Regeneration

Dank Internet und massenhafter Literatur findet jeder Läufertyp Trainingspläne, Ernährungstipps und Ausrüstungsvorschläge für so ziemlich jede Art von Wettkampf. Jederzeit. Völlig egal ob 10km, Halbmarathon, den ganzen oder mehr. Auch wenn die Vorbereitung natürlich die nötige Disziplin voraussetzt, wer die Ratschläge befolgt, hat schonmal die "halbe Miete" drin und kann anhand der Tipps einen erfolgreichen Lauf absolvieren.
Zum Thema Regeneration nach einem anstrengendem Lauf findet sich allerdings nichts konkretes, bzw. sehr unterschiedliche Aussagen. Grundaussage überall: "Hör auf deinen Körper". Das ist schön und fällt mir auch nicht besonders schwer, ist aber im Vergleich zu den diversen konkreten Trainingsplänen dann doch schon ziemlich variabel. Einmal quergelesen über die üblichen Verdächtigen (Marquardt, Greif, Steffny, Sonntag und Co.) finde ich Hinweise wie "mach Pause zwischen 4 und 60 Tagen, aber fang rechtzeitig wieder mit kleinen Einheiten an." … okay …
Was mache ich denn nun daraus? Zu allererst: auf meinen Körper hören 🙂 Und der hat mir nach dem Marathon klipp und klar gesagt: Pause! Und viel essen (kein Problem).
Nach fünf Tagen wurden meine Beine unruhig und ich war das erste mal wieder für sehr sehr lockere 5 Kilometer unterwegs, barfuss. Auch das hat mir mein Körper geraten, er hatte einfach keine Lust Schuhe anzuziehen. Heute (also eine Woche nach Marathon) wieder sehr lockere 5 Kilometer mit Schuhen und die gleiche Distanz nochmal barfuss hinterher. Barfuss hat einfach den Vorteil völlig ruhig und nicht zu schnell zu laufen, und es macht echt richtig Spaß bei dem Wetter. Die nächsten 14 Tage werden wahrscheinlich ähnlich ablaufen, eher ruhige Barfuss/FiveFingers-Einheiten und auf keinen Fall auf den "Tacho" schauen; gemütliche Genussläufe im Grünen statt Intervalle auf Asphalt. Und dann mal schauen wann die Waden jucken und einen schönen langen Lauf einfordern. Erst Anfang Juli steht der nächste Halbmarathon an, aber bis dahin bin ich eh wieder topfit.
Wie macht ihr das? Gibts irgendwelche Faustregeln?

Das erste mal 42195 Meter

Nach 16 Wochen gründlicher Vorbereitung, ging es heute mit Startnummer 1890 zum Metro Group Marathon hier in Düsseldorf. Ich bin mittlerweile zwar schon viele sehr lange Strecken gelaufen, aber dies war mein erster echter Marathon.
Einen ausführlichen Laufbericht erspare ich euch mal … da sind halt etwas mehr als 42 Kilometer zu laufen und von jedem Kilometer was zu erzählen gibts eh nicht.
Der Düsseldorfer Marathon geht kreuz und quer durch die Stadt, ist bis auf ein paar Brücken recht flach und damit ideal für das erste mal.
Also in kurz: Wetter top (13°C, bedeckt), Stimmung super, sowohl bei mir als auch bei den Zuschauern.
Nach 5km hatte ich mein Feld gefunden, die Halbmarathondistanz wurde nach 1:45:20 mit einem Lächeln abgehakt, die ersten 35 km gingen tatsächlich wie geplant sehr entspannt über die Bühne, danach wurde es allerdings anstrengend bis teilweise sogar unwitzig. Ich hab mir bei km36 eine kleine Gehpause gegönnt, eigentlich nur um mal in Ruhe eine größere Menge Wasser runterzustürzen, wurde aber direkt von einem Tim (danke nochmal dafür!!) motiviert schnell weiterzulaufen, hab ich dann auch gemacht und mich einfach für eine Weile an Tim drangehängt. Dann gings aber bald nach Plan weiter, der Kollege war doch etwas schneller als ich.
Was für einen Plan hatte ich? Zielzeit 3:45:00. Als Hilfe für die Strecke hab ich mir einen Ausdruck vom Greif Marathon Taktik Rechner mitgenommen und mich streng daran gehalten. Die letzten 5 Kilometer haben mich gefordert, so richtig. Da ich diese Gel-Packs echt hasse, kam die erste Tüte erst bei km33 zum Einsatz, bei km37 dann noch eine, weil ich wirklich etwas arg am schwächeln war. Dachte mir das hilft, aber ein merkbarer Effekt war da nicht. Also Zähne zusammenbeissen und weiter, ich wusste dass dieser Moment kommt und hab mich davon nicht verrückt machen lassen. Die letzten 1,5 Kilometer ging es dann wieder richtig gut, die Zuschauer haben angefeuert, mein Körper hat noch irgendwo Adrenalin hergeholt, das Ziel kam in Sicht und siehe da: es war sogar noch Luft für einen anständigen Sprint. Alles Kopfsache also vorher mit dem Schwächeln? Wie auch immer, ich bin mit 3:44:20 netto durchs Ziel und hab damit meine Wunschzeit sogar noch ein paar Sekunden unterboten.
Mein Plan ist damit fast punktgenau aufgegangen.
Ich bin ganz einfach rundum superzufrieden.

Platz:    814 (2650)
Platz (AK:M45)    153
Brutto:    03:45:14
Netto:    03:44:20
10km:    00:50:00
Halbmarathon:    01:45:20
30km:    02:31:55

Du musst auch drauf drücken!

Heute war Brückenlauf hier im sonnigen Düsseldorf. Perfekte Bedingungen, irgendwas um 12°C, blauer Himmel, windstill. Die Altstadt lahmgelegt, tausende von gut gelaunten Menschen am Rheinufer. Das ganze Programm was man auf so einer Laufveranstaltung erwartet, wird hier professionell abgespult.
Meine Anmeldung stand schon seit irgendwann im Herbst fest und da das alles quasi bei mir vor der Haustür stattfindet, bin ich schnell mit dem Rad hingefahren, hab die Startnummer abgeholt und mich um 11:30 in Richtung Startlinie bewegt. Die „Wettkampfdistanz“ von 10km gehört zur Zeit eher zu meinen kurzen Strecken, laufe ich sozusagen im Schlaf. Aber im Pulk ist ja bekanntlich alles anders, und obwohl schon zigmal bei solchen Volksläufen mitgelaufen, ist dann doch tatsächlich wieder etwas Aufregung im Spiel. Nicht viel, aber genug für eine kleine Dummheit.
Noch 5 Minuten. Ich starte schonmal die GPS Uhr, erfahrungsgemäß dauert die Suche nach Satelliten immer etwas länger. Diesmal nicht, nach nichtmal einer Minute war die Uhr bereit. Ich auch. Und dann geht auch schon los, Startschuss. Ich kämpfe mich schnell durch durch die übliche „Jogger“-Fraktion (die immer viel zu weit vorne starten) und möchte einfach nur mein gewohntes Tempo laufen. Mein Plan: unter 44 Minuten bleiben, dann ist alles ok. Die vergangene Woche mit etwa 90 km lässt sich nicht so einfach wegwischen und ein Sprinter bin ich eh nicht.
Nach zwei Kilometern ist der höchte Punkt der Rheinkniebrücke erreicht, jetzt gehts erstmal länger abwärts, ich schaue schnell zur Uhr … und … das Ding ist aus. Hat sich in Standby geschaltet. Ich Idiot hatte vergessen an der Startlinie den Startknopf zu drücken! Ganz kurz ist Ärger hochgekommen, aber was solls, dann mach ich eben jetzt an und hab wenigstens einen Teil getrackt, bzw kann meine Pace ab und zu prüfen. Und so laufe ich dann weiter, schaue etwa bei km4 wieder auf die Uhr … und … das Ding ist aus! Ich hatte zwar den Standbymodus beendet, aber scheinbar wieder nicht auf den Startknopf gedrückt! Unfassbar. Aber zu dem Zeitpunkt auch völlig egal. Ich hab kurz vor mich hin gekichert, den Startknopf gedrückt (jetzt aber wirklich) und dann einfach auf Uhrzeit umgeschaltet. Scheiss auf Pace, scheiss auf Kontrolle, scheiss überhaupt auf diese komische Abhängigkeit zur Uhr. Also ab dafür, es wird auch locker ohne Uhr gehen.
Das charmante am Brückenlauf ist, dass die Strecke in zwei Runden gelaufen wird. Das heißt, bei Halbzeit zeigt eine grosse Digitaluhr den Stand der Dinge an. Ich laufe bei Punkt 21 Minuten am Burgplatz vorbei und nehme mir vor meine bescheidenen Stärken auszunutzen und einfach mal nach Gefühl das Tempo zu bestreiten. Das ging ja früher auch … seit wann gibt es GPS-Uhren?!
Und in dem Moment kam der richtige Spaßfaktor ins Spiel! Losgelöst von Gedanken wie „oh… Pace 4:30, da muss mehr, verdammt“ hab ich einfach nur noch Steigung und Gefälle ausgenutzt, mich immer wieder an starke Läufer gehängt und vor allem: ich bin einfach nur völlig befreit gelaufen.
Der letzte Kilometer wurde beschleunigt, Reserven waren noch da, zum Ziel hin noch etwas schneller und dann einen für meine Verhältnisse furiosen Zieleinlauf hingelegt. Hinter der Ziellinie noch kurz austraben und ein Becher Wasser runterstürzen. Und einen zweiten. Und zufrieden sein. Und nach 4 Minuten merken … die Uhr… lief noch. Unfassbar, ich hab das Ding einfach vergessen, war dann ja auch völlig egal, aber laut lachen musste ich beim Zeitstoppen trotzdem.

Trotz der Uhrensituation war es ein klasse Lauf bei tollem Wetter, vorzüglich organisiert mit immer freundlichen Helfern, denen mal ein besonderer Dank: Ohne euch würde nix und keiner laufen!

Meine offizielle Zeitmessung lautet übrigens:
mit 00:43:28 der 115. Platz bei den Herren (von 1003)
Altersklasse M45 der 16. Platz
… alles gut also.

Ihr seid Borg

Gestern ging es bei wunderbarem Wetter mal wieder schön am Rhein lang, die bewährte Halbmarathondistanz, kaum Höhenmeter, entspanntes Laufen trotz vieler Oster-Spaziergänger. Natürlich waren auch viele Läufer unterwegs, die Routinierten überwogen, aber die Sonne überzeugte scheinbar auch viele Damen und Herren, ihre Neujahresvorsätze endlich mal so langsam aber sicher umzusetzen. Und natürlich die "Oh!-Sonne!-ich-geh-raus-und-zeige-meine-funky-Laufklamotten"-Typen. Da möchte ich mich nicht weiter drüber auslassen, die gibts hier in Düsseldorf reichlich, ist nunmal so. Sei’s drum.
Was sich mir immer mehr entzieht sind die "Borgs", also Läufer mit Unmengen Technik am Körper. Smartphone, ok, das nehmen viele mit weil da eben auch die Sport-App drauf mitläuft.
Aber dann gehts los … Smartphone + Pulsuhr + Bluetooth-Headset + GoPro (inkl. Selfie Stick natürlich), alles was es grade an Hightech gibt, wird mitgenommen, offenbar geht der Trend sogar zum Zweit-Smartphone … Hallo?! Was ist mit euch los?!? Ihr lauft wegen … was?
Und dann auch noch während des "Laufens" telefonieren und Fotos machen … Wirklich, ehrlich, ingesamt drei(!) solcher Typen sind mir begegnet, bzw ich hab die jeweils langsam überholt und konnte es gar nicht glauben was ich da grade erlebe. Voll beschäftigt mit der Technik, keine Zeit und keinen Sinn frei für den schönen Tag bzw. für einen kurzen Gruß. Ganz ehrlich, ich verstehe vieles, natürlich auch daß jeder andere Möglichkeiten zur Selbstmotivation nutzt. Das ist völlig ok und gut so. Und auch dass man einen jeweils anderen Anspruch an seine Lauferei hat, zum Glück ist das so. Jeder ist so ein klein wenig der Nerd, oder Geek, oder Spinner. Mit Musik oder ohne laufen, Fotos von unterwegs sind auch toll. Und hinterher möchten wir wissen was wir geleistet hab, die GPS-Uhr (oder was auch immer) kommt also mit.
Aber irgendwo ist’s dann doch mal gut, oder? Dieses ewige "immer vernetzt sein" der "Selfie-Generation" geht mir persönlich etwas auf die Nerven. Lauf-Apps feuern einen beim Laufen an, hab ich irgendwo gelesen. Die Strecke wird live zu irgendwelchen Online Diensten hochgeladen, Lauf-Kollegen wissen immer genau wo der andere grade rennt, alle drei Minuten werden Fotos hochgeladen, "schon wieder 50 Kalorien verbraucht!" fliegt zu Twitter … Und nach dem Lauf gehts dann auf die vernetzte Waage und das Smartphone berechnet den Kalorienbedarf. Vom mangelnden Datenschutz mal abgesehen (wisst ihr eigentlich was ihr da tut??): Gehts hier noch ums Laufen? Hab ich was verpasst? Oder bin ich vielleicht einfach nur zu intolerant?
Aber es gab gestern auch eine sehr nette Erfahrung: ein sichtlich gut gelaunter und schneller Läufer kam mir etwa bei Kilometer 6 entgegen, grüßte sehr freundlich und war auch schnell wieder weg. Auf dem Rückweg (andere Rheinseite) sind wir uns dann wieder begegnet, zum Erstaunen beider 🙂 Ein freundliches "wieviel machste?" "22!" "klasse, ich auch! Hau rein!" wurde motivierend hin und her geschmettert, und richtig gut gelaunt gings weiter. Schön dass es sowas auch gibt, gerne mehr davon. Der Kerl hatte übrigens keine (sichtbare) Technik dabei.

Abwechslung

Die letzten Monate hatte ich plötzlich immer wieder und immer öfter meine alten New Balance Minimus Trail an den Füssen, nicht zum Laufen, sondern einfach so im Alltag. Die sind immer noch richtig klasse, bloß leider zum Laufen etwas zu eng geworden. Keine Ahnung wieso, beim Kauf damals war die Größe korrekt, ist das möglicherweise ein Resultat vom Barfusslaufen? Kann sein, aber ist auch egal. Eine Nummer größer musste her, Online gefunden (MT 10v2), gekauft und siehe da: passen perfekt.
Und dann hatte es mich plötzlich wieder gepackt: runter vom Asphalt, rein in den Wald, Hügel hoch, kreuz und quer durch die Pampa rund um den Grafenberger Wald. Über Wiesen, durch Matsch, Pfützen, Wurzeln, Schotter, alles funktioniert. Und alles macht richtig Laune!
Bis ich im Grünen ankomme, müssen trotzdem erstmal 3-4 Kilometer Strasse gelaufen werden, zurück natürlich auch (und zwischendurch auch mal), das hat mich in der Vergangenheit immer reichlich genervt, da die Schuhwahl dann doch eher gut bedacht sein sollte. Reine Trailschuhe? Nerven auf der Strasse. Flache minimale Rennschuhe? Keine Chance im Gelände. Fivefingers? Ok, das geht, aber ich hab nicht immer bock auf Zehenschuhe. Die Minimus Trail allerdings sind durch ihre erstaunliche Flexibilität eine tatsächlich sehr gute Wahl, wie ich jetzt erst kapiert hab. Die können beides ganz hervorragend.
4mm Sprengung sind mir zwar schon fast zu wenig minimal, passables Barfussfeeling kommt nicht auf, aber das wird in Passform und Flexibilität wieder rausgeholt. Meine Füsse fühlen sich frei an, die Gelenke werden nicht künstlich gestützt und die Zehen haben reichlich Platz. Dazu noch das geringe Gewicht und der gute Grip, die Dinger können sogar unter widrigen Bedingungen richtig gut zum Tempo machen genutzt werden.
Besonders gut für mich ist allerdings die Tatsache, endlich mal mehr Abwechslung in meinen Laufalltag zu bekommen. Auch wenn ich tatsächlich sehr gut stoisch immer die gleichen Runden laufen kann, ist es natürlich für Augen und Seele viel angenehmer nicht immer nur die gleichen Strecken runterzureissen. Meine Muskeln, Sehnen und die Koordination danken es mir mittlerweile ebenfalls, da ist merklich etwas passiert. Alles in allem, eine sehr gute Vorbereitung auf die nächsten anstehenden offiziellen Läufe.

Sicher ist sicher, sicher?

Bisher war das Glück (und auch die Vorsicht) immer an meiner Seite. Klar gabs schon mal üble Stolperer und auch eine dicke Prellung am Knie nach einer Kollision mit einem Radfahrer. Aber so richtig aus den Latschen gekippt bin ich bisher noch nie. Möchte ich natürlich auch nicht. Aber was wenn? Sind wir heutzutage übervorsichtig? Immer und überall abgesichert und erreichbar? Da hab ich keine Lust zu. Beim Laufen kommt kein Handy mit, ich möchte das einfach nicht. Dieses Abkoppeln vom Alltag tut mir gut, lasst mich in Ruhe, ich bin mal eben laufen. Manchmal nehm ich meine Öffi-Monatskarte mit, falls es irgendwie mal so gar nicht weitergeht, aber das wars dann auch (hab ich übrigens noch nie gebraucht). Aber was, falls es mich mal umhaut? So richtig umhaut? Was soll ein Helfer mit mir anfangen? Über irgendwelche Zettelchen mit einem Notfallkontakt drauf, zb an der Pulsuhr oder in der Tasche, hatte ich schon öfter nachgedacht. Aber war ja klar, dass sowas längst ein lukrativer Markt ist … Es gibt Armbänder, Kapseln, IDs für die Schuhe, Umhänge-Tags, mit Gravur oder Zettelchen, wasserdicht, usw… Von sehr günstig bis sehr teuer, alles dabei. Anbieter ohne ende, stöbern macht (zumindest mir) nur bedingt Spaß. Trotzdem ist die Idee gut und ich mag es pragmatisch, hab mir also ein simples Armband bei SafesportID bestellt und werde das von nun an brav beim Laufen tragen. Hoffentlich wird es nie benötigt.

ID

Safesport wrote:

Safesport ID ist ein Identifikationsarmband, das du mit deinen Notfalldaten personalisieren kannst. Es besteht aus einem Silikon Armband und einer ID Platte aus rostfreiem Stahl, und wurde für die anspruchsvollsten Sportarten entwickelt. Es ist so bequem und leicht, dass du es täglich tragen kannst, auch wenn du gerade keinen Sport betreibst. …

Schlafen, arbeiten, laufen, schlafen, arbeiten, laufen, …

Kennt ihr das? Wenn das Lauftraining, aus welchen Gründen auch immer, intensiver wird, dann reichen die 24 Stunden pro Tag plötzlich kaum noch aus. Aber mehr gibts nicht. Deshalb wird alles irgendwie in diese paar mageren Stunden gepresst. Mit schlafen, arbeiten, laufen ist es ja auch nicht so ganz getan, die Partnerschaft soll auch nicht leiden und Freunde hat der eine oder andere ja auch noch. Laufen kann verdammt zeitintensiv sein, wir sind auf ein sehr tolerantes soziales Umfeld angewiesen. Nicht nur dass der gemeine Läufer viele andere Dinge dem Laufen unterordnet, wenn dann mal Zeit für was anderes ist, kommt der Kollege Müdigkeit gleich mit. Es gab schon gemütliche Abende, da sass ich zwar am Tisch in netter Runde, war aber nicht mehr in der Lage vernünftig Konversation zu betreiben. Weil: völlig im Arsch, da ja vorher unbedingt noch dieser schnelle 20km Lauf sein musste. Meine Freunde haben nicht viel von der Schnelligkeit, ausser vielleicht dass sich die Gespräche mal ausnahmsweise nicht ums Laufen drehen, weil der schnelle Typ nur apathisch und still auf seinem Platz sitzt. Immerhin hat er noch gesunden Hunger.
Beliebt sind auch die mehrtäglichen Laufeinheiten, möglichst noch Intervalle mit ordentlichen Herausforderungen, den Hügel da hoch und auf der graden Strecke da hinten noch mal richtig Tempo machen. Nur keinen Pausentag einlegen, immer schön durchziehen. Wenn doch am nächsten Tage nur diese lästige Konzentration bei der Arbeit nicht nötig wäre, es gingen bestimmt noch ein paar Kilometern mehr. Im Büro sitzen, nix peilen, weil die 30 Kilometer vom Vortag noch in den Knochen stecken, sehr beliebt. Auch schön: hurra, ich mache mit bei [irgend ein Volkslauf] (austauschbar mit einem Laufevent deiner Wahl)! Natürlich findet sowas am Sonntag morgen um 9 Uhr statt. Perfekt für ein gemütliches Wochenende mit dem Partner, ausschlafen wird eh überbewertet. Macht ja auch voll Spaß für Nicht-Läufer, die schweisstriefende, keuchende Masse vorbeiziehen zu sehen …
Achja, wieso schreibe ich in letzter Zeit wohl so wenig? Keine Zeit, muss laufen.
Übertreibe ich grade? Nur ein klein wenig. Wohl dem Läufer, der ein tolerantes Umfeld hat. Ich habs zum Glück.

 

400km KMD

Etwas mehr als 400 km bin ich jetzt mit den Vibram FiveFinger KMDs gelaufen. Die letzten Wochen immer mehr und immer umfangreicher.
Zeit für einen kleinen subjektiven Testbericht:
Aller Anfang war … nunja … merkwürdig. Die KMDs anzuziehen ist recht einfach, sind nunmal keine Flipflops, aber nach kurzer Eingewöhnung gehts sehr fix. Bei einigen anderen FiveFinger ist das wohl nicht so einfach, hab ich zumindest in diversen Beiträgen gelesen.
Wer mit FiveFingers beginnt, sollte sich für die erste Zeit möglicherweise auf Blasen einstellen. Ich selber hatte nur ein paar kleine Schürfwunden, aber mit der Zeit härtet frische Hornhaut diese Stellen ab.
Barfuss laufen ist nicht gleich mit FiveFinger laufen, durch die stabile Sohle laufe ich dann doch ungewollt etwas schlampiger als wenn ich richtig barfuß unterwegs bin. Ein paar Kilometer sind fast immer nötig um den Bewegungsablauf wirklich sauber drauf zu haben. Und im eigenen Interesse (bzw im Interesse der Waden) läuft man besser sauber. Nicht „schlappen“, sondern immer schön die Füße anheben, dann klappts auch mit der Mittelfußtechnik. Das wird aber mit der Zeit immer besser und leichter.
Schon beim ersten Lauf ist mir allerdings aufgefallen, daß die Sohle recht laut auf hartem Untergrund ist, das kann sogar mal zu richtigen Klatschgeräuschen führen. Kannte ich so noch nicht, meine anderen Minimalschuhe (und auch die VFF Evos) sind sogar extrem leise. Das war also noch ein Grund mehr, sehr sauber auf dem Mittelfuß (eher sogar auf Vorderfuß) zu laufen. Viel mehr negatives gibts aber auch nicht. Auf Sand, Schotter, Gras, durch Matsch und Pfützen, über Holzstämme und Kieswege, alles kein Problem, das Laufen mit diesen Schuhen macht ganz einfach richtig Spaß.
Die Zehen entwickeln nach der Eingewöhnungzeit enorme Stabilität und passen sich immer dem Untergrund an (übrigens: ja, auch in Zehen kann man Muskelkater bekommen). Besonders bei grobem Schotter bin ich echt erstaunt wie problemlos man da drüber rennen kann. Als wichtig hab ich erfahren, Abwechslung in den Lauf zu bringen, das ist besonders für typische „Stadtläufer“ hilfreich. Nicht stumpf die Strecke runterreissen, sondern auch ab und zu eine Treppe mitnehmen oder kleine Sprünge oder ein Sprint über die nächste Wiese machen. Hebt auch den Spaß-Faktor enorm. Am schönsten ist es natürlich durch den Wald zu toben und auch mal einen Hügel hochzurennen. Auf Trailstrecken kommen die Stärken der KMDs richtig raus, guter Halt, stabil und trittsicher, die verstärkten Zehenkuppen können was ab. Vorsicht ist natürlich auch mit „normalen“ Schuhen erstes Gebot, mit FiveFingers läuft man aber eh etwas aufmerksamer.
Werden die Füße durch Pfützen oder Matsch mal nass, ist überhaupt nicht schlimm, Schuhe und Füße trocknen unheimlich schnell wieder.
Die Schnürung hält sehr gut und zwängt den Fuß nicht ein, die Schuhe passen aber eh so gut, daß die Schnürung nur unterstützend wirkt und vor eher allem die Optik verändert. Mit den sonst üblichen Klettverschlüssen sehen FiveFingers etwas weniger schuhähnlich aus, die Schnell-Schürsenkel machen Schuhe draus. Komische Blicke gibts trotzdem von manchen Passanten oder Joggern, aber das ist mir völlig egal.
Ich hab mich langsam rangetastet, das ist sehr empfehlenswert vor allem um schlimmen Muskelkater zu vermeiden (hatte ich nie). Anfangs waren maximal 2 bis 5 Kilometer drin, über Wochen sehr langsam und vorsichtig gesteigert, mittlerweile laufe ich ohne Anstrengung 20 bis 25 km mit den KMDs. Die letzten sieben Tagen wollte ichs dann wissen und hab jeden Tag mindestens12 km hingelegt. Das Erstaunliche: mit jedem Tag wurde ich schneller. Heute fast 16 Kilometer in einer Stunde und acht Minuten (Pace von 4:25), das hätte ich mir vor vier bis fünf Wochen niemals zugetraut. Spannende Frage: was ist noch drin?
Aber eigentlich kommts mir nicht aufs Tempo an, das ist nur ein sehr netter Nebeneffekt. Ich möchte Spaß beim Laufen haben und dabei ausdauernd sein. Und die FiveFingers machen Spaß. Sehr viel Spaß. Könnte gut sein daß die meine bevorzugten Laufschuhe werden.

 

Unsozial

Ich bin ein unsozialer Läufer.
Alleine laufen macht mir einfach am meissten Spaß, das erfüllt mich. Sich selbst und die eigenen Wahrnehmungen nur noch auf gleichmäßiges Atem, Wetter, Natur, Laufrhythmus zu reduzieren, das gefällt mir. Der berühmte klare Kopf ist mir wichtig. Oft finde ich auf langen Läufen ohne aktiv nachzudenken plötzlich völlig simple Lösungen für Themen die mich bereits seit Tagen beschäftigen. Andere Läufer werden natürlich freundlich gegrüßt ("man kennt sich" ja mittlerweile), aber dranhängen möchte ich nicht, lasst mich dann bitte einfach alleine weiterlaufen.
Sollte doch mal jemand mit mir unterwegs sein, dann aber bitte Klappe halten. "Die nächste links?" ist ok, aber mehr muss echt nicht sein. Es ist ja nicht so dass mich die Begleitung an sich nervt (ehrlich nicht), sondern wenn ich mich statt mit dem Laufen dann plötzlich mit anderen Dingen beschäftigen soll und dadurch aus dem Rhythmus gebracht werde.
Das Smartphone ist schon lange nicht mehr dabei, dieser ganze "Social Network"-Quatsch der LaufApps ist mir früher schon auf die Nerven gegangen, ich will das nicht, ich hab dort ja nicht mal Accounts! Ich muss nicht durch "Likes" angefeuert werden, mich interessieren keine hingehuschten Tweets mit "guten" Ratschlägen und die Zeit meiner letzten Runde ist höchstens für mich selbst interessant, damit muss ich niemanden belästigen.
Meine Garmin Uhr reicht eh völlig aus von den Funktionen und die wiegt auch viel weniger.
Nicht mal Musik nehm ich mit auf die Strecke, wozu auch? Ich liebe Musik, aber die Eindrücke der Umwelt sind in der Laufsituation viel anregender, Ablenkungen durch Rhythmus- und Taktwechsel unerwünscht. Ausserdem ist nix ist schlimmer als von situationsbedingt "falscher" Musik genervt zu sein und anstatt zu laufen, dann minutenlang in der Playlist rumzufriemeln.
Ausgesuchte offizielle Läufe machen Spaß und ich bin da auch gerne mal mit dabei, aber dann gehts mir mehr darum mich mit der Wettbewerbsituation ausseinander zu setzen, bzw das Einteilen der Energiereserven zu verinnerlichen, neue Trainingsanreize zu setzen. Oder auch einfach nur um eine neue interessante Strecke kennenzulernen. Bei solchen Veranstaltungen hab ich vorher und besonders hinterher mittlerweile viele richtig nette Typen kennengelernt, aber während des Laufs möchte ich meine Ruhe haben.

Meine Notizen hier im Blog sind schon ein ziemlicher Kompromiss um ein wenig sozial unterwegs zu sein, aber ein ganz guter. Ich lesen sehr gerne in anderen LaufBlogs, auch (oder sogar besonders) die vielen freundlichen und oft hilfreichen Kommentare. In diesem Umfeld bin ich sehr gerne unterwegs, aber eben nicht während des Laufens, sondern vor- oder nachher.
Und jetzt nutze ich das traumhafte Wetter und drehe ein paar Runden. Alleine.

Na geht doch …

Nachdem ich vor einigen Tagen etwas voreilig den Frühling ausgerufen hatte, ist nun doch noch etwas Winter im Rheinland angekommen. Immerhin liegt hier und da etwas Schnee und die Temperaturen sinken auch mal etwas weiter unter 0°C. Für die Rheinländer ist das schon harter Winter (endlich kann der Arktis-Expeditions-Anorak getragen werden!), ich als Exil-Niedersachse denke nur manchmal darüber nach die leichte Jacke zu schliessen. Wie auch immer, es ist "solide" kälter geworden, das wechselhafte Schmodderwetter ist vorbei. Zum Laufen ideal.
Die abendlichen Runden mach ich die letzten Tagen mit etwas mehr Tempo, damit der Körper schnell auf Betriebstemperatur kommt und die Hände warm bleiben. Dabei renne ich übrigens an einem FitX Studio vorbei und sehe dort im wohl temperierten Fitnessraum sommerlich bekleidete junge Leute auf Laufbändern … die sind dort auch im Sommer. Und überhaupt, bei jedem Wetter. Drinnen. Auf Maschinen zu laufen mag seine Berechtigung haben (auch wenn es sich mir nicht erschliesst), aber ist das nicht irgendwann fürchterlich öde?
Ich geniesse es einfach die kalte Luft im Gesicht zu spüren, oder im Sommer mit der Hitze umzugehen, mit Schnee oder Regen zu kämpfen, über vereiste Pfützen zu springen und matschige Wiesen zu überqueren.
Das Wetter mit all seinen Widrigkeiten gehört zum Laufen. Und trockenes Frostwetter ist grosse Klasse.