Etappenlauferei zu Ostern

Am Gründonnerstag hatte ich unterwegs auf meiner Laufrunde die Idee, die anstehenden sonnigen Feiertage einfach mal täglich zu laufen. Ohne bestimmtes Ziel, einfach nur die freie Zeit nutzen und draussen sein.
Kaum wieder zuhause angekommen und wie es der Zufall so will, finde ich eine Mail von Elke in meinem Postfach, eine Einladung zum Ostermarathon2020. Marathon? Ostern 2020?
Wie soll das denn in der jetzigen Situation funktionieren? Ganz einfach, jeder läuft für sich selbst und lädt seine Zeiten in das Timing-Portal. Damit nicht genug, die Marathondistanz darf innerhalb von vier Tagen (Karfreitag bis Ostermontag) in Etappen gelaufen werden. Also war weder Vorbereitung noch Taperingzeit nötig, es sprach einfach gar nichts gegen eine spontane Anmeldung, das alles passte ja wunderbar zu meinem eh schon getroffenen Vorhaben. Und ein paar Euro für den Spendentopf gab es selbstverständlich auch, das ganze war eine Veranstaltung für einen guten Zweck.

Zum „Marathonstart“ am Karfreitag wurden die ersten 14,5km unkompliziert hier in der Nachbarschaft als Rundenlauf runtergerannt. Das ist eigentlich eine charmant Strecke weil man ohne nachzudenken Tempo machen kann und keine Ampelstopps oder so hat. Aber Rundenlaufen langweilt mich auch schnell.
Der zweite Tag wurde daher etwas ausladender, die 17km-Strecke am Rhein sollte es werden, also ab dafür. Sehr ungewohnt war allerdings das Hammerwetter und die plötzliche Wärme, eigentlich nur 22°C, aber irgendwie gefühlte 30°C. Ich gebe zu, am Ende wurde es eine sehr durstige Angelegenheit.
Deshalb bin ich Ostersonntag sehr früh raus, angekündigt war ein weiterer knallsonniger Tag, statt Hitze konnte ich auf 14,3km die wunderbare morgendliche Frische mitnehmen. Genial!
Und wer bis hierher mitgerechnet hat, wird bemerken dass ich die Marathondistanz längst im Sack hatte.
Trotzdem weiter, es galt noch ein Feld im Timing-Portal zu füllen und überhaupt war da ja noch mein eigenes Vorhaben.
Ostermontag wurde schließlich mit weiteren 15km wieder ein überraschend schneller Lauf, vom starken Wind getragen, gegen Böen kämpfend, aber dank der plötzlich sehr niedrigen Temperaturen mit einer Leichtigkeit die ich nicht erwartet hatte. Einfach ein wirklich großer Spaß!
Als Ergebnis lande ich beim Ostermarathon, mit gesammelten 61km, bei einer (sehr!) theoretischen Marathonzeit von 03:06.43
Der Spaß war es auf jeden Fall wert!

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Mein eigenes Vorhaben konnte ich mit 78,5km abschliessen. Besonders zufrieden macht mich bei der Aktion, dass ich keinen Durchhänger hatte. Ganz im Gegenteil, alle Läufe waren eher schnell und stabil vom Tempo. Normalerweise laufe ich etwa jeden zweiten Tag, dafür allerdings längere Strecken.
So passt es aber scheinbar auch ganz gut, könnte ich ja mal wiederholen.
Bleibt gesund, haltet Abstand und lauft an der frischen Luft. Es lohnt sich immer!

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So sieht übrigens die Ziellinie des Düsseldorf Marathons aus, wenn kein Marathon ist:
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Vernunft schon wieder

Was hab ich mich auf den Monschau Ultra dieses Jahr gefreut!
Super früh angemeldet, sehr gut mein „Plan“ durchgezogen, nichts übertrieben, trotzdem gefordert, ohne Höhenmeter-Training geht halt nix in der Eifel, nur um mir dann eine Woche vorher (eine Woche!!) beim schnellen bergab rennen eine ordentliche Wadenzerrung einzufangen. Ja ich war sehr schnell, ja das war ein fieser Trail, nein ich habe keinen technischen Fehler begangen, vermutlich ging es einfach zu heftig bergab und der eigentlich schöne kühle Regen hat mir den Rest gegeben, etwas mehr aufwärmen vorher hätte vielleicht geholfen. „Hätte hätte …“, was auch immer.
Da saß ich dann also am Freitag im regnerischen Wald, massierte mir die Wade in der Hoffnung dass das schnell wieder weggeht, ging es aber nicht. Also langsam nach Hause getrabt, gekühlt, massiert und die Schaumstoffrolle rausgeholt. Einige Tage Pause und gut dran gearbeitet, am Dienstag einen sehr ruhigen Lauf angetestet, flache Strecke ging zwar gut, aber die Eifel ist nicht flach. Treppe war dann schon wieder „suboptimal“.
Entscheidung: sei nicht dumm, sag ab.
Ein Fiasko wie in Düsseldorf möchte ich in der Eifel nicht erleben.
Gesagt getan, Mail an das Moma-Team geschrieben (gehört sich so finde ich) und eine nette Antwort bekommen, es gäbe ja die Option entweder aufs nächste Jahr zu schieben oder eben jemand anderen mit der Startnummer zu beglücken.
Aus Elkes Blogbeiträgen der letztem Wochen wusste ich, sie startet in Monschau, also fix angemailt, vielleicht fällt ihr jemand ein der/die noch eine Startnummer sucht.
Die Suche dauerte nicht lange und Heidrun war gefunden. Die Umbuchung ging sehr reibungslos, von Ultra auf Genuss-Marathon, und die beiden hatten heute einen tollen Genuss-Marathontag in Monschau 🙂
Ich dagegen schaue zwar etwas neidisch auf die Bilder in Elkes Blogbeitrag, aber bin fein mit der Entscheidung, das wäre nicht gut gegangen und von sehr wenigen Ausnahmen abgesehen, siegt bei mir ja eigentlich immer die Vernunft.

Heute war ich dann statt im hügeligen Wald vorsichtshalber lieber am flachen Rhein unterwegs und hab mir einen etwas schnelleren 21km „Monschau-Solidaritätslauf“ zum austesten gegeben, die Wade war still, aber zuhause musste ich dann nochmal dran herum massieren, ganz weg ist die Sache also noch nicht.
Fazit: alles richtig gemacht.  Dann bereite ich mich eben auf andere Klamotten vor die dieses Jahr noch anstehen.

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… und dann war ich raus

Um es kurz zu machen: heute war Düsseldorf Marathon, ich bin bei km23 ausgestiegen.
Mein erster DNF, wer hätte das gedacht…

Wie konnte das passieren?
Recht einfach. 14 Tage vorher kein einziges mal gelaufen, wegen hartnäckiger Nebenhöhlenentzündung und echt heftigem Reizhusten. Nebenbei noch in der Weltgeschichte rumgeflogen und die Sache nicht annähernd vernünftig auskuriert.
Zwei Wochen krank sind aber scheinbar keine zwei Wochen Tapering (was ich mir tapfer eingeredet hatte).
Trotzdem an den Start, das Wetter war sogar besser als vorausgesagt und mir ging es tatsächlich so richtig gut, hochmotiviert wie immer.
Ich bin zügig gestartet, konnte meine Pace wunderbar halten, die ersten 15km waren wirklich Routine und Genuss.
Bei km18 fiel mir auf dass ich viel langsamer laufe als geplant, also Tempo machen. Ging aber nicht, ständig zogen Läufer an mir vorbei die weit hinter mir sein sollten. Schnell das Notfall-Gel rausgekramt und weggeschlürft. Null Wirkung, die Pace wurde immer mieser. Zwischenzeitlich wurde ich vom 3:30h Pacer überholt und konnte das gar nicht glauben, meine Wunschzielzeit war mit 3:14h geplant…
Bei km23 dann schließlich der totale Abriss, nichts ging mehr, zwei Minuten Gehtempo und der sehr schnelle Entschluss: aufhören. Jetzt. Keine Experimente.
Normalerweise laufe ich diese 20er Distanzen „auf der linken Arschbacke“, mental war das also überhaupt kein Thema, aber körperlich. Die Kraft war weg, null Energie mehr. Die Rache der Erkältung war da und die Vernunft musste hier siegen.
Also Laufuhr gestoppt, die eh besorgte Liebste angerufen, Treffpunkt ausgemacht, nach Hause geradelt und ein heisses Bad genossen.
Und wisst ihr was? Es geht mir einfach nur gut mit dieser Entscheidung. Gesundheit geht vor, ganz einfach.
So früh so derbe einzubrechen, da gibts keine inneren Diskussionen. Vielleicht war es sogar unvernünftig überhaupt zu starten, aber es ging mir (vermeintlich) gut, das war allerdings ein Trugschluss. Punkt.
Jetzt erstmal ausruhen, auskurieren und dann auf zu neuen Abenteuern.
Und schon wieder hab ich mit Düsseldorf eine Rechnung offen …