Winter – Frühl… – Sommer

Wer seine Laufrunden draussen dreht, bekommt den Wechsel der Jahreszeiten in voller Pracht um die Ohren gehauen, mit allem was dazu gehört. Und zu jeder Jahreszeit hat man früher oder später bock auf die Nächste mit all den Eigenarten. Ich hechele zum Beispiel nach der dunklen Winterzeit immer wieder dem warmen Frühling entgegen. Leider ist der Frühling hier im Rheinland die letzten Jahre total kurz geworden und geht superschnell in Sommer über. Eben noch Bodenfrost und plötzlich brennende Sonne. Also statt Frühling schnell an Sommer gewöhnen.
Wir haben heute den letzten Maitag und mir kommt es jetzt schon vor wie Hochsommer. Es wird teilweise richtig heiß, die Wiesen vertrocknen, es regnet viel(!) zu wenig, dazu immer wieder dieser Wind, das alles tut der Pflanzenwelt nicht gut.
Trotzdem, ich geniesse mal wieder alles, Herbst und Winter kommen ja auch irgendwann zuverlässig zurück.
Jede Laufrunde hat kleine Highlights. Ob der Beuys-Kopf mit Maske oder ausgebüxte Lämmer oder plötzliche Einsamkeit auf dem Asphalt, mit Tempo durch den Wald fliegen oder noch schneller über die Rheinbrücken knallen oder auch mal gemächlich auf Trampelpfaden am Rhein entlang trotten.
Als notorischer Alleine-Läufer hab ich die Freiheit und das Privileg einfach so laufen zu können, wie es mir passt. Und das geniesse ich wirklich sehr, zu jeder Jahreszeit.

Bitte sehr, einige gesammelte Eindrücke der letzten vier Wochen:

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Realitätscheck

Hier im Rheinland werden nun die ersten Laufveranstaltungen wegen Corona abgesagt und das ist bestimmt erst der Anfang. Die Veranstalter machen es sich ganz sicher nicht leicht und für Meckerei hab ich kein Verständnis. Ja klar, es wurde darauf hin trainiert und vielleicht gab es hohe Erwartungen und überhaupt "das ist mein jährlicher Traditionslauf" blabla. Macht euch mal locker Leute, wir machen das als Hobby, wer gesund bleibt (und das sollte immer oberstes Ziel sein), kann auch in den nächsten Jahren noch Medaillen verdienen.
Da ich eh keinen Trainingsplan hab und einfach aus Spaß an Wettbewerben teilnehme, finde ich es zwar einerseits schade wenn jetzt was ausfällt, aber drehe andererseits einfach weiterhin meine einsamen Runden, an denen ich nicht minder Spaß hab.

Und zur Zeit gibts auch endlich wieder was zu sehen, die Tage werden merklich länger, meine Feierabendläufe sind nicht mehr durchgehend stockfinster und der Rhein hat Hochwasser! Nach den letzten zwei Jahren Trockenheit ist das ein echt ungewohnter Anblick.

März 2019:
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Dazu mal im Vergleich der Sommer 2019:
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Normalerweise laufe ich sehr gerne eher gemütlich direkt unten am Wasser auf den Trampelpfaden, nunja, die sind jetzt abgesoffen. Also hab ich zur Zeit ca. 99% befestigte Wege, die mich nicht grade dazu bewegen langsam zu laufen. Tempotraining leicht gemacht, es passiert einfach.

Und da der "Winter" ja offenbar jetzt wirklich vorbei ist: ich habs mit den Shorts durchgezogen, die langen Tights wurden nicht gebraucht. Es gab aber auch keine so richtig kalten frostigen Tage, mir wurde es also leicht gemacht.  
Stattdessen war meine gute leichte Regenjacke, die ich seit sechs Jahren besitze, noch nie so viel im Einsatz wie in den letzten vier Wochen.
Irgendwas ist ja immer 🙂

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Bleibt alle gesund und dreht weiterhin zufrieden eure Runden an der frischen Luft.

Buddies

Der Januar ist einfach so stillschweigend und routiniert vorbeigegangen, ohne besondere Ereignisse, aber mit vielen Kilometern.
Unter der Woche im Dunkeln laufen, am Wochenende im Tageslicht, mal schnell, mal noch schneller, aber tatsächlich auch mal langsam, im Regen, im Sturm, alles dabei. So mag ich das.
Das milde Rheinland macht es einem aber auch wirklich einfach auch in der dunklen Jahreszeit ohne Nachzudenken rauszugehen und loszulaufen. So richtig mit dicken Winterklamotten war ich noch nicht unterwegs, die ungeliebten Tights versauern ungenutzt in der Schublade, oft reicht das was bereits im November und Dezember ausreichend war. Manchmal dünne Handschuhe, aber das war’s dann auch.
Viel wichtiger ist allerdings, sich vor dem Loslaufen zu vergewissern, dass der Akku der Stirnlampe satt aufgeladen ist. Im Dunkeln laufen macht mir grundsätzlich Spaß, aber es gibt so Ecken und Pfade, da ist es einfach stockfinster, ohne Lampe muss man schon sehr genau auf die Füße achten. Vorausgesetzt die Lampe leuchtet auch vernünftig.
Wenn aber nur müdes Akku-Restlicht aus der guten Leuchte kommt, dann könnte es auf halber Strecke passieren dass der linke Fuß beim Kurve schneiden und in schnellem Tempo einen Betonpoller mitnimmt (was mit Fivefingers besonders unangenehm ist) und dadurch der kleine Zeh arg strapaziert wird. Der tapfere Läufer rennt dann natürlich (fluchend) auch noch die restlichen 12 Kilometer nach Hause und begutachtet erst dann den Schaden. Vorher war es ja eh zu dunkel.
Die gute Nachricht: die Schuhe sind heile geblieben!
Dann sollten aber auch schnell die üblichen Sofortmaßnahmen (PECH) folgen, damit der Zeh sich erstmal wieder beruhigt.
Naja, vielleicht hatte ich noch ziemliches Glück, keine Ahnung ob gebrochen oder "nur" arg gestaucht, beim Arzt war ich nicht damit. Die Schwellung brauchte schon ein paar Tage um zurückzugehen, leichte Blaufärbung ist auch jetzt noch vorhanden, aber der Schmerz hielt und hält sich ziemlich in Grenzen.
Ich bin natürlich äusserst vernünftig und mache seit einer Woche Laufpause, der Kleine soll sich mal beruhigen. Mindestens eine weitere Woche geb ich ihm noch, mal schauen was dann ist.
So richtig schlimm ist das zum jetzigen Zeitpunkt nicht, ich hab zwar einiges geplant, aber das nächste Rennen ist noch weit genug weg. Ich sehe das ganze jetzt einfach mal als normale Erholungszeit, bin ja ansonsten überhaupt nicht eingeschränkt.
Mein kleiner Zeh hat dafür jetzt einen besten Kumpel dicht an seiner Seite, der stützt und hält ihn mit einem "Buddy-Tape".
Was man nicht so alles lernt …

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So kann das Jahr weitergehen

Samstag früh, kurz vor 9 Uhr. Bei schmuddelig-nass-kaltem Wetter gehts mal wieder auf in den Volksgarten. Am heimischen parkrun-Treffpunkt warten bereits einige tapfere und fröstelnde Helfer (die Strecke muss ja vorher auch markiert werden), sowie die ersten Läufer. Freudige Neujahrswünsche werden ausgetauscht, neue Gesichter begrüßt und überhaupt, es macht immer wieder Spaß dort zu sein.
Nach und nach trudeln weitere Läufer ein, am Ende werden immerhin 26 Leute am Start stehen.
Kurzes Briefing, Gruppenfoto, runter zählen und los gehts. Ich sprinte einfach mal vorneweg, aber zwei Herren direkt hinter mir, im Nacken. Die üblichen schnellen Hirsche sind diesmal nicht dabei, also gebe ich ausnahmsweise mal das Tempo vor. Der letzte parkrun im Dezember ist noch in guter Erinnerung, auch an diesem frostigen Tag bin ich anfangs auf erster Position gelaufen um dann auf der zweiten Runde gleich von drei(!) ortsfremden Läufern abgekocht zu werden. Die hatten mich ganz einfach (aus Ermangelung eines echten) als "Führungs-Fahrrad" genutzt, die Strecke kennengelernt und dann aufs Gaspedal gedrückt.
So einfach möchte ich es den beiden Kollegen hinter mir diesmal nicht machen, "einfach nicht überholen lassen" ist jetzt die Devise und vor allem nicht zu früh am Limit sein. Hinter mir wird dann tatsächlich auch zunehmend schwerer geatmet und der Abstand nimmt spürbar zu, bereits vor der zweiten Runde lege ich nochmal einen drauf und ziehe schließlich ab. Die Strecke ist sehr kurvenreich, an einigen Stellen kann man die Nachfolgenden sehr gut sehen ohne sich den Hals zu verrenken, nach 3,5km ist alles klar, da passiert nix mehr, ich bleibe einfach bei meinem Tempo.
Mit 19:24 renne ich schließlich ins Ziel. Endlich mal wieder auf dem ersten Platz, zwar weit entfernt von meiner PB, aber daran kann ich in den nächsten Monaten ja arbeiten, wenn die schnellen Jungs wieder als ungewollte Pacemaker dabei sind.
Auch wenn so ein erster Platz beim parkrun völlig unspektakulär ist, es geht ja mehr um das gemeinschaftliche Laufen und nicht um Ränge, mir gibt es diesmal ein gutes Gefühl als Jahresstart.
Ganz selbstverständlich packen anschließend viele noch beim Abbauen und Aufräumen an, einige gehen danach noch ins Café zum gemeinsamen Frühstück. Ich dagegen schultere meinen Laufrucksack (Wechselklamotten sind immer dabei) und mache mich gemütlich laufend die mittlerweile routinierte 13km-Strecke mit einem Schlenker über die andere Rheinseite auf den Weg nach Hause.

So mag ich den Jahresanfang.

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Kurzurlaub am Meer

Ein paar wundervolle und sehr kurzfristig geplante Urlaubstage an Hollands Küste sind schon wieder vorbei. Aber von den Barfußläufen im Sand werde ich wohl noch eine Weile still vor mich hinschwärmen.
Vom Rheinland aus auf die Halbinsel Walcheren, auch Seeland genannt, zu fahren ist zum Glück kein großer Aufwand. Zwei Tage „Kultur“ in Middelburg und ein Abstecher zum Meer waren geplant, aber wir haben uns vor Ort schnell entschlossen aus dem Abstecher zwei Strandtage in Domburg zu machen, dank Nebensaison war alles fix und unkompliziert gebucht. Die Strände dort sind wirklich traumhaft!

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Wenn die Barfüsse dann endlich im Sand stehen, merkt man ja erst wie sehr das mal wieder nötig war. Freiheit für die Füsse!
Vom Erholungsfaktor abgesehen (den ich bitter nötig hatte), konnte ich es natürlich kaum erwarten endlich am Strand zu rennen. Also rein in die Laufklamotten und losgetrabt. Bei Ebbe über den festen Sand, Möwen ärgern, Muscheln ausweichen und immer wieder durch die Wellen platschen, ohne auf Uhr, Zeit, Pace zu achten, sondern einfach nur mit gehörig Wind um die Ohren nach Laune rennen, perfekt!

Während der Flut wurden die Deichwege genutzt, dort war ich nach einigen Barfuß-Versuchen allerdings lieber mit Fivefingers unterwegs. Statt mit Sand sind diese Wege überwiegend mit so einem eher barfußunfreundlichem Muschelgemisch geebnet. Gemütliche Spaziergänge sind kein Problem, laufen wird allerdings zu einer ziemlich pieksigen Angelegenheit.
Aber ob auf Wegen oder am Strand, die Luft war toll, das Wetter trotz starkem Wind fast perfekt, der Kopf wurde frei gepustet und die Fuß-/Beinmuskeln gefordert.
Und mir ist bei den Läufen mal wieder aufgefallen wie fortschrittlich die Fussgänger/Radfahrer/Auto-Infrastruktur in Holland ist. Beneideswert. Ich bin immer wieder gerne bei unseren Nachbarn. Ein Land wo man sich beim Essen "eet smakelijk" wünscht, muss man einfach mögen.
Diese paar Tage waren eine echte Wohltat, für Kopf und Körper.

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9 Jahre Laufen

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Seit mittlerweile fast genau neun Jahren drehe ich regelmäßig meine Laufrunden.
Der Auslöser war Ende Juni 2010 eine auffällig mangelnde Ausdauer, die sich manifestierte, als ich mal schnell ein paar Etagen Treppe hochlaufen musste und dabei kläglich versagte. Bis dahin glaubte ich wirklich topfit zu sein.
Einen Tag später stand ich im Lauf-Fachgeschäft und hab nach ausführlicher Beratung ein paar Laufschuhe gekauft. Und schon abends ging es los, vorerst mit viel Mühe auf kurzen Strecken.
Bereits von Anfang an wurde jeder Kilometer notiert, mit Zeit und so, ihr kennt das. Eine GPS-Uhr folgte erst wesentlich später. Mir hat es sehr geholfen dran zu bleiben und um die zarten Fortschritte zu sehen. Es ging mir ja erstmal nur um die mangelnde Ausdauer für mehr war mein Kopf auch gar nicht bereit.
Jeder Laufanfänger weiß: die Fortschritte kommen zuerst schnell und sind motivierend, später wird es etwas mühsamer. Mein Schweinehund hat allerdings ziemlich früh aufgegeben, Laufen hat mir sehr schnell, sehr viel Spaß gemacht.

Irgendwann fingen die erste Blogversuche (eher als Tagebuch) an, zuerst mal hier mal dort, nur in kleinen Netzwerken, Anfang 2015 wurde immerweiterlaufen.de als feste "Homebase" daraus.
Ich wollte mehr ehrliche Erfahrungsberichte und Tipps von anderen Läufern lesen und vor allem Läufer kennenlernen und mich austauschen können. Dafür ist ein Blog super geeignet. Mittlerweile erfreue ich mich an vielen supernetten Kontakten die auf diesem Wege zustande gekommen sind. Allein dafür hat sich die Lauferei schon gelohnt.

Zwei Jahre später ergab sich aus purer Neugier der erste 10km Volkslauf, 2014 aus Ehrgeiz der erste Halbmarathon und dann 2015 der erste Marathon, weil ich wissen wollte ob ich das kann.
Der erste 56km Ultramarathon 2017 hat dann Grenzen und Anspruch vollkommen verschoben, beziehungsweise bereits das Training für den Ultra hat einiges in mir in Gang gesetzt, das auch heute noch nicht abgeschlossen ist.
Einfach zu laufen ist eine Sache, auf etwas hinzulaufen eine andere. 5km oder 10km kann man auch als Freizeitjogger (und das meine ich absolut positiv) recht gut hinbekommen. Für einen Halbmarathon muss man auch schon mal regelmäßiger raus, auch wenn das Wetter mistig ist.
Um Marathon in einer geplanten Zielzeit zu laufen, ist eine Portion Ehrgeiz absolute Bedingung. Na klar, die 42km kann man auch unter der Prämisse "Hauptsache ankommen" durchziehen. Diesen Anspruch hatte ich aber bereits nach dem ersten 10er schon nicht mehr. Wenn schon mitmachen, dann will ich an dem Tag auch das Beste aus mir rausholen. Ansonsten könnte ich mir das Geld und den Aufwand doch einfach sparen und meine Abendrunde entsprechend verlängern (was durchaus eine tolle Sache sein kann!).
Auf einen Ultra in der bergigen Eifel zu trainieren, das war allerdings nochmal eine andere Nummer, zumal es hier in Düsseldorf keine echten Berge zum Testen gibt. Da bleibt nur eins: laufen, laufen, laufen, danach noch mehr laufen. Und sich immer und immer wieder durch die lokalen Hügelchen quälen. Bis die Beine glühen.
Als die Marathon-Idee aufkam, hab ich mit diversen populären Plänen rumhantiert, alle namenhaften Helden und Buchautoren waren dabei. Um allerdings sehr schnell zu merken, das ist überhaupt nicht meins. Auch wenn es nun etwas ambitionierter wurde, der Spaß sollte erhalten bleiben, auf ausgefeilte Stundenpläne hatte (und habe) ich überhaupt keine Lust.
Also lief es darauf hinaus nach Körpergefühl zu trainieren, mindestens einmal die Woche einen langen Lauf durchziehen, der zum Marathon hin immer länger wurde, danach Taperingwoche einhalten und gut. Wobei sich die Definition "langer Lauf" mittlerweile auch gewaltig verschoben hat. Die Herausforderung von vor ein paar Jahren ist jetzt zum Beispiel die normale Distanz meiner gemütlichen Abendrunde.
Diese Art zu trainieren hat sich bei mir so bewährt, aber ist selbstverständlich keine Empfehlung für andere. Das alles ist logischerweise stark abhängig von Umfang und Intensität des restlichen Trainings.
Ich renne pro Woche zwischen 60 -100km in eher schnellem Tempo. Manchmal sogar mehr. Das ist mein Wohlfühl-Laufen. Genauso macht mir das Laufen Spaß. Ich möchte und muss mich beizeiten auspowern.
Wer hier regelmäßig mitliest, kennt meine Marotten.
Innerhalb dieses Umfangs baue ich dann rechtzeitig und gezielt immer wieder einige Spitzen ein, die mich auf mein nächstes Abenteuer vorbereiten. Das ist dann mein einziger Plan, ab und zu steht im Kalender sowas wie "sehr langer Lauf" oder "Langer Waldlauf" oder "Höhenmeter sammeln" als Erinnerung. Und manchmal schaue ich sogar vorher in diesen Kalender. Funktioniert, ist realistisch, passt in mein Leben, macht Spaß.
Der Ermüdungsbruch letztes Jahr, sowie der abgebrochene Marathon dieses Jahr, zeigten mir krachend dass der Körper nicht alles verzeiht. Sowas muss man nicht erleben, war am Ende dann aber für mich sehr lehrreich. Manche Fehler begeht man eben nur einmal.
Ich habe in den letzten neun Jahre auf jeden Fall extrem viel gelernt, fühle mich aber immer noch oft genug wie ein Anfänger, ein wenig Demut schadet nicht.
Ich bin Schritt für Schritt von "normalen Laufschuhen" auf minimales Schuhwerk, hauptsächlich Fivefingers, umgestiegen. Fühle mich jetzt fitter, gesünder und ausgeglichener als "damals" mit Anfang 40. Hab nicht nur, wie erhofft, meine körperliche Ausdauer verbessert, sondern auch im Kopf passiert eine Menge positives, immer noch, das ist spannend. Und nicht selten bin ich stolz wie Bolle, auf ein neues erreichtes Ziel.
In einfachen Worten: Laufen tut mir wirklich rundum gut.
… dabei wollte ich doch einfach nur meine Ausdauer verbessern 🙂

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Kopf frei laufen

Ein paar arbeitsfreie Tage, dazu kaum andere Verpflichtungen und fertig ist das kleine Rezept um ein paar Kilometer mehr als sonst zu rennen.
Die letzte Woche konnte ich meine freie Zeit also nutzen und war fast täglich laufend unterwegs, wollte einfach mal wissen wie es um meine Ausdauer so steht, hatte Lust andere Strecken zu laufen, musste dringend den Kopf freibekommen und mich auch einfach mal ein wenig auspowern.
Das Wetter war passend, nicht zu warm nicht zu kalt, alles perfekt. Angefangen mit einem 27km Lauf wurde es die Tage darauf geringfügig kürzer, aber am Ende war die Woche mit 110km gefüllt, das hatte ich schon ewig nicht mehr geschafft.
Ich geb zu dass am Freitag dann auf den letzten paar Kilometern ein wenig die Luft raus war, aber so war ja der Plan.

Meinen Rückweg bin ich oft in der Altstadt am Rheinufer entlang gelaufen, am Wochenende ist dort flüssiges Laufen völlig unmöglich, viel zu voll, also einfach mal den Alltag ausnutzen.
Bei meiner heutigen Sonntags-Runde sah es dort zum Beispiel so aus (bin dann großzügig drum herum gelaufen):
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Aber vorher ging es gemütlich auf der anderen Rheinseite unter anderem über die Kirmeswiese, auf der zur Zeit nur Schafe weiden:
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Wegen des enorm schwül-warmen Wetters hab ich es heute bei knappen 18km belassen und war sehr glücklich über die kleinen neuen Trinkbrunnen:
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Eine schöne "aufgeräumte" Woche war das, ich bin wieder auf Spur.

Sturm statt Kamelle

Rosenmontag in Düsseldorf. Der Großteil der Menschen bejubelt den "Zoch" und staubt Kamelle ab, ich mache statt dessen einen gemütlichen 20er und nutze die menschenleeren Straßen und Wege abseits des Trubels.
Nachdem der angekündigte Sturm schon gegen 4 Uhr in der Früh losgelegt hat, war der Höhepunkt Mittags erreicht und es flaute langsam wieder ab. Für die Jecken perfekt, der Umzug musste nicht abgesagt werden, wurde nur etwas nach hinten verschoben, für mich natürlich genau so perfekt, zumal der Regen auch aufhörte.
Wenn Sturm abflaut heißt das aber noch lange nicht dass er auch vorbei ist. Einige Böen haben mir ordentlich zugesetzt, besonders wenn der Wind direkt über den Rhein knallt, wird man einfach mal satt ausgebremst.
Ungefähr 9km der Strecke gingen frontal gegen den Wind, mit entsprechendem Gefluche (aber auch Riesenspaß), der Rest wurde dann aber mit Seiten- und Rückenwind belohnt. Es gibt wahrlich Schlimmeres 🙂
Bei stürmischem Wetter ist das Licht immer irgendwie anders, sehr kontrastreich, scharf geschnitten. Dazu die schnellen Wolken und das starke Rauschen in den Bäumen.
Das mag ich sehr, tolle Stimmung.

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Kampf gegen den Wind.

Für Rheinländer mit Orientierungsschwierigkeiten, wurde hier ein sehr klarer Hinweis auf den Asphalt gebracht:
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Pure Lauffreude

Warme Phasen gibts ja immer mal wieder im Winter, besonders hier im Rheinland. Aber Ende Februar solche Temperaturen wie die letzten Tage, das ist doch eher selten. Ich finds super! Shirt, Shorts, Fivefinger und ab gehts.
Plötzlich kommt auch wieder Tempo rein, fast wie von selbst, es läuft einfach, alles aus den vergangenen Wochen macht sich bezahlt, jeder auch mal anstrengend-mühsame Lauf war sinnvoll.
Hatte ich im Herbst wirklich einen gebrochenen Fuß? Da kommt immer mehr Abstand rein, alles wird wieder geschmeidig, im Kopf und im Körper.
Stetig verbesserte Kondition, mildes Wetter, wundervollen Sonnenuntergängen, das ist pure Lauffreude!
… ganz ehrlich, ich fühle mich grade wirklich belohnt.

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Sonnenuntergang, knapp verpasst.

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Der Rhein führt schon wieder verdächtig wenig Wasser.

Eine durchaus interessante Entdeckung

Wenn man noch Resturlaub aus dem Vorjahr hat, dann muss der bald weg. Das hat mich in die schöne Situation versetzt einfach mal einige Tage sehr gemütlich zu gestalten. Zum Beispiel, nicht Abends nach der Arbeit im Dunkeln zu laufen, sondern … äh, früh morgens in der Dämmerung. Einfach nur weil es geht. Also im Dunkeln losrennen, um dann am Rhein den Sonnenaufgang abzupassen. Oder das Ende der Mondfinsternis. Oder einfach nur um die zur Zeit kalte, frische, frostige Luft zu geniessen.
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Aber darum sollte es heute überhaupt nicht gehen, sondern um eines der Lieblingsthemen bei Läufern: Schmerzen.
Während meiner Auszeit im letzten Spätsommer/Herbst, hatten sich meine Adduktoren innerhalb weniger Tage verhärtet, in beiden Beinen, bis hoch in die Leiste. Kein Wunder, von Hundert auf Null an einem Tag, danach wenig Bewegung, viel Sofa. Das konnte nicht ohne Folgen bleiben.
Allerdings lasse ich mir sowas nicht gerne gefallen und hatte nun endlich einen guten Grund regelmäßig Stabi-Übungen zu machen, Schmerzen können ja sehr überzeugend sein. Von daher erstmal sogar eine richtig gute Sache. Da bleib ich übrigens auch dran, macht ja dann doch irgendwie Spaß sich für den Tag schon mal in Schwung zu bringen.
Zum Glück haben wir tatsächlich alles was man so braucht im Haushalt, Matte, Gummibänder, kleine Hanteln, aber besonders diese Hartschaumrollen sind ja wunderbar für solche Fälle und kamen exessiv zum Einsatz. Alle möglichen Tipps und Versionen hab ich getestet. Gerollt, geknetet, getriggert. Kleine Linderung gab es immer mal wieder, aber so richtig rausbekommen hab ich das leider nicht. „Warte nur ab, wenn du wieder läufts…“ ging mir immer duch den Kopf, Schmerzen laufen sich ja bekanntlich raus. War nur leider nicht so, wie sich schnell zeigte. Ok, während der Runden ließen die Schmerzen nach, sind sogar (bei gemäßigtem Tempo) fast weg gewesen, aber dann nach der Dusche und etwas ausruhen blöderweise fast doppelt so stark wieder da. Also massieren, rollen und dehnen, immer wieder. Das alles wäre nichts gewesen was mich völlig ausgebremst hätte, ich konnte ja laufen, aber ehrlich gesagt war ich so langsam schon etwas verzweifelt weil es nicht besser wurde. Wer möchte schon ständig mit Schmerzen laufen. Wir haben hier zum Glück eine tolle Physio in der Nähe, die hätte ich dann auch bald mal aufgesucht, nur das hat mir als kleine „Versicherung“ etwas innere Ruhe und Geduld gegeben.
Aber es kam völlig anders.
Wie es der Zufall wollte, stand vor kurzem ein Tattoo Termin an. Rechter Oberschenkel, innen, runter bis in die Kniekehle. Eine unschöne Stelle zum Tätowieren, aber ist ja selbstgewähltes Elend. Routiniert wie gewohnt haben wir den Termin durchgezogen, mir war dabei nicht bewußt dass wir genau auf dem eh schmerzenden Muskel rumarbeiten. Das Motiv ist erwartungsgemäß wunderbar und schön bunt geworden (dazu vielleicht später mal mehr), danach schnell nach Hause und ab ins Bett, es war schon später am Abend und tätowiert werden macht müde.
Am nächsten morgen wurde alles vorsichtig abgeduscht und gesäubert, das brennt immer nochmal so richtig heftig, ein frisches Tattoo ist nunmal eine großflächige Schürfwunde. Danach trocknen lassen und gut. Durch das Brennen ist es mir erst später beim Frühstück aufgefallen: die Adduktoren in beiden Beinen waren still. Völlig. Nicht mal ein Hauch von Restschmerz.
Wie das so ist, kaum zu glauben, erstmal abwarten, muss eine Täuschung sein. Einen Tag später, kein Schmerz. Nichts. Also wirklich gar nichts. Solche lang anhaltenden Schmerzen gehen nicht einfach so weg. Also abwarten, der Körper kann ja ein tückisch Ding sein.
Mittlerweile war ich wieder einige mal laufen, immer noch nichts, alles ist gut. Ich kann Tempo machen, ausweichen, springen, richtig heftig sprinten. Kein fiesen Schmerzen mehr. Wirklich nichts.
Das ist doch völlig irre, oder? Mit Tätowieren Adduktorenschmerzen behandeln?! Davon hab ich bisher noch nie gehört.
Möglicherweise haben die Nadeln bei mir einfach den exakt richtigen Triggerpunkt erwischt und den dann so richtig bearbeitet, eine andere Erklärung hab ich wirklich nicht. Aber dass einfach alles weg ist, also auch im anderen Bein und in der Leiste, das finde ich wirklich total verrückt und erstaunlich.
So ganz traue ich der Sache noch nicht und werde fein weiter beobachten, bin aber im Moment einfach überglücklich und mehr als zuversichtlich, scheinbar ist diese lästige Phase vorbei.
Also bei Adduktorenschmerzen einen Tattooshop aufzusuchen? Naja, das ist wohl eine Entscheidung die jeder mit sich selbst ausmachen muss  😉