Eine durchaus interessante Entdeckung

Wenn man noch Resturlaub aus dem Vorjahr hat, dann muss der bald weg. Das hat mich in die schöne Situation versetzt einfach mal einige Tage sehr gemütlich zu gestalten. Zum Beispiel, nicht Abends nach der Arbeit im Dunkeln zu laufen, sondern … äh, früh morgens in der Dämmerung. Einfach nur weil es geht. Also im Dunkeln losrennen, um dann am Rhein den Sonnenaufgang abzupassen. Oder das Ende der Mondfinsternis. Oder einfach nur um die zur Zeit kalte, frische, frostige Luft zu geniessen.
Image/photo

Aber darum sollte es heute überhaupt nicht gehen, sondern um eines der Lieblingsthemen bei Läufern: Schmerzen.
Während meiner Auszeit im letzten Spätsommer/Herbst, hatten sich meine Adduktoren innerhalb weniger Tage verhärtet, in beiden Beinen, bis hoch in die Leiste. Kein Wunder, von Hundert auf Null an einem Tag, danach wenig Bewegung, viel Sofa. Das konnte nicht ohne Folgen bleiben.
Allerdings lasse ich mir sowas nicht gerne gefallen und hatte nun endlich einen guten Grund regelmäßig Stabi-Übungen zu machen, Schmerzen können ja sehr überzeugend sein. Von daher erstmal sogar eine richtig gute Sache. Da bleib ich übrigens auch dran, macht ja dann doch irgendwie Spaß sich für den Tag schon mal in Schwung zu bringen.
Zum Glück haben wir tatsächlich alles was man so braucht im Haushalt, Matte, Gummibänder, kleine Hanteln, aber besonders diese Hartschaumrollen sind ja wunderbar für solche Fälle und kamen exessiv zum Einsatz. Alle möglichen Tipps und Versionen hab ich getestet. Gerollt, geknetet, getriggert. Kleine Linderung gab es immer mal wieder, aber so richtig rausbekommen hab ich das leider nicht. „Warte nur ab, wenn du wieder läufts…“ ging mir immer duch den Kopf, Schmerzen laufen sich ja bekanntlich raus. War nur leider nicht so, wie sich schnell zeigte. Ok, während der Runden ließen die Schmerzen nach, sind sogar (bei gemäßigtem Tempo) fast weg gewesen, aber dann nach der Dusche und etwas ausruhen blöderweise fast doppelt so stark wieder da. Also massieren, rollen und dehnen, immer wieder. Das alles wäre nichts gewesen was mich völlig ausgebremst hätte, ich konnte ja laufen, aber ehrlich gesagt war ich so langsam schon etwas verzweifelt weil es nicht besser wurde. Wer möchte schon ständig mit Schmerzen laufen. Wir haben hier zum Glück eine tolle Physio in der Nähe, die hätte ich dann auch bald mal aufgesucht, nur das hat mir als kleine „Versicherung“ etwas innere Ruhe und Geduld gegeben.
Aber es kam völlig anders.
Wie es der Zufall wollte, stand vor kurzem ein Tattoo Termin an. Rechter Oberschenkel, innen, runter bis in die Kniekehle. Eine unschöne Stelle zum Tätowieren, aber ist ja selbstgewähltes Elend. Routiniert wie gewohnt haben wir den Termin durchgezogen, mir war dabei nicht bewußt dass wir genau auf dem eh schmerzenden Muskel rumarbeiten. Das Motiv ist erwartungsgemäß wunderbar und schön bunt geworden (dazu vielleicht später mal mehr), danach schnell nach Hause und ab ins Bett, es war schon später am Abend und tätowiert werden macht müde.
Am nächsten morgen wurde alles vorsichtig abgeduscht und gesäubert, das brennt immer nochmal so richtig heftig, ein frisches Tattoo ist nunmal eine großflächige Schürfwunde. Danach trocknen lassen und gut. Durch das Brennen ist es mir erst später beim Frühstück aufgefallen: die Adduktoren in beiden Beinen waren still. Völlig. Nicht mal ein Hauch von Restschmerz.
Wie das so ist, kaum zu glauben, erstmal abwarten, muss eine Täuschung sein. Einen Tag später, kein Schmerz. Nichts. Also wirklich gar nichts. Solche lang anhaltenden Schmerzen gehen nicht einfach so weg. Also abwarten, der Körper kann ja ein tückisch Ding sein.
Mittlerweile war ich wieder einige mal laufen, immer noch nichts, alles ist gut. Ich kann Tempo machen, ausweichen, springen, richtig heftig sprinten. Kein fiesen Schmerzen mehr. Wirklich nichts.
Das ist doch völlig irre, oder? Mit Tätowieren Adduktorenschmerzen behandeln?! Davon hab ich bisher noch nie gehört.
Möglicherweise haben die Nadeln bei mir einfach den exakt richtigen Triggerpunkt erwischt und den dann so richtig bearbeitet, eine andere Erklärung hab ich wirklich nicht. Aber dass einfach alles weg ist, also auch im anderen Bein und in der Leiste, das finde ich wirklich total verrückt und erstaunlich.
So ganz traue ich der Sache noch nicht und werde fein weiter beobachten, bin aber im Moment einfach überglücklich und mehr als zuversichtlich, scheinbar ist diese lästige Phase vorbei.
Also bei Adduktorenschmerzen einen Tattooshop aufzusuchen? Naja, das ist wohl eine Entscheidung die jeder mit sich selbst ausmachen muss  😉

Regen Regen Regen und langsames Steigern

Ich ackere mich langsam wieder hoch, von entspannter Routine zwar noch etwas entfernt, aber ich bemerke die ersten "abgeschalteten Kilometer", ihr wisst schon, dieses Laufen ohne Nachzudenken, einfach nur laufen. Diese Momente liebe ich ja wirklich!
Jeden zweiten Tag geht es zur Zeit auf die Laufstrecken. Einen Tag eine etwas kürzere Distanz mit leichtem Tempowechsel (11-15km), dann das nächste mal eine längere und langsamere Distanz (18-21km), der Umfang wird langsam aber stetig gesteigert.
Da ich ja passionierter Abendläufer bin, ist es zur Zeit halt immer stockduster wenn ich loslege, was mich allerdings von Sprinterei und Übermut abhält. Kommt dann noch Regen und Wind dazu wie in den letzten Tagen, dann bemerke ich ein gewisses leicht anstrengendes Durchbeissen und wünsche mir nicht selten den Knallersommer zurück. Diese Abende zeigen mir auch, dass sehr wohl noch etwas Arbeit angesagt ist um meine alte Kondition wieder einzuholen.
Heute ging es dann immerhin mal im Tageslicht auf die kleine Rheinstrecke, etwas über 15km im strömenden Regen, immerhin bei ca.10°C. Ich hab mich für die V-Trails entschieden, die machen bei so einem Schmuddelwetter einfach den besseren Job. War dann auch gut so, überall Pfützen und ziemlich rutschige Passagen, die konnten mir allerdings nichts anhaben, ich bin sicher durchgerannt.
So richtig schön ist es allerdings anschließend nach Hause zu kommen, klatschnass, voll zufrieden, motiviert und ein wenig dankbar dass die Lauferei schon wieder so gut klappt. Einfach immer weiter laufen 🙂

Image/photo

Einen hab ich noch

Um einige mentale "Fraktur-Blockaden" noch im alten Jahr aus dem Weg zu räumen, hab ich heute noch eine kleine 15,75km Rheinrunde gedreht.
Weshalb mentale Blockaden?
1. ich bin erstmalig wieder in Fivefingers unterwegs gewesen, seit dem Bruch waren aus Vorsicht nur Trailgloves angesagt.
2. ich musste den exakten Punkt überlaufen, an dem der Fuß gebrochen ist.
3. ich musste einfach die Strecke laufen, die es Ende August nicht mehr wurde.
4. am 31.12. eine Temperatur von 10°C zu haben, da hält mich nix drinnen!
… und ausserdem wollte ich den Rhein mal wieder mit viel Wasser sehen.

Danke für eure Unterstützung in den vergangenen Monaten, wir lesen uns im neuen Jahr! 🙂

Image/photo

Image/photo

Ein Laufjahr mit Höhen und Tiefen

Was für ein schräges Lauf-Jahr. Es hatte so super angefangen, wurde dann mühsam und anschließend durch den Ermüdungsbruch komplett runtergefahren.
Beim Brückenlauf im April konnte ich haarscharf eine neue 10km Bestzeit erlaufen, in Fivefingers und motiviert bis zum Anschlag.
Eine Woche später der Düsseldorf-Marathon, definitiv mein Highlight des Jahres aus mehreren Gründen. Zum einen weil ich Barfuß-Läufer Wolfgang kennenlernen durfte; ich unterwegs dann erstmalig dem Pulsmesser über den Weg gelaufen bin; dieser Marathon ebenfalls in Fivefingers und mit erstaunlicher Bestzeit durchgezogen wurde; und ich während des Laufs ausser einem Gummibärchen und ein paar Schluck Wasser keinen Bedarf an Energiezufuhr hatte. Ich war einfach fit.
Nach ein paar Tagen Pause kam ich anschliessend nicht so richtig in Gang, vielleicht wegen der nicht endenden Hitze, vielleicht wegen zu kurzer Regeneration, oder beidem, oder wasauchimmer, ist bekanntlich müßig darüber nachzudenken.
Also hab ich einfach mal bewusst runtergefahren, jeden zweiten Tag einen HM bei der Hitze macht schon schlapp, aber immer im Hinterkopf was im Jahr noch so geplant war.
Davon konnte ich dann am Ende leider nichts mehr mitnehmen, grade als so langsam wieder Fahrt reinkam, breche ich mir Ende August den Mittelfuß. Einfach so. Ermüdungsbruch. Das war natürlich extrem ernüchtend. Von Hundert auf Null. Zwischen totalem Frust und tapferen Optimismus dass der Knochen schnell heilt. Draussen brüllte der Sommer und ich konnte nicht mal anständig Spazierengehen.
Nach fast genau drei Monaten Pause, ging es sehr vorsichtig und langsam wieder los, kurze Distanzen in der Nachbarschaft, mit 3km und null Kondition angefangen (traben, Pause, traben…), waren zwei Wochen später wieder 10km drin und ab Weihnachten endlich(!) wieder 15-16km durch den Wald!
Jetzt nur nicht übertreiben. Ich laufe derzeit jeden zweiten Tag, immer noch sehr ruhig und für meine Verhältnisse langsam, dabei hilft mir der Wald mit seinen Steigungen übrigens sehr. Mein Plan nach wie vor: Düsseldorf Marathon Ende April 2019. Wär doch gelacht.

Trotz allem komme ich 2018 auf knapp über 1.700km (und morgen ist ja auch noch ein Lauftag), das spielt in so einem Jahr natürlich überhaupt keine Rolle, aber ist dienlich für meine Motivation.

Ich wünsche euch einen wunderbaren Start ins neue Jahr, auf dass wir alle gesund bleiben und die Freude am Laufen behalten!

Noch ein paar Bilder vom gestrige Schmuddelwetterlauf:
Image/photo
Trist und grau, trotzdem wunderschön!

Image/photo
Nebeldunst auf der Wolfsaap.

Image/photo
Ratet mal welchen Pfad ich immer wähle 🙂