige Typen die mich vorher überholt hatten und nun nicht mehr konnten. Über die letzten 500 Meter wurde obligatorisch nochmal Vollgas gegeben und ich bin mit 24:47 durchs Ziel gerannt. Das macht eine Durchschnitts-Pace von 4:03, die mag für "5k-Sprinter" zwar lächerlich klingen, für mich ist das tatsächlich eine Superleistung.
In Summe: Platz 70 (von 3816) in der Einzelwertung, Platz 42 (von 405) für unser Team. Das ist anständig. Was hätte man da noch rausholen können, wenn wir mal gemeinsam trainiert hätten? Aber was solls, das ganze war als Spaßlauf gedacht und den hatten wir auch, alle vier waren (sind!) sauzufrieden und abgesehen davon dass sich meine GPS-Uhr im Zielbereich aufgehängt hat, war alles wirklich superrund. Nächstes mal bin ich gerne wieder mit am Start

Life’s hard – run harder

… steht auf den Sohlen der Saucony A6.
Find ich gut.
A6
Bin jetzt erst 25km damit gelaufen, werde nach über 200km vielleicht mal etwas ausführlicher berichten.
Bisher: gute Passform, aber fast zu schmale Zehenbox, dafür richtig schön luftig und leicht. Die Drainagelöcher sind Steinchensammler, hält sich aber im Rahmen. Die Schnürung ist ok, Qualitativ gibts generell nix zu meckern, alles gut durchdacht und gut verarbeitet.
Ich hab übrigens Strassenschuhgröße 43, laufe normalerweise mit 44,5, musste hier aber 45 nehmen, die fallen also durch die schmale Bauweise eher klein aus.
Mir fehlt beim Laufen die mittlerweile gewohnte Direktheit der Minimalschuhe, die Dämpfung ist fast zu stark. Genau das könnte allerdings ein Trumpf bei Langstrecken sein, darauf lege ichs jetzt an.
Also: als Alternative zu den Road-X-Treme leider nicht geeignet, aber Freunde werden wir trotzdem.

Nichts hält ewig

Die „Lieblingsschuhe“ sind ein Läufer-Thema ohne Happy End. Wenn man/frau dann endlich nach vielen Experimenten die passenden und „einzig wahren Laufschuhe“ gefunden hat, dann ist es mit Sicherheit ein Auslaufmodell. Mit Ansage. Die verdammte Schuhindustrie denkt nicht im geringsten daran, dass jede neue Schuhgeneration die Kundschaft zur Verzweifelung bringt. Manchmal sinds nur kleine „tolle neue technischen Weiterentwicklungen“ und als Läufer arrangiert man sich damit, dass der gestern noch vertraute Schuh heute plötzlich ein Fremder ist. Aus Gewohnheit nimmt man dann halt doch wieder das bekannte Modell, mit der Nachfolgenummer, sicher ist sicher, immerhin schmerzen die Knie schon lange nicht mehr. Manche Nachfolgemodelle sind allerdings Lichtjahre von der Qualität der Vorgänger entfernt, eine Odyssee beginnt, ein Vorgänger-ähnlicher Schuh muss gefunden werden, die Ollen halten höchstens noch 20 Kilometer, die Experimente beginnen von vorne.
Und der Super-Gau: gerne wird ein Modell einfach nicht mehr hergestellt! Da brechen Welten zusammen! Alles von vorne, Testberichte lesen, Freunde befragen, in Blogs stöbern … welcher Neue ähnelt meinem Lieblingsschuh? Und wo bekomm ich den? Und was kostet der? Oder finde ich noch irgendwo ein Paar meiner alten Lieblinge?
An dem Punkt war ich letztes Jahr, als ich die Online-Dealer meines Vertrauens nach einem Ersatzpaar Road-X-Treme 138 durchstöberte und nicht mehr fündig wurde. Inov-8 hat mir auf Nachfrage bestätigt dass das Modell nicht mehr hergestellt wird, aber noch ein paar in meiner Größe am Lager liegen. Ich hab dann einfach mal drei Paar gekauft und davon vor ein paar Tagen den letztem Karton öffnen müssen. Die Schuhe sind einfach super, leicht, minimal, tolle Passform, wie für mich gemacht. Durch die wirklich leichte Bauweise halten die (schätzungsweise) 800 Kilometer, ich tracke das nicht, kann also abweichen. Die Sohle würde länger halten, aber das Mesh-Gewebe löst sich in den beanspruchten Zonen (bei mir die Zehenbox) irgendwann auf. Damit kann man noch laufen (mach ich auch), aber die Stabilität leidet irgendwann merklich. Meine Schuhe werden gelaufen bis es nicht mehr geht, ich achte nicht auf Kilometerempfehlungen oder Schuhverkäuferweisheiten.
Ok, der letzte Karton ist angebrochen, etwa 150 Kilometer sind schon runter, ich hege und pflege sie, aber irgendwann dieses Jahr werden sie hin sein. Ja, ich hab noch jede Menge anderer Schuhe (siehe Ausrüstung), bzw. mein derzeitiger Schuhschrank passt gut zu mir. Aber die Road-X-Treme 138 hätte ich gerne noch weiterhin dabei gehabt, die haben mir geholfen meinen Laufstil zu verändern, waren der Impuls zum Barfusslaufen, überhaupt wäre die recht zügige Entwicklung weg vom Fersenläufer ohne diese leichten Dinger bei mir nicht so möglich gewesen. Jaja, ein wenig „Nostalgie“ ist natürlich dabei.
Natürlich bin ich ein neugieriger Mensch und teste gerne neue und völlig fremde Modelle, festgefahren sollte ein Läufer nicht sein, ein Nachfolger wird sich also finden, fragt sich nur wann und was. Spannend. Mein Anspruch: flach und leicht, robust, 0mm Sprengung, Strecken über 30 Kilometer müssen drin sein.
Oder vielleicht sollte ich einfach noch viel mehr Barfuss laufen, damit erledigt sich das Thema von selbst.