Mir reichts

Vorab: das nun Folgende sind meine persönlichen Erfahrungen, die sind wirklich nicht bedenkenlos auf andere zu übertragen. So ist das nunmal mit uns Menschen, jeder ist anders und das ist gut so. Es geht einfach nur ums Prinzip des gesunden Laufens, wie ich es erfahre bzw. immer noch lerne. Und lernen ist wichtig.
Möglicherweise kann ja irgendjemand etwas mit dem einen oder anderen Punkt anfangen.

Mein Schuhwerk ist eh schon eher leicht und minimalisiert, aber es sind immer noch einige Treter mit 4 oder sogar 6mm Sprengung darunter. Damit kann ich ab und zu durchaus gut laufen (wobei mir 6mm mittlerweile echt grenzwertig vorkommen), nur machen sich diese „paar“ Millimeter zwangsläufig irgendwann bemerkbar. Überwiegend bei langen Strecken wird es auffällig und zwar in meinem Laufstil. Der wird nämlich ganz einfach unbemerkt Stück für Stück schlampig. Und das wiederum führt zu kleinen Zipperlein, auf die ich gerne verzichten kann. Immer wenn ich etliche Tage am Stück nur mit 0mm Schuhwerk (oder barfuß) unterwegs war, ist alles super, also warum nicht einfach mal endlich Nägel mit Köppen machen und alles größer 0mm aufs Abstellgleis schieben?!

Nun ist die Sprengung ja nur eine Sache, eine andere ist die Dämpfung. Es gibt ja durchaus etliche Schuhe mit 0mm Sprengung, aber mit der ganzen Bandbreite an Dämpfung. Von starker Dämpfung allerdings halte ich überhaupt nichts, die hat mir wirklich und nachweislich geschadet, meine Knie und Fußgelenke wurden zeitweise arg strapaziert und machten sich mit Schmerzen bemerkbar. Der Lernprozess dazu dauerte zwar etwas, aber irgendwann hab ichs kapiert und die Dinger wurden emotionslos in die Tonne gekloppt.
Die letzten zwei/drei Jahre beschränkte sich meine Suche also auf 0mm/Zerodrop Schuhe mit geringer Dämpfung, um auch sehr lange Strecken einigermaßen komfortabel bewältigen zu können.
Lerneffekt: sehr schwer zu finden. Noch ein Lerneffekt: Ich laufe mittlerweile sehr solide und problemlos barfuß, da gibts überhaupt keine gedämpfte Sohle. Wozu brauche ich eigentlich gedämpfte Schuhe?!

Zerodrop und ungedämpft ist aber leider immer noch nicht alles.
Die Sohle muss flexibel sein und das Fußgelenk sollte nicht gestützt werden. Das Verhalten vom Fuß sollte einfach möglichst natürlich sein, auch wenn er im Schuh eingesperrt ist. Harte und unflexible Sohlen gehen also überhaupt nicht. Und nur ohne Stütze wird das Sprunggelenk trainiert und dadurch stark und widerstandsfähig.
Also wieder was gelernt: eine direkte Sohle braucht keine Dämpfung, muss aber flexibel sein, damit sich das Laufverhalten anpasst. Ein starker Fuß weiß was er tut.

Da steh ich nun also mit meiner Erkenntnis vom leichten „Zerodrop-Nulldämpfung-flexible-Sohle-Schuh“.
Aber ich hab schlicht und einfach keine Lust mehr weiterhin Zeit und Geld in Schuh-Experimente zu investieren, von anfänglicher Begeisterung in Entäuschung zu verfallen und im schlimmsten Fall mit unerwarteten Schmerzen konfrontiert werden.

Also: alles was jetzt noch an akzeptablen 0mm Schuhen im Schrank steht, wird gelaufen bis die Dinger auseinanderfallen, alles andere kommt erstmal in den Ruhestand.

Das „Geheimnis“ ist nunmal nicht der mit irgendwelchem Schnickschnack ausgestattete Schuh, sondern ein gesunder und natürlicher Laufstil. Den bekommt man natürlich nur durch kontinuierliches Training, das will mehr oder weniger mühsam erlernt werden. Der achsobesonderer Schuh nimmt uns wirklich nix davon ab.

Und von meinem ganzen Geschwurbel hier mal abgesehen: ein gesunder und natürlicher Laufstil macht einfach Spaß, weil er in uns steckt.
Laufe immer mit einem Lächeln 🙂

Winter?

Endlich Winter! Endlich Schnee!! Das lese ich die letzten Tage zumindest in diversen anderen Blogs. Da gibts dann auch wirklich tolle Bilder mit Schnee und Eis und es sieht oft durchaus schweinekalt und wunderschön aus.
Düsseldorf am Rhein versucht da auf seine Art mitzuhalten, heute bin ich das erste mal diesen Winter immerhin bei einer Wahnsinnstiefsttemperatur von 0°C gelaufen. Also eine "echte Herausforderung" der Kälte zu trotzen und dem Schneegestöber entgegen zu laufen (ja, es fielen auch so drei bis vier kleine matschige Schneeflocken)!
Es ist ja nicht so, dass es hier nie kalt und frostig wird, aber passiert halt eher selten. Mir als neugierigen und lernenden Barfuß-Läufer kann das nur recht sein: ich kann weiterhin ganz unbedarft meine Strecke laufen. Von leicht verstörten Blicken einiger Passanten (und Jogger) mal abgesehen, ist es bei 0 Grad und trockenen Wegen für mich mittlerweile durchaus möglich nach der "üblichen Runde" in Schuhen ein paar Kilometer von Schuhen befreit zu laufen. Die Füße sind warm genug wenn ich sie aus den Schuhen befreie und kühlen nicht aus solange der restliche Körper auch warm ist und in Bewegung bleibt. Also nur nicht anhalten, immer schön weiterlaufen.
Vielleicht wird’s ja doch noch richtig Winter hier bei uns.

Fast kein Jahresrückblick

Viele Laufblogger schreiben derzeit ihre Highlights von 2015 runter, das ist bei einigen wohl schon Tradition, hat etwas von "Werkschau" der eigenen Leistung und/oder auch einfach nur Ansporn für mehr im nächsten Jahr.

Ich spare mir die Rückschau mal im Detail, da es im allgemeinen ein wirklich tolles Laufjahr war und ich meine persönlichen Highlights nicht wirklich festmachen kann. Es hätte eigentlich der Düsseldorf Marathon sein müssen (mein erster), aber es gab ein paar Halbmarathons die ich persönlich einfach "charmanter" fand, so wie Egmond und Himmelgeist zum Beispiel. Es geht mir im Nachhinein mehr darum, wie ich den jeweiligen Lauf angegangen bin. Den Marathon wollte ich verdammt nochmal einfach nur schaffen, viele anderen kleineren Läufe fand ich aber wegen der jeweils besonderen Athmosphäre allerdings viel schöner, zehre davon anschliessend mehr. Und selbst diese werden noch getoppt durch den einen oder anderen vermeindlichen "Routinelauf", irgendwo in der Pampa für mich selbst. Diese Sache mit dem wilden Vogel, der mir eine Weile gefolgt ist, oder der nicht geplante Nachtlauf Ende Oktober, oder die Stimmung eines morgens im Urlaub auf Teneriffa, als ich völlig geflashed an einer Steilküste entlang gelaufen bin. Das waren wirklich schöne Ereignisse, abseits der organisierten Events.

Kein Highlight war auch, dass mein Kilometerumfang in 2015 nochmal etwas nach oben gegangen ist (auf ca. 2.330km in etwa 180 Stunden). Da ich aber auch immer wieder ohne Tracking unterwegs bin und meine echten gelaufenen Kilometer überhaupt nicht kenne, spielt das sogar nur eine sehr untergeordnete Rolle. Was sagen diese vielen Kilometer das denn aus? Ja klar, dass ich viel unterwegs war, aber hat sich dadurch irgendwas geändert? Kann ich irgendwas ableiten? Eigentlich nur dass eine gewissen Regelmäßigkeit da war, dass ich wirklich wenig Ausfälle hatte und immer brav einigermaßen nach Plan laufen bin.
Und genau das reicht mir auch schon. Darum ging es mir von Anfang an, um die regelmäßige Bewegung, um das Bewahren der Kondition und ganz einfach auch darum möglichst viel Zeit draussen an der frischen Luft zu sein und den Kopf frei zu bekommen.

Eine Entwicklung zeigte sich im vergangenen Jahr allerdings immer deutlicher: ich werde zunehmend unzufriedener mit Laufschuhen. Von denen hab ich zwar eine gewisse Auswahl passender und funktionaler Paare, aber nach oft anfänglicher Begeisterung (naja, ok, eher: Zufriedenheit) kommt mit der Zeit dann doch wieder die ernüchternde Erkenntnis: es gibt keinen perfekten Schuh. Barfuss laufen macht mir nicht nur grossen Spaß, sondern tut offensichtlich den Beinen und Füssen wirklich sehr gut. Meine Laufrunden spielen sich zur Zeit fast immer gleich ab: die gewählte Strecke laufen, davon dann die letzten 15-30 Minuten barfuss. Und wirklich jedesmal ist es ein Genuss die Schuhe auszuziehen und "unten ohne" weiterzurennen. Werde mir wohl mal Gedanken über einen schlanken Laufrucksack machen müssen, wo ich dann bei Bedarf die Schuhe reinstopfen kann. Tipps sind gerne willkommen.

Eine konkrete schöne Sache gab es aber tatsächlich im vergangenen Jahr: die Entscheidung mein eigenwilliges Hubzilla-Laufnotizbuch im Januar 2015 auf WordPress zu spiegeln war völlig richtig, hat mir sehr nette Kontakte ermöglicht und mich über einige Tellerränder blicken lassen. Als ausgemachter Einzelgänger (beim Sport) war und ist das in der Tat eine sehr gute Sache. Danke also an euch, ihr tüchtigen Laufblogger, es macht Spaß kreuz und quer mitzulesen, Kommentare zu hinterlassen und Erfahrungen auszutauschen.

Fazit: ich bin einfach immer noch sehr froh vor ein paar Jahren mit dem konsquenten Laufen angefangen zu haben. Jedes einzelne Jahr war bisher sehr lehrreich, ich bemerke mittlerweile einen roten Faden dem ich locker und oft unbemerkt folge. Und ich bin sehr gespannt wie es auf diesem Weg weitergeht.

Ein gutes und aufregendes Laufjahr euch allen!

Weiter gehts

Wir schreiben den 26.12.2015, es sind 18°C in Düsseldorf, sonnig, der Himmel fast komplett knallblau, windstill, gefühlt also etwa eher der 26 März.
Für mich allerdings eine tolle Sache, hab heute meinen ersten Lauf nach dem blöden Sturz vor drei Wochen durchgezogen und brauchte keine dicken Winterklamotten anzuziehen, Shorts, Shirt und los.
Langsam angefangen, immer nach innen horchend ob noch irgendwas zwickt (die Rippenprellung war echt übel), hab mich dann aber zügig auf eine gemütliche 4:45er Pace mit mir selbst geeinigt und bin im schönsten Frühlingswetter und ohne Hektik am Rhein langgetrabt. Bei einem kleinen Brücke-hoch-Test-Sprint war dann doch noch mal ein (sehr) leichtes Drücken an den Rippen zu spüren, aber nur kurz und es hätte mich auch gewundert wenn alles weg wäre.
Mehr als 10 Kilometer sollten es nicht werden, hab das auch brav eingehalten, die nötige Energie für viel mehr hat gefehlt. Also, ich war jetzt nicht völlig ko, hab die inaktive Zeit aber schon deutlich bemerkt. Erstaunlich wie schnell die mühsam aufgebaute Kondition verschwindet.
Zwei Barfuss Kilometer mussten aber noch hinterher, meine Fußsohlen sind noch erstaunlich robust und geschmeidig, da wäre also tatsächlich noch mehr gegangen, aber nur nicht übertreiben. Wieder langsam steigern, das macht ja auch irgendwie Spaß.
Auf jeden Fall bin ich wieder da und freue mich unbändig auf die nächsten Tage, wenn die gewohnte Ausdauer zurück kommt und lange Strecken wieder möglich sind. 2016 steht ja schon einiges auf dem Plan.

Ruhige Zeit

Seit dem Martinslauf Anfang November war bei mir etwas Ruhe eingekehrt. Das heißt, ich bin „nur noch“ meine üblichen Strecken abgelaufen, hab meine Barfuss-Einheiten (Wetter sei dank) durchgezogen und war dabei völlig entspannt und mit voller Absicht relativ planlos. Das hat Gründe, erstens ist die Vorweihnachtszeit für mich beruflich sehr „ressourenfressend“, zweitens hatte ich ein so tolles Lauf-Jahr, es wurde einfach mal Zeit etwas runterzufahren.
Und wie es dann manchmal so ist, fördert der Zufall (oder die eigene Blödheit) solche Pläne … mit einfachen Worten: wenn man schon eine Stirnlampe hat, dann sollte man sie auch rechtzeitig einschalten …
Ich hab mich schlicht und einfach vor etwa einer Woche schön auf die Klappe gelegt, ein sportlicher Stolperer auf einer Baustellenausfahrt. Kennt ihr diese Asphaltschutzdecken, die über Fusswege gezogen werden, damit die LKWs nix kaputtfahren? Die sind dann eben im frischen Zustand auch mal gerne tiefschwarz. Und tiefschwarze ca. 5cm an einem diesigen, finsteren Abend, mit mieser Beleuchtung (Stirnlampe aus) … das ist eine perfekte Stolperfalle. Fazit: Schürfwunden an Knien und Ellenbogen, Prellung an den Rippen, aber nix wirklich dramatisches. Aber ein wirklich verdammt guter Grund jetzt auch tatsächlich einfach mal eine kleine Auszeit einzubauen.
Obwohl die innere Unruhe wirklich drängelt, ein paar Tage Laufpause werden mir gut tun. Freue mich allerdings jetzt schon aufs Wiederdurchstarten.
So muss das sein.

Über das Barfusslaufen

Wer mal ein wenig in meinen älteren Beiträgen gestöbert hat, weiß dass ich noch nicht wirklich lange das Laufen für mich wiederentdeckt (seit 2010) habe. Richtig konsequent bin ich eigentlich erst dabei, seit mir klargeworden ist, dass so etwas Grundnatürliches wie ein gesunder Laufstil für uns beschuhte Zivilisation eventuell von Grund auf neu gelernt werden muss. Das hat mir keine Ruhe gelassen, ich wollte einfach wissen was es damit auf sich hat.
Um es vorweg ganz klar zu machen: das nun folgende sind meine Erfahrungen. Ich bin nur ein ambitionierter Freizeitläufer, nichts weiter. Ich hab keinen Coach, strebe keine Spitzenzeiten an, sondern laufe alleine weil ich mich dabei wohlfühle.
Und auch wenn ich Barfuss laufen liebe, bin ich trotzdem auch sehr gerne mit (Minimal-)Schuhen unterwegs. Ich möchte niemanden überzeugen sein Laufverhalten zu ändern oder so, sondern einfach nur zusammenschreiben, was mich dazu gebracht hat die Schuhe öfter mal wegzulassen.

Anfangs war mir so etwas wie "guter Laufstil" völlig fremd. Laufen, das kann doch jeder. Muss halt nur Ausdauer her. Die gute Laufschuhberatung gibts dann im Fachhandel, also anziehen die Dinger und los gehts. Das kann gut gehen, bei mir gings auf Dauer nicht gut. Trotz wirklich guter und ausführlicher Beratung dämmerte mir Monate später: wenn der Fuss im Schuh so arg geführt, gestützt, gedämpft wird, das ist doch nicht natürlich?!
Aber wer erstmalig ca. 130€ für Laufschuhe ausgegeben hat, steht selbstverständlich auch erstmal relativ kritiklos zu seiner Entscheidung. Nicht falsch verstehen, die Beratung war wirklich gut, mit kleiner Laufbandanalyse, viele verschiedene Schuhtypen wurden probiert, Testläufe vor dem Laden, und so weiter. Und wahrscheinlich hätte ich mir niemals weiter Gedanken über Laufschuhe gemacht, wenn nicht irgendwann dieser kleine Zwischenfall mit dem umgeknickten Fuss und diese immer wiederkehrenden Knieschmerzen gewesen wären. Wieso knickte mein Fuss um? Wieso war das Fussgelenk nicht stark genug, diese kleine Unebenheit auszugleichen? Wo kamen denn diese nervigen Knieschmerzen immer wieder her? Wieso hab ich überhaupt Schmerzen wenn ich so einer tollen natürlichen Tätigkeit wie Laufen nachgehe?
Der neugierige Mensch in mir hat also angefangen zu lesen, Material gibts ja heutzutage genug, ihr wisst selbst was man da so aufstöbert. Das Problem war dann allerdings, es gibt zu viel Material. Zu viele unterschiedliche Erfahrungsberichte, zu viele Fachleute die ihre Meinung vertreten, zu viele alte Profis die ihre fundierte Erfahrung mitteilen und natürlich die unvermeindlichen Scharlatane und Trendsetter. Eine Essenz fand ich allerdings bei fast allen ernsthaften Beiträgen:
Laufen ist eine natürliche Bewegung, aber jeder Mensch ist anders.
Na toll. Heißt nix anderes als: fang mal ganz von vorne an und beobachte dich selbst.
Ganz von vorne heißt: Schuhe aus.

Wer mit dem Barfusslaufen beginnt, erlebt einiges. Zum Beispiel, laufen ist nicht gehen. Oder dass es wirklich unklug ist mit der Ferse aufzukommen, oder dass die Schritte automatisch kleiner werden, oder dass der nackte Fuss durchaus in der Lage ist kleinen nervigen Kieselsteinen ein wenig auszuweichen. Hauptsächlich aber kann man bei auch nur dezenter Übertreibung einen handfesten Muskelkater in den Waden erleben!

Die Erste Erkenntnis lautete also: Geduld!
Fang langsam an. Langsam! Also wirklich langsam! Sowohl von Geschwindigkeit, als auch vom Umfang. Wer das beherzigt, wird dranbleiben und die "Transformation" geniessen, weil die Erfolge von selbst kommen. Ich bin ein geduldiger Mensch, war also kein Problem.
Meine ersten ernstgemeinten Barfussläufe fanden nach meiner üblichen beschuhten Runde statt und gingen nie länger als 600 – 800 Meter. Und diese kurze Distanz dann auch wirklich sehr langsam mit etwa 6er Pace. Abwechselnd auf Wiese und härterem Untergrund, Asphalt und Sandwegen. Nicht nur die Muskulatur muss sich gewöhnen, sondern auch die Fuss-Sohle. Das ging etwa 3 Monate so, die Distanzen wurden stetig etwas länger (von 1,5 zu 4km), die Füsse gewöhnten sich langsam daran. Tempo hab ich da immer noch nicht gemacht, wozu auch?! Parallel dazu bin ich auf minimale Schuhe umgestiegen und hab dadurch sozusagen meinen Fortschritt kontrollieren können, also doppelt profitiert, da sich das Mittelfußlaufen automatisch durchsetzt.
Vorteil bei uns im Rheinland übrigens: die Winter sind oft mild, ich konnte also auch an vielen Tagen im Winter meine Schuhe weglassen, einfach barfuss laufen und meinen kleinen ungeschriebenen Trainingsplan fortsetzen.

Zweite Erkenntnis: so ein Fuss kann mehr ab als man glaubt!
Ob Temperatur oder Untergrund, man lernt sich da sehr schnell einzuschätzen. 3-4°C sind kein Problem, der Fuss berührt nur sehr kurz den Boden, da friert nix ab. Die Hornhaut passt sich an, wer glaubt Barfussläufer hätten dicke fette Hornhaut, der irrt. Es ist eher weniger geworden, dafür aber gleichmäßiger und geschmeidiger. Meine Fuss-Sohlen fühlen sich derzeit so gut an wie seit Ewigkeiten nicht mehr. Das ist übrigens auch der Grund, weshalb ich gar nicht so sehr auf Fivefinger stehe. Die sind toll bei echt kaltem Wetter oder fiesem Untergrund, aber ich nutze die extrem selten, weil die Fuss-Sohle selbst keinen Bodenkontakt hat, den sie aber benötigt um sich selbst zu "pflegen".
Nach etwa 8 Monaten hatte es mich plötzlich gepackt, das Wetter war toll, die Laune auch und ich lief meine "übliche Abendrunde" (ca. 12km) komplett barfuss. Sogar fast in meiner normalen Zeit! Vorher war ich immer maximal 6km schuhlos unterwegs und diese auch nur mit vorherigem "Warmlaufen" in Schuhen.
Das war dann tatsächlich irgendwie ein Hochgefühl, totale Freiheit, Leichtfüßigkeit, wunderbar!

Dritte Erkenntnis: dranbleiben lohnt sich.
Die Barfuss-Einheiten sind mittlerweile einfach in meine Runden integriert. Nicht verbissen und auch nicht unbedingt nach Plan, sondern oft ist es so, dass meine Füsse nach einer bestimmten Zeit  "sagen": wir wollen raus aus den Schuhen, den Rest der Strecke bitte barfuss. Das heißt in Zahlen: etwa 15-20 Kilometer pro Woche ohne Schuhe, mehr ist es im Moment nicht.

Fazit bisher: Ich hab keine Schmerzen mehr im Knie, meine Waden haben "etwas" an Umfang gewonnen und Fersenlaufen gibt es schon lange nicht mehr. Meine Füsse sind wunderbar flexibel geworden und frieren äusserst selten, die Fussgelenke sind stark und stecken einiges an Unebenheiten einfach weg.
Der ganze Körper fühlt sich besser aufeinander abgestimmt an.

Für mich also offenbar der richtige Weg, vor allem bin ich gespannt wie es weitergeht.

Ein Mann, ein Kreuz

Nein, ich habs nicht im Kreuz. Jeder Finisher des Martinslaufs in Düsseldorf bekommt ein Weckmann und der wurde mir heute mit genau diesem Spruch überreicht (plus das „hab-ich-bekommen-Kreuz“ auf der Startnummer).

Wer sich im November für einen Lauf anmeldet, kann fürchterlich Pech mit dem Wetter haben, oder eben großartiges Glück. Und was soll ich sagen, 16°C sind vielleicht nicht normal für den 8. November, aber für einen Halbmarathon eine tolle Steilvorlage. Shorts und leichtes Shirt waren angesagt, als Schuhwerk hab ich die New Balance MT gewählt, die Ankündigung des Veranstalters „es wird überwiegend auf Waldboden gelaufen“ hat mich nach dem Regen der letzten zwei Tage nicht weiter über Alternativen nachdenken lassen. Ausserdem hab ich einfach kein bock mehr auf Schuhdomino, es soll leicht und direkt sein, ich möchte Spaß haben.
Der Martinslauf wurde bis vor wenigen Jahren immer im Grafenberger Wald ausgetragen (bestimmt spannend, ich war leider nie dabei), aber nun das zweite mal in Folge am anderen Ende der Stadt, am Unterbacher See. Also so ähnlich wie der HM im Frühjahr, aber eine andere Strecke. Besser wie ich fand.
Offiziell waren 1200 Starter gemeldet, mehr geht nicht, gibt die Strecke (besonders im Startbereich) nicht her. Das war dann nach dem Startschuss auch wirklich ein derbes Gedrängel, und ich hab auch noch nie so viele blöde Pöbeleien gehört. Aber egal, ich finds unsportlich und einfach doof, hab mir aber auch nur gedacht „dich hol ich doch eh wieder ein“. War dann auch so, die Pöbler hatte ich nach etwa 8 Kilometer alle hinter mir. Nicht dass ein falscher Eindruck aufkommt, das war wirklich der einzige Minuspunkt für die Veranstaltung (und hat nix mit dem Veranstalter zu tun), alles andere war top,1A, superklasse organisiert, freundlich und ein wirklich grosser Spaß. Und das alles bei diesem wirklich schönen Wetter.

Beim Start hatte ich noch gedacht, viel zuviele Menschen, ok, dann laufe ich eben gemütlich meine üblichen 1:40 Stunden. Nach 2 Kilometern war allerdings die Strecke sehr frei und mein Tacho zeigte plötzlich konstant eine Pace von 4:35. Kurz nachgerechnet und entschieden: heute geht was, hau rein. Bis Kilometer 12 hab ich das mit den 4:35 durchgezogen, danach dann etwas angezogen und mich einfach nur gewundert wie gut es läuft. Die Getränkestationen wurden mal wieder ausgelassen (naja ok, fast, einmal kurz den Mund gespült) und ab Kilometer 18 konnte ich nicht anders, hab „Vollgas“ gegeben und bin dann mit richtig guter Laune durchs Ziel gelaufen. Mit dem Wissen, es wäre tatsächlich noch mehr gegangen. Aber was solls, ich hatte so ein riesen Spaß durch diese wunderschöne Herbststimmung zu laufen und wollte mir das nicht ruinieren durch verbissenen Ehrgeiz.
Ein perfekter Lauf-Tag.
Auf der Urkunde steht: Platz 69 (18ter in meiner AK) mit netto 1:34:44.

Laufen




#^Why We Run – Salomon Running TV S3 E01
by SalomonTrailRunning on YouTube

"Laufen: Geschichte einer Leidenschaft" von Bernd Heinrich war mein erstes Laufbuch. Und was soll ich sagen, es immer noch mein liebstes Buch aus diesem Genre.
Falls es jemand nicht kennen sollte: Lesebefehl.
Heinrich ist keiner dieser modernen Lauf-Popstars, sondern ein sehr analytischer und authentischer Typ. Seine Gedankengänge und Ableitungen um ausdauernd laufen zu können, finde ich nach wie vor super interessant, auch wenn viel davon wirklich nur bei den jeweils beobachteten Tieren funktioniert. Trotzdem kann sich der laufende Mensch eine Menge aus den einzelnen Kapiteln rausziehen, an Physik und biologischen Vorgängen ist nunmal nix zu rütteln. Ohne bestimmte Grundlagen können wir nicht ausdauernd laufen.
Besonders sympathisch an ihm ist mir immer noch, dass er so ein völlig unaufgeregter Typ ist. Und das spiegelt sich wunderbar in dem Filmchen wieder, ohne Allüren, sondern einfach nur ein leidenschaftlicher Läufer.
Gleichmäßig atmen, den Körper permanent gut mit Sauerstoff versorgen, das hab ich in der Tat von Bernd Heinrich gelernt.

Gut so

Es ist schon wieder passiert. Statt der geplanten 10km war ich vorhin knapp über 22km unterwegs. Und das obwohl die vergangenen Tage beruflich ziemlich "intensiv" waren und ich letzte Nacht dann auch nur drei Stunden geschlafen hab. Beim Starten war ich mir nicht mal sicher ob die geplanten 10km überhaupt drin sind. Und dann lief es. Einfach so. Weil die Stimmung draussen während der einsetzenden Dunkelheit so klasse war, weil es trotz ende Oktober immer noch möglich ist mit Shorts und leichten Shirt zu laufen, weil der Mond über den dunstigen Horizont kriechend mich begleitet hat, weil ich meine Stirnlampe dabei hatte und einfach so irgendwelche unbeleuchteten wirren Wege laufen konnte, weil ich trotz Dunkelheit und Müdigkeit meine Portion Freiheit intensiv genossen habe. Mir gehts einfach gut.

Begegnungen

In der Stadt Düsseldorf seine Runden zu laufen, hat immer eine gewisse Anonymität. Obwohl der Rheinländer an sich wirklich freundlich ist, bringen es sehr viele Stadttläufer schlicht und einfach nicht fertig, wenigsten mal zu lächeln wenn man sich begegnet. Ignoranz ist die Regel. Ok, ich laufe für mich alleine und im Rahmen von Lauftreffs mag das anders sein, aber oft bin ich echt verwundert was mit den Leuten los ist. Es geht scheinbar eher darum die schicken (und teuren) Sportklamotten auszutragen und das Technikgeraffel zu zeigen, das dann natürlich auch nur bei schönem Wetter. Wenigstens mal ein freundliches Lächeln kann doch drin sein. Aber egal, jeder wie er mag. Immerhin, wenn das Wetter ungemütlicher wird, dann ist die Gruß-Quote schon wesentlich höher, bzw. da "kennt man sich". Die paar Irren die dann noch laufen, wissen immerhin was es heißt den Winter durchzuziehen.
Bei meinen langen Läufen ist das alles etwas anders, egal zu welcher Jahreszeit. Ich laufe üblicherweise sehr weit raus aus der Stadt und begegne in der Pampa nur wenigen Menschen. Aber sollten Läufer dabei sein, dann wird nicht nur gegrüßt, sondern da gehen immer auch ein paar nette Worte hin und her.
Letzte Woche zum Beispiel, es regnete und ich hab einen älteren Herren überholt der in schönem Schlappschritt sein Ding durchzog. Er konnte sich nach freundlichem Gruß eine kleine Bemerkung nicht verkneifen: "Hey Jungspund! Nicht so schnell!" … ich hab also etwas gedrosselt und bin eine kleine Weile mit ihm gelaufen. Ein Marathonläufer seit Jahrzehnten, aber jetzt im Alter da macht man keine Hektik mehr und wenn man noch so jung wäre wie ich, da ginge so was ja noch und schön dass man hier draussen im Regen mal jemand begegnet, an der nächsten Kreuzung würde er dann nach Hause traben, zu nass heute, die Knochen schmerzen. Ich bin grinsend alleine weiter durch den Regen, klasse Typ.
Oder der Typ der mir ziemlich regelmäßig an beiden Rheinufern entgegenkommt. Schrullig bis zum Anschlag, Nickelbrille, fürchterlicher Laufstil aber der läuft mit Sicherheit wesentlich längere Distanzen als ich, ein richtiger Nerd. Und er grüßt immer sehr freundlich.
Aber es gibt auch andere schöne Begnungen. Gestern zum Beispiel hat mich ein etwas älteres Paar spontan über einige Kilometer mit dem Fahrrad begleitet, die waren zurückhaltend neugierig weshalb zum Teufel jemand freiwillig 35 Kilometer rennt. Ich wurde nicht zugequatscht und musste selbst auch nicht viel reden, es war einfach eine nette Begegnung und "er" hat sich bei der Verabschiedung dann auch fest vorgenommen mal wieder die Laufschuhe anzuziehen, unter großem Zuspruch seiner Frau ("aber 5 Kilometer reichen auch").
Einmal ist einem Rennradfahrer aufgefallen dass ich nichts zu trinken dabei hab und er bot mir ein Schluck Wasser an. Oder die nette Dame mit zwei ungestümen Hunden, denen angedroht wurde, wenn sie nicht ruhig sind, dann müssten sie mit mir mitlaufen. Besonders in Erinnerung ist mir die tierische Begegnung mit einem kleinen Falken an einem sehr windigen Tag geblieben. Der sah mich von weitem, flog plötzlich zu mir und segelte über mehrere hundert Meter entspannt sehr dicht neben mir her, um ganz frech den Windschatten auszunutzen und mich dabei neugierig zu beäugen. Kluges Tier.
Bei fast jedem langen Lauf gibt es irgendeine mehr oder weniger schräge Begegnung, aber eben nur ausserhalb der Stadt.
Auch deshalb laufe ich wirklich gerne alleine am Rhein entlang, tobe durch den Grafenberger Wald oder renne durch die grüne Umgebung. Es kommt zu authentischen, freundlichen Begegnungen. Und die machen nicht nur Spaß, sondern wirken vor allem noch sehr besonders nach.