Realitätscheck

Hier im Rheinland werden nun die ersten Laufveranstaltungen wegen Corona abgesagt und das ist bestimmt erst der Anfang. Die Veranstalter machen es sich ganz sicher nicht leicht und für Meckerei hab ich kein Verständnis. Ja klar, es wurde darauf hin trainiert und vielleicht gab es hohe Erwartungen und überhaupt "das ist mein jährlicher Traditionslauf" blabla. Macht euch mal locker Leute, wir machen das als Hobby, wer gesund bleibt (und das sollte immer oberstes Ziel sein), kann auch in den nächsten Jahren noch Medaillen verdienen.
Da ich eh keinen Trainingsplan hab und einfach aus Spaß an Wettbewerben teilnehme, finde ich es zwar einerseits schade wenn jetzt was ausfällt, aber drehe andererseits einfach weiterhin meine einsamen Runden, an denen ich nicht minder Spaß hab.

Und zur Zeit gibts auch endlich wieder was zu sehen, die Tage werden merklich länger, meine Feierabendläufe sind nicht mehr durchgehend stockfinster und der Rhein hat Hochwasser! Nach den letzten zwei Jahren Trockenheit ist das ein echt ungewohnter Anblick.

März 2019:
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Dazu mal im Vergleich der Sommer 2019:
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Normalerweise laufe ich sehr gerne eher gemütlich direkt unten am Wasser auf den Trampelpfaden, nunja, die sind jetzt abgesoffen. Also hab ich zur Zeit ca. 99% befestigte Wege, die mich nicht grade dazu bewegen langsam zu laufen. Tempotraining leicht gemacht, es passiert einfach.

Und da der "Winter" ja offenbar jetzt wirklich vorbei ist: ich habs mit den Shorts durchgezogen, die langen Tights wurden nicht gebraucht. Es gab aber auch keine so richtig kalten frostigen Tage, mir wurde es also leicht gemacht.  
Stattdessen war meine gute leichte Regenjacke, die ich seit sechs Jahren besitze, noch nie so viel im Einsatz wie in den letzten vier Wochen.
Irgendwas ist ja immer 🙂

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Bleibt alle gesund und dreht weiterhin zufrieden eure Runden an der frischen Luft.

Mit dem Regen um die Wette fliegen

Nach den schönen Vorfrühlingstagen kam Sturm und Regen. Und die beiden sind immer noch da. Teilweise recht heftig sogar. Am Rhein hat es wieder einige Bäume zersemmelt und der Boden ist so mit Wasser übersättigt, dass einige meiner Lieblingspfade derzeit nicht laufbar sind.
Vorteil Rheinland, es ist die ganze Zeit recht warm. Bei 12°C ist mir Regen völlig egal, das Wasser ist aus den Fivefingers so schnell wieder raus wie es reingekommen ist, durch Pfützen rennen macht mir einfach Spaß. Und oben rum reicht trotz Platzregen meistens eine leicht wasserabweisende Jacke, Hauptsache nicht auskühlen durch den starken Wind.
Winter hatten wir bisher nicht und ständig Sturm beim Laufen nervt irgendwann.
Aber ist eben Wetter, muss so genommen werden wie es kommt, können wir (zum Glück) nicht beeinflussen, nur uns selbst daran anpassen.
Also einfach raus und rennen. Nicht nachdenken, nicht schimpfen, sondern laufen und das Beste daraus machen.
Ich hatte heute jedenfalls echt großen Spaß, wenn auch die ersten 10km frontal mit Gegenwind sehr anstrengend waren, danach allerdings wurde mit Rückenwind (aber auch brachialem Regen) regelrecht geflogen. Besonders der Streckenteil über die Rheinbrücke war fast apokalyptisch, es wurde immer dunkler und die Stadt verwandelte sich zu einer verwaschenen Sil­hou­et­te.
Ich liebe es einfach draussen zu laufen! Nur so erlebt man die Jahreszeiten mit all ihren Spinnereien.
Es waren übrigens weit mehr wetterfeste Läufer unterwegs als ich vorab vermutet hatte. Schön zu sehen.

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Und weiter gehts!

Heute konnte mich nichts mehr halten.
Nach zwölf Tage Pause, den kleinen Zeh pfleglich umsorgend, musste ich heute wieder laufen. Das Frühlingswetter brüllte, der Zeh schwieg, also rein in die Fivefingers, Shorts und Shirt an und vorsichtig losgetrabt.
Die ersten zwei Kilometer schmerzte plötzlich ständig irgendwas am linken Fuß, entsprechend gurkig und holperig war ich anfangs unterwegs. Mir wurde aber schnell klar, dass es einfach nur die "stillgelegten" Fußmuskeln und Sehnen waren, die nun irgendwie mal ganz fix auftauen mussten.

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Und siehe da, manchmal laufen sich Schmerzen eben doch raus, so war nach etwa 2,5km nur noch ein leichtes dumpfes Gemotze der Sehnen und Muskeln zu spüren, aber kein Schmerz. Ich hatte meinen Rhythmus und mein Wohlfühltempo wieder.
Geplant war ein ruhiger und vorsichtiger Lauf von maximal 5-6km. Das wundervolle Wetter hat mir aber "leider" einen Strich durch die Rechnung gemacht, es wurden fast 17km.
Auch das zeigt, dass der Zeh vermutlich nicht gebrochen war, sonst wäre diese Distanz vermutlich nach 12 Tagen nicht möglich gewesen.
Wie auch immer, die Pause war richtig und gut, und hat mir offenbar nicht geschadet.

Das hier war übrigens der Übeltäter:
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Und siehe da, es war gar kein Beton, sondern Hartgummi. Wieso ich allerdings so dicht daran vorbei laufen musste, erschließt sich mir im Tageslicht überhaupt nicht…

Ansonsten: Frühling! Yeah! 🙂

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Buddies

Der Januar ist einfach so stillschweigend und routiniert vorbeigegangen, ohne besondere Ereignisse, aber mit vielen Kilometern.
Unter der Woche im Dunkeln laufen, am Wochenende im Tageslicht, mal schnell, mal noch schneller, aber tatsächlich auch mal langsam, im Regen, im Sturm, alles dabei. So mag ich das.
Das milde Rheinland macht es einem aber auch wirklich einfach auch in der dunklen Jahreszeit ohne Nachzudenken rauszugehen und loszulaufen. So richtig mit dicken Winterklamotten war ich noch nicht unterwegs, die ungeliebten Tights versauern ungenutzt in der Schublade, oft reicht das was bereits im November und Dezember ausreichend war. Manchmal dünne Handschuhe, aber das war’s dann auch.
Viel wichtiger ist allerdings, sich vor dem Loslaufen zu vergewissern, dass der Akku der Stirnlampe satt aufgeladen ist. Im Dunkeln laufen macht mir grundsätzlich Spaß, aber es gibt so Ecken und Pfade, da ist es einfach stockfinster, ohne Lampe muss man schon sehr genau auf die Füße achten. Vorausgesetzt die Lampe leuchtet auch vernünftig.
Wenn aber nur müdes Akku-Restlicht aus der guten Leuchte kommt, dann könnte es auf halber Strecke passieren dass der linke Fuß beim Kurve schneiden und in schnellem Tempo einen Betonpoller mitnimmt (was mit Fivefingers besonders unangenehm ist) und dadurch der kleine Zeh arg strapaziert wird. Der tapfere Läufer rennt dann natürlich (fluchend) auch noch die restlichen 12 Kilometer nach Hause und begutachtet erst dann den Schaden. Vorher war es ja eh zu dunkel.
Die gute Nachricht: die Schuhe sind heile geblieben!
Dann sollten aber auch schnell die üblichen Sofortmaßnahmen (PECH) folgen, damit der Zeh sich erstmal wieder beruhigt.
Naja, vielleicht hatte ich noch ziemliches Glück, keine Ahnung ob gebrochen oder "nur" arg gestaucht, beim Arzt war ich nicht damit. Die Schwellung brauchte schon ein paar Tage um zurückzugehen, leichte Blaufärbung ist auch jetzt noch vorhanden, aber der Schmerz hielt und hält sich ziemlich in Grenzen.
Ich bin natürlich äusserst vernünftig und mache seit einer Woche Laufpause, der Kleine soll sich mal beruhigen. Mindestens eine weitere Woche geb ich ihm noch, mal schauen was dann ist.
So richtig schlimm ist das zum jetzigen Zeitpunkt nicht, ich hab zwar einiges geplant, aber das nächste Rennen ist noch weit genug weg. Ich sehe das ganze jetzt einfach mal als normale Erholungszeit, bin ja ansonsten überhaupt nicht eingeschränkt.
Mein kleiner Zeh hat dafür jetzt einen besten Kumpel dicht an seiner Seite, der stützt und hält ihn mit einem "Buddy-Tape".
Was man nicht so alles lernt …

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So kann das Jahr weitergehen

Samstag früh, kurz vor 9 Uhr. Bei schmuddelig-nass-kaltem Wetter gehts mal wieder auf in den Volksgarten. Am heimischen parkrun-Treffpunkt warten bereits einige tapfere und fröstelnde Helfer (die Strecke muss ja vorher auch markiert werden), sowie die ersten Läufer. Freudige Neujahrswünsche werden ausgetauscht, neue Gesichter begrüßt und überhaupt, es macht immer wieder Spaß dort zu sein.
Nach und nach trudeln weitere Läufer ein, am Ende werden immerhin 26 Leute am Start stehen.
Kurzes Briefing, Gruppenfoto, runter zählen und los gehts. Ich sprinte einfach mal vorneweg, aber zwei Herren direkt hinter mir, im Nacken. Die üblichen schnellen Hirsche sind diesmal nicht dabei, also gebe ich ausnahmsweise mal das Tempo vor. Der letzte parkrun im Dezember ist noch in guter Erinnerung, auch an diesem frostigen Tag bin ich anfangs auf erster Position gelaufen um dann auf der zweiten Runde gleich von drei(!) ortsfremden Läufern abgekocht zu werden. Die hatten mich ganz einfach (aus Ermangelung eines echten) als "Führungs-Fahrrad" genutzt, die Strecke kennengelernt und dann aufs Gaspedal gedrückt.
So einfach möchte ich es den beiden Kollegen hinter mir diesmal nicht machen, "einfach nicht überholen lassen" ist jetzt die Devise und vor allem nicht zu früh am Limit sein. Hinter mir wird dann tatsächlich auch zunehmend schwerer geatmet und der Abstand nimmt spürbar zu, bereits vor der zweiten Runde lege ich nochmal einen drauf und ziehe schließlich ab. Die Strecke ist sehr kurvenreich, an einigen Stellen kann man die Nachfolgenden sehr gut sehen ohne sich den Hals zu verrenken, nach 3,5km ist alles klar, da passiert nix mehr, ich bleibe einfach bei meinem Tempo.
Mit 19:24 renne ich schließlich ins Ziel. Endlich mal wieder auf dem ersten Platz, zwar weit entfernt von meiner PB, aber daran kann ich in den nächsten Monaten ja arbeiten, wenn die schnellen Jungs wieder als ungewollte Pacemaker dabei sind.
Auch wenn so ein erster Platz beim parkrun völlig unspektakulär ist, es geht ja mehr um das gemeinschaftliche Laufen und nicht um Ränge, mir gibt es diesmal ein gutes Gefühl als Jahresstart.
Ganz selbstverständlich packen anschließend viele noch beim Abbauen und Aufräumen an, einige gehen danach noch ins Café zum gemeinsamen Frühstück. Ich dagegen schultere meinen Laufrucksack (Wechselklamotten sind immer dabei) und mache mich gemütlich laufend die mittlerweile routinierte 13km-Strecke mit einem Schlenker über die andere Rheinseite auf den Weg nach Hause.

So mag ich den Jahresanfang.

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Ein anderes Jahr

Weihnachten ist schon wieder vorbei, Silvester und Neujahr ebenfalls, "2020" tippt sich zwar noch nicht flüssig, aber das ist nur eine Frage der Zeit.
Üblicherweise blicke ich ja nicht so gerne zurück, sondern nach vorn, die letzten 12 Monate hatten allerdings so einige Überraschungen parat und es war für mich läuferisch ein völlig anderes Jahr als ursprünglich geplant.
Trotz eines sehr mühsamen Jahresstarts (Wiedereinstieg nach dem Fußbruch), mit vielen sehr kurzen und langsamen Strecken, hab ich es doch tatsächlich noch auf gesamt 3.005 Jahreskilometer gebracht, durch Reinklotzen und Täglichlaufen in den letzten Tagen. Nach der kleinen Erkältungspause Anfang Dezember und einer kurze Rechnerei des Erreichbaren, kam ziemlich schnell der Ehrgeiz durch. Irgendeine krumme Zahl wollte ich für das auslaufende Jahr nicht stehen lassen, völlig inakzeptabel.
Über das Jahr verteilt bin ich statt der geplanten Ultra- und Marathonläufe, auf Wettbewerben ausnahmslos "Kurzstrecken" gelaufen. Einige Halbmarathons, den schönen 15km Heppi-Hermanslauf, ein paar 10er und jede Menge 5km bei unserem heimischen parkrun.
Mein längster Lauf hatte schäbige 33km. Ein langsamer und staubiger Trainingslauf um den Flughafen bei sehr hohen Temperaturen. Alles weitere war darunter. Ruhm und Ehre sieht anders aus.
Beim Düsseldorf Marathon im April wurde ich für Blödheit nach 23km mit einem DNF bestraft, beim Monschau Ultra sowie Frankfurt Marathon konnte ich aus verschiedenen Gründen (gute wie schlechte) noch nicht mal antreten.
Dafür wird mir der HM in Luxemburg in mehrfacher Hinsicht in Erinnerung bleiben: Menschenmengen, tolle Strecke, tolle Stimmung, eine irre Hitze, sowie Kotztüten im Ziel.
Aber ganz besonders bleibt in Erinnerung, dass ich bei allen darauf folgenden Halbmarathons meine ursprünglich scheinbar unerreichbare persönliche Wunschbestzeit von 1:30h gleich dreimal unterbieten konnte. Die 1:27h vom Kö-Lauf stehen jetzt im Notizbuch. Ohne irgendwelche Trainigspläne. Mit Fivefingers. Das macht mich stolz. Das gilt es aber vielleicht sogar noch zu toppen.
Geholfen haben sicherlich die vielen parkrun-Läufe, 5km Tempoläufe kannte ich bis dahin ja überhaupt nicht und entgegen all meinen Erwartungen macht das Ding immer wieder Spaß. Dem parkrun bleibe ich also auf jeden Fall treu, tolle Veranstaltung, tolle neue Kontakte, jede Menge Spaß, ich freue mich jedesmal mitzumachen. Als Läufer und auch als Helfer.
Trotz allem war es also ein tolles Laufjahr. Bei den vielen Alltagsläufen gab es immer wieder viele schöne Situationen und Erlebnisse, keine Sekunde davon möchte ich missen.
Immer wieder, bei wirklich jedem Lauf bemerke ich wie gut es ist raus zu gehen und loszulaufen. Im Regen, bei Hitze, bei Kälte, Sturm und Nebel. Einfach machen. Die Belohnung folgt prompt.

Und was bleibt sonst?
Mein Blog immerweiterlaufen.de ist jetzt genau 5 Jahre alt. Ursprünglich als kleines Laufnotizbuch gestartet, tummeln sich jetzt hier viele sehr liebgewonnene Kontakte in den Kommentaren. Es gibt immer wieder was zu lernen und zu lachen. Macht ruhig weiter so 🙂
Noch was: immer mehr mögliche "Kooperationspartner" schreiben mir. Lasst es einfach, ich will das nicht. Mein Blog bleibt werbefrei, in jeder Hinsicht.

So geht es dann also einfach weiter in diesem neuen Jahr, als Minimalläufer, ohne Trainingspläne, aber mit einigen Anmeldungen bei den üblichen Verdächtigen. Aber auch auf zu neuen Abenteuern, einige neue interessante und herausfordernde Wettbewerbe sind dabei, mal schauen was daraus wird.
Einen einzigen sehr genauen Plan hab ich trotzdem und gedenke ihn einzuhalten: gesund bleiben. Das ist und bleibt das Wichtigste.
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Nochmal schnell um den See

Letztes Jahr fiel er für mich wegen gebrochenem Fuß aus, dieses Jahr war er dafür um so schöner: der alljährliche Halbmarathon des Martinslauf stand noch auf meiner Liste der offiziellen Rennen.
Um diese Jahreszeit kann man durchaus Pech mit dem Wetter haben, oder eben auch unheimlich Glück. Bei zwar frostigen Temperaturen, aber knallblauem Himmel und Sonne pur, konnte der SFD’75 dieses Läuferhighlight routiniert durchführen. Der Martinslauf zieht mehr Läufer als zb. der Kö-Lauf. Wenn es nicht die Begrenzung von 1.200 bei 10k und HM gäbe, wahrscheinlich noch mehr. Die Strecke ist zu 90% aber auch wirklich ein Genuss, Waldwege, flach, frische Luft, gute Versorgung (wer es braucht), sehr gute Organisation und ein buntes Rahmenprogramm für die ganze Familie.

Ich hatte es dieses Jahr völlig verpeilt meine Startnummer vorab zu organisieren, also auf den letzten Drücker einen Parkplatz suchen, Fußmarsch zum Ort des Geschehens, ins große Zelt, zum Glück keine Warteschlange mehr, Nummer ans Shirt gepinnt, kurz aufgewärmt und gedehnt und dann stand ich auch schon an der Startlinie. Viele bekannte Gesichter dabei, etliche Parkrunner (natürlich) und auch etwas Prominenz.
Runterzählen und los ging es. Wie üblich erstmal Gedränge, nach etwa einem Kilometer hatte ich mich frei gelaufen, ein Blick auf die Uhr: Pace 4:05. Die wollte ich halten wenn irgend möglich. Negativ Split oder so klappt eh nicht bei mir, also einfach laufen. Die Fivefingers V-Trail hatten sich ja schon auf der Strecke bewährt, waren auch diesmal die richtige Wahl und überhaupt es fühlte sich einfach alles klasse an. Nach ca. 14km zogen die ersten schnellen Hirsche, die den negativen Split können, an mir vorbei, teilweise mit aufmunternden Worten „Alter! Mit den Schuhen so ein Tempo!?“ Immer wieder schön 🙂
Der für mich blödeste Teil ist der schnurgrade Streckenteil auf dem Radweg direkt neben der Bundesstrasse, da geht mir jedesmal das Tempo etwas weg, meine Pace schwächelte auch diesmal. Danach aber wieder rein in den Wald und nochmal hochgeschaltet, fix ein paar Läufer überholen und auf in den Schlußsprint, alle Reserven locker machen.
Die letzten zwei Kilometer lassen sich nochmal ganz wunderbar rennen, nur seichte Kurven, angenehmer Untergund, da geht was. Plötzlich höre ich Schnaufen hinter mir, jetzt noch überholt zu werden ist völlig undiskutabel, nun also wirklich schnell sprinten. Dass das überhaupt noch möglich war, zeigt mir mal wieder dass ich grundsätzlich wohl auf der HM-Distanz noch was rausholen könnte.
Der Zeileinlauf war wirklich sensationell, wir zwei haben uns echt nichts genommen, sind gerannt wie die Irren. Ich hatte dann zwar die Füsse vor dem Kollegen über der Matte, aber netto war er tatsächlich etwas schneller als ich. Hat sich also für beide gelohnt.
Anschließend abklatschen, sich gegenseitig feiern, freuen, literweise warmen Tee trinken und statt Medaille den obligatorischen Weckmann abholen.
Meine offizielle Netto-Zeilzeit: 01:28:45, Platz 36 (von 931 Finishern), 3. Platz in meiner AK M50.
Also mein dritter HM unter 1:30 innerhalb eines Jahres, der ehemaligen Traumzeit, die ich nie zu erreichen glaubte.
Mehr als zufrieden ging es in netter Gesellschaft zurück zum Parkplatz und ab nach Hause. Ein wunderbarer Lauftag war das!

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Aufwärmen.

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Zielsprint!

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Der Weckmann war schnell weg Mann. Die Pfeife ist geblieben.

Herbst

Endlich Herbst!
Regen, Windböen, grauer Himmel,  frühe Dunkelheit, Pfützen und Matsch.
So richtiges Dreckswetter!
Ganz ehrlich, mir ist das völlig egal, manchmal sogar ganz recht. So gern ich den Sommer hab, bestes Laufwetter ist alles zwischen 5 und 10°C. Und wenn es regnet, dann regnet es eben. Nass werd ich eh, durch Schwitzen. Bevor mir kalt wird laufe ich eben einfach schneller. Und solange kurze Hose noch möglich ist, ist immer alles gut bei mir, egal was das Wetter macht.

Heute also mein erster "echter" Herbstlauf dieses Jahr, im Regen, mit nassen Füssen und ordentlich Wetter im Gesicht. Herrlich! Da läuft es sich gleich viel schneller und gleichmäßiger.
Ein Teil meiner heutigen Strecke ging ausnahmsweise mal quer durch die Stadt, bei dem miesen Wetter und durch den Feiertag hier in NRW waren die Straßen schön leer,  sowas muss ausgenutzt werden, und ich konnte sogar das Tageslicht nutzen.
Nach der Altstadt kam der übliche Schlenker über die Rheinkniebrücke rüber nach Oberkassel um noch Kilometer zu sammeln, dort schön einsam am Rhein entlang getrabt, schließlich zurück über die Theodor-Heuss-Brücke und noch einen schnellen Sprint über die Rheinwiesen, dabei Jogger in voller Wintermontur bestaunt. Danach ab nach Hause und heiß duschen.

So geht laufen im Herbst.
Wenn man seine Füße draussen erstmal in Gang gesetzt hat, dann kommt der Spaß ganz von selbst.

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Grau, grau grau …

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Regen, Regen Regen …

Parkrun nach einem halben Jahr

Unser Parkrun hier in Düsseldorf ist jetzt ein halbes Jahr alt. Jeden Samstag um 9 Uhr werden im Volksgarten 5km gelaufen.
Zweimal eine 2,5km Runde. Schnell oder langsam, auf Zeit oder einfach so, jeder kann teilnehmen, als Läufer oder als Helfer (Volunteer). Kostet nichts, völlig unverbindlich ohne jegliche Vereinsmeierei, ist immer toll organisiert und eine gute Abwechslung zum üblichen Laufalltag.
Auch wenn ich es nicht jede Woche schaffe, gehöre ich mittlerweile schon ein wenig zum harten Kern.
Diese kleine feine Veranstaltung beginnt mir tatsächlich ans Herz zu wachsen.
Zeit für einen kleinen Rückblick.

Ohne freiwillige Helfer würde das alles nicht funktionieren und es macht durchaus Spaß auch mal abseits zu stehen und mit anzupacken. Laufen und helfen, ein fliessender Übergang und ein Teil der Philosophie des Parkrun. Auch beides zusammen ist ohne Schwierigkeiten möglich und so fängt man irgendwann ganz selbstverständlich an, nach dem Laufen aufzuräumen oder zu fotografieren oder einfach anzupacken wo grade Unterstützung nötig ist.
Auch wenn ich immer gerne zu den vorderen schnellen Hirschen gehöre und meine Bestzeit mittlerweile auf 19:05 Minuten verbessern konnte, lege ich es nicht zwingend darauf an noch einen und noch einen drauf zu setzen. Gelaufen wird nach Laune und nach Situation, Zielzeit ist tatsächlich zweitrangig geworden. Der Spaß steht im Vordergrund.

Kein Samstag ist gleich, immer neue Leute, immer andere Rahmenbedingungen und bei besonderen Anlässen wird zum Beispiel auch mal auf einen Donnerstag gelaufen. Am Tag der deutschen Einheit gab es mitten in der Woche ein Parkrun-Special in ausgesuchten Städten.
Düsseldorf und Köln (die ewige Rivalen) haben eine wirklich sehr gelungene gemeinsame Veranstaltung gemacht. Es kamen 128 Läufer aus aller Welt, die größte Gruppe bisher, einfach klasse!
Ich bin nicht mitgelaufen, sondern hab mir gedacht, an so einem Tag wird jede helfende Hand benötigt, also lass ich die Touristen laufen und pack mit an. Ziel-Token austeilen, Fotos machen, aufräumen und echt viel Spaß haben, das geht.
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Wer sind eigentlich diese Touristen? Das gehört irgendwie zum Parkrun dazu. Jeder registrierte Läufer hat einen persönlichen Barcode und kann damit weltweit bei jedem Parkrun antreten. Wenn also zufällig jemand zu Gast in irgendeiner passenden Stadt ist, dann wird einfach mitgerannt. Da lernt man so einige interessante Typen kennen. Und so ganz nebenbei werden dabei noch die eigenen Fremdsprachen Kenntnisse aufgefrischt, überwiegend wird tatsächlich fast jedes mal ein deutsch-englisch Mischmasch gesprochen.

Üblicherweise sind wir eine eher kleine Gruppe, mit so ca. 15-25 Läufer, es gab auch schon Tage mit nur 10. Aber dieses Wochenende zum Beispiel waren 30 Läufer und 11 Helfer am Start, trotz Regen, da wird unbeirrt und tapfer durchgezogen.

Letzte Woche war die Presse bei uns zu Gast und es wurde ein sehr schöner und langer Beitrag in der regionalen Tageszeitung daraus.
Absoluter Kracher: Titelseiten-Aufmacher und ein Riesenfoto kurz nach dem Start, auch mit mir darauf!
Damit hatten wir echt nicht gerechnet. Das Wetter passte aber auch einfach zu gut für stimmungsvolle Fotos, die Laune war allgemein prächtig und wir Läufer hochmotiviert, eine gute Figur zu machen.
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Prompt waren diesmal paar völlig neue Gesichter in der Runde, so muss das sein. Ich vermute da werden noch mehr kommen, wenn das Wetter angenehmer ist.

Auf dem Blog der Volksgarten-Parkrun Webseite wird übrigens über (fast) jeden Lauf berichtet. Das macht besonders dann Spaß zu lesen, wenn man mal selbst nicht dabei war. Auch als Motivation für das nächste mal.

Nach wie vor fahre ich übrigens mit der SBahn zum Park, gabel unterwegs oft noch ein paar Touristen auf, die den Weg nicht kennen, laufe nach herzlicher Begrüßung dann meine 5km, helfe fast immer noch ein wenig und laufe anschließend gemütlich eine gerne ausufernde Strecke nach Hause. So darf ein Wochenende beginnen.

Kurze Strecken zusammen mit anderen laufen, wer hätte gedacht dass mir sowas mal so richtig Spaß macht … 😉

Kurzurlaub am Meer

Ein paar wundervolle und sehr kurzfristig geplante Urlaubstage an Hollands Küste sind schon wieder vorbei. Aber von den Barfußläufen im Sand werde ich wohl noch eine Weile still vor mich hinschwärmen.
Vom Rheinland aus auf die Halbinsel Walcheren, auch Seeland genannt, zu fahren ist zum Glück kein großer Aufwand. Zwei Tage „Kultur“ in Middelburg und ein Abstecher zum Meer waren geplant, aber wir haben uns vor Ort schnell entschlossen aus dem Abstecher zwei Strandtage in Domburg zu machen, dank Nebensaison war alles fix und unkompliziert gebucht. Die Strände dort sind wirklich traumhaft!

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Wenn die Barfüsse dann endlich im Sand stehen, merkt man ja erst wie sehr das mal wieder nötig war. Freiheit für die Füsse!
Vom Erholungsfaktor abgesehen (den ich bitter nötig hatte), konnte ich es natürlich kaum erwarten endlich am Strand zu rennen. Also rein in die Laufklamotten und losgetrabt. Bei Ebbe über den festen Sand, Möwen ärgern, Muscheln ausweichen und immer wieder durch die Wellen platschen, ohne auf Uhr, Zeit, Pace zu achten, sondern einfach nur mit gehörig Wind um die Ohren nach Laune rennen, perfekt!

Während der Flut wurden die Deichwege genutzt, dort war ich nach einigen Barfuß-Versuchen allerdings lieber mit Fivefingers unterwegs. Statt mit Sand sind diese Wege überwiegend mit so einem eher barfußunfreundlichem Muschelgemisch geebnet. Gemütliche Spaziergänge sind kein Problem, laufen wird allerdings zu einer ziemlich pieksigen Angelegenheit.
Aber ob auf Wegen oder am Strand, die Luft war toll, das Wetter trotz starkem Wind fast perfekt, der Kopf wurde frei gepustet und die Fuß-/Beinmuskeln gefordert.
Und mir ist bei den Läufen mal wieder aufgefallen wie fortschrittlich die Fussgänger/Radfahrer/Auto-Infrastruktur in Holland ist. Beneideswert. Ich bin immer wieder gerne bei unseren Nachbarn. Ein Land wo man sich beim Essen "eet smakelijk" wünscht, muss man einfach mögen.
Diese paar Tage waren eine echte Wohltat, für Kopf und Körper.

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