… und dann war ich raus

Um es kurz zu machen: heute war Düsseldorf Marathon, ich bin bei km23 ausgestiegen.
Mein erster DNF, wer hätte das gedacht…

Wie konnte das passieren?
Recht einfach. 14 Tage vorher kein einziges mal gelaufen, wegen hartnäckiger Nebenhöhlenentzündung und echt heftigem Reizhusten. Nebenbei noch in der Weltgeschichte rumgeflogen und die Sache nicht annähernd vernünftig auskuriert.
Zwei Wochen krank sind aber scheinbar keine zwei Wochen Tapering (was ich mir tapfer eingeredet hatte).
Trotzdem an den Start, das Wetter war sogar besser als vorausgesagt und mir ging es tatsächlich so richtig gut, hochmotiviert wie immer.
Ich bin zügig gestartet, konnte meine Pace wunderbar halten, die ersten 15km waren wirklich Routine und Genuss.
Bei km18 fiel mir auf dass ich viel langsamer laufe als geplant, also Tempo machen. Ging aber nicht, ständig zogen Läufer an mir vorbei die weit hinter mir sein sollten. Schnell das Notfall-Gel rausgekramt und weggeschlürft. Null Wirkung, die Pace wurde immer mieser. Zwischenzeitlich wurde ich vom 3:30h Pacer überholt und konnte das gar nicht glauben, meine Wunschzielzeit war mit 3:14h geplant…
Bei km23 dann schließlich der totale Abriss, nichts ging mehr, zwei Minuten Gehtempo und der sehr schnelle Entschluss: aufhören. Jetzt. Keine Experimente.
Normalerweise laufe ich diese 20er Distanzen „auf der linken Arschbacke“, mental war das also überhaupt kein Thema, aber körperlich. Die Kraft war weg, null Energie mehr. Die Rache der Erkältung war da und die Vernunft musste hier siegen.
Also Laufuhr gestoppt, die eh besorgte Liebste angerufen, Treffpunkt ausgemacht, nach Hause geradelt und ein heisses Bad genossen.
Und wisst ihr was? Es geht mir einfach nur gut mit dieser Entscheidung. Gesundheit geht vor, ganz einfach.
So früh so derbe einzubrechen, da gibts keine inneren Diskussionen. Vielleicht war es sogar unvernünftig überhaupt zu starten, aber es ging mir (vermeintlich) gut, das war allerdings ein Trugschluss. Punkt.
Jetzt erstmal ausruhen, auskurieren und dann auf zu neuen Abenteuern.
Und schon wieder hab ich mit Düsseldorf eine Rechnung offen …

Lange Läufe – Langweilig?

Immer wieder lese und höre ich, wie langweilig die langen Trainingsläufe angeblich sind. Also die Dinger über 25km.
Wieso langweilig? Weil die Dauerunterhaltung fehlt? Weil man mal 2-3 Stunden mit sich selbst beschäftigt ist?
Am Ende muss das natürlich jeder mit sich selbst ausmachen, wie immer schreibe ich hier nur aus meiner Sicht. Aber langweilen sollten sich passionierte Läufer/innen auf der langen Strecke doch eigentlich niemals.
Für mich gilt nach wie vor: ich liebe diese Läufe! Aus genau diesen beiden Gründen: ich bin mit mir selbst beschäftigt und schalte das tagtägliche Grundrauschen unserer schnellen Gesellschaft einfach ab.
Lange Strecken zu laufen heißt für mich, fokussieren der Gedanken, sortieren und aufräumen. Nur Atmung und Laufrhythmus.
Ablenkung durch Musik oder Hörbuch oder irgendwelchen Smartphone-Apps kann ich da überhaupt nicht gebrauchen. Es ist einfach ein Genuss völlig alleine, mit Wind um die Ohren, meine Strecke zu laufen.
Selbst wenn es mal richtig anstrengend wird, bleibt eine gewisse Art der Entspannung. Entschleunigung. Wie gesagt, ich rede hier von langen Trainingsläufen, nicht von irgendwelchen durchgeknallten Wettbewerben (wobei auch die als Minimum einen gewissen Spaßfaktor haben sollten).
Welches Tempo auf den langen Strecken gemacht wird, ist für mich unwichtig, je länger die Strecke, desto weniger schaue ich auf die Uhr. Energie einteilen, ausdauernder werden, das kommt weniger aus einem Plan, sondern Stück für Stück von selbst. Der Körper lernt scheinbar mit der Ausdaueranforderung umzugehen. Und wird ausdauernder.
Ich fühle mich wohl damit.

Gestern war wieder so ein Lauf dran. Bei recht frischen Temperaturen ging es rund um den Flughafen. Fängt an wie meine Rheinrunde, aber statt über den Rhein zu laufen, gehts nach rechts, zum Rollfeld. Ab dort wird es ist eine flache, teilweise sehr eintönige Strecke, die mir trotzdem großen Spaß macht, da ich wunderbar abschalten kann. Alleine 8km gehen stoisch am Zaun des Flughafens entlang, das ist manchmal etwas surreal. Anschließend wieder zurück in das Stadtgebiet, meine Laufstrecke ist allerdings mehr dörflich und ziemlich ruhig. Die letzten Kilometer am Kittelbach, zwischen Bahnstrasse und Kleingärten, danach dann ratzfatz nochmal Tempo und fertig.
Nach 31km und 2:24h war ich wieder zuhause, hatte mich keinen Meter gelangweilt, aber mittlerweile ziemlich hungrig!
In diesem Sinne: immer weiter laufen.

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… noch kein Zaun.

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Zaun.

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Immer weiter am Rollfeld entlang.

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Manche nennen sowas öde, ich nenne es entspannend.

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Doppelt nervös und was dabei rauskommt

Da war er also endlich, mein erster Wettkampf nach fast einem Jahr, ein 10er. Aber vor allem: der erste offizielle Lauf seit meinem Fußbruch. Also so eine Art Check, ob ich in den letzten Wochen alles einigermaßen richtig gemacht hab.
Zum sechsten mal war ich beim Düsseldorfer Brückenlauf am Start, 10 schnelle Kilometer als 5km Doppelrunde, über zwei Rheinbrücken und ansonsten mehr oder weniger immer schön am Rhein entlang. Start und Ziel auf dem Burgplatz in der Altstadt. Wie jedes Jahr toll organisiert, das volle Programm mit mehreren Distanzen und Familiengedöns, obwohl dadurch schon eher ein Großereignis, bleibt es trotzdem übersichtlich und sympathisch. Und ein superklasse Wetter dazu! 20°C, blauer Himmel und der übliche leicht zu starke Wind, der die vier Brückenüberquerung immer etwas anstrengend macht.
Ich bin ja immer noch ordentlich nervös vor solchen Veranstaltungen, dieses Jahr doppelt. Vor vier Jahren führte das dazu, dass ich beim Start meine Uhr nicht eingeschaltet hatte. Dieses mal hab ich noch einen drauf gesetzt und die Uhr einfach zuhause vergessen!
Eine echte Meisterleistung.
Kurz überlegt, wir waren früh da, nochmal nach Hause radeln und Uhr holen? Oder scheiss drauf?! Es wurde zweiteres. Die Zeit wird ja eh über den Chip genommen, also das Rennen diesmal ohne eigene Uhr durchziehen. Man kann ja nur dazu lernen.
Im Startblock war ich dann immerhin endlich mal selbstbewusst genug um mich in die vorderen Reihen einzusortieren. Die letzten Jahre gab es jedesmal nervige Überholmanöver um die Genussläufer herum, weil ich zu weit hinten stand, da hatte ich einfach keine Lust mehr drauf.
Teilweise skeptische Blicke der Kollegen auf meine (neuen) knallgelben Fivefingers, Konzentration auf meiner Seite, runterzählen, Schuss und los ging es.
Die Strecke sehr gut bekannt, aber keine Uhr dabei, das war dann doch ungewohnt. Nach 3km musste ich es einfach wissen und hab einfach einen anderen Läufer, der etwa mein Tempo lief, nach der Zeit gefragt. Und der war ein echter Glücksfall. Lukas war so freundlich und hat mir anschließend während der ersten Runde öfter einfach von sich aus die Zeit zugerufen, er hat sozusagen einfach mal den Pacer für mich gemacht. Große klasse und nochmal vielen Dank dafür! Irgendwann war er dann weg, weil schneller als ich, aber mein Tempo war da, ich konnte mich gut einschätzen und bin weitergerannt.
Bei km8 kam dann doch ein leichtes Schwächeln auf, schnelles Tempo und dazu dieses Wetter, der schnelle Start, das rächte sich dann am Ende ein wenig.
Aber wie das so ist, den Zielbogen im Blick, das Publikum pusht, den Typ in Rot vor mir wollte ich noch einholen (hab ich auch), am Ende sind plötzlich immer noch Körner über, den letzten Kilometer bin ich regelrecht gesprintet.
Durchs Ziel mit 40:49 Minuten. Also immer noch keine Sub40, trotzdem mein bester 10er bisher.

14ter in der Gesamtwertung (erster in AK M50), von 622 Finishern.
Spekuliert hatte ich, bedingt durch die Vorgeschichte auf bestenfalls 42 Minuten, von daher … yeah!
Voll zufrieden!

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Schnelles Einsortieren gleich nach dem Start.

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Schluss-Sprint, noch ca. 100 Meter.

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So sieht ein sehr zufriedener Finisher aus 🙂

Nachschlag

Der letzte lange Lauf hat mir keine Ruhe gelassen. Da geht mehr, weiß ich, kann ich.
Und was eignet sich mehr für eine Wiederholung, als nach einem nervigen Arbeitstag abends nochmal in die Fivefingers zu schlüpfen und eine geringfügig längere Strecke abzurennen.
Na also. Gesagt, getan, ab dafür.
Anfangs exakt die gleiche Strecke, wunderschön in die untergehende Sonne, da macht es sogar fast Spaß über die laute Autobahnbrücke zu laufen. Teilweise mit sehr starkem Gegenwind auf der "Schäl Sitt" (andere Rheinseite), statt die Theodor-Heuss-Brücke zu nutzen bin ich aber diesmal bis zur Oberkasseler Brücke weitergelaufen (auch um Kilometer zu sammeln), hab dort wieder den Rhein überquert und mich dann gemütlich auf die letzten drei Kilometer Heimweg gemacht.
Diesmal sind es fast punktgenau 30km geworden, in 2:25h (4:47 Pace).
Ich sag mal so: es läuft 🙂

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Raus aus dem Naturschutzgebiet, kurz vor Meerbusch.

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Laaaaange Gerade nach Lörick …

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Kunst an der Laufstrecke.

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Blick von der Oberkasseler Brücke rheinabwärts, die Sandbänke kommen wieder durch. Ganz weit hinten im Bogen sind die Träger der Theodor-Heuss-Brücke zu sehen.

Wieder länger laufen

Meine Läufe müssen wieder länger werden. Temporeiche 10km sind kein Problem mehr, die 21km fluppen mittlerweile auch einigermaßen, viel länger bin ich die letzten Monate aber auch nicht unterwegs gewesen, plus minus drei Kilometer pro Lauf vielleicht.
Bei dem superschönen Wetter gestern musste es dann sein, bis zu 20°C, kein Wind, blauer Himmel = umdenken. Wasserflasche mitnehmen, Kappe aufsetzen und los ging es auf die lange Runde. Erst zum Messegelände, dann durch die Lohauser Felder, die A44 Brücke über den Rhein, ein ausgedehnter Schlenker durch die Ilvericher Altrheinschlinge und dem Sumpfgebiete Tiefer Bruch (nix mit Sumpf zur Zeit), über Lörick zurück zur Theodor-Heuss-Brücke, kurz überlegt ob es noch weitergehen sollte, aber da ich mal wieder zu schnell unterwegs war, ging mir so langsam die Energie aus. Also ab über die Brücke, durch die Rheinwiesen getrabt und dann nach Hause.
Am Ende waren es knappe 28km in 2:16h (4:56er Pace), gut daran: endlich mal wieder die zwei Stunden geknackt, schlecht daran: ich war echt k.o. hinterher, mehr als ich im Vorfeld angenommen hatte.
Diese Strecke bin ich letztes Jahr regelmäßig als Marathonvorbereitung gelaufen, irgendwie hatte ich angenommen die schon wieder "einfach so" wegstecken zu können. Da ist allerdings noch viel Luft nach oben, da muss ich dran bleiben. Die vorherige Tage hatte ich mich allerdings auch permanent ziemlich ausgepowert (beruflich und beim Laufen), das rächt sich natürlich ein wenig.
Immerhin blieb meine Notfallration (eine Handvoll Gummibärchen) unangetastet, nächstes mal nehm ich nichts mehr mit, es geht auch ohne diese kleinen Tricks.
Auf jeden Fall war es ein echt schöner Lauf durch viel erblühende Landschaft, ich freue mich jetzt schon auf das nächste mal!

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Blick von der A44-Brücke in Richtung Duisburg.

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"Der Tiefe Bruch" (am Isseldyk), statt viel Wasser und Sumpf, nur ein karges Bächlein.

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Theodor-Heuss-Brücke im Blick.

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Blick zur Altstadt. Noch 10 Minuten bis nach Hause.

Verabredung mit Eberhard

Schon wieder Sturm. Fast gewöhn ich mich daran. Die Tage seit Rosenmontag waren immer sehr windig und haben mich auf teilweise neue Wege gebracht um nicht ständig gegen den Wind zu rennen. Ein wenig sinnvolles Tempotraining muss ich jetzt ja mal so langsam irgendwie unterbekommen.
Heute ging es aber bewusst voll rein, Sturm "Eberhard" kam pünktlich zum Mittag im Rheinland an und ich hatte bock mich mit ihm zu messen.
Es ging wieder auf die gute 20km Runde zum Rhein, mit dem Wissen: das wird auf dem Deich kein Zuckerschlecken. Damit lag ich fast richtig, allerdings waren bereits die ersten Kilometer alles andere als einfach. So weit es ging hab ich mich zwar im Windschatten von Hecken und Gebäuden entlang geschlängelt, aber kaum am Messegelände angekommen gabs Ohrfeigen direkt von vorne. Rosenmontag waren es nur Böen, heute ein wirklich fetter Sturm.
Schließlich nach 11km auf dem Deich hat es mir fast die Beine weggehauen, ich musste immer wieder ein paar Meter gehen, einfach so Laufen ging schlicht und einfach nicht 🙂 Geschenkt, da war ich drauf eingestellt. Nach der nächsten sanften Kurve allerdings, kam der Sturm dann von schräg hinten und nun ging es los.
War ich vorher eher gemütlich mit 4:45er Pace unterwegs, hab ich auf den nächsten 8km ständig eine 3 auf dem Display gesehen. Ich bin einfach nur so geflogen! Ein Riesenspaß!! So schnell bin ich diesen Streckenteil noch nie gerannt, aber mit so viel Druck im Rücken ist das auch kein Kunststück. An den Rheinwiesen angekommen, wurden schnell die Schuhe ausgezogen und der Rest dann routiniert Barfuß nach Hause gelaufen.
Überall lagen übrigens kleine Äste rum, aber nichts bedrohliches, eigentlich fand ich die Strassen sogar recht angenehm leer gefegt.

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(Schnell mal schauen wie niedrig der Wasserstand so ist… )

Ich war heute übrigens nicht mit Fivefingers unterwegs, sondern hab die Altra Vanish-r mal wieder weitergetestet. Bisher sind das tolle Dinger, sehr leicht, Altra-breite Zehenbox, Zerodrop und fast keine Dämpfung. Ein waschechter Wettkampfschuh eben. Als Alternative durchaus auch für Minimalisten zu gebrauchen, aber ich fürchte die halten nicht lange, das Obermaterial ist echt sehr dünn, mal schauen. Falls da jemand mit liebäugelt: innen sind zwei Einlegesohlen! Eine kann bedenkenlos rausgenommen werden, die ist für Läufer die mehr Dämpfung brauchen, das wollen wir ja nicht. Und die Schuhe fallen sehr klein aus, mindestens +1,5 größer wählen.
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Sturm statt Kamelle

Rosenmontag in Düsseldorf. Der Großteil der Menschen bejubelt den "Zoch" und staubt Kamelle ab, ich mache statt dessen einen gemütlichen 20er und nutze die menschenleeren Straßen und Wege abseits des Trubels.
Nachdem der angekündigte Sturm schon gegen 4 Uhr in der Früh losgelegt hat, war der Höhepunkt Mittags erreicht und es flaute langsam wieder ab. Für die Jecken perfekt, der Umzug musste nicht abgesagt werden, wurde nur etwas nach hinten verschoben, für mich natürlich genau so perfekt, zumal der Regen auch aufhörte.
Wenn Sturm abflaut heißt das aber noch lange nicht dass er auch vorbei ist. Einige Böen haben mir ordentlich zugesetzt, besonders wenn der Wind direkt über den Rhein knallt, wird man einfach mal satt ausgebremst.
Ungefähr 9km der Strecke gingen frontal gegen den Wind, mit entsprechendem Gefluche (aber auch Riesenspaß), der Rest wurde dann aber mit Seiten- und Rückenwind belohnt. Es gibt wahrlich Schlimmeres 🙂
Bei stürmischem Wetter ist das Licht immer irgendwie anders, sehr kontrastreich, scharf geschnitten. Dazu die schnellen Wolken und das starke Rauschen in den Bäumen.
Das mag ich sehr, tolle Stimmung.

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Kampf gegen den Wind.

Für Rheinländer mit Orientierungsschwierigkeiten, wurde hier ein sehr klarer Hinweis auf den Asphalt gebracht:
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Pure Lauffreude

Warme Phasen gibts ja immer mal wieder im Winter, besonders hier im Rheinland. Aber Ende Februar solche Temperaturen wie die letzten Tage, das ist doch eher selten. Ich finds super! Shirt, Shorts, Fivefinger und ab gehts.
Plötzlich kommt auch wieder Tempo rein, fast wie von selbst, es läuft einfach, alles aus den vergangenen Wochen macht sich bezahlt, jeder auch mal anstrengend-mühsame Lauf war sinnvoll.
Hatte ich im Herbst wirklich einen gebrochenen Fuß? Da kommt immer mehr Abstand rein, alles wird wieder geschmeidig, im Kopf und im Körper.
Stetig verbesserte Kondition, mildes Wetter, wundervollen Sonnenuntergängen, das ist pure Lauffreude!
… ganz ehrlich, ich fühle mich grade wirklich belohnt.

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Sonnenuntergang, knapp verpasst.

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Der Rhein führt schon wieder verdächtig wenig Wasser.

Eine durchaus interessante Entdeckung

Wenn man noch Resturlaub aus dem Vorjahr hat, dann muss der bald weg. Das hat mich in die schöne Situation versetzt einfach mal einige Tage sehr gemütlich zu gestalten. Zum Beispiel, nicht Abends nach der Arbeit im Dunkeln zu laufen, sondern … äh, früh morgens in der Dämmerung. Einfach nur weil es geht. Also im Dunkeln losrennen, um dann am Rhein den Sonnenaufgang abzupassen. Oder das Ende der Mondfinsternis. Oder einfach nur um die zur Zeit kalte, frische, frostige Luft zu geniessen.
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Aber darum sollte es heute überhaupt nicht gehen, sondern um eines der Lieblingsthemen bei Läufern: Schmerzen.
Während meiner Auszeit im letzten Spätsommer/Herbst, hatten sich meine Adduktoren innerhalb weniger Tage verhärtet, in beiden Beinen, bis hoch in die Leiste. Kein Wunder, von Hundert auf Null an einem Tag, danach wenig Bewegung, viel Sofa. Das konnte nicht ohne Folgen bleiben.
Allerdings lasse ich mir sowas nicht gerne gefallen und hatte nun endlich einen guten Grund regelmäßig Stabi-Übungen zu machen, Schmerzen können ja sehr überzeugend sein. Von daher erstmal sogar eine richtig gute Sache. Da bleib ich übrigens auch dran, macht ja dann doch irgendwie Spaß sich für den Tag schon mal in Schwung zu bringen.
Zum Glück haben wir tatsächlich alles was man so braucht im Haushalt, Matte, Gummibänder, kleine Hanteln, aber besonders diese Hartschaumrollen sind ja wunderbar für solche Fälle und kamen exessiv zum Einsatz. Alle möglichen Tipps und Versionen hab ich getestet. Gerollt, geknetet, getriggert. Kleine Linderung gab es immer mal wieder, aber so richtig rausbekommen hab ich das leider nicht. „Warte nur ab, wenn du wieder läufts…“ ging mir immer duch den Kopf, Schmerzen laufen sich ja bekanntlich raus. War nur leider nicht so, wie sich schnell zeigte. Ok, während der Runden ließen die Schmerzen nach, sind sogar (bei gemäßigtem Tempo) fast weg gewesen, aber dann nach der Dusche und etwas ausruhen blöderweise fast doppelt so stark wieder da. Also massieren, rollen und dehnen, immer wieder. Das alles wäre nichts gewesen was mich völlig ausgebremst hätte, ich konnte ja laufen, aber ehrlich gesagt war ich so langsam schon etwas verzweifelt weil es nicht besser wurde. Wer möchte schon ständig mit Schmerzen laufen. Wir haben hier zum Glück eine tolle Physio in der Nähe, die hätte ich dann auch bald mal aufgesucht, nur das hat mir als kleine „Versicherung“ etwas innere Ruhe und Geduld gegeben.
Aber es kam völlig anders.
Wie es der Zufall wollte, stand vor kurzem ein Tattoo Termin an. Rechter Oberschenkel, innen, runter bis in die Kniekehle. Eine unschöne Stelle zum Tätowieren, aber ist ja selbstgewähltes Elend. Routiniert wie gewohnt haben wir den Termin durchgezogen, mir war dabei nicht bewußt dass wir genau auf dem eh schmerzenden Muskel rumarbeiten. Das Motiv ist erwartungsgemäß wunderbar und schön bunt geworden (dazu vielleicht später mal mehr), danach schnell nach Hause und ab ins Bett, es war schon später am Abend und tätowiert werden macht müde.
Am nächsten morgen wurde alles vorsichtig abgeduscht und gesäubert, das brennt immer nochmal so richtig heftig, ein frisches Tattoo ist nunmal eine großflächige Schürfwunde. Danach trocknen lassen und gut. Durch das Brennen ist es mir erst später beim Frühstück aufgefallen: die Adduktoren in beiden Beinen waren still. Völlig. Nicht mal ein Hauch von Restschmerz.
Wie das so ist, kaum zu glauben, erstmal abwarten, muss eine Täuschung sein. Einen Tag später, kein Schmerz. Nichts. Also wirklich gar nichts. Solche lang anhaltenden Schmerzen gehen nicht einfach so weg. Also abwarten, der Körper kann ja ein tückisch Ding sein.
Mittlerweile war ich wieder einige mal laufen, immer noch nichts, alles ist gut. Ich kann Tempo machen, ausweichen, springen, richtig heftig sprinten. Kein fiesen Schmerzen mehr. Wirklich nichts.
Das ist doch völlig irre, oder? Mit Tätowieren Adduktorenschmerzen behandeln?! Davon hab ich bisher noch nie gehört.
Möglicherweise haben die Nadeln bei mir einfach den exakt richtigen Triggerpunkt erwischt und den dann so richtig bearbeitet, eine andere Erklärung hab ich wirklich nicht. Aber dass einfach alles weg ist, also auch im anderen Bein und in der Leiste, das finde ich wirklich total verrückt und erstaunlich.
So ganz traue ich der Sache noch nicht und werde fein weiter beobachten, bin aber im Moment einfach überglücklich und mehr als zuversichtlich, scheinbar ist diese lästige Phase vorbei.
Also bei Adduktorenschmerzen einen Tattooshop aufzusuchen? Naja, das ist wohl eine Entscheidung die jeder mit sich selbst ausmachen muss  😉

Regen Regen Regen und langsames Steigern

Ich ackere mich langsam wieder hoch, von entspannter Routine zwar noch etwas entfernt, aber ich bemerke die ersten "abgeschalteten Kilometer", ihr wisst schon, dieses Laufen ohne Nachzudenken, einfach nur laufen. Diese Momente liebe ich ja wirklich!
Jeden zweiten Tag geht es zur Zeit auf die Laufstrecken. Einen Tag eine etwas kürzere Distanz mit leichtem Tempowechsel (11-15km), dann das nächste mal eine längere und langsamere Distanz (18-21km), der Umfang wird langsam aber stetig gesteigert.
Da ich ja passionierter Abendläufer bin, ist es zur Zeit halt immer stockduster wenn ich loslege, was mich allerdings von Sprinterei und Übermut abhält. Kommt dann noch Regen und Wind dazu wie in den letzten Tagen, dann bemerke ich ein gewisses leicht anstrengendes Durchbeissen und wünsche mir nicht selten den Knallersommer zurück. Diese Abende zeigen mir auch, dass sehr wohl noch etwas Arbeit angesagt ist um meine alte Kondition wieder einzuholen.
Heute ging es dann immerhin mal im Tageslicht auf die kleine Rheinstrecke, etwas über 15km im strömenden Regen, immerhin bei ca.10°C. Ich hab mich für die V-Trails entschieden, die machen bei so einem Schmuddelwetter einfach den besseren Job. War dann auch gut so, überall Pfützen und ziemlich rutschige Passagen, die konnten mir allerdings nichts anhaben, ich bin sicher durchgerannt.
So richtig schön ist es allerdings anschließend nach Hause zu kommen, klatschnass, voll zufrieden, motiviert und ein wenig dankbar dass die Lauferei schon wieder so gut klappt. Einfach immer weiter laufen 🙂

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