Sturm statt Kamelle

Rosenmontag in Düsseldorf. Der Großteil der Menschen bejubelt den "Zoch" und staubt Kamelle ab, ich mache statt dessen einen gemütlichen 20er und nutze die menschenleeren Straßen und Wege abseits des Trubels.
Nachdem der angekündigte Sturm schon gegen 4 Uhr in der Früh losgelegt hat, war der Höhepunkt Mittags erreicht und es flaute langsam wieder ab. Für die Jecken perfekt, der Umzug musste nicht abgesagt werden, wurde nur etwas nach hinten verschoben, für mich natürlich genau so perfekt, zumal der Regen auch aufhörte.
Wenn Sturm abflaut heißt das aber noch lange nicht dass er auch vorbei ist. Einige Böen haben mir ordentlich zugesetzt, besonders wenn der Wind direkt über den Rhein knallt, wird man einfach mal satt ausgebremst.
Ungefähr 9km der Strecke gingen frontal gegen den Wind, mit entsprechendem Gefluche (aber auch Riesenspaß), der Rest wurde dann aber mit Seiten- und Rückenwind belohnt. Es gibt wahrlich Schlimmeres 🙂
Bei stürmischem Wetter ist das Licht immer irgendwie anders, sehr kontrastreich, scharf geschnitten. Dazu die schnellen Wolken und das starke Rauschen in den Bäumen.
Das mag ich sehr, tolle Stimmung.

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Kampf gegen den Wind.

Für Rheinländer mit Orientierungsschwierigkeiten, wurde hier ein sehr klarer Hinweis auf den Asphalt gebracht:
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Pure Lauffreude

Warme Phasen gibts ja immer mal wieder im Winter, besonders hier im Rheinland. Aber Ende Februar solche Temperaturen wie die letzten Tage, das ist doch eher selten. Ich finds super! Shirt, Shorts, Fivefinger und ab gehts.
Plötzlich kommt auch wieder Tempo rein, fast wie von selbst, es läuft einfach, alles aus den vergangenen Wochen macht sich bezahlt, jeder auch mal anstrengend-mühsame Lauf war sinnvoll.
Hatte ich im Herbst wirklich einen gebrochenen Fuß? Da kommt immer mehr Abstand rein, alles wird wieder geschmeidig, im Kopf und im Körper.
Stetig verbesserte Kondition, mildes Wetter, wundervollen Sonnenuntergängen, das ist pure Lauffreude!
… ganz ehrlich, ich fühle mich grade wirklich belohnt.

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Sonnenuntergang, knapp verpasst.

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Der Rhein führt schon wieder verdächtig wenig Wasser.

Eine durchaus interessante Entdeckung

Wenn man noch Resturlaub aus dem Vorjahr hat, dann muss der bald weg. Das hat mich in die schöne Situation versetzt einfach mal einige Tage sehr gemütlich zu gestalten. Zum Beispiel, nicht Abends nach der Arbeit im Dunkeln zu laufen, sondern … äh, früh morgens in der Dämmerung. Einfach nur weil es geht. Also im Dunkeln losrennen, um dann am Rhein den Sonnenaufgang abzupassen. Oder das Ende der Mondfinsternis. Oder einfach nur um die zur Zeit kalte, frische, frostige Luft zu geniessen.
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Aber darum sollte es heute überhaupt nicht gehen, sondern um eines der Lieblingsthemen bei Läufern: Schmerzen.
Während meiner Auszeit im letzten Spätsommer/Herbst, hatten sich meine Adduktoren innerhalb weniger Tage verhärtet, in beiden Beinen, bis hoch in die Leiste. Kein Wunder, von Hundert auf Null an einem Tag, danach wenig Bewegung, viel Sofa. Das konnte nicht ohne Folgen bleiben.
Allerdings lasse ich mir sowas nicht gerne gefallen und hatte nun endlich einen guten Grund regelmäßig Stabi-Übungen zu machen, Schmerzen können ja sehr überzeugend sein. Von daher erstmal sogar eine richtig gute Sache. Da bleib ich übrigens auch dran, macht ja dann doch irgendwie Spaß sich für den Tag schon mal in Schwung zu bringen.
Zum Glück haben wir tatsächlich alles was man so braucht im Haushalt, Matte, Gummibänder, kleine Hanteln, aber besonders diese Hartschaumrollen sind ja wunderbar für solche Fälle und kamen exessiv zum Einsatz. Alle möglichen Tipps und Versionen hab ich getestet. Gerollt, geknetet, getriggert. Kleine Linderung gab es immer mal wieder, aber so richtig rausbekommen hab ich das leider nicht. „Warte nur ab, wenn du wieder läufts…“ ging mir immer duch den Kopf, Schmerzen laufen sich ja bekanntlich raus. War nur leider nicht so, wie sich schnell zeigte. Ok, während der Runden ließen die Schmerzen nach, sind sogar (bei gemäßigtem Tempo) fast weg gewesen, aber dann nach der Dusche und etwas ausruhen blöderweise fast doppelt so stark wieder da. Also massieren, rollen und dehnen, immer wieder. Das alles wäre nichts gewesen was mich völlig ausgebremst hätte, ich konnte ja laufen, aber ehrlich gesagt war ich so langsam schon etwas verzweifelt weil es nicht besser wurde. Wer möchte schon ständig mit Schmerzen laufen. Wir haben hier zum Glück eine tolle Physio in der Nähe, die hätte ich dann auch bald mal aufgesucht, nur das hat mir als kleine „Versicherung“ etwas innere Ruhe und Geduld gegeben.
Aber es kam völlig anders.
Wie es der Zufall wollte, stand vor kurzem ein Tattoo Termin an. Rechter Oberschenkel, innen, runter bis in die Kniekehle. Eine unschöne Stelle zum Tätowieren, aber ist ja selbstgewähltes Elend. Routiniert wie gewohnt haben wir den Termin durchgezogen, mir war dabei nicht bewußt dass wir genau auf dem eh schmerzenden Muskel rumarbeiten. Das Motiv ist erwartungsgemäß wunderbar und schön bunt geworden (dazu vielleicht später mal mehr), danach schnell nach Hause und ab ins Bett, es war schon später am Abend und tätowiert werden macht müde.
Am nächsten morgen wurde alles vorsichtig abgeduscht und gesäubert, das brennt immer nochmal so richtig heftig, ein frisches Tattoo ist nunmal eine großflächige Schürfwunde. Danach trocknen lassen und gut. Durch das Brennen ist es mir erst später beim Frühstück aufgefallen: die Adduktoren in beiden Beinen waren still. Völlig. Nicht mal ein Hauch von Restschmerz.
Wie das so ist, kaum zu glauben, erstmal abwarten, muss eine Täuschung sein. Einen Tag später, kein Schmerz. Nichts. Also wirklich gar nichts. Solche lang anhaltenden Schmerzen gehen nicht einfach so weg. Also abwarten, der Körper kann ja ein tückisch Ding sein.
Mittlerweile war ich wieder einige mal laufen, immer noch nichts, alles ist gut. Ich kann Tempo machen, ausweichen, springen, richtig heftig sprinten. Kein fiesen Schmerzen mehr. Wirklich nichts.
Das ist doch völlig irre, oder? Mit Tätowieren Adduktorenschmerzen behandeln?! Davon hab ich bisher noch nie gehört.
Möglicherweise haben die Nadeln bei mir einfach den exakt richtigen Triggerpunkt erwischt und den dann so richtig bearbeitet, eine andere Erklärung hab ich wirklich nicht. Aber dass einfach alles weg ist, also auch im anderen Bein und in der Leiste, das finde ich wirklich total verrückt und erstaunlich.
So ganz traue ich der Sache noch nicht und werde fein weiter beobachten, bin aber im Moment einfach überglücklich und mehr als zuversichtlich, scheinbar ist diese lästige Phase vorbei.
Also bei Adduktorenschmerzen einen Tattooshop aufzusuchen? Naja, das ist wohl eine Entscheidung die jeder mit sich selbst ausmachen muss  😉

Regen Regen Regen und langsames Steigern

Ich ackere mich langsam wieder hoch, von entspannter Routine zwar noch etwas entfernt, aber ich bemerke die ersten "abgeschalteten Kilometer", ihr wisst schon, dieses Laufen ohne Nachzudenken, einfach nur laufen. Diese Momente liebe ich ja wirklich!
Jeden zweiten Tag geht es zur Zeit auf die Laufstrecken. Einen Tag eine etwas kürzere Distanz mit leichtem Tempowechsel (11-15km), dann das nächste mal eine längere und langsamere Distanz (18-21km), der Umfang wird langsam aber stetig gesteigert.
Da ich ja passionierter Abendläufer bin, ist es zur Zeit halt immer stockduster wenn ich loslege, was mich allerdings von Sprinterei und Übermut abhält. Kommt dann noch Regen und Wind dazu wie in den letzten Tagen, dann bemerke ich ein gewisses leicht anstrengendes Durchbeissen und wünsche mir nicht selten den Knallersommer zurück. Diese Abende zeigen mir auch, dass sehr wohl noch etwas Arbeit angesagt ist um meine alte Kondition wieder einzuholen.
Heute ging es dann immerhin mal im Tageslicht auf die kleine Rheinstrecke, etwas über 15km im strömenden Regen, immerhin bei ca.10°C. Ich hab mich für die V-Trails entschieden, die machen bei so einem Schmuddelwetter einfach den besseren Job. War dann auch gut so, überall Pfützen und ziemlich rutschige Passagen, die konnten mir allerdings nichts anhaben, ich bin sicher durchgerannt.
So richtig schön ist es allerdings anschließend nach Hause zu kommen, klatschnass, voll zufrieden, motiviert und ein wenig dankbar dass die Lauferei schon wieder so gut klappt. Einfach immer weiter laufen 🙂

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Einen hab ich noch

Um einige mentale "Fraktur-Blockaden" noch im alten Jahr aus dem Weg zu räumen, hab ich heute noch eine kleine 15,75km Rheinrunde gedreht.
Weshalb mentale Blockaden?
1. ich bin erstmalig wieder in Fivefingers unterwegs gewesen, seit dem Bruch waren aus Vorsicht nur Trailgloves angesagt.
2. ich musste den exakten Punkt überlaufen, an dem der Fuß gebrochen ist.
3. ich musste einfach die Strecke laufen, die es Ende August nicht mehr wurde.
4. am 31.12. eine Temperatur von 10°C zu haben, da hält mich nix drinnen!
… und ausserdem wollte ich den Rhein mal wieder mit viel Wasser sehen.

Danke für eure Unterstützung in den vergangenen Monaten, wir lesen uns im neuen Jahr! 🙂

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Ein Laufjahr mit Höhen und Tiefen

Was für ein schräges Lauf-Jahr. Es hatte so super angefangen, wurde dann mühsam und anschließend durch den Ermüdungsbruch komplett runtergefahren.
Beim Brückenlauf im April konnte ich haarscharf eine neue 10km Bestzeit erlaufen, in Fivefingers und motiviert bis zum Anschlag.
Eine Woche später der Düsseldorf-Marathon, definitiv mein Highlight des Jahres aus mehreren Gründen. Zum einen weil ich Barfuß-Läufer Wolfgang kennenlernen durfte; ich unterwegs dann erstmalig dem Pulsmesser über den Weg gelaufen bin; dieser Marathon ebenfalls in Fivefingers und mit erstaunlicher Bestzeit durchgezogen wurde; und ich während des Laufs ausser einem Gummibärchen und ein paar Schluck Wasser keinen Bedarf an Energiezufuhr hatte. Ich war einfach fit.
Nach ein paar Tagen Pause kam ich anschliessend nicht so richtig in Gang, vielleicht wegen der nicht endenden Hitze, vielleicht wegen zu kurzer Regeneration, oder beidem, oder wasauchimmer, ist bekanntlich müßig darüber nachzudenken.
Also hab ich einfach mal bewusst runtergefahren, jeden zweiten Tag einen HM bei der Hitze macht schon schlapp, aber immer im Hinterkopf was im Jahr noch so geplant war.
Davon konnte ich dann am Ende leider nichts mehr mitnehmen, grade als so langsam wieder Fahrt reinkam, breche ich mir Ende August den Mittelfuß. Einfach so. Ermüdungsbruch. Das war natürlich extrem ernüchtend. Von Hundert auf Null. Zwischen totalem Frust und tapferen Optimismus dass der Knochen schnell heilt. Draussen brüllte der Sommer und ich konnte nicht mal anständig Spazierengehen.
Nach fast genau drei Monaten Pause, ging es sehr vorsichtig und langsam wieder los, kurze Distanzen in der Nachbarschaft, mit 3km und null Kondition angefangen (traben, Pause, traben…), waren zwei Wochen später wieder 10km drin und ab Weihnachten endlich(!) wieder 15-16km durch den Wald!
Jetzt nur nicht übertreiben. Ich laufe derzeit jeden zweiten Tag, immer noch sehr ruhig und für meine Verhältnisse langsam, dabei hilft mir der Wald mit seinen Steigungen übrigens sehr. Mein Plan nach wie vor: Düsseldorf Marathon Ende April 2019. Wär doch gelacht.

Trotz allem komme ich 2018 auf knapp über 1.700km (und morgen ist ja auch noch ein Lauftag), das spielt in so einem Jahr natürlich überhaupt keine Rolle, aber ist dienlich für meine Motivation.

Ich wünsche euch einen wunderbaren Start ins neue Jahr, auf dass wir alle gesund bleiben und die Freude am Laufen behalten!

Noch ein paar Bilder vom gestrige Schmuddelwetterlauf:
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Trist und grau, trotzdem wunderschön!

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Nebeldunst auf der Wolfsaap.

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Ratet mal welchen Pfad ich immer wähle 🙂

Aus. Vorbei. Laufpause beendet.

Fast genau drei Monate Pause waren es dann am Ende nach meinem Mittelfußbruch.
Seit dem 01.12. laufe ich wieder. Langsam. Kurze Strecken. Anstrengend.

So ungefähr fühlt es sich also für Laufanfänger an, das mühsame Erkämpfen von Kondition. Da wird man etwas demütig. Zum Glück bei mir ohne Schweinehund, aber einfach ist anders, ganz ehrlich.
Anfangs waren es nur kurze 5km Strecken. Mehr war einfach nicht drin. Superlangsam und vorsichtiges in sich lauschen. Vielleicht etwas übervorsichtig, aber besser so als zu übertreiben. Jeder Lauf wurde etwas länger, eher ungeplant, einfach wie es grade so gereicht hat.
Am Rhein oder im Wald war ich noch nicht wieder, nur Stadt und Park Runden, überwiegend nach Feierabend im Dunkeln, ebenfalls nicht so toll. Immerhin bleibe ich so aber aufmerksam und konzentriert.
Meine Durchschnitts-Pace hat sich etwa bei 5:00 eingependelt, eine angenehme Reisegeschwindigkeit für die nächste Zeit.
Die 10km sind bereits auch schon wieder geknackt, aber die Leichtigkeit fehlt noch völlig. Und das nervt mich wirklich etwas, aber hilft ja nix. "Einfach" dran bleiben, kommt alles wieder.
Einen gezielten Plan wie ich wieder reinkomme gibts übrigens nicht. Erstmal nur den Umfang steigern, ohne Tempospielerei, wieder "Routine" bekommen, die verdammte Kondition wieder erarbeiten. Das einzige echte langfristige Ziel ist nach wie vor der Marathon Ende April nächsten Jahres.

Eines hab ich aber noch vor dem ersten Lauf beschlossen: kein Pulsgurt mehr. Er nervt, ich brauch ihn nicht. Ja klar, dadurch bringe ich weniger auswertbare Zahlen mit nach Hause. Das ist aber gut so, ich hab da unterwegs eh nie so richtig draufgeschaut. Und hinterher zu denken "wow, da war der Puls aber hoch" bringt es ja auch nicht wirklich. Also weg damit. Sehr befreiend.

Ich hoffe bald wieder dieses wunderbare leichte Freiheitsgefühl beim Laufen zu geniessen, auf langen Strecken, den Wind um die Ohren, Gedankenreduktion, Abschalten, Tunnelblick. Das vermisse ich echt.
Und da ich grundsätzlich ein optimistischer Mensch bin, sollten hier also demnächst wieder öfter Beiträge auftauchen. Gut gelaunte vor allem 😉

Wie gehts mir eigentlich so?

„Was macht der Fuß“ ist der Satz, die Frage, die ich in den letzten Wochen am meisten gehört hab. Nunja, es kam immer eine angemessen stoische Antwort und fast immer die gleiche zu erwartende Reaktion:
„… und wann kannste wieder laufen?“
Meine Antwort: „Hoffentlich bald, aber Heilung geht vor, nur nichts überstürzen.“
Daran hab ich mich gehalten.

Aber was macht er denn nun aktuell, der Fuß?
Ein Bruch ist ein Bruch, daran gibts nichts zu beschönigen oder zu beschleunigen, das musste ich in den ersten zwei Wochen bitter lernen. Mein Doc ist der Typ ‚ehrlich-und-direkt‘ und wirklich nicht zimperlich mit seinen Antworten. Genau so einen brauche ich, passte also gut. Nach vier Wochen wollte ich ein neues Röntgenbild, kleine Diskussion („glauben sie mir, das ist nicht nötig, der ist noch lange nicht ok“), habs aber bekommen und war erschrocken/erstaunt/enttäuscht wie lange dieser verfluchte Riss im Knochen zu sehen ist.
Der Doc hat mich dazu verdonnert den verdammten Oped-Schuh ganze sechs Wochen zu tragen. Meine Nachfrage ‚es gäbe doch so Carboneinlagen‘ wurde quittiert mit „stimmt, aber nicht für so einen Fall“. Punkt.
Wahrscheinlich kann man drei Orthopäden fragen und vier bis fünf Antworten bekommen, ich habs so hingenommen und bin jetzt ganz froh darüber. Ohne den Schuh hätte ich wahrscheinlich zu früh irgendeinen Blödsinn gemacht.
Langsame Abgewöhnung dann in den letzten zwei Wochen. Himmel, hab ich das Teil am Ende gehasst! Letzten Freitag dann endlich Befreiung! Zurück in den Karton damit und ‚return to sender‘, tschüß, hau ab, ich brauch dich nicht mehr.

Und jetzt?
Ich hab zum Glück früh angefangen täglich Stabi und Krafttraining zu machen, alles was geht ohne den Fuß zu überlasten. Hat gut funktioniert, werde ich auch weiterhin machen.
Die Heilung ist übrigens sehr gut und relativ zügig verlaufen, das hat mir der der Doc mehrfach bestätigt und darüber bin ich wirklich ziemlich froh, er hat wohl schon ganz andere Verläufe erlebt. Glaub ich aufs Wort.
Er sagte aber auch dass der Heilungsprozess natürlicherweise noch lange dauert, vor Mitte November sollte ich auf keinen Fall wieder mit dem Laufen beginnen, am besten erst langsam und sehr kurze Strecken im Dezember und lange Läufe erst wieder im neuen Jahr.
Jetzt ist es ja auch tatsächlich egal, der schöne Sommer ist vorbei, es liegt nichts offizielles an, meine Kondition ist eh dahin, das bißchen Geduld bringe ich noch auf.
Was hatte diese Zeit positives?
Ich hab viel gelesen. Hatte die Zeit und die Ruhe komplexe Bücher am Stück zu verschlingen. Und ganz ehrlich, das hab ich echt genossen!
Die „Southern Reach“ Trilogie von Jeff Vandermeer in einem Rutsch durch, danach gleich weiter mit Vandermeer: „Borne“, „Stadt der Heiligen und Verrückten“, „Shriek“ (ich bin schwer begeistert von diesem Schriftsteller!).
Zwischendurch alles was verfügbar war zum Thema „The Expanse“ (sechs Romane, drei Kurzgeschichten, ich liebe Sci-Fi).
„Das Herz der Finsternis“ (Joseph Conrad) musste mal wieder ran, William Saroyans „Wo ich herkomme sind die Leute freundlich“ in kürzester Zeit verschlungen und daneben noch diverse Fachbücher zu Themen die mich interessieren.
Ausserdem war die Zeit perfekt um mich mal wieder mit Softwareprojekten (Hubzilla usw.) zu beschäftigen und immer aufgeschobenen Technik-Kram zu erledigen (Server Updates usw.).
Autofahren konnte ich ja nicht, also „nebenbei“ dann auch echt viel Homeoffice, das hat erstaunlich gut geklappt. Ich hab in der Tat ein echt klasse und verlässliches Team, sonst wäre es schwierig geworden.
Gestern war ich das erste mal wieder auf meinem Fahrrad unterwegs, hab über eine Stunde den Fahrtwind am Rheinufer genossen, mich befreit und leicht gefühlt. Und genau heute fange ich damit an mir einen kleinen Plan zu machen wie ich wieder langsam mit dem Laufen einsteige.
Ziel ist der Düsseldorf Marathon im April, den ich mit einer besseren Zeit als dieses Jahr finishen möchte. Wär doch gelacht.

Ein paar Bilder gibts auch noch, die Oktobersonne lässt einem ja kaum ne Wahl … und der Rhein führt immer noch Niedrigwasser …
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MFK 3# re.

Der etwas kryptische Titel "MFK 3# re." steht für: Fraktur dritter Mittelfußknochen rechts.
Ermüdungsbruch sagt der Fachmann. Und ich musste mich dafür nicht mal bemühen, einfach nur laufen, sogar eher langsam. Meine abendliche Runde, gewohnt routiniert. Bei km4 schlich sich langsam ein leichter dumpfer Schmerz in den Fuß. Einfach den Schmerz weglaufen ist ja immer eine gute Idee. Einfach mal anhalten aber auch, wenn es immer schlimmer wird. Es wurde einige Minutenbruchteile später so schlimm, dass Laufen nicht mehr möglich war. Also mit anhaltenden Schmerzen die ca. 4,5km zurückgehumpelt und erstmal die PECH Regel befolgt.
Was eigene Gebrechen betrifft bin ich entweder bei totaler Ignoranz oder extremer Vernunft. "Wird schon nicht so schlimm sein" ist als ewiger Optimist fast immer mein erster Gedanke (und oft stimmt der auch).
Die Vernunft mal einen Arzt zu konsultieren (ich mag keine Arztbesuche) trat diesmal sehr spät ein. Freitag abend der abgebrochene Lauf, Samstag noch mit Kühlung und Salbe rumexperimentiert ("ist bestimmt nur die Sehne…"), brauchte es schließlich den Sonntagmorgen um mich endlich in die Notfallambulanz des nahe gelegenen Krankenhauses chauffieren zu lassen.
Der diensthabene Arzt drückte ein wenig auf der Schwellung herum, schickte mich zum Röntgen, fällte anschließend das vernichtende Urteil anhand des Röntgenbilds: "Sehen Sie? Da ist der Bruch" und schrieb MFK 3# re. auf den Diagnosezettel.
Mit einer Packung Ibuprofen zur Sicherheit (brauchte ich zum Glück nicht), einer Orthese (mit dem schönen Namen Vacopedes) am verletzten Fuß und dem Hinweis einen niedergelassenen Orthopäden für die weitere Behandlung aufzusuchen, wurde ich dann wieder entlassen.
Die gute Nachricht: der Knochen ist tatsächlich nur angeknackt, nicht durch. Das wars aber auch mit den guten Nachrichten.
Statt in Fivefingers über die Strassen zu fliegen, trage ich jetzt einen klobigen orthopädischen Stützschuh. Statt mich auf den Frankfurt Marathon vorzubreiten (sorry Wolfgang!), sitze ich auf dem Sofa; statt die schönen Sommertage laufend am Rheinufer oder im Wald zu geniessen, hänge ich zuhause rum.
Das alles ist jetzt eben so wie es ist, ich bemühe mich nicht frustriert zu sein und verlasse mich auf eine schnelle Heilung, aber gute Laune ist anders.
Wieso kam es überhaupt zu diesem Maleur? Das kann ich nur vermuten. Der Arzt meinte da soll ich mir keine Gedanken drum machen, sowas kann passieren und kommt zum Beispiel auch gerne bei Leistungssportlern vor. Ob es vom exessive minimalen Laufe kommen könnte? Auch das wurde verneint, dann hätte der Fuß den Marathon nicht überlebt. Eigentlich komme sowas nur bei vorübergehenden Fehlbelastungen vor, untypisch sei der dritte Knochen, oft bricht der fünfte.
Tatsache ist, mein rechter großer Zeh hatte einige Tage zuvor mal wieder einen Türrahmen touchiert und schmerzte entsprechend. Ich war anschließend drei Tage auf einer Messe unterwegs (ohne abendlichen Laufen), mit sehr viel Latscherei und hab dort den Fuß, wegen Großzeh, permanent eher unbewusst in Schonhaltung bewegt. Einen Tag nach der Messe dann der Bruch, das könnte also passen.
Nun harre ich also der Dinge, habe alle Wunschtermine und Ambitionen für dieses Jahr abgehakt und sehe zu dass der Fuß schnell wieder einsatzfähig ist. Dieses zweite halbe Jahr ist irgendwie nicht so richtig gelungen … Also werden Pläne für nächstes Jahr gemacht. Und Ziele gesteckt. Wäre doch gelacht!

Langsam aber sicher

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Heute gab es endlich Regen. Nicht nur das, sondern den ganzen Tag über kamen schöne dicke Schauer runter, mit Gewitter und (erwartungsgemäß) anschließende Schwüle. Die hohe Luftfeuchtigkeit hat allerdings mehr reingehauen als gedacht. Meine ersten 5 Kilometer waren schweißgetränkt und von schnellem Tempo möchte ich gar nicht reden, das war schlicht nicht vorhanden. Zum Glück kam dann Stück für Stück etwas frischer Wind auf, ich musste einfach nur aus dem Stadtgebiet raus. Und dann kam er, der Moment, der Startschuss für endlich mal wieder zügiges flottes Laufen wie ich es mag! Noch eine Extrarunde über den Messeparkplatz (klingt doof, aber da läuft es sich wunderbar), schnell durch die Felder, rauf auf den zuerst noch menschenleeren Rheindeich, der Wind schräg von der Seite und mit viel Freude aufs Gaspedal drücken. Endlich mal wieder ohne Hitzebremse mit einer 4:20er Pace am Rheinufer entlang preschen, durch Pfützen rennen, Jogger überholen, Radfahrer ärgern, Hundehalter (ungewollt) erschrecken, die knappen 10 Kilometer als Rennstrecke ausnutzen (Fotopause war nicht drin, der Schnappschuss über die Schulter ist dafür aber erschreckend gut geworden).
Das hatte ich echt vermisst, zuerst durch die Zipperlein, dann kam die Hitzewelle, aber jetzt endlich kann ich wieder wie ich möchte. Geduld haben klappt immer noch bei mir, zahlt sich immer aus.
Auf den Rheinwiesen angekommen, wird man leider fast immer etwas ausgebremst, da wird gejoggt was das Zeug hält, Schweißflecken entdecke ich nur selten auf den teuren Klamotten, "Accessoires" zeigen, sehen und gesehen werden ist da am wichtigsten (ich nenne es Schaulaufen), nur schnell weg, unterm Freilichtkino durch den Tunnel traben, anschließend die Schuhe aus und die letzten 5 Kilometer barfuß nach Hause rennen, sogar schneller als mit Schuhen. So mag ich das.
Langsam kehrt also meine Kondition zurück, ihr ahnt gar nicht (naja, ok, vielleicht doch) wie verdammt froh ich darüber bin! 🙂